Europa 1350 bis 1500 (in Arbeit)

 

Weltwirtschaft

Monokulturen

Messen

Bergbau und Metalle

Massenproduktion und Kapitalkonzentration

Zünfte

 

Italien: Der Handel

Italien: Finanzgeschäfte

Spanien

Die Hanse

Süddeutschland

England

Der englische Bauernaufstand (Wat Tyler&Co)

Das Land in England

 

 

 

Neue Welten - Weltwirtschaft

 

Seit 1402 spanische Eroberung und Kolonisierung der Kanaren.

1415 Portugal erobert Ceuta, dann Porto Santo und Madeira. Zuckerrohrproduktion.

Dann gelangen Portugiesen an der afrikanischen Westküste entlang 1486 nach Namibia. Pfeffer, Gold, Elfenbein und Sklaven.

1488 fährt Bartolomeu Diaz um das Kap der guten Hoffnung

1492 erreicht Kolumbus Santo Domingo und Giovanni Caboto dann von Bristol aus Neufundland

1497 Vasco da Gama nach Indien Antwerpen wird Markt für portugiesische Kolonialwaren.

1500 gelangt Pedro Alvares nach Brasilien

 

Was früher so beschönigend als Zeitalter der Entdeckungen benannt wurde, ist die zweite große Etappe des Kapitalismus, die bis in die zweite Industrialisierung des 18./19. Jahrhunderts hineinreicht und durch diese dann ergänzt wird. Was dann noch bis heute fehlt ist jene Sozialdemokratisierung des Kapitalismus im 20. Jahrhundert, die die Welt in eine des Konsumismus und eine der Produktion teilt, durch qualitativ abnehmende Massenproduktion im größeren Teil der Welt und durch Massenkopnsum im kleineren gekennzeichnet. Es ist dies die Zeit, in der den wenigen Interessierten die Granzen des Wachstums, das heißt, der Bewegungen des Kapitals deutlich werden, die inzwischen irreversibel überschritten zu sein scheinen. Es ist dies auch die Zeit, in der die abendländische Zivilisation durch die Zusammenarbeit der dominierenden sozialdemokratischen und sozialistischen Parteien mit dem alles umwälzenden Kapital zur Gänze verschwindet. Aber das ist nicht mehr Thema hier und dem, der das möchte, auch bekannt.

 

 

Der Islam wird zur Gänze wieder aus dem Westen des nördlichen Mittelmeerraums vertrieben. 1492 wird Granada eingenommen. Der östliche Mittelmeerraum andererseits wird zunehmend von einem islamisierten zentralasiatischen Turkvolk kontrolliert, welches mit dem Fall von Konstantinopel/Byzanz das nach seiner Herrscherfamilie so genannte osmanische Reich begründet. Beide Entwicklungen haben aber wenig Einfluss auf den sich entfaltenden Welthandel,

 

Der neuartige Welthandel durch Eroberungen beeinflusst die Konjunkturen des 15. Jahrhunderts aber nur langsam. England beispielsweise hat unabhängig davon um 1400 einen Handelsboom, um 1450 eine Rezession und um 1470 ein erneutes Wirtschaftswachstum.

Seetüchtigere Schiffe, die dann Atlantik und Indischen Ozean bewältigen, führen zu allererst zum Seehandelsweg aus dem Mittelmeer um die iberische Halbinsel, nun weithin von islamischer Herrschaft befreit, und wieder zurück. Neben den Produktions- und Handelszentren in der Nordhälfte Italiens tauchen nun kastilische auf, zudem verlagert sich langsam Kapital von Flandern erst nach Antwerpen und dann auch nach den späteren Niederlanden (oft heute im Deutschen als Holland zusammengefasst).

Bedeutsam wird zudem der Aufstieg Englands zu einer Seehandelsmacht und einem wichtigen europäischen Produktionsstandort über seine Tuche, die nun zunehmend von englischen Kaufleuten exportiert werden.

 

 

Monokulturen

 

Mit steigender Kaufkraft der Überlebenden der Krisen des 14. Jahrhunderts sinkt die Nachfrage nach Getreide, dem Hauptnahrungsmittel, und die nach Fleisch steigt. In den höheren Lagen der Alpen schwindet der Ackerbau und wird durch Viehzucht ersetzt. Dasselbe gilt für Gegenden Dänemarks und Nowegens und für große Flächen in Polen und Ungarn. Es entstehen ganze Weidelandschaften für Rinderzucht, wo bei Polen Norddeutschland und Ungarn Süddeutschland beliefert. Dazu werden regelmäßig ganze Herden über weite Strecken getrieben.

 

Die Rinderzucht nimmt auch in der Poebene mit ihren feuchten Wiesen zu und macht die römische Campagna zu Weideland. In Süditalien nimmt die Schaf- und Ziegenzucht zu.

Mit der Einführung der Merinoschafe und ihrer hochwertigen Wolle im 14. Jahrhundert, die nun auch die englische an Qualität übertrifft, werden die Hochlagen von Kastilien und Leon zu Schafland. Die Wolle geht nach Flandern, Italien und Frankreich vor allem. In der jährlichen transhumancia kommt es zu langen Wanderungen der Schafherden aus dem Norden in die wärmeren Niederungen Andalusiens. Die Könige privilegieren die Organisationen der Schafzüchter, die nun vor der Ausplünderung Südamerikas einen wesentlichen Anteil am Reichtum im kastilischen Reich haben.

 

Der ferngehandelte Weinbau erlebt im 14. Jahrhundert einen massiven Einbruch, bevor er dann im 15. Jahrhundert zu einer neuen Blüte führt und in Gegenden, die ohnehin bereits in Richtung Wein-Monokultur tendierten, zu reinen Weinlandschaften , wie im Bordelais und Auxerois und Gegenden Süditaliens. Die stark verbesserten Transport- und Handelsbedingungen machen es möglich, in solchen Gegenden den übrigen Warenbedarf von anderswo zu besorgen.

 

Ähnliches gilt für die kleineren Obst- und Gemüseanbaugebiete und für den großflächigen Anbau gewerblicher Pflanzen wie Hanf, Flachs oder von Färberpflanzen wie Krapp, Waid, und Safran. Dazu kommen Hopfengebiete für die Bierproduktion.

 

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts beginnt dann in einigen Gebieten wieder eine Zunahme der Bevölkerung, worauf solche Spezialkulturen wieder eingeengt und durch Getreideanbau ersetzt werden.

 

Messen

 

Die Frankfurter Messe vermittelt innerdeutsch vor allem zwischen Nord und Süd besonders im Metallwaren- und Tuchhandel.

Einen zentralen Rang hat auf die Messe von Genf mit starker italienischer Beteiligung. 1462 verbietet allerdings der französische König für dort seinen Untertanen den Messebesuch und fördert mehrere zeitgleiche Messen in Lyon, was zur Abwanderung der italienischen Firmen dorthin führt.

 

Bergbau und Metalle

 

Von den Krisen und den Kontraktionen des 14. Jahrhunderts wird auch der Bergbau betroffen. Aber es entstehen doch auch im 15. Jahrhundert neue Metallgewerbe-Landschaften im Bergischen Land, im Sauer- und Siegerland,  die in den folgenden Jahrhunderten Kontinuität beweisen. Um 1415 wird in Nürnberg zudem die Drahtziehmühle erfunden, wobei Draht mittels eines Pleuelstangensystems maschinell hergestellt werden kann. "Die Zahl der Nürnberger Handwerks meister in der Eisenverarbeitung stieg von 409 im Jahrzehnt 1361-1370 auf 1335 am Ende des 15. Jahrhunderts." Gilomen, S.118)

 

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts werden dann alte Bergwerke durch neue Wasserhebemaschinen und Saugpumpen reaktiviert. Im Erzgebirge werden neue Silbervorkommen entdeckt, und daraus entwickelt sich St.Annaberg. Ähnliche Vorkommen finden sich dann auch im Tiroler Inntal. Immer mehr kaufmännisches Kapital fließt in die Erzgewinnung, wobei es auch zu neuen Techniken in der Herauslösung aus dem Gestein kommt.

 

Einen neuen Aufschwung nimmt auch die Waffenproduktion mit der Erfindung des Schießpulvers und der Artillerie. In Nürnberg werden nun auch Kanonen hergestellt. Mailand bleibt aber führend in der Rüstungswirtschaft. 

 

Gerade im produzierenden Metallgewerbe nehmen Kapitalkonzentration und Firmengröße zu. Für 1457 ist von Thomas Dountons Londoner Zinnwerkstatt überliefert, dass er 18 Lehrlinge und Lohnarbeiter beschäftigt. (Dyer, S.320)

 

Eine massive Zunahme verzeichnet im 15. Jahrhundert der englische Kohlebergbau, in den auch Bischöfe wie der von Durham investieren, und wo das einzelne Bergwerk nun von um die 12 Arbeitern betrieben wird. Oft von Pferden betriebene Pumpen entsorgen dabei das Wasser. Um 1510 schickt Newcastle bereits jährlich um die 40 000 Tonnen Kohle überall hin, insbesondere aber auf dem Seeweg nach London.

 

Massenproduktion und Kapitalkonzentration

 

Wenn in der Produktion von Metall- und Tongefäßen das Personal über zwei bis drei Leute hinausgeht, wird bereits die Größe eines üblichen mittelalterlichen Handwerksbetriebes überschritten. Bei einem Betrieb, der im späten Mittelalter Gerätschaften und Gefäße aus Zinn herstellt, und der zwischen zehn und zwanzig Leute beschäftigt, nähern wir uns fabrikmäßigen Verhältnissen, wie auch dort, wo Mühlen verschiedene metallverarbeitende Produktionslinien gleichzeitig bedienen. Dazu gehört, dass Mühlen Ende des 15. Jahrhunderts gleichzeitig Schmiedehämmer und Blasebälge bedienen und so Gußeisen herstellen können.

 

Solche Betriebsgrößen und Mühlanlagen verlangen mehr als das minimale Kapital, mit dem Handwerksbetriebe normal ausgestattet sind. Hier konzentriert sich Kapital nicht mehr nur in Finanz- und Handelsunternehmen, sondern in der Produktion selbst, und es ist nicht mehr immer Adel, der hier investiert, sondern eben zunehmend auch Bürgertum.

Während die Manufakturen der frühen Neuzeit zum großen Teil fürstlich subventionierte Luxusproduktion betreibe (Gobelins, Porzellan etc.), sind die größeren und kapitalkräftigeren Produktions-Firmen des späten Mittelalters vorwiegend auf Massenproduktion mittlerer und unterer Qualität aus. Das verlangt natürlich Massenkonsum an Gebrauchswaren und entsprechend kaufkräftige Massen, wie sie im 15. Jahrhundert üblich werden. Der Kapitalismus führt unübersehbar zu steigendem Wohlstand breiterer Schichten bis ins Handwerk und dem wohlhabenderen Teil der Bauernschaft.

 

Kapitalkonzentration führt in einzelnen Branchen zur Firmenkonzentration. Die Zahl der Töpfereien geht zurück und die übriggebliebenen haben entsprechend höheren Ausstoß.

Bei den Brauern in Oxford führt das von einer Zahl von über 250 im Jahre 1311 zu ungefähr 24 im frühen 16. Jahrhundert. Ein wesentlicher Grund ist die Nutzung sdes Hopfens für die Bierproduktion, wobei niederländisches Bier das englische Ale zurückdrängt. Mit Hopfen gebrautes Bier schmeckt nicht nur anders, sondern bedeutet erheblich erhöhte Haltbarkeit. Damit kann Bier auch für fernere Märkte produziert und dorthin transportiert werden. Es wird zum Massenprodukt selbst für Handel über Regionen hinweg. Und da die neuartigen Braukessel über 20 Pfund kosten, wird das Brauen großer Mengen nun zur Sache kapitalkräftiger Unternehmer, auch wenn das Ale nicht ganz vom Markt verschwindet.

 

Ein Gutteil der Produktion der nunmehr schnell aufsteigenden englischen Tuchproduktion bedient solche Massen, und wo wie in Flandern vornehmlich hochwertige Stoffe hergestellt wurden, bricht nun englische billige Exportware für die Massen der Unterschicht ein.

 

Das gemahnt schon etwas an den viel breiter angelegten Massenkonsum der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts insbesondere in den USA, während der der zweiten Hälfte desselben Jahrhunderts mit seiner globalisierten Arbeitsteilung immer mehr Quantität mit stetig sinkender Qualität verbinden wird und mit zunehmenden Zwängen: Wer neue Konsumwaren nicht mehr bezieht, scheidet aus dem Arbeitsmarkt und inzwischen auch aus der Welt schneller "Informationen" aus.

 

An Moden orientiertes Konsumverhalten charakterisiert schon den Adel des hohen Mittelalters, insbesondere als in der Zeit des gotischen Stils die modischen Veränderungen sich beschleunigen. Die städtischen Bürger ziehen so schnell mit, wie sie können, was insbesondere die Kleidermoden angeht, was das Tuch- und Schneidergewerbe massiv fördert, auch dadurch, dass man nun nach Möglichkeit mehr Kleidungsstücke zum wechseln besitzt, insbesondere bei leinener Unterbekleidung, Bettwäsche und Tischwäsche. Am Ende des Mittelalters gibt es auch für kleinere Geldbeutel modische Waren kleiner Größe, die in England die haberdasher von den mercer ablösen. Hauben, Hüte, Börsen, Haarnadeln und Schnallen gehören dazu, die in einer Art Massen- und Serienproduktion bei verminderter Qualität zum gesteigerten Konsumverhalten einladen. Dazu kommen Strumpfhalter und -bänder, Busenbänder und -tücher, Seidentücher usw.

 

 

 (Zünfte

 

Regulierung, Wettbewerbsbeschränkung, Ausbildungsverordnung, Qualitätskontrolle, Löhne und Absatzquoten)

 

Italien: Der Handel

 

In Italien ist für das späte Mittelalter massiv zu unterscheiden zwischen den hochkapitalistischen Stadtstaaten des Nordens und den beiden Sizilien im Süden.

Musterbeispiel für den Norden ist Florenz, welches mit seinen städtisch-kapitalistischen Interessen die Toskana dominiert. Die eroberten Städte werden in ihren wirtschaftlichen Möglichkeiten stranguliert durch Unterbinden der Tuchproduktion mit Ausnahme des Wolltuchs von Prato und der Seide von Pescia. Das Land wird über starken Steuerdruck und andere Maßnahmen gewzungen, seine Erträge zugunsten der Städte und insbesondere von Florenz abschöpfen zu lassen, Der fehlende Anreiz für die Bauern führt zu weiterhin relativ geringer Produktivität insbesondere beim Getreideanbau. Entsprechend muss die Stadt Florenz immer wieder aus der Ferne einzukaufen.

 

Florenz stellt dann in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts die Tuchproduktion auf qualitativ höherwertige Ware um und gewinnt damit einen größeren Markt für die Abnahme solcher Tuche, in Konkurrenz zu entsprechenden aus England, Flandern und Brabant. In Florenz waren nach der Steuerliste von 1352 "1381 Familienoberhäuper als Wollarbeiter tätig, das sind 28,4% aller erfassten Berufsleute. Nach der Steuerliste von 1427 waren es noch 1098 Familienoberhäupter oder 20,1% der Berufsleute." (Gilomen, S.119)

 

Inselsizilien duldet unter der zentralisierten Herrschaft des Hauses Aragon im 15. Jahrhundert keine solche städtische Dominanz wie im Norden Italiens. Die Produktivität im Getreideanbau ist deshalb auch etwa doppelt so hoch wie in der Toskana, und im Mazzaratal  angebautes Getreide ist dadurch ein in die Ferne gehandeltes wichtiges Exportprodukt.

Kleinbauern verkaufen und erwerben Waren auf einem offenerem Markt als im Norden und spezialisieren sich auf Produkte wie Wein und Öl, produzieren im Nebenerwerb Seide und arbeiten saisonal in der zunehmenden Zuckerproduktion. Der fürstliche Flächenstaat operiert eben hier ganz anders als mit konzentrierterem Kapital Handel und Finanzen betreibenden und die Tuchproduktion kontrollierenden Stadtstaaten.

 

Der kapitalistisch-bürgerliche Stadtstaat erweist sich nicht nur hier als wesentlich brutaler als fürstlich-landesherrliche Staatlichkeit.

 

Die wichtigsten italienischen (See)Handelsstädte im späten Mittelalter bleiben Genua und Venedig und dazu kommt das aufgestiegene Florenz, nachdem es Pisa annektiert hat und bevor es um 1480 der venezianischen Konkurrenz unterliegt. Während Florenz sich auf das westliche Mittelmeer konzentriert, liegen Venedigs Interessen traditionell stärker im Osten. 1423 stellt der Doge Mocenigo eine Bilanz auf: "Danach verfügte Venedig über 300 Schiffe und 45 Galeeren, 19 000 Matrosen fuhren hier zur See, die staatliche Werft beschäftigte 3 000 Zimmerleute und 3 000 Kalfaterer. Import und Export über Venedig beliefen sich auf je 10 Millionen Dukaten." (Gilomen, S.109) So wie Venedig schon im hohen Mittelalter für den Ostteil der Poebene über ein Monopol im Salzhandel verfügte, so monopolisiert es auch den Pfefferimport.

 

Ein ähnliches Monopol halten genuesische Familien zwischen 1275 und 1455 im Bereich des Alauns aus Phokäa. Das gibt ihnen enorme Macht, da dieser Stoff für die Gerberei, Textilfärberei und Glasproduktion wichtig ist.

Um 1463 werden bei Tolfa im Kirchenstaat Alaunvorkommen entdeckt. Papst Pius II. sorgt dafür, dass eine dafür geschaffene Monopolgesellschaft Abbau und Handel übernimmt. Den Handel mit türkischem Alaun versucht er dann für die ganze Christenheit zu verbieten. Mit König Ferrante von Neapel trifft er dann Vereinbarungen, um den Preis des Alauns hochzuhalten.

 

Eine weitere Schlüsselrolle spielt für Genua der Besitz der Insel Chios, über die der Handel mit türkischen Produkten läuft.

 

Italien: Finanzgeschäfte

 

Nach den Bankrotten großer toskanischer Firmen in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts tauchen dort mit den Alberti, Strozzi, Medici, Guardi, Soderini und Ricci neue Gesellschaften auf, die nicht mehr ganz dieselben Ausmaße wie die früheren haben. Dabei nimmt die Spezialisierung auf Finanzgeschäfte zu, die dann Ende des 15. Jahrhunderts zum wichtigsten Geschäftszweig werden.

 

Schon Anfang des 15. Jahrhunderts wird das Risiko der Kapitalbeteiligung durch Kommanditgesellschaften eingegrenzt, bei dem die Anteilseigner einer Gesellschaft nur noch bis zur Höhe ihres jeweils eigenen Kapitalanteils haften. Girokonten werden für immer mehr Transaktionen genutzt.

 

Die meisten europäischen Finanzplätze befinden sich in Nord- und Mittelitalien neben denen von Neapel und Palermo. Daneben ist noch London ein Finanzplatz von Rang, und der von Genf, den königliche französische Politik dann ruiniert, weswegen seine Funktion nach Lyon verlagert wird, wo aber wie in Genf Italiener das Geschäft betreiben.

 

Spanien

 

Neben den im Welthandel über drei Kontinente dominierenden italienischen und flämischen bzw. niederländischen Städten behauptet sich in der zweiten Hälfte des 14. und ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts Barcelona. Neben dem katalanischen Hauptort schwingen sich auch Valencia und Palma de Mallorca zu Finanzplätzen mit einem Geldmarkt für Kredite auf.

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts schwindet aber außerhalb Kataloniens bereits der Einfluss der städtischen Oberschicht auf die Verwaltung der Stadt mit zum Beispiel in Kastilien der Einsetzung lebenslanger königlicher Regidores, die wiederum zusammen mit Bürgermeistern die Beamten der Stadt einsetzen und selbst die Finanzen verwalten. Inzwischen (1325) werden auch Bündnisse zwischen Städten verboten. Mit der zusätzlichen Einsetzung königlicher Corregidores wird dann die städtische Selbstverwaltung zur Gänze erstickt. In derselben Zeit setzt die kastilische Krone eine allgemeine Umsatzsteuer durch, die gearde auch städtische Konsumenten trifft, die sie durch den Preisaufschlag bezahlen müssen. Diese alcabala trägt erheblich dazu bei, dass sich die königlichen Einnahmen zwischen etwa 1300 und der Mitte des Jahrhunderts verdreifachen.

 

In den kriegerischen Ereignissen zwischen 1462-72 kommt es zum Niedergang Barcelonas, der erst durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert wieder etwas überwunden wird.

 

Die Hanse

 

Ganz anders als der Mittelmeerraum mit seinem massiven Konkurrenzkampf zwischen Staatstaaten und Königreichen hat sich im Nord- und Ostseeraum aus dem Verbund von Händlern einer Stadt und eines Handelszieles im 14. Jahrhundert ein machtvoller Städtebund entwickelt, der seine Interessen zur Not auch mit massiver Gewalt verfolgt. Im Westen sind zunächst Brügge und dann zunehmend Antwerpen die zentralen Umschlagplätze, im Zentrum steht Lübeck. Der Handelsraum umfasst Flandern, England, Norddeutschland bis zum Baltikum, Skandinavien und Russland. Lübisches Recht und niederdeutsche Sprache verbinden die Räume ebenso wie ein Netzwerk von Privilegien.

 

Der Hanse-Finanzplatz Brügge wird von Italienern beherrscht

 

Süddeutschland

 

In Süddeutschland bilden Geschlechter einer Stadt Handelsgesellschaften mit zunehmendem Kapitaleinsatz. Die Beziehungen gehen stark nach Italien und Spanien, aber auch nach Flandern und England. "Die Ravensburger Gesellschaft unterhielt im Verlauf ihrer Entwicklung Niederlassungen (Gelieger) in Venedig (nur bis 1474), Mailand, Genua, Genf, Lyon, Avignon (...), Barcelona, Saragossa, Valencia, Brügge (bis 1485) und später Antwerpen (seit 1485), Nürnberg und Wien." (Gilomen, S.111).

 

Deutsche Gesellschaften halten sich bis zur Abwanderung des Kapitals von Brügge nach Antwerpen Ende des 15. Jahrhunderts von großen Finanzgeschäften ferngehalten, bis sich dann die Hochstetter vor 1486 am Antwerpener Geldmarkt etablieren, und nach ihnen 1494 Jakob Fugger und eine Anzahl Jahre später die Welser. Basis für den Aufstieg solcher Firmen sind allerdings die Erze Sachsens, Mährens, Schlesiens und Tirols.

 

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Textilproduktion in größerem Maßstab verbreitet sich überall in deutschen Landen. Besonders in Köln werden Seidentuche hergestellt, wobei es zum Sonderfall von Frauenzünften für die Produktion kommt, während die Männer den Rohstoff besorgen und die Fertigprodukte verkaufen. Zentrum der europäischen Seidneproduktion wird allerdings Venedig mit seinen Brokatseiden und rund 3 000 Seidenwebern im 15. Jahrhundert. Die Verbreitung der Seidenzwirnmühle nördlich der Alpen wird durch Zunftbeschlüsse gestoppt, um die Arbeitsplätze der Spinnerinnen zu erhalten (1412 in Köln). Am Ende des 15. Jahrhundert setzt sich dann das Spinnrad mit Fußantrieb und Flügelspindel langsam durch.

 

Hochwertiges Leinen kommt aus Brabant und Flandern, vieles aber auch aus Oberschwaben, aus dem Vogtland und der Lausitz. Von der zweiten Hälfte des 14. bis zur ersten des 15. Jahrhunderts verbreitet sich die Barchentproduktion zwischen Basel, Augsburg und Regensburg.

 

England

 

Die Zeit zwischen 1350 und 1450 ist überall dort, wo Hungersnöte, Pest und andere Seuchen zugeschlagen hatten, eine Zeit mangelnder Arbeitskraft und ihrer allgemeinen Verteuerung. Das wirkt sich bis in die Rekrutierung oder Anmietung von Militärs bzw. Söldnern aus. Während dann nach 1450 die Bevölkerung in Frankreich und Italien wieder deutlich zunimmt, stagniert sie in England bis etwa 1540 (Dyer, S.266).

Zur Knappheit an Arbeitskraft gehört auch bis um 1465 eine solche an Silber, die Münzknappheit bedeutet. Besonders kleine Münzen, der halfpenny und der farthing fehlen im alltäglichen Leben.

 

Tatsächlich dauert es aber in England mehrere Jahrzehnte, bis die Getreidepreise deutlich sinken, was vielleicht an Missernten nach der Pest liegt, und die Reallöhne steigen auch nur langsam und stärker erst etwa zwanzig Jahre nach der Pest. Das mag daran liegen, dass relative Arbeitslosigkeit vor der Pest erst einmal nachher dazu führt, dass Arbeitslose in Arbeit kommen. Zudem führen die Höchstlohngesetze dann vielleicht dazu, dass Lohnherren auf dem Markt erzwungene höhere Löhne verheimlichen.

 

England liefert neben italienischen Stadtstaaten wie Venedig die besten frühen Beispiele für den Einsatz von Handelspolitik für die allgemeine Machtpolitik. Das belegt das politische Manipulieren der Wollausfuhren zum Beispiel mit Abgabenaufschlägen gegenüber insbesondere Flandern wie das Monopolgehabe Venedigs seit dem 11. Jahrhundert.

Aber im Kern dominiert Handelsinteresse über politischem, denn Politik ist inzwischen zur Gänze vom Kapital abhängig. Insgesamt liefert noch im 14. Jahrhundert der englische Wollexport wesentliche Einnahmen für die Krone, weswegen die Kommerzialisierung seiner Abschöpfung durch Zölle schon mit den Riccardi und Frescobaldi einsetzte. Bis 1340 operieren für die Krone noch die Bardi und Perzii aus Florenz, die nicht zuletzt deshalb dann faillieren, weil die Krone am Ende ihre Schulden nicht mehr bedienen kann.  1337 setzt der König ein Konsortium heimischer Wollkaufleute ein, die ihm 200 000 Pfund vorab leihen und dafür ein Monopol auf den Wollexport vor allem erhalten. Damit beginnt jene Bildung größerer Firmen sich auch in England durchzusetzen, die es in Italien schon seit Jahrhunderten gab. Das Ganze war dann doch für die Beteiligten eine Nummer zu groß und die Krone muss einspringen. Aber 1343 wird dann erneut eine Gesellschaft von nunmehr 33 Kaufleuten gebildet, die dem König wiederum große Summen vorschießen und dafür die Wollzölle in ihre Hand bekommen.

 

Abgesehen davon verlässt sich der König nun immer mehr auf englisches Finanzkapital.Mit eine Spitzenposition erringt dabei unter Edward III ein Kaufmann aus Hull namens William de la Pole, der sowohl die Krone wie den höheren Adel mit Krediten bedient, dabei schwerreich wird und ein großes Vermögen dann in erheblichem Landbesitz anlegt. Unübersehbar dient größeres Kapital immer noch, bis ins 15. Jahrhundert hinein, nicht dem schieren Ziel seiner Vermehrung, sondern diese wiederum zielt ab einem bestimmten Punkt auf Aufstieg in den Adel, auf "aristokratisches" Gehabe und Lebensformen ab. (siehe: 'Einbürgerung aristokratischer Lebensformen' im Großkapitel Stadt 6.

 

Im 15. Jahrhundert geht dann die Wollausfuhr drastisch zurück, denn es werden nun immer mehr höherwertige Tuche im Land selbst produziert und auch exportiert.

 

Je größer die estates, desto mehr ziehen sich die großen Lords aus der Beschäftigung mit ihrer Landbewirtschaftung zurück, die nun von Großbauern und einem Typ von Agrarunternehmern vorangetrieben wird. Bis um 1500 verschwindet die feudal abhängige Bauernschaft fast völlig, sei es, dass sie dem Herrn davonläuft, sei es, dass ihre Dienste und Abgaben im Ereignisfall durch Geldzahlungen (Renten) abgelöst sind. Lohnarbeit in der Landwirtschaft nimmt dadurch deutlich zu.

Auf die steigenden Marktchancen von Lohnarbeit reagiert die Krone umgehend schon 1349 mit der Ordinance of Labourers und 1351 dem Statute of Labourers. Darin wird vor allem festgelegt, dass keine Löhne über dem Niveau vor der Pest verlangt werden dürfen und dass arbeitsfähigen Leuten keine Almosen gegeben werden dürfen, so dass sie zur Arbeit gezwungen werden können. Justices of the Labourers werden bald aus den Reihen der Gentry eingesetzt, und später folgen auf sie die Friedensrichter. Constables zwingen die Arbeitskräfte, die neuen Gesetze vor Ort zu beeidigen.

 

Lohn- und Preisentwicklungen führen dazu, dass die Kaufkraft der Bauernschaft nach der Pest bis Ende des Jahrhunderts um rund 40% zunimmt (Dyer, S. 279). Dagegen richten sich ab 1263 Luxusgesetze (sumptuary laws) mit detaillierten  Kleidervorschriften für insbesondere Landarbeiter. Darin kommt auch die Hoffnung zum Ausdruck, steigende Tuchpreise so in Grenzen halten zu können.

 

Die Zahl der tenants nimmt nach der Pest deutlich ab, um ein Viertel bis ein Drittel in den manors der Herren, und in derselben Zeit wird der von tenants gehaltene Grund und Boden deutlich größer. Im 15. Jahrhundert sinkt die Zahl solcher Landhalter eines Herren dann schon einmal auf ein Drittel der Vor-Pest-Zeit ab. Landarbeit und gewerbliche Arbeit auf dem Lande ist zunehmend mit smallholdings verbunden.

Die Herren versuchen, ihre tenants auch dadurch zu halten, dass sie die Beziehungen weitgehend entfeudalisieren und kommerzialisieren. Dazu gehört vor allem die schon vor der Pest einsetzende und sich nun durchsetzende Tendenz, die Domänen selbst zu verpachten. Die Risiken der zunehmenden Krisenhaftigkeit in der Wirtschaft werden so auf tenants übertragen, die sehen müssen, wie sie eine feste Pacht erwirtschaften.

 

In den siebziger Jahren des 14. Jahrhunderts beginnt dann die Krone mit dem Versuch der Abschöpfung des zunehmenden Einkommens in der Lohnarbeit mit Hilfe einer Kopfsteuer (poll tax), die dabei von 4 Pfennigen auf 8 und dann auf 12 steigt und alle Erwachsenen ab dem fünfzehnten Lebensjahr unabhängig von ihrem tatsächlichen Einkommen erfassen soll, was zunächst einmal nicht gelingt.

 

Der englische Bauernaufstand

 

1376 stellt sich ein Parlament gegen eine neue Steuer und fordert die Verfolgung korrupter Steuereintreiber. Dann bekommt aber eine Gruppe unter John of Gaunt, dem Kanzler Simon Sudbury und dem Schatzmeister Robert Hales immer mehr Einfluss und unterstützt die Kriegspolitik der Krone, was mehr Steuern nach sich ziehen musste.

Als sich 1381 herausstellt, dass immer mehr Bauern alles unternehmen, um der Kopfsteuer zu entkommen, schickt die Krone Amtsleute nach Essex und Kent, um Untersuchungen anzustellen. Es kommt zu rebellischen Aktionen von Bauern gegen sie. Diese nehmen im ganzen Land zu und Rebellen ziehen nun von allen Seiten nach London, wobei sich unterwegs Wat Tyler als Anführer herauskristallisiert. "They recruited men and collected money as if they had taken over the government, and they advanced under banners and pennons (Lanzenwimpel) like a legitimate army." (Dyer, S.287) Sie wenden sich weniger gegen die Kopfsteuer als gegen die übrigen Abgaben und gegen die noch existierenden Elemente von Servilität in der Bauernschaft. Land sollte gänzlich für den Markt geöffnet werden und Arbeitsverträge sollten frei ausgehandelt werden.

 

Am 14. Juni treffen sie mit dem König bei London (Mile End) zusammen, der Freiheits-Charters erlässt und verspricht, die "Verräter" bei Hof zu entlassen.

 

Inzwischen werden in London "Verräter" von den Rebellen "hingerichtet" und ihre Paläste zerstört.Auf dem Land werden die verträge von Herr und Knecht in den manor houses zerstört Als Wat Tyler dann den König wieder trifft, verlangt er die Abschaffung der Adelsprivilegien und der Kirchenhierarchie und die Selbstverwaltung der Dörfer. Sie steigern das bis zu der Aussage: Kein Herr (lord) soll in der Zukunft mehr Herrschaft ausüben, sondern sie soll auf alle aufgeteilt werden. Alles Land soll ihren Herden als Weidegrund zur Verfügung stehen und alle sollen Jagdrecht in den Wäldern haben.

 

Die Rebellen sind eher wohlhabendere Bauern, die von den davor liegenden Krisen profitiert hatten und nun mehr politische Freiheiten erhofften. Sie bilden Reiterheere, was bedeutet, dass sie sich entsprechende Pferde leisten können. Aber nach zwei Monaten sind sie militärisch unterlegen und, wer nicht hinerichtet wird, muss sich wieder unterwerfen. Die Herren nehmen sie wieder in ihren Dörfern auf und verpflichten sie auf die alten Verhältnisse.

Die Kopfsteuer verschwindet allerdings und das kriegerische Engagement der Krone wird erst einmal reduziert. In der Bauernschaft bleiben allerdings die Ideen weiter virulent, es kommt zu kleineren lokalen und regionalen Aufständen, und in der Konsequenz werden die Herren die Landbewirtschaftung weiter entfeudalisieren und dabei kommerzialisieren.

 

Zwanzig Jahre nach 1381 kommt es zu einer nicht ganz unähnlichen Rebellion von Bauern und Handwerkern in Wales, der sich dort, wo die Herren Engländer sind und die Städte englisch besiedelt, als eine Art "nationaler" Aufstand erweist und im Verlauf von sieben Jahren von den Engländern blutig unterdrückt werden muss.

 

 

Das Land in England am Ausgang des Mittelalters

 

Für große Teile des Adels ist Landwirtschaft im späten Mittelalter ein Geschäftszweig fast wie andere auch. Die feudalen Dienste abhängiger Bauern schwinden, die Domänen werden oft verpachtet, !ausgefarmt". Die Domänen der Canterbury Abbey werden um 1390 komplett verpachtet, und die des Erzbischofs zu fast zwei Dritteln. Damit gewinnen die Herren einen fixen jährlichen Betrag, um dessen Einbringen sich der "Farmer" nun kümmern muss. Selbst der Erhalt von Gebäuden wird oft auf ihn übertragen. Klöster eignen sich Pfarreien mit deren Einnahmen an und ersetzen die rectors durch billigere vicars.

Diese Pachten summieren sich mit den "Renten", die die übrigen tenants zahlen. Die Bevölkerungsverluste des 14. Jahrhunderts helfen, den Umfang ihres Landes zu vergrößern, die smallholders steigen etwas auf und die (fast) landlose Landarbeit geht stark zurück. Die realen Renten der Landhalter sinken tendenziell und die Herren müssen feststellen, dass ihre Einnahmen aus der Landwirtschaft etwas sinken.

Barone lassen nun einen Teil ihrer manor-houses verfallen und konzentrieren ihr Wohnen auf einen oder wenige Burgen, die nun zu palastartigen Residenzen werden.

In der Konsequenz geht der Adel vom Ackerbau stärker zur Viehzucht über, die weniger arbeitsintensiv ist.

 

Der niedere Adel prägt das Land mit konsolidierten bzw. vergrößerten Gütern. Im 15. Jahrhundert muss ein "Ritter" ein vom Land stammendes Einkommen von wenigstens 40 Pfund haben, ein Esquire von 20, ein Gentleman von 10 Pfund. Sie haben herrschaftliche Häuser im Unterschied zu Bauern, ihr Status wird an der Zahl ihrer Dienerschaft sichtbar und an ihrem Anteil an der Lokal-Verwaltung der sich ausbauenden Staatlichkeit.

 

Wie der höhere Adel tendiert auch die Gentry dazu, ihre Domänen zu verpachten und stattdessen selbst dem Hochadel als Verwalter zu dienen, oder aber bei Gelegenheit zur Armee zu gehen und vor allem in den juristischen Professionen zu arbeiten. Das Recht als Herrschaftsmittel der Mächtigen gewinnt immer mehr an Bedeutung.

 

Wie der hohe Adel stellt Gentry von Ackerbau auf Viehzuchgt um, wobei manche Schafherden sich an Kopfzahl in wenigen Jahrzehnten verdoppeln. Eigenes Land und manchmal auch wiederrechtlich Gemeinschaftsland wird durch das ganze 15. Jahrhundert und bis ins 16. eingezäunt und in Weideland konvertiert, Land der tenants wird zum selben Zweck aufgekauft. Auf diesem Wege verschwinden manchmal ganze Weiler.

Solche Gentry sind ländliche Geschäftsleute, die auch in Eisenwerke, Ziegeleien, Glasproduktion , Brauereien, Steinbrüche und vieles anderes investieren

 

Anders als Gentry sind die farmer, die ganze Domänen pachten oder Grangien der Zisterzienser, kein Adel. Da sie nur feste Beträge an die Herren abliefern, können sie zunehmend selbst entscheiden, wie sie sie erwirtschaften udn es wie ihr eigenes Land behandeln. Ähnlich wie der noch direkt Land bewirtschaftende Hochadel und die Gentry stellen sie ebenfalls einen Gutteil des Ackerlandes auf Viehzucht um, vor allem auf Schafe, aber auch auf Rinderzucht. Es beginnt eine Entwicklung, die die Ernährung wohlhabenderer Engländer von Gemüse und Getreide auf Fleisch (beef) umstellt, eine Entwicklung, die der Kochkunst wenig zuträglich sein wird.

 

Kapitalkräftige bürgerliche Chefs von Wollverarbeitern, Kleiderproduzenten, Schlachtereien und anderen, die landwirtschaftliche Produkte als Rohstoffe brauchen, beginnen, Domänen aufzukaufen und werden zu sogenannten "Gentlemen Farmern".

 

Die eigentliche Bauernschaft nimmt nicht nur durch die Unglücksfälle des 14. Jahrhunderts ab, sie wird zum Teil geradezu durch Schaf und Ochsen vom Land vertrieben. Nachdem die Entwicklung schon weit gediehen ist, wird Thomas More (Morus) 1516 schreiben, dass das einst sanfte Schaf zu einem Menschenfresser geworden sei. Ein Jahr später wird die Regierung unter Kardinal Wolsey eine Untersuchungskomission einsetzen, die das allgemeine Niederreißen von Häusern und die Verwandlung von Ackerland in Weiden untersuchen soll - natürlich mit geringen Konsequenzen. Tatsächlich besagen Schätzungen, dass zwischen 1320 und 1520 eine halbe Million Häuser auf dem Lande verlassen werden.

 

Die übriggebliebenen Dörfer des späten Mittelalters entwickeln sich zu Dorfgemeinschaften. Ab 1334 sind diese gemeinsam verantwortlich für das Einsammeln der Steuern, und daneben entwickelt sich die Einrichtung einer poor box für die Armen.

Viel Dorfleben kreist auch um die Dorfkirche. Churchwardens werden gewählt, die Gelder für den Erhalt der Kirche einsammeln. Immer häufiger wird neben der Kirche eine kleine Gemeindehalle gebaut, wo man sich treffen kann und wo sogenannte church ales stattfinden, Feste, bei denen der Gewinn aus ausgeschenktem Ale und Essen in den Erhalt der Kirche geht, - etwas ähnliches wie Kirchweihfeste in deutschen Landen.

 

Generell lässt sich sagen, dass der "Lebensstandard" der meisten Bauern im 15. Jahrhundert zugenommen hat. Sie verkaufen mehr Überschüsse auf dem Markt und erwerben dafür mehr Kleidungsstücke, mehr Einrichtungsgegenstände und mehr häusliche Gerätschaften. Das gilt vor allem für die bäuerliche Oberschicht der yeomen, die oft über 80 acres und mehr verfügen, aber auch noch für die husbandmen darunter, aber natürlich nicht für die Schicht der labourers, die bei wenigen acres Land weiter auf Lohnarbeit angewiesen sind, um zu überleben. Der Bedarf an ihnen nimmt durch die ausgeweitete Viehzucht deutlich ab.