VORGESCHICHTE

 

Der Kapitalismus hatte seine beste Zeit wohl zwischen dem 13. und 19. Jahrhundert. Im 10. Jahrhundert noch auf wenige Orte im nördlichen Mittelmeerraum beschränkt, greift er im 11. und 12. Jahrhundert mächtig um sich im Raum des damals lateinischen Abendlandes, beginnt Teile Osteuropas und der iberischen Halbinsel zu erfassen, um im 13. Jahrhundert bereits auf das Leben so ziemlich aller Menschen dieses Abendlandes erheblichen Einfluss auszuüben.

Im 20. Jahrhundert wiederum verändert sich sein Charakter so stark und mit so zunehmendem Tempo, dass man mutmaßen kann, er sei im Absterben begriffen.

 

Zunächst wurde einmal die größere Beteiligung der städtischen Massen am Konsum notwendig, und diese, durch höhere Gewinnbeteiligung in Form von Löhnen führte zur Verlagerung der Konsumwarenproduktion in Billiglohnländer. 

Damit einher ging die Beendigung des nun unrentablen Kolonialismus und die Entlassung der Rohstoff und Billigarbeit liefernden Länder in diverse Formen von terroristischen Diktaturen, während das große Kapital in den sogenannten Demokratien mit wechselnd erfolgreichen Kapitalfraktionen immer mehr dessen Politik direkt bestimmt, da die Massenloyalität gegenüber der Obrigkeit vom allgemeinen Konsumniveau abhängig ist. Dabei muss das national greifbare Kapital nicht nur direkt "nach unten" umverteilen, sondern auch indirekt, indem es maßgeblich an der Finanzierung des Staates beteiligt ist.

 

Seinen letzten mächtigen Stoß erhielt der Kapitalismus dann mit der Trennung von Eigentum am und der Verfügung über das Kapital in global agierenden sogenannten Kapitalgesellschaften. Damit hebt sich auch die Trennung von Arbeit, Staat und großem Kapital immer mehr auf, denn alle drei können beteiligt sein, ohne noch über es zu verfügen, was wenigen mächtigen Spezialisten überlassen bleibt. In Russland, Rotchina und anderswo dagegen sind große Kapitalkonglomerate entstanden, die von einer Melange aus Politik und organisiertem (mehr oder weniger stillschweigend legalisiertem) Verbrechen beherrscht werden.

 

Alles spricht dafür, dass der inzwischen absehbare Untergang des Lebensraums Erde nur noch durch die Verschmelzung von Großkapital und staatlicher Politik etwas aufgehalten werden kann. Der totale Untertan, ob in offen terroristischer oder demokratischer Staatlichkeit, ohnehin nur noch frei in seiner Konsumwahl je nach Geldbeutel, steht damit einem neuartigen Machtgebilde gegenüber, dem er völlig wehrlos ausgeliefert ist. Mit Kapitalismus hat das immer weniger zu tun und immer mehr mit neuen Strukturen, die in manchem an antike Despotien gemahnen.

 

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Kapitalismus sei hier definiert als die Dominanz des Kapitals über alle Arbeits- und Lebensvorgänge, über den ganzen Alltag der Menschen. Kapital sei dabei als ausschließlich zu seiner Vermehrung investiertes Gut,