GEWERBE UND  HANDEL 1350-1500 (in Arbeit)

 

Weltwirtschaft

Monokulturen

Messen und Finanzkapital

Textilien

Bergbau und Metalle

Massenproduktion und Kapitalkonzentration

Papier

 

 

Neue Welten - Weltwirtschaft

 

Ein wesentliches Element in der Entstehung und Entfaltung des Kapitalismus bis ins hohe Mittelalter war der Import von Waren, und zwar von Fertigprodukten, Luxusgütern vor allem, aus dem islamischen Orient zwischen Nordafrika, Arabien und Persien. Darin äußerte sich die Überlegenheit in Techniken und städtischer Zivilisation. Zwischen der ersten und zweiten Blütezeit des europäischen Kapitalismus, grob gesagt zwischen 1200 und 1400, holt dieser auf und überholt diese Großregion. Das liegt an dem Aufstieg elaborierterer Warenproduktion und der Dominanz insbesondere genuesischer und venezianischer Handelsfirmen, die den Markt nun dominieren. "Die islamischen Herrschaften in der Levante, bisher Exporteure von Fertigprodukten, wurden zu Importeuren von Waren vornehmlich italienischer Provenienz und die Länder im Nahen Osten Exporteure für Rohstoffe, die das europäische Gewerbe benötigte." (Fuhrmann in Dirlmeier, S.184)

 

Zwar gelingt es in dieser Zeit dem Reich der Osmanen, zu einer militärischen und geographischen Großmacht aufzusteigen, die weit in Europa hineinreicht und insbesondere im untergegangenen Griechenland und auf dem Balkan retardierend wirkt: In ihrem Einflussbereich schwindet nicht nur das Nachwirken lateinischer Zivilisation, sondern es etablieren sich auch dauerhaft vorkapitalistische Strukturen. Und zwischen Marokko und Arabien setzt jener Niedergang ein, der es zwischen Osmanen und kapitalistischem Europa zerreiben wird.

 

Ein großer Teil Osteuropas wiederum, der in dieser Zeit zu einem russischen Großreich wird, kaum von der lateinischen und nur geringfügig von der byzantinischen Zivilisation beeinflusst, entzieht sich ebenfalls der kapitalistischen Entwicklung weitgehend und entwickelt zudem auch despotische Strukturen. Das geographische Europa ist seitdem und bis in die Gegenwart gespalten in einen kapitalistischen westlichen Teil und einen vorwiegend agrarisch-despotischen süd-östlichen und östlichen Teil, eine Spaltung, die bis heute sichtbar bleibt. 

 

Schon bevor Afrika und die beiden Amerikas zur Gänze in den Welthandel einbezogen werden, nimmt im späten Mittelalter der Handel mit Indien und China zu, hochentwickelten despotischen Zivilisationen. Schon im 13. Jahrhundert wird Rohseide aus Cathay auf den Champagnemessen gehandelt. Dazu kommen "fertige Seiden- und Damaststoffe, Porzellan und Ingwer, Zimt und Zimtblüten." (Fuhrmann in Dirlmeier, S.185).

 

Das kapitalistische Europa expandiert von Italien aus ökonomisch und von Portugal und Spanien aus durch den einsetzenden Kolonialismus. Die bekannten Eckdaten sind folgende:

Seit 1402 portugiesische und dann spanische Eroberung und Kolonisierung der Kanaren.

1415 Portugal erobert Ceuta, dann Porto Santo und Madeira. Zuckerrohrproduktion.

Dann gelangen Portugiesen an der afrikanischen Westküste entlang 1486 nach Namibia. Pfeffer, Gold, Elfenbein und Sklaven sind die Beute.

1488 fährt Bartolomeu Diaz um das Kap der guten Hoffnung

1492 erreicht Kolumbus Santo Domingo und Giovanni Caboto dann von Bristol aus Neufundland

1497 Vasco da Gama nach Indien Antwerpen wird Markt für portugiesische Kolonialwaren.

1500 gelangt Pedro Alvares nach Brasilien

 

Was früher so beschönigend als Zeitalter der Entdeckungen benannt wurde, ist die zweite große Etappe des Kapitalismus, die bis in die zweite Industrialisierung des 18./19. Jahrhunderts hineinreicht und durch diese dann ergänzt wird. Was dann noch fehlt ist jene Sozialdemokratisierung des Kapitalismus im 20. Jahrhundert, die die Welt in eine des Konsumismus und eine der Produktion teilt, durch qualitativ abnehmende Massenproduktion im größeren Teil der Welt und durch Massenkopnsum im kleineren gekennzeichnet. Es ist dies dann nunmehr die Zeit, in der den wenigen Interessierten die Grenzen des Wachstums, das heißt, der Bewegungen des Kapitals deutlich werden, die inzwischen irreversibel überschritten zu sein scheinen. Es ist dies auch die Zeit, in der die abendländische Zivilisation durch die Zusammenarbeit der dominierenden sozialdemokratischen und "sozialistischen" Parteien mit dem alles umwälzenden Kapital zur Gänze verschwindet und durch neuartige "demokratisch"-totalitäre Strukturen ersetzt wird. Aber das ist nicht mehr Thema hier und dem, der das möchte, auch bekannt.

 

 

Der Islam wird zur Gänze wieder aus dem Westen des nördlichen Mittelmeerraums vertrieben. 1492 wird Granada eingenommen. Der östliche Mittelmeerraum andererseits wird zunehmend von einem islamisierten zentralasiatischen Turkvolk kontrolliert, welches mit dem Fall von Konstantinopel/Byzanz das nach seiner Herrscherfamilie so genannte osmanische Reich begründet. Beide Entwicklungen haben Einfluss auf den sich entfaltenden Welthandel,, denn sie bedeuten einmal, dass im Südosten stabile Verhältnisse für den Handel kommen, und andererseits Kastilien/Spanien sich nun der Expansion auf andere Kontinente widmen kann, mit der Portugal sich schon beschäftigt.

 

Sichtbar wird das in der Ablösung der Sklaven von nördlich des Schwarzen Meeres durch solche aus Schwarz-Afrika, die nun zunehmend auch auf Gemälden und Zeichnungen auftauchen. Sklave ist nicht mehr fast synonym mit Slave, sondern mit Neger. Zudem erkennt man die neue Zeit durch den Import exotischer Tiere zunächst aus Afrika, wobei sich Affen als besonders beliebt erweisen. Das Philosophieren hat Natur längst in ein Abstraktum, eine Denkfigur verwandelt, während sie in der Wirklichkeit Warencharakter hat. Ansonsten wird intensiviert, was in der Antike der Unterschied zwischen Zivilisierten und Barbaren war, wobei letztere nun als Wilde in Rechtlosigkeit bis hin zur Vernichtung verfallen.

 

Der neuartige Welthandel durch Eroberungen beeinflusst die Konjunkturen des 15. Jahrhunderts aber nur langsam. England beispielsweise hat unabhängig davon um 1400 einen Handelsboom, um 1450 eine Rezession und um 1470 ein erneutes Wirtschaftswachstum.

Seetüchtigere Schiffe, die dann Atlantik und Indischen Ozean bewältigen, führen zu allererst zum Seehandelsweg aus dem Mittelmeer um die iberische Halbinsel, nun weithin von islamischer Herrschaft befreit, und wieder zurück. Neben den Produktions- und Handelszentren in der Nordhälfte Italiens tauchen nun kastilische auf, zudem verlagert sich langsam Kapital von Flandern erst nach Antwerpen und dann auch nach den späteren Niederlanden (oft heute im Deutschen als Holland zusammengefasst).

Bedeutsam wird zudem der Aufstieg Englands zu einer Seehandelsmacht und einem wichtigen europäischen Produktionsstandort über seine Tuche, die nun zunehmend von englischen Kaufleuten exportiert werden.

 

 

Monokulturen

 

Mit steigender Kaufkraft der Überlebenden der Krisen des 14. Jahrhunderts sinkt die Nachfrage nach Getreide, dem Hauptnahrungsmittel, und die nach Fleisch steigt. In den höheren Lagen der Alpen schwindet der Ackerbau und wird durch Viehzucht ersetzt. Dasselbe gilt für Gegenden Dänemarks und Nowegens und für große Flächen in Polen und Ungarn. Es entstehen ganze Weidelandschaften für Rinderzucht, wo bei Polen Norddeutschland und Ungarn Süddeutschland beliefert. Dazu werden regelmäßig ganze Herden über weite Strecken getrieben.

 

Die Rinderzucht nimmt auch in der Poebene mit ihren feuchten Wiesen zu und macht die römische Campagna zu Weideland. In Süditalien nimmt die Schaf- und Ziegenzucht zu.

Mit der Einführung der Merinoschafe und ihrer hochwertigen Wolle im 14. Jahrhundert, die nun auch die englische an Qualität übertrifft, werden die Hochlagen von Kastilien und Leon zu Schafland. Die Wolle geht nach Flandern, Italien und Frankreich vor allem. In der jährlichen transhumancia kommt es zu langen Wanderungen der Schafherden aus dem Norden in die wärmeren Niederungen Andalusiens. Die Könige privilegieren die Organisationen der Schafzüchter, die nun vor der Ausplünderung Südamerikas einen wesentlichen Anteil am Reichtum im kastilischen Reich haben.

 

Der ferngehandelte Weinbau erlebt im 14. Jahrhundert einen massiven Einbruch, bevor er dann im 15. Jahrhundert zu einer neuen Blüte führt und in Gegenden, die ohnehin bereits in Richtung Wein-Monokultur tendierten, zu reinen Weinlandschaften , wie im Bordelais und Auxerois und Gegenden Süditaliens. Die stark verbesserten Transport- und Handelsbedingungen machen es möglich, in solchen Gegenden den übrigen Warenbedarf von anderswo zu besorgen.

 

Ähnliches gilt für die kleineren Obst- und Gemüseanbaugebiete und für den großflächigen Anbau gewerblicher Pflanzen wie Hanf, Flachs oder von Färberpflanzen wie Krapp, Waid, und Safran. Waid, welches nun große Flächen in den Gegenden von Erfurt, Langensalza und Tennstedt besetzt, dient der Färbung von Textilien mit Blau-, Schwarz- und Grüntönen.

Dazu kommen Hopfengebiete für die Bierproduktion.

 

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts beginnt dann in einigen Gebieten wieder eine Zunahme der Bevölkerung, worauf solche Spezialkulturen wieder eingeengt und durch Getreideanbau ersetzt werden.

 

Messen und Finanzkapital

 

Im 13. Jahrhundert kommt es zu einem Konzentrationsprozess im Messegeschehen, zunehmend von der Politik gefördert. Alte Jahrmarktsorte verlieren an Gewicht, zentrale Messen wie in Frankfurt, Nördlingen oder Donauwörth gewinnen an Bedeutung. Die niederrheinischen Messen konzentrieren sich auf Köln mit seinem Stapelzwang, die vielen ostenglischen  auf London hin, wo schon im 12. Jahrhundert Kölner Kaufleute auftauchten und 1281 der Stalhof der Hanse eingerichtet wird.

Der Niedergang der Champagnemessen fördert die Konzentration der flämischen Messestandorte auf Brügge, wo sich die flämische und seit Mitte des 13. Jahrhunderts auch die deutsche Hanse niederlässt. Seit 1277 beginnt dann die Schiffahrt um die iberische Halbinsel nach Genua.

Anfang des 14. Jahrhunderts "verlegte sich Brügge auf eine passive, die Handelsaktivitäten fremder Firmen und Kaufleute fokussierende Marktfunktion." Fuhrmann in Dirlmeier, S.187), wobei die Geldschafte in italienischer Hand sind.

 

Der Aufstieg des Messe-Standorts Antwerpen seit 1315 wird 1356 kurzfristig durch die flämische Annektion von Brabant unterbrochen. Aber ab 1380 erhält die Stadt das Monopol auf den Verkauf englischer Tuche und und steigt nun unaufhaltsam auf. Daneben entwickelt sich Bergen-op-Zoom zum Messestandort.

 

Die Frankfurter Messe vermittelt innerdeutsch vor allem zwischen Nord und Süd und besonders im Metallwaren- und Tuchhandel. Darüberhinaus ist es die Mitte der Achse Antwerpen-Venedig, was vor allem Kölner und Nürnberger Kaufleute anzieht, nachdem die Kölner Messe in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts aufgegeben und durch Stapelrecht ersetzt wird. Venedig nimmt inzwischen den ersten Platz im Levantehandel ein. "Es war ein 'Muss' zumindest für die deutschen Kaufleute, in Frankfurt vertreten zu sein und an dem feingesponnenen System aus Warenhandel und Zahlungsausgleich teilzunehmen. Der Absatz der Waren war auf die Messen ausgerichtet, die Begleichung der Schulden darauf terminiert. Bedeutende Kaufleute wie Matthäus Runtinger aus Regensburg finanzierten um 1400 ihre Einkäufe auf der Frankfurter Messe zwar noch mehrheitlich mit Bargeld, (rund 67 Prozent), sie gebrauchten aber auch ausstehende Wechsel und Forderungen." (Fuhrmann in Dirlmeier, S.189) 

 

Vom Niedergang der Champagnemessen profitiert auch Chalons-sur-Saône, bis es im Gefolge des Hundertjährigen Krieges nach 1360 durch Genf abgelöst wird.

 

Einen zentralen Rang hat die Messe von Genf mit starker italienischer Beteiligung als Mittlerin zwischen Nord und Süd. 1462 verbietet allerdings der französische König für dort seinen Untertanen den Messebesuch und fördert mehrere zeitgleiche Messen in Lyon, was zur Abwanderung der italienischen Firmen dorthin führt.

 

 

Nach den Bankrotten großer toskanischer Firmen in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (Bardi, Peruzzi) tauchen dort mit den Alberti, Strozzi, Medici, Guardi, Soderini und Ricci neue Gesellschaften auf, die nicht mehr ganz dieselben Ausmaße wie die früheren haben. Dabei nimmt wie bei der 1397 von Giovanni di Bicci gegründeten Medicibank die Spezialisierung auf Finanzgeschäfte zu, die dann Ende des 15. Jahrhunderts zum wichtigsten Geschäftszweig werden.

 

Schon Anfang des 15. Jahrhunderts, in Florenz ab 1408 überliefert, wird das Risiko der Kapitalbeteiligung durch Kommanditgesellschaften eingegrenzt, bei dem die Anteilseigner einer Gesellschaft nur noch bis zur Höhe ihres jeweils eigenen Kapitalanteils haften. Girokonten werden für immer mehr Transaktionen genutzt.

 

Die meisten europäischen Finanzplätze befinden sich in Nord- und Mittelitalien neben denen von Neapel und Palermo. Daneben ist noch London ein Finanzplatz von Rang, und der von Genf, den königliche französische Politik dann ruiniert, weswegen seine Funktion nach Lyon verlagert wird, wo aber wie in Genf Italiener das Geschäft betreiben.

1348/49 kommt es im Zusammenhang mit der Pest zu großen Judenpogromen. Seit etwa 1380 werden die Juden auch in deutschen Landen von dem Geschäft mit großen öffentlichen Anleihen verdrängt. 1385 kommt es zu großen Enteignungsaktionen, an denen zum Beispiel Nürnberger Großbürgertum wie die Behaim und Haller beteiligt sind. Verdrängt werden auch die Lombarden und Kawerschen.

 

Bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts gibt es in deutschen Landen noch keine Banken, die denen in Norditalien ähneln, die insbesondere das bargeldlose Geschäft kontrollieren. In Flandern wie in süddeutschen Landen nördlich der Alpen nehmen Wechsler das Depot- und Depositengeschäft auf, "verwahrten also Edelmetall, Schmuck und Geld. Geldwechsler nahmen seit der zweiten Hälfte des 14. Jhs. überdies Inkasso-Abwicklungen als Verlängerung des Depositengeschäfts in ihr Dienstleistungsangebot mit auf, d.h. sie zahlten Gelder zunächst auf mündliche, dann auch auf schriftliche Anweisungen hin aus. Überhaupt bedienten Nürnberger und Kölner Wechsler sogar in stärkerem Maße als ihre Kollegen aus Brügge Wechselbriefe des Großhandels." (Dirlmeier, S.52)

 

Der Wechsel diente zunächst, in Italien ab dem 12. Jahrhundert, der Verrechnung innerhalb eines Handelshauses. Im 14. Jahrhundert wird daraus die Zahlungsanweisung an Dritte in der dortigen Währung, also bargeldloser Zahlungsverkehr. Den Gegenwert hat der Inhaber des Wechselbriefes zuvor in heimischer Währung eingezahlt. Durch Verschiebung des Zahlungsziels wird er zu einem Kreditinstrument und zugleich als Geldersatz zu einem Zahlungsmittel. Nun kann er im 15. Jahrhundert durch ein Indossament weitergegeben werden.

 

In deutschen Landen wird ein eigenständiges Konkursrecht entwickelt. "Das deutsche Konkursrecht geht nicht von einer wütenden Zusammenrottung der Gläubiger aus, einem concursus creditorum, wobei die Wechselbank des betrügerischen Wechslers umgestürzt, banco rutto gemacht wird, sondern ist eine eigentlich recht geniale Übertragung der Nachlassschuldenregelung auf die Lebenden. Der verschuldete Kaufmann muss - später nur noch symbolisch -  aus der Stadt fliehen, gilöt danach als tot, so dass unter seinen Gläubigern eine Art Nachlassteilung eintreten kann." (Ebel in Isenmann, S.87)

 

Textilien

 

Florenz stellt in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts die Tuchproduktion auf qualitativ höherwertige Ware um und gewinnt damit einen größeren Markt für die Abnahme solcher Tuche, in Konkurrenz zu entsprechenden aus England, Flandern und Brabant. In Florenz sind nach der Steuerliste von 1352 "1381 Familienoberhäuper als Wollarbeiter tätig, das sind 28,4% aller erfassten Berufsleute. Nach der Steuerliste von 1427 waren es noch 1098 Familienoberhäupter oder 20,1% der Berufsleute." (Gilomen, S.119)

 

Stärker noch als in der Mitte werden im Norden, insbesondere der Lombardei Segmente der Produktion wie die Spinnerei aus Kostengründen auf das Land verlagert. Dasselbe geschieht im 15. Jahrhundert auch in England und anderswo. Aus solchen Kostengründen verlagert man die komplette Produktion von Billigstoffen, also Massenware, immer mehr aufs Land. In Flandern wandert schon im 14. Jahrhundert fast die gesamte Tuchproduktion aus der Stadt. In Analogie zu Bergbau und Metallproduktion kann man nun von von Städten und ihrem Kapital dominierten Tuchrevieren sprechen.

 

Bergbau und Metalle

 

Von den Krisen und den Kontraktionen des 14. Jahrhunderts wird auch der Bergbau betroffen. Aber es halten sich die Eisenreviere im Forest of Dean, im Siegerland, der Oberpfalz, in Böhmen, der Steiermark und auf Elba. Zudem entstehen im 15. Jahrhundert auch neue Metallgewerbe-Landschaften im Bergischen Land, im Sauer- und Siegerland,  die in den folgenden Jahrhunderten Kontinuität beweisen.

 

Um 1415 wird in Nürnberg zudem die Drahtziehmühle erfunden, wobei Draht mittels eines Pleuelstangensystems maschinell hergestellt werden kann. "Die Zahl der Nürnberger Handwerksmeister in der Eisenverarbeitung stieg von 409 im Jahrzehnt 1361-1370 auf 1335 am Ende des 15. Jahrhunderts." Gilomen, S.118)

 

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts werden dann alte Bergwerke durch neue Wasserhebemaschinen und Saugpumpen reaktiviert. Im Erzgebirge werden neue Silbervorkommen entdeckt, und daraus entwickelt sich St.Annaberg. Ähnliche Vorkommen finden sich dann auch im Tiroler Inntal. Immer mehr kaufmännisches Kapital fließt in die Erzgewinnung, wobei es auch zu neuen Techniken in der Herauslösung aus dem Gestein kommt.

 

Ab 1472 schließen sich "mehrere Grafen von Mansfeld und von Henneberg mit technischen und kaufmännischen Unternehmern in Gesellschaften zum Betrieb von Saigerhütten" zusammen. (Schubert, S.11) Das Saiger-Verfahren, zuerst in einer Nürnberger Hütte 1419 angewandt, erlaubt ein besseres Differenzieren zwischen einzelnen Metallen beim Ausschmelzen der Erze. Vorteil ist zum Beispiel bei Kupferhütten, dass das so nun dazu gewonnene Silber frei der Vermarktung der Unternehmer zur Verfügung steht. Später findet das "Versaigern" intensiver im Mansfelder Land statt und überhaupt im Thüringer Wald. Ende des 15. Jahrhunderts wird Jakob Fugger damit in Schwaz (Tirol) erhebliche Summen einnehmen.

 

Einen neuen Aufschwung nimmt auch die Waffenproduktion mit der Erfindung des Schießpulvers und der Artillerie. Worms besitzt bereits im 13. Jahrhundert ein Zeughaus. In Nürnberg und Straßburg, den großen Reichststädten, werden nun auch in Geschützgießereien Kanonen hergestellt. Mailand bleibt aber führend in der Rüstungswirtschaft. 

 

Die Kapitalkonzentration im englischen Zinnbergbau nimmt erheblich zu: "Im frühen 14. Jh. wuchsen die königlichen Zinn- und Silberbergwerke im englischen Beer Alston zu 'Großbetrieben' mit 700 Lohnarbeitern empor.  Bei einem Zinnmagnatenstanden 1357 in sechs Bergwerken Cornwalls 300 Menschen in Lohn und Brot. Die exportorientierte englische Zinnproduktion konnte vom Beginn des 14. Jhs. bis zu den 1430er Jahren von 680 000 auf 1,4 Millionen Pfund jährlich gesteigert werden." (Dirlmeier, S.34)

In der Oberpfalz kontrolliert Amberger, Sulzbacher und Nürnberger Kapital die Eisenhämmer als Verleger. "Nürnberger Kaufleute unterhielten Blechhämmer im Umland und bezogen die nötigen Halbfabrikate aus der Oberpfalz. Der Großfinanzier Kaiser Ludwigs des Bayern, Konrad Groß, erwarb 1335 den sogenannten Gleißhammer bei Nürnberg." (Dirlmeier, S.34)

 

Das Gebiet um Maastricht, Lüttich, Aachen und Dinant erhält im 14. Jahrhundert Kupfer aus dem Harz und Zinn aus Cornwall und wird zu einer Buntmetall-Exportregion.

Auch im produzierenden Metallgewerbe nehmen Kapitalkonzentration und Firmengröße zu. Für 1457 ist von Thomas Dountons Londoner Zinnwerkstatt überliefert, dass er 18 Lehrlinge und Lohnarbeiter beschäftigt. (Dyer, S.320)

 

Eine massive Zunahme verzeichnet im 15. Jahrhundert der englische Kohlebergbau, in den auch Bischöfe wie der von Durham investieren, und wo das einzelne Bergwerk nun von um die 12 Arbeitern betrieben wird. Oft von Pferden betriebene Pumpen entsorgen dabei das Wasser. Um 1510 schickt Newcastle bereits jährlich um die 40 000 Tonnen Kohle überall hin, insbesondere aber auf dem Seeweg nach London.

 

Papier (in Arbeit)

 

Im 15. Jahrhundert  Papiermühlen.

 

Massenproduktion und Kapitalkonzentration

 

Kapitalkonzentration findet bis ins hohe Mittelalter durch Handel und Finanzgeschäfte statt. Dies wird im späten Mittelalter ergänzt durch Bereiche der höheren Kapitalisierung in einigen Produktionsbereichen. Mit familienzentrierten Kapitalgesellschaften geht dann die "Schere" zwischen arm und reich so weit auseinander, wie wir es auch heute kennen. Hochkonzentriertes Kapital neigt dann dazu, die Politik zu beeinflussen und sich mit ihr zu verbandeln, zum Beispiel sie durch Kredite abhängig zu machen. Aber während heute Politik von Kapitalbewegungen dermaßen abhängig ist, dass sie den Staat als unmittelbare Agentur des Kapitals begreift, ist sie damals in der Hand von Königen und Fürsten wesentlich stärker deren machtpolitischen Wechselfällen ausgesetzt. Nicht zuletzt deshalb gehen Firmen wie die Bardi und Peruzzi bankrott, denen genuesische und venezianische Firmen folgen, zwischen 1381 und 83 Banken in Barcelona und dann in ganz Katalonien. "1408 faillierte z.B. die Firma des Kaspar Vetter, dessen Geschlecht zu den reichsten Familien Rothenburgs und Donauwörths gehörte, bankrott gingen die Nürnberger Gesellschaften Stromer-Ortlieb und Kamerer-Seiler. Im folgenden Jahrzehnt verschwanden weitere Nürnberger Familien - die Kreß, Pirckheimer und Mandel - aus dem Handel in Venedig und Lübeck, den sie über Jahrzehnte bestimmt hatten." (Fuhrmann in Dirlheimer, S.184)

 

Wenn in der Produktion von Metall- und Tongefäßen das Personal über zwei bis drei Leute hinausgeht, wird bereits die Größe eines üblichen mittelalterlichen Handwerksbetriebes überschritten. Bei einem Betrieb, der im späten Mittelalter Gerätschaften und Gefäße aus Zinn herstellt, und der zwischen zehn und zwanzig Leute beschäftigt, nähern wir uns fabrikmäßigen Verhältnissen, wie auch dort, wo Mühlen verschiedene metallverarbeitende Produktionslinien gleichzeitig bedienen. Dazu gehört, dass Mühlen Ende des 15. Jahrhunderts gleichzeitig Schmiedehämmer und Blasebälge bedienen und so Gußeisen herstellen können.

 

Solche Betriebsgrößen und Mühlanlagen verlangen mehr als das minimale Kapital, mit dem Handwerksbetriebe normal ausgestattet sind. Hier konzentriert sich Kapital nicht mehr nur in Finanz- und Handelsunternehmen, sondern in der Produktion selbst, und es ist nicht mehr immer Adel, der hier investiert, sondern eben zunehmend auch Bürgertum.

Während die Manufakturen der frühen Neuzeit zum großen Teil fürstlich subventionierte Luxusproduktion betreibe (Gobelins, Porzellan etc.), sind die größeren und kapitalkräftigeren Produktions-Firmen des späten Mittelalters vorwiegend auf Massenproduktion mittlerer und unterer Qualität aus. Das verlangt natürlich Massenkonsum an Gebrauchswaren und entsprechend kaufkräftige Massen, wie sie im 15. Jahrhundert üblich werden. Der Kapitalismus führt unübersehbar zu steigendem Wohlstand breiterer Schichten bis ins Handwerk und dem wohlhabenderen Teil der Bauernschaft.

 

Kapitalkonzentration führt in einzelnen Branchen zur Firmenkonzentration. Die Zahl der Töpfereien geht zurück und die übriggebliebenen haben entsprechend höheren Ausstoß.

Seit etwa 1440 entstehen in Görlitz in der Tuchproduktion "Meistereien", die schon an Manufakturen gemahnen (Karl Czok in: Beiträge 2, S.107)

Bei den Brauern in Oxford führt das von einer Zahl von über 250 im Jahre 1311 zu ungefähr 24 im frühen 16. Jahrhundert. Ein wesentlicher Grund ist die Nutzung des Hopfens für die Bierproduktion, wobei niederländisches Bier das englische Ale zurückdrängt. Mit Hopfen gebrautes Bier schmeckt nicht nur anders, sondern bedeutet erheblich erhöhte Haltbarkeit. Damit kann Bier auch für fernere Märkte produziert und dorthin transportiert werden. Es wird zum Massenprodukt selbst für Handel über Regionen hinweg. Und da die neuartigen Braukessel über 20 Pfund kosten, wird das Brauen großer Mengen nun zur Sache kapitalkräftiger Unternehmer, auch wenn das Ale nicht ganz vom Markt verschwindet.

 

Ein Gutteil der Produktion der nunmehr schnell aufsteigenden englischen Tuchproduktion bedient solche Massen, und wo wie in Flandern vornehmlich hochwertige Stoffe hergestellt wurden, bricht nun englische billige Exportware für die Massen der Unterschicht ein.

 

Das gemahnt schon etwas an den viel breiter angelegten Massenkonsum der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts insbesondere in den USA, während der der zweiten Hälfte desselben Jahrhunderts mit seiner globalisierten Arbeitsteilung immer mehr Quantität mit stetig sinkender Qualität verbinden wird und mit zunehmenden Zwängen: Wer neue Konsumwaren nicht mehr bezieht, scheidet aus dem Arbeitsmarkt und inzwischen auch aus der Welt schneller "Informationen" aus.

 

An Moden orientiertes Konsumverhalten charakterisiert schon den Adel des hohen Mittelalters, insbesondere als in der Zeit des gotischen Stils die modischen Veränderungen sich beschleunigen. Die städtischen Bürger ziehen so schnell mit, wie sie können, was insbesondere die Kleidermoden angeht, was das Tuch- und Schneidergewerbe massiv fördert, auch dadurch, dass man nun nach Möglichkeit mehr Kleidungsstücke zum wechseln besitzt, insbesondere bei leinener Unterbekleidung, Bettwäsche und Tischwäsche. Am Ende des Mittelalters gibt es auch für kleinere Geldbeutel modische Waren kleiner Größe, die in England die haberdasher von den mercer ablösen. Hauben, Hüte, Börsen, Haarnadeln und Schnallen gehören dazu, die in einer Art Massen- und Serienproduktion bei verminderter Qualität zum gesteigerten Konsumverhalten einladen. Dazu kommen Strumpfhalter und -bänder, Busenbänder und -tücher, Seidentücher usw.