Gewerbe 4: GEWERBE UND  HANDEL 1350-1500 (in Arbeit)

 

Weltwirtschaft

Transport

Monokulturen

Messen und Finanzkapital

Hanse

Textilien

Bergbau und Metalle

Papier und Druck (in Arbeit)

Massenproduktion und Kapitalkonzentration

Firmen

Konkurrenz

Zünftiges Handwerk

 

 

Neue Welten - Weltwirtschaft

 

Ein wesentliches Element in der Entstehung und Entfaltung des Kapitalismus bis ins hohe Mittelalter war der Import von Waren, und zwar von Fertigprodukten, Luxusgütern vor allem, aus dem islamischen Orient zwischen Nordafrika, Arabien und Persien. Darin äußerte sich die Überlegenheit in Techniken und städtischer Zivilisation. Zwischen der ersten und zweiten Blütezeit des europäischen Kapitalismus, grob gesagt zwischen 1200 und 1400, holt dieser auf und überholt diese Großregion. Das liegt an dem Aufstieg elaborierterer Warenproduktion und der Dominanz insbesondere genuesischer und venezianischer Handelsfirmen, die den Markt nun dominieren. "Die islamischen Herrschaften in der Levante, bisher Exporteure von Fertigprodukten, wurden zu Importeuren von Waren vornehmlich italienischer Provenienz und die Länder im Nahen Osten Exporteure für Rohstoffe, die das europäische Gewerbe benötigte." (Fuhrmann in Dirlmeier, S.184)

 

Zwar gelingt es in dieser Zeit dem Reich der Osmanen, zu einer militärischen und geographischen Großmacht aufzusteigen, die weit in Europa hineinreicht und insbesondere im untergegangenen Griechenland und auf dem Balkan retardierend wirkt: In ihrem Einflussbereich schwindet nicht nur das Nachwirken lateinischer Zivilisation, sondern es etablieren sich auch dauerhaft vorkapitalistische Strukturen. Und zwischen Marokko und Arabien setzt jener Niedergang ein, der es zwischen Osmanen und kapitalistischem Europa zerreiben wird.

 

Ein großer Teil Osteuropas wiederum, der in dieser Zeit zu einem russischen Großreich wird, kaum von der lateinischen und nur geringfügig von der byzantinischen Zivilisation beeinflusst, entzieht sich ebenfalls der kapitalistischen Entwicklung weitgehend und entwickelt zudem auch despotische Strukturen. Das geographische Europa ist seitdem und bis in die Gegenwart gespalten in einen kapitalistischen westlichen Teil und einen vorwiegend agrarisch-despotischen süd-östlichen und östlichen Teil, eine Spaltung, die bis heute sichtbar bleibt. 

 

Schon bevor Afrika und die beiden Amerikas zur Gänze in den Welthandel einbezogen werden, nimmt im späten Mittelalter der Handel mit Indien und China zu, hochentwickelten despotischen Zivilisationen. Schon im 13. Jahrhundert wird Rohseide aus Cathay auf den Champagnemessen gehandelt. Dazu kommen "fertige Seiden- und Damaststoffe, Porzellan und Ingwer, Zimt und Zimtblüten." (Fuhrmann in Dirlmeier, S.185).

 

Das kapitalistische Europa expandiert von Italien aus ökonomisch und von Portugal und Spanien aus durch den einsetzenden Kolonialismus. Die bekannten Eckdaten sind folgende:

Seit 1402 portugiesische und dann spanische Eroberung und Kolonisierung der Kanaren.

1415 Portugal erobert Ceuta, dann Porto Santo und Madeira. Zuckerrohrproduktion.

Dann gelangen Portugiesen an der afrikanischen Westküste entlang 1486 nach Namibia. Pfeffer, Gold, Elfenbein und Sklaven sind die Beute.

1488 fährt Bartolomeu Diaz um das Kap der guten Hoffnung

1492 erreicht Kolumbus Santo Domingo und Giovanni Caboto dann von Bristol aus Neufundland

1497 Vasco da Gama nach Indien Antwerpen wird Markt für portugiesische Kolonialwaren.

1500 gelangt Pedro Alvares nach Brasilien

 

Was früher so beschönigend als Zeitalter der Entdeckungen benannt wurde, ist die zweite große Etappe des Kapitalismus, die bis in die zweite Industrialisierung des 18./19. Jahrhunderts hineinreicht und durch diese dann ergänzt wird. Was dann noch fehlt ist jene Sozialdemokratisierung des Kapitalismus im 20. Jahrhundert, die die Welt in eine des Konsumismus und eine der Produktion teilt, durch qualitativ abnehmende Massenproduktion im größeren Teil der Welt und durch Massenkopnsum im kleineren gekennzeichnet. Es ist dies dann nunmehr die Zeit, in der den wenigen Interessierten die Grenzen des Wachstums, das heißt, der Bewegungen des Kapitals deutlich werden, die inzwischen irreversibel überschritten zu sein scheinen. Es ist dies auch die Zeit, in der die abendländische Zivilisation durch die Zusammenarbeit der dominierenden sozialdemokratischen und "sozialistischen" Parteien mit dem alles umwälzenden Kapital zur Gänze verschwindet und durch neuartige "demokratisch"-totalitäre Strukturen ersetzt wird. Aber das ist nicht mehr Thema hier und dem, der das möchte, auch bekannt.

 

 

Der Islam wird zur Gänze wieder aus dem Westen des nördlichen Mittelmeerraums vertrieben. 1492 wird Granada eingenommen. Der östliche Mittelmeerraum andererseits wird zunehmend von einem islamisierten zentralasiatischen Turkvolk kontrolliert, welches mit dem Fall von Konstantinopel/Byzanz das nach seiner Herrscherfamilie so genannte osmanische Reich begründet. Beide Entwicklungen haben Einfluss auf den sich entfaltenden Welthandel,, denn sie bedeuten einmal, dass im Südosten stabile Verhältnisse für den Handel kommen, und andererseits Kastilien/Spanien sich nun der Expansion auf andere Kontinente widmen kann, mit der Portugal sich schon beschäftigt.

 

Sichtbar wird das in der Ablösung der Sklaven von nördlich des Schwarzen Meeres durch solche aus Schwarz-Afrika, die nun zunehmend auch auf Gemälden und Zeichnungen auftauchen. Sklave ist nicht mehr fast synonym mit Slave, sondern mit Neger. Zudem erkennt man die neue Zeit durch den Import exotischer Tiere zunächst aus Afrika, wobei sich Affen als besonders beliebt erweisen. Das Philosophieren hat Natur längst in ein Abstraktum, eine Denkfigur verwandelt, während sie in der Wirklichkeit Warencharakter hat. Ansonsten wird intensiviert, was in der Antike der Unterschied zwischen Zivilisierten und Barbaren war, wobei letztere nun als Wilde in Rechtlosigkeit bis hin zur Vernichtung verfallen.

 

Der neuartige Welthandel durch Eroberungen beeinflusst die Konjunkturen des 15. Jahrhunderts aber nur langsam. England beispielsweise hat unabhängig davon um 1400 einen Handelsboom, um 1450 eine Rezession und um 1470 ein erneutes Wirtschaftswachstum.

Seetüchtigere Schiffe, die dann Atlantik und Indischen Ozean bewältigen, führen zu allererst zum Seehandelsweg aus dem Mittelmeer um die iberische Halbinsel, nun weithin von islamischer Herrschaft befreit, und wieder zurück. Neben den Produktions- und Handelszentren in der Nordhälfte Italiens tauchen nun kastilische auf, zudem verlagert sich langsam Kapital von Flandern erst nach Antwerpen und dann auch nach den späteren Niederlanden (oft heute im Deutschen als Holland zusammengefasst).

Bedeutsam wird zudem der Aufstieg Englands zu einer Seehandelsmacht und einem wichtigen europäischen Produktionsstandort über seine Tuche, die nun zunehmend von englischen Kaufleuten exportiert werden.

 

Transport

 

Die Zunahme von viel Raum einnehmenden Massentransportgütern wie Getreide oder Holz führt in Nord- und Ostsee dazu, dass größere Schiffe aus England als Holk übernommen werden, die die dreifache Tonnage von Koggen bewegen können. Sie haben nun auch Kastelle an Heck und Bug. Daneben kommen Kraweelschiffe als Weiterentwicklung der iberischen Karavellen auf, mächtige Dreimaster mit einer Last von bis zu 800 Tonnen.

 

 

Monokulturen

 

Mit steigender Kaufkraft der Überlebenden der Krisen des 14. Jahrhunderts sinkt die Nachfrage nach Getreide, dem Hauptnahrungsmittel, und die nach Fleisch steigt. In den höheren Lagen der Alpen schwindet der Ackerbau und wird durch Viehzucht ersetzt. Dasselbe gilt für Gegenden Dänemarks und Nowegens und für große Flächen in Polen und Ungarn. Es entstehen ganze Weidelandschaften für Rinderzucht, wo bei Polen Norddeutschland und Ungarn Süddeutschland beliefert. Dazu werden regelmäßig ganze Herden über weite Strecken getrieben.

 

Die Rinderzucht nimmt auch in der Poebene mit ihren feuchten Wiesen zu und macht die römische Campagna zu Weideland. In Süditalien nimmt die Schaf- und Ziegenzucht zu.

Mit der Einführung der Merinoschafe und ihrer hochwertigen Wolle im 14. Jahrhundert, die nun auch die englische an Qualität übertrifft, werden die Hochlagen von Kastilien und Leon zu Schafland. Die Wolle geht nach Flandern, Italien und Frankreich vor allem. In der jährlichen transhumancia kommt es zu langen Wanderungen der Schafherden aus dem Norden in die wärmeren Niederungen Andalusiens. Die Könige privilegieren die Organisationen der Schafzüchter, die nun vor der Ausplünderung Südamerikas einen wesentlichen Anteil am Reichtum im kastilischen Reich haben.

 

Der ferngehandelte Weinbau erlebt im 14. Jahrhundert einen massiven Einbruch, bevor er dann im 15. Jahrhundert zu einer neuen Blüte führt und in Gegenden, die ohnehin bereits in Richtung Wein-Monokultur tendierten, zu reinen Weinlandschaften , wie im Bordelais und Auxerois und Gegenden Süditaliens. Die stark verbesserten Transport- und Handelsbedingungen machen es möglich, in solchen Gegenden den übrigen Warenbedarf von anderswo zu besorgen.

 

Ähnliches gilt für die kleineren Obst- und Gemüseanbaugebiete und für den großflächigen Anbau gewerblicher Pflanzen wie Hanf, Flachs oder von Färberpflanzen wie Krapp, Waid, und Safran. Waid, welches nun große Flächen in den Gegenden von Erfurt, Langensalza und Tennstedt besetzt, dient der Färbung von Textilien mit Blau-, Schwarz- und Grüntönen.

Dazu kommen Hopfengebiete für die Bierproduktion.

 

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts beginnt dann in einigen Gebieten wieder eine Zunahme der Bevölkerung, worauf solche Spezialkulturen wieder eingeengt und durch Getreideanbau ersetzt werden.

 

Messen und Finanzkapital

 

Im 13. Jahrhundert kommt es zu einem Konzentrationsprozess im Messegeschehen, zunehmend von der Politik gefördert. Alte Jahrmarktsorte verlieren an Gewicht, in deutschen Landen gewinnen zentrale Messen wie in Frankfurt, Nördlingen oder Donauwörth an Bedeutung. Die niederrheinischen Messen konzentrieren sich auf Köln mit seinem Stapelzwang, die vielen ostenglischen  auf London hin, wo schon im 12. Jahrhundert Kölner Kaufleute auftauchten und 1281 der Stalhof der Hanse eingerichtet wird.

Der Niedergang der Champagnemessen fördert die Konzentration der flämischen Messestandorte auf Brügge, wo sich die flämische und seit Mitte des 13. Jahrhunderts auch die deutsche Hanse niederlässt. Seit 1277 beginnt dann die Schiffahrt um die iberische Halbinsel von und nach Genua.

Anfang des 14. Jahrhunderts "verlegte sich Brügge auf eine passive, die Handelsaktivitäten fremder Firmen und Kaufleute fokussierende Marktfunktion." Fuhrmann in Dirlmeier, S.187), wobei die Geldschafte in italienischer Hand sind.

 

Der Aufstieg des Messe-Standorts Antwerpen seit 1315 wird 1356 kurzfristig durch die flämische Annektion von Brabant unterbrochen. Aber ab 1380 erhält die Stadt das Monopol auf den Verkauf englischer Tuche und und steigt nun unaufhaltsam auf. Daneben entwickelt sich Bergen-op-Zoom zum Messestandort.

 

Die Frankfurter Messe vermittelt innerdeutsch vor allem zwischen Nord und Süd und besonders im Metallwaren- und Tuchhandel. Darüberhinaus ist es die Mitte der Achse Antwerpen-Venedig, was vor allem Kölner und Nürnberger Kaufleute anzieht, nachdem die Kölner Messe in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts aufgegeben und durch Stapelrecht ersetzt wird. Venedig nimmt inzwischen den ersten Platz im Levantehandel ein. "Es war ein 'Muss' zumindest für die deutschen Kaufleute, in Frankfurt vertreten zu sein und an dem feingesponnenen System aus Warenhandel und Zahlungsausgleich teilzunehmen. Der Absatz der Waren war auf die Messen ausgerichtet, die Begleichung der Schulden darauf terminiert. Bedeutende Kaufleute wie Matthäus Runtinger aus Regensburg finanzierten um 1400 ihre Einkäufe auf der Frankfurter Messe zwar noch mehrheitlich mit Bargeld, (rund 67 Prozent), sie gebrauchten aber auch ausstehende Wechsel und Forderungen." (Fuhrmann in Dirlmeier, S.189) 

 

Vom Niedergang der Champagnemessen profitiert auch Chalons-sur-Saône, bis es im Gefolge des Hundertjährigen Krieges nach 1360 durch Genf abgelöst wird.

 

Einen zentralen Rang hat die Messe von Genf mit starker italienischer Beteiligung als Mittlerin zwischen Nord und Süd wie schon zuvor die Champagnemessen. 1419 beginnt die französische Krone mit der Etablierung von zwei Messen in Lyon gegen Genf zu konkurrieren. 1462 verbietet allerdings der französische König den Transport von Waren zu den Genfer Messen und fördert im folgenden Jahr vier zeitgleiche Messen in Lyon, was zur Abwanderung der italienischen Firmen dorthin führt.

 

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Nach den Bankrotten großer toskanischer Firmen in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (Bardi, Peruzzi) tauchen dort mit den Alberti, Strozzi, Medici, Guardi, Soderini und Ricci neue Gesellschaften auf, die nicht mehr ganz dieselben Ausmaße wie die früheren haben. Dabei nimmt wie bei der 1397 von Giovanni di Bicci gegründeten Medicibank die Spezialisierung auf Finanzgeschäfte zu, die dann Ende des 15. Jahrhunderts zum wichtigsten Geschäftszweig werden.

 

Schon Anfang des 15. Jahrhunderts, in Florenz ab 1408 überliefert, wird das Risiko der Kapitalbeteiligung durch Kommanditgesellschaften eingegrenzt, bei dem die Anteilseigner einer Gesellschaft nur noch bis zur Höhe ihres jeweils eigenen Kapitalanteils haften. Girokonten werden für immer mehr Transaktionen genutzt.

 

Die meisten europäischen Finanzplätze befinden sich im 14. Jahrhundert in Nord- und Mittelitalien neben denen von Neapel und Palermo. Daneben ist noch London ein Finanzplatz von Rang, und der von Genf, den königliche französische Politik dann ruiniert, weswegen seine Funktion nach Lyon verlagert wird, wo aber wie in Genf Italiener das Geschäft betreiben.

 

Der weiter anhaltende Mangel an Münzgeld und Edelmetall, aber oft auch fehlendes Kapital machen den Kredit zur Grundlage des weiter aufblühenden Kapitalismus. Das fängt bei den Bauern an, die das Wetter, Seuchen und was auch immer in Not treiben, und die ihre Ernten schon im vorherein an Handelskapital verkaufen, das damit der Konkurrenz zuvorkommt und einen Preisvorteil einheimsen kann.

Das betrifft Handwerker, die ihre Rohstoffe erst bezahlen, wenn sie das Fertigprodukt verkauft haben und Kaufleute, die ihren Einkauf erst nach Verkauf bezahlen. Handwerker geraten dadurch dann leicht in dauerhafte Abhängigkeit von größerem Kapital.

Daneben gibt es natürlich den Geldkredit in barer Münze, kurzfristig zu hohem Zins, der mehr noch als die indirekteren Kredite in Verschuldung führen kann. Ein Großteil der Beschäftigung städtischer Gerichte hat mit solchen Schuldverfahren zu tun.

 

Kredite werden gegen Schuldschein vergeben und oft in das städtische Schuldbuch, beim Schöffengericht eingetragen oder vor einem Notar verschriftlicht. Zahlungstermine sind oft die örtlichen Messen. Vielfach werden auch Wertsachen verpfändet, wie Gold und Silber und das verfertigte Wertgegenstände beim Lombardkredit. Daneben kann der Wechselbrief als Schuldschein dienen.

 

Wichtige Kreditgeber sind bis ins 14. Jahrhundert hinein Juden, Lombarden und Kawerschen/Karwenschen. Bis dahin sind sie auch im Warenhandel beteiligt, aus dem Juden dann verdrängt werden, worauf sie sich ganz auf eher kurzfristige Darlehen konzentrieren, die aufs Jahr umgerechnet Zinsfüße von 60-70% enthalten. "Bauern, Städter und Adelige standen in Schuldverhältnissen zu Juden, denen Gerichtsgefälle, Regalieneinkünfte, Pretiosen, Wertgegenstände, Arbeitsgerät, gewerbliche Rohstoffe, Dörfer und Burgen, ferner etwa auch die Kronen der pfälzischen Wittelsbacher verpfändet waren. In einem kleinen Gebiet an der Mosel hatten 29 jüdische Gläubiger insgesamt 217 Schuldner, darunter vor allem städtische Handwerker (Schuster, Schneider, Sattler)." (Isenmann, S.382)

 

1348/49 kommt es im Zusammenhang mit der Pest zu großen Judenpogromen. Seit etwa 1380 werden die Juden auch in deutschen Landen von dem Geschäft mit großen öffentlichen Anleihen verdrängt. An etwa 1385 kommt es zu großen Enteignungsaktionen, an denen zum Beispiel Nürnberger Großbürgertum wie die Behaim und Haller beteiligt sind. Der Nürnberger Ulman Stromer schreibt in seinem 'Püchel von mein geslechet und von abentewr' in neuhochdeutscher Übersetzung: Anno domini 1390 Jahr, da mussten die Juden ihre Schulden lassen.Da waren bei Herzog Friedrich von Bayern, die Bischöfe von Bamberg und von Würzburg und von Augsburg, der Burggraf von Nürnberg, die Grafen von Öttinge, die Grafen von Wertheim, unseres Herrn des römischen Königs Räte von Böhmen, viele Herren; und sie kamen überein aufgrund ihrer vom römischen König verliehenen Gewalt, dass unter den Herren und Städten niemand keinem Juden weder Hauptgut noch Zinsen geben soll und sie mussten alle Pfänder und Briefe wieder hergeben. (in: Fuhrmann, S.231f) 

 

Um 1500 ist das Geldgeschäft im wesentlichen in christlicher Hand. Verdrängt werden auch die Lombarden und Kawerschen, bis dahin mit obrigkeitlichen Konzessionen ausgestattet.

 

Bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts gibt es in deutschen Landen noch keine Banken, die denen in Norditalien ähneln, die insbesondere das bargeldlose Geschäft kontrollieren. In Flandern wie in süddeutschen Landen nördlich der Alpen nehmen Wechsler das Depot- und Depositengeschäft auf, "verwahrten also Edelmetall, Schmuck und Geld. Geldwechsler nahmen seit der zweiten Hälfte des 14. Jhs. überdies Inkasso-Abwicklungen als Verlängerung des Depositengeschäfts in ihr Dienstleistungsangebot mit auf, d.h. sie zahlten Gelder zunächst auf mündliche, dann auch auf schriftliche Anweisungen hin aus. Überhaupt bedienten Nürnberger und Kölner Wechsler sogar in stärkerem Maße als ihre Kollegen aus Brügge Wechselbriefe des Großhandels." (Dirlmeier, S.52)

 

Der Wechsel diente zunächst, in Italien ab dem 12. Jahrhundert, der Verrechnung innerhalb eines Handelshauses. Im 14. Jahrhundert wird daraus die Zahlungsanweisung an Dritte in der dortigen Währung, also bargeldloser Zahlungsverkehr. Den Gegenwert hat der Inhaber des Wechselbriefes zuvor in heimischer Währung eingezahlt. Durch Verschiebung des Zahlungsziels wird er zu einem Kreditinstrument und zugleich als Geldersatz zu einem Zahlungsmittel. Nun kann er im 15. Jahrhundert durch ein Indossament weitergegeben werden.

 

In deutschen Landen wird ein eigenständiges Konkursrecht entwickelt. "Das deutsche Konkursrecht geht nicht von einer wütenden Zusammenrottung der Gläubiger aus, einem concursus creditorum, wobei die Wechselbank des betrügerischen Wechslers umgestürzt, banco rutto gemacht wird, sondern ist eine eigentlich recht geniale Übertragung der Nachlassschuldenregelung auf die Lebenden. Der verschuldete Kaufmann muss - später nur noch symbolisch -  aus der Stadt fliehen, gilöt danach als tot, so dass unter seinen Gläubigern eine Art Nachlassteilung eintreten kann." (Ebel in Isenmann, S.87)

 

Die Macht des süddeutschen Finanzkapitals,  insbesondere des aus Nürnberg und bald auch Frankfurt stammenden, und die Abhängigkeit von Fürsten, Königen und Kaisern davon wird im ausgehenden 14. Jahrhundert immer deutlicher, wie alleine schon mit dem Nürnberger Geld deutlich wird: Konrad Groß ist Finanzier Ludwigs des Bayern. Die Haller, Groß, Stromer und Tetzel sind maßgeblich an der Geldbeschaffung für den Kauf der Mark Brandenburg durch Karl IV. im Jahre 1373 beteiligt wie wohl 1412-1418 andere Nürnberger Familien beim Erwerb der Mark durch die Zollern. Nürnberger Geschlechter bevorschussen 1401 mit 55 000 Gulden die Florentiner Subsidien für König Ruprechts Kriegszug gegen Mailand und diskontieren die Wechsel. Ratsherren und Geldkaufleute unterstützen 1422-1427 durch diplomatische und finanzpolitische Maßnahmen die Reichsreformpläne König Sigmunds und dessen Abwehrkampf gegen die Kurürstenfronde unter Führung des Markgrafen Friedrich von Brandenburg, gegen den sie eine Kreditsperre verhängen. Dem Patrizier Ulrich Ortlieb verpfändet Sigmund um 1500 Gulden eine Krone. Danach löst dann Augsburger Kapital das Nürnberger bei Investitionen in fürstliche Macht ab.

 

Hanse

 

Um 1350 ist jene Entwicklung abgeschlossen, die aus den Kaufmanns-Fahrtgenossenschaften eine Städtehanse macht, den eher lockeren Städtebund der 1356 erstmals so erwähnten dudesche hense, der zwar keine Staatlichkeit ausbildet, aber ein Machtfaktor in den Herrschaften des nordeuropäischen Raumes darstellt. In drei Hansen geteilt, sind sie nun aber der zunehmenden Konkurrenz Nürnberger Kaufleute, vor allem aber der Holländer und der Engländer ausgesetzt.

 

Im 14. Jahrhundert verliert Visby seine Bedeutung an Lübeck und andere Städte. und Lübeck bemüht sich nun um eine etwas straffere Organisation.

Wichtigste Niederlassungen sind der Petershof in Nowgorod, die Deutsche Brücke in Bergen, der Stalhof in London und die Niederlassung in Brügge, die im 16. Jahrhundert dann Kontore heißen werden. Zur Verwaltung und inneren Gerichtsbarkeit werden Vertretungen gewählt, die als Korporation ein Siegel führen dürfen. In diesen Niederlassungen leben die Kaufleute streng reglementiert in eigenen Vierteln und in Nowgorod und Bergen durch eine Mauer von der übrigen Bevölkerung getrennt. Es können schon mal mehrere hundert sein.

 

Die über hundert Städte versammeln sich in Abständen auf Hansetagen, jedes der Hansedrittel entsendet dabei acht Abgeordnete in diesen Kaufmannsrat, daneben veranstalten auch die Drittel eigene Tagungen.

 

Die Widerlegung mit ihren zwei Partnern wird im 15. Jahrhundert durch ein System von Außengesellschaften abgelöst, "und bei der Summierung aller Geschäftsbeziehungen existierten damit größere Handelsgesellschaften als in oberdeutschen Städten." (Fuhrmann, S.196)

 

Das ausgehende Mittelalter bedeutet auch den Niedergang der Hanse(n). Nichthansischer Handel dringt mit Unterstützung von Fürsten und Königen immer starker in hansisch privilegierte Domänen ein und Territorial- und Nationalstaaten dulden immer weniger die (städtischen) Sonderrechte. Die große Zeit vieler Städte ist vorbei. Brügge muss seine Rolle als Drehscheibe für Handel und Finanzen an Antwerpen abgeben, und die Atlantikroute um Europa und nach Übersee verändert den Handelsraum zur Gänze.

 

 

Textilien

 

Florenz stellt in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts die Tuchproduktion auf qualitativ höherwertige Ware um und gewinnt damit einen größeren Markt für die Abnahme solcher Tuche, in Konkurrenz zu entsprechenden aus England, Flandern und Brabant. In Florenz sind nach der Steuerliste von 1352 "1381 Familienoberhäuper als Wollarbeiter tätig, das sind 28,4% aller erfassten Berufsleute. Nach der Steuerliste von 1427 waren es noch 1098 Familienoberhäupter oder 20,1% der Berufsleute." (Gilomen, S.119)

 

Zwischen 1363 und 83 entsteht ein großes Barchentrevier nordöstlich des Bodensees. Binnen fünfzig Jahren wird man nördlich der Alpen von italienischen Einfuhren unabhängig. "Der Barchent mit seinen kräftigen Farben war schon deswegen >in einer modisch bewussten, farb- und sinnenfreudigen Welt< beliebt, zumal er im Winter wärmte, im Sommer den Schweiß aufsaugte." (Fuhrmann, S.199).

Das Barchent ist kapitalintensiv und exportorientiert, wird nach Qualitätsmarken standardisiert und schon aus diesen Gründen verlegerisch überformt.

 

Stärker noch als in der Mitte werden im Norden, insbesondere der Lombardei Segmente der Produktion wie die Spinnerei aus Kostengründen auf das Land verlagert. Dasselbe geschieht im 15. Jahrhundert auch in England und anderswo. Aus solchen Kostengründen verlagert man die komplette Produktion von Billigstoffen, also Massenware, immer mehr aufs Land. In Flandern wandert schon im 14. Jahrhundert fast die gesamte Tuchproduktion aus der Stadt. In Analogie zu Bergbau und Metallproduktion kann man nun von von Städten und ihrem Kapital dominierten Tuchrevieren sprechen.

 

Bergbau und Metalle (in Arbeit)

 

Von den Krisen und den Kontraktionen des 14. Jahrhunderts wird auch der Bergbau betroffen. Aber es halten sich die Eisenreviere im Forest of Dean, im Siegerland, der Oberpfalz, in Böhmen, der Steiermark und auf Elba. Zudem entstehen im 15. Jahrhundert auch neue Metallgewerbe-Landschaften im Bergischen Land, im Sauer- und Siegerland,  die in den folgenden Jahrhunderten Kontinuität beweisen.

 

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts werden dann alte Bergwerke durch neue Wasserhebemaschinen und Saugpumpen reaktiviert. Im Erzgebirge werden neue Silbervorkommen entdeckt, und daraus entwickelt sich St.Annaberg. Ähnliche Vorkommen finden sich dann auch im Tiroler Inntal. Immer mehr kaufmännisches Kapital fließt in die Erzgewinnung, wobei es auch zu neuen Techniken in der Herauslösung aus dem Gestein kommt.

 

Einen neuen Aufschwung nimmt auch die Waffenproduktion mit der Erfindung des Schießpulvers und der Artillerie. Worms besitzt bereits im 13. Jahrhundert ein Zeughaus. In Nürnberg und Straßburg, den großen Reichststädten, werden nun auch in Geschützgießereien Kanonen hergestellt. Mailand bleibt aber führend in der Rüstungswirtschaft. 

 

Die Kapitalkonzentration im englischen Zinnbergbau nimmt erheblich zu: "Im frühen 14. Jh. wuchsen die königlichen Zinn- und Silberbergwerke im englischen Beer Alston zu 'Großbetrieben' mit 700 Lohnarbeitern empor.  Bei einem Zinnmagnaten standen 1357 in sechs Bergwerken Cornwalls 300 Menschen in Lohn und Brot. Die exportorientierte englische Zinnproduktion konnte vom Beginn des 14. Jhs. bis zu den 1430er Jahren von 680 000 auf 1,4 Millionen Pfund jährlich gesteigert werden." (Dirlmeier, S.34)

 

Das Gebiet um Maastricht, Lüttich, Aachen und Dinant erhält im 14. Jahrhundert Kupfer aus dem Harz und Zinn aus Cornwall und wird zu einer Buntmetall-Exportregion.

Auch im produzierenden Metallgewerbe nehmen Kapitalkonzentration und Firmengröße zu. Für 1457 ist von Thomas Dountons Londoner Zinnwerkstatt überliefert, dass er 18 Lehrlinge und Lohnarbeiter beschäftigt. (Dyer, S.320)

 

Eine massive Zunahme verzeichnet im 15. Jahrhundert der englische Kohlebergbau, in den auch Bischöfe wie der von Durham investieren, und wo das einzelne Bergwerk nun von um die 12 Arbeitern betrieben wird. Oft von Pferden betriebene Pumpen entsorgen dabei das Wasser. Um 1510 schickt Newcastle bereits jährlich um die 40 000 Tonnen Kohle überall hin, insbesondere aber auf dem Seeweg nach London.

 

Papier und Druck (in Arbeit)

 

Schreiben und Lesen verändern ihre Bedeutung ganz langsam durch zwei Innovationen des 14. und 15. Jahrhunderts, die Ersetzung von Pergament durch Papier und die Erfindung des Buchdrucks. Papier ist zunächst nur etwas billiger als Pergament, bis einmal die Papiermühle erfunden wird, die sich in deutschen Landen im 15. Jahrhundert verbreitet und die die Rohmasse für Papier herstellt. Dazu kommt dann aber auch, dass mit der Zunahme von Leinenwaren Leinen als Abfall Rohstoff für die Papiermühlen wird.Papier wird dabei allerdings auch nicht ansatzweise so billig wie in der heutigen Fabrikproduktion.

 

Zu der Papierproduktion kommt dann Mitte des 15. Jahrhunderts der Druck mit beweglichen Lettern. Nachdem er Bücher zunächst nur eingeschränkt verbilligte, werden Bücher dann erheblich preisgünstiger durch Massenproduktion. Das wird im 16. Jahrhundert dazu führen, dass wohlhabendere bürgerlich-protestantische Kreise im 16. Jahrhundert zumindest ein Buch im Haushalt haben werden, eine Bibel nämlich. Das Lesen wird dann auch durch verbesserte Lesebrillen für die verbessert werden, die sie benötigen.

 

 

Massenproduktion und Kapitalkonzentration (in Arbeit)

 

In der zweiten Blütezeit des Kapitalismus zwischen 1350 und etwa 1500 breitet sich das Verlagssystem wie eine Krake über Gewerbezweige und ganze Gewerbelandschaften aus. Als zwischen etwa 1360 und 1430 mit politischer Förderung und Kapitaleinsatz mitteleuropäische Barchentproduktion die norditalienische überflügelt, entwickelt sich diese gleich im Verlagswesen.  Barchent ist ein Textilgewebe aus leinenen Kettfäden und Schussfäden aus Baumwolle. Es ist billiger als Wolltücher und durch Struktur wie Färbemöglichkeiten gefääliger für die neuen und immer wichtiger werdenden Modegewohnheiten.

Innerhalb von einer Generation erobert Barchent das oberschwäbische Leinwandrevier mit Ulm, Augsburg, Memmingen und anderen Städten und wird dort zum größten Gewerbezweig.

 

Im Runtingerbuch listet der Regensburger Kaufmann Mathäus Runtinger (1350-1407) Verlagsverträge mit sieben Barchentwebern auf, deren erster so lautet: Es kaufte der alte Eyselein von mir am Mittwoch vor dem St.Laurentiustag 3 Zentner Baumwolle, je 1 Zentner für 11 Barchente weniger ¼, insgesamt 32 ¼ Barchente. Diese Barchente soll er mir bis Weihnachten liefern. Mir gab der alte Eyselein 33 Barchente am Weihnachtsabend. Ich bleibe dem Eyselein ¾ eines Barchents schuldig. (Engel/Jacb, S. 273).

 

Zumindest die Rohstofflieferung und der Handel mit dem Fertigprodukt liegen in der Hand größerer Kapitalien. Dazu gehört Massenproduktion nach einheitlichen und dem Markt bekannten Qualitätsstandarden. Die Ware wird immer weniger nur auf Messen verkauft, sondern direkt in den Städten, wo die Kunden sitzen.

 

Leinenreviere verbleiben insbesondere in Nordostdeutschland, in Sachsen zum Beispiel, wo einfache Leintücher hergestellt werden, dann nach Süddeutschland geschickt werden, um dort veredelt zu werden. Auch da tritt Kapital dazwischen.

Eine Metropole der Barchentproduktion ist zunächst auch Köln, bis es sich dann stärker auf die Seidentücher konzentriert.

 

Mitte des 15. Jahrhunderts besitzen in Yorkshire nur noch die Hälfte der Weber ihren eigenen Webstuhl. Einzelne Unternehmer-Magnaten besitzen dann gleich mehrere Walkmühlen. Ein Thomas Paycocke ist 1518 so reich, dass er nebenbei in seinem Testament jedem einzelnen Scherer, Kämmer, Kardierer, Spinner, Weber und Walker 12 Pennies vermachen kann. (Dyer, S.326) Wenn ein solcher Unternehmer bei seinem Wohnhaus dann Spinnhäuser, Walkmühle, Färberhäuser und sonstige Handwerker in der Nähe versammelt, hat er fast schon eine Fabrik zusammen.

 

Die Kapitalkonzentration in der Stadt und das Verlagssystem greifen im Textilbereich auf das Land über und verwandeln es teilweise in Gewerbegebiete. Im östlichen Mitteldeutschland entstehen reine Weberdörfer. Das Bergische Land mit seinem Wasserreichtum liefert für die Kölner Produktion von Textilien und Lederwaren Walkmühlen, Lohnmühlen, Färbereien und Bleichen. In einem sehr weiten Wortsinn lässt sich von der partiellen Industrialisierung ganzer ländlicher Regionen reden.

 

Hochkonzentriertes Kapital neigt dazu, die fürstliche und königliche Politik zu beeinflussen und sich mit ihr zu verbandeln, zum Beispiel sie durch Kredite abhängig zu machen. Aber während heute Politik von Kapitalbewegungen dermaßen abhängig ist, dass sie den Staat als unmittelbare Agentur des Kapitals begreift, ist sie damals in der Hand von Königen und Fürsten wesentlich stärker deren machtpolitischen Wechselfällen ausgesetzt. Nicht zuletzt deshalb gehen Firmen wie die Bardi und Peruzzi bankrott, denen genuesische und venezianische Firmen folgen, zwischen 1381 und 83 Banken in Barcelona und dann in ganz Katalonien. "1408 faillierte z.B. die Firma des Kaspar Vetter, dessen Geschlecht zu den reichsten Familien Rothenburgs und Donauwörths gehörte, bankrott gingen die Nürnberger Gesellschaften Stromer-Ortlieb und Kamerer-Seiler. Im folgenden Jahrzehnt verschwanden weitere Nürnberger Familien - die Kreß, Pirckheimer und Mandel - aus dem Handel in Venedig und Lübeck, den sie über Jahrzehnte bestimmt hatten." (Fuhrmann in Dirlheimer, S.184)

 

Kapitalkonzentration dringt überall dort in die Produktion ein, wo entweder Maschinen, durch Wasser- oder Windkraft angetrieben, zum Produktionsprozess dazugehören, oder wo teure Gerätschaften vonnöten sind. In der Regel fördern die Herren der Städte und des Landes solche Innovationen. Mühlen werden in der Textilproduktion und im Metallgewerbe immer wichtiger. Aber auch das holzverarbeitende Gewerbe nutzt nun Sägemühlen und die Gerber Lohmühlen, schließlich das Papier erzeugende Gewerbe Papiermühlen.

 

Daneben wird der Bergbau dadurch kapitalintensiver, dass mit dem tieferen Eindringen in die Erde dort mit dem eindringenden Wasser gerungen werden muss. Dasselbe betrifft die immer kunstvolleren Hochöfen sowie Saigerhütten und ähnliches. (Siehe Großkapitel Stadt 7, Nürnberg)

 

 

Das Saigerverfahren verbreitet sich dann. Ab 1472 schließen sich "mehrere Grafen von Mansfeld und von Henneberg mit technischen und kaufmännischen Unternehmern in Gesellschaften zum Betrieb von Saigerhütten" im Mansfelder Land und überhaupt im Thüringer Wald zusammen. (Schubert, S.11) Ende des 15. Jahrhunderts wird Jakob Fugger damit in Schwaz (Tirol) erhebliche Summen einnehmen.

 

 

Ähnliches wie für Nürnberg lässt sich von Köln sagen. Kölner und Aachener Unternehmer gewinnen die Kontrolle über die Eisen- und Bleigewinnung in der Nordeifel. Kölner Kaufleute gewinnen Einfluss "auf siegerländische und nassauische Eisenproduktionsstätten, auf die Stahlreviere von Brekkerfeld, Attendorn und Rademvorwald. Durch Monopolverträge sicherte sich Köln 1463 die gesamte Produktion der dortigen Stahlschmiedegilden." (Isenmann, S. 355)

 

Kaufleute betreiben in Rostock die Werften und zunehmend die großen Brauereien Norddeutschlands.

 

Druckereien im ausgehenden 15. Jahrhundert bleiben meist noch eher kleine Betriebe, aber wie Koberger in Nürnberg gibt es erste, die an mehreren Orten eine größere Zahl von Gesellen beschäftigen. In der Regel produzieren solche oft an Universitäten ausgebildete Leute, nicht selten Kleriker, die Bücher nicht nur, sondern verkaufen sie auch.

 

Wenn in der Produktion von Metall- und Tongefäßen das Personal über zwei bis drei Leute hinausgeht, wird bereits die Größe eines üblichen mittelalterlichen Handwerksbetriebes überschritten. Bei einem Betrieb, der im späten Mittelalter Gerätschaften und Gefäße aus Zinn herstellt, und der zwischen zehn und zwanzig Leute beschäftigt, nähern wir uns fabrikmäßigen Verhältnissen, wie auch dort, wo Mühlen verschiedene metallverarbeitende Produktionslinien gleichzeitig bedienen. Dazu gehört, dass Mühlen Ende des 15. Jahrhunderts gleichzeitig Schmiedehämmer und Blasebälge bedienen und so Gußeisen herstellen können.

 

Solche Betriebsgrößen und Mühlanlagen verlangen mehr als das minimale Kapital, mit dem Handwerksbetriebe normal ausgestattet sind. Hier konzentriert sich Kapital nicht mehr nur in Finanz- und Handelsunternehmen, sondern in der Produktion selbst, und es ist nicht mehr vor allem Adel, der hier investiert, sondern eben zunehmend Bürgertum. So schließen sich 1417 in Rostock Kaufleute zu einer Firma zusammen, die 14 Mühlen aufkauft und durch einen Mühlenmeister bewirtschaften lässt. (Isenmann, S.356)

 

Während die Manufakturen der frühen Neuzeit zum großen Teil fürstlich subventionierte Luxusproduktion betreiben (Gobelins, Porzellan etc.), sind die größeren und kapitalkräftigeren Produktions-Firmen des späten Mittelalters vorwiegend auf Massenproduktion mittlerer und unterer Qualität aus. Das verlangt natürlich Massenkonsum an Gebrauchswaren und entsprechend kaufkräftige Massen, wie sie im 15. Jahrhundert üblich werden. Der Kapitalismus führt unübersehbar zu steigendem Wohlstand breiterer Schichten bis ins Handwerk und dem wohlhabenderen Teil der Bauernschaft.

 

Kapitalkonzentration führt in einzelnen Branchen zur Firmenkonzentration. Die Zahl der Töpfereien geht zurück und die übriggebliebenen haben entsprechend höheren Ausstoß.

In großen Städten differenzieren sich im Exportgewerbe arme und reiche Handwerksbetriebe heraus. In Köln gehen reichere Weberbetriebe dazu über, wie Verleger über arme Betriebe zu verfügen. "In Straßburg gingen aus dem Kreis reicher Handwerker die Tucher hervor, die Spinner und Weber für sich arbeiten ließen und nur noch die Produktion leiteten und kontrollierten."(Isenmann, S.356)

Seit etwa 1440 entstehen in Görlitz in der Tuchproduktion "Meistereien" in den Händen von reichen Meistern und Kaufleuten, die schon an Manufakturen gemahnen (Karl Czok in: Beiträge 2, S.107). Es sind Betriebe, "in denen abhängige Meister, gelernte und ungelernte Hilfskräfte Tuch im kompletten Fertigungsprozess herstellen." (Isenmann, S.356)

 

Bei den Brauern in Oxford führt das von einer Zahl von über 250 im Jahre 1311 zu ungefähr 24 im frühen 16. Jahrhundert. Ein wesentlicher Grund ist die Nutzung des Hopfens für die Bierproduktion, wobei niederländisches Bier das englische Ale zurückdrängt. Mit Hopfen gebrautes Bier schmeckt nicht nur anders, sondern bedeutet erheblich erhöhte Haltbarkeit. Damit kann Bier auch für fernere Märkte produziert und dorthin transportiert werden. Es wird zum Massenprodukt selbst für Handel über Regionen hinweg. Und da die neuartigen Braukessel über 20 Pfund kosten, wird das Brauen großer Mengen nun zur Sache kapitalkräftiger Unternehmer, auch wenn das Ale nicht ganz vom Markt verschwindet.

 

Ein Gutteil der Produktion der nunmehr schnell aufsteigenden englischen Tuchproduktion bedient solche Massen, und wo wie in Flandern vornehmlich hochwertige Stoffe hergestellt wurden, bricht nun englische billige Exportware für die Massen der Unterschicht ein.

 

Das gemahnt schon etwas an den viel breiter angelegten Massenkonsum der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts insbesondere in den USA, während der der zweiten Hälfte desselben Jahrhunderts mit seiner globalisierten Arbeitsteilung immer mehr Quantität mit stetig sinkender Qualität verbinden wird und mit zunehmenden Zwängen: Wer neue Konsumwaren nicht mehr bezieht, scheidet aus dem Arbeitsmarkt und inzwischen auch aus der Welt schneller "Informationen" aus.

 

An Moden orientiertes Konsumverhalten charakterisiert schon den Adel des hohen Mittelalters, insbesondere als in der Zeit des gotischen Stils die modischen Veränderungen sich beschleunigen. Die städtischen Bürger ziehen so schnell mit, wie sie können, was insbesondere die Kleidermoden angeht, was das Tuch- und Schneidergewerbe massiv fördert, auch dadurch, dass man nun nach Möglichkeit mehr Kleidungsstücke zum wechseln besitzt, insbesondere bei leinener Unterbekleidung, Bettwäsche und Tischwäsche. Am Ende des Mittelalters gibt es auch für kleinere Geldbeutel modische Waren kleiner Größe, die in England die haberdasher von den mercer ablösen. Hauben, Hüte, Börsen, Haarnadeln und Schnallen gehören dazu, die in einer Art Massen- und Serienproduktion bei verminderter Qualität zum gesteigerten Konsumverhalten einladen. Dazu kommen Strumpfhalter und -bänder, Busenbänder und -tücher, Seidentücher usw.

 

 

Firmen (in Arbeit)

 

Anders als in Norddeutschland formieren sich im deutschen Süden große Handelsgesellschaften. Die Nürnberger verbinden dabei Fernhandel mit Waren mit unternehmerischen Investitionen in Bergbau und Metallgewinnung mit Verlagswesen, "Giralgeldschöpfung mit Bankgeschäft, Ämter- und Regalienpacht." (Isenmann, S.377)

 

Die größte Firma ist die Große Ravensburger Handelsgesellschaft, die von 1380 bis 1530 existiert. An ihr sind über hundert Familien im wesentlichen aus schwäbischen Reichsstädten beteiligt und fast genauso viele Gesellen. Geleitet wird der riesige Betrieb von drei "Regierern", ein Gremium von neun "Herren" aus den Gesellschaftern beaufsichtigt das Unternehmen, errechnet den Gewinn und verteilt ihn.

"Die Gesellschaft exportierte Leinwand und Barchent aus Oberdeutschland, Textilien aus Oberitalien und aus den Niederlanden sowie Metallwaren aus Nürnberg. Sie importierte den teuren Safran, Gewürze, Edelsteine, Perlen, Korallen, S+dfrüchte, Reis, Zucker, Leder, Wolle und noch weitere Produkte ausländischer Märkte." (Isenmann, S.377)

Niederlassungen gibt es in Hamburg, in Köln, Antwerpen, Brügge und London, in Wien, Ofen, Breslau, in Italien (Mailand, Venedig, Genua), Savoyen (Genf), Frankreich (Lyon, Avignon) und Spanien (Valencia, Zaragoza)

 

Ähnliche, aber kleinere solche Firmen gibt es in allen größeren süddeutschen Städten. Das Kapital der Ravensburger beträgt um 1500 mehr als 150 000 Gulden, das der Augsburger Fugger wenig später bereits über 200 000, wozu noch Immobilien im Wert von rund 30 000 Gulden kommen.

 

Hans Fugger zieht 1367 aus dem schwäbischen Dorf Graben nach Augsburg um und tritt in die dortige Weberzunft ein. 1463 treten sie in die Zunft der Kaufleute ein. Sie betreiben zunächst Barchenthandel, führen Baumwolle ein und arbeiten verlegerisch.

In einer weiteren Stufe operieren sie im Anleihegeschäft sowie mit Kupfer und Silber. Hohe Herren legen ihr Vermögen bei ihnen an. 1525 verfügt die Firma über 2 Millionen Gulden. Inzwischen operieren sie im Fernhandel mit Waren, im Verlag in Textilien und Bergbau, als Direkt-Unternehmer im europäischen Bergbau bis nach Spanien und der Vermarktung der Montanprodukte. Dazu kommen Finanzgeschäfte, die Pachten der Einkünfte aus den spanischen Ritetrorden, Steuerpacht und allgemeine Bankgeschäfte.

 

 

In deutschen Landen fehlen oft Schulen, und angehende Geschäftsleute in Handel und Finanzen lernen oft in den Firmen und auf Reisen. Bis ans Ende des Mittelalters fehlen auch die Bücher, mit denen man Rechnen oder Fremdsprachen lernen könnte. Junge Leute beweisen, dass es auch der Schulen für das Erlernen aller wichtigen Kenntnisse und Fertigkeiten nicht bedarf, wenn man nur lernen möchte und das Talent dabei besitzt:

 

"Der Nürnberger Christoph Scheuerl empfahl 1488 in seinem >Regiment< für den jungen Hieronymus Haller, der sich nach Venedig zu gehen anschickte, während seines dortigen Lehraufenthaltes den Morgen beim Rechenmeister zu verbringen, sich während des restlichen Vormittags und am Nachmittag bei den Kaufleuten im Fondaco dei Tedeschi aufzuhalten und ständig Wissenswertes und Neues über Veränderungen bei Waren und Preisen in sein Täfelchen aufzuzeichnen. Desgleichen sollte er alles, was er in An- und Verkauf, mit Banken und Zahlungen handle, ohne sich auf sein Gedächtnis zu verlassen, sofort in sein Täfelchen notieren, in sein Kopier- und Schuldbuch schreiben oder wenigstens in sein Journal eintragen." (Isenmann, S.359)

 

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts beginnt ganz zaghaft das Ersetzen der lateinischen durch die arabischen Ziffern, was aber bis in die früheste Neuzeit auf deutschen Ämtern und vor Gericht noch nicht anerkannt wird, nicht zuletzt wohl, weil man dort noch keine arabischen Zahlen kennt. 1518 erscheinen dann im deutschen Raum die ersten Rechenbücher von Heinrich Schreiber und Adam Riese.

 

Wichtigste schriftliche Aufzeichnungen bei Firmen sind die Bücher, in die Schulden und Kredite eingetragen werden, da der Kredit bis in die frühe Neuzeit wegen des Mangels an Bargeld (Münzen) und Edelmetallen der Vater des Geschäftes bleibt.

 

 

 

Zünftiges Handwerk (in Arbeit)

 

Die Zünfte pendeln zwischen der Funktion, Interessenvertretung ihres Gewerbes zu sein, und der, durch ihre Unterordnung unter Rat und politisches Großkapital als Instrument der Kontrolle durch die Obrigkeit zu funktionieren. Ein florierendes Handwerk ist dabei im Kern durchaus im Interesse der politisch wie wirtschaftlich Mächtigen, ganz anders als im 19. und 20. Jahrhundert, als diese das produktive Handwerk zur Gänze untergehen lassen.

 

Es gibt also Gemeinsamkeiten im Interesse. Politisch kann es zum Beispiel aus Gründen des inneren Friedens manchmal sinnvoll erscheinen, Innovationen zu vermeiden. 1412/13 verbietet so der Kölner Rat die Einfuhr von Seidenzwirnmühlen durch den süddeutschen Kaufmann Walter Kesinger (Dirlmeier, S.36), um nicht zu viele Arbeitsplätze zu gefährden. Genausogut kann aber eine vom Patriziat streng regierte und Handwerkervereinigungen massiv unterdrückende Stadt wie Nürnberg Innovationen zum Beispiel im Metallbereich fördern.

 

Rat und Zünfte sind sich oft einig in der Einschränkung der Konkurrenz, die den kleinen Handwerksbetrieb schützt. Dies geschieht durch massive Begrenzung der Betriebsgröße, des Großgeräts wie der Webstühle, durch Absatzquoten, Verteilung der Aufträge durch die Zunft, kollektiven Messebesuch oder das Verhandeln nicht selbst produzierter Waren wie das Verbot von Werbung (Isenmann, S.344). Zudem kann die Menge und der Preis beim Rohstoffkauf reguliert werden, die Lohnkosten und Marktpreise können limitiert werden und, was ganz zentral ist, die Qualität wird kontrolliert.

 

Die Einschränkung der Konkurrenz betrifft den Zuzug neuer Handwerker, aber oft auch den wirtschaftlichen Ausschluss von Handwerkern im Umland. In einer Chronik von 1411 heißt es, dass ...kein Bürger hier zu Augsburg, weder reich noch arm, weder Kaufleute noch andere Bürger, mit einem Weber, der auf dem Lande innerhalb von drei Meilen rings um die Stadt ansässig ist, irgendwelche Zusammenarbeit oder Geschäfte unterhalten soll. (Engel/Jacob, S. 314) 1470 verfügt der Kurfürst von Sachsen, dass auf eine Meile Weges um Chemnitz herum kein Handwerker wohnen und dort sein Handwerk betreiben soll und dass kein Dorfgastwirt selbst brauen oder fremdes Bier, es sei denn Chemnitzer Bier, das ganze Jahr über aussschenken soll. (Engel/Jacob, S. 315) So kann im Zusammenspiel von Fürst und städtischer Obrigkeit das Gewerbe und der Einzug von Abgaben besser kontrolliert werden.

 

In der Wirklichkeit gibt es aber einen massiven Widerspruch zwischen dem Schutz des (kleinen) Handwerksbetriebes, wie ihn Zünfte und Räte formulieren, und seiner Gefährung durch Abhängigwerden einmal vom Handelskapital und zum anderen von reich gewordenem Handwerk selbst.

 

Innerhalb der Städte wird hingegen auf bürgerlichen Wunsch die Konkurrenz der Klöster, der Laienorden der Teriarier und die der Beginen beschränkt, indem letzteren zum Beispiel die Anzahl der Webstühle vorgeschrieben wurde. Bei etwa 106 Beginenhäusern im Köln des 15. Jahrhunderts und etwa 1.500 Beginen spielt deren Wirtschaftskraft durchaus eine Rolle.

 

Die vielen Regulierungen sollen das Handwerk schützen, aber sie schützen zumindest Teile davon auch weiterhin nicht vor Armut. In einer Augsburger Chronik von 1397 heißt es: … denn es waren sehr viele arme, zu Grunde gerichtete Weber in der Stadt, und man meinte, die Weber hätten gern in der Stadt Mord gestiftet, um ihre Geldschulden loszuwerden. (Engel/Jacob, S. 297)

 

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Einen Sonderfall stellen in den Städten die Krämer dar, die von der Größe her oft in etwa einem Handwerksbetrieb entsprechen und wie dieser dem Zunftzwang unterliegen. Im Unterschied zum Handwerker verkaufen sie aber nicht Selbstproduziertes, sondern ein gemischtes Angebot an Waren (nur) aus anderen Orten. Dabei unterliegen sie eigentlich im Unterschied zum Großhandel dem Marktzwang, aber sie tendieren auch dazu, von zuhause aus zu verkaufen. Vor der Übermacht des Großhandels werden sie dadurch geschützt, dass diesem wiederum der Kleinhandel untersagt ist.

 

Der Mangel an umlaufender Münze tendiert dazu, dass Krämer auf Kredit einkaufen und auch wieder verkaufen. Dabei können dann in der Spätzeit der zweiten Blüte des mittelalterlichen Kapitalismus erhebliche Umsätze erreicht werden, was manchmal dazu führt, dass sie Zutritt zu der politischen Macht in der Stadt gewinnen.