ZEIT DER EINNISTUNG VON KAPITAL (11.Jh.)(in Arbeit)

 

Einnistung von Kapital

Geld und Macht

Stabilisierung von Reichen

 

Einnistung von Kapital: Erklärung des Begriffs

 

Die Nester, in denen der Kapitalismus ausgebrütet wird, sind vor allem die sich dafür in eine geeignete Form entwickelnden Städte, und die zwei zentralen Triebkräfte, die ihn ins Leben rufen, sind die Nachfrage wohlhabender und weiterhin gewalttätiger Herren und das Warenangebot eines zunehmenden und sich in einigen Gegenden aus den Händen dieser Herren emanzipierenden Handels, der an immer mehr Orten mit Kapitalbildung beginnt. 

Als Einnistung in einem weiteren Sinne lässt sich damit auch das begreifen, was Karl Marx in seinem radikalen Schematismus als Geburt des Kapitalismus im Schoße des Feudalismus bezeichnet hatte, und was man besser als in etwa zeitgleiche Entstehung neuer Machtstrukturen und zunehmendem Aufkommen von Kapital bezeichnen sollte, eben verbunden mit ersten Tendenzen hin zu einer im weitesten Sinne bürgerlichen Stadt.

Diese Entwicklung lässt sich im 11. Jahrhundert vor allem im nordwestlichen Mittelmeerraum zwischen Venedig, Amalfi, Marseille und Barcelona feststellen, während sie im Raum nördlich der Alpen zeitlich erheblich hinterherhinkt, und östlich des Rheins noch kaum überhaupt einsetzt.

Die zeitliche Einteilung in halbe oder ganze Jahrhunderte täuscht dabei eine Einheitlichkeit vor, die nur den Zwängen eines Textes geschuldet ist und die sich erst und nur in entfaltetem Kapitalismus als gemeinsame Gesetzmäßigkeit des Kapitals wird darstellen lassen.

 

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Das Land mit den Produzenten in sich langsam wandelnder Abhängigkeit und Untertänigkeit liefert den Reichtum der Herren, der sich auf dem zunehmend freieren Markt in Rüstungs- und Konsumgüter transformiert. Nicht zuletzt durch Unterdrückung und Gewalt angehäufter Reichtum der Machthaber vermählt sich mit den Versuchen unteradeliger Individuen, alternative Karrieren zu denen von privilegierten Kriegern und zugleich adeligen Rentenbeziehern zu entwickeln, möglichst ohne Gewalttätigkeit und mit zunehmend unternehmerischem Elan. Dabei sind die, welche mit Handel und Geldgeschäften zu prosperieren beginnen, zum Teil in jenen Zwischenschichten zwischen Adel und "einfachem Volk" angesiedelt, die wir als Ministerialen bezeichnen, und im nordwestlichen Mittelmeerraum beteiligen sich daran auch viele stattsässige Adelige.

 

Soweit das erheblich schematisierende Grundmodell, welches erst durch die Darstellung einer vielfältig differenzierten Wirklichkeit Qualität bekommt. Für das 11. Jahrhundert lässt es sich auf den nordwestlichen Mittelmeerraum zwischen der italienischen Halbinsel und Katalonien konzentrieren, darüber hinaus auf wenige Regionen nördlich davon: vor allem auf Bischofsstädte am Rhein, auf Flandern und wenige Gegenden des nördlichen (zukünftigen) Frankreichs.

 

Kapitalbildung selbst gibt es darüber hinaus in dem ganzen Großraum, der außerhalb dieser europäischen Gebiete auch den noch islamischen Süden der iberischen Halbinsel, Teile der Nordhälfte Afrikas, den islamischen Orient und Teile Asiens bis nach China betrifft. Die nun zunehmenden Handelsbeziehungen dahin werden die Entstehung von Kapitalismus im christlichen Europa befördern, ohne dass sich dort dann aber daraus auch Kapitalismus entwickeln wird. Die Verhältnisse dort bieten ihm keine hinreichenden Möglichkeiten der Entfaltung.

 

Das alles muss weithin erschlossen werden und bestätigt sich erst im nachhinein. Es gibt kaum Zahlen über die Größe der über den Markt in die Kapitalbildung fließenden Reichtümer der Herren und genauso wenig über die Kapitalmengen, die Einzelne im 11. Jahrhundert und noch darüber hinaus anhäufen. Wir erfahren nur von Einzelfällen schwerreicher Handelsherren, die insbesondere in Italien beginnen, einen Teil des Adels an Reichtum zu überflügeln, und zwar dann, wenn sie Stiftungen und Schenkungen im kirchlichen Raum tätigen, die an die von manchen Bischöfen und höherem Adel heranreichen, oder wenn sie in der Lombardei beginnen, selbst in großem Umfang an (von Landbevölkerung bearbeiteten) Grundbesitz zu gelangen, oder wenn man zufällig einmal von ihrem Immobilienbesitz in Städten oder Krediten an große Herren liest.

 

Dabei handelt sich um einzelne Fernhändler und dann auch Finanziers vor allem, während lokale und selbst regionale Marktplätze vor allem von Bauern und Handwerkern, die ihre Waren feilbieten und von Krämern mit höchstens äußerst geringer Kapitalbildung, eher mit bestenfalls kleinen Rücklagen ausgestattet, beschickt werden. Das, was sich da einnistet und einwurzelt, beginnt erst langsam, zu einer bestimmenden Größe in jenem Geschehen zu werden, in welchem ihnen nach und nach ökonomische Macht zuwächst, bleibt aber am Rande jenes großen Geschehens aus kriegerischer Gewalttätigkeit, Mord, Totschlag und Unterdrückung, über das in den Geschichtswerken über das 11. Jahrhundert seit dieser Zeit im wesentlichen berichtet wird.

 

Und zur Erinnerung: Dort, wo dann in den nächsten Jahrhunderten aus Kapital Kapitalismus werden wird, befinden wir uns in sich gegenüber zurückweichender Natur ausweitenden großen Agrarlandschaften mit kleinen Städten von wenigen tausend Einwohnern und geistlichen und weltlichen Herren über Land und Leute, die miteinander um Macht und Reichtum konkurrieren und selbst über sich Herren bis hoch zu Königen haben, die wiederum miteinander konkurrieren und dabei in ihren Herrschaftsräumen noch wenig Kontrolle ausüben. Insofern bieten sich dem Kapital große, relativ freie Räume, die für seine Entfaltung noch weiter befreit werden, während sie sich für alle anderen im Verlauf des Mittelalters immer mehr schließen werden, bis sich an seinem Ende im deutschen Raum zum Beispiel in den nunmehr im heutigen Sinne gebrauchten Wörtern Obrigkeit und Untertan generalisierte Unfreiheit ausdrückt, die wesentlich in den neuartigen Städten erfunden wird.

 

 

Geld und Macht (in Arbeit)

 

Während die Masse der Menschen nach der weströmischen Antike immer weniger Zugang zu Geld hat, verfügen die hohen Herren weiter darüber in größeren Mengen. Zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert nimmt dann das in Umlauf befindliche Geld zwischen England und Sizilien und von der Elbe bis nach Galizien immer schneller zu und gelangt zunehmend auch wieder in die Hände von Kleinbauern und städtischer Unterschicht. Das entspricht den Interessen der Mächtigen, die im 11. Jahrhundert bereits mit größeren Geldmengen in ihren Kassen rechnen. Damit wird nicht nur zunehmender Luxus im Lebensmittelbereich, in der Rüstung und Kleidung, schließlich auch in der Ausstattung von Gebäuden bezahlt, sondern auch Hoftage, Heerzüge, überhaupt kriegerische Unternehmungen verschlingen immer mehr Geld.

 

Zwar entsprechen in der bald im Süden aufkommenden feudalen Theorie dem Verleihen von Land, Rechten und Ämtern nichtmonetäre Gegenleistungen, tatsächlich werden die aber durch Geschenke und Bezahlung zunehmend gefördert und begleitet. Dabei nimmt auch das Schuldenmachen immer mehr Raum ein.

Wir sind noch nicht so weit wie bei dem Juden Aaron aus Lincoln, der bei seinem Tode 1186 vor allem an hohe englische Herren ausstehende Kredite besitzen wird, die knapp dem englischen "Staats"haushalt entsprechen. Finanzkapital spielt in den Machtstrukturen noch eine untergeordnete Rolle außerhalb des nordwestlichen Mittelmeerraumes.

Aber wir können nur vage ahnen, welche enormen Geldmengen zum Beispiel die Eroberung Englands 1066-70/74 durch Herzog Wilhelm von der Normandie gekostet haben muss und wie er sie vorfinanziert hat. Jedenfalls besteht ein stattlicher Teil seines Heeres aus Söldnern, die während der langen Wartezeit an der normannischen Küste bezahlt und durchgefüttert werden muss. Das restliche Heer dürfte durch Landgier bewegt worden sein, die wiederum erweist sich aber bei Übernahme der angelsächsischen Güter als Geldgier: Ein Teil der Landräuber taucht nur selten auf seinen neuen Gütern auf und ist im wesentlichen an den Renten in Geld interessiert (Carpenter, S. 78)

 

Wie wichtig Geld inzwischen ist, belegt der erste Kreuzzug, für den enorme Summen bewegt und aufgebracht und riesige Kredite aufgenommen werden, wie zum Beispiel die 6666 Pfund, die der Normannenherzog Robert von seinem Bruder Wilhelm dafür erhielt, und die dieser durch ein außerordentliches geld seiner Untertanen relatv schnell zusammen bekommt. Überhaupt dienen die frisch ausgebildeten feudalen Machtstrukturen in England zunehmend dem Zusammenraffen von Geld. Wilhelm Rufus braucht es deshalb, weil er damit Soldaten anheuert und sich mit dem Geld seine Haustruppe aus Rittern "from all over Europe" zusammenstellt (Carpenter, S.133).

 

Im zwölften Jahrhundert dann regiert Geld zwar nicht die Welt, aber große Teile Europas. Die für 1130 erhaltene pipe roll König Heinrichs I von England gibt an, was Barone dem König für das Jahr an Abgaben schulden: Beim EarlRanulf II von Chester sind das 1613 Pfund, bei Geoffroy de Mandeville 846, und beim Eral Roger von Warwick immerhin noch 218 Pfund, allesamt enorme Summen (Carpenter, S.161)

 

 

Stabilisierung von Reichen

 

Im 11. Jahrhundert stabilisiert sich die Trennung von west- und ostfränkischem Reich, es kommt zum Aufstieg des westfränkischen, welches sich gegenüber dem des Ostens deutlicher zu behaupten beginnt. Als drittes beginnt dann ein englisches Reich unter den Normannen in ersten Schritten aus der insulären Isolierung in das gewalttätige Konzert der Mächte einzutreten. Im Osten stabilisieren sich Polen, Böhmen und Ungarn als neue kleinere Mächte. Das "christliche" Spanien erweitert sich durch Reconquista und Italien wird im Süden durch die Normannenherrscher von den Sarazenen befreit und zerfällt im Norden in städtische Regionen, die noch eine deutsche Oberhoheit erdulden.

Während im Westen die islamischen Mächte weiter zurückgedrängt werden und sich in Spanien ihre (militärische) Unterlegenheit zu erweisen beginnt, ist ihr Vormarsch im Osten unübersehbar. Die am Ende des Jahrhunderts einsetzenden Kreuzzüge führen dabei zu eher instabilen und auf die dauerhafte europäische Unterstützung angewiesenen christlichen Herrschaften in einigen Gegenden, die die Gefährdung von Byzanz aus solchen Richtungen kaum aufhalten und vor allem den Aufstieg des Fernhandels italienischer Seestädte fördern.

 

Die Binnenstrukturen der Macht in den christlichen Reichen und Fürstentümern verändern sich weiter. Von Feudalismus kann zwar im 11. Jahrhundert ohnehin nicht die Rede sein, wenn dann begänne so etwas erst im zwölften. Aber solche "Ismen" sind allesamt ohnehin Mode-Erscheinungen einer verfallenden Zivilisation des 18. bis 20. Jahrhunderts, die Sehnsucht nach verloren gehender Ordnung wenigstens gedanklich artikulieren. Anders als Kapital strukturiert das feudum als spezifisches beneficium auch ab dem zwölften Jahrhundert nicht die Reiche insgesamt, sondern nur einen wenn auch wesentlichen Aspekt der Machtbeziehungen in ihnen, während Kapital nun immer mehr zum zentralen Movens, Bewegenden wird.

Was sich im 11./12. Jahrhundert herausbildet, ist ein Lehnswesen, welches zunehmend vor allem in Westfranzien die politische Ordnung erfasst. Dieses entsteht durch Verrechtlichung bzw. Systematisierung bestimmter Formen von Leihen/Verleihungen, durch ein Lehnsrecht. Dazu gehört die zunächst nur praktisch durchgesetzte Erblichkeit von Lehen und ihre Integration in eine ständische Ordnung.

 

Dabei schreitet Norditalien 1037 mit der Konstitution von Konrad II. auch in der schriftlichen Fixierung voran, die Herren (die Bischöfe und Markgrafen), große und kleine Vasallen (vavassores) voneinander trennt, und zudem implizit von den Bauern (rustici) absetzt. Etwas vergleichbares gibt es dann weder dort noch in deutschen Landen in schriftlicher Form im 11. Jahrhundert. Erst die sogenannten Feudisten des 12. Jahrhunderts werden daraus ausführlichere Rechtsnormen entwickeln.

 

Die Verbindung von Lehen und Vasallität, zugleich Vasallentum gegenüber mehreren Herren, die Bannherrschaft von einer Burg aus über einen Ort und seine Umgebung und die Verbreitung ständischer Vorstellungen werden allesamt befeuert von einer Zunahme des Handels und der Geldwirtschaft. Das, was sich da als Vorstellung und Wirklichkeit neuartiger adeliger Geschlechter etabliert, bedarf der Statusbildung, die zunehmend ohne größere Geldsummen nicht mehr denkbar ist.

 

Was auffällt ist die Interdependenz von sich andeutenden feudalen Strukturen, Verfestigung von Reichen, Aufstieg der Städte, Ausweitung des Handels und Anhäufung von Kapital in städtischen Händen - und das alles in verschiedenen Gegenden in unterschiedlichem Maße. Entscheidend ist dabei, dass sich weder reichsweit noch regional despotische Strukturen wie im islamischen Raum und in Teilen Asiens ausbilden, die die Einwurzelung und Entfaltung von Kapitalismus abwürgen würden. Es kann auch noch nirgendwo von Formen ausgebildeter Staatlichkeit geredet werden, die eine starke Regulierungstendenz entwickeln könnten, wie sie dann hundert Jahre später in einigen Gegenden häufiger wird. Kapital hat also sich durch die Gewährung von Freiheiten weitende Räume zur Verfügung.

 

Wichtigste Faktoren dabei sind einmal die Dualität von weltlicher und geistlicher Sphäre im christlichen Raum und der immer noch vorrangig dezentrale Charakter weltlicher Machtausübung. Macht ist im Bereich weltlicher Herren geteilt, während die Kirche es im 11. Jahrhundert schafft, für die nächste Zeit zu einem  hierarchisch durchorganisierten Machtblock zu werden. Das führt zu Konflikten, in denen die Kirche volle Autonomie beansprucht, und zur gedanklichen und manchmal auch tatsächlichen Entflechtung von kirchlicher und weltlicher Macht. Etwas anders ist es in deutschen Landen, wo Bistümer und einige Abteien sich zu zugleich weltlichen Fürstentümern entwickeln und in der Nordhälfte Italiens, wo die Bischöfe immer mehr Macht an den Hochadel abgeben müssen, um dann in den Städten zunehmend auf ihre geistliche Funktion reduziert zu werden.

 

Die große religiöse Bewegung des 11. Jahrhunderts mit ihren Reformen an Kirche und Kloster wird zunächst von Fürsten, Königen und Kaisern zur Legitimation und Stabilisierung eigener Macht genutzt, und darunter als Element in der Entstehung eines neuartigen Adels mit seinen Stammburgen, seinen Hausklöstern und seinen Grundherrschaften.

 

Während die dann auftauchenden Konflikte zwischen Papstkirche und Königen in Frankreich und England durch die Aufteilung der Ansprüche beider geregelt werden, gerät das Kaisertum und damit auch das römische (deutsche) Königtum aus vielen Gründen in bitteres Kriegsgeschehen. Die Imperatorenrolle wird durch die Päpste verliehen, darum muss die Kontrolle über die Nordhälfte Italiens aufrechterhalten bleiben, was nur durch Heerzüge möglich ist. Die Herrschaft in Italien wird aber wie in deutschen Landen immer noch ganz wesentlich durch die Kontrolle über Bischofskirche und Kloster vermittelt, die hier mächtiger sind als in Westfranzien oder England. Deutschstämmige Kaiser sehen durch die neuen Ansprüche der Kirche ihre Machtbasis gefährdet.

 

Zugleich versuchen die nunmehr "salisch-fränkischen" Könige/Kaiser in deutschen Landen, königliche Macht etwas stärker durchzusetzen, was besonders unter Heinrich IV. deutlich wird. Damit machen sie nichts anderes als die Normannenherrscher in England und die Kapetinger in Westfranzien unter anderen und am Ende günstigeren Bedingungen, aber sie stoßen dabei auf heftigen Widerstand in einigen Gegenden, und nicht zufällig besonders in Sachsen.

Während die auf Bistümern beruhende königlich-kaiserliche Macht in Norditalien noch stabil bleibt und die Reformbewegung dort in eine Art Volksbewegung gegen die oft kaisertreuen Bischöfe ausartet, entscheidet sich ein Gutteil der deutschen Kirche im Konflikt Kaiser-Papst für letzteren und verbündet sich mit  jenen Fürsten, die ihre Macht durch die königliche bedroht sehen. Die Doppelherrschaft Kaiser und Reich aus Fürsten wird dann erst unter den Staufern deutlicher eingerichtet werden, mit deren Scheitern und physischer Ausrottung am Ende der Zerfall eines römisch-deutschen Reiches in viele einzelne Fürstentümer und der weitere Rückgang kaiserlichen Einflusses auf Italien eingeleitet wird.

 

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Eine einheitliche Sicht auf das lateinische Abendland wird im 11. Jahrhundert durch immer mehr regionale und die Reiche betreffende Unterschiede zunehmend schwieriger. Selbst der Status der Städte beginnt sich unterschiedlich zu verändern. Allgemein gilt, und selbst für Skandinavien und Osteuropa, dass die Zahl der Städte zunimmt und sie allenthalben in Wachstum begriffen sind. Es wächst die Zahl der Dienstleute für die städtischen Herren, die der Handwerker und der Händler, und zwar nicht durch natürliche Vermehrung, sondern durch Zuzug vom Lande, ein Problem für die Herren dort.

 

Das Wachstum der Städte wird auf dem Lande generiert, durch mehr Produktivität und Produktion. Der ländliche Bevölkerungsüberschuss geht dabei nicht nur in das Zurückdrängen von Naturlandschaft und die Ausweitung vernutzter Fläche, sondern auch in die Abwanderung in die Stadt. Kapitalismus nistet sich dabei vor allem in jene Gegenden wie die Poebene ein, wo es zu einer gewissen Verdichtung der Bevölkerung sowohl in Stadt wie Land kommt.

 

Wo das nördlich der Alpen noch nicht soweit ist, wächst doch das Selbstbewusstsein eines sich zunehmend spezialisierenden Handwerks und einer freieren Händlerschaft, was sich auch in gewerbespezifischen Zusammenschlüssen niederschlägt, die die Stadtherren durch Privilegien eher fördern. Mit Spitzen von Handel und Finanzen arbeiten die Herren zunehmend zusammen, um so ihre Einnahmen zu fördern. Aber weiterhin unterstehen die städtischen Gewerbetreibenden dem herrschaftlichen Hofrecht.

 

Wachstum und Veränderung beschleunigen sich ganz langsam gegenseitig. Interdependenz vieler Faktoren findet zusammen. Das Tempo der Veränderungen nimmt bis ins 14. Jahrhundert zu, anders als in statischeren Despotien außerhalb Europas.

 

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Die salischen Könige und Kaiser beginnen mit einer Entscheidung eines Teils der Großen für das Königtum dieser Familie und führen dieses dann mit einer Kombination aus Designation, Kür und Einsetzung fort. Erste Machtbasis sind Familiengut und Krongut, dazu kommen zunächst weiterhin die Bischöfe und jene Großen, die ihre Herrschaft anerkennen. Das Reisekönigtum bleibt weiter auf das servitium regis der Bischofsstädte angewiesen, die lokale Finanzierung des Hofes, und bewegt sich von Ort zu Ort mit seiner Hofkapelle, die neben den geistlichen Augaben für den Hof auch das Notariatswesen beinhaltet. Dort sind wie schon unter den Sachsenkaisern hochadelige Geistliche versammelt, von denen nicht wenige später auf Bischofsposten landen.

Mehr unmittelbares Instrumentarium versammeln die Könige weiterhin nur auf ihren Hoftagen in Form eines Gefolges der Großen, und auf den Heerfahrten, die allerdings weiter sehr häufig sind. Gewalttätigkeit und Gewaltandrohung bleibt weiter eine zentrale Betätigung der Herrenwelt, neben der religiösen ihre einzige handfeste Rechtfertigung.

 

Das Kaiserreich wird zunächst neben den deutschen Landen und (Nord)Italien auf Burgund ausgeweitet, wobei kaiserliche Macht dort in großen Teilen nicht durchgesetzt werden kann. Zudem beginnt die Integration Böhmens als Herzogtum in das Reich. Tatsächlich bleibt überall in diesem Reich königliche Herrschaft darauf begrenzt, dass die Großen sich in seine Hoheit begeben, wobei das noch nichts über den tatsächlichen Zugriff auf diese Gebiete aussagt, der sich in den Hoftagen dort ausdrückt und in Hoffahrt und Heerfahrt.

 

Das Reich ist multiethnisch, wobei sich Volkszugehörigkeit an den Sprachgrenzen ausdrückt. Sie wird von den Menschen deutlich von den Herrschaftsbereichen unterschieden, und das gilt auch innerhalb der deutschen Lande, wo man Bayer, Alemanne, Sachse oder Friese zum Beispiel ist, bevor man sich zu Deutschtum bekennt. Das erweist sich auch am ethnisch definierten tradierten Recht, dem man unabhängig von Herrschaftsgrenzen angehört. In diesem Sinne wird Frankreich nach und nach anders entstehen, und in England bildet sich nach 1066 ein zweisprachiger Dualismus aus frankophonen Normannen und altenglisch sprechenden Engländern heraus, bis beide miteinander verschmelzen.

 

Überhaupt muss man mit neuhochdeutscher Begrifflichkeit vorsichtig sein. Erst im 13. Jahrhundert wird die aus dem slawischen zunächst im Nordostdeutschen entlehnte Grenze die etwas andere Bedeutung der deutschen Mark ablösen, die eher den Rand von etwas ("Markgrafschaft") als eine präzise Grenze im neueren Sinne meint. Genauso steht es mit dem germanischen Wort Land, welches alles mögliche bedeuten kann und oft noch keinen Herrschaftsraum meint. Das Wort Volk ist weiterhin in stetem Wandel begriffen, wobei es in Texten immer noch eher ein militärisches Gefolge meint als etwas, was mit dem neuhochdeutschen Begriff zu tun hätte.

 

Die Konflikte, mit denen sich Heinrich IV. zu beschäftigen haben wird, deuten sich unter seinem Vorgänger bereits an. Kritik von kirchlicher (Reform)Seite wird an der weiterhin engen Verbindung von Päpsten und Kaiser geübt und von weltlicher Seite an den kaiserlichen Versuchen, vor allem in deutschen Landen die Macht gegenüber den immer mächtigeren Großen auszubauen, wobei Sachsen und Bayern eine herausragende Rolle spielen. In der langen Zeit der Regentschaft für den kindlichen vierten Heinrich bricht die Verbindung zum Reformpapsttum ab und kann danach nicht mehr dauerhaft wiederhergestellt werden. Bald danach befindet sich der Kaiser im ständigen Konflikt mit dem Papsttum und zugleich in kriegerischen Auseinandersetzungen mit den manchmal mit den Päpsten verbündeten Großen und es erweist sich, wie labil seine Herrschaft ist. So wie unter teils anderen Umständen in Nordfranzien und Norditalien beginnen Städter dabei, mal für und mal gegen ihren Bischof oder den König eigenständiges Handeln zu erproben, wobei sie von einer unteradeligen Führungsgruppe angeleitet werden und nun häufiger als eigenständige Gruppe der cives auftauchen, die dann deutsch zu den Bürgern (burgenses) werden.

 

Am Ende sind die großen Gewinner in deutschen Landen einmal die Fürsten, die sich langsam als eigenständige Gruppe vom übrigen Adel abheben und mehr Machtanteile verlangen. Dabei zeichnet sich ab, dass ihre im Kern militärisch und auf Eigentum begründete Macht zunehmend von den in Geld zu rechnenden Einnahmen abhängt. Zwar gibt es dafür noch keine planmäßige Wirtschaftsförderung, aber doch die Förderung von Städten und der in ihnen enthaltenen Einnahmequellen.  Damit werden solche langsam in ersten Ansätzen verbürgerlichenden Städte zum zweiten Gewinner der Entwicklung.

 

Im zwölften Jahrhundert werden Fürsten in ein klarer definiertes Vasallenverhältnis zu den Königen bzw. Kaisern treten, welches ihnen im Inneren ihrer Herrschaften immer mehr Autonomie geben wird. Unterhalb der Fürsten bilden sich Adelsherrschaften aus, rechtlich unter ihnen die Minsterialen, die in den Städten eine noch unteradelige Führungsschicht in der Bevölkerung zusammen mit reich werdenden Kaufleuten formen und ansonsten in einem entstehenden Rittertum aufgehen werden.

 

Mit alledem wandelt sich das Königtum, welches von der Sakralisierung des Amtes überall zu der der Person überzugehen versucht, nachdem ihnen die Papstkirche erstere ein Stück weit erfolgreich abspricht. Das betrifft mehr als anderswo das Westfrankenreich. Überhaupt werden Christianisierung und Säkularisierung mit dem Aufstieg von Städten und Kapital nun Hand in Hand gehen, tatsächlich wird sich in beiden derselbe noch näher zu beschreibende Vorgang äußern.

 

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Ähnlich wie im Ostfrankenreich und in England wird auch in Westfranzien ein Königtum als oberste Ordnungsmacht wie selbstverständlich angenommen, ja, die Großen in den Reichen werden ihre Macht auch weiterhin aus der königlichen ableiten. Aber in allen drei Reichen nimmt es eine unterschiedliche Entwicklung. Im Westreich etabliert sich unter den Kapetingern ebenso wie in England mit Wilhelm dem Eroberer ein Erbkönigtum. Aber die nominellen Herrscher über das ehemalige Gallien verfügen zur tatsächlichen Machtausübung zunächst nur über die alte robertinische Hausmacht in der Île de France um Paris und in Gegenden südlich davon bis zur Loire. De facto zur Gänze unabhängig sind die Herzogtümer der Normandie und von Aquitanien sowie mächtige Grafschaften wie die Champagne oder Flandern. Ein Sonderleben führt die noch immer stark keltisch geprägte Bretagne.

Während sich in der Normandie ein alles aufs Zentrum hin orientierendes Fürstentum ausbildet, müssen die übrigen Herrscher jenseits von Flandern mit einer in viele Burgherrschaften zerfallenen Landschaft umgehen, die dann in Aquitanien durch neue Grafschaften, wie das Poitou, das Anjou oder das Toulousain gegliedert wird, die nicht zufällig alle nach einer Haupt-Stadt benannt sind.

Selbst im eigentlichen Krongebiet muss Königsmacht gegen starke Burgherren  immer wieder neu etabliert werden, und zwar noch bis tief ins zwölfte Jahrhundert.

 

Die Machtkonflikte mit der Reform-Kirche fallen nicht so sehr wie in deutschen Landen mit denen mit Fürsten zusammen, deren Macht die Kapetinger vorläufig respektieren müssen, und auch nicht mit den Bistümern, die im Westreich nicht so reich und mächtig sind. Sie lassen sich darum früher als im Ostreich durch Kompromisse lösen.

 

Die Konzentration auf die im Zentrum des Westreichs liegende Hausmacht des Königtums fördert eine im 12. Jahrhundert weiter zunehmende Zentralisierung, die sich auf wenige Königsstädte reduziert, wobei Paris als Residenz bereist zunehmend Orléans und Laon ablöst. Ein das ganze Reich umfassendes Reisekönigtum wie unter den Saliern findet dabei nicht statt.

Die königliche Macht erweitern kann nicht wie über die Etablierung königlicher Machtpunkte in den vielen Regionen des römisch-deutschen Reiches versucht werden, was allerdings auch dort dann scheitert, sondern nur über die Perspektive der Erweiterung der königlichen Hausmacht, was im 11. Jahrhundert nur in geringem Maße gelingt. Aber genau das wird dann anders als in deutschen Landen später eine erfolgreiche royale Perspektive werden, ebenso wie die Nutzung dort allgemeiner feudaler Strukturen, also der Tatsache, dass alles Land sich in Lehnsverhältnisse einfügt.

Dem Zusammenschweißen eines Reiches kann auch das mit dem Papst-Kaiser-Konflikt beginnenden Feindbild des Imperiums als direktem Konkurrenten in Gang gesetzt werden, welches gegen Ende des Jahrhunderts im Bündnis mit den kaiserfeindlichen Päpsten Konturen gewinnt und hundert Jahre später in nunmehr "französischer" Übermacht gegenüber dem Kaiserreich und Interventionen in "deutsche Angelegenheiten" sich äußern wird.

 

Während Deutsche als Teil einer deutschen Sprachfamilie beginnen, Gemeinschaftsgefühle zu entwickeln, die aber wenig mit Machtpolitischem zu tun haben, aber umso mehr mit Herkunft und verwandten landschaftlichen Eigenheiten, wird sich so etwas  im entstehenden Frankreich erst in der Identifikation mit der aufsteigenden Macht des Königtums im nächsten und übernächsten Jahrhundert einstellen. Wie das Deutsche in die Dialekte des Nieder- und Oberdeutschen zerfällt, so ist Westfranzien in die langue d'oeil im Norden und die langue d'oc im Süden geteilt, die wiederum, aber nicht ganz so deutlich, in Dialekte geteilt sind. Sprachlich ist so der Süden stärker mit Katalonien und dem Piemont verwandt und an den Norden und das Königtum angeschlossen wird er erst mit dessen militärischer Unterwerfung und dem darauf folgenden Anschluss.

 

Die Entwicklung der Städte im Süden verläuft zunächst ähnlich wie in Norditalien, bei einer schwächeren Position der Bischöfe dort und einer stärkeren der Grafen, die sie als ihr Kerngebiet betrachten. Die Tendenz zur Gemeindebildung und zur Ausbildung eines Konsulats wird aber wie dort erst im 12. Jahrhundert deutlicher werden, wobei dann die gräfliche Herrschaft über die Stadt deren weitere Autonomisierung verhindert.

Die Städte wachsen auch weiter nördlich, allerdings findet dort ähnlich wie in deutschen Landen mit Ausnahme von Paris Kapitalbildung noch nur in recht geringem Maße statt. Während in deutschen Landen massive "bürgerliche" Konflikte mit Stadtherren wenig politisiert sind und noch nicht zu Gemeindebildung beitragen, ist bürgerliches Selbstbewusstsein in einigen "französischen" Städten bereits in seinen Forderungen ausgepräger. Die Könige versuchen in ihrem direkten Einflussbereich Gemeindebildung zu unterdrücken, während sie sie überall da fördern, wo sie damit einen Fuß in Fürstentümer setzen können.

 

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Das spezifische Los Italiens seit dem Ende des Imperium Romanum im Westen ist Fremdherrschaft und Teilung. Ostrogoten kontrollieren dabei nie die ganze Halbinsel, werden dann kurz durch das wieder griechischer werdende Byzanz abgelöst, dann durch die Langobarden im Norden und in Teilen des Südens. Wirklich prägend wird dabei nur Byzanz bleiben, und zwar besonders in Neapel und in den apulischen Seestädten. Aber als die Franken in der Nordhälfte einmarschieren, sind auch Städte wie Venedig und Rom unter byzantinischer Oberhoheit. 

Eine fränkische, besser karolingische Oberschicht etabliert sich im Norden über die langobardische, die längst wieder an Bedeutung zunimmt. Beide integrieren sich langsam in eine gemeinsame norditalienische militia, die im 11. Jahrhundert bereits stark stadtbezogen ist und sich in zwei Adelsschichten gliedert, die, manchmal auch mit Hilfe des städtischen "Volkes" an der Machtausübung der bischöflichen Stadtherren partizipiert. Kapital - und Gemeindebildung hat hier frühere Anfänge als anderswo. Die Bedeutung von weltlichen Fürstentümern wie den Markgrafschaften von Ivrea und der Toskana nimmt ab und schwindet mit dem Ende des Hauses Canossa zur Gänze.

Die Macht der deutschstämmigen Kaiser ist meist fern und wird neben kaiserlichen Abgesandten fast nur noch von den Bischöfen getragen, die mit dem Aufstieg ihrer Städte an Bedeutung verlieren. In diesen Städten wird dann im nächsten Jahrhundert machtvoller Widerstand gegen die Fremdherrschaft aus dem Norden mit ihren anderen Traditionen wachsen.

 

Südlich der Toskana, von Mittelitalien insgesamt, sind schon die Versuche der Sachsenkaiser gescheitert, wirkliche Hoheit herzustellen. Hier teilen sich alte langobardische Dynastien im Inneren und Byzanz an der Küste die Machtausübung, können aber nicht verhindern, das nordafrikanische Muslime die Herrschaft über Sizilien mit einer gewissen Einwanderung und Überfremdung verbinden, sozusagen parallel zu der Entwicklung auf der iberischen Halbinsel. Dazu gewinnen sie immer wieder Stützpunkte mit Städten an der Festlandküste, wobei sich Byzanz als relativ ohnmächtig erweist.

 

Ein erfolgreicher Gegner erwächst dem Islam erst mit den noch nicht lange christianisierten und romanisierten Normannen, die sich in Süditalien schon festsetzen, bevor einer ihrer Herrscher zu Hause sich mit seinem Heer an die Unterwerfung Englands macht. In wenigen Generationen gelingt es relativ wenigen Leuten, sich erst große Teile Süditaliens und dann Sizilien zu unterwerfen und mit einem normannischen Königreich das einzige zentraler organisisierte Machtgebilde in Italien zu schaffen, welches im 12. Jahrhundert dann erste Züge moderner Staatlichkeit erhält, die dann unter den letzten Staufern noch ausgebaut werden.

 

In der Mitte Italiens strebt im selben Jahrhundert das Reform-Papsttum als geistliches Fürstentum nach Ausweitung seines Herrschaftsraumes, des sogenannten Kirchenstaates in Mittelitalien, stößt dabei im Süden auf die Normannen und im Norden auf die Ansprüche deutscher Kaiser. Es wird dabei in seiner die damalige lateinische Welt umfassenden und sich intensivierenden geistlichen Machtausübung mit frühesten Elementen zukünftiger Staatlichkeit operieren, einer wachsenden Schriftlichkeit, Verrechtlichung und Finanz-Verwaltung vor allem.  In ihrem weltlichen Bereich werden die Päpste dann versuchen, städtische Autonomisierung und Gemeindebildung zu unterdrücken, was aber nicht dauerhaft gelingen wird.

 

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Die Entwicklung des englischen Königreiches geschieht zunächst in relativer insulärer Abgeschlossenheit und wird dann immer aufs neue durch skandinavische und dann dänische Einfälle und deren Macht über von ihnen kontrollierte Teile Englands beeinträchtigt. Mit Knut dem Großen versucht ein dänischer Herrschaft die Macht über England auszuüben, was ihm von der angelsächsischen Dynastie bestritten wird. Zum Nachfolger wird Edward "der Bekenner", unter dem dänische, angelsächsische und zunehmend auch normannische Interessen im Lande widerstreiten. 1066 setzt sich der sich zum Thronerben deklarierende Wilhelm von der Normandie gegen den angelsächsischen Thronerben Harold durch und erringt die Königskrone. Er überzieht das Land und inbesondere die Städte mit Zwingburgen, die er mit seinen mitgebrachten und nachziehenden Leuten besetzt. Ansonsten fügt er sich in die eher zentralistischen angelsächsischen Traditionen ein.

 

Das neue Reich hat nun zwei Besonderheiten: Einmal existiert eine frankophone Oberschicht, in die sich andere Große dann im Laufe der Zeit integrieren. Unter dieser dünnen Oberschicht gibt es eine angelsächsische Bevölkerung, in die sich nach und nach eine große skandinavisch-dänische Minderheit integrieren wird.

Als zweite Besonderheit von großer Tragweite ist das Ausgreifen der neuen "englischen" Krone nach dem Festland, vermittelt über die schon immer recht selbständige Normandie, was dann bekanntlich über die Verschränkungen beider "Länder" zu einem Zugriff auf große Teile des formal unter "französischer" Herrschaft stehenden Reiches führen wird.

 

Die nun anglo-normannischen Herrscher setzen die Bestrebungen nach Ausweitung ihres Hoheitsraumes in Richtung Cornwall, Wales und Northumbrien fort, immer in Richtung auf einen britannischen Herrschaftsraum. Das interferiert dann in Zukunft mit "englischen" Festlandsinteressen. Klar ist, dass es sich nicht um völkische (politisch- korrekt neudeutsch: ethnische) Interessen handelt, sondern wie in allen Nachfolgeregionen des Karolingerreiches um dynastische, also im weitesten Sinne Familieninteressen. Nur in ihrem Gefolge werden im Laufe der Zeit die die neuartigen "Völker" als Untertanenverbände entstehen.

 

Für die Entstehung von Kapitalismus spielt England weiterhin eine Rolle am Rande, vermittelt über Seehandelsstädte wie York und London, und weniger durch eigene Produktion von Fertigprodukten für einen europaweiten Markt als durch die Lieferung von Rohstoffen, von Wolle vor allem und dann auch von Metallen. Selbst der Seehandel ist in den Händen kontinentaler Kaufleute: England ist noch weit entfernt davon, eine Seemacht zu werden.

 

 

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