GEWERBE 6: DER NORDEN 1350-1520 (in Arbeit)

 

Finanzkapital

Hanse (Der Seehafen / Handel, Gewalt und Krieg / Werdegang des Hansekaufmanns)

Süddeutschland

Transport

Vom Speicher bis zum "Kaufhaus"

Messen

"Welt"handel und Vernetzung

Der Warencharakter der "Welt"

Die Ausweitung des Warenangebotes (Rohstoff,  Halbfabrikat, Fertigprodukt)

Textilien

Bergbau und Metalle

Lebensmittel

Papier und Druck

"Kunst": Malerei

Massenproduktion und Kapitalkonzentration

Zünftiges Handwerk in deutschen Landen (Gesellen / Krämer)

 

 

 

Finanzkapital

 

Wichtige Kreditgeber sind bis ins 14. Jahrhundert hinein im Norden Juden, Lombarden und Kawerschen/Karwenschen. Bis dahin sind sie auch im Warenhandel beteiligt, aus dem Juden dann verdrängt werden, worauf sie sich ganz auf eher kurzfristige Darlehen konzentrieren, die aufs Jahr umgerechnet Zinsfüße von 60-70% enthalten. "Bauern, Städter und Adelige standen in Schuldverhältnissen zu Juden, denen Gerichtsgefälle, Regalieneinkünfte, Pretiosen, Wertgegenstände, Arbeitsgerät, gewerbliche Rohstoffe, Dörfer und Burgen, ferner etwa auch die Kronen der pfälzischen Wittelsbacher verpfändet waren. In einem kleinen Gebiet an der Mosel hatten 29 jüdische Gläubiger insgesamt 217 Schuldner, darunter vor allem städtische Handwerker (Schuster, Schneider, Sattler)." (Isenmann, S.382)

 

1348/49 kommt es im Zusammenhang mit der Pest zu großen Judenpogromen. Seit etwa 1380 werden die Juden auch in deutschen Landen von dem Geschäft mit großen öffentlichen Anleihen verdrängt. An etwa 1385 kommt es zu großen Enteignungsaktionen, an denen zum Beispiel Nürnberger Großbürgertum wie die Behaim und Haller beteiligt sind. Der Nürnberger Ulman Stromer schreibt in seinem 'Püchel von mein geslechet und von abentewr' in neuhochdeutscher Übersetzung: Anno domini 1390 Jahr, da mussten die Juden ihre Schulden lassen.Da waren bei Herzog Friedrich von Bayern, die Bischöfe von Bamberg und von Würzburg und von Augsburg, der Burggraf von Nürnberg, die Grafen von Öttinge, die Grafen von Wertheim, unseres Herrn des römischen Königs Räte von Böhmen, viele Herren; und sie kamen überein aufgrund ihrer vom römischen König verliehenen Gewalt, dass unter den Herren und Städten niemand keinem Juden weder Hauptgut noch Zinsen geben soll und sie mussten alle Pfänder und Briefe wieder hergeben. (in: Fuhrmann, S.231f) 

 

Um 1500 ist das Geldgeschäft im wesentlichen in christlicher Hand. Verdrängt werden auch die Lombarden und Kawerschen, bis dahin mit obrigkeitlichen Konzessionen ausgestattet.

 

 

Bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts gibt es in deutschen Landen noch keine Banken, die denen in Norditalien ähneln, die insbesondere das bargeldlose Geschäft kontrollieren. In Flandern wie in süddeutschen Landen nördlich der Alpen nehmen Wechsler das Depot- und Depositengeschäft auf, verwahren Edelmetall, Schmuck und Geld. Geldwechsler nehmen dann seit der zweiten Hälfte des 14. Jhs. überdies Inkasso-Abwicklungen als Verlängerung des Depositengeschäfts in ihr Dienstleistungsangebot mit auf, d.h. sie zahlen Gelder zunächst auf mündliche, dann auch auf schriftliche Anweisungen hin aus.

In fünf Monaten 1368/69 schreibt eine Brügger Bank mit 1100 Konten täglich durchschnittlich 30 Transaktionen auf. (Goldthwaite, S.450) Allerdings hat Brügge nur rund 15 (größere) Banken im Vergleich zu 100-150 (kleineren) in Florenz.

Die andere Seite ist: "Überhaupt bedienten Nürnberger und Kölner Wechsler sogar in stärkerem Maße als ihre Kollegen aus Brügge Wechselbriefe des Großhandels." (Dirlmeier, S.52)

 

In deutschen Landen wird ein eigenständiges Konkursrecht entwickelt. "Das deutsche Konkursrecht geht nicht von einer wütenden Zusammenrottung der Gläubiger aus, einem concursus creditorum, wobei die Wechselbank des betrügerischen Wechslers umgestürzt, banco rutto gemacht wird, sondern ist eine eigentlich recht geniale Übertragung der Nachlassschuldenregelung auf die Lebenden. Der verschuldete Kaufmann muss - später nur noch symbolisch -  aus der Stadt fliehen, gilt danach als tot, so dass unter seinen Gläubigern eine Art Nachlassteilung eintreten kann." (Ebel in Isenmann, S.87)

 

Die Macht des süddeutschen Finanzkapitals,  insbesondere des aus Nürnberg und bald auch Frankfurt stammenden, und die Abhängigkeit von Fürsten, Königen und Kaisern davon wird im ausgehenden 14. Jahrhundert immer deutlicher, wie alleine schon mit dem Nürnberger Geld deutlich wird: Konrad Groß ist Finanzier Ludwigs des Bayern. Die Haller, Groß, Stromer und Tetzel sind maßgeblich an der Geldbeschaffung für den Kauf der Mark Brandenburg durch Karl IV. im Jahre 1373 beteiligt wie wohl 1412-1418 andere Nürnberger Familien beim Erwerb der Mark durch die Zollern. Nürnberger Geschlechter bevorschussen 1401 mit 55 000 Gulden die Florentiner Subsidien für König Ruprechts Kriegszug gegen Mailand und diskontieren die Wechsel. Ratsherren und Geldkaufleute unterstützen 1422-1427 durch diplomatische und finanzpolitische Maßnahmen die Reichsreformpläne König Sigmunds und dessen Abwehrkampf gegen die Kurürstenfronde unter Führung des Markgrafen Friedrich von Brandenburg, gegen den sie eine Kreditsperre verhängen. Dem Patrizier Ulrich Ortlieb verpfändet Sigmund um 1500 Gulden eine Krone. Danach löst dann Augsburger Kapital das Nürnberger bei Investitionen in fürstliche Macht ab.

 

Hanse

 

Um 1350 ist jene Entwicklung abgeschlossen, die aus den Kaufmanns-Fahrtgenossenschaften eine Städtehanse macht, den eher lockeren Städtebund der 1356 erstmals so erwähnten dudesche hense, der zwar keine Staatlichkeit ausbildet, aber einen Machtfaktor unter den Herrschaften des nordeuropäischen Raumes darstellt. In drei Hansen geteilt, sind diese Leute nun aber der langsam zunehmenden Konkurrenz Nürnberger Kaufleute, vor allem aber der Holländer und der Engländer ausgesetzt.

 

Die hansischen Handelsstädte werden längst weithin von einem Rat großer Kapitaleigner regiert und verwaltet, die im wesentlichen ihre eigenen Handelsinteressen und die ihrer Kollegen vertreten. Wie selten auch einmal im süddeutschen Raum und häufig in der Nordhälfte Italiens gelingt es der Wulflam-Familie in Stralsund in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, die Zügel des Stadtregiments mehr oder weniger alleine in die Hand zu bekommen, Sie scheitert erst, als die Geldzahlungen der Hanse an die Stadt zum Zwecke der Seeräuber-Bekämpfung nicht entsprechend ausgegeben werden. Karsten Sarnow gelingt es darauf, eine neue Stadtverfassung durchzusetzen und Bertram Wulflam muss nach Lübeck flüchten. Von dort kann er nach einem erneuten Umschwung in der Stadt zurückkehren, nachdem Sarnow hingerichtet wurde. Ein Wulf Wulflam ist dann ab 1407 dort Bürgermeister, wird aber 1409 in einer Privatfehde erschlagen.

 

Die Hanse, selbst als Bund ohne Staatlichkeit, legt sich mit den großen Mächten in ihrem Raum an. 1361 landet der dänische König Waldemar IV. ("Atterdag") auf Gotland und die Insel wird nun dänisch. Er bestätigt zwar die Stadtrechte, aber das führt dennoch zum ersten hansisch-dänischen Krieg.

Inzwischen verliert Visby aber ohnehin seine Bedeutung an Lübeck und andere Städte, da immer mehr Schiffe ohne Zwischenstop direkt in den Osten fahren.

 

Das überwiegend von Deutschen besiedelte Riga versucht eine gewisse Unabhängigkeit von Lübeck zu erhalten und unterstützt darum Visby. 1346 erkennen die Hansestädte das Stapelreicht Rigas für den Dünahandel an (Hanse, S.49). Nach und nach löst sich die Stadt vom Handel mit Nowgorod und konzentriert sich auf den entlang der Düna nach Russland hinein und nach Litauen. Von dort kommen Pelze, Wachs, Holz, Asche und Teer sowie andere Produkte, während Riga dorthin vor allem Tuche, Salz und Heringe liefert

 

Wichtigste Niederlassungen sind der Petershof in Nowgorod, die Deutsche Brücke in Bergen, der Stalhof in London und die Niederlassung in Brügge, die im 16. Jahrhundert dann Kontore heißen werden. Zur Verwaltung und inneren Gerichtsbarkeit werden Vertretungen gewählt, die als Korporation ein Siegel führen dürfen. Bis auf Brügge leben die Kaufleute in diesen Niederlassungen  streng reglementiert in eigenen Vierteln und in Nowgorod und Bergen durch eine Mauer von der übrigen Bevölkerung getrennt. Es können schon mal mehrere hundert sein. Das alles erinnert an die schon früheren Niederlassungen der Venezianer, Genuesen und anderer Italiener.

 

In Brügge wohnen die Hansekaufleute bis 1478 über die Stadt verteilt bei Gastwirten, viele bei der Beurze-Familie. Sie sind nach Regionen in Drittel geteilt, die jeweils eine eigene Kasse führen. "Jedes Drittel entsandte jährlich zwei Älteste, die wiederum sechs Ratsherren wählten, die den Vorsitz innehatten. Erst ab 13779/80 gab es einen angestellten Sekretär, der den jährlichen Wechsel im Vorstand nicht mitmachte" (..., von Seggern in: Felten, 119)

 

Im Londoner Stalhof wird im Verlauf des 14. Jahrhunderts die englische Handels-Konkurrenz insbesondere der fernhandelnden merchant adeventurers immer deutlicher. Für 1383 ist dann neben einem deutschen Aldermann ein Bürger Londons als zweiter dokumentiert. Im Nachhinein wird deutlich, wie der englische Handel, von den Königen unterstützt, sich gegen norddeutsche Übermacht durchsetzen wird. 

 

Lübeck bemüht sich nun um eine etwas straffere Organisation. Die über hundert Städte versammeln sich in Abständen auf Hansetagen, jedes der Hansedrittel entsendet dabei acht Abgeordnete in diesen Kaufmannsrat, daneben veranstalten auch die Drittel eigene Tagungen.

Das Bündnis zwischen den Hansestädten wäre nach königlichem Recht des Reiches, welches Städtebünde seit Kaiser Friedrich II. weithin verbietet, eigentlich nicht legal. Deswegen wird es als reine Handelsgemeinschaft ausgegeben, wiewohl es durch seine Bündnispolitik (insbesondere gegen Fürsten) und seine Ausrichtung gegen zünftischen Einfluss ein durchaus allgemeinpolitisches Mandat hat, was nicht verwunderlich ist, denn Kapitalverwertung und Politik bilden eine offene Gemeinschaft, was bis heute nicht nur so geblieben, sondern inzwischen Kern aller Staatlichkeit auf unserer Erde geworden ist.

Aber diese Solidargemeinschaft des im wesentlichen deutschen Handelskapitals reicht nur so weit, wie es auch eine wirtschaftliche Interessengemeinschaft gibt. Ansonsten setzt Köln seine nach Westfalen, England und dem Westen ausgerichteten Eigeninteressen durch und Lübeck versucht, für das übrige Gebiet seine Vorherrschaft mit seinen wirtschaftlichen Interessen durchzusetzen. So gelingt es der Travestadt zum Beispiel, nach 1388 in Bergen zu dominieren, und zwar solange, bis im Verlauf des 15. Jahrhunderts dort der englische Einfluss zunimmt.

 

Der eigentliche Wirkungsraum der Hanse umfasst die Nord- und Ostsee und vor allem die Städte der norddeutschen Tiefebene. Südlich davon handelt der Hansekaufmann individuell oder über Einzelverträge seiner Stadt. Wichtigster Einkaufsplatz für Waren aus Italien und dann auch Süddeutschland ist bis Ende des 14. Jahrhunderts Frankfurt/Main, welches zeitweise für die Hanse nach Süden die Bedeutung hat wie Brügge im Westen. Im 15. Jahrhundert übernimmt Nürnberg diese Funktion.

 

In seinem Kerngebiet strukturieren die Kontor-Städte an der Küste den Handel, indem sie Zielpunkt großen binnenländischen und Seegebiete umfassenden Regionalhandels sind. Für die Ostsee gilt zudem, dass sie darüber hinaus sowieso auch idealer Transportweg für schwere und Massenwaren ist. Noch Anfang des 16. Jahrhunderts lassen die Fugger ihr Kupfer aus den Karpaten über die Weichsel und die Ostsee nach Antwerpen transportieren. (Hanse, S.114)

 

Der Raum der Hanse ist in dem Sinne zweigeteilt, dass der Kernraum an der Ost- und Nordseeküste völlig vom Handel bestimmt wird, während die Städte weiter südlich im Binnenland eine Mischung als Handel und Produktion beherbergen. Köln ist stark von Tuch- und Metallgewerbe geprägt, Dortmund und Soest von Wolltuchproduktion und dem Metall des Umlandes, Soest und Werl von der Salzproduktion und Braunschweig von der von Waffen. Hier kann auch langsam das Verlagswesen Einzug halten.

Die nördlichen Seestädte sind Handelsstädte, in denen es zusätzlich vor allem Schiffsbau, Fischverarbeitung, Böttcherei und Braugewerbe gibt. Ansonsten fehlt die Innovation im produktiven Sektor und das Handwerk bleibt im wesentlichen auf die Versorgung der eigenen Stadt beschränkt. Dabei nimmt dort wegen der Dominanz des Handelskapitals das Verlagssystem zu.

Zentraler Produktionszweig ist wohl wie zum Beispiel in Venedig der Schiffsbau, und wie dort wird er stark städtisch-staatlich reglementiert. Die Räte besitzen die Schiffsbauplätze, "Lastadien, die als unterschiedlich große Grundstücke gegen Zins zur Nutzung auf Zeit vergeben werden." (Schulz, S.193) Der Rat legt oft die Höchstlöhne der Schiffszimmerleute fest, verhindert deren Abwanderung und verbietet den Verkauf hansischer Schiffe. Den Schiffszimmerern wird bis ins 16. Jahrhundert keine zünftige Organisation erlaubt

Der Schiffsbau in Partnerschaften nach Anteilen an investiertem Kapital konnte auch die Zimmerermeister umfassen, und führte dann in die Partenreederei.

 

Fischverarbeitung und Transport auf und von Schonen nimmt im 14. Jahrhundert enorme Großen an. 1368 "transportierten 250 Schiffe allein aus Lübeck Heringe im Wert von 48 000 Mark Lübisch, was fast ebenso vielen Heringstonnen (zu je etwa einer Mark, gefüllt mit je 850 Stück) entsprach. Im Jahr 1400 gingen mehr als 550 lübische Schiffe bei Schonen vor Anker, die insgesamt etwa 65 000 Heringstonnen in Lübeck verzollten. (...) Danach dürfte der Heringsexport von Schonen in den Jahren um 1400 insgesamt bei 300 000 Tonnen gelegen haben." (Schulz, S.198). Zu letzterem Datum exportiert Lübeck alleine bereits um 2000 Tonnen Salz.

Zur Fischbewirtschaftung gehört die Böttcherei, aber Fässer sind überhaupt ein wesentlicher Aufbewahrungsort für zahlreiche Handelsgüter, nicht nur Wein und Bier, Öl, sondern auch für Honig, Wachs und Salz, Butter, Getreide und Fleisch. Aber auch Pelze werden so transportiert, Flachs, sogar Bücher, um sie vor Nässe zu schützen. Entsprechend mächtig ist das Handwerk, kann sogar eine zunftmäßige Organisation durchsetzen.

 

Mit der Einführung des Hopfens wird die Bierbrauerei in den Küstenstädten zwischen Bremen und Danzig zum Exportgewerbe. Das Braurecht bleibt am Grundstück und Haus, nicht an der Person des Brauers gebunden. In Hamburg gibt es gegen 1500 mehr als 500 Häuser mit Braurecht. Die Produktion wird nun immer mehr vom Nebenerwerb zum kapitalschweren Hauptgeschäft von Brauherren, die manchmal zur kleinen Gruppe der Ratsherren gehören, manchmal auch zu den sonstigen bedeutenden oder mittleren Handelsherren. Die Herren setzen Braumeister und deren Gehilfen gegen Lohn ein. Die Kapitalisierung samt Lohnarbeit führt dazu, dass sich keine Zünfte ausbilden können.

Die Bedeutung des Gewerbes lässt sich in Zahlen messen. "In der Hamburger Eidesliste von 1376 sind insgesamt 1075 Personen aufgeführt, die einem bürgerlichen Gewerbe nachgingen: 457 dieser Bürger werden als Brauer bezeichnet." (Schulz, S.203 mit Quelle) Das Hamburger Exportvolumen wird auf knapp 100 000 Tonnen geschätzt. In dieser Zeit soll die Hanse insgesamt bis zu eine Million Hektoliter jährlich exportiert haben. Lübeck hat um 1400 rund 180 Brauer, von denen rund 100 etwa 120 000 Hektoliter in den Export bringen.

 

****

 

Der große hansische Handelskapitalist gewinnt inzwischen das Geld für den täglichen Verbrauch und zur Darstellung seines Status aus Eigenhandel, während der größere Teil seines Kapitals in längerfristigen und sich später realisierenden Investitionen in Handelsgesellschaften steckt.

Eine Form des Eigenhandels ist es, einen Gesellen auf die Handelsreise zu schicken. Eine weitere ist das Geschäft auf Gegenseitigkeit, bei dem die Waren zu einem Partner geschickt werden, der sie für den anderen verkauft und dann für die Gegenleistung wiederum Waren schickt. Kleinere Mengen gehen dann auch in den Detailhandel seiner jeweiligen Stadt und ihres Umlandes. (Hanse, S.99)

 

Klassischer hansischer Gesellschaftshandel ist die Widerlegung, wo oft nur zwei Kaufleute ihr Kapital für eine oder mehrere Unternehmungen zusammenlegen. Der kleinere Investor geht dann auf Handelsfahrt, die Gewinne werden am Ende halbiert. Offenbar nicht selten kapitalisieren auch kleine Leute bis hin zu Dienstboten Ersparnisse, indem sie sie in eine solche Widerlegung hinzufügen, - mit den selben Risiken wie großes Kapital sie hat.

Im 15. Jahrhundert wird die Widerlegung häufiger mit dem Geschäft auf Gegenseitigkeit kombiniert, welches dann auch noch auf Kommissionsbasis funktionieren kann.

 

Um 1400 werden einzelne der bislang personell kleinen Kapitalgesellschaften unter nicht zuletzt in Brügge erfahrbarem Einfluss größer. Für Hildebrand Veckinghusen (bis 1426) ist zum ersten Mal die selschop mit zunächst fünf und dann mehr Partnern belegt. Der Kern sind zunächst Verwandte wie viel früher schon in Italien. Daneben gibt es wie zur gleichen Zeit in Süddeutschland auch größere Familiengesellschaften, in denen weisungsgebundene Faktoren an verschiedenen Niederlassungen agieren.

Den Anfang großer Kapitalgesellschaften "machte im hansischen Raum die Gesellschaft von Jan Falbrecht (...) aus Thorn mit Witich Morser aus aus Danzig und David Rosenfeld aus Kulm, später Thorn und Breslau, ein wirtschaftlich, finanziell und politisch verflochtener hansischer Konzern, der von 1400 bis 1439 mit seinem Handel fast den gesamten hansischen Wirtschaftsraum umspannte, jedoch auch bis Venedig und zum Schwarzen Meer ausgriff." (Hanse, S.100)

 

Die Widerlegung mit ihren zwei Partnern wird im 15. Jahrhundert durch ein System von Außengesellschaften abgelöst, "und bei der Summierung aller Geschäftsbeziehungen existierten damit größere Handelsgesellschaften als in oberdeutschen Städten." (Fuhrmann, S.196)

 

Der bargeldlose Handel mit Inhaberschuldverschreibungen im Oste und Wechseln im Westen nimmt immer mehr zu. "Um die Mitte der 1430er Jahre benötigen die hansischen Kaufleute im Tuchhandel mit England fast kein Bargeld mehr. Sie nahmen kurzfristige Kredite bei den Londoner Tuchhändlern auf, die auf den Messen in Antwerpen und Bergen op Zoom zahlbar waren, wo sie ihre erworbenen Tuche zum größten Teil absetzten. Die englischen Tuchhändler wiederum liehen das Geld an Landsleute, die von Antwerpen oder von Bergen op Zoom nach England exportieren wollten." (Hanse, S.108)

 

Kapitalrenditen lassen sich nur vage schätzen, insbesondere, wenn sie in Brutto- und Nettogewinne unterschieden werden sollen und man alle Kosten einreichnen soll. Heutige Schätzungen gehen von durchschnittlichen 15% aus. Dabei muss man noch unterscheiden danach, ob man das einzelne Geschäft, oder das Hin- und Rückgeschäft gemeinsam berechnen möchte. Zudem sind verschiedene Waren unterschiedlich gewinnträchtig, und das auch noch zu unterschiedlichen Zeiten bis hin zu Zeitpunkten und an unterschiedlichen Orten.

Fernhandel ist eben ein Risikogeschäft. Wer rechtzeitig vor einem hereinbrechenden Krieg Kriegsgerät liefern kann, fährt schon mal über 100% Gewinn ein. Wem das Schiff untergeht oder von Piraten gekapert wird, der hat sogleich Totalausfälle. Wer in Fässer oben gute und unten schlechte Ware einlegt, oder oben gutes und unten schlechtes Silber, und dabei nicht gleich erwischt wird, steigert seine Rendite erheblich. (Beispiele in: Hanse, S.108f)

 

Schiffe gehören meist zum Teil (Part) dem Schiffer als Reeder und zu weiteren Teilen mehreren Kaufleuten. Partenreederei ist so eine Art Handelsgesellschaft. Diese Schiffe werden häufig mit Waren mehrerer Kaufleute bestückt, und diese Kaufleute wiederum verteilen ihre Waren auf mehrere Schiffe. Während sich am Mittelmeer und dann auch in England regelrechte Seeversicherungen ausbilden, ist diese Risikoverteilung der hansische Ersatz.

 

****

 

Das ausgehende Mittelalter bedeutet auch den zumindest politischen Niedergang der Hanse(n). Nichthansischer Handel dringt mit Unterstützung von Fürsten und Königen immer starker in hansisch privilegierte Domänen ein und Territorial- und Nationalstaaten dulden immer weniger die (städtischen) Sonderrechte. Die große Zeit vieler Städte ist vorbei. Brügge muss seine Rolle als Drehscheibe für Handel und Finanzen an Antwerpen abgeben, und die Atlantikroute um Europa und nach Übersee verändert den Handelsraum zur Gänze.

 

Die Ausdifferenzierung skandinavischer "National"staaten wie norddeutscher und osteuropäischer Territorialstaaten senkt die politisch-militärischen Möglochkeiten der Hanse. 1427 unterliegen die wendischen Städte im Krieg mit Erich von Dänemark. Der befehlshabende Bürgermeister von Wismar (Johann Bantzekow) und der Hamburger Ratsherr Johann Kletzeke werden zur Strafe hingerichtet, während der Lübecker Bürgermeister mit einer Gefängnisstrafe überlebt. Auch hier entsprechen norddeutsche Geflogenheiten den italienischen, wo die Verantwortlichen schon länger für militärische Niederlagen ein ähnliches Schicksal ereilt.

 

Zwischen 1469 und 1474 führt die Krise zwischen England und den Hansestädten zum Verbot des Stalhofes. Erst mit dem Frieden von Utrecht 1474 ist er wieder etabliert und wird nun Wirtschafts- und Wohngebäuden und seiner Kapelle neu ausgebaut.

 

***Der Seehafen***

 

Für den Händler ist der Produzent Ausgangs- und Endpunkt, letzterer als Massenkonsument. Sein Einkommen aus der Produktion von Waren muss dabei möglichst klein gehalten werden, zudem müssen mit ihm aber möglichst teure Waren gekauft werden. Ausgleich in diesem Widerspruch zu finden leistet im Mittelalter im wesentlichen der Markt insgesamt, in dem sich Kapitalgewinne herstellen, während heutiger sozialdemokratischer Kapitalismus dafür den Staat und die kooperierenden Gewerkschaften einsetzt.

 

Kapitalismus ist nicht nur von Produktion abhängig, sondern fördert diese auch indirekt. Hansische Seestädte sind ein gutes Beispiel dafür.An erster Stelle ist wohl der Schiffsbau mit seinen dazu gehörenden oder vorauslaufenden Gewerben. Schiffe halten im besten Fall nur wenige Jahrzehnte, und immer mehr von ihnen befahren die Nord- und Ostsee. An die zweite Stelle rückt wohl die Fässerproduktion durch die Böttcher. Fast alles wird - von Fisch über Salz und Getreide bis zum Silber in Fässern transportiert. Tuche sind oft schon in Ballen fertig verpackt. Wichtig sind auch die Stellmacher, die in Süddeutschland eher Wagner heißen, und die Transportkarren für Überlandwege oder wenigstens vom Seehafen zum Binnenhafen bauen. 

Die Produzenten sind auch Konsumenten, so dass ein oft beträchtlicher Teil der an Land gebrachten Waren in der Hafenstadt verbleibt. Kaufkraft haben auch die Fuhrleute, die Waren vom Seehafen zum Binnenhafen verbringen und jene, die für längere Landwege zuständig sind, und die die Gasthäuser wiederum frequentieren. Wenig Geld hingegen aber die vielfältig eingesetzten Lohnarbeiter, die zum Beispiel auch die Besatzungen für die Treträder von Hafenkränen stellen.

Für die vielfältigen Leistungen, die die Stadt den Seehandels-Kaufleuten bietet, verlangt sie Abgaben, zu denen auch Zölle gehören können. Dafür liefert die Hansestadt eine komplette und relativ standardisierte Infrastruktur, die schon bei Fahrwassertonnen, Baken und Leuchtfeuern für die sichere Einfahrt in den Hafen beginnt. Eine Vielzahl niederer und höherer "Ämter" dienen dazu, angefangen beim Zoll bis zur Wareninspektion über die Meisterzeichen, Prüfzeichen und Kennzeichnung des Herkunftsortes hinaus.

 

***Handel, Gewalt und Krieg*** (in Arbeit)

 

Historisch geht der Raub zur See im frühen Mittelalter in den Handel über, sobald sich dieser als ergiebiger erweist. Ein früher Vorläufer sind die Wikinger bzw. Normannen, leicht anzivilisierte Gruppen, die in in der Ferne durch Ansiedlung und Christianisierung, in ihrer Heimat durch überregionale Herrschaftsbildung und ebenso durch Christianisierung zivilisiert werden. Man kann auch sagen, es geht vom Raub zur Eroberung und dann zu den edler legitimierteren kriegerischen Räubereien über.

Ähnlich geht das bei Mittelmeerstädten wie Pisa vor sich, die erst durch Raubzüge und dann durch Fernhandel florieren, ohne dabei ihren grundsätzlich kriegerischen Charakter aufzugeben.

 

Im Unterschied zum Kaufmann kauft der Seeräuber die Ware nicht, die er verkaufen möchte. Und verkaufen muss er in der Regel, denn er möchte wie der Kaufmann einen Gewinn über die Investittion in Schiff und Ausrüstung hinaus. Er braucht also nicht nur einen sicheren Hafen für den Start seiner Fahrten, sondern auch Hafenstädte, in denen er seine Beute verkaufen kann. Dazu braucht er wenigstens einen sicheren Platz, an dem er sich auf dem Land aufhalten kann. Seeräuber sind also entweder mit Mächten an Land verbündet oder sie sind Teil einer solchen Landmacht, um ihre Mischform aus Krieg und Handel aufrecht erhalten zu können.

 

Im Mittelmeer wie in Nord- und Ostsee gehen Piraterie, Kaperkrieg und offiziell erklärte Fehde oft nahtlos ineinander. Auf den nördlichen Meeren wird der Kaperkrieg im 14. Jahrhundert zu einem offiziellen Machtmittel der Hansestädte.

 

Die Hanse hat jene Fürsten als Feinde, die als Könige versuchen, Ansätze für Nationalstaaten oder übernationale staatliche Konglomerate zu entwickeln und dabei Untertänigkeit auch auf die bislang sich selbst verwaltenden Städte auszudehnen. Dazu gehören nicht die römischen (deutschen) Könige, die den norddeutschen Raum weder beschützen noch kontrollieren können und denen dort die Niederlande an Burgund verloren gehen.

Vorrangig werden skandinavische Reiche zu Gegnern, insbesondere dänische Könige, mit denen die Hanse, wiewohl kein frühstaatliches Gebilde, Kriege führt, und manchmal vorher und nachher Kaper"kriege" seeräuberischer Art. Sobald in England Produktion und eigener Handel aufblühen, wird es zum nächsten Kontrahenten, und am Ende kommen noch die nordrussischen Großfürsten dazu, vor denen man aber nur noch zurückweichen kann. 

 

1360 erobert König Waldemar IV. die Insel Schonen und zwingt die Hansestädte zur Bezahlung erheblicher Summen für den Erhalt ihrer Handelsprivilegien. 1361 landet  auf Gotland, schlägt ein dortiges Bauernheer, marschiert dann in Visby ein und lässt die Stadt plündern. In Greifswald beschließen die hansischen Seestädte einen Handelsboykott gegen Dänemark, der allerdings schlecht funktioniert. 1362 scheitert eine Flotte gegen Kopenhagen. Verhandlungen führen nicht zum Erfolg. 

1367 wird von niederländischen, wendischen, pommerschen und preußischen Städte in Köln eine auf 18 Jahre angelegte Konföderation beschlossen, der sich auch der Graf von Holstein, die Herzöge von Mecklenburg und der bedrohte König von Schweden anschließen. 1368 kann endlich Kopenhagen eingenommen werden. 1370 werden im Stralsunder Frieden die hansischen Privilegien insbesondere auch für Schonen bestätigt.

 

Ende des 14. Jahrhunderts sind die Vitalienbrüder in der Ostsee unterwegs. Als der dänische König Waldemar IV. 1375 stirbt, kommt es zum Nachfolgekrieg zwischen der dänischen Königin Margarethe und dem mecklenburgischen Herzogtum. Die Mecklenburger werben Seeräuber für einen Kaperkrieg, den diese nach einem Waffenstillstand 1379 als unabhängige Piraterie auch gegen Hanseschiffe weiterführen.

 

Nachdem Margarethe Königin von Dänemark und Norwegen ist und nun auch das von einem mecklenburger König regierte Schweden sich einverleiben möchte, bricht der Krieg wieder los und damit auch der Kaperkrieg, dessen Piraten sich nun Vitalienbrüder nennen. Ihre Anführer sind zunächst oft verarmte mecklenburgische und überhaupt norddeutsche Landadelige, die in der Krise des 14. Jahrhunderts wirtschaftlich scheitern, alles verkaufen und dann in Kaperschiffe und Mannschaften investieren.

 

Für 1393 beschreibt die sogenannte Rufus-Chronik ihren Überfall auf Bergen:

 

In dem selben Jahr (...) da fuhren die Rostocker und die Wismarer Vitalienbrüder nach Norwegen und schunden den Kaufmann zu Bergen; sie nahmen viele Kleinode in Gold wie Silber und kostbare Kleider, Hausrat und auch Fische. Mit dem großen Schatz fuhren sie dann, ohne zurückgehalten zu werden, nach Rostock und verkauften ihn unter den Bürgern; das war denen willkommen; den andren Teil des Raubes fuhren sie nach Wismar und verkauften ihn dort: die Bürger beider Städte machten sich wenig Gedanken, ob die Ware rechtlich oder widerrechtlich in Besitz genommen worden war. (in: Hanse, S.64)

 

Im Frieden von 1395 wird auch festgelegt, dass die Ostsee umgehend von den Piraten zu räumen ist. Die aus dem Adel stammenden Anführer ziehen sich zurück, aber nun übernehmen unteradelige Hauptleute wie Klaus Störtebecker und Goedecke Michels das Kommando. Was der Adel kann, gelingt zunächst auch dem gemeinen Mann. Operationsbasis wird Gotland, dessen Herrscherin sie einlädt, soweit sie die Hälfte der Beute an sie abgeben. 1398 schafft es eine Flotte des Deustchen Ordens, sie zu vertreiben, und und sie tauchen nun in der Nordsee auf, unterstützt von friesischen Häuptlingen, 1400/1401 gelingt es Hamburger Flotten, sie teilweise gefangen zu nehmen und ihre Anführer hinzurichten. Erst 1435 wird dann ihr letzter fester Platz an Land zerstört.

 

Verrechtlichung wird zwar im Interesse eines sich ausweitenden Kapitalismus gefördert, Recht findet aber (bis heute) seine Grenzen dort, wo die Macht es anwenden möchte, und es verschwindet dort, wo Macht sich ausweiten möchte. Die brutale Erweiterung eines kapitalistischen Marktes über Nordosteuropa bis Nowgorod und schließlich Archangelsk verzichtet weithin auf Recht und wird nur aus der Verachtung heidnischer Barbaren genährt, genauso wie bei den keltischen Gebieten der britischen Inseln und später der Kolonisierung des Restes der Welt. Das zivilisierte Recht institutionalisierter Macht ist dabei nur eine verfeinerte Form des Rechtes des Stärkeren. Die damit verknüpften ideologisierenden Lügen halten bis heute an.

 

Grundsätzlich ist Handel auf Schutz angewiesen, also auf jene der "aristokratischen" und dann fürstlichen/königlichen Macht zugewiesene Aufgabe der Friedenswahrung bzw. der Abwehr von Raub und Gewalt gegen den Händler und seine Waren. Dieser Schutz ist nicht selbstverständlich, sondern muss durch die vielen diesbezüglichen Privilegien erst einmal gewährt werden. Dabei gilt der Schutz jeweils zunächst nur für den "eigenen" Handel und muss darüber hinaus in jedem Einzelfall qausi "vertraglich" gesichert werden. 

Sobald großes (Handels)Kapital die Verwaltung "seiner" Stadt übernimmt, beteiligt es sich durch Außenpolitik an der Herstellung solchen Friedens, wie schon im Rheinischen Städtebund kurz nach dem Tod Kaiser Friedrichs II. und dann in immer neuen Versuchen im römischen Reich bis tief ins 15. Jahrhundert.

 

Handel sucht den Frieden für seine Handelswege und in der Stadt/den Städten der jeweiligen Firma, wobei letzterer die Sicherung seiner Obrigkeit bedeutet. Aber Handel bedeutet im Mittelalter zunehmend auch zum Teil bittere Konkurrenz, und die wird nicht nur über Qualität und Preise ausgetragen. Die politischen Agenturen des großen Kapitals in den sich "selbst" verwaltenden Städten halten Oberschicht zu Pferde und die bescheidenen Eigentümer darunter in Waffen und heuern zunehmend für den Kriegsfall Söldner an. Sie verbünden sich für Kriegsfälle mit anderen solchen Städten und mit interessierten Fürsten. Das gilt im ganzen Mittelalter, sowohl für das Netzwerk des Mittelmeerraumes wie für die des Nordens, deren bedeutendstes die Hanse dann darstellt. Insofern begleitet der Krieg den Handel bis heute, fördert ihn und schädigt ihn; fördert ihn nicht zuletzt auch, weil Kriegsmaterial eine wichtige und manchmal für eine Stadt wichtigste Handelsware ist.

 

Die Entstehung der Hanse beginnt mit Einzelprivilegien und dann mit Verträgen untereinander und schließlich Verträgen von mehreren Städten mit gemeinsamen Interessen. Der städtisch vermittelte Kaufmannsbund von den Niederlanden bis nach Nowgorod sorgt weitgehend dafür, dass die ökonomische Konkurrenz nicht in Gewalttätigkeit untereinander ausartet, es ist ein Friedensraum für die, die ihn dafür verwenden dürfen, einer, in dem rechtliche Regelungen die Herstellung von Machtverhältnissen "friedlich" begrenzen sollen. Das ist einzigartig für das lateinische Mittelalter und im etwa genauso großen Mittelmeerraum herrschen durchgehend ganz andere Verhältnisse.

 

1469, mitten in einem massiven Konflikt mit England, definiert sich die Hanse als Antwort auf eine Erklärung des englischen Kronrates folgendermaßen:

 

(...) die Hansa theutonica ist (...) ein festes Bündnis (confoederatio) von vielen Städten, Orten und Gemeinschaften zu dem Zwecke, dass die Handelsunternehmungen zu Wasser und zu Lande den erwünschten und günstigen Erfolg haben und dass ein wirksamer Schutz gegen Seeräuber und Wegelagerer geleistet werde, damit nicht durch deren Nachstellungen die Kaufleute ihrer Güter und ihrer Werte beraubt würden. Die Hansa Theutonica wird nicht von den Kaufleuten geleitet, sondern jede Stadt und jeder Ort haben ihre eigenen Herren und ihre eigene Obrigkeit, durch die sie regiert werden. Denn die Hansa Theutonica ist (...) nichts anderes als ein Bündnis von Städten, das die Städte nicht aus der Rechtshoheit der Herren, die schon früher die Regierung ausübten, herauslöst: Sie sind vielmehr diesen Herren in allen Dingen untertänig wie vorher und werden von ihnen regiert. (in: Hanse, S.162)

 

Die Abwesenheit von Krieg unter den Städten bedeutet nicht massive ökonomische Konkurrenz untereinander, so wie die der Handelsfamilien einer Stadt. Konkurrenz kann aber über Existenz oder Untergang eines Handelshauses entscheiden sowie über Aufstieg und Abstieg einer Stadt. Die Machtverhältnisse unter den Hansestädten werden durch die Macht ihres jeweiligen Kapitals bestimmt, die ein Ergebnis der "friedlichen" Konkurrenz untereinander ist. Auf diese Weise hat Lübeck weithin eine Führungsposition, die es auch weidlich für seine eigenen Kapitalinteressen ausnutzt. Friede heißt nicht Freundschaft. Auf diese Weise wird Brügge einer der wichtigsten Handels- und Finanzplätze im Norden, bevor es vor allem von Antwerpen abgelöst wird, wobei der Niedergang Brügges immerhin seine fehlende architektonische Modernisierung nach sich zieht, was es zu einem Museum des 15./16. Jahrhunderts macht, ähnlich wie Venedig.

 

Nach außen hingegen tendiert die Hanse aber zur offenen Aggression, wo es um den von ihr beanspruchten "Freihandels-Raum" geht. Dann verbündet sie sich auch mit Fürsten und deren Interessen. Da werden die Gotländer von dem privilegierten Standort Visbys durch militärisch verteidigte Mauern ausgeschlossen. Da werden die Russen aus dem Ostseehandel so verdrängt wie Engländer, Friesen und Flamen ausgeschlossen.

 

Die unter der Herrschaft burgundischer Herzöge weiter erstarkenden Niederlande geraten immer wieder in Konflikte mit der Hanse, wobei für die Flamen englische Wolle eine bedeutende Rolle spielt. Holländische, insbesondere seeländische Kaufleute wollen die Behinderungen im Ostseeraum nicht hinnehmen. 1438 beginnen sie einen zunächst erfolgreichen Kaperkrieg gegen Hanseschiffe, der schnell in einen offenen Konflikt mit zahlreichen Hansestädten ausartet. 1441 wird in Kopenhagen ein zehnjähriger Waffenstillstand geschlossen, dessen Bestimmungen so unklar sind, dass sie die Vermehrung niederländischer Schiffe in der Ostsee nicht mehr aufhält.

 

Der späte Aufstieg Englands als Produktionsstandort von Fertigprodukten führt bis 1340 dazu, dass kaum noch Tuche importiert werden. Zugleich beginnt eine zunehmende eigene Handelsschiffahrt der Hanse Konkurrenz zu machen. Aber noch 1343 erhalten Hansekaufleute Zollfreiheit auf Tuchausfuhren, ganz im Unterschied zu den eigenen Händlern. Aber in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts beginnt die Hanse, die englischen Schiffe vom Handel auf Schonen fern zu halten und überhaupt in der Ostsee zu behindern.

In dieser Zeit beginnen englische Könige die als merchant adventurers in London, Bristol und York organisierten Fernhändler massiver zu unterstützen. 1391 werden sie der Hanse rechtlich gleichgestellt.

Zum letzten Mal erfolgreich ist die Hanse in jenem Kaperkrieg 1469-1474 gegen das England Edwards IV., in dessen Vorlauf die obige Erklärung hansischen Selbstverständnisses angesiedelt ist. Es geht wie fast immer im späten Mittelalter um Handelsinteressen, und da die Kölns auf guten Beziehungen zu London basieren, schert es aus und bewahrt sich diese, was zu seinem vorübergehenden Ausschluss führt. Derweil unterstützt die Hanse Edward 1471, den das Parlament im Rahmen der Rosenkriege abgesetzt hatte, und der mit burgundischer Unterstützung zurückkehrt.

Nachdem der englische König im Frieden von Utrecht 1474 klein beigeben, die Hanseprivilegien auch speziell für London, (King's)Lynn und Boston bestätigen und eine große Entschädigungssumme an die Hanse zahlen muss, kann Köln dadurch wieder aufgenommen werden.

Englische Händler konzentrieren sich in der nächsten Zeit als Verkäufer englischer Tuche in den Niederlanden und werden so zu harten Konkurrenten der Hanse. Mit der 1505 königlich privilegierten Company of Merchant Adventurers of England macht sich England bereit zur mehrere Jahrhunderte andauernden Eroberung der Weltmeere.

 

Handel ist friedlich, soweit es seinen Interessen dient, und wird über seinen politischen Arm gewalttätig, sobald das erfolgversprechend ist, und manchmal darüber hinaus. Dabei ist es strukturelle Gewalt als Kapitalsmacht, die die Hanse meist vorzieht. Damit wird versucht, die Teilhabe der Produzenten an der städtischen Macht zu verhindern und vor allem dabei Einkünfte aus einfachem Eigentum und Arbeit möglichst zugunsten von Kapitalgewinnen zu drücken. Das geschieht dann über das Verlagssystem oder über Abnahmeverträge. 1512  müssen sich sechs flämische Städte und kleine Herrschaften dazu verpflichten, flämische Tuche aus spanischer Wolle seulement pour les Osterlincx produzieren. Mit dieser Verpflichtung sind sie den Preisvorstellungen der Kaufleute mehr oder weniger ausgeliefert, die deren Vertreter in Brügge mit den Drapiers aushandeln. (Hanse, S.121)

Während das ein eher späteres Phänomen ist, führt das Abnahmemonopol auf (Salz)Hering und Stockfisch in Bergen und auf Schonen vor allem schon früher zur Abhängigkeit der dortigen Produktion. Dafür werden Konkurrenten durch Kapitalmacht und militärische Drohgebärden, aber auch durch eine überlegene Handels-Infrastruktur vom Markt vertrieben.

 

Kapitalismus schafft (sich) Schutzräume, in denen er möglichst friedlich und ungestört agieren kann. In Norditalien sind das frühe Stadtstaaten, in Nordeuropa ist das die Hanse, in Süddeutschland scheitern solche kapitalgetragenen Städtebünde an der Übermacht der von Königen gedeckten Fürsten. Mit der langsamen Trennung von England und Frankreich übernehmen dort, dabei auch in Skandinavien und noch später Spanien, Nationalstaaten immer mehr die Aufgabe, Kapitalverwertung zu fördern und sich von dieser tragen zu lassen. Da das Kapital nun nur noch als Juniorpartner der herrschenden Dynasten auftreten kann, wird sich die Entwicklung des Kapitalismus bis ins 18. Jahrhundert deutlich verlangsamen, was allerdings auch damit zu tun hat, dass die Kolonisierung und Ausplünderung der übrigen Kontinente neuartige Profitmöglichkeiten erschließt.

 

Die süddeutschen Handelshäuser sind nur in beschränktem Maße Konkurrenzen, weswegen die Beziehungen friedlich bleiben. Engere Beziehungen entstehen vor allem über den Hundertjährigen Krieg, in dem sich eine Nord-Südachse östlich an Frankreich vorbei verstärkt. In manchem ergänzen sich Hanse und Süddeutschland eher, da in Nürnberg und Augsburg anders als in Hansestädten eine zunehmende Konzentration auf Bergbau, Erzverarbeitung und Metallgewerbe stattfindet. In dieser Nordsüd-Verbindung vermitteln vor allem die Frankfurter Messen, wo Edelmetalle zentral verhandelt werden und Finanzgeschäfte konzentriert sind. 

Das ändert sich dann noch einmal, als süddeutsches Kapital mit dem Ende des 15. Jahrhunderts den direkten Weg über Leipzig, Prag und Breslau nach Danzig findet und von dort in den östlichen Ostseeraum. (Hanse, S.181)

 

 

***Der Werdegang des Hansekaufmanns***

 

Herr oder Knecht ist man nicht nur auf dem Lande, sondern letztlich bei allen Freiheiten auch in der Stadt, wo sich das am deutlichsten als Obrigkeit und Untertan manifestiert, man ist es auch in der Familie als Kind gegenüber der väterlichen Gewalt. Aber Knecht ist auch der Sohn des Hansekaufmanns, der selbst einer werden möchte, und zwar mehr oder weniger bis hin zu seiner Selbständigkeit.

 

Erster Ausdruck davon ist die Prügel, die auch mit hartem Gerät ausgeführt werden kann, erst im Elternhaus und dann insbesondere in der Schule. Die wenigen diesbezüglichen Quellen geben ohnehin den Eindruck her, dass die lateinisch-abendländische (städtische) Zivilisation zumindest seit dem 10. Jahrhundert den Menschen weitgehend eingeprügelt wird. Die Härte, die besonders den Knaben so eingebläut wird, ist genau die, die sie nachher weiterzugeben haben. Erst der massive Konsumismus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts - aufgrund des extrem armen Teils der Welt möglich - wird das ändern und mit psychosozialer Verwahrlosung als Ersatz für Erziehung das andere Extrem betreiben, - allerdings als alternativer Weg in massiven Egoismus und fast völlige Entsolidarisierung der Menschenmassen.

 

Schüler wird man mit etwa sechs Jahren, lernt dabei Lesen, Schreiben, Rechnen, manchmal auch Latein und Kirchengesang. Mit etwa zwölf Jahren beginnt dann die Lehrzeit als dienende Einführung in die Praxis. Ein Teil davon wird häufig im Ausland verbracht und ist mit dem Erlernen von Sprache(n) verbunden, wobei innerhansisch ohnehin das Norddeutsche ausreicht. Gelegentlich werden Lehrlinge auch im Detailhandel eingesetzt, wo man eher Warenkenntnis erhält. Gruindlegendstes Lernziel ist allerdings Unterwürfigkeit, gute Voraussetzung, um später umgekehrt Macht auszuüben. "Ein Rigauer Kaufmann sandte seinen Neffen nach Brügge zur Ausbildung und forderte dessen Lehrherrn auf, dat he en dwange geholden werde, dat he synen willen nicht kriege." (Hanse, S.95) Auch dem heutigen, meist akademischen Historiker dürften solche (oft stillschweigende) Vorgaben auf seinem Karriereweg kaum unvertraut sein.

 

Das ändert sich auch während dem meist zweijährigen Gesellenstatus nur geringfügig, in dem der Herr seinen Gesellen immer noch oft als knecht bezeichnet und behandelt. Wenn er so schließlich ordentlich mannes wird, also selbständiger Kaufmann und nicht selten menschlicher Widerling, hat er gelernt, wie mit Untergebenen umzugehen ist und vielleicht später als Obrigkeit im Rat mit den Untertanen.

Nun hat der Kaufmann seinen Eigenhandel, und/oder er investiert sein Kapital oder einen Teil davon in Handelsgesellschaften; schließlich konnte er auch (noch) in den Kommisssionshandel eintreten. Hatte er hinreichend Reichtum erwirtschaftet und kann solchen Status nach außen demonstrieren, kann er nach Neigung und Möglichkeiten in Machtpositionen in der Stadt einsteigen und die Geschäftsführung Jüngeren überlassen. Im 15./16. Jahrhundert kann er aber auch, wie es schon früher in Italien stattfand, dem kleinen Landadel vormachen, was wahrer "aristokratischer" Lebensstil mit dem jeweils entsprechenden Luxus sein kann und er wird ganz zum Rentier.

 

ff

 

Süddeutschland

 

Italienische Großunternehmen sind zunächst denen nördlich der Alpen in ihrer Entwicklung um Jahrhunderte voraus. Erst im 15. und 16. Jahrhundert schließen die auf und übertreffen dann die italienischen. Dabei werden die Verträge ihrer Anteilseigner ebenfalls ,nur auf kürzere Sicht geschlossen, Bei den Augsburger Meuting 1436 auf fünf Jahre, bei der Großen Ravensburger Gesellschaft immer jeweils auf sechs Jahre.

 

Anders als in Norddeutschland formieren sich im deutschen Süden große Handelsgesellschaften. Die Nürnberger verbinden dabei Fernhandel mit Waren mit unternehmerischen Investitionen in Bergbau und Metallgewinnung mit Verlagswesen, "Giralgeldschöpfung mit Bankgeschäft, Ämter- und Regalienpacht." (Isenmann, S.377)

 

Die größte Firma ist die Große Ravensburger Handelsgesellschaft, die von 1386 bis 1530 existiert. An ihr sind durch die Zeiten über hundert Familien im wesentlichen aus schwäbischen Reichsstädten beteiligt Ende des 15. Jahrhunderts sind es achtzig) und fast genauso viele Gesellen. Geleitet wird der riesige Betrieb von drei "Regierern", ein Gremium von neun "Herren" aus den Gesellschaftern beaufsichtigt das Unternehmen, errechnet den Gewinn und verteilt ihn.

"Die Gesellschaft exportierte Leinwand und Barchent aus Oberdeutschland, Textilien aus Oberitalien und aus den Niederlanden sowie Metallwaren aus Nürnberg. Sie importierte den teuren Safran, Gewürze, Edelsteine, Perlen, Korallen, Südfrüchte, Reis, Zucker, Leder, Wolle und noch weitere Produkte ausländischer Märkte." (Isenmann, S.377)

Niederlassungen gibt es in Hamburg, in Köln, Antwerpen, Brügge und London, in Wien, Ofen, Breslau, in Italien (Mailand, Venedig, Genua), Savoyen (Genf), Frankreich (Lyon, Avignon) und Spanien (Valencia, Zaragoza)

 

Ähnliche, aber kleinere solche Firmen gibt es in allen größeren süddeutschen Städten. Das Kapital der Ravensburger beträgt um 1500 mehr als 150 000 Gulden, das der Augsburger Fugger wenig später bereits über 200 000, wozu noch Immobilien im Wert von rund 30 000 Gulden kommen.

 

Hans Fugger zieht 1367 aus dem schwäbischen Dorf Graben im Lechfeld nach Augsburg um, tritt in die dortige Weberzunft ein und heiratet die Tochter eines Zunftmeisters. Sohn Andreas betätigt sich dann bereits als Tuchhändler. 1463 treten die Fugger in die Zunft der Kaufleute ein. Sie betreiben zunächst Barchenthandel, führen Baumwolle ein und arbeiten verlegerisch.

In einer weiteren Stufe operieren sie im Anleihegeschäft, wobei sie sich Kredite nicht in Zinsen auszahlen lassen, sondern in Silber zu festen Preisen, das sie dann teurer weiterverkaufen dürfen. Auf diese Weise verkehren sie schon mit Kaiser Maximilian.

Kupfer und Silber werden das große Geschäft mit riesigen Gewinnen. Hohe Herren legen ihr Vermögen bei ihnen an. 1525 verfügt die Firma über 2 Millionen Gulden. Inzwischen operieren sie im Fernhandel mit Waren, im Verlag in Textilien und Bergbau, als Direkt-Unternehmer im europäischen Bergbau bis nach Spanien und der Vermarktung der Montanprodukte. Ihr Arm reicht bis nach Westindien, also Süd- und Mittelamerika. Dazu kommen Finanzgeschäfte, die Pachten der Einkünfte aus den spanischen Ritterorden, Steuerpacht und allgemeine Bankgeschäfte.

 

In deutschen Landen fehlen oft Schulen, und angehende Geschäftsleute in Handel und Finanzen lernen oft in den Firmen und auf Reisen. Bis ans Ende des Mittelalters fehlen auch die Bücher, mit denen man Rechnen oder Fremdsprachen lernen könnte. Junge Leute beweisen, dass es auch der Schulen für das Erlernen aller wichtigen Kenntnisse und Fertigkeiten nicht bedarf, wenn man nur lernen möchte und das Talent dabei besitzt:

 

"Der Nürnberger Christoph Scheuerl empfahl 1488 in seinem >Regiment< für den jungen Hieronymus Haller, der sich nach Venedig zu gehen anschickte, während seines dortigen Lehraufenthaltes den Morgen beim Rechenmeister zu verbringen, sich während des restlichen Vormittags und am Nachmittag bei den Kaufleuten im Fondaco dei Tedeschi aufzuhalten und ständig Wissenswertes und Neues über Veränderungen bei Waren und Preisen in sein Täfelchen aufzuzeichnen. Desgleichen sollte er alles, was er in An- und Verkauf, mit Banken und Zahlungen handle, ohne sich auf sein Gedächtnis zu verlassen, sofort in sein Täfelchen notieren, in sein Kopier- und Schuldbuch schreiben oder wenigstens in sein Journal eintragen." (Isenmann, S.359)

 

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts beginnt ganz zaghaft das Ersetzen der lateinischen durch die arabischen Ziffern, was aber bis in die früheste Neuzeit auf deutschen Ämtern und vor Gericht noch nicht anerkannt wird, nicht zuletzt wohl, weil man dort noch keine arabischen Zahlen kennt. 1518 erscheinen dann im deutschen Raum die ersten Rechenbücher von Heinrich Schreiber und Adam Riese.

 

Wichtigste schriftliche Aufzeichnungen bei Firmen sind die Bücher, in die Schulden und Kredite eingetragen werden, da der Kredit bis in die frühe Neuzeit wegen des Mangels an Bargeld (Münzen) und Edelmetallen der Vater des Geschäftes bleibt.

1390 schreibt der Nürnberger Kaufmann und Ratsherr Ulmann Stromer sein 'Püchel von mein geslecht und von abentewr'. Darin wird deutlich, welch weiten Horizont auch deutsche Kaufleute inzwischen haben müssen. Zu Genua etwa heißt es: Zu Jenw kauf man silber nach dem pfund und xii uncz macht ain pfund und ain uncz ist xxiii pfennig und ain pfennig macht vi garat (...) Item wer zu Nureberg c mark hat, der sol zu Jenw haben lxxv pfund silbers und ein wenik mer, daz macht ie ain Nurenberger mark viiii uncz (...) Wann ain zentner pfeffer zu Jenw gilt xxx pfund, ez kost ain sawm mit allen sachen uncz fur daz tor iii pfund Jenwer und sawn macht v Jenwer zentner, so kost er von Jenw uncz gen Maylan an furlon bey v pfund (... in: Fleischmann, S.84) 

 

Aktuelle Informationen erhält man zunächst über Leute der eigenen Firma, aber - später als in Italien -  wird ein Briefverkehr über städtische Boten eingeführt. In Nürnberg schwärmten monatlich "die städtischen Boten nach Frankfurt, Leipzig, Lyon, Straßburg, Salzburg, Wittenberg, Wien und Hamburg aus, denen der Rat schon 1484 eine besondere Ordnung auferlegt hatte. Ein Eilbote, der die Strecke von Venedig nach Nürnberg innerhalb von sechs Tagen zurücklegte, kostete stattliche 25 Gulden. Aber wenn es besonders schnell gehen musste, schaffte er es bereits in unglaublichen vier Tagen. Dies schlug mit stattlichen 80 Gulden zu Buche, was ungefähr dem Jahressold eines Pfarrers entsprach." (Fleischmann, S.85)

 

Transport

 

Die Zunahme von viel Raum einnehmenden Massentransportgütern wie Getreide oder Holz führt in Nord- und Ostsee dazu, dass größere Schiffe aus England als Holk übernommen werden, die die dreifache Tonnage von Koggen bewegen können. Sie haben eine neue Takelage bei manchmal bereits drei Segeln, die das Kreuzen gegen den Wind ermöglicht und nun auch Kastelle an Heck und Bug, wobei dort die Besatzung untergebracht werden kann. Daneben kommen Kraweelschiffe als Weiterentwicklung der iberischen Karavellen auf, mächtige Dreimaster mit einer Last von bis zu 800 Tonnen. Die Kraweelbauweise überlappt die Planken nicht mehr, sondern fügt sie plan aneinander, was ihnen eine glatte Oberfläche und höhere Dichtigkeit gibt. An die Stelle der Eisennägel treten Holzdübel. Die Schiffe erhalten außerdem nun zwei oder drei Masten, was ihre Geschwindigkeit und die Manövrierbarkeit erhöht. Kanonen können sicherer weiter unten angebracht werden.

Alles in allem bleiben Hanseschiffe sehr unterschiedlich groß und die verschiedenen Schiffstypen existieren sehr lange nebeneinander. Was die Menge solcher Schiffe betrifft, so gibt es den Hinweis, dass 1368 über 1800 Schiffe in Lübeck ein- uind ausgefahren sind; in Danzig sind es 1409 gut 2800. (Hanse, S.133)

 

Immer häufiger fährt der Kaufmann auch in dem Hansehandel nicht mehr mit und gibt Aufgaben an den Schiffer ab. Im 14. Jahrhundert bildet sich dabei ein Lehrberuf aus, der vom Schiffsjungen über die Matrosen und den Steuermann bis zum Schiffer führt, dem oft nur ein Anteil am Schiff gehört, dass er sich mit Kaufleuten teilt.

 

Der Transport über schmalere Flüsse wird seit dem 12. Jahrhundert durch die immer größere Zahl von Mühlen behindert wie schon länger durch die Zölle. Dazu kommt, dass das Treideln flussaufwärts langsamer ist als der Transport auf dem Landweg. 

Schon kurz nach 1188 macht Lübeck die Stecknitz durch Staustufen mit Schleusen schiffbar und später Rostock die Warnow.  Zwischen 1390 und 1398 wird der 94 km lange Stecknitzkanal zwischen Elbe und Trave gebaut, der die Stecknitz mit der Delvenau über eine Wasserscheide hinweg verbindet, und mit dem das Salz ganz per Schiff von Lüneburg nach Lübeck transportiert werden kann. Technisch macht der Verkehr über Flüsse, Kanäle, Straßen und Wege ansonsten nur langsam Fortschritte.Immerhin können Schiffe auf den wenigen großen Flüssen (Rhein, Mass, Donau) zwischen 50 und 130 Tonnen an Waren bewegen.

 

Vierrädrige lenkbare und mehrspännige Lasten-Wagen können nun bis zu gut zwei Tonnen Fracht bewegen und schaffen zwischen 30 und 50 km pro Tag. Die Wege werden in deutschen Landen nur langsam besser, da das weiter in der Macht der Landesherren liegt, die zwar Zölle (eigentlich dafür) einnehmen, aber wenig dafür verwenden. Auch fürstliche Geleitmannschaften müssen bezahlt werden, ebenso wie Schutzbriefe.

Transportunternehmer mit durchschnittlich etwa 12 Pferden florieren zunehmend, und machen unterwegs auch an Orten Halt, die auf dieses Transportwesen eingestellt und oft auch gerade deshalb entstanden sind. Manche erledigen dabei lange Strecken wie die 580 km lange von Lübeck nach Frankfurt, ein Haupt-Warenweg in deutschen Landen, wofür etwa zweieinhalb Wochen benötigt werden. Gelegentlich wird aber die Strecke unterteilt, so dass Waren etwa auf halber Strecke verkauft und dann manchmal auch von einem anderen Unternehmen weiter transportiert werden.

 

 

Vom Speicher zum "Kaufhaus"

 

Die städtische Obrigkeit betreibt Getreidelagerung in städtischen Speichern für Notzeiten, um Hungerunruhen in Notzeiten zu vermeiden.

ff

 

Sobald Waren über See in hansischen Küstenstädten ankommen, wird der Anteil des einzelnen Kaufmanns, bei ihm zu Hause gelagert, soweit er nicht in Speichergebäude am Hafen gelangt, und soweit er nicht sofort, weil schon verkauft, weitertransportiert wird.. Dort kann er dann in Einzelfrachten zerlegt werden.

Das Dielenhaus des Hansekaufmanns hat mit der Diele den repräsentativen Hauptraum des Kaufmanns mit der Schreibkammer, dem Verkaufsbereich und grundsätzlich noch Platz für ein zusätzliches Handwerk (wie einer Brauerei). Der Wohnbereich liegt entweder im ersten Stock oder aber ist angebaut. Im Keller (so vorhanden) können Waren wie Tuche und Pelze aufbewahrt werden, Die Obergeschosse sind die wichtigsten Lagerräume, durch Lastenaufzüge mit dem Parterre verbunden. Oben ist der Schüttboden für Getreide zum Beispiel. (Hanse, S.143)

 

Das Umladen von Schiff auf Land und umgekehrt führt häufig zum Zwang zur Lagerung des Handelsgutes für drei bis sieben Tage, was dann als Stapelzwang bedeutet, dass heimische Händler in dieser Zeit davon beliebige Mengen kaufen können, bevor die Ware weitergeführt werden kann.

Aus der Notwendigkeit zum Stapel, also der Lagerung, und auch um die städtische Kontrolle über den Handel zu verbesssern entstehen im 14. Jahrhundert insbesondere an den Fluß-Handelsstädten Kaufhäuser, wie in Mänz oder Lüneburg,

ff

 

 

Messen

 

Im 13. Jahrhundert kommt es zu einem Konzentrationsprozess im Messegeschehen, zunehmend von der Politik gefördert. Alte Jahrmarktsorte verlieren an Gewicht, in deutschen Landen gewinnen zentrale Messen wie in Frankfurt, Nördlingen oder Donauwörth an Bedeutung. Die niederrheinischen Messen konzentrieren sich auf Köln mit seinem Stapelzwang, die vielen ostenglischen  auf London hin, wo schon im 12. Jahrhundert Kölner Kaufleute auftauchten und 1281 der Stalhof der Hanse eingerichtet wird.

Der Niedergang der Champagnemessen fördert die Konzentration der flämischen Messestandorte auf Brügge, wo sich die flämische und seit Mitte des 13. Jahrhunderts auch die deutsche Hanse niederlässt. Seit 1277 beginnt dann die Schiffahrt um die iberische Halbinsel von und nach Genua, die allerdings erst im 14. Jahrhundert langsam zunimmt.

Anfang des 14. Jahrhunderts "verlegte sich Brügge auf eine passive, die Handelsaktivitäten fremder Firmen und Kaufleute fokussierende Marktfunktion." (Fuhrmann in Dirlmeier, S.187), wobei die Geldgeschäfte in italienischer Hand sind.

 

Der Aufstieg des Messe-Standorts Antwerpen seit 1315 wird 1356 kurzfristig durch die flämische Annektion von Brabant unterbrochen. Aber ab 1380 erhält die Stadt das Monopol auf den Verkauf englischer Tuche und und steigt nun unaufhaltsam auf. Daneben entwickelt sich Bergen-op-Zoom zum Messestandort.

Um 1455 schreibt der weitgereiste Kastilier Pero Tafur seine Erinnerungen von 1339 an Antwerpen nieder. Wie ein rechter Tourist interessiert er sich vor allem für die Luxusgüter der dortigen Messe. Ich habe andere Messen gesehen, bei Genf in Savoyen, Frankfurt in Deutschland, bei Medina (del Campo) in Kastilien, aber all diese lassen sich nicht mit derjenigen in Antwerpen vergleichen. (...) Alle Arten von Bildern werden im Kloster des hl. Franziskus verkauft; in der St.Johanneskirche preist man Stoffe aus Arras an; in einem Dominikanerkloster allerhand Goldschmiedearbeiten, und so werden verschiedene Gegenstände unter den Kirchen und Klöstern verteilt und der Rest in den Straßen verkauft. Außerhalb der Stadt vor einem der Tore verläuft eine breite Straße mit großen Ställen und anderen Gebäuden auf beiden Seiten. Hier verkaufen sie Gäule, Traber und andere Pferde, das ist ein bemerkenswerter Anblick. (usw., in: Spufford, S.37)

 

Die Frankfurter Messe vermittelt innerdeutsch vor allem zwischen Nord und Süd und besonders im Metallwaren- und Tuchhandel. Darüberhinaus ist es die Mitte der Achse Antwerpen-Venedig, was vor allem Kölner und Nürnberger Kaufleute anzieht, nachdem die Kölner Messe in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts aufgegeben und durch Stapelrecht ersetzt wird. Venedig nimmt inzwischen den ersten Platz im Levantehandel ein. "Es war ein 'Muss' zumindest für die deutschen Kaufleute, in Frankfurt vertreten zu sein und an dem feingesponnenen System aus Warenhandel und Zahlungsausgleich teilzunehmen. Der Absatz der Waren war auf die Messen ausgerichtet, die Begleichung der Schulden darauf terminiert. Bedeutende Kaufleute wie Matthäus Runtinger aus Regensburg finanzierten um 1400 ihre Einkäufe auf der Frankfurter Messe zwar noch mehrheitlich mit Bargeld, (rund 67 Prozent), sie gebrauchten aber auch ausstehende Wechsel und Forderungen." (Fuhrmann in Dirlmeier, S.189) 

 

Vom Niedergang der Champagnemessen profitiert auch Chalons-sur-Saône, bis es im Gefolge des Hundertjährigen Krieges nach 1360 durch Genf abgelöst wird.

Einen zentralen Rang hat die Messe von Genf mit starker italienischer Beteiligung als Mittlerin zwischen Nord und Süd wie schon zuvor die Champagnemessen. Bis Ende des 14. Jahrhunderts entwickelt es sich zu einem zentralen Handels- und Finanzmarkt mit starker Anwesenheit florentiner Banken und Seidentuchhändler.

 

1419 beginnt die französische Krone mit der Etablierung von zwei Messen in Lyon gegen Genf zu konkurrieren. 1462 verbietet der französische König den Transport von Waren zu den Genfer Messen und fördert im folgenden Jahr vier zeitgleiche Messen in Lyon. Händler bekommen Handelsfreiheit, Freiheit im Wechsel-Verkehr und bei Zöllen und anderen Abgaben zugesagt. Darunter leidet nicht nur Genf, sondern auch der Finanzplatz Avignon.

Es kommt zur Abwanderung der italienischen Firmen aus Genf dorthin. Unter Louis XI. (1461-83) ist Lyon das Zentrum des französischen Wirtschaftslebens und Anfang des 16. Jahrhunderts erreicht es dieselbe Bevölkerungszahl wie Florenz. Gehandelt werden dort vor allem Wolltuche aus England und den Niederlanden, Seidentuche aus Italien, Gewürze aus der Levante und andere Luxusgegenstände.

 

An zentralen Handels- bzw. Messestandorten treffen sich Makler zwischen Käufern und Verkäufern, Geber und Nehmer von Krediten, Transportunternehmer und Versicherer zunächst zu bestimmten Tageszeiten. Das findet im 14. Jahrhundert zuerst auf bestimmten Plätzen statt wie der Piazza dei Banchi in Genua, die Placa dels Canvis de la Mar in Barcelona und der Place du Change in Lyon. In Brügge herrscht der Sonderfall, dass Makler das Monopol auf die Vermittlung von Handelsabschlüssen haben, und sie treffen sich auf dem Platz, an dem eine Herberge der Maklerfamilie van der Buerse liegt. Diese wird zum Konsulat der Venezianer, und a, selben Platz liegen auch die der Florentiner, Genuesen und nahe bei der Lucchesen. Makler "trafen sich in den überdachten Säulengängen vor dem florentinischen Haus, um nicht vom Verkehr doer durch Regen gestört zu werden." (Spufford, S.38)

Schon 1322 gibt es mit der Loggia dei Mercanti in Venedig und 1392 mit der Lonja in Barcelona die ersten festen Häuser dafür mit überdachten Säulengängen. Als 1517 die Stadt Antwerpen ihr erstes Börsen-Gebäude errichtet, geschieht dies nach dem Brügger Börsenplatz mit einem quadratischen Gebäude mit einem großen Innenhof.

 

Eine Besonderheit stellt der Hanseraum dar, der einmal Messen aufgrund seines ausgefeilten Netzwerkes kaum braucht, andererseits auch nicht möchte, weil sie Einfallstor hichthansischer Kaufleute wären. Köln mit seinem Stapelrecht forciert seinen Ausbau als Messestandort nicht so weit, wie es dazu privilegiert wird, und ansonsten müssen die Messen auf Schonen geduldet werden, aber möglichst nur insoweit, als dort Hering verhandelt wird.

 

"Welt"handel und Vernetzung (in Arbeit)

 

Welthandel ist der Handel (über mehrere Stationen) über die für Europäer bekannte Welt hinweg, und es gibt ihn, wo er nicht von Machthabern gestört wird, spätestens seit der Antike. Von dieser Welt sind die beiden Amerikas, Australien und Neuseeland ausgeschlossen, der atlantische und pazifische Raum, dessen Kulturen und heimische Zivilisationen erst seit dem 15. Jahrhundert von Europa aus zerstört werden, um diese Gegenden der Welt ausplündern zu können.

Im späten Mittelalter reicht der Welthandels-Raum immerhin von China bis Portugal und von den britischen Inseln, Skandinavien und Archangelsk bis Kernarabien und den größten Teil Afrikas.

Davon zu unterscheiden ist aber der übliche Aktionsradius von Handelskapital des lateinischen Abendlandes, der im Mittelalter mit dem Mittelmeerraum das bei weitem größere Handelsvolumen hat, Selbst in seinen besten Zeiten verhandelt Lübeck höchstens halb so viel Waren wie Venedig.

 

Historiker gehen schon lange von drei großen Phasen des Warenumfangs lateinisch-abendländischer Händler aus. In der ersten, vom 10. bis etwa zum Anfang des 14. Jahrhunderts gibt es einen nur wenig unterbrochenen allgemeinen Aufschwung, danach einen massiven Abschwung bis Mitte des 15. Jahrhunderts, durch Seuchen mitverursacht und von einem enormen Bevölkerungsrückgang begleitet. Mitte des 15. Jahrhunderts setzt dann erneut ein langanhaltender Aufschwung ein: Die Städte wachsen wieder und mit ihnen der Handel.

 

Bis zur spanischen und äußerst gewalttätigen Eroberung der Kanaren im 15. Jahrhundert findet keine Kolonisierung statt, wie wir sie seitdem kennen, sondern einmal das Zusammenspiel europäischer Fernhändler mit solchen aus Asien, dem Orient und aus Afrika, was aber diese Weltgegenden noch kaum beeinflusst, und zum anderen das vor Ort erwünschte Etablieren von Handelsstationen in fremden Machtbereichen, wie sie um das Mittelmeer, das Schwarze Meer und die Nord- und Ostsee entstehen.

Soweit der Handel lateinisch-abendländischer Kapitaleigner reicht, erschließt er sich zur See wie auf dem Land immer neue Transportwege, zur See vor allem, seitdem Schiffsbau und Navigation Schiffahrt auf hoher See ermöglichen, über Land durch die Nutzung von Flüssen und die kontinuierliche Verbesserung von Wegen hin zu Straßen, den Ausbau alter Straßen, die Anlage neuer und den Brückenbau.

Auf diese Weise wird das lateinische Abendland bis ins 15. von einem immer engeren und funktionsfähigeren Netzwerk von Transport- und Reisewegen durchzogen, während die dorthin weisenden Wege von außen deutlich spärlicher vorhanden und weniger nutzerfreundlich sind. Wir sind aber noch weit entfernt von jener Parzellierung von großen Teilen Europas durch immer weniger überquerbare breite Autostraßen, die nun wiederum Brücken erfordern und Kulturräume mit ihren schwindenden natürlichen Restbeständen ebenfalls immer weiter verkleinern und parzellieren.

 

Diese immer engere Vernetzung der zunehmend kapitalistischen Welt hat als Parallele die persönliche Vernetzung über den Handel, die im Verlauf des Mittelalters diejenigen, welche Kirchen und Klöster seit dem 10. Jahrhundert bilden, bei weitem übertrifft. Großen Firmen gelingt es im Laufe dieser Zeit, Niederlassungen überall auf diesem Teil des Kontinents zu etablieren und zum Teil sogar darüber hinaus. Handelspartner stehen über hunderte oder tausend Kilometer hinweg dem Händler interessemäßig näher als der Handwerker in seiner Nachbarschaft.

"Hildebrand Veckinchusen brachte es nach Auswertung von zwei seiner elf überlieferten Handlungsbücher zwischen 1400 und 1420 zu rund 1100 Personen auf mehr als einmalige Handelskontakte. Seine Geschäftspartner saßen in dem Raum, der sich von Dorpat (Tartu) im Osten bis La Rochelle im Westen, von Reval (Tallinn) im Norden bis nach Lucca im Süden erstreckte." (Hanse, S.101)

 

Handels- und Finanzkapital lernen schnell, nicht in Herrschaftsräumen, Sprachräumen und Räumen unterschiedlicher Lebensverhältnisse zu denken, sondern in Investitionsmöglichkeiten und Kapitalrenditen. Nicht der abhängige Arbeiter, sondern der Kapitaleigner "kennt kein Vaterland", nämlich da, wo es darum geht, sein Kapital zu vermehren. Hier irrten Marx und insbesondere Lenin.

 

In seinen Anfängen seit dem 10. Jahrhundert steht Kapital zunächst ohnehin dem jeweiligen Herrn nahe, von dem es als Kunde oder Rechte Gewährender jeweils abhängt. Auch wenn sich der Groß-Handel dann von dieser Abhängigkeit befreit und auch mehr breitere Kreise bedient, so wird er doch weiter die Nähe von Fürsten und anderen Herren suchen, die er zumindest im Bereich des Luxuskonsums als Kunden braucht. Neben die Vernetzung mit der politischen Macht tritt in der Stadt und ihrem Umfeld zumindest die mit hohen Kirchen und reicheren Klöstern, ebenfalls Abnehmer von Luxuswaren. Sobald das gelingt, werden Kinder auch dort plaziert,  die als Erwachsene dann Teile solcher Einfluss schaffender Netzwerke werden.

 

So wie Könige, Fürsten und statusgleiche Adelige unter sich bleiben, so auch das statusähnliche große Kapital, welches allerdings dann zu Rentiers-Patriziat und Landadel aufschließen möchte, um es schließlich oft an Reichtum zu überholen. Die Netzwerke des größeren Kapitals trennen dieses von nicht kapitalisierter produktiver und distributiver Selbständigkeit in der Stadt so, wie der Adel sich von diesem abtrennen möchte. Solidarisch mit seiner Stadt ist großes Kapital nur soweit, wie es diese regiert und daraus Profit schlagen kann. Ansonsten ist Kapital nicht einmal lokalpatriotisch, wie es immer dort beweist, wo es seinen Standort wechselt.

 

ff

 

Der Warencharakter der "Welt" (in Arbeit)

 

Bevor etwas zur Ware werden kann, muss es Eigentum sein. Solches lässt sich schon für Steinzeitmenschen vermuten, und es nimmt in Zivilisationen deutlich zu. Frühes Eigentum ist zunächst solches an Land und allem, was dazu gehört, und solches an Produktionsmitteln. In den Jahrtausenden der Entwicklung hin zu unserer Schwellenzeit ist das Land im Raum des zukünftigen Kapitalismus zum kleinen Teil Privateigentum geworden, zum größten Teil ist es Verfügungsmasse großer Herren, denen selbst terra incognita sogenannter Wüsten, also von Naturräumen, zusteht. Mit zunehmendem Marktgeschehen nimmt nun auch die Vermarktung des Landes zu, es wird also potentiell zur Ware auf einem Immobilienmarkt, ähnlich wie die Häuser in der Stadt. Es kann dabei auch bereits kapitalisiert werden.

 

Damit wird der Zugang zu dem Land, auf dem der Mensch leben möchte, auf Erbe, Geschenk, Leihe oder Kauf reduziert. In der Stadt, in der die Entwicklung des Kapitalismus vorangetrieben wird, gilt für die Behausung dasselbe wie für den Grund und Boden: Alles ist schon vergeben und erben, kaufen oder mieten die Möglichkeit, Zugang zu bekommen. Nach dem 10. Jahrhundert wird es immer unwahrscheinlicher, dass man von Garten und Kleinvieh in der Stadt leben kann, man muss also Lebensmittel zumindest zukaufen. Zudem wird die Bekleidung immer mehr zu einer Ware. Gehört man zum großen Bevölkerungsteil der Handwerker, kommt noch der gelegentliche Kauf von Produktionsmitteln hinzu. Im späten Mittelalter haben diese Kaufakte auf dem Waren-Markt bereits massiv zugenommen und damit der Geldbedarf der Menschen. In geringerem Umfang gilt das alles auch für die Menschen auf dem Lande, die bäuerlichen Produzenten.

 

Die städtische Welt ist also durch und durch von Warenbeziehungen geprägt, wobei ein großer Teil der Bevölkerung noch grundsätzlich selbständig wirtschaftet: Als Handwerker, Krämer, Fischer usw., der allerdings der städtischen Obrigkeit, deren Geldbedarf und seinen Machtvollkommenheiten bereits unterworfen ist.

Wenn man diese Sphäre von Selbständigkeit als Raum einer gewissen Privatheit im ursprünglichen Wortsinn bezeichnet, so gilt das noch mehr für den Raum der Familie, in dem der pater familias noch in einem Maße relativ frei schalten und walten kann, wie es heute in Europa undenkbar wäre. Voraussetzung dafür ist die Aufteilung der Frauen in Jungfrauen, Ehefrauen (bzw. Witwen) und Huren. Mit dieser Aufteilung erhält der Körper der letzteren Warencharakter, damit der der ersteren davon bis auf die modische Andeutung eines solchen als individuelles Machtmoment davon verschont bleibt.

 

Für Bauern und Handwerker gilt zweifellos Direktvermarktung als der wirtschaftliche Königsweg. Der Bauer reist auf den Markt, der Handwerker lässt seinen Laden an seiner Werkstatt herunter, lädt in diese ein oder hat einen Stand oder eine Bude auf dem Marktplatz. Hier ist die unmittelbare Verbindung vom Produzenten zum Konsumenten noch gegeben. Die Zukunft gehört aber den Waren, die durch die Hände mehrerer Produzenten, Händler und Transporteure gehen, so dass weder die verbrauchte Arbeit noch das investierte Kapital mehr erkennbar sind. Hier ist der prospektive Konsument nur noch mit einem Gegenstand und dem Endverkäufer konfrontiert, so wie in der uninformierten Betrachtung auch Kapital als Gegenstand samt Eigentümer dasteht und nicht als Vorgang. Das ist eine ganz wesentliche Voraussetzung für den sich bis heute immer mehr entfaltenden Konsumismus, zu dessen wesentlichen Voraussetzung auch die Unkenntnis "wirtschaftlicher" Zusammenhänge beim Massenkonsumenten gehört.

 

Welcher Warenkonsum führt Kapitalismus in seine frühe Blüte? Soweit ich bisher sehen kann, ist der Luxuskonsum weltlicher und geistlicher Herren nur der Ausgangspunkt, hätte aber so wenig gereicht wie der Massenkonsum an Lebensmitteln, Bekleidung, Wachs und Wein größerer Klöster. Es kann nur der Konsum in den in deutschen Landen vergleichsweise kleinen Städten zwischen 1000 und 20 000 Einwohnern sein, der das Wachstum des Gesamtkapitals bis ins 14. Jahrhundert und dann wieder ab dem 16. hervorbringt. Wenn drei in Riga für Brügge beladene Schiffe 1405 "neben Wachs und Leinen zusammen 450 000 Pelze geladen" haben (Hanse, S.149), dann gehen sie zwar von dort zum Teil quer durch Europa, sind aber auch nur ein Teil des Pelzhandels aus dem Nordosten und darum nicht alleine für eine sehr kleine Gruppe von Luxuskonsumenten bestimmt. Dabei sind es die bis ins späte Mittelalter zunehmenden Freiheiten von Produktion und Handel, das Zusammenspiel verschiedenster Privilegien, welches jenes Wachstum hervorbringt, welches als steigender "Wohlstand" wahrgenommen wird, einem allerdings immer wieder durch Krisen mehr oder weniger unterbrochenen.

 

Der öffentliche Raum entwickelt sich also zu einem fast uneingeschränkter Käuflichkeit, und wie sehr er das ist, offenbaren die Predigten der Bettelmönche auf dem Markt, Zentrum der Käuflichkeit, bis auf ihm oder in seiner Nähe im späten Mittelalter das Kaufhaus aufkommt. Inzwischen hat sich die Religion der Christen in genau dieselbe Richtung entwickelt: Man gibt der Kirche, dem Kloster, den Armen und erkauft sich so das Himmelreich und erspart sich so die Höllenqualen. Das entwickelt sich bis zum Kauf von Wechseln, Ablassbriefen, die man nach dem Tod quasi an der Himmelspforte einreichen kann, um höchsten Kredit zu erlangen.

 

Wenn spätestens im 12. Jahrhundert Klagen darüber beginnen, dass die Menschen (zumindest in der Stadt) käuflich seien so wie alles, was auf den Märkten feilgeboten wird, so lässt sich das am besten bei den hohen Herren geistlichen wie weltlichen Standes erkennen, die nicht nur in mehr oder weniger feudalrechtlichen Strukturen agieren, sondern vor allem in kapitalistischen, die sie ungeniert nutzen. Privilegien, also das, was sie als Recht gelten lassen, werden immer häufiger und immer teurer verkauft und machen bei römischen Königen und deutschen Fürsten einen immer größeren Teil ihrer Einkünfte aus, ebenso wie beispielsweise auch beim Papsttum und der Kirche.

Der Käuflichkeit von Recht entspricht die von Ämtern und Status. Nicht nur in das städtische Bürgerrecht muss man sich einkaufen, sobald es existiert, sondern auch gelegentlich in den Fürstentitel. Selbst das Erringen des Königtums muss zunächst durch geldwerte Versprechungen an die Fürsten und dann auch durch immer höhere Bestechungssummen erkauft werden.

 

Nun ist die Korruptheit der Herrenmenschen (zu denen sich bei uns inzwischen die Frauen gleich korrupt eingereiht haben) wohl ein Kennzeichen aller Zivilisationen. Aber ihr Maß steigt unter kapitalistischen Bedingungen immer weiter an. Das betrifft dann auch die Karriere in der Verwaltung der Städte, die im wesentlichen dem eigenen wirtschaftlichen Fortkommen und dem von Kollegen dient, wobei nur extrem rabiate Formen von Korruption überhaupt bekannt und dann allerdings harsch geahndet werden. Sich als bürgerlicher Machthaber erwischen zu lassen, gilt als den Interessen der Kollegen diametral widersprechend. Darin sind die Mächtigen in der Stadt von ihren hochadeligen und fürstlichen Kollegen deutlich unterschieden. Man muss dabei sehen, dass politische Machtausübung auf solcher Ebene nicht wie heute hoch und weit über dem Einkommen der Masse der Bevölkerung alimentiert wurde, sondern "ehrenamtlich" war und seine finanziellen Interessen anderweitig einlösen musste.

 

Käuflich ist also nicht nur die Hure und der Lohnarbeiter, der sich auf einem Markt oder am Rande des Dorfes als Tagelöhner oder für saisonale Erntearbeiten oder große Bauprojekte feilbietet und dessen Arbeit bzw. schiere Arbeitskraft so Warencharakter erhält, Käuflichkeit wird vielmehr in der Praxis zur Selbstverständlichkeit für so ziemlich alles einschließlich der Menschen.

Damit verschwindet nicht nur die Macht der (christlichen) Religion im Alltag, die quasi auf enge Räume eingeschränkt wird und nur dort entsprechend demonstrativ zelebriert wird, sondern es verschwinden in der Stadt zumindest auch die Reste kultureller Relikte, die zu Folklore und Esoterik verkommen.

 

Wenn jemals in der Geschichte der Menschheit von einer Revolution die Rede sein könnte, dann wäre es diese Umwertung aller Werte, die mit der Entstehung des Kapitalismus beginnt und seitdem zu unentwegten Kriegen zwischen tatsächlich und nur noch nominell religiös bestimmten Machtbereichen führt, wie noch heute zwischen den islamischen Terrordiktaturen und den nur noch von politischen Ersatzreligionen bestimmten "Demokratien" als schieren Agenturen von Kapitalverwertung. Aber zwischen Scylla und Charybdis findet sich auch heute kaum jemand, der sich solchen Extremen entziehen möchte oder auch nur kann.

 

Der neue Mensch des Kapitalismus entsteht nicht wesentlich durch Gewalt in eine solche Richtung, auch nicht wesentlich durch Propaganda, sondern durch die Optionen, die seiner ihm innewohnenden und durch Kapitalismus entfesselten Gier entspringen, einer natürlichen Regung, die durch den immer orientierungsloser werdenden Geschlechtstrieb noch angeheizt wird. Die Faszination eines sich immer mehr ausweitenden und immer innovativeren Warenangebots wirkt wie eine Erlösung aus seiner psychisch krisenhaften Existenz, als Betäubungsmittel und sinnstiftendes Lebensziel. Daran ändert auch nichts, dass die Masse der Menschen im kapitalistischen Mittelalter nur bescheidenen Zugang zu dieser wundersamen Warenwelt hat, der Blick ist fast immer nach oben gerichtet, auf die wohlhabenderen und mächtigeren Zeitgenossen, die meist als bewundernswürdige Leitbilder wirken, wie auch heute noch. Mehr Warenkonsum als Perspektive bestimmt das Leben, wo immer möglich.

 

Die Ausweitung des Warenangebotes: Konsum (in Arbeit)

 

Nichts macht den Warencharakter von damaliger "Welt" den Menschen deutlicher und einladender als das im Vergleich zu früher enorm und immer schneller auch qualitativ sich ausweitende Warenangebot.

Das Angebot durch den Handel nimmt zu, weil es mehr Menschen, die produzieren und kaufen gibt, die dabei mehr Geld haben, wobei größere Marktplätze für sie immer näher rücken. Die Vernetzung der Welt gibt Händlern immer mehr Kenntnisse über die Nachfrage vor Ort, und dies ist im wesentlichen städtische Nachfrage, denn das Konsumniveau des bäuerlichen Landes, der meisten Menschen nimmt nur ganz, ganz langsam zu und bleibt für dne einzelnen Haushalt gering. Die Integration der bäuerlichen Produzenten geschieht nicht wesentlich durch den Konsum, sondern durch die kapitalgetriebenen Strukturveränderungen.

 

Bleiben wir in den besser dokumentierten Städten. Die Ernährungsbasis geht von angereichertem Getreidebrei auf Brot über, und das Angebot diversifiziert sich mit spezialisierten Bäckern. So häufig wie sie sind Metzger/Fleischer dokumentiert, was einen deutlichen Anstieg des Fleischkonsums zeigt. Rindfleisch kommt auch aus immer ferneren Gegenden. Auf den Märkten tauchen immer mehr Obst und Gemüse aus dem Umland auf. Wer nicht selbst Bier braut, kauft es vor Ort, in manchen Regionen hat Wein den Vorrang. Beide werden im späten Mittelalter auch aus fernen Gegenden geliefert, und wer es sich leisten kann, achtet nun auf qualitative Unterschiede und kauft nicht das billigste. Nach und nach werden einige wenige Luxuswaren wie Pfeffer für viele erschwinglich.Durch den massenhaften Fernhandel von Fisch in konservierter Form wird er zum einen erschwinglicher, zum anderen gibt es ein vielfältigeres Angebot, auch wenn Hering und Stockfisch nördlichd er Alpen dominieren mögen.

 

Das Preisniveau schwankt stark und jede Generation erlebt neben Kriegszeiten auch solche anderer Formen von Teuerungen und Not, von reduziertem Angebot.  Die Ernährung ist Frauensache wie die Mitarbeit im Betrieb. Die Handwerkersfrau geht also einkaufen, so wie die Magd feinerer Leute, und in der Ernährung wird auf breiter Ebene weibliches Konsumverhalten eingeübt, das bei der Masse der Städter vor allem von Sparsamkeit gekennzeichnet sein dürfte, aber auch von Faszination über das langsam zunehmende Angebot verschiedener Waren.  

 

Anders ist es mit dem Konsum von Bekleidung,  allerdings wohl auch mehr in Frauenhand, auch wenn männliches Interesse, in sexueller wie statusmäßiger Hinsicht, im Tragen der Kleidung seine Wichtigkeit hat. Dabei gibt es für die meisten Leute eine Basisbekleidung, die sowohl vor dem Wetter schützen wie den jeweils gängigen Geboten der Körperscham dienen soll.

Aber schon in Art und Qualität der Tuche gibt es immer größere Unterschiede, die sowohl den Bekleidungszweck wie die Eitelkeit und den Machtprotz betreffen und sich nach dem Geldbeutel und ein wenig auch nach spätmittelalterlichen Bekleidungsverordnungen richten. Alleine für Hildebrand Veckinchusen ist für Anfang des 15. Jahrhunderts dokumentiert, dass er 16 Arten von Tuchen aus 36 Herstellungsorten gehandelt hat, so wie 31 verschiedene Sorten von Pelzwaren. Natürlich ist ein Großteil der Waren für den Geldbeutel der meisten Städter eher unzugänglich, aber die Verordnungen lassen erschließen, dass viele ihren Geldbeutel vor allem für solche Zurschaustellung der eigenen Person gelegentlich überstrapazieren. 

Anders als Lebensmittel werden hier wie bei Produktionsmitteln eher selten Einkäufe getätigt, dafür sind die Waren dann lange am Menschen zur Schau gestellt und der Einkauf dürfte so frühes Hochamt eines aufkommenden Konsumismus sein, also von Konsumverhalten jenseits jeder naturgegebenen Notwendigkeit. Dazu gehört, dass fast generell die Leitbilder für eigenes Konsumverhalten die Reichen und Mächtigen sind, gegen die sich wenig eigener "Geschmack" entwickelt. Auf diese Weise kommt es zur Konkurrenz um die Zurschaustellung des Körpers selbst - einmal durch an entscheidenden Stellen enganliegende, sexualisierte Bekleidung und zum anderen durch immer neue Anläufe zur (im Vergleich zu heute minimalen) Entblößung.

Für die meisten Städter ist der Einkauf von Tuchen bzw. Kleidung beim Schneider ein seltenes Ereignis, da die Stoffe lange halten müssen. Die sich für edler haltenden Kreise haben Tuchreserven im Haus und lassen sie schon im Hochmittelalter von Mitgliedern des Haushaltes zu Kleidung verarbeiten.

Wo man keine Holzschuhe trägt, sondern solche aus Leder, müssen sie öfter ersetzt werden.

 

Der aufkommende Konsumismus als vierter Motor der Kapitalbewegungen auf der Konsumseite ist für die meisten noch weniger alltägliche Praxis als vielmehr vor allem eine zunehmende Erwartungshaltung. (Erster Motor waren Luxusbedürfnisse hoher Herren gewesen, zweiter daneben ihr Geldbedarf, dritter die massenhafte Befriedigung von Grundbedürfnissen). Aber er gewinnt an Bedeutung. Im späten Mittelalter ist der Spaziergang zu den Marktplätzen, den heruntergelassenen Läden der Krämer und Handwerker und das Gespräch mit ihnen bereits als frühe Form dessen möglich, was im Englischen heute als window-shopping bezeichnet wird. Auch wenn das selten dokumentiert ist, dürfte es einen Aspekt der Faszination der Städte für die Landbewohner ausmachen und deren mehr oder weniger "legalen" Zuzug befördert haben. Man muss sich nur einmal vorstellen, was damals das regelmäßige Beäugen und Beschnuppern von zehn und mehr Gewürzen bei Spezereien-Krämern für Gefühle auslösen kann, oder das von ultramarinen konservierten Früchten wie Feigen, Datteln, Rosinen, Mandeln.

 

Konsum ist naturgegebene Lebensnotwendigkeit, Konsumismus ist auch ganz wesentlich Kompensation für die Mühen und Leiden des Alltags, zunehmend Ergänzung religiöser Sinnstiftung bis zu dessen Verdrängung. Da der Händler das weiß, ergänzt er den Nachfrage-orientierten Kapitaleinsatz durch den des sich erweiternden Angebots. Man muss sich nur das Faszinosum der bis dato eher unbekannten orientalischen Teppiche nach den ersten Kreuzzügen vorstellen, oder das für weitere Kreise sichtbare der ersten gläsernen (Butzenscheiben)Fenster und das immer neuer Gewürze, Pelze und immer geschmeidigerer Lederarten. Das Risiko, immer neue Waren aus fernen Ländern versuchtsweise anzubieten, ist nie ausgeschlossen, aber meist geringer als das von Raubüberfällen oder Schiffsbrüchen.

 

Auf der Angebotsseite liefern jeweils Schiffe, Schiffskonvois und Karawanen über Land meist nicht eine Ware, sondern eine große Vielzahl von ihnen. Großes Handelskapital lässt zunehmend auch die Beiladung kleinerer Kapitaleigner und gelegentlich sogar von solchen zu, die nur ihre geringen Ersparnisse als Nebenverdienst einmal kapitalisieren wollen. Dabei können schon auf das einzelne größere Kapital oder das einer Gesellschaft verschiedenste Waren transportiert werden, die man gerade vor Ort einkaufen kann bzw. schon bestellt hat. Zu den Neuigkeiten, die dabei mittransportiert werden, gehören nicht selten neuartige Waren oder wenigstens die Nachricht von ihnen.

 

Vom Konsumismus praktisch völlig ausgenommen ist das Warenangebot an Werkzeugen und Rohstoffen für deren Einsatz. Werkzeuge sind meist teuer und müssen lange halten, und eben auch für die Arbeit taugen. Rohstoffe zur Werkzeugproduktion und für den Transport zum Beispiel, wie das Holz für den Küfer, oder anders das Eisen für Drähte, Waffen und Rüstung werden nach intrinsischer Qualität ausgesucht und müssen ständig nachgekauft werden. Ein wichtiger Teil hoch- und spätmittelalterlicher Produktion fällt zumindest in der  Masse damit aus so verstandenem Konsumismus heraus.

 

***Rohstoff, Halbfabrikat, Fertigprodukt***

 

Wenn gerade vom Übergang von einfachem Warenkonsum hin zu "Konsumismus" zumindest als Erwartungshaltung gesprochen wurde, so betrifft dieser überhaupt nur einen Teil der gehandelten Waren, denn nicht nur Werkzeuge und allgemein das, was Marx als "Produktionsmittel" führt, ist davon ausgeschlossen, sondern es sind auch reine Rohstoffe und Halbfabrikate, die einen großen Teil des regionalen und überregionalen Handels ausmachen.

Der Handel hat also drei Arten von Endabnehmern: Den Massenkonsumenten von Nahrungsmitteln und Bekleidung, den gewerblichen Produzenten, der Rohstoffe und Werkzeuge ge- und verbraucht und im weitestens Sinne auch Konsument ist, und den adeligen und fürstlichen Konsumenten, der viel verbraucht und im Verlauf des Mittelalters immer mehr seinen Status durch Verschwendung vorzeigt. Darüber hinaus gilt das Verschenken von wertvollen Gütern (Waren) ebenfalls als Status und Macht fördernd. Diese Herren (und Damen) sind also die frühesten Modelle für massiven Konsumismus, wobei dieser weniger kompensatorisch wirkt als dann bei den Imitierern unter ihnen.

 

Tatsächlich profitiert der Handel nicht nur von der Produktion, wobei er dafür sorgt, dass diese weniger profitabel bleibt, sondern er "kurbelt" diese auch an, indem er ihr immer mehr und immer verschiedenere Rohstoffe und Halbfabrikate zuführt. Der Getreidehandel, nun wieder wie in der Antike oft auch aus größerer Ferne, befördert das sehr spezielle Handwerk des (Getreide)Müllers, eines oft sehr unselbständigen Handwerkers oder besser Betreibers einer Großmaschine, und den Bäcker, der den früher fast allgegenwärtigen Getreidebrei durch Brote ablöst. Der Viehhandel von Ochsen und Schafen, durch Viehtrieb aus immer ferneren Regionen bedient die Metzger, und erst bei ihnen kommen immer mehr städtische Konsumenten mit dem Fleisch als Konsumware in Berührung.

 

Dasselbe gilt zum Beispiel auch für alle Metallwaren, die vom Erz über das jeweilige Rohmetall durch viele spezialisierte Arbeitsgänge zum Handwerker kommen, der erst die Ware für den Konsumenten herstellt. Diese wiederum ist oft Produktionsmittel, zum Beispiel in der Küche der Hausfrau oder Dienstmagd, als Nadel beim Schneider und als Hacke beim Bauern.

 

Der Markt kennt also viele Stationen, bis es zum Konsumgut kommt. Seitdem die flämische Tuchpoduktion im hohen Mittelalter zu englischer Wolle übergeht, werden in ihrer Region nur noch die Färbemittel Krapp und Wau hergestellt, neben der Wolle kommen auch die wichtigen Chemikalien Waidasche, Pottasche, Weinstein, Alaun aus der Ferne. Sie wiederum sind nicht Rohstoffe, sondern bereits in Produktionsprozessen aus Rohstoffen hergestellte Produkte. Dasselbe betrifft die aus Pflanzen und Tieren hergestellten Färbemittel Waid, Cochenille (aus Insekten), Safran, Kermes (aus Beeren und Läusen), Brasil (aus Holz). Sie alle kommen in Spanien, Italien, Anatolien, dem vorderen Orient vor oder aus Gebieten zwischen der Eifel und Novgorod und werden dort zu Produkten veredelt, die wiederum und vor allem in die Tuchproduktion mit ihren immer spezialisierteren Zwischenschritten eingehen.

 

Dass der Hersteller des Endproduktes in der Regel so wie schon noch mehr die Produzenten von Halbfabrikaten den kleineren Teil vom großen Kuchen des Profites abbekommen, liegt nicht nur am meist fehlenden Kapitaleinsatz, der erst ansehnliche Gewinne bringt, sondern auch daran, dass es viele sind, die sich in die meist geringe Kaufkraft der meisten Konsumenten teilen müssen. Viele sind sie auch deshalb, weil sie schon alleine technisch keine Massenproduktion hinbekommen, sondern jeweils nur kleine Mengen (an Schuhen, Broten oder vom Schneider verfertigte Kleidung) herstellen können. Kapitalgewinne sind nur etwas für die ganz wenigen, die Kapital besitzen. Eigentum an Produktionsmitteln und eigener Arbeitskraft reichen dafür nicht, und wer Mühlen, Schmelzöfen usw. besitzt oder pachten kann, verfügt eben schon über Kapital wie jene Töpfereien, die überregional den Handel beliefern können, oder Verleger, die über die Schritte handwerklicher Produktion verfügen.

 

ff

 

Textilien

 

Auch die Baumwolle stammt ursprünglich aus Indien und erstes großes Anbaugebiet wird dann Syrien, bis im 15. Jahrhundert Ägypten an Bedeutung gewinnt. Daneben wird es schon in islamischer Zeit im Fruchtwechsel auf Sizilien angebaut. Später gelangt es auf kalabrische und apulische Plantagen.

 

In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts kaufen Händler aus Ulm, Augsburg und Nürnberg in Norditalien Baumwolle ein, die nun im oberschwäbischen Leinengebiet ebenfalls zu Barchent verarbeitet wird. "Der Barchent mit seinen kräftigen Farben war schon deswegen >in einer modisch bewussten, farb- und sinnenfreudigen Welt< beliebt, zumal er im Winter wärmte, im Sommer den Schweiß aufsaugte." (Fuhrmann, S.199).

Zwischen 1363 und 83 entsteht so ein großes Barchentrevier nordöstlich des Bodensees, welches sich von Basel über Augsburg, Ulm und Nördlingen ausdehnt. Binnen fünfzig Jahren wird man nördlich der Alpen von italienischen Einfuhren unabhängig und läuft innerhalb einiger Jahrzehnte der Lombardei den Rang ab. Ausfuhren gehen "bis nach Spanien und Portugal, in den Hanseraum und nach Polen" (Schulz, S.169).

 

Das Barchent ist kapitalintensiv und exportorientiert, wird nach Qualitätsmarken standardisiert und schon aus diesen Gründen verlegerisch überformt. In einer zweiten Welle in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts wird seine Produktion in Süddeutschland und Ungarn durch das Zusammenspiel von Landesherren, städtischer Obrigkeit und kaufmännischen Verlegern gefördert (Stromer). König Sigismund von Ungarn privilegiert 1411 in Kaschau Barchent, der Burggraf von Nürnberg fördert seine Produktion ab 1414 in Kulmbach zusammen mit der Firma Imhoff.

 

Textilproduktion in größerem Maßstab verbreitet sich überall in deutschen Landen. Hochwertiges Leinen kommt aus Brabant und Flandern, vieles aber auch aus Oberschwaben, aus dem Vogtland und der Lausitz.  Die ländliche Leinenproduktion von Sachsen über die Lausitz bis Schlesien wird ab dem 15. Jahrhundert durch Investitionen Nürnberger und Augsburger Unternehmer erheblich kapitalisiert. Dadurch, dass diese Firmen zugleich dort auch in den Bergbau einsteigen, wächst hier ein weiterer Wirtschaftsraum von europäischem Rang heran. 

Bis ins 14. Jahrhundert ist Köln ein Ort erheblicher Leinenproduktion, im 15. zudem auch der Herstellung von Barchent. Aber in dieser Zeit gewinnt vor allem die Seidenproduktion immer mehr an Gewicht. Seit 1373 ist ein Seidenamt belegt, die Gemeinde fördert inzwischen den Ankauf von Rohseide. Im Verlauf der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts verdoppelt sich der Ankauf des Rohstoffes und die Seidenproduktion übertrifft nun in Köln die der anderen Textilien. Als Besonderheit ist die Rolle der Frauen in der Produktion zu vermerken, die weibliche Zünfte der Garnmacherinnen und der Hauptseidmacherinnen sowie der Goldspinnerinnen wiedergeben (Schulz, S.173). Die Ehemänner dieser Frauen übernehmen den Ankauf des Rohstoffs und den Verkauf der Fertigprodukte.

Zentrum der europäischen Seidenproduktion wird Venedig mit seinen Brokatseiden und rund 3 000 Seidenwebern im 15. Jahrhundert. Die Verbreitung der Seidenzwirnmühle nördlich der Alpen wird durch Zunftbeschlüsse gestoppt, um die Arbeitsplätze der Spinnerinnen zu erhalten (1412 in Köln). Am Ende des 15. Jahrhundert setzt sich dann das Spinnrad mit Fußantrieb und Flügelspindel langsam durch.

 

Stärker noch als in der Mitte werden im Norden, insbesondere der Lombardei Segmente der Produktion wie die Spinnerei aus Kostengründen auf das Land verlagert. Dasselbe geschieht im 15. Jahrhundert auch in England und anderswo. Aus solchen Kostengründen verlagert man die komplette Produktion von Billigstoffen, also Massenware, immer mehr aufs Land. In Flandern wandert schon im 14. Jahrhundert fast die gesamte Tuchproduktion aus der Stadt. In Analogie zu Bergbau und Metallproduktion kann man nun von Städten und ihren Kapital dominierten Tuchrevieren sprechen.

 

 

Kapitalisierung in England führt zu Tuchmagnaten, die in Schafherden investieren und das Verlagssystem verlassen, um den ganzen Produktionsprozess unter ihre direkte Kontrolle zu bringen. Dafür kaufen sie Walkmühlen, Häuser, in denen das Spinnen stattfindet und Färbereien, das alles möglichst nahe beieinander, wobei sie die ganze Arbeitskraft fast "unter ein Dach" bekommen.

 

Eine wichtige Ware sind auch Felle, die zu Pelzen und Leder verarbeitet werden. Die Tiere werden noch nicht gezüchtet, sondern von russischen und baltischen Fallenstellern erlegt. Sie sind ein zentrales Handelsgut hansischer Händler von Nowgorod aus, wo es um 1386 allein rund 160 hansische Pelzhändler gegeben haben soll. Die unbehandelten Felle werden in Fässern nach Westen transportiert, wo Brügge zentraler Umschlagplatz  ist. Einzelne Firmen handeln so mit Zehntausenden von Fellen im Jahr. Im 14. Jahrhundert kann eine Schiffsladung schon einmal um die 100 000 Felle enthalten haben. (Spufford).

 

Bergbau und Metalle

 

Von den Krisen und Kontraktionen des 14. Jahrhunderts wird auch der Bergbau betroffen. Aber es halten sich die Eisenreviere im Forest of Dean, im Siegerland, der Oberpfalz, in Böhmen, der Steiermark und auf Elba. Zudem entstehen im 15. Jahrhundert auch neue Metallgewerbe-Landschaften im Bergischen Land, im Sauer- und Siegerland,  die in den folgenden Jahrhunderten Kontinuität beweisen.

 

Erfindungen werden breiter angewandt und neue kommen hinzu, wobei sich Nürnberg hervortut: Dort wird um 1390 der mechanische Drahtzug erfunden, um 1415 zudem die Drahtziehmühle, wobei Draht mittels eines Pleuelstangensystems maschinell hergestellt werden kann. Erfunden wird auch das Saiger-Verfahren, zuerst in einer Nürnberger Hütte 1419 angewandt. Dies Verfahren erlaubt ein besseres Differenzieren zwischen einzelnen Metallen beim Ausschmelzen der Erze, zum Beispiel das Aussaigen von Silber aus Rohkupfer mittels Einsatz von Blei. Vorteil ist zum Beispiel bei Kupferhütten, dass das so nun dazu gewonnene Silber frei der Vermarktung der Unternehmer zur Verfügung steht.

 

Erfunden wird in Nürnberg wohl auch das Verzinnen von Blechen. Um neben Wasserkraft auch Energie aus Holz vorzuhalten, beginnt der Unternehmer Peter Stromer um 1400 mit Forstwirtschaft.

 

Im fünfzehnten Jahrhundert steigt dann die Bedeutung des schwedischen Osmund-Eisens mit der Übernahme neuer Verhüttungstechniken an, um im 16. Jahrhundert in Nordeuropa vorherrschend zu werden.

 

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts werden in Mitteleuropa alte Bergwerke durch neue Wasserhebemaschinen und Saugpumpen reaktiviert.Das geht nur unter größerem Kapitaleinsatz, und so gehen sie in die Hände von Kapitalgesellschaften über.

 

Im Erzgebirge werden neue Silbervorkommen entdeckt, und daraus entwickelt sich eine Art Silverrush. Schneeberg entsteht ab 1470, St.Annaberg zwanzig Jahre später und nochmal eine Generation später Marienberg. Im Harz kommen Zellerfeld und Clausthal dazu. Ähnliche Vorkommen finden sich dann auch in der heutigen Slowakei und im Tiroler Inntal. Mit riesigen Kehrräder von bis zu zwölf Metern Höhe wird es möglich, bis zu 300 Meter tief in die Erde vorzustoßen. Immer mehr kaufmännisches Kapital fließt in die Erzgewinnung, wobei es auch zu neuen Techniken in der Herauslösung aus dem Gestein kommt.

 

Große Firmen von Handels- und Finanzkapital gründen solche des Bergbaus und der Verhüttung oder kaufen sich in sie so wie überhaupt in Sparten der Warenproduktion ein. Umgekehrt gelangen Familien wie die Fugger zum Beispiel vom Weben über den Textilhandel, Finanzgeschäfte bis in das Bergbaugeschäft.

 

Der Aufstieg des Nürnberger Metallgewerbes hängt an der Vernetzung der Stadt mit dem Oberpfälzer Bergbaugebiet. Dabei investiert Nürnberger Kapital nicht so sehr in den Erzabbau, sondern in die Weiterverarbeitung mit den Zentren Amberg, Sulzbach und Auerbach.

Man erzeugt mit wassergetriebenen Blasebälgen Roheisen; dies wird durch Hämmern von Schlackenresten befreit, "und nach erneuter Erhitzung zu Schienen von etwa 5 kg ausgeschmiedet". Dabei fällt "auf der Herdsohle das besonders reine Deicheleisen an, das überwiegend zu Blechen gehämmert" wird. Seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts haben dann wohl in der Oberpfalz allein gut hundert Schienhämmer gearbeitet. (Schulz, S.178)

Ein Großteil des Eisens wird dann von Nürnberg aus entweder exportiert oder aber vor allem weiterverarbeitet.

 

1370 soll das Nürnberger Drahtziehergewerbe bereits siebzehn Betriebe umfasst haben. Zwischen 1399 und 1415 entwickeln Spezialisten und einige Kapitalgeber die erste Drahtziehmühle, und in den folgenden Jahren kommen zehn weitere dazu. "Dabei gelang es, die Kraft der Wassermühle so umzusetzen, dass mit Hilfe einer halbautomatischen Zange ein regelmäßiger, kräftiger Zug auf den zu verdünnenden Draht ausgeübt wurde , der durch eine enge Bohrung des Zieheisens geführt und dabei gestreckt wurde. Die Kraftübertragung erfolgte über eine vom Mühlrad getriebene "gekröpfte Welle" oder Pleuelstange, von der eine Zange bewegt wurde, die unter Last von einem übergleitenden Ring geschlossen wurde und sich bei Entlastung wieder öffnete. Der Drahtzieher musste im Wesentlichen nur für das jeweilige Ansetzen der Zange am Draht vor dem erneuten Zug sorgen. Dazu saß er auf einer Schaukel, um die Bewegung der Zange mitvollziehen zu können." (Schulz, S.182) Ende des 15. Jahrhunderts wird dann auch dieser Vorgang automatisiert.

Die Bedeutung dieser Maschine schlägt sich in der Bandbreite der Produkte nieder: "Nadeln, Heflteln (Sicherheitsnadeln), Nägel, Ketten, Musikinstrumenten-Saiten, Drahtsiebe, Drahtkratzen für die Tuchbereitung (Appretur) und Stahlringe für Kettenhemden. Weiterhin sind Nieten, Federnm, Häkchen, Ösen und Kettchen sowie verschiedene Zierelemente zu nennen." (Schulz, S.184). Auch solche Produkte werden über ganz Europa verkauft und im 16. Jahrhundert dann auch nach Afrika und Amerika.

 

Ein weiterer bedeutender Bereich der Nürnberger Wirtschaft wird seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Produktion von Schusswaffen, insbesondere von Handfeuerwaffen. Im 15. Jahrhundert werden sie dann zu Hunderten an Städte und Fürsten verkauft. In der zweiten Hälfte werden dann Hinterlader als Kammerbüchsen entwickelt, und am Ende des Jahrhunderts dann das selbstzündende Radschloss. Büchsenschmiede erreichen so Reichtum und Ansehen.

 

Neben der Eisenindustrie investiert Nürnberger Kapital, zum Teil in Kooperation mit Kapital aus anderen Teilen Mitteleuropas in den Abbau von Silber, Gold, Kupfer und Blei und die Herstellung von Halbfabrikaten daraus, und zwar zwischen Thüringen, Sachsen, Böhmen und Tirol. "Man trat durch den Erwerb von Kuxen, die teilweise stark gestückelte fungible Wertpapiere darstellen, in Gewerke ein, legte in Einzelfällen Hütten an, pachtete Gruben, bot schwachen Gewerken Verlag und versuchte, mit den Regalherren möglichst langfristige und monopolistische Lieferverträge abzuschließen. Diese sogenannten >Käufe< mit Vorauszahlung der kontrahierten Lieferung bedeuteten ein fundiertes Anleihesystem der öffentlichen Gewalten." (Isenmann, S.352)

Darüber hinaus wird die Nürnberger Hochfinanz in Ungarn, dem Karpatenraum mit seinen Vorkommen an Edel- und Buntmetallen investiv aktiv, überhaupt in ganz Südosteuropa, zusammen mit anderen süddeutschen Firmen.

 

Bedeutung erlangt Nürnberg auch mit der Musikinstrumenten-Herstellung, in der neben den leisen Geigen und Lauten vor allem metallene Instrumente herausragen, deren Musik für öffentliche Prachtentfaltung wie auch im Krieg eine herausragende Rolle spielt. Dafür haben vor allem Posaunen und Trompeten große Bedeutung, daneben Zinken, Bombarden und Flöten.  

 

Die Kapitalkonzentration im englischen Zinnbergbau nimmt erheblich zu: "Im frühen 14. Jh. wuchsen die königlichen Zinn- und Silberbergwerke im englischen Beer Alston zu 'Großbetrieben' mit 700 Lohnarbeitern empor.  Bei einem Zinnmagnaten standen 1357 in sechs Bergwerken Cornwalls 300 Menschen in Lohn und Brot. Die exportorientierte englische Zinnproduktion konnte vom Beginn des 14. Jhs. bis zu den 1430er Jahren von 680 000 auf 1,4 Millionen Pfund jährlich gesteigert werden." (Dirlmeier, S.34)

 

Das Gebiet um Maastricht, Lüttich, Aachen und Dinant erhält im 14. Jahrhundert Kupfer aus dem Harz und Zinn aus Cornwall und wird zudem eine Buntmetall-Exportregion. Als der Burgunder Philipp ("der Gute") 1466 Dinant vollständig zerstört, kommt allerdings dort die Produktion zum Erliegen. In dieser Zeit gewinnt aber dafür die Messingschlägerei in Nürnberg neues Renommée so wie besonders im 15. Jahrhundert die Kupferschlägerei von Köln.

Kupfer und Zinn werden aber auch an die Levante ausgeführt.

 

Auch im produzierenden Metallgewerbe nehmen Kapitalkonzentration und Firmengröße zu. Für 1457 ist von Thomas Dountons Londoner Zinnwerkstatt überliefert, dass er 18 Lehrlinge und Lohnarbeiter beschäftigt. (Dyer, S.320)

 

Das metallverarbeitende Handwerk gerät auch in Nürnberg immer mehr in Abhängigkeit von den kapitalintensiv hergestellten Rohstoffen und Halbfabrikaten. Andererseits vermehrt es sich dabei erheblich. Die zwischen Nürnberg und Oberpfalz hergestellten Halbfabrikate wie Stangen, Schienen, Draht und Blech werden eben von Nürnberger Handwerkern zu Fertigprodukten verarbeitet."Die Zahl der Nürnberger Handwerksmeister in der Eisenverarbeitung stieg von 409 im Jahrzehnt 1361-1370 auf 1335 am Ende des 15. Jahrhunderts." Gilomen, S.118). Dabei wird im Metallgewerbe nicht wie im Textilgewerbe nach Einzelschritten in Handwerksbetriebe zerlegt, sondern horizontal in verschiedene Produkte. Dabei setzt sich immer mehr Spezialisierung durch, die um 1500 knapp siebzig Sparten erreicht. Dadurch bleibt der handwerkliche Kleinbetrieb bei aller Abhängigkeit vom Kapital bestehen (Isenmann).

Um 1450 sind rund 45% aller Handwerksmeister Nürnbergs in der Metallverarbeitung tätig, zwei Drittel davon in der Eisenverarbeitung. Insbesondere bei den Messerern (die das Endprodukt zusammensetzen und den Verkauf leisten) stellt sich unterschiedliche Kapitalbildung ein, so dass einzelne Handwerker zu Verlegern aufsteigen. "Die großen Meister und Verleger beschäftigten zusätzlich selbständig tätige Stückwerker, die gegen Akkordlohn (Stückpreis) arbeiteten, und verpflichteten Klingenschmiede und Schleifer über die Vergabe von Krediten und Vorschüssen." (Schulz, S.181) 

 

Einen neuen Aufschwung nimmt auch die Waffenproduktion mit der Erfindung des Schießpulvers und der Artillerie. Worms besitzt bereits im 13. Jahrhundert ein Zeughaus. In Nürnberg und Straßburg, den großen Reichsstädten, werden nun auch in Geschützgießereien Kanonen hergestellt. Aber die Nürnberger Massenware bleiben leichte Brustharnische für Fußsoldaten, für die es im 14. Jahrhundert schon mal Aufträge für mehrere tausend gibt. Überhaupt holt nun die deutsche Rüstungsproduktion auf, während die französische und englische weiter zurückbleibt.

 

Eine massive Zunahme verzeichnet im 15. Jahrhundert der englische Kohlebergbau, in den auch Bischöfe wie der von Durham investieren, und wo das einzelne Bergwerk nun von um die 12 Arbeitern betrieben wird. Oft von Pferden betriebene Pumpen entsorgen dabei das Wasser. Um 1510 schickt Newcastle bereits jährlich um die 40 000 Tonnen Kohle überall hin, insbesondere aber auf dem Seeweg nach London. Kohle ist zu schwer, um es längere Strecken über Land zu ziehen, aber es kann mit Schiffen rentabel transportiert werden.

Ein zweites Kohlerevier steigt mit dem Maasraum um Lüttich langsam auf. Allein die Lütticher Minenbetreiber bilden schon im 14. Jahrhundert eine Zunft, die um die 2000 Mitglieder hat. Außerhalb des Nordwestens Europas bleibt Steinkohle aber vorläufig unbekannt.

 

Lebensmittel

 

Die im 14. Jahrhundert massiv sinkende Bevölkerung führt bei manchen Handelsgütern nur zu kurzfristigen Einbrüchen und Firmenkrisen, aber die Mengen der Massengüter im Nahrungsmittelbereich nehmen natürlich bis ins 15. Jahrhundert erheblich ab. So geht beispielsweise der Getreideanbau in Osteuropa, der den Westen versorgt hatte, deutlich zurück.

Andererseits bleibt eine Schicht, die weiter Luxusgüter nachfragt. Dazu gehören die süßeren Südweine aus Portugal und Südspanien, der Portwein und der Sherry, die sich vor allem in England zunehmender Beliebtheit bei den Wohlhabenden erfreuen, sowie auch im übrigen Westeuropa der Malvasier, erst von der Peloponnes und in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts dann aus Madeira.

 

In Norddeutschland bis nach Holland, Brabant und Flandern nimmt das zunehmend hochkapitalisierte Brauen von gehopftem Bier zu, und Städte wie Hamburg, Gouda oder Leuwen werden zu veritablen Brauereistädten für Exportbier. Mit der Zunahme des Bierkonsums im Norden nimmt dann der Anbau von Gerste wieder zu und es beginnen sich ganze Hopfenlandschaften zu bilden, die ihn massenhaft bis nach England exportieren.

 

Ähnlich gewichtig wie das venezianische Salz ist das Baiensalz von Bourgneuf, welches Nordfrankreich, die Niederlande, England und zum Teil auch Skandinavien versorgt. In deutschen Landen bleiben Lüneburg, Hallein und Halle an der Saale führend, bis schließlich Hall in Tirol dazukommt.

Die Bedeutung des Lüneburger Salzes für die Handelsstadt Lübeck schlägt sich in dem über fünfzig Jahre des 14. Jahrhunderts erbauten Kanal von der Elbe bis zur Trave nieder, der über 50 Kilometer lang wird und zahlreiche Schleusen braucht. Aber Salz ist die Grundlage des riesigen Lübecker Handels: Es geht nach Bergen, von wo gesalzener Kabeljau und Stockfisch zurückgehen, die neunzig Prozent des dortigen Handels ausmachen, besonders aber nach Schonen, wo es die Heringsfischer benötigen. Der Salzhering geht dann auf Hanseschiffen vor allem nach den englischen Häfen Boston und (King's) Lynn. "Im Jahr 1494 wurden etwa 60 000 Fässer, also rund 7600 Tonnen, Salzhering produziert." (Spufford, S.226)

Von großer Bedeutung ist auch die Salzproduktion von Salins in der Franche-Comté. 1329 werden hier von der größten der drei Firmen, der Grande Saunerie,  72 000 Mauleselladungen von je 99 Kilogramm produziert. Mitte des 15. Jahrhunderts, als es mehr Aufzeichnungen gibt, ist die Produktion bereits auf die Hälfte gesunken. An Arbeitskräften steht diese Grande Saunerei immer noch mit rund 600 Arbeitern nur hinter dem Arsenal von Venedig zurück. Alle drei Firmen zusammen erwirtschaften einen Gewinn, der den Einnahmen Philipps ("des Guten") aus dem Herzogtum Burgund und der Grafschaft zusammen entspricht.

 

Bienenhonig ist überall lokal zu haben, aber Bienenwachs für den massenhaften Verbrauch für hochwertige Kerzen ist ein wichtiges Handelsgut der Hanse, Es kommt aus den großen osteuropäischen Wäldern und wird zwischen Nowgorod und dem preußischen Ordensland gehandelt und geht dann per Schiff bis nach Brügge und England. "Gegen Ende des 15. Jhs. wurden über London jährlich rund 100  Tonnen Bienenwachs eingeführt, während in Lynn und Boston etwas mehr direkt aus Lübeck angelandet wurde." (Spufford, S.229)

 

Papier und Druck

 

Mit der Papiermühle beginnt die deutliche Verbilligung des Materials. Nördlich der Alpen taucht sie 1338 in Troyes auf.

1390 richtet der große Teile Europas umgreifende Firmenkomplex von Ulman Stromer in Nürnberg durch Umbau die wohl erste deutsche Papiermühle ein. Man versucht, die Technik geheimzuhalten, was aber nicht lange gelingt. In der beginnenden Neuzeit wird Nürnberg dann auch zu einem Zentrum des Buchdrucks.

 

Um 1500 werden es dann in deutschen Landen rund fünfzig Papiermühlen sein. Dabei bleibt ein erheblicher Kapitalaufwand Voraussetzung, der sich aber offensichtlich wegen des großen Ausstoßes schnell rentiert.

Papier wird dabei allerdings auch nicht ansatzweise so billig wie in der heutigen Fabrikproduktion, aber es wird ein immer bedeutenderes Handelsgut.

 

Kommerzielle Buchproduktion beginnt im 13. Jahrhundert in Städten mit Universitäten, großen Residenzen und in Handelszentren. Bis tief ins 14. Jahrhundert beherrschen gut zwanzig Familien das Buchgeschäft in Paris vom Ankauf von Pergament und Papier über die Beschäftigung von Schreibern und Bebilderern bis zu Buchbindern und dem Verkauf. Verkauft wird alles, was gewünscht wird.

 

Zu der Papierproduktion kommt dann um 1460 (Gutenberg) der Druck mit beweglichen Lettern. In Köln lernt der englische Tuchhändler William Caxton den Buchdruck kennen und bringt dann eine Druckpresse nach Brügge mit.1473/74, wo er eine französische und eine englische Trojageschichte druckt. 1476 richtet er eine Druckerei in Westminster ein. Drucker sind dann auch die Verkäufer der Bücher.

 

Nachdem der Druck Bücher zunächst nur eingeschränkt verbilligt, werden sie dann erheblich preisgünstiger durch Massenproduktion. Das wird im 16. Jahrhundert dazu führen, dass wohlhabendere bürgerlich-protestantische Kreise im 16. Jahrhundert zumindest ein Buch im Haushalt haben werden, eine Bibel nämlich. Das Lesen wird dann auch durch verbesserte Lesebrillen für die einfacher werden, die sie benötigen.

 

Zwischen 1473  und 1513 veröffentlicht der Nürnberg Drucker, Verleger und Buchhändler Anton Koberger bereits mehr als 200 Werke. "Auf dem Höhepunkt seiner Geschäftstätigkeit betrieb er 24 Pressen und beschäftigte über 100 Arbeitskräfte: Setzer, Korrekturleser, Drucker, Illuminatoren und Buchbinder. Er besaß sogar eigene Papiermühlen." (Spufford, S.211)

 

"Kunst": Malerei

 

Der zunehmende Wohlstand führt dazu, dass in Flandern oder in der Toskana immer mehr Malerwerkstätten aus dem Boden schießen, deren Meister im Norden in Lukasgilden zünftig zusammengeschlossen sind oder aber im Süden anderen Zünften angehören. Was später romantisierend unter einem neuen Kunstbegriff zusammengefasst wird, wird so zu einem nicht unerheblichen Gewerbezweig, den nur Reichere nachfragen, der aber immer umsatzstärker wird.

 

Dasselbe gilt für die Produktion von Wandteppichen, die vor allem in Paris, dann in Arras und dann in den einst deutschen Niederlanden floriert. Reich bebildert, versuchen sie mit ihren technischen Möglichkeiten den "Realismus" der Ölmalerei nachzuvollziehen, wobei sie dieselben propagandistischen Ziele wie diese verfolgen, und oft großformatige kriegerische Heldentaten der Vergangenheit feiern. Ähnlich wie die Maler sind die großen Werkstätten in ihren flämischen Zentren in Zünften zusammengeschlossen.

Solche Wandteppiche sind oft noch wesentlich teurer als große Gemälde und ohnehin viel größer. Dafür geben Könige und Fürsten für sie auch viel mehr Geld aus als für Ölmalerei. König Jean II. von Franreich soll zwischen 1350 und 1364 mindestens 235 Tapisserien gekauft haben, Herzog Ludwig von Anjou hat mit 25 Jahren bereits 76 solche erworben und wird dann in einer Pariser Werkstatt unter anderem noch die riesigen, alleine sechs Meter hohen Apokalypse-Teppiche erwerben. Italienische Fürsten und polnische Könige tun es ihnen nach.

 

****

 

Im 15. Jahrhundert gelingt es nach Italien und Burgund vor allem auch in wohlhabenderen deutschen Städten einzelnen Kunsthandwerkern, zu einem gewissen Wohlstand, ja Reichtum bis hin zu Unternehmertum zu gelangen. Da ist Tilman Riemenschneider in Mainfranken und da sind Adam Kraft und Veit Stoß in Nürnberg zum Beispiel. Herausragendes Beispiel ist im Süden wohl Albrecht Dürer.

Sein gleichnamiger Vater kommt 1455 als Goldschmied in Nürnberg an und bedient bald die Reichen und Mächtigen mit herausragenden Kunstwerken. Der Sohn bricht mit 15 Jahren seine Goldschmiedelehre ab und wird Lehrling bei dem renommierten Maler Michael Wohlgemuth. 1490 geht Dürer auf Wanderschaft nach Straßburg, Colmar, Basel und vielleicht auch in die Niederlande. Später wird nocheine Reise nach Venedig und eine Italienreise hinzukommen und 1520/21 eine ausführliche Niederlandreise, immer zu Studienzwecken. Um 1503 hat er seine eigene Werkstatt in Nürnberg, in der spätere Berühmtheiten wie Hans Baldung Grien mitarbeiten. 1509 ist er so wohlhabend, dass er sich für mehr als 500 Gulden ein großes vierstöckiges Haus leisten kann. 1515 bewilligt ihm Kaiser Maximilian I. eine (lebenslange) Leibrente von 100 Gulden. Neben Holzschnitt und Zeichnung und der Malerei ist er Kunsttheoretiker und Mathematiker und mit Größen des deutschen Humanismus auf vertrautem Fuß.

 

Kapitalkonzentration und Massenproduktion

 

In der zweiten Blütezeit des Kapitalismus zwischen 1350 und etwa 1500 breitet sich das Verlagssystem wie eine Krake über Gewerbezweige und ganze Gewerbelandschaften aus. Als zwischen etwa 1360 und 1430 mit politischer Förderung und Kapitaleinsatz mitteleuropäische Barchentproduktion die norditalienische überflügelt, entwickelt sich diese gleich im Verlagswesen.  Barchent ist ein Textilgewebe aus leinenen Kettfäden und Schussfäden aus Baumwolle. Es ist billiger als Wolltücher und durch Struktur wie Färbemöglichkeiten gefääliger für die neuen und immer wichtiger werdenden Modegewohnheiten.

Innerhalb von einer Generation erobert Barchent das oberschwäbische Leinwandrevier mit Ulm, Augsburg, Memmingen und anderen Städten und wird dort zum größten Gewerbezweig.

 

Im Runtingerbuch listet der Regensburger Kaufmann Mathäus Runtinger (1350-1407) Verlagsverträge mit sieben Barchentwebern auf, deren erster so lautet: Es kaufte der alte Eyselein von mir am Mittwoch vor dem St.Laurentiustag 3 Zentner Baumwolle, je 1 Zentner für 11 Barchente weniger ¼, insgesamt 32 ¼ Barchente. Diese Barchente soll er mir bis Weihnachten liefern. Mir gab der alte Eyselein 33 Barchente am Weihnachtsabend. Ich bleibe dem Eyselein ¾ eines Barchents schuldig. (Engel/Jacb, S. 273).

 

Zumindest die Rohstofflieferung und der Handel mit dem Fertigprodukt liegen in der Hand größerer Kapitalien. Dazu gehört Massenproduktion nach einheitlichen und dem Markt bekannten Qualitätsstandarden. Die Ware wird immer weniger nur auf Messen verkauft, sondern direkt in den Städten, wo die Kunden sitzen.

 

Leinenreviere verbleiben insbesondere in Nordostdeutschland, in Sachsen zum Beispiel, wo einfache Leintücher hergestellt werden, dann nach Süddeutschland geschickt werden, um dort veredelt zu werden. Auch da tritt Kapital dazwischen.

Eine Metropole der Barchentproduktion ist zunächst auch Köln, bis es sich dann stärker auf die Seidentücher konzentriert.

 

Mitte des 15. Jahrhunderts besitzen in Yorkshire nur noch die Hälfte der Weber ihren eigenen Webstuhl. Einzelne Unternehmer-Magnaten besitzen dann gleich mehrere Walkmühlen. Ein Thomas Paycocke ist 1518 so reich, dass er nebenbei in seinem Testament jedem einzelnen Scherer, Kämmer, Kardierer, Spinner, Weber und Walker 12 Pennies vermachen kann. (Dyer, S.326) Wenn ein solcher Unternehmer bei seinem Wohnhaus dann Spinnhäuser, Walkmühle, Färberhäuser und sonstige Handwerker in der Nähe versammelt, hat er fast schon eine Fabrik zusammen.

 

Die Kapitalkonzentration in der Stadt und das Verlagssystem greifen im Textilbereich auf das Land über und verwandeln es teilweise in Gewerbegebiete. Im östlichen Mitteldeutschland entstehen reine Weberdörfer. Das Bergische Land mit seinem Wasserreichtum liefert für die Kölner Produktion von Textilien und Lederwaren Walkmühlen, Lohnmühlen, Färbereien und Bleichen. In einem sehr weiten Wortsinn lässt sich von der partiellen Industrialisierung ganzer ländlicher Regionen reden.

 

"1408 faillierte z.B. die Firma des Kaspar Vetter, dessen Geschlecht zu den reichsten Familien Rothenburgs und Donauwörths gehörte, bankrott gingen die Nürnberger Gesellschaften Stromer-Ortlieb und Kamerer-Seiler. Im folgenden Jahrzehnt verschwanden weitere Nürnberger Familien - die Kreß, Pirckheimer und Mandel - aus dem Handel in Venedig und Lübeck, den sie über Jahrzehnte bestimmt hatten." (Fuhrmann in Dirlheimer, S.184)

 

Daneben wird der Bergbau dadurch kapitalintensiver, dass mit dem tieferen Eindringen in die Erde dort mit dem eindringenden Wasser gerungen werden muss. Dasselbe betrifft die immer kunstvolleren Hochöfen sowie Saigerhütten und ähnliches. (Siehe Großkapitel Stadt 7, Nürnberg)

 

Das Saigerverfahren verbreitet sich dann. Ab 1472 schließen sich "mehrere Grafen von Mansfeld und von Henneberg mit technischen und kaufmännischen Unternehmern in Gesellschaften zum Betrieb von Saigerhütten" im Mansfelder Land und überhaupt im Thüringer Wald zusammen. (Schubert, S.11) Ende des 15. Jahrhunderts wird Jakob Fugger damit in Schwaz (Tirol) erhebliche Summen einnehmen.

 

Ähnliches wie für Nürnberg lässt sich von Köln sagen. Kölner und Aachener Unternehmer gewinnen die Kontrolle über die Eisen- und Bleigewinnung in der Nordeifel. Kölner Kaufleute gewinnen Einfluss "auf siegerländische und nassauische Eisenproduktionsstätten, auf die Stahlreviere von Brekkerfeld, Attendorn und Rademvorwald. Durch Monopolverträge sicherte sich Köln 1463 die gesamte Produktion der dortigen Stahlschmiedegilden." (Isenmann, S. 355)

 

Kaufleute betreiben in Rostock die Werften und zunehmend die großen Brauereien Norddeutschlands.

 

Druckereien im ausgehenden 15. Jahrhundert bleiben meist noch eher kleine Betriebe, aber wie Koberger in Nürnberg gibt es erste, die an mehreren Orten eine größere Zahl von Gesellen beschäftigen. In der Regel produzieren solche oft an Universitäten ausgebildete Leute, nicht selten Kleriker, die Bücher nicht nur, sondern verkaufen sie auch.

 

Wenn in der Produktion von Metall- und Tongefäßen das Personal über zwei bis drei Leute hinausgeht, wird bereits die Größe eines üblichen mittelalterlichen Handwerksbetriebes überschritten. Bei einem Betrieb, der im späten Mittelalter Gerätschaften und Gefäße aus Zinn herstellt, und der zwischen zehn und zwanzig Leute beschäftigt, nähern wir uns fabrikmäßigen Verhältnissen, wie auch dort, wo Mühlen verschiedene metallverarbeitende Produktionslinien gleichzeitig bedienen. Dazu gehört, dass Mühlen Ende des 15. Jahrhunderts gleichzeitig Schmiedehämmer und Blasebälge bedienen und so Gußeisen herstellen können.

 

Solche Betriebsgrößen und Mühlanlagen verlangen mehr als das minimale Kapital, mit dem Handwerksbetriebe normal ausgestattet sind. Hier konzentriert sich Kapital nicht mehr nur in Finanz- und Handelsunternehmen, sondern in der Produktion selbst, und es ist nicht mehr vor allem Adel, der hier investiert, sondern eben zunehmend Bürgertum. So schließen sich 1417 in Rostock Kaufleute zu einer Firma zusammen, die 14 Mühlen aufkauft und durch einen Mühlenmeister bewirtschaften lässt. (Isenmann, S.356)

 

Während die Manufakturen der frühen Neuzeit zum großen Teil fürstlich subventionierte Luxusproduktion betreiben (Gobelins, Porzellan etc.), sind die größeren und kapitalkräftigeren Produktions-Firmen des späten Mittelalters vorwiegend auf Massenproduktion mittlerer und unterer Qualität aus. Das verlangt natürlich Massenkonsum an Gebrauchswaren und entsprechend kaufkräftige Massen, wie sie im 15. Jahrhundert üblich werden. Der Kapitalismus führt unübersehbar zu steigendem Wohlstand breiterer Schichten bis ins Handwerk und dem wohlhabenderen Teil der Bauernschaft.

 

Kapitalkonzentration führt in einzelnen Branchen zur Firmenkonzentration. Die Zahl der Töpfereien geht zurück und die übriggebliebenen haben entsprechend höheren Ausstoß.

In großen Städten differenzieren sich im Exportgewerbe arme und reiche Handwerksbetriebe heraus. In Köln gehen reichere Weberbetriebe dazu über, wie Verleger über arme Betriebe zu verfügen. "In Straßburg gingen aus dem Kreis reicher Handwerker die Tucher hervor, die Spinner und Weber für sich arbeiten ließen und nur noch die Produktion leiteten und kontrollierten."(Isenmann, S.356)

Seit etwa 1440 entstehen in Görlitz in der Tuchproduktion "Meistereien" in den Händen von reichen Meistern und Kaufleuten, die schon an Manufakturen gemahnen (Karl Czok in: Beiträge 2, S.107). Es sind Betriebe, "in denen abhängige Meister, gelernte und ungelernte Hilfskräfte Tuch im kompletten Fertigungsprozess herstellen." (Isenmann, S.356)

 

Bei den Brauern in Oxford führt das von einer Zahl von über 250 im Jahre 1311 zu ungefähr 24 im frühen 16. Jahrhundert. Ein wesentlicher Grund ist die Nutzung des Hopfens für die Bierproduktion, wobei niederländisches Bier das englische Ale zurückdrängt. Mit Hopfen gebrautes Bier schmeckt nicht nur anders, sondern bedeutet erheblich erhöhte Haltbarkeit. Damit kann Bier auch für fernere Märkte produziert und dorthin transportiert werden. Es wird zum Massenprodukt selbst für Handel über Regionen hinweg. Und da die neuartigen Braukessel über 20 Pfund kosten, wird das Brauen großer Mengen nun zur Sache kapitalkräftiger Unternehmer, auch wenn das Ale nicht ganz vom Markt verschwindet.

 

Ein Gutteil der Produktion der nunmehr schnell aufsteigenden englischen Tuchproduktion bedient solche Massen, und wo wie in Flandern vornehmlich hochwertige Stoffe hergestellt wurden, bricht nun englische billige Exportware für die Massen der Unterschicht ein.

 

Das gemahnt schon etwas an den viel breiter angelegten Massenkonsum der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts insbesondere in den USA, während der der zweiten Hälfte desselben Jahrhunderts mit seiner globalisierten Arbeitsteilung immer mehr Quantität mit stetig sinkender Qualität verbinden wird und mit zunehmenden Zwängen: Wer neue Konsumwaren nicht mehr bezieht, scheidet aus dem Arbeitsmarkt und inzwischen auch aus der Welt schneller "Informationen" aus.

 

An Moden orientiertes Konsumverhalten charakterisiert schon den Adel des hohen Mittelalters, insbesondere als in der Zeit des gotischen Stils die modischen Veränderungen sich beschleunigen. Die städtischen Bürger ziehen so schnell mit, wie sie können, was insbesondere die Kleidermoden angeht, was das Tuch- und Schneidergewerbe massiv fördert, auch dadurch, dass man nun nach Möglichkeit mehr Kleidungsstücke zum wechseln besitzt, insbesondere bei leinener Unterbekleidung, Bettwäsche und Tischwäsche. Am Ende des Mittelalters gibt es auch für kleinere Geldbeutel modische Waren kleiner Größe, die in England die haberdasher von den mercer ablösen. Hauben, Hüte, Börsen, Haarnadeln und Schnallen gehören dazu, die in einer Art Massen- und Serienproduktion bei verminderter Qualität zum gesteigerten Konsumverhalten einladen. Dazu kommen Strumpfhalter und -bänder, Busenbänder und -tücher, Seidentücher usw.

 

Zünftiges Handwerk in deutschen Landen (in Arbeit)

 

Im 15. Jahrhundert prägen nicht nur Kirchen und immer repräsentativere Steinbauten vornehmer Geschlechter und Kapitaleigner das Stadtbild, sondern auch die Zunfthäuser, nach deren Gewerbe oft die Straßen benannt werden. Hier wird bei Speis und (vor allem auch) Trank beraten und gefeiert. Daneben sind die Zünfte in den jeweils von ihnen bevorzugten Kirchen mit Altären und Kapellen präsent. 

Das Selbstbewusstsein des Handwerks spiegelt sich auch in einem steigenden Bildungsniveau, welches neben Lesen und Schreiben und den gewerblichen Fachkenntnissen zu einem weiteren Horizont führt. Dazu kommt mit dem Meistersang ein volkstümlich-künstlerisches Feld. Der wird in eigenen Singschulen erlernt, wo Strophenform, Melodie und andere Regeln vorgegeben werden. Danach sind Meistersinger in eigenen Bruderschaften vereint. Selbständiger Gesang wird dann über Literaturkenntnisse und andere Anregungen erworben.

Daneben ist das Handwerk führend in der Fastnacht in den Umzügen, beim Mummenschanz, bei Tänzen und bei den Fastnachtspielen vertreten,die allerdings gerne und insbesondere nach der Reformation von der Obrigkeit verboten werden.

 

Die Zünfte pendeln zwischen der Funktion, Interessenvertretung ihres Gewerbes zu sein, und der, durch ihre Unterordnung unter Rat und politisches Großkapital als Instrument der Kontrolle durch die Obrigkeit zu funktionieren. Ein florierendes Handwerk ist dabei im Kern durchaus im Interesse der politisch wie wirtschaftlich Mächtigen, ganz anders als im 19. und 20. Jahrhundert, als diese das produktive Handwerk zur Gänze untergehen lassen.

 

Es gibt also Gemeinsamkeiten im Interesse. Politisch kann es zum Beispiel aus Gründen des inneren Friedens manchmal sinnvoll erscheinen, Innovationen zu vermeiden. 1412/13 verbietet so der Kölner Rat die Einfuhr von Seidenzwirnmühlen durch den süddeutschen Kaufmann Walter Kesinger (Dirlmeier, S.36), um nicht zu viele Arbeitsplätze zu gefährden. Genausogut kann aber eine vom Patriziat streng regierte und Handwerkervereinigungen massiv unterdrückende Stadt wie Nürnberg Innovationen zum Beispiel im Metallbereich fördern.

 

Rat und Zünfte sind sich zunehmend einig in der Einschränkung der Konkurrenz, die den kleinen Handwerksbetrieb schützt. Dies geschieht durch massive Begrenzung der Betriebsgröße, des Großgeräts wie der Webstühle, durch Absatzquoten, Verteilung der Aufträge durch die Zunft, kollektiven Messebesuch oder das Verhandeln nicht selbst produzierter Waren wie das Verbot von Werbung (Isenmann, S.344). Zudem kann die Menge und der Preis beim Rohstoffkauf reguliert werden, die Lohnkosten und Marktpreise können limitiert werden und, was ganz zentral ist, die Qualität wird kontrolliert.

 

Die Einschränkung der Konkurrenz betrifft den Zuzug neuer Handwerker, aber oft auch den wirtschaftlichen Ausschluss von Handwerkern im Umland. In einer Chronik von 1411 heißt es, dass ...kein Bürger hier zu Augsburg, weder reich noch arm, weder Kaufleute noch andere Bürger, mit einem Weber, der auf dem Lande innerhalb von drei Meilen rings um die Stadt ansässig ist, irgendwelche Zusammenarbeit oder Geschäfte unterhalten soll. (Engel/Jacob, S. 314) 1470 verfügt der Kurfürst von Sachsen, dass auf eine Meile Weges um Chemnitz herum kein Handwerker wohnen und dort sein Handwerk betreiben soll und dass kein Dorfgastwirt selbst brauen oder fremdes Bier, es sei denn Chemnitzer Bier, das ganze Jahr über aussschenken soll. (Engel/Jacob, S. 315) So kann im Zusammenspiel von Fürst und städtischer Obrigkeit das Gewerbe und der Einzug von Abgaben besser kontrolliert werden.

 

In der Wirklichkeit gibt es aber einen massiven Widerspruch zwischen dem Schutz des (kleinen) Handwerksbetriebes, wie ihn Zünfte und Räte formulieren, und seiner Gefährung durch Abhängigwerden einmal vom Handelskapital und zum anderen von reich gewordenem Handwerk selbst.

 

Innerhalb der Städte wird hingegen auf bürgerlichen Wunsch die Konkurrenz der Klöster, der Laienorden der Teriarier und die der Beginen beschränkt, indem letzteren zum Beispiel die Anzahl der Webstühle vorgeschrieben wird. Bei etwa 106 Beginenhäusern im Köln des 15. Jahrhunderts und etwa 1.500 Beginen spielt deren Wirtschaftskraft durchaus eine Rolle.

 

Die vielen Regulierungen sollen das Handwerk schützen, aber sie schützen zumindest Teile davon auch weiterhin nicht vor Armut. In einer Augsburger Chronik von 1397 heißt es: … denn es waren sehr viele arme, zu Grunde gerichtete Weber in der Stadt, und man meinte, die Weber hätten gern in der Stadt Mord gestiftet, um ihre Geldschulden loszuwerden. (Engel/Jacob, S. 297)

 

****Gesellen****

 

Gesellen sind einem Meister zugeordnete Arbeitskräfte, die auf dem Weg in die (sogenannte) Neuzeit zunehmend weniger Kost und Logis und stärker ersatzweise einen kleinen Lohn erhalten. Ihre Bindung an Meister, ihre fachspezifische Ausbildung samt Kenntnissen und Fertigkeiten unterscheiden sie von einem beliebig einsetzbaren Industrieproletariat. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein, andererseits stehen sie außerhalb der politischen Verfasstheit der Städte, an der bestenfalls Meister partizipieren.

 

Seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts bilden sie analog zu den Zünften eigene Gesellenvereinigungen aus, um ihre Interessen zu vertreten. Voreiter sind Schuhmacher, Schneider, Schmiede und Bäcker. Man organisiert Treffen, hilft wandernden Gesellen-Kollegen, gute Meister zu finden, boykottiert unehrliche Meister, richtet eigene Trinkstuben ein. Mit gemeinsamer Kasse werden Plätze in Spitälern erworben und Herbergen für wandernde Gesellen eingerichtet. 

Boykott schlechter Meister und punktuelle, eher seltene Streiks führen zur Verfolgung der Gesellenvereine durch die Zünfte und die städtische Obrigkeit.

In der Konsequenz entwickeln sich Gesellenvereine oft zu (religiös eingefassten) Bruderschaften. Schulz beschreibt für um 1500, wie die Bruderschaft der Colmarer Bäckergesellen über die Stiftungen großer und sehr teurer Prozessionskerzen (in einem Fall 124 Gulden) mit den Badergesellen um den prominenten Ehrenplatz bei der Fronleichnamsprozession konkurrieren (Schulz, S.252f)

 

Die Wanderung als Teil des Gesellendaseins setzt sich im 15. Jahrhundert immer mehr durch, verpflichtend wird es allerdings erst im Verlauf des 16. Die meisten Wanderungen betreffen den deutschen Sprachraum, der auch dadurch stärker (wenn auch nicht politisch) zusammenwächst. Nicht wenige schaffen es aber auch bis London, nach Norwegen, in französische Städte, insbesondere auch nach Rom. Im 16. Jahrhundert mit seinem zunehmenden Nationalismus, seiner Fremdenfeindlichkeit und der zunehmenden konfessionellen Bigotterie schwindet dieser europäische Radius.

 

****Krämer****

 

Einen Sonderfall stellen in den Städten die Krämer dar, die von der Größe her oft in etwa einem Handwerksbetrieb entsprechen und wie dieser dem Zunftzwang unterliegen. Im Unterschied zum Handwerker verkaufen sie aber nicht Selbstproduziertes, sondern ein gemischtes Angebot an Waren (nur) aus anderen Orten. Dabei unterliegen sie eigentlich im Unterschied zum Großhandel dem Marktzwang, aber sie tendieren auch dazu, von zuhause aus zu verkaufen. Vor der Übermacht des Großhandels werden sie dadurch geschützt, dass diesem wiederum der Kleinhandel untersagt ist.

 

Der Mangel an umlaufender Münze tendiert dazu, dass Krämer auf Kredit einkaufen und auch wieder verkaufen. Dabei können dann in der Spätzeit der zweiten Blüte des mittelalterlichen Kapitalismus erhebliche Umsätze erreicht werden, was manchmal dazu führt, dass sie Zutritt zu der politischen Macht in der Stadt gewinnen.