EINE NEUE ZEIT? (1500-1650)

  

 

Neuzeit?

Expansion: Kolonien und Weltmacht-Phantasien (1500-1550)

Reformationen Eine Zusammenfassung (1500-1555)

Staat und Nation

Großmacht-Politik (1500-1550)

Der Krieg

Staatsfinanzen 

Kapital und Macht

Fürstliche Prachtentfaltung (Papsttum / Brandenburg)

Gemeinwohl?

Öffentliche Wohlfahrt und Sozialdisziplinierung

Deutsche Fürstentümer  (Wettiner / Kurfürst August von Sachsen)

Fürstliche Justiz

Adel und spätes Rittertum

 

Großmacht-Politik 1556-1618

Staaten und Staatstheorien

Kolonien

Kapital und Macht

Adel

Justiz

Kirche

 

1618-48 Großmacht-Politik und Dreißigjähriger Krieg

Kolonien

England

Frankreich

Nationalismus

 

 

 

Neuzeit?

 

Irgendwann zwischen 1400 und 1500 verabschieden Avantgardisten der neuesten Moden das Mittelalter, indem sie es erfinden. Es wird dann das Programm entworfen, die dunkle Zeit germanischer Barbarei durch Wiedererweckung einer wie auch immer gemeinten Antike hinter sich zu lassen. Dabei bekommen die meisten Menschen im nunmehr langsam weniger lateinischen Abendland von solchen Äußerungen nichts mit.

 

Eine sinnvollere Epocheneinteilung für jenen Großraum, in dem sich Voraussetzungen für Kapitalismus entwickeln und dann dieser selbst sich entfaltet, scheint mir die zu sein, von einer sich von den orientalischen Despotien absetzenden abendländische Antike von etwa 1000/800 vor der Zeitenwende bis ca 400/450 danach zu sprechen, von einer Nachantike in dem bald durch die islamische Expansion reduzierten Raum bis nach 900,  und von einem ersten kapitalistischen Zeitalter, welches im 18. Jahrhundert ausläuft und durch eine gewaltige Industrialisierung und Säkularisierung abgelöst wird. Das wäre eine sinnvolle Nutzung des Wortes Mittelalter.

 

Man könnte auch mit dem späten 10. Jahrhundert eine Entwicklung einsetzen zu sehen, die bis heute linear und relativ bruchlos anhält. Der immer heftiger triumphierende Kapitalismus wird dabei begleitet von globaler Bevölkerungsvermehrung, Zerstörung aller noch existierenden Kulturen weltweit und immer massiverer Zerstörung des Lebensraums Erde. Wenn man einen Endpunkt sehen möchte, dann wäre der das völlige Verschwinden der Zivilisation des ehedem lateinischen Abendlandes im 20./21. Jahrhundert.

 

Es erscheint auf jeden Fall wenig sinnvoll, Epochalisierung durch eine sogenannte "Geistesgeschichte" bestimmen zu lassen, die nur ganz wenig Leute erreicht und die selbst zwischen etwa 1400 und 1800 nur eine geringe Rolle für Veränderung spielt. Fernand Braudel schreibt dazu:

Angenommen, wir besuchten Voltaire in Fernay und ließen uns in eine längere Unterhaltung ein, so würden uns seine Gedanken wohl kaum überraschen. Denn in seinen Ideen und Vorstellungen sind die Menschen des 18. Jahrhunderts unsere Zeitgenossen. (...) Blieben wir indessen auf Einladung des Hausherrn ein paar Tage in Ferney, würden uns alle Vorgänge des Alltags einschließlich der Körperpflege des Gastgebers verblüffen und befremden. Zwischen ihm und uns würde sich eine ungeheure Kluft auftun: Abendbeleuchtung, Heizung, Transportmittel, Ernährung, Krankheiten, ärztliche Behandlung, alles wäre für uns ungewohnt. (...) Letztlich erfolgt erst mit der allumfassenden Neugestaltung der Welt im 19. Jahrhundert der Bruch, die Neuerung, die Revolution auf der großen Linie des Möglichen und des Unmöglichen. (I, S.12) 

 

Das Mittelalter endet weder im 15. noch im 16. Jahrhundert, sondern es läuft für die meisten Menschen im bislang lateinischen Abendland frühestens erst im 18./19. Jahrhundert aus. Festzustellen ist mit Michael Erbe auch von heute aus: "In vielerlei Hinsicht bleiben nach 1500 die Grundstrukturen des mittelalterlichen Europas noch lange erhalten. Ohne die Kenntnis der mittelalterlichen Besonderheiten der abendländischen Geschichte sind das 16. und 17. Jh. oft schwer zu verstehen" (.. Erbe, S.11)

 

Kolonien gibt es verstärkt wieder seit der Zeit der Kreuzzüge, aber Kolonisierung war schon Sache der Antike gewesen. Und die stärkere Einbeziehung Afrikas und Asiens und der neue Markt in den Amerikas im 16. Jahrhundert sind nur die beschleunigte Erweiterung von Vorgängen, die schon in der Antike begannen und nie ganz aufgehört haben.

 

Gewiss: Inzwischen haben die Osmanen Byzanz erobert, Columbus macht sich von Italien nach Spanien auf, wo Handels- und Finanzkapital jetzt immer unternehmungslustiger werden, und dann auf den Seeweg nach Indien. Mit der Eroberung von Granada geht die Vereinigung von Kastilien und Aragon unter den "katholischen Königen" einher. Macchiavelli schreibt mit dem 'Fürsten' (Il Principe) den ersten an Empirie orientierten und nicht mehr bloß normativen politischen Text und Luther wird sich an die Rettung der Christenheit machen

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Aber das einzige wirklich einschneidende Ereignis, das Ende der Osthälfte des römischen Reiches tausend Jahre nach dem Umschwung im Westen, der viel weniger ein Ende war, und die Islamisierung und Orientalisierung dieses nunmehr für immer verschwundenen Reiches wird von den Herstellern von Epochalisierung fast völlig übersehen. Für die Entwicklung des Kapitalismus spielt aber auch dieses Ereignis kaum eine Rolle.

 

Mit dem behelfsmäßigen Begriff der Moderne wäre dann das durch Großindustrie gekennzeichnete Zeitalter danach und bis heute zu benennen, dessen radikale Veränderungen durch den Untergang der bäuerlichen Landwirtschaft und des produktiven Handwerks sowie des Krämergewerbes gekennzeichnet ist. Die direkte Unterwerfung aller unter das Kapital und seine Bewegungen bedeutet dabei nicht nur wirtschaftliche Unselbständigkeit für fast alle, sondern auch den Aufstieg totalitärer, dass heißt alle Lebensbereiche durchdringender Staaten. Indem diese zu schieren Agenturen der Kapitalbewegungen werden, lässt sich von einem Vorgang immer radikalerer Entzivilisierung sprechen, an dessen Ende offensichtlich das Aussterben der abendländischen Völkerschaften steht, die zunächst alleinige  Träger des Kapitalismus waren, und dem ähnlich absehbaren Ende des Lebensraumes eines ausgeplünderten Planeten Erde. Nichts spricht mehr dafür, dass diese beiden Entwicklungen noch aufzuhalten wären.

 

Wenn man den Beginn einer Neuzeit irgendwo punktuell festmachen will, dann sind es für das nun nicht mehr lateinische Abendland die Ereignisse um 1789-95, die formulieren, alle Vorrechte abzuschaffen, um so einen Zustand der allgemeinen Rechtslosigkeit zu proklamieren, der postwendend durch die Verleihung von jederzeit einschränkbaren allgemeinen Gnadenrechten durch die Staatsmacht wieder beseitigt wird. Das markiert zwar nicht Ursache, sondern Wirkung von Entwicklungen, die sich im wirtschaftlichen Raum vollzogen haben und weiter vollziehen, weswegen dieser neue, verdeckt totalitäre Staat sich überall nur langsam unter dem Schlagwort Demokratie entwickelt und aufgrund seiner Unfähigkeit, ein jeweils erwartetes Konsumniveau dauerhaft zu halten, immer wieder durch offen terroristische Diktaturen abgelöst wird, wie sie auf dem größten Teil des Planeten ohnehin längst vorherrschen.

 

Bei genauerem Hinsehen ist aber eine Moderne andererseits das, was im 10. Jahrhundert an einigen Orten einsetzt und dann immer mehr überhand nimmt: Unaufhörliche und tendentiell immer schnellere Modernisierung durch Kapitaleinsatz, das, was im eigentlichen Wortsinn eine einzige und die einzig wirkliche Revolution in den letzten 10 Jahrtausenden darstellt. Sie anzuhalten wäre der erste Schritt auf dem Weg zum Überleben der Menschen als Gattung, und nur insoweit hat die Geschichtsbetrachtung von Karl Marx recht behalten, aber wohl zu spät.

 

Um es noch einmal deutlich zu machen: Für die meisten Menschen des lateinischen Abendlandes fängt weder mit Kolumbus noch mit Macchiavelli eine Neuzeit an, sondern sie leben in einem bruchlosen Kontinuum, das wesentlich von der Entwicklung des Kapitalismus und zudem von Fürsten und Königen bestimmt wird. Sie kommen auch fast alle bis ins 18. Jahrhundert mit keinem wissenschaftlich geprägten Weltbild in Kontakt. Manchmal wird die sogenannte Kopernikanische Wende als eine Art Neuanfang propagiert. Diese findet 1542 mit dem Hauptwerk des Koppernigk/Kopernikus zwar ihren Text, aber kaum Leser. Vor dem 17. Jahrhundert wird die Vorstellung eines sonnenzentrierten Systems von Himmelskörpern praktisch nicht wahrgenommen und frühestens im 18. Jahrhundert erreicht sie andere Leute als die wenigen Gelehrten. 

 

Motor der Entwicklung bleiben weiter die Bewegungen des Kapitals, hinter denen Landbewirtschaftung zur Nahrungsmittel-Produktion längst zurückgetreten ist, auch wenn in vielen Gegenden über 80% in Dörfern auf dem Lande leben.. Aber bis ins 18./19. Jahrhundert bleiben sie in ein Korsett feudaler Strukturen eingebettet, mit Königen und Fürsten und einem privilegierten Adel, der in Kirche und Militär die führenden Positionen einnimmt. Diese eigentlich immer hohler werdenden feudalen Verhältnisse werden zunehmend nicht mehr nur religiös, sondern auch rationaler begründet und bleiben insgesamt stabil. 

 

 

Expansion: Kolonialismus und Weltmacht-Phantasien

 

Der Westen

Das Überschreiten von Kontinenten kannte schon das antike römische Imperium, und es taucht im Mittelalter in der Auseinandersetzung mit der islamischen Welt wieder auf.

Bislang sind in der Kartographie Orientalen und Chinesen überlegen. Aufgrund seiner überlegenen Infrastruktur gilt das bsonders für chinesische Karten.

 

Im 15. Jahrhundert setzen aus Abenteuerlust, Neugier und Gier nach Geld und Macht portugiesische Entdeckungsfahrten ein, welche die Westküste Afrikas und die Kanaren betreffen. 

 

1488 erreicht der Portugiese Bartolomeu Diaz das Kap der Guten Hoffnung.

Ab 1492 gelangt Kolumbus nach Mittelamerika.

1494 teilt der Vertrag von Tordesillas zwischen Spanien und Portugal die westliche Erdhälfte auf.

 

Die Küsten Afrikas und die beiden Amerikas werden die Opfer brutalster Söldnerheere, die der Ausplünderung, Unterjochung und teilweisen Ausrottung ganzer Völkerschaften dienen. Das kapitalistische Europa überzieht beide Kontinente mit einem grausamen Terror und etabliert dort Plantagenwirtschaft mit Sklavenarbeit. Während in Europa der Kapitalismus sich immer weiter entfaltet, kehrt man auf den beiden anderen Kontinenten vor allem zum Großgrundbesitz als Quelle des Reichtums zurück. 

 

Als Reaktion auf einen Reisebericht des Florentiners Amerigo Vespucci erscheint 1507 die 'Einführung zur Kosmographie'  des Matthias Ringmann samt Weltkarte und Globus des Freiburgers Martin Waldseemüller.

Darin heißt es: Nun sind aber die Erdteile umfassender erforscht und ein anderer vierter Erdteil ist durch Americus Vesputius entdeckt worden. Ich wüsste nicht, warum jemand mit Recht etwas dagegen einwenden könnte, diesen Erdteil nach seinem Entdecker Americus, einem Mann von Erfindungsreichtum und klugem Verstand, Amerige, nämlich Land des Americus, oder America zu nennen. (in: Freiburg, S.292)

 

1517 erreicht Hernán Cortés Tenochtitlan mit seinen 200 000 Einwohnern, welches 1521 erobert und dem Erdboden gleich gemacht wird. Azteken-Ausstellung in Brüssel. In Zentralmexiko sinkt die Bevölkerung von 16 Millionen 1532 auf eine Million 1608. Bis etwa 1650 wandern rund 440 000 Spanier ein. (Kleinschmidt, S.56) 

1529 zieht Francisco Pizarro über die Anden und vernichtet das Inkareich. Dort wird die indigene Bevölkerung massiv verringert.

Es folgt die spanische Eroberung ganz Mittel- und Südamerikas durch Söldnerheere mit Ausnahme des portugiesischen Brasiliens. 

 

In Sevilla entsteht die Casa de Contratación für Schiffahrt und Überseehandel und dann der Consejo de las Indias für die politische Verwaltung in Amerika.

Die spanischen Gebiete werden in Vizekönigreiche aufgeteilt, 1535 Neuspanien (Mexiko) und 1543 Peru, und die wieder in audiencias. Die Verwaltung übernehmen aus der Metropole entsandte Beamte und nicht die einheimischen Kolonisten, weswegen die Eliten in den Kolonien ein Eigenleben beginnen.

Indios werden in encomiendas als Arbeitskräfte abgeordnet wie auch in die Silberminen Mexicos und Perus. Plantagenwirtschaft mit Zuckerrohr, Tabak, Baumwolle etc.

Der Dominikaner Bartolomé de las Casas tritt vergeblich für eine Besserung der Lage der Eingeborenen ein. Der Kaiser ist an Rohstoffen und entrechteter Arbeitskraft interessiert. 

1529 teilen Spanien und Portugal die Welt erneut in ihre Interessensphären auf. 

 

Derweil setzen sich Engländer und Franzosen in Nordamerika fest. Zwischen 1500  und 1800 sinkt die indigene Bevölkerung von 5 Millionen auf 60 000. Bis etwa 1700 wandern rund 140 000 englische Siedler ein.(Kleinschmidt, S.56)

 

Während in Europa der Kapitalismus sich immer weiter entfaltet, kehrt man auf den beiden anderen Kontinenten vor allem zum Großgrundbesitz als Quelle des Reichtums zurück.

 

1542 setzt Karl V. in den Leyes Nuevos ein Verbot der Versklavung der Indigenen seines Amerikas durch, die aber schon drei Jahre später auf Druck der Kolonisten entschärft werden.

 

Asien

Auf der anderen Seite werden die islamischen Reiche ausgespart, und es geht Richtung Osten. Russland führt Eroberungskriege, die zur Einverleibung großer Teile Nordosteuropas und einiger Völkerschaften führt. Der brutale Despot Iwan ("der Schreckliche") legt die Grundlagen für die folgende Ostausdehnung, die den Ural überschreitet und Ende des 16. Jahrhundert den Nordwesten Asiens erobert, was mit der Unterdrückung und langsamen Russifizierung nordasiatischer Völkerschaften einhergeht. 

 

1497/98 erreicht Vasco da Gama Indien, und 1517 wird Südchina erreicht. 

1519-22 gelingt Magalhaes und El Cano im Auftrag Karls V. die erste Weltumseglung. Karl schreibt an Margarete von Österreich:

Die Flotte, die ich vor drei Jahren zu den Gewürzinseln ausgeschickt habe, ist zurückgekehrt. Sie hat den Ort erreicht, an dem niemals zuvor Portugiesen oder eine andere Nation gewesen sind. Sie haben ein Schiff mitgebracht, beladen mit Gewürznelken und allen anderen Sorten von Gewürzen wie Pfeffer, Zimt, Ingwer, Muskat und Sandelholz. Auf den Inseln befinden sich auch Perlen und Gold. (in: Schilling, S.270)

Damit wird deutlich, was den König/Kaiser am "Zeitalter der Entdeckungen" interessiert.

 

Durch den indischen Ozean gelangt Portugal zu den Küsten (Ost) Indiens,Ceylons, dann Hinterindiens und der indonesischen Inselwelt mit Sumatra und bis zur Straße von Malakka. Oft ist beim Zugang zu den Gewürzmärkten Gewalt im Spiel. Zum Gewürzhandel kommen Einnahmen aus Zoll, Steuern und Tributen.- Zunehmend kommt privates, auch außer-portugiesisches Kapital ins Spiel. Die Gewürzproduktion steigt erheblich an.

Neben Gewürzen für Europa werden Luxuswaren und Gewürze nach Ostasien bis China exportiert.

 

Schließlich erreichen die Spanier die Philippinen und den pazifischen Ozean. Zwischen 1521 und der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts werden die Philippinen langsam zur Gänze erobert.

 

 

Reformationen: Eine Zusammenfassung

 

Neben der Expansion europäischer Herrscher auf andere Kontinente und der Etablierung von immer mehr Staatlichkeit in ihren Herrschaftsgebieten ist die Reformation der große Veränderer in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. In gewissem Sinne ist sie Fortsetzung der Frömmigkeitsbewegungen des bisherigen Mittelalters, wobei diese nun nicht mehr in der römischen Kirche zu halten sind. Indem sie in den protestantischen Ländern ein neuartiges und an die veränderten Verhältnisse angepasstes Christentum etabliert und damit die Altkirche zu wenn auch geringen Reformen zwingt, gelingt es, dass Überleben eines Christentums bis ins 18./19. Jahrhundert zu sichern und solange die Köpfe der meisten Menschen nun auch auf anderen Kontinenten zu dominieren. Dazu dient, dass die religiöse Unterrichtung in den verschiedenen Konfessionen deutlich zunimmt, und das besonders im protestantischen Raum.

 

Das Überleben des Christentums gelingt auch dadurch, dass Konfession und Herrschaft nicht nur enger und anders verbunden werden als zuvor, sondern auch dadurch, dass Konfession als korrekter Glaube nun zu einem machtpolitischen Argument wird. Zunehmende konfessionelle Intoleranz und Ausbreitung von Staatsmacht gehören mindestens bis 1648 zusammen. Dabei siegen aber weiterhin machtpolitische Erwägungen über religiöse, wo diese mit ihnen in Widerspruch treten, und Herrscher bestimmen weiter das Schicksal der Untertanen.

Für Frankreich und England bedeutet es aber auch, dass Konflikte zwischen Katholiken und Protestanten nun militanter werden können und in England zudem interkonfessionelle unter den Protestanten selbst. Dabei werden in beiden Fällen die Staatsgebilde mächtiger gegenüber den Untertanen.

Für die deutschen Lande heißt das nun, dass die Zersplitterung in viele Fürstentümer durch den konfessionellen Gegensatz verstärkt wird und die (katholischen) Könige bzw. Kaiser ihr Reich nicht mehr zusammen halten können. Für die zwinglianisch bzw. kalvinistisch orientierte deutsche Schweiz bedeutet das den endgültigen Ausstieg aus dem Reich, und die reformierten nördlichen Niederlande folgen als spanisches Besatzungsgebiet in ihrem Kampf gegen die Bedrückung katholisch-spanischer Herrschaft. 

 

Die siegreichen Reformationen stärken die Macht der dortigen Fürsten/Könige bzw. autonomen Städte erheblich, da die ferne römische Kirche nun durch eine auf das Land bezogene und dem Fürstentum eingeordnete protestantische ersetzt wird. Dazu kommt, dass diese Fürsten den Besitz und Reichtum der römischen Kirche auf ihrem Gebiet "einziehen", was ihre Macht vielleicht nirgendwo deutlicher als in Schweden steigert. Aber auch in katholischen Fürstentümern nimmt die weltliche Aufsicht über die Kirche etwas weiter zu.

 

Für den Alltag der "Evangelischen" ändert sich nicht nur der Gottesdienst, in dem die Predigt ins Zentrum tritt und das Abendmahl mit Brot und Kelch gereicht wird. Die Kirchen sehen nun schmuckloser aus und die meisten Feiertage werden gestrichen. Bischöfliche Jurisdiktion und kanonisches Recht verschwinden, die Kirchengüter werden säkularisiert und eine weltliche Obrigkeit übernimmt ganz die Herrschaft über die Kirche.

Mit der Formulierung eines allgemeinen Priestertums der Gläubigen auf der Basis der Bibel-Lektüre entstehen neue Probleme. Nicht nur entstehen mehrere neue, sich mit Hilfe der Machthaber durchsetzende Konfessionen, sondern die Mächtigen versuchen überall dort, wo Gläubige den Eid als unchristlich ablehnen oder auf der Erwachsenentaufe bestehen und die Machtverhältnisse verändern wollen, erfolgreich die Konfession ihrer Wahl durchzusetzen. 

   

Das magische Moment der Religion geht im Protestantismus nach und nach verloren und wird vor allem in den Städten ersetzt durch nüchternere, aber auch verbindlichere Verhaltensnormen, die dort schon länger ausgebildet wurden. Zum Gehorsam gegenüber der Obrigkeit kommt stärker als zuvor die Instanz des Gewissens, in dem die eigene Sündhaftigkeit nun quasi direkt vor Gott verhandelt werden kann.

Auf diesem Weg stärkt die große protestantische, aber in geringem Maße auch die kleine katholische Reform einerseits zwar das Christentum vorübergehend, leitet aber zunächst unterschwellig andererseits auch einen Prozess der Säkularisation ein, in dem sich im 18. Jahrhundert einzelne Menschen ganz vom Christentum bzw. von jeglicher Religion lösen werden - Akte von Befreiung, die andere Formen von Unheil freisetzen. Bis dahin aber verengt sich erst einmal der Spielraum insbesondere für areligiöse Kreise, denn Konfessionalisierung brutalisiert nicht nur die Welt für jeweilige Dissidenten, sondern verengt auch den Spielraum für öffentliches Nachdenken und lässt die Scheiterhaufen in bislang nie dagewesenem Maße lodern.

 

 

Staat und Nation

 

Das lateinische Abendland wie seine Nachbarschaft im Osten ist in Herrschaften aufgeteilt, über die einzelne Familien verfügen, was diese als Gottes Willen bezeichnen. Habsburger sind Könige/Kaiser, die eigene Lande besitzen und eine Oberhoheit über nicht nur deutsche Fürstentümer ausüben. Frankreich wird von einem Zweig der Valois beherrscht, England von den Tudors, Spanien von einem Zweig der Habsburger, Italien von mächtigen Dynastien. Solche Familien versuchen, immer mehr Macht in ihren Händen zu konzentrieren, durch Heiraten und Kriege und im Inneren durch Reduzierung adeliger Macht und der der Städte. In ihren Händen entsteht immer mehr "Staat", und das heißt auch immer mehr Untertänigkeit, wie es schon die Obrigkeit in den Städten vorgemacht hatte. Dieser Vorgang wird bis heute anhalten. 

 

An der Macht der Fürsten und Könige partizipieren je nach deren Willen Berater und Gremien von ihnen und andererseits das Großkapital, indem es ihnen manchmal verlorenen Kredit gewährt, soweit es daran Einflussnahme knüpft. Insofern sind weit weniger als 1% der Menschen an der Macht beteiligt. Andererseits geht die Macht nach innen nur so weit, wie sie durch Verwaltung samt entstehender Polizeigewalt nach unten weitergegeben wird. In Identifikation mit der Macht ganz oben partizipiert diese Verwaltung an der Macht, und durch Bereicherung (Korruption) profitiert sie davon. Je weiter halbwegs effiziente Verwaltung in den Alltag der Menschen eindringt, desto mehr Macht kann von ganz oben ausgeübt werden. Das funktioniert aber nur über fest installierte bewaffnete Gewalt, die in Konfliktfällen Macht durchsetzt.

 

Staat ist einer der Begriffe, die bis heute gerne im Unklaren gelassen werden, und es ist einer, den die deutsche Sprache bis ins 16. Jahrhundert nicht kennt.

Erstes Ziel aller Zivilisationen ist es, wie wir schon gesehen haben, von Anfang an, der arbeitenden Bevölkerung einen Teil der Ergebnisse ihrer Arbeit abzunehmen, weswegen Herrschaft sich grundsätzlich immer auf Gewalt gründet, um religiös begründete Bereicherung zu ermöglichen. Dazu gehört eine Verwaltung zum Einziehen der erzwungenen Abgaben und ein Apparat, der dafür Zwang ausübt. Ein wesentlicher Teil der Einnahemn geht dann in den Gewaltapparat nahc innen/unten und nach außen.

Zum Staat werden Zivilisationen dort, wo sie geschlossene, feste, aber durchaus  zu erweiternde Territorien gewinnen, und wo Herrschaft sich dann auf feste Institutionen gründet, die sich von der Person des Herrschers stärker lösen. Nach innen heißt das Unterwerfung von Fürsten, Adel und Städten innerhalb des Territoriums durch Könige wie die von England oder Frankreich, während in deutschen Landen Fürsten wesentliche Inhaber von (Landes)Hoheit sind und ihren Adel und die Städte in stärkere Unterordnung bringen wollen. 

 

Mit der Konfessionalisierung infolge der Reformationen gewinnen vor allem über von Rom gelöste Konfessionen Könige als Kirchenherren ihrer Landeskirchen zusätzliche Macht, aber auch in den weiter katholischen Ländern nimmt der Zugriff der weltlichen Macht auf die Kirche zum Teil durch Konkordate erheblich zu.

Diese ganz in den Griff zu bekommen gibt es in deutschen Landen wie in England einen zweiten guten Grund: Bischöfe und Äbte sind oft sehr reich und insbesondere mit enormem Grundbesitz ausgestattet. Zudem reicht die Macht der Geistlichkeit eben bis in den hintersten Winkel: Moderne Staatlichkeit verlangt damals geradezu nach Verstaatlichung von Religion und Kirche.

 

Staatlichkeit ist dabei wesentlich die Konzentration von Zuständigkeiten über den wirtschaftlich bestimmten Alltag der Untertanen, die diese wiederum finanzieren müssen. Je mehr Zuständigkeiten, desto mehr Verwaltung, in der eine alternative Karriere zu Adel und Kapital in der Identifikation mit der Machtzentrale gesucht werden kann. 

 

Solche Staatlichkeit ist ein zweiseitiges Schwert: Einerseits bedarf sie der Verwaltung, um das Territorium zu kontrollieren, aus dem Einnahmen zu gewinnen sind, zum anderen kosten die Vollendung territorialer Kontrolle und die Verwaltung wie auch die Hofhaltung immer mehr Geld. Zentraler Teil der Staaten wird darum die Finanzverwaltung.

Könige haben reguläre Einnahmen, neben denen sie irregulärer bedürfen, die ihnen Ständevertretungen bewilligen müssen, die es alleine darum schon gibt. In getrennten Kurien tagen dabei Vertreter der Geistlichkeit, des Adels und der Städte. 

 

Die französischen Könige herrschen mit Hilfe der Parlements. Das von Paris übt eine Art Normenkontrolle über königliche Gesetze aus, denen es sich in Remonstranzen wiedersetzen kann, welche aber der König wiederum durch lit de justice überstimmen kann. Daneben gibt es die États Géneraux aus Klerus, Adel und Drittem Stand (Bürgertum der Städte und Großbauern), welche zusätzliche Steuern zu bewilligen haben. Dazu kommt ein stehendes Heer. Mit dem Konkordat 1516 kann der König auch die Spitzen der Bistümer und Abteien nach Gutdünken besetzen. Regiert wird mit Staatsräten, aus denen Behörden hervorgehen werden.

 

Das Heilige Römische Reich deutscher Nation bleibt eine Art lose Föderation von Fürstentümern. Der König wird von sieben und später acht Kurfürsten gewählt. Mit Ausnahme von 1530 findet keine Papstkrönung des Kaisers mehr statt. Kaiser können ihre Nachfolger bestimmen. Das Kaiserreich Karls V. gewinnt keine gemeinsame Staatlichkeit, ist Privatsache des Kaisers und wird von seinen Vertretern regiert.

Es gibt einen Reichstag, der unregelmäßig zusammentritt, und zwar mit den Kurfürsten, dem Reichsfürstenrat und den Vertretern der freien und Reichsstädte. 

Zum Reich gehört das Reichskammergericht, welches 1527 in Speyer eingerichtet wird.Die 16 Richter werden von den Kurfürsten und den Reichskreisen bestimmt und müssen zur Hälfte studierte Juristen sein.

Seit 1510 ist das Reich in zehn Reichskreise geteilt.

 

Obrigkeit ersetzt etwas Herrschaft als Benennung und entwickelt in deutschen Fürstentümern Staatlichkeit mit dem Bewusstsein klarer territorialer Grenzen, in denen Untertanen (Landes)Steuern zu zahlen haben, auch wenn nur ein Teil der Einnahmen tatsächlich einem "Gemeinnutz"  zugeordnet ist.

 

Zu den südlichen Niederlanden gehört neben dem stark urbanisierten Flandern das Herzogtum Brabant, die Grafschaft Artois, der Hennegau (Hainault) ´, Namur, Limburg und das Hochstift Lüttich. I Norden liegen die Grafschaft Holland und Seeland. Karl V. übernimmt dann 1524 die Herrschaft Friesland, 1528 Utrecht und Overijssel, 1536 die Grafschaft Drenthe und die Herrschaft Groningen und schließlich 1543 das Herzogtum Geldern.

 

Die siebzehn Provinzen der Niederlande mit ihren Ständeversammlungen und Statthaltern aus dem höheren Adel werden von einem Landesherrn von Brüssel aus regiert. Am Ende gibt es auch eine General-Ständeversammlung, ein höchstes Gericht in Melcheln und drei Rechnungskammern in Den Haag, Brüssel und Lille.

1530 entsteht ein Staatsrat, ein Geheimrat und ein Finanzrat. Frauen aus der Familie Karls sind Landvögtinnen. Mit solchen Strukturen beginnt ihr Ausstieg aus dem Reich, der 1548 mit einer Sonderstellung des niederländischen Kreises fast vollzogen ist. 

Mitte des 16. Jahrhunderts kommt der Begriff Nederlande auf. Unter Felipe II. wird ab 1556 eine katholische Landeskirche mit ihren Kirchenprovinzen eingerichtet.

 

Die große Mehrheit der Bevölkerung, Bauern und Handwerker, produziert neben ihrem vergleichsweise bescheidenen Lebensunterhalt den Reichtum der mächtigen Dynasten und den jener reichen, aus dem Bürgertum stammenden  Familien, die mit Handel und Finanzen ebenfalls zur Macht der hohen Herren beitragen. 

Die Untertanen kennen nichts anderes mehr als Untertänigkeit und haben sich notgedrungen meist daran gewöhnt, sich mit denen zu identifizieren, die ihre Herren sind, insbesondere auch aus der Erfahrung heraus, dass kurzes Aufbegehren seit Jahrhunderten mit Niederlagen verbunden ist. Solche Identifikation mit den hohen Herren wird verstärkt durch ein immer stärkeres Nationalgefühl vor allem in England und Frankreich, wo sich eine "nationale" Sprache durchzusetzen beginnt. Zum Erlass  von Villers-Cotteret von 1539 des Francois I. gehört auch, dass französische Urkunden nun nicht mehr lateinisch, sondern in der Landessprache (langage maternel françoys) verfasst werden, was das jeweilige regionale Idiom meint und sich vor allem gegen das Latein der Kirche richtet,

In geringerem Umfang wird das auch in Spanien geschehen, wo sich das Castellano langsam durchsetzen wird, auch wenn regionale Idiome weiter überleben.

In den aus recht selbständigen Fürstentümern bestehenden deutschen Landen wird sich langsam eine gemeinsame Hochsprache neben den regionalen Idiomen entwickeln, und das Wort "Deutschland" kommt nun entsprechend auf, während die niederen Lande, der deutschsprachige Teil Lothringens, die Schweiz und die habsburgischen Erblande aus diesem Verbund immer mehr gelöst werden, durch habsburgische Politik direkt oder indirekt gefördert.

 

In die deutsche Sprache kommt das Wort Nation erst spät, im 16. Jahrhundert, und zwar wie so vieles aus Frankreich importiert. Seit dem 11./12. Jahrhundert ist der Weg des römischen Königreiches in eine Föderation von immer mehr erstarkenden Fürstentümern unter einem schwachen Königtum vorgezeichnet, für das allerdings der Name Königreich fehlt. Stattdessen ist das Reich seit etwa 1500 (Maximilian I.) das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. 

Für das Deutschtum heißt das, dass es im Westen und Süden zurückgedrängt wird, was man am Rückzug der deutschen Sprache dort am besten erkennen kann, während es sich nach Osten ganz erheblich ausdehnt, bis es nach den beiden Weltkriegen des zwanzigsten Jahrhunderts zum größten Teil auf das brutalste vernichtet wird und ohnehin nur ein kleines Restdeutschland übrig bliebt.

 

Zwischen dem sich im 15. Jahrhundert etwas stärker vereinheitlichenden schriftlichen Niederdeutschen und dem Ober (Hoch)deutschen sind zunächst noch Übersetzungen nötig. Über die kaiserliche und fürstliche Kanzleisprache und in einem langsamen Prozess wird sich das Neuhochdeutsche im 16. Jahrhundert als etwas gemeinsamere (Schrift)Sprache entwickeln. Erst damit wird aus den deutschen Landen Deutschland, immer noch eher sprachlich als territorial definiert. (SchubertEinführung, S.28) Damit trennen sich langsam in diesem Jahrhundert die niederlant von den sich stärker als oberlant verstehenden Regionen, während erst Maximilian Ende des Jahrhunderts auch mit seinem verlorenen Schweizerkrieg die bis dato tütschen Schweizer aus dem Reich treibt. Andererseits versuchen die Könige/Kaiser, im 15. Jahrhundert langsam Ostfriesland unter ihre Krone zu bekommen und die bürgerliche Oberschicht der (deutschen) Städte des preußischen Ritterordens definiert sich bei allen rechtlichen Problemen über die Sprache als gemeinsam mit dem übrigen entstehenden Deutschland 

 

Zwar gibt es einzelne Bildungsbürger in einigen deutschen Städten, die ein vages Bewusstsein von einer gemeinsamen deutschen Geschichte entwickeln, aber die Masse der Untertanen wird auf die jeweils herrschende Familie und ihr Territorium orientiert, ein Zustand, den Reformationen und Augsburger Religionsfriede noch vertiefen. 

 

Inzwischen gibt es vor allem mit England, Frankreich und Spanien drei Nationen neuen Typs, alle drei verschieden erfunden, aber das ihnen gemeinsame Wort Nation bedeutet ohnehin etwas völlig anderes als früher einmal.

Was in England und Frankreich geschieht, lässt sich als langsame Zerstörung der Regionen und ihrer - insbesondere sprachlichen - Eigenheiten zugunsten eines einheitlichen Herrschaftsraumes beschreiben. Nur so schafft sich das Machtzentrum sein Volk neuen Typs, einen zunehmend zu vereinheitlichenden Untertanen-Verband. So ist es denn auch die Herausbildung von zwei Nationen bildenden Machtzentren, die auf der iberischen Halbinsel Portugal aus einem spanischen Staatsverband ausgliedert  und dabei im Nordwesten die Galizier in zwei Herrschaftsräume aufteilt. Die Dominanz der kastilischen über die übrigen romanischen Sprachen und eines kastilisch-aragonesischen Herrscherhauses schafft dann jenes Spanien, welchem es aber bis heute nicht gelingt, alle Basken und Katalanen ganz zu integrieren.

 

Italien bleibt weiter im Norden in Stadtstaaten, in der Mitte den Kirchenstaat und im Süden die beiden Sizilien geteilt, wobei sich in der Nordhälfte immer mehr ein gemeinsames Italienisch entwickelt. 

 

In den Nationalstaaten, die so entstehen, wird Nationalismus als Propaganda-Instrument der hohen Herren immer deutlicher eingesetzt. Dem dienen dann auch sogenannte Humanisten und Historiker wie indirekt auch an die Höfe gezogene "Künstler" wie da Vinci, Michelangelo und der Tizian Karls V.

 

Staaten sind von oben nach unten strukturiert und Erfindungen von Machthabern. Mit ihnen entsteht einer der neueren Volksbegriffe, der vom Untertanen-Verband. Dieser wird flankiert durch pseudo-ethnische Arroganz, auch als Patriotismus oder Nationalismus fungierend. Was im späten Mittelalter englische Ausländerfeindlichkeit ist oder entstehender französischer Nationalismus, entwickelt an abgespalteten oder sich abspaltenden Rändern der deutschen Lande besonders kuriose Phänomene, die sich aber nicht als Nationalismus erweisen, aber aus derselben psychosozialen Wurzel auftauchen:

"Erst in den 1480er und 1490er Jahren entsteht plötzlich und mit überraschender Vehemenz eine tiefgreifende Feindseligkeit zwischen denen, die als Kuhschweizer und denen, die als Sauschwaben beschimpft werden. Leute aus Appenzell werden in Konstanz als >Kuokiger< beschimpft, als >Kuhficker<. Und umgekehrt wird in der Eidgenossenschaft >Schwab< zum Schimpfwort. Raubzüge stellungsloser Söldner und rauflustiger Bauernsöhne aus der Innerschweiz hatten zu den Spannungen zwischen Schweizern und Schwaben im jetzt erst entstehenden Grenzraum ebenso beigetragen wie die unverhohlen auch gegen die Eidgenossen gerichtete Gründung des Schwäbischen Bundes 1488. Aber die Schimpfworte begleiten nicht etwa die Politik, sie gestalten sie mit." (SchubertAlltag, S.319)

 

Gegenseitige Fremdenfeindlichkeit wird inzwischen auch zwischen Flamen und Wallonen häufiger, Bezeichnungen, die gegenseitig als Schimpfwörter gebraucht werden (Muchembled, S.20).

 

Der Versuch eines Nationalismus geriert sich in deutschen Landen später als in Frankreich und England, aber ebenso unerfreulich. 1492 hält Konrad Celtis an der Universität von Ingolstadt eine Rede

an die deutschen Männer (viri Germani) und das freie und starke Volk (liberus et robustus populus): Nehmt die alte Gesinnung wieder an, deutsche Männer, mit der ihr so oft Schrecken und Furcht über die Römer gebracht habt. (in: Kintzinger/Schneidmüller, S.428)

  

 

Neben den Herrschaften von Königen und denen von Fürsten in den deutschen Landen und Teilen Italiens bilden sich im lateinischen Mittelalter auch als abendländische Besonderheit seit 1579 mit den Niederlanden eine ständische Republik aus und mit der Eidgenossenschaft ein föderales Gebilde. 

Zudem bilden sich mancherorts städtische Oligarchien reicher und mächtiger Kapitaleigner heraus. Von ihnen überleben Venedig und einige Hansestädte am längsten.

England wiederum tendiert zu dem, was Historiker als Parlamentarismus bezeichnen, während Polen zu einem Ständestaat wird.

 

 

Das Kapital lernt im 15./16. Jahrhundert, dass der Staat auf seine Bewegungen längst angewiesen ist, und verzichtet so nach und nach auf politische Macht, da es von ihr als Juniorpartner anerkannt wird. Staaten sind inzwischen die noch etwas unbeholfenen Vertreter verallgemeinerter Kapitalinteressen, aus denen Staatlichkeit erst so recht hervorgeht, was als erstes in den Städten deutlich wird.

 

 

Großmacht-Politik (1500-1556) 

 

Auf dem Weg ins 16. Jahrhundert sind Frankreich und England Großmächte, so wie es Spanien zunehmend auch wird. Dazu kommt die Großmacht Habsburg, die neben dem Königs- und Kaisertum auch ein ganzes Konglomerat von Staaten in ihre Hände bekommt. Die wesentlichen Kontakte der Herrscher funktionieren über Diplomatie und bald auch ständige Gesandtschaften, die relativ kurze Friedenszeiten vermitteln, Pakte und Heiraten schmieden, und ansonsten über Kriege. Karl V. führt während seiner Herrschaft von 35 Jahren allein 12 Jahre Kriege gegen die französische Krone.

 

In England herrscht 1485-1509 Henry VII., der den in den Rosenkriegen ruinierten Adel klein halten kann.

 

Mit Erzherzog Maximilians I. Heirat mit Maria als Erbin des Burgunder-Reiches 1477 steigt das Haus Habsburg im Dauerkonflikt mit der französischen Krone weiter auf, ein Konflikt, der erst einmal bis 1756 andauern wird. 1488/91 gewinnt König Maximilian Tirol und die Vorlande und blickt nach Schwaben, wo sich der Schwäbische Bund der Reichsstände bildet. 

Philipp ("der Schöne"), Sohn aus der Ehe von Maximilian und Maria, heiratet 1496 Juana ("die Wahnsinnige"), Tochter der Reyes Catolicos.

 

1492 werden rund 200 000 Marranen (zwangs-konvertierte Juden) aus Spanien und kurz darauf auch aus Portugal vertrieben. 1609 werden ihnen die Morisken folgen.

 

Die deutschen Fürstentümer samt ihrem Königtum sind eher Mittelmächte, wie auch die italienischen Fürstentümer inklusive des Kirchenstaates. Im Kampf um die Vorherrschaft im Ostseeraum verwickelt sind Polen, Schweden und Dänemark. Dem Haus Habsburg und dem aus ihm stammenden deutschen König steht ein übermächtiges Osmanenreich gegenüber, welches über den Balkan und Ungarn, welches 1526 erobert wird, die südöstlichen Habsburger-Gebiete massiv bedroht und zudem über seine Korsarenflotten sehr viel Kontrolle über das ganze Mittelmeer gewinnt, nachdem es 1517 Syrien und Ägypten eingenommen hat. Selim I. nimmt zum Sultantitel nun auch den des Kalifen an, religiöse und weltliche Macht fallen nun zusammen. Anders als die sich bald entwickelnde konfessionelle Unduldsamkeit im Christentum dulden die Osmanenherrscher Juden und Christen und siedeln sie sogar an, wie Juden in Thessaloniki. In Istanbul bilden Juden und Christen einen erheblichen Anteil an Bevölkerung und Wirtschaftsleben. (Schilling, S.121) 

 

Maximilian steht im Konflikt mit der französischen Krone um Burgund. Im Frieden von Senlis wird 1493 Burgund geteilt. Die französische Krone erhält das Gebiet an der Saône, welches jetzt direkt dem König unterstellt wird, Philipp ("der Schöne") erhält die Freigrafschaft (Franche-Comté) und die niederburgundischen Erblande, die westlich der Schelde keine Lehnspflicht gegenüber dem französischen König mehr haben. Im Norden muss sich Maximilian nach dem Tod der Maria (von Burgund) erst einmal fast zehn Jahre lang militärisch durchsetzen.

 

1492-1503 regiert Alexander VI. (Borja) von Rom aus und ruiniert den Ruf des Papsttums. Nachfolger Julius II. (1503-13) führt Krieg zugunsten des Kirchenstaates und gewinnt Perugia und Bologna. Der Neubau der Peterskirche wird begonnen.

 

Der französische König ist an Mailand und Neapel interessiert und über letzteres kommt es zur Annäherung von Maximilian und Ferdinand II. von Aragon. 1495 kommt es zu dem so vieles verändernden Heiratsvertrag, den das Haus Habsburg unter Kaiser Maximilian I. mit dem Haus Trastámara unter Isabella und Fernando schließt: Maximilians Tochter Margarete soll den spanischen Thronfolger Juan heiraten, und Maximilians Sohn Philipp ("der Schöne") dessen Schwester Juana. Zwei Jahre später soll das zügellose Sexualleben Juans diesen hinwegraffen und kurz darauf stirbt Isabella, nächste Thronfolgerin und Gemahlin des portugiesischen Königs Manuel, die gerade mit Miguel einen neuen Thronfolger für nunmehr Portugal und Spanien geboren hat. Aber auch der stirbt bald (1500).

 

Indem Italien in das Machtspiel der Spanier, der französischen Krone und von Habsburg gerät, verlieren die Städte ihre politische Bedeutung an Fürsten, die ihre wirtschaftliche Stärke nun nutzen. 

Im Bündnis mit Florenz marschiert Charles VIII. 1494 in Italien ein, wo bei seiner Ankunft die Medici gestürzt werden und eine Republik ausgerufen wird. Vor Neapel muss er wegen Krankheiten und einem starken Bündnis gegen ihn aus Mailand, Venedig, Maximilian und dem Papst umkehren.

 

1495 beschließt ein Wormser Reichstag einen Ewigen Landfrieden und die erst später erfolgende Einrichtung eines Reichskammergerichtes. Die Eidgenossenschaft erkennt die Beschlüsse nicht an, und nach dem Schwabenkrieg 1499 ist eine de-facto-Trennung vom Reich vorhanden. Es gibt hier kein Landesfürstentum und der Adel spielt eine geringe Rolle im machtpolitischen Raum.

 

Louis XII. gelingt es 1499/1500, Ludovico Sforza aus Mailand zu vertreiben..

1500-04 marschiert Louis XII., nachdem er über die Heirat mit Anne die Bretagne nach und nach an sich bindet, nach Neapel, erreicht nur für kurze Zeit die Aufteilung des Königreichs, welches dann bis nach 1700  wieder der spanischen Krone gehört.

 

Nach dem Tod Philipps mit 28 Jahren wird dessen ältester Sohn Karl 1506 Herr der burgundischen Lande, neben der Nordhälfte Italiens das reichste und am meisten kapitalistisch entwickelte Gebiet Europas. Mutter Juana wird immer geistesgestörter und Sohn Karl ist erst sechs Jahre alt. Seine Tante Margarete ist für ihn seit 1507 (bis 1530) Vormund und Statthalterin, und Karl wächst in Mecheln in burgundisch- höfischem Milieu heran.

 

Henry VIII.(1509-47) heiratet Katharina von Aragon. Er ist mal mit dem französischen König und mal mit dem Kaiser verbündet. Die Regierung überlässt er Kardinal Wolsey, seit 1515 Lord-Kanzler. Er wird sich bald gegen die Reformation wenden.

1511 tritt er der heiligen Liga gegen die französische Krone bei, die darauf in Italien scheitert. 1513 fällt Mailand mit der Schlacht von Novara an die Eidgenossen.

 

1512-27 halten sich die Medici in Florenz. 1513-21 ist der Medici Leo X. Papst, der große Prachtentfaltung und Machtpolitik mit wenig religiösen Interessen verbindet.

 

Es gibt mal wieder Krieg Englands mit Schottland. 1514 wird die Schwester Mary Tudor mit Louis XII. verlobt.

 

1515 stirbt Louis II. Die Grafschaft Angoulêmewird an die Krone angegliedert. Francois I. (bis 1547) gewinnt kurz nach der Thronbesteigung  mit der Schlacht von Marignano Mailand zurück. Er dringt in Navarra ein. Mit dem Papst Leo X. wird eine fast komplette Kirchenhoheit des französischen Königs vereinbart.

 

Da der spanische Fernando keinen Thronfolger hat und Juana ("die Wahnsinnige") unfähig zur Herrschafts-Ausübung ist, wird Karl/Carlos 1516 König von Spanien. Mit Kastilien übernimmt er die neuen Länder in Übersee, mit Aragon das Königreich Neapel und Sizilien. Er erbt den Konflikt zwischen Frankreich und Habsburg um Burgund und Mailand.

In Spanien gibt es Aufbegehren gegen die zunehmende Zentralmacht und laut geäußerte Ablehnung von burgundischer Überfremdung.

 

1518 erreicht Maximilian nach einem Waffenstillstand mit Venedig in Augsburg keine Zusagen für einen Kreuzzug gegen den Sultan, stattdessen gibt es die 'Gravamina der Deutschen Nation' u.a. gegen das päpstliche Finanzgebaren und die kirchlichen Stellenbesetzungen.

 

1519 stirbt Maximilian, Karl wird kaum deutsch sprechender (römischer) König und Kaiser, auch indem er gegenüber Francois I. die größeren Bestechungssummen für die Kurfürsten aufwenden kann, die am Ende 852 189 Gulden betragen, von denen die Fugger 543 585 Gulden kreditieren.

Seine zentralen Interessen sind auf Spanien, die Niederlande und Italien gerichtet, obwohl sein Kaisertum von dem sich deutlicher formierenden Deutschland stammt. Dieses angestrebte Universal-Kaisertum des nunmehr Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation ist zudem auf Rom bezogen, was seine religiöse Bindung mitbestimmt. Habsburg gewinnt 1519 Württemberg. 

 

In den Kernlanden Kastiliens kommt es zum Communero-Aufstand, während Karl zur Krönung nach Aachen reist. Gattinara ist Großkanzler. Aufstände in Österreich gegen habsburgischen Zentralismus, in Wien mit reformatorischen Zügen. Reise-Kaisertum.

 

Anfang des 16. Jahrhunderts ist Niederburgund unterschieden in den eher bürgerlich dominierten Norden und den wallonischen Süden eines starken Adels.

Margarete ist Statthalterin für Karl V. Sie muss mit den Ständen um Geld ringen, um die Kriege gegen Frankreich zu finanzieren. Dazu kommen mit dem Beginn der Reformation Konflikte um die korrekte Konfession.

 

Inzwischen gewinnt Martin Luther mit seinen Ansichten an Ansehen.

1520 kommt es zur Doppelhochzeit zwischen Böhmen/Ungarn und den Maximilian-Enkeln. Karls Bruder Ferdinand erhält alle deutschen Territorien des Habsburger-Reiches.

 

1521 wird Luther auf dem Reichstag zu Worms in die Acht gesetzt und flieht auf die Wartburg. In den nächsten zehn Jahren ist Karl V.  nicht mehr mit deutschen Landen befasst, was dem Fortschreiten der Reformation dienlich ist. 1522 kommt es zum Aufstand der Reichsritter, zur Fehde des Franz von Sickingen gegen das Erzbistum Trier, welche von den Fürsten niedergemacht wird.

 

1521 Bündnis Henry VIII. mit Karl V. 1522 erneuter Krieg gegen die französische Krone um Italien. Karl kann den Sforza Mailand zurück geben. 1522 Habsburger Teilungsvertrag. 1522-29 hält Karl sich in Spanien auf. 1522 auch Franz von Sickingens Fehde gegen den Kurfürsten von Trier.

 

1523 zerfällt die Kalmarer Union in Dänemark-Norwegen und Schweden-Finnland. Gustav Wasa schwedischer König und Friedrich I. dänischer König. In allen Ländern hier schreitet die Reformation voran.

Albrecht von Brandenburg erkennt 1525 die polnische Lehnshoheit über den Ordensstaat an, verwandelt ihn in ein erbliches Herzogtum und führt die Reformation ein.

Polen bleibt ein Ständestaat und wird 1505 zur Adelsrepublik mit Wahlkönigtum. Nach und nach setzt sich in Teilen der Bevölkerung die Reformation durch.

 

Seit 1525 berät Luther von Wittenberg aus die Fürsten über die Errichtung von Landeskirchen (Kur-Sachsen/Hessen).

1525 Bauernkrieg, von den Fürsten unterdrückt. Vielleicht bis zu einhunderttausend Tote.

 

1523-34 Medici-Papst Clemens VII. Oktober 1524 nimmt Francois I. Mailand ein. Er ist mit Papst und Venedig verbündet und belagert Pavia. Dann besiegen ihn Anfang 1525 bei Pavia spanische Tercio-Infanterie und deutsche Landsknechte unter Frundsberg und er wird gefangen genommen.

Karl tritt bislang nicht als Feldherr auf.

 

Danach zerbricht das Bündnis König Henrys mit Karl. Wolsey betreibt seit 1525 die Scheidung des Königs.

 

1526 stirbt der neue ungarisch-böhmische König Ludwig II. bei Mohacs gegen die Osmanen, und Ferdinand wird sein Nachfolger. Er wird deshalb bis Ende seines Lebens mit der "Türken"-Abwehr beschäftigt bleiben.

 

Francois I. wird auf Ehrenwort auf der Basis eines für ihn untragbaren Vertrages von Madrid entlassen, welches er sofort bricht. 1526 verbünden sich Papst mit Francois I., Venedig, Mailand und Florenz in der 'Heiligen Liga von Cognac'. Das ermöglicht Franz einen neuen Krieg um Mailand und Neapel. Die kaiserlichen Truppen marschieren 1527 nach Rom, um sich ausstehenden Sold anderweitig zu besorgen: Sacco di Roma. Nachdem Andrea Doria für Genua die Fronten wechselt, ist Francois gescheitert.

Im Damenfrieden von Cambrai wird 1529 das Herzogtum Burgund endgültig Frankreich zugeschrieben, während es auf Italien, Flandern und das Artois verzichtet. Die Picardie und das Artois sind nun französisch. 1530 wird Margarete, Schwester Karls V., Statthalterin der Niederlande.

 

1529 Speyerer Protestation gegen die Durchsetzung des Wormser Edikts, Aufstand der oberen Reichsstände. Die Osmanen belagern nach der Eroberung Ungarns im Herbst unter Süleiman ("dem Prächtigen") zum ersten Mal Wien.

 

Das Fürstentum der Este  von Ferrara und der Gonzaga von Mantua sind praktisch Klientel des Kaisers. Das 1527 wieder republikanisch gewordene Florenz wird erobert. Große Teile Italiens sind nun unter spanischem Einfluss.

 

1530 Kaiserkrönung in Bologna, im Jahr darauf wird Karls Bruder Ferdinand zum Römischen König gewählt. Das päpstliche Desinteresse an einem Reformkonzil besteht weiter. 1531 werden die Medici von Karl V. als erbliche Herzöge eingesetzt.

 

1530 großer und prächtiger Reichstag: Confessio Augustana und katholische Gegenposition bleiben unversöhnlich. Ferdinand wird deutscher König.

Es folgt im Herbst 1531 der Schmalkaldische Bund der protestantischen Reichsstände.

 

Zwischen 1527 und 1534 kommt es in Einzelschritten wegen Anne Boleyn, die 1533 schwanger wird, zum Bruch mit Rom. 1535 wird unter dem Act of Treason u.a. Thomas Morus hingerichtet. In den nächsten Jahren werden die Klöster aufgelöst und dem Kronschatz einverleibt, der sie dann bald an den Landadel verkauft. Der König betätigt sich1539 in den Six Articles als Entscheider über den rechten Glauben, der im wesentlichen erst einmal katholisch bleibt. 

 

Inzwischen sind die algerischen Seeräuber mit den Osmanen verbündet, gegen die sich die Spanier wenden, denen vorübergehend die Eroberung von Tunis gelingt. 

 

1532 wird die Bretagne an die französische Krondomäne angegliedert und zuvor schon der größte Teil der Bourbon-Herrschaften.

1533-84 Iwan IV. ("der Schreckliche"). Versuch, königliche Macht gegen die Bojaren durchzusetzen.

 

Statthalterin der Niederlande wird Maria.

1532 Nürnberger Anstand (Aufschub) auch angesichts der osmanischen Bedrohung. Ein Reichsheer kann Teile Österreichs von den Osmanen zurück gewinnen. Ungarn wird dann in einem Frieden geteilt.

1534 setzt Philipp von Hessen Herzog Ulrich wieder in Württemberg ein, welches wie auch Brandenburg sowie das Herzogtum Sachsen protestantisch werden.

1534-49 herrscht der Farnese-Papst Paul III. im Kirchenstaat. 1535 sterben die Sforza aus und Karl V. zieht das Lehen ein. 

 

1534 beginnt Francois I. mit der Ausrüstung von Erkundungsfahrten nach Nordamerika. Er verfolgt nach der Affaire des Placards französische Reformatoren.

1535 eher folgenloser Sieg Karls über Tunis und Chaireddin ("Barbarossa"), den Admiral Süleimans. Das östliche Mittelmeer wird von den Osmanen kontrolliert.

1536-38 findet ein neuer französisch-habsburgischer Krieg um Italien statt, der 1538 in einem vom Papst vermittelten Waffenstillstand endet.

 

1536 lässt Henry VIII. Anne Boleyn hinrichten und heiratet Jane Seymour, die bald stirbt. Drei weitere Ehen bleiben kinderlos.

 

1538 Aufstand der Genter gegen Steuerforderungen, den Karl V. brutal niederschlägt, wobei er die Rädelsführer hängen lässt und den Stadtrat zu einer demütigenden Bußprozession zwingt. Die Kathedrale wird plattgemacht und eine Zwingburg mit spanischen Söldnern errichtet.

1541 erobert Süleiman die Festung Buda, während Karls Kriegszug gegen Algier scheitert.

 

1542 Geldrischer Erbfolgekrieg, das Herzogtum Geldern geht an Habsburg und in den Herzogtümern Jülisch-Kleve-Berg wird die Einführung der Reformation verhindert. 1543 sind alle 17 Provinzen der Niederlande unter Habsburg vereint. Der Protestantismus ist aber dabei, sie zu spalten.

 

Nach Waffenstillstand wird der Krieg der französischen Krone mit Habsburg 1542-44 fortgesetzt, wobei der Osmanenherrscher seinen Admiral zur Unterstützung des Franzosen schickt. Es gibt Krieg um Navarra, die Niederlande und in der Poebene. Erst 1544 beendet Franz das Bündnis mit Süleyman I.

 

1545 beruft Papst Paul das Konzil nach Trient ein. Karl gibt Mailand an seinen Sohn Felipe II. von Spanien.

 

1544-46 Krieg König Henrys VIII. gegen das mit Schottland verbündete Frankreich. 1547 stirbt Francois I. und auf ihn folgt Henri II. (bis 1559). Er setzt chambres ardentes gegen die Hugenotten ein, bei deren Verfolgung ihn u.a. der Duc de Guise unterstützt.

1547-53 regiert ein Regentschaftsrat für Edward VI. England wird nun etwas protestantischer unter dem Einfluss von Thomas Cranmer: Reformiertes Abendmahl, nur noch zwei Sakramente und Zulassung der Priesterehe.

Nachfolgerin wird Mary (die Katholische).

 

1547 gewinnt der Kaiser im Bündnis mit Papst, Bayern und Moritz von Sachsen den Schmalkaldischen Krieg in der Schlacht von Mühlberg.  Philipp von Hessen bleibt dauerhaft inhaftiert. Wittenberg und die Kurwürde gehen an Moritz. Thüringen verbleibt den ernestinischen Wettinern.

Auf einem "geharnischten" Reichstag in Augsburg 1548 werden die niederländischen Besitzungen des Kaisers in einem eigenen Reichskreis gefasst, ein weiterer Schritt für ihren Ausstieg aus dem Reichsverband. In Süddeutschland versucht der Kaiser das sogenannte Interim brutal durchsetzen zu lassen. Es gelingt ihm, die bürgerliche Selbstverwaltung zunehmend durch eine kaiserlich-obrigkeitsstaatliche Verwaltung zu ersetzen. 

 

1550 lässt der Kaiser durch Moritz von Sachsen das standhaft protestantische Magdeburg belagern, welches sich im folgenden Jahr ergibt. Moritz vollzieht einen Bündniswechsel und führt eine "Fürstenrebellion" an. Der Kaiser muss aus Innsbruck fliehen.

1552 Verlust von Metz, Toul, Verdun und Cambrai für das Reich, als Henri II. das Reichsvikariat von den protestantischen Fürsten zugesprochen bekommt. Französische Truppen marschieren in Lothringen ein. Die Fugger, Neapel und Kastilien finanzieren einen Kriegszug, der vor Metz scheitert. 

Der Kaiser zieht sich in die Niederlande zurück und übergibt die Reichsgeschäfte an seinen Bruder Ferdinand. Das Interim wird angesichts der osmanischen Gefahr aufgehoben und die Fürsten von Kursachsen und Hessen werden freigelassen.

 

1553-58 herrscht die katholische Mary in England. Sie heiratet 1554 Felipe II. von Spanien. Mit der Wiederherstellung der Gerichtsbarkeit des Papsttums über England beginnt blutige Verfolgung der Protestanten. Am Ende verliert England auch Calais.

 

1555 wird auf einem Reichstag zu Augsburg entschieden, die Wahl der Konfession den Fürsten zu überlassen. Zudem wird eine Reichsexekutionsordnung erlassen, welche die Zuständigkeit für die Aufrechterhaltung des Landfriedens den zehn Reichskreisen und darin ihrem mächtigsten weltlichen Fürsten überträgt. Im Reichskammergericht bestimmt der Kaiser nur noch ein Viertel der Richter. Das Reich wird immer dezentraler und die deutschen Lande scheiden fast völlig aus dem Konzert der Großmächte aus.

 

Die Medici erobern 1555 Siena.

1556 Resignation Karls V. Karls Sohn Philipp erhält sowohl Spanien wie die Niederlande. 

 

1556 heiratet Königin Mary I. gegen die Wünsche des Adels Philipp II. von Spanien, was wiederum Karl V. unterstützt. Blutige Verfolgung der Protestanten. Die schottische Cousine Mary Stuart ist mit dem französischen Thronfolger verlobt. Derweil immer wieder Kriege zwischen Spanien und Frankreich.

 

 

Der Krieg

 

Der Krieg bleibt ein Wesenszug aller Zivilisationen. Er macht die Herrscher zu legalen Großverbrechern und die Masse der Untertanen zu Opfern seiner Greuel. Ob Stadtstaat, Fürstentum oder Königreich, geradezu selbstverständlich ist auch im 16. Jahrhundert, dass sie sich gegenseitig überfallen, berauben und nach Möglichkeit unterjochen. Dabei geht es um Macht und Geld, die schon lange eine Einheit bilden. Erstrebt werden die Abgaben neuer Untertanen, Rohstoffe und Handelsvorteile. Finanziert wird das alles über Sondersteuern und Kredite. 

Der Krieg ist für die einen ein Lebenselixir, für andere ein Geschäft und für manche einfach auch eine Karriere-Möglichkeit. Eine realistische Friedenssehnsucht kann dabei kaum aufkommen, schon gar keine kirchlich-religiöse wie noch 500 Jahre zuvor, ist doch nicht nur der Kirchenstaat unentwegt am kriegerischen Geschehen beteiligt. Für die sich christlich nennenden Menschen bleibt kriegerische Gewalt ein Teil ihrer Religion, und das gilt genauso für die Länder einer siegreichen Reformation.  

 

Im 16. Jahrhundert werden Erbfolgekriege immer häufiger, in denen Herrscherhäuser gegeneinander antreten, um mit rechtlichen Argumenten ihre Ansprüche auf Machtausübung durchzusetzen versuchen. Ein Musterbeispiel in unserer Zeit bieten das Königreich Neapel und das Herzogtum Mailand. Die französische Krone beruft sich bei Neapel auf die Verwandtschaft mit den Anjou und versucht zweimal letztlich vergeblich es zu erobern. Es bleibt am Ende aber spanisches Nebenland.

Bei Mailand beruft sich diese Krone auf etwas entferntere Verwandtschaft mit den Visconti. 1515 gewinnt es Francois I. in der Schlacht von Marignano gegen die Eidgenossen. Karl V. beruft sich auf die Lehnshoheit und kaiserliche Truppen schlagen die Franzosen 1525 bei Marignano. Der Krieg geht aber bald wieder los, nachdem sich Papst Clemens VI. mit Francois, Venedig, Mailand und Florenz in der Heiligen Liga von Cognac zusammen schließen. Mit dem Sacco di Roma im Mai 1526 geht er zu Ende. 1535 sterben die Sforza aus, und Mailand geht an Karls Sohn, den späteren Felipe II. 1701 wird es an Österreich fallen.

 

Staaten mit ihrer Bevölkerung bleiben Spielball der Mächtigen, ein Zustand, der bis heute anhält. Dabei gehen Herrscher Bündnisse ein, die oft nur kurz halten und sich dann ganz schnell umkehren können. Sie sind ausschließlich an knallharten Machtinteressen orientiert, und so kann sich Francois I. auch manchmal mit den Osmanen gegen Habsburg verbinden, Religion hin und her.

 

Verantwortlich für die fast unzähligen Kriege des 16. Jahrhunderts bis hin zum Dreißigjährigen Krieg sind ausschließlich die Könige und Fürsten mit ihren sie beratenden Kreisen. In ihre Kriege wird aber mehr oder weniger die gesamte Bevölkerung über Abgaben, Zerstörungen und Verwüstungen sowie die Greuel einer dafür bezahlten Soldateska bis hin zu Folter und Vergewaltigung einbezogen. Da sie im wesentlichen kein Mitspracherecht hat, sollte man eigentlich nicht von spanischen oder englischen Kriegen sprechen, sondern von denen ihrer Herrscher, das sollte man also dabei immer im Hinterkopf behalten. Andererseits vereinfacht das den Text und zudem reicht der Friedenswille der Masse der Menschen, soweit vorhanden, nicht aus, um an alledem etwas zu ändern.

 

Seit dem 12. Jahrhundert werden Kriege oft mit einem durch Söldner verstärkten Adelsaufgebot geführt, wobei Kosten des Adels auch zunehmend auf die Kriegsherren abgeladen werden. In den nächsten Jahrhunderten nimmt der Söldner-Anteil immer mehr zu, wobei das Söldnerwesen von unternehmerisch handelnden Söldnerführern organisiert wird, die sich von den kriegführenden Machthabern bezahlen lassen und die Bezahlung dann an ihre militärischen Abteilungen weiterleiten. Im Hundertjährigen Krieg und in den Kriegen der norditalienischen Stadtstaaten und Roms verselbständigen sich solche Söldnertruppen immer mehr, was dazu führt, dass sie in Zeiten ohne Auftrag auf eigene Rechnung marodieren, zerstören, verletzen, vergewaltigen und töten.

 

Der Landsknecht-Unternehmer Georg von Frundsberg wirbt im Auftrag Karls V. rund 12 000 neue Söldner an. Bei Piacenza vereinigen sie sich mit spanischen Truppen des Charles de Bourbon. Diese rund 22 000 Deutschen, Italiener und Spanier warten 1526 auf Sold, der nicht kommt. Papst Clemens VII. verspricht einem kaiserlichen Gesandten 60 000 Gulden (neben zu erwartender Beute), was für die Soldateska zu wenig ist, die sich gegen ihre Oberen empört. Charles de Bourbon flieht, und Frundsberg kann sie bei Bologna nur damit beruhigen, dass er das Geld selbst in Rom abholen wolle. Als er einen Schlaganfall erleidet, kehrt Charles de Bourbon zurück und verspricht immer höhere Summen.

Am 5. Mai 1527 erreichen die empörten Truppen Rom, im Verlauf des nächsten Tages wird die Stadt gestürmt. Die Kardinäle flüchten in die Engelsburg, die Häuser von arm und reich werden geplündert, den Reichen werden zudem hohe Summen abgepresst. Auch die Kirchen werden ihrer geldwerten Schätze beraubt.

Im Sommer flieht die Söldnerschar in die Berge, um bis zum Herbst den Römern immer mehr abzupressen. Zwischen Herbst und Spätwinter ziehen die Truppen dann wieder ab; ein stattlicher Teil war trotz der Beute inzwischen gestorben, teils an Hunger, teils an Krankheit. Die übrigen suchen neue Kriegsschauplätze.

 

Die Heere werden im Laufe der Zeit immer größer, ein Wallenstein befehligt am Ende unserer Zeit hier bereits über mehr als 100 000 Mann.

 

 

Staatsfinanzen

 

Könige und Fürsten leben in der Regel über ihre Verhältnisse und machen Schulden. Die nicht seltenen Kriege müssen mit besonderen Steuern und Abgaben von den Untertanen finanziert werden, was in England wie 1523 erhebliche Proteste des Parlaments hervorruft, welches wenig kriegsbegeistert ist. In diesem Fall geht bereits Münzverschlechterung voraus, welche die Inflation treibt. "Von 1509 bis 1521/22 waren die Preise um gut 70% angestiegen, die Löhne aber um 30-40% zurückgegangen. Danach schwächte sich der Preisanstieg kurzfristig ab, um nach 1526 erneut stark zu werden. Die Löhne stagnierten bzw. gingen weiter zurück." (Gruner in: Postel/Koptzsch, S.281)

 

Der spanische Staatshaushalt wird unter Carlos I. massiv durch seine Kriege unter Druck gesetzt, was nach seinem Ende in einen Staatsbankrott mündet. Daneben finanziert der Kaiser seine Krieg aus den Niederlanden und den deutschen Reichsstädten.

Darüber hinaus nimmt er beim Finanzkapital "Anleihen in bisher ungekannter Größe" auf. "Zwischen 1520 und 1532 nahm er 5,4 Millionen Dukaten auf, durchschnittlich 414 000 pro Jahr; zwischen 1552 und 1556 sogar 9,6 Millionen, durchschnittlich fast 2 Millionen pro Jahr." (Schilling, S.157)

 

Langsame Entstehung eines Fiskus des Reiches:

1495 Gemeiner Pfennig

1507 Reichsfiskal

1521 Römermonat

1522 Reichszollprojekt

1543 Reichspfennigmeisteramt

 

 

Kapital und Macht

 

Das Verhältnis zwischen Kapital und politischer Macht verändert sich im 16. Jahrhundert, als Staaten ihre Finanzen etwas solider ordnen und zugleich die Banken geschickter im Umgang mit Staatsschulden werden.

Die Grenzen zwischen beiden verschwimmen aber überall dort, wo vor allem in Frankreich Unternehmer über den Zugang zum Hof auch Zugang zum Adel suchen. Ein bekanntes Beispiel ist der Florentiner Antonio Gondi, der über den Aufkauf von Landgütern in den Adel aufsteigt und zugleich dem König als Steuereintreiber dient. Von seinem ersten Tätigkeitsbereich in Lyon wechselt er 1550 an den Hof von Paris. Einer seiner Söhne wird dann Bischof von Paris, ein anderer Marschall von Frankreich, während eine Linie als Bankiers in Lyon bleibt. Nachfahren werden dann zu Herzögen und Kardinälen von Retz.

 

Im europäischen Bankwesen in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts verlieren florentinische Banken an Bedeutung gegenüber denen aus Süddeutschland und Genua. Letztere haben beide Zugang zu enormen Mengen an Edelmetallen. Die Fugger verleihen erhebliche Summen an Maximilian und erhalten dafür den Zugang zu den Bergwerken in seinem Reich. Sie und die Welser gewinnen großen Einfluss auf den Gewürzhandel in Antwerpen und Lyon. Insbesondere die Fugger besitzen 1527 bereits über 2 Millionen Gulden (dreiviertel des Florin) und 1546 über 5 Millionen, weit mehr als jede Bank in Florenz.

 

Fugger hilft geistlichen Herren im Reich mit Krediten, um Bischofswahlen zu gewinnen. "Mitarbeiter des Hauses Fugger zogen mit den Ablasspredigern durchs Land, um von jedem gezahlten Ablassgeld der Gläubigen sofort und ohne Umwege den Kredittilgungsanteil für das Haus Fugger einzubehalten." (Schnabel-Schüle, S.82f)

 

1519 benötigt Karl V. gut 852 000 rheinische Gulden an Bestechungsgeldern, um seine Wahl als römischer König/Kaiser durchzusetzen. Davon können die Fugger gut 543 000 leisten, die Welser, 143 000 und ein Genuese und ein Florentiner zusammen 165 000. Da Maximilian bei den Fuggern hoch verschuldet gewesen ist, bleibt denen nur die Hoffnung auf einen neuen Habsburger-Kaiser.

Der Versuch den Mächtigen durch die Geschichte nahestehender, insbesondere deutscher Historiker, die Tatsachen herunterzuspielen, ist blanker Unfug: Ohne solche Bestechungsgelder wäre der Habsburger nicht gewählt worden - nur deshalb werden sie gezahlt und angenommen.

1530 wird die Wahl Ferdinands zum römischen König bei den Kurfürsten außer dem sächsischen mit rund einer Million Gulden der Fugger erkauft.

Als 1532 eine Gesetzgebung gegen das Monopolwesen erarbeitet wird, wird Karl daran erinnert, dass er die Krone nicht ohne den Beitrag der Fugger erhalten hätte, und dass die Fuggerschen Interessen beim Gesetzeswerk zu berücksichtigen seien. 

 

Deutsche Firmen bieten unter Karl V. Geldleihen an die kastilische Krone, die in etwa denen der Genuesen entsprechen. Der erste Krieg des jungen Kaisers bedarf der Subsidien des Papstes, die auch Dank für Karls deutliche Haltung gegen Luther seit dem Wormser Reichstag sind. Zwischen 1520 und 1532 finanziert Finanzkapital in seinem Herrschaftsraum ihn mit Krediten von insgesamt etwa 5,4 Millionen Dukaten, von da an bis 1556 mit 9,6 Millionen. Die Vorteile sind beiderseitig: Der König/Kaiser kann damit seine Kriege und ihre Propagierung finanzieren, das große Kapital erzielt nicht nur geldliche Gewinne, sondern auch geldwerte Vorteile. Propagierung: "Kunst" kommt zwar damals auch immer noch von Können, aber dieses bedeutet auch weiterhin wesentlich die Verherrlichung von weltlicher wie kirchlicher Macht.

 

Die kriegerische Rivalität zwischen der französischen Krone und Habsburg führt dazu, dass der Kreditmarkt von Lyon immer mehr Geld hergeben muss. Unter 127 bekannten Geldverleihern in der Regierungszeit von Franz I. dort sind 87 Italiener und darunter noch 45 Florentiner. Für eine Geldleihe von 400 000 livres 1542 liefern Florentiner die Hälfte, Lucchesen 100 000 und die Welser und französische Banken jeweils 50 000.  Die Schulden laufen immer weiter auf und betragen alleine bei drei Florentiner Banken 1555 rund 1 073 000 livres. (Goldthwaite, S.259)

 

Mit dem schwerreichen Del Bene, schon mehr Franzose als Italiener, beginnen Versuche, Banken zu Konsortien für Anleihen zu organisieren. 1550 wird er Aufseher über die königlichen Finanzen für die italienischen Kriege von Henri II. In fünf Jahren, von 1551 bis 56 bringt er so mehr als 8 Millionen Livres für diesen Zweck zusammen.

Als die Staatsschulden immer mehr außer Kontrolle geraten, entwickelt Del Bene das Konzept der sogenannten Grand Parti de Lyon. Jetzt soll ein großes Syndikat von Banken die Staatsschuld gemeinsam bewältigen, wo hinein der König vor allem florentinische und deutsche Banken zwingt. Die Millionenschulden sollen so auf möglichst viele Schultern verteilt werden, die andererseits daraus ein regelmäßiges Einkommen garantiert erhalten. (Goldthwaite, S.260)

1559 im Vertrag von Cateau-Cambrésis verzichtet der König auf seine italienischen Ansprüche, aber seine Schulden steigen weiter, so dass es kaum gelingt, Zinsen auf die Schulden aufzubringen. Nur der Grund, den wichtigen Finanzplatz Lyon nicht aufzugeben, veranlasst die ausländischen Banken zum Bleiben. Aber mit dem Niedergang von Lyon Ende des Jahrhunderts ist die französische Krone bereits dabei, mit eigenen Mitteln den Staatshaushalt zu konsolidieren, während sie nun auf ausländische Banken immer mehr verzichtet.

 

Ein Sonderfall in der mittelalterlichen Geschichte ist die religiös begründete Entstehung eines mittelitalienischen Staates mit einem Papst als Fürst an der Spitze. Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts gelingt es den Päpsten, dieses Staatswesen nach Norden bis nach Umbrien, den Marken, der Romagna und nach Bologna auszudehnen.

Zu den kirchlichen Einnahmen kommen so immer mehr weltliche, allerdings ist der Haushalt in Rom immer mehr im Defizit und schon im frühen 16. Jahrhundert dienen die Einnahmen hauptsächlich der Bedienung der Schulden. Finanziert wird das Staatswesen einmal über das Leihen von Geld, üblicherweise zu 12%, wobei zukünftige Einnahmen als Pfand gelten, zum anderen über das Vergeben von Zöllen, dem Hafen von Ripa, der Münze, des Salzmonopols und der Alaunminen von Tolfa. Ämter werden direkt oder indirekt verkauft, sowohl mit einem Ansehen mehrenden Titel wie mit einem verbundenen Einkommen.

 

1486 beginnt die Konsolidierung der Staatsschuld durch die Etablierung eines Konsortiums von Bankiers, die für einen bestimmten Zeitraum Geld leihen sollen gegen ihre Kontrolle über die Einkünfte. Gegen Ende des Jahrhunderts ist dieser Kreis auf knapp 50 angewachsen, im wesentlichen Genueser und Florentiner. Später wird das in monti umgewandelt, für die Anteile verkauft werden, deren Zinsen durch die Zuweisung bestimmter Einkünfte garantiert werden. Die Mehrzahl dieser Anteile sind praktisch lebenslange Renten (Goldthwaite, S.251). Mit den Monti wird die Staatsschuld übersichtlich geregelt, und sie zieht neben Banken auch private Anleger an.

 

Unter den della-Rovere-Päpsten aus ihrer Heimat beherrschen zwischen 1471 und 1513 Firmen aus Genua das Geschäft. Vorübergehend dominieren deutsche Firmen neben den Genuesen, gefördert von den Habsburgern. Sie transferieren auch die deutschen Kircheneinkünfte nach Rom. Nach dem Sacco di Roma 1526 übernehmen wieder Genuesen und Florentiner.

 

Beispielhaft für das verwickelte Netz römischer Geschäfte fasst Goldthwaite die Karriere von Benvenuto Olivieri (1496-1549) aus Florenz zusammen. Er ist Enkel eines Goldschmieds und Sohn eines Kaufmanns, dessen Firma schon über Europa Geschäfte macht. Mit zwanzig Jahren geht er nach Rom und wird nach einer Weile Partner von Bindo Altoviti und Filippo Strozzi, als Gegner von Cosimo I. im Exil. 1539 ist er so weit, dass er die Salzzölle in Rom kaufen kann, 1540 bis 43 ist er depositario der Apostolischen Kammer, 1540 kauft er mit fünf anderen 25% der Salzzölle in der Romagna, mit drei anderen 25% der Verwaltung der römischen Münze, und alleine 25% der Weinsteuer von Rom. 1541 kauft er sich mit vier anderen mit 20% in den Staatsschatz von Peruigia ein, 1542 mit 30% in den von Parma und Piacenza. Im selbst Jahr kauft er sich mit einer Anleihe den Titel eines apostolischen Sekretärs. 1543 in weitere Zölle von Rom. Von 1545 bis 46 ist er wieder depositario und 1546 erhält er mit fünf anderen 25% des Schatzes der Romagna.

Alle diese Anteile laufen jeweils über mehrere Jahre. Dazu kauft und verkauft er Kreditpapiere der Monti, lässt Getreide nach Rom importieren und gewinnt vom Genueser Großunternehmen einen Untervertrag für die Lieferung von Alaun an bestimmte französische Häfen. Bereits 1543 hat seine Hauptfirma ein Haben von 302 000 Dukaten, dreimal so viel wie die Medicibank in Rom. (Goldthwaite, S.252ff)

 

 

Fürstliche Prachtentfaltung

 

Das Mittelalter ist eine Erfindung des 15./16. Jahrhunderts, die Renaissance eine des 19. Sehr derb ausgedrückt handelt es sich um Vermarktungsstrategien von Literaten und Künstlern. Eine auch nur ansatzweise Wiedergeburt der Antike hat es nach ihr nie mehr gegeben, vielmehr eine kontinuierlich zunehmende Entfernung von ihr.

 

Die bei Einzelnen feststellbare Emanzipation des Kunsthandwerks in das hinein, was dann später in den extrem verengten neuen Kunstbegriff mündet und seine zunehmende Verweltlichung, ist wesentlich eine Folge des sich immer weiter entfaltenden Kapitalismus. Die neue Kunst ist Prachtentfaltung immer reicher werdender Reicher.

 

Die Paläste hoher Adeliger und Fürsten wie die reicher Kapitalisten werden immer größer und immer kostspieliger ausgestattet. ob in Florenz, an der Loire oder in England. In sie fließt viel produktive Arbeit und distributive Macht: Macht muss als Reichtum dargestellt und offensichtlich werden.

 

1529 lässt Henry VIII die Küchen von Hampton Court erweitern. Es handelt sich nun um 55 Räume mit einer Fläche von rund 300 m², in der 200 Leute für 600 Menschen bei Hofe arbeiten. Es gibt 3 große Keller für Wein und Bier. 27 000 Hektoliter Bier sollen pro Jahr konsumiert worden sein. In 300 Eichenfässern lagert Wein vorwiegend aus der Gascogne, aus denen 680 Hektoliter jährlich entnommen werden. Es wird vorwiegend Fleisch gegessen, und alleine zum Grillen desselben an Spießen wird täglich eine Tonne abgelagertes Eichenholzes verbraucht. Der Tudormonarch ist allerdings selbst ein besonderer Fall von Verfressenheit und verfettet im Laufe seines Lebens so stark, dass er sich irgendwann kaum noch bewegen kann.

 

Deutlich geringer ist die Prachtentfaltung deutscher Fürsten, unter denen der wettinische Herzog Georg ("der Bärtige") wiederum nur einen mittleren Rang einnimmt. Als er 1496 Barbara, Tochter des polnischen Königs heiratet, setzt er dennoch alles ein, was er hat: "Über tausend Personen wurden in und um Leipzig untergebracht und verköstigt. An die 150 Ochsen wurden gebraten, circa 740 Pfund Hecht zu Suppe verkocht und 81 Biberschwänze, eine zeitgenössische Delikatesse, zubereitet. Dazu wurden 100 000 Liter Bier und 1500 Liter Wein, Most und Met getrunken. (...) Insgesamt beliefen sich die Kosten für die Feier auf rund 44 300 Gulden, von denen Kurfürst Friedrich III. fast 40 Prozent bezahlte." (Rogge, 190)

 

***Das Kurfürstentum Brandenburg***

 

Bei Joachim II. schlafen die Kammerdiener im Schloss. Die etwa 20 adeligen Hofjunker begleiten den Fürsten zum Kirchgang, auf der Jagd und liefern auch ansonsten Geselligkeit und feierlichen Rahmen. Es gibt für die Fürstin etwa 12 überwiegend adelige Hofdamen und eine größere Zahl Edelknaben. Am Ende der Herrschaft Joachims II. sind es dann etwa 50 Hofdamen und Hofjunker.

Daneben gibt es einen adeligen Türknecht und ebenfalls adelige Mundschenken über Fürst und Fürstin. Überdurchschnittlich hoch dotiert werden ein bis zwei Leibärzte, die auch die Hofbeamten und das Gesinde behandeln sollen, wie auch der Hofbarbier verpflichtet ist.

 

Während der Küchenmeister im 15. Jahrhundert für Großeinkäufe zuständig ist, werden die alltäglichen Einkäufe vom Küchenschreiber getätigt. Je mehr die Arbeit des Küchenmeisters im 16. Jahrhundert auf die Küche selbst eingeschränkt wird, desto mehr wird der Küchenschreiber sein bloßer Gehilfe. In der Küche Joachims II. arbeiten u.a. sieben Köche, ein Bratmeister, ein Abwäscher, zwei Bratenwender und eine Anzahl Knechte. Die Köche haben im Schloss zu schlafen und sich nicht eigene Huren zuzulegen.

"Am Morgen wurden der herschafft zehn Speisen angeboten, am Abend neun. An den acht Tischen der herschafft saßen die Räte, die Edelleute, die Einrosser, die Jungfrauen, die Mitarbeiter der Kanzlei, der Harnischmeister, der Trompeter und der Marstaller." (Ahrens, S.181) An weiteren sieben Tischen sitzen die, die weniger verschiedene Speisen angeboten bekommen.

  

Im Keller werden Wein, Bier und Brot aufbewahrt, worüber ein Kellner wacht, welcher auf einem Kerbholz ständig "Buch" führt. Vier Arbeitskräfte dienen hier. Zu beiden Mahlzeiten wird Wein und nach Bedarf auch Bier gereicht.

In der Silberkammer wiederum wird das Silbergeschirr, werden Kerzenhalter und Tisch- wie Bettleinen aufbewahrt und hier arbeiten vier Knechte. 

 

In der Schneiderei arbeiten zwei Schneider für Fürst und Fürstin mit Gehilfen. Sie haben vor allem auch jährlich neue Hofgewänder zu erarbeiten. Dazu kommt zeitweise ein Färber.

 

Auf dem Mühlenhof wird gemahlen, gebacken, gebraut und geschlachtet. Nach 1470 sind hier ein Mühlmeister, ein Mühlschreiber und ein Zöllner. Mühlschreiber und Zöllner sollen sich dabei gegenseitig in der Buchführung kontrollieren. Dazu kommen wenigstens 30 Personen, "der Hofbäcker mit zwei Knechten, der Hofmetzger mit einem Knecht, die Köchin für das Gesinde, der Futtermesser, der Stellmacher, zwei Wagenknechte, zwei Schweineknechte, zwei Hirten für die Rinder- und Schafherden, der Hofschuster, ein Sattler, ein Seiler, vermutlich jeweils zwei Knechte in der Walkmühle, der Lohmühle und der Sägemühle sowie die diversen Knechte der Getreidemühlen." (Ahrens, S.190) Um 1540/50 gehören zum Amt Mühlenhof mit seinem Amtmann zwei Vorwerke in Schöneberg und Wilmersdorf, mehrere Dörfer, ein Gut in Niederbarnim und die Weinberge von Cölln.

 

Der Marstaller beaufsichtigt einen Pferdehof von über einhundert Pferden, von denen ein Teil den Hofbeamten zugeordnet ist und zusätzlich ca. 30 Wagenpferde.. Dazu gehört ein Hufschmied und mehrere Knechte, insgesamt unter Joachim II. neunzehn Leute. Knechte und Jungen haben im Marstall zu schlafen.

 

Es gibt einen Hofzimmermann und bald zwei Dachdecker. Dazu kommt ein Hofmaler. Dazu kommen bei Joachim II. zehn Trompeter, ein Zinkenbläser, ein Pauker und ein Harfenist. Zumindest einige von ihnen beherrchten wohl auch andere Instrumente. 

Es gibt einen Jägermeister und eine Anzahl Jäger mit ihren Knechten. Hunde- und Windhundehalter kommen dazu.

Es gibt zudem einen Gärtner, eine Anzahl Wagenknechte, die Knechte und Jungen der Hofjunker, sechs reitende und zehn laufende Boten und andere. Insgesamt sind im Hofstaatsverzeichnis von Joachim II. 455 Personen aufgeführt, nachdem es bei Friedrich II. zunächst nur gut 50 waren.

 

Über die Harnischkammer wacht ein Harnischmeister mit einem Knecht, über das Schießgerät ein Büchsenmeister mit Gießer, Kleinschmied und Knechten.

 

 

Die Idee vom dem Gemeinwohl nutzenden Eigennutz

 

Die uns derart bekannte Natur wird getrieben von Gesetzmäßigkeiten. Zu ihnen gehört, dass Leben durch Leben ermöglicht wird. Das wäre nicht möglich, wenn es nicht bis einige Zeit nach der Geschlechtsreife anhielte, um dann fruchtbar zu werden. Dabei wird es von Eigennutz getrieben, der manchmal wie bei der Löwin ihre Jungen umfasst und wie teilweise bei Ameisen oder Bienen ein ganzes Volk. Ohne Eigennutz keine lebendige Natur. Menschen schlossen sich zu diesem Zweck zu kleinen Verbänden aus wirklichen oder ideellen Verwandten zusammen. In Zivilisationen werden sie den Interessen von Machthabern unterworfen, deren Eigennutz über dem der Untertanen steht und ansatzweise bereits als Gemeinwohl propagiert wird.

 

Mit dem beginnenden Kapitalismus treffen der politisch-rechtlich übergeordnete Eigennutz der Machthaber auf den von ihnen geförderten der Agenten des Kapitals. Dieser, von der Gier getrieben, lässt sich nicht mehr "christlich" begründen, sondern nur aus höchst irdischen Interessen heraus. Damit befasst sich schon das hohe und späte Mittelalter in vornehmlich moralisierenden Texten, die immer mehr auf antike Vorbilder zurückgreifen: Der gemeine Nutzen entsteht dabei aus dem höchst eigenen, der auf sehr verschiedene Weise zustande kommt. Die Summe des Eigennutzes aller ergibt den gemeinen Nutzen, wobei die Reichen und Mächtigen eben viel mehr beitragen als die ärmeren und machtloseren Massen.

 

Wo Kapital und Staat so zusammenfallen wie in der Republik Venedig, wird der Erfolg der großen Handelshäuser mit dem Wohlstand der Stadt gleichgesetzt. Tatsächlich fällt von dem Gold und Silber, welche in die Stadt fließen, immer auch etwas für die Handwerker, kleinen Ladeninhaber und für die Lohnarbeiter ab. Um 1500 schreibt der reiche Kaufmann Girolamo Priuli in eines seiner Tagebücher (diari):

Mein Vater, der stolz auf sein Heimatland und seine Freiheit war, suchte Tag und Nacht nach Wegen, um Geld zu machen (...) Geschäfte sind etwas Gutes für die öffentliche Wirtschaft. (so in: Rösch, S.154)

 

Der Lokalpatriotismus, seit der Nachantike in norditalienischen Städten von den Mächtigeren propagiert, wird im Maße der Kapitalisierung der jeweiligen Stadt nach und nach durch den Reichtum samt resultierender Macht und seine Symbole verstärkt. Dabei wird der honor, der den Fürsten zusteht, hier auf die Stadt übertragen. Honor, also Ehre, und Stolz gehören dabei zusammen. Die Freiheit, die Venedig seit dem Zugriff auf die Terra Ferma und dem Überfall auf deren Despoten für sich in Anspruch nimmt, besteht in der Einschränkung der Macht des Dogen, was für die Masse der Menschen dort keinen wesentlichen Unterschied macht, bleibt sie doch politisch entrechtet.

 

Vom Humanisten Konrad Peutinger ausdrücklich vertreten, ersetzt diese Gemeinwohl-Idee schließlich zunehmend die bislang gängigen Abwehrhaltungen gegenüber den Vorwürfen von Wucher, Geiz und Gier. An die Stelle der gottgewollten Ordnung alten Stils tritt ein säkularer Rationalismus, der dem von der Natur getriebenen Eigennutz eine wirtschaftstheoretische Überhöhung gibt, die bis tief ins 18. Jahrhundert dominieren wird. Lange vor einem Begriff von Kapitalismus wird dieser so zur natürlichen Grundlage von Wohlstand hochstilisiert und geradezu zu einer moralischen Anstalt.

Noch später wird die Verbindung sozialistischer Elemente mit dem ansonsten eher geförderten Kapitalismus in der Sozialdemokratie zur Variante der alten Theorie. Der Staat sorgt dafür, dass der Eigennutz in gemeinsinnige Bahnen gelenkt existieren soll.

 

 

Öffentliche Wohlfahrt und Sozialdisziplinierung, Policey

 

Die allenthalben öffentlich wahrnehmbare Armut mit ihrem Bettelwesen wird mancherorts in deutschen protestantischen Landen mit einem Teil des aus Säkularisation hervorgegangenen Geldes eingegrenzt. Armenpflege setzt ein, und in aufgehobenen Klöstern werden manchmal Spitäler für Arme, Blinde und Kranke eingerichtet.

 

Elizabeth I macht die Armenfürsorge mit dem Poor Law zur kommunalen Aufgabe: Die Besitzenden der Gemeinden müssen nun nach Einkommen eine Art Armensteuer zahlen, die die Armut kommunal, wenn auch notdürftig, finanziert. Wer nicht arbeiten kann, wird (schlecht) alimentiert, wer dazu imstande ist, dem wird dazu verholfen bzw. er wird dazu gezwungen. Geduldete Bettler werden nun lizensiert. Armut heißt damals, der Gefahr ausgesetzt zu sein, zu verhungern oder zu erfrieren. In Erscheinung treten diese Armen als Vagabunden oder ortsansässige Bettler und in den Augen vieler wirken sie als Störenfriede bürgerlicher Ordentlichkeit.

 

Die Niederlande entwickeln nach ihrem Aufstand ein für die Zeit vorbildliches Sozialsystem u.a. mit Waisenhäusern.

 

Insbesondere protestantische Fürsten und Städte betreiben in deutschen Landen strenge Sozialdisziplinierung, die oft unter den Begriff der Kirchenzucht fällt. Die Bestrafung von Gotteslästerung, Ungehorsam gegen die Eltern und fehlenden Kirchenbesuch wird zunehmend bestraft. Darüber hinaus unternehmen Behörden Maßnahmen gegen Völlerei und den Suff, gegen Glücksspiel und Müßiggang, Prostitution, Ehebruch und vorehelichen Geschlechtsverkehr. Sogar gegen Fluchen und Wirtshaus-Schlägereien wird vorgegangen, und wie schon zuvor gegen Luxus-Aufwand aller Arten. Manchmal werden von Pfarrern Hausbesuche vorgenommen.

Kirchenbücher kommen auf, in die Geburten, Eheschließungen und Todesfälle eingetragen werden. Die Untertanen werden registriert.

 

Ein Kirchenregiment der katholischen Fürsten bleibt schwächer, da es seine Grenzen in der bischöflichen Gewalt findet.

 

 

Das Regieren nach innen und unten betreibt die Policey mit ihren (Ver)Ordnungen, die immer mehr detailliert regulieren. Dazu gehören auch Handwerks- und Zunftordnungen, Wegeordnungen, Zinsordnungen, Apothekenordnungen und solche für das Medizinalwesen. 

 

 

Deutsche Fürstentümer

 

Die Tendenz zu dem, was Historiker dann Territorialisierung nennen werden oder Landesherrschaft, schreitet weiter voran. Dazu wird, wo noch nicht vorhanden, die Primogenitur durchgesetzt wie 1535 für Braunschweig-Wolfenbüttel, wodurch Fürstentümer unteilbar werden. Wo möglich wird das Territorium durch Krieg und Überfall erweitert, was neue Einkünfte für das Fürstenhaus bedeutet. Im Inneren schreitet die Unterordnung von Adel und Städten voran, wobei den letzteren oft zunehmend die eigenen Rechte genommen werden. Dazu dient in protestantischen Landen das landesherrliche Kirchenregiment, der Ausbau einer zentralen Verwaltung und Besteuerung, mit der Untertänigkeit ihre Vollendung erreicht.

 

Was bislang Sache der Städte war, Policey und gute Ordnung auf der Basis eines gemeinen Nutzens, setzt sich immer mehr auch in den deutschen Fürstentümern durch. Derweil geraten immer mehr Städte unter landesherrliche Aufsicht.

 

Die von den Fürsten kontrollierten Universitäten werden als Ausbildungsstätten für fürstliche Dienstbarkeit benutzt. So gründet Friedrich der Weise 1502 die Universität Wittenberg als Konkurrenz zum herzoglichen Leipzig.

 

Langsam werden in den Fürstentümern einheitliche Maße eingeführt. Ab 1502 gelten im albertinischen Sachsen die Leipziger Elle, Erfurter Gewicht und Jenaer Eimer. Zum ersten Mal gibt es seit 1506 ein einheitliches Strafgesetz für ein Territorium (Bamberg). Fürsten werden zu Gesetzgebern, und auf Papier gedruckt können Gesetze nun auch verbreitet werden. Sie gelten aber vor allem als Zusammenfassungen alten Rechtes.

1526 erhält die Oberpfalz auf Drängen der Stände eine Landesordnung.

 

Allein die Brandschatzung des Hochstiftes Speyer 1552 durch Markgraf Albrecht Alcibiades kostet dieses 118 000 Gulden. Als Erzbischof Philipp von Flersheim im selben Jahr stirbt, übernimmt sein Nachfolger neu aufgenommene Schulden von rund 35 500 Gulden, für die jährlich 1600 Gulden Zinsen zu zahlen sind.

Als Markgraf Christoph von Baden 1537 stirbt, hinterlässt er beiden Söhnen zusammen (nur) rund 100 000 Gulden Schulden. (Andermann in: Auge, S.256f) Andererseits hinterlässt der Kurpfälzer Philipp 1508 270 000 Gulden an Schulden, von denen er mehr als die Hälfte selbst verursacht, den Rest aber schon ererbt hat.

 

Wesentliche Opposition gegen die deutschen Fürstenstaaten leisten vor allem größere, sich selbst verwaltende Städte. Darum ziehen die Fürsten aus ihren angestammten Burgresidenzen in solche willfährigerer Orte, wie die fränkischen Zollern, der Kölner Erzbischof oder die sich von Braunschweig nach Wolfenbüttel bewegenden Welfen. 

 

***Wettiner 1500-1550***

 

1498 wird Herzog Albrecht Gubernator von Friesland. Sohn Heinrich soll Friesland erhalten und Georg das Herzogtum Sachsen. Beide sollen sich gegenseitig beerben. Es gilt die Individualsukzession des Erstgeborenen und die Unteilbarkeit des Herzogtums. 1500 stirbt Albrecht während des Kampfes gegen die aufständischen Friesen, die neuartige Landesherrschaft nicht ertragen wollen. Georg lebt bald zurückgezogen in Freiberg und lässt seinen Bruder regieren. Der verkauft Friesland für 100 000 Gulden an Erzherzog Karl (später Karl V.), den Enkel Maximilians.

Georgs Sohn Johann heiratet die Tochter des Landgrafen von Hessen, Tochter Christina Landgraf Philipp I. von Hessen. 

 

Georg selbst residiert im Dresdener Schloss, welches ausgebaut und mit religiösen Wandmalereien verziert wird. Seit 1530 sind die Einnahmen wieder höher als die Ausgaben. "Bei seinem Tod hatte Georg zwar noch etwa 250 000 Gulden Schulden, aber auch einen glänzenden Kredit und ein gesundes Finanzwesen." (Rogge, S.192)

Es gibt eine Landrentkammer, der Rentmeister hat auch die Aufsicht über die Kammerkasse für die fürstliche Hofhaltung, und es gibt eine kleinere fürstliche Privatschatulle. Die täglich tagenden fünf bis sechs wichtigen Räte können in seiner Abwesenheit Beschlüsse fassen. Sie kommen vor allem aus dem niederen Adel, werden aber durch bürgerliche Finanzspezialisten ergänzt. 1532 wird eine berittene Polizeitruppe aufgestellt.

Zur Konsolidierung der Landesherrschaft gehört auch die Auslösung verpfändeter Ämter.

 

1486 stirbt Kurfürst Ernst. Die Söhne Friedrich III. ("der Weise") mit der Kurfürstenwürde und Johann sollen ihm gemeinsam nachfolgen. Mit ihnen kommt es zu Konflikten über die Führung der Handelswege, weil Georg sie über seine Gebiete leiten möchte. Dabei geht es vorrangig um das Geleitgeld. Daneben gibt es Streit um den Zehnten auf das Silber vom Annaberg.

 

Friedrich III. heiratet nicht, hat aber ein Verhältnis mit einer unstandesgemäßen Anna Weiler, mit der er mehrere Kinder hat. Er gründet 1502 in Konkurrenz zu der in Leipzig die Universität von Wittenberg. Sein Reichtum basiert auf den Schneeberger Silberminen.

Friedrich baut eine prunkvolle Reliquiensammlung auf und macht 1505 Lukas Cranach d.Ä. zu seinem Hofmaler.

 

Georg versucht Klöster zu reformieren, lässt 1518 Luther in Dresden predigen und setzt sich ein Jahr später für die Leipziger Disputation zwischen Luther und Eck ein. Wegen dieser wendet er sich von Luther ab, der für ihn nun Häretiker ist. Während im ernestinischen Kursachsen und Thüringen die Reformation unbehelligt bleibt, wird sie von Georg  mit Schriftenverboten, Verhaftungen und Ausweisungen verfolgt.

 

1525 erhält Friedrich auf dem Sterbebett die protestantische Form des Abendmals.

 

Die Ernestiner Johann ("dder Beständige") und dann Johann Friedrich veranlassen zwischen 1528 und 1538 Visitationen, setzen 1538 eine Kommission zur Sequestration ein und errichten 1539 in Wittenberg ein Konsistorium.

 

1539 stirbt Georg und Sohn Herzog Heinrich schließt sich aufgrund des Einflusses seiner Frau Katharina den Lehren Luthers an. Es kommt zu einem ersten offiziellen evangelischen Gottesdienst in der Dresdener Kreuzkirche, zu Visitationen und dem Einzug von Klostergut. Aber er tritt dem Schmalkaldischen Bund nicht bei und stirbt schon 1541.

 

1541-46 ist Moritz Herzog von Sachsen. Er strebt als Protestant ein gutes Verhältnis zum Kaiser an. Um die Türkensteuer gibt es 1542 einen Konflikt mit Johann Friedrich. Moritz bleibt neutral gegenüber dem Schmalkaldischen Bund und tritt dann ab 1546 aktiv an die kaiserliche Seite Dann wird über den ernestinischen Kurfürsten und Landgraf Philipp von Hessen die Reichsacht verhängt und Moritz der Vollzug auferlegt. Er und König Ferdinand rücken dann in Kursachsen und Hessen ein. 1547 wird Johann Friedrich bei Mühlberg vernichtend geschlagen, wird eingesperrt und seiner Herrschaften entledigt. Der Herzog erhält den größten Teil der ernestinischen Besitzungen und wird Kurfürst. Die ernestinische Linie behält nur einige Ämter, darunter Weimar, Jena, Gotha und Eisenach. Danach ergibt sich auch Philipp von Hessen.

 

1547-53 ist Moritz Kurfürst. 1548 beendet das Augsburger Interim die Gespräche zwischen evangelischen und katholischen Ständen. Durchsetzen kann es der Kaiser nur in Südwest-Deutschland. Moritz wird beauftragt, Magdeburg zu belagern und stellt sich ab 1551 ganz auf die Seite der (norddeutschen) Fürstenopposition gegen den kaiserlichen Zentralismus und die Bedrohung des Protestantismus. 1552 verpflichtet sich Henri II. im Vertrag von Chambord, diese mit 70 000 Goldkronen zu finanzieren, wofür die Fürsten zur Abtretung von Metz, Toul, Verdun und Cambrai an Frankreich bereit sind.

 

Die Truppen von Moritz verjagen den Kaiser bis nach Kärnten. Im Passauer Vertrag wird das Interim praktisch aufgehoben und die beiden gefangenen Fürsten werden freigelassen.

Dann arbeitet Kursachsen wieder mit den deutschen Habsburgern zusammen. Bei Sievershausen wird Albrecht Alkibiades vernichtend geschlagen und muss nach Frankreich fliehen. 1553 stirbt Kurfürst Moritz.

 

Zwischen 1553 und 1586 herrscht Kurfürst August von Sachsen mit drakonischer Härte, bis 1574 von zwei bürgerlichen Kanzlern unterstützt, bis sie dann durch einen vierköpfigen Geheimen Rat abgelöst werden, der aus zwei bürgerlichen und zwei adeligen Räten besteht. Er hält am Augsburger Religionsfrieden fest und sucht außenpolitische Stabilität als Führer der Protestanten. Dabei orientiert er sich an Melanchthon. 1580 erscheint ein lutherisches Konkordienbuch, wobei Täufer und Calvinisten ausgeschlossen sind. "Krypto-Calvinisten" werden verfolgt und inhaftiert. Konsistorien und Superintendenten werden eingerichtet und Visitationen durchgeführt. Die Kirche führt eine Vorzensur durch.

Die Ernestiner werden zunächst mit einigen Ämtern abgefunden. 1563 fällt Wilhelm von Grumbach in Würzburg ein, gestützt von Herzog Johann Friedrich II. von Sachsen. Sie ziehen sich nach Gotha zurück, wo er 1567 mit dem Herzog und dem ernestinischen Kanzler gefangen genommen wird. Grumbach wird gefoltert und lebendig gevierteilt. (Rogge, S.224) Der Herzog wird lebenslang in Wien eingesperrt.

 

Im Inneren wird die Verwaltung seines Herrschaftsgebietes seit Moritz von Sachsen durch Einteilung in fünf Kreise vor allem für die Steuerverwaltung und Rekrutierung von Aufgeboten  ausgeübt, die wiederum in Ämter gegliedert sind. 1574 wird ein vierköpfiger Geheimer Rat für alle wichtigen politischen Angelegenheiten eingesetzt. Geistliche Territorien werden säkularisiert. "Die Stiftsgebiete der Bistümer Meißen, Merseburg und Naumburg sowie große Teile von Klosterbesitz gliederte er in sein Territorium ein." (Rogge, S.227) Zudem kauft er private Grundherrschaften auf. Teile vom Amt Plauen sowie Anteile der Grafschaft Mansfeld kommen dazu.

Hofhaltung und Landesregierung mit dem kollegial operierenden Hofrat werden deutlicher getrennt. In Leipzig richtet schon Moritz ein Oberhofgericht ein, in Wittenberg ein Hofgericht. Unten besitzt jedes Amt ein Landgericht. 1572 erscheint ein Gesetzbuch u.a. für Straf- und Zivilrecht, welches im Kern bis 1862 Gültigkeit behält. 

1543/44/50 werden drei Fürstenschulen eingerichtet, die eine kostenlose, sechsjährige Ausbildung bieten, die mit elf, zwölf Jahren beginnt, und deren Inhalte von Melanchthon im Auftrag des Fürsten mitbestimmt werden. 

 

Landwirtschaft, Bergbau, Textilproduktion und Handel florieren. Der Fürst führt  seine landwirtschaftlichen Kammergüter mit unternehmerischem Geist, sie werden erweitert, und in ihnen nimmt Lohnarbeit zu. Bis ins Detail werden Arbeitsvorgänge und die Verköstigung des Gesindes vorgeschrieben. Verbesserung der Produktivität bei Spezialisierung tritt in den Mittelpunkt. Bis zu 40 fürstliche Schäfereien bedienen die Textilproduktion. Eine detaillierte Forstordnung soll die Wirtschaftlichkeit der Wälder gewährleisten. Das fürstliche Wild wird systematisch vermarktet. Am Ende erreicht er 400 000 Gulden Gewinn aus seiner Landbewirtschaftung. (Czok in: Postel/Kopitzsch, S.299) Kurfürstin Anna kümmert sich um die Verarbeitung von Milch zu Butter und Köse und um die Verbesserung der Schweine- und Kuhrassen. (Rogge, S.227)

 

Der Fürst fördert den Bergbau nicht nur, sondern erweitert seinen eigenen Besitz und seine Anteile (Kuxen) daran. Er erwirbt eine Saigerhütte, lässt in Dresden eine Schmelzhütte von Fronbauern und Lohnarbeitern errichten, und er besitzt das Monopol auf das Saigern von Schwarzkupfer. Überall lässt er durch Bürgerliche wie Georg Agricola an der Ertragssteigerung arbeiten.

 

Ansonsten betreibt er Wirtschaftsförderung, wie die der Leipziger Messe. Für Notzeiten erlässt er eine Getreideordnung und lässt Getreidemagazine anlegen. Als Lutheraner wendet er sich - wohl erfolglos - gegen Wucherzinsen von mehr als 5%. 

Eine große Werkzeugsammlung in seinem Dresdener Schloss zeugt von seinem Interesse am Handwerk, welches er fördert, während er nach und nach den Zünften ablehnender gegenüber steht. Besondere Förderung genießt die Tuchherstellung, auch durch Ansiedlung holländischer Weber. Die Tendenz zur Auslagerung der Weberei auf das Land nimmt zu. 

 

Das Ergebnis ist der Abbau riesiger Schulden von seinem Vorgänger und Bruder Moritz (1,6 Mio Gulden), und neben dem Reingewinn aus den Kammergütern von zwischen 250 000 und 400 000 Gulden einer von 620 000 Gulden aus den landesherrlichen Ämtern. Inzwischen bewilligen die Landtage immer wieder direkte und indirekte Steuern, wobei die Einblick in den Schuldenstand und die Verwaltung dser Steuereinnahmen haben. 1570 wird ein von vier Vertretern des Landesherrn und vier weitere von den Ständen etabliert. Die Münze wird von Freiberg nach Dresden verlegt.

 

Bei seinem Tod hinterlässt er Bargeld von zwei Millionen Talern, die in Kisten und Säcken im Schloss liegen. (Alles Czok, s.o., S.305) Zu alledem verhilft auch eine intensive Sparsamkeit bei Hofe. Andererseits lässt er sich die mit Malereien geschmückte Augustusburg erbauen, die dann vorwiegend als Jagdschloss dient, ähnlich wie die ebenfalls von ihm erbaute Annaburg.

Für seinen Hof mit 300-500 Personen versucht er, christlich-moralischen Lebenswandel durchzusetzen, die neun Hofjungfrauen der Gemahlin Anna sind den größten Teil des Tages eingesperrt und unter Bewachung.

 

1558 gründet die ernestinische Linie mit Jena eine eigene Landes-Universität

 

 

Kriminalität und fürstliche Justiz

 

Was Verbrechen ist, bestimmen in Zivilisationen die Machthaber, wobei sie allerdings das Einverständnis der Untertanen suchen müssen. Deshalb gelten Mord und Totschlag von Militärs im Krieg und durch Büttel der Macht wie die Polizei so wenig als Verbrechen wie das legalisierte Berauben der Bevölkerung durch Abgaben und Steuern.

 

Die Bandenbildung im späten Mittelalter ist verschieden von moderner organisierter Kriminalität, die weitgehend in die modernen Staatswesen eingebettet ist. Vielmehr ist es damals so, dass das Raubtier-Verhalten von Fürsten und höherem Adel von "kleinen Leuten" kopiert wird, um selbst auf Raub in größerem Maßstab auszugehen. Zwischen der Piraterie als Kaperschiff im Auftrag der Hanse oder von Fürsten des 16.-18. Jahrhunderts und der selbst initiierten Seeräuberei bestehen bis ins Personelle hinein fließende Übergänge. Dasselbe betrifft das Söldnerwesen, legalisiert als Auftrag von Fürst oder Stadtrepublik, illegalisiert, sobald der Auftrag vorbei ist. 

 

Die Idealisierung der Räuberbanden zur See und an Land geschieht wie bei den Vitalienbrüdern oder dem sagenhaften Robin Hood erst, nachdem deren Grausamkeiten verblasst sind. Sie kommt den werdenden Staaten gelegen, soweit sie Opposition in Konkurrenzverhalten zum Staat ableitet, und beschäftigt die Gemüter der Untertanen dann als Tröstung gegenüber staatlicher Übermacht. Die wenigstens haben es ihnen gezeigt...

 

Justiz ist vor allem legalisierte Machtausübung über Untertanen zum Zweck des Machterhaltes. Im Artikel 127 der 'Constitutio Criminalis Carolina' von 1532 heißt es entsprechend: Wer fürsetzliche und boßhafftige Auffruren des gemeinen Volks wider die Oberkeit macht, wird nach einem ordentlichen Verfahren hingerichtet oder des Landes verwiesen. (Blickle(2), S.115)

 

Das Banditentum nimmt im 16. Jahrhundert zu, und dazu heißt es in einem französischen Erlass des Königs von 1539:

In Anbetracht dessen, dass uns mitgeteilt wurde, es habe vormals gegeben und gebe zuweilen immer noch an manchen Stätten und Orten unseres Königreichs verschiedene unerlaubte Versammlungen, Umtriebe und Handlungsweisen aus Anlass von Streitigkeiten unter Edelmännern und anderen unserer Untertanen oder Leuten anderer Herren, die, in Begleitung oder unbegleitet, bewaffnet durch Felder. Wälder, Gehölze und Wege kommen und gehen, maskiert und auf andere Weise verkleidet, um nicht an ihren Kleidern oder ihrer Begleitung erkannt zu werden, was ein äußerst übles Beispiel und von verderblichen Folgen für die Zukunft ist. (in: Muchembled, S.146f)

 

In Anbetracht ergangener Mitteilung, dass verschiedene uns unterstehende Kriegsleute zu Pferd und zu Fuß und andere Vagabunden und Sesshafte unser armes Volk auf vielfältige Weise an Leib und Leben, Hab und Gut stark bedrücken, das flache Land besetzen, seine Bewohner ausplündern und bestehlen, Frauen und Mädchen nötigen und vergewaltigen, die Leute, die kommen und gehen, ausrauben und totschkagen, zu unserem sehr großen Bedauern und Verdruss, (in: Muchembled, S.147)

wird eine Vorform der Gendarmerie mit den prèvôts des Maréchaux und ihren Hilfskräften eingerichtet. Diese können mittels Schnellgerichten von vier ortsansässigen Notabeln schnelle Bestrafung durchsetzen und sie werden bis zum Ende des Ancien Régime durch ihre Brutalität Schrecken einjagen. 

 

Aber noch gibt es zunächst in manchen Fällen statt herrschaftlicher Strafe finanziell geprägte Übereinkünfte. So heißt es 1553 im Hainault:

Wie es den 10. Tag des vergangenen Dezembers, gegen 12 Uhr mittags, mitten in Estroen-le-Cauchie zwischen den besagten Bernard und Hubert zu einem Kampf gekommen ist, in dem Hubert durch zwei Degenstöße an rechtem Arm und rechter Hand verletzt wurde, wodurch er ungefähr 14 Tage danach vom Leben zum Tod kam. Weshalb sie auf Ansuchen des besagten Täters ein solches Einvernehmen erzielt haben, wie folgt: dass der besagte Courbet im Auftrag des Täters in der Kirche des besagten Floyon einen Gottesdienst in mittlerer Größe feiern lassen wird, nämlich bestehend aus Vigilien zu neun Lesungen und hoher Messe, und zwar binnen 14 Tagen. Ferner, dass er die besagte Witwe für alle den besagten Frieden betreffenden Auslagen entschädigt, einschließlich des Arztes. Und als Geldbuße muss er dem besagten Collart de Malle (Bruder des Hubert) vor Ablauf des 10. Tages im Januar des kommenden Jahrs 1554 35 Livres aushändigen. Das alles wird dann beeidet. (Muchembled, S.33)

 

Aber die städtische Obrigkeit wie die Fürsten-Herrlichkeit annektieren in deutschen Landen zunehmend die verrechtlichte Konfliktlösung wie die Justiz als Herrschaftsinstrumente, das, was in Frankreich der Krone zufällt. Aber auch dort gibt es noch kirchliche Gerichtsbarkeit und wenigstens durch das 16. Jahrhundert noch Dorfgerichtsbarkeit

 

Das Gericht tagt zunehmend hinter verschlossenen Türen und schließt damit die Öffentlichkeit aus.

"Im Verlauf des 16. Jahrhunderts stößt die Rechtssitte des Abbittens immer härter mit der an den Fürstenhöfen entstehenden Auffassung zusammen, dass das Strafrecht auf Normen beruhe, die durchzusetzen seien, denn die auf Privilegien gestützte städtische Freiheit vertrug sich nicht mit dem neuen Gedanken des landesherrlichen Gesetzes und seinen erheblichen verfassungsgeschichtlichen Konsequenzen. Das Gnadenrecht wurde den Städten in der frühen Neuzeit von den Landesherren bestritten." (Schubert Räuber, S.60)

 

Öffentlichkeit besteht aber weiter auf dem Weg des Verurteilten zur Hinrichtung und bei dieser selbst. Dabei wird das Moment der Abschreckung als Wesenszug der Strafe immer stärker, um dann insbesondere im 17./18. Jahrhundert zuzunehmen, als die Machthaber die dabei allerdings seltener werdenden Todesstrafen als "aufwendige Spektakel" (Ernst Schubert) inszenieren. Sie erzieht damit die Untertanen zu einer Schaulust am Schrecklichen, welche allerdings sowieso bei vielen fast als anthropologische Konstante erscheint.

 

Nun zu Schaulustigen degradiert, wird der Öffentlichkeit oft schon im 16. Jahrhundert nach dem Verlust des Abbittens von Verurteilten das Gnadenrecht erst zu einem Standesrecht und dann zu einem Monopol der Fürsten gemacht. Ein so berühmter Theologe wie Philip Melanchthon wenigstens kann noch 1553 einen Giftmörder vom Strang losbitten. In dieser Zeit beschließen aber schon Gemeinden, das "Losheiraten" von Verurteilten zu verbieten. Am frühesten versucht schon im 15. Jahrhundert Straßburg, das Abbitten abzuschaffen. Um 1600 hat der Nürnberger Rat das Abbitten vom Galgen fast völlig unterbunden.

 

Das führt immer wieder zu Konflikten, auch wenn sich im Verlauf des 16. Jahrhundert das ausschließliche Begnadigungsrecht der Fürsten durchsetzt.

 

"1551 erheben in der Stadt Hof die Frauen den Anspruch, Gnade zu erwirken. Zwei Mordbrenner sollten damals die Spiegelstrafe des Verbrennens erleiden. Prozessionsartig ziehen die Frauen der Stadt vor das Haus des für diesen Prozess abgeordneten fürstlichen Richters und Erbitten das Leben des Verurteilten. Sie werden brüsk zurückgewiesen. Schon bei der Hinrichtung werden wegen dieses arroganten, mit dem Rechtsstandpunkt der Bürger unvereinbaren Verhaltens des Richters, des Vorsitzenden der fürstlichen Kommission, Schimpfworte und Drohreden laut, und nach deren Vollzug, als die Kommissionsmitglieder Mittagstisch halten, kommt es zu einer Zusammenrottung, die da fordert: Schießt sie tod! Stecht sie tod! Lasst der Schelme, der Bluthunde keinen leben! Nicht die gefährlichen Mordbrenner  sind die Bluthunde, sondern die Mitglieder der herzoglichen Kommission. Sie haben sich mit der Hinrichtung an Christen vergangen, als ob es sich um Juden handele (...) und vor allem haben sie das Recht der Frauen zu Hof und damit zugleich das Recht der Bürger missachtet. Sie haben arme Christenmenschen verbrennt, als wenn es Juden wären! Sie haben unserer frommen Weiber Vorbitte verschmäht. Sie haben uns Hofer Bürger verachtet. Bei dem anschließenden Aufruhr kamen fünf Adelige aus der fürstlichen Kommission, darunter der Kommissar selbst, ums Leben. Dennoch ließ der Fürst die Angelegenheit (...) schließlich ohne Bestrafung auf sich beruhen. (SchubertRäuber, S.60f)

 

Im 16. Jahrhundert wird die Folter im Beweisverfahren immer häufiger, worauf die Gesetzgebung wie die Peinliche Halsgerichtsordnung Karls V. (Carolina) 1532 mit gewissen Einschränkungen reagiert. Zudem müssen nun Indizien vorliegen, die auf Tat und Täter hinweisen. Manchmal werden Geständnisse schon erzwungen, wenn man dem Verdächtigten die Folterwerkzeuge zeigt.

Die Formen des Folterns werden dabei auch unter dem Einfluss der Hexenprozesse allerdings immer grausamer, ja: sadistischer. Man hält Feuer unter die Achselhöhlen, schneidet die Fußsohlen ab und streut Feuer in die offene Wunde. Die Beinschraube wird erfunden. Was bis ins 15. Jahrhundert noch undenkbar war, geschieht nun ebenfalls: Man befragt das arme Opfer während der Folter.

 

Mit der Fürstenherrlichkeit breitet sich im 16. Jahrhundert der Beruf des Henkers weiter aus, eines der sichtbaren Zeichen von Staatsmacht. Dabei ist er nun den kleinen Amtsstädtchen zugeordnet. Die Gebühren ernähren ihn dort nicht, er ist auf Nebeneinkünfte angewiesen.

Henker als Instrument der Obrigkeit werden durch bestimmte Kleidung markiert und in städtischen Ordnungen des 16. Jahrhunderts immer stärker ausgegrenzt.

Der Straßburger Nachrichter "soll auf der Straße frommen, ehrsamen Leuten Platz machen, soll auf dem Markt keine Waren anfassen, es sei denn, er wolle sie kaufen, in der Kirche darf er sich nur an ein sunder ort stellen, und vor allem darf er in keinen weg in Gesellschaft der Bürger essen und trinken.(...)" Anderswo durfte er "an Hochzeiten ehrbarer Leute (...) nicht teilnehmen, angesehene Gasthöfe waren ihm verschlossen; Gnade bedeutete es schon, wenn er in einem Dorfwirtshaus auf einem besonderen, abseits stehenden Stuhl sitzen durfte. Auch seine Wohnung am Stadtrand, in verachteter Gegend, oft in Brückennähe, fast stets aber isoliert von den Häusern der Bürger, ließ ihn als Außenseiter erkennen." (SchubertRäuber, S.75)

 

Mit den Einnahmen aus dem Schindanger, wo auch verendete Tiere landen, einer im 16. Jahrhundert steigenden Besoldung und den vielen Einzeleinkünften aus Körperstrafen wie dem häufigeren Abschneiden von Ohren oder dem selteneren von Fingern oder dem Blenden zum Beispiel gewinnen einzelne Henker eine gewisse Wohlhabenheit, an der aber die Schinder selbst kaum teilhaben.

"Meister Augustin, der Henker des Brandenburger Markgrafen Kasimir, verdiente 1525 ein Vermögen von 114 fl., als er nach dem Bauernkrieg bei der Strafexpedition seines Herren durch das Frankenland 80 Enthauptungen vollzog und 69 Aufständischen die Augen ausstach oder die Hände abschlug." (SchubertRäuber, S.78)

 

Schließlich wird das Nachrichten zum Lehrberuf mit Meistertitel und er selbst nun langsam in belesenen Kreisen zwischen "Humanismus" und "Aufklärung" ehrbarer, beim "einfachen Volk" aber kaum.

 

Immer häufiger wird die von den Städten übernommene Strafe der Verbannung als "Landesverweisung": Die Obrigkeit sucht sich die tauglichen Untertanen aus, unter der französischen Krone häufiger schon im 16. Jahrhundert. Die Strafe trifft im 17. Jahrhundert "den harmlosen Vaganten und den kleinen Bienendieb ebenso wie den Schwerkriminellen." (Schubert Räuber, S.124) Dabei wird der Kreis der Landfahrer, Jauner und Gauner anderswo erweitert. Zuvor gibt es die Brandmarkung - erst im Gesicht und dann zwischen den Schulterblättern, die noch im 18. Jahrhundert üblich ist.

 

Ähnlich wie die Verbannung bedeutet auch der Verkauf verurteilter Verbrecher durch die städtische und fürstliche Obrigkeit insbesondere aus Süddeutschland als Galeerenhäftlinge an Genua und Venedig vor allem, in welchem Maße neue Staatlichkeit Untertanen als eine Art Eigentum und Verfügungsmasse für Staatseinkommen betrachtet. Ein erster Gipfel wird erreicht, wenn dann teilweise gepresste hessische Soldaten im 18. Jahrhundert nach Nordamerika dauerhaft vermietet bzw. verkauft werden. Die Strafe auf den Galeeren wird in Frankreich erst im 19. Jahrhundert abgeschafft.

 

Schon im 14./15. Jahrhundert kennen die Städte das Stäupen am Pranger und überhaupt die Prügelstrafe, die ohnehin Zivilisationen kennzeichnet, in denen der Herr den Knecht nach Gutdünken schlägt. Zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert entwickelt sich sich auch jenseits jeden Strafrechts das Einprügeln von Stadtknechten, Amtsleuten und früher Polizei auf Unterschicht und Randgruppen, Mittel zum Vertreiben herumziehender Vagabunden, von Zigeunern und anderen unliebsamen Menschen.

 

Bis ins 15. Jahrhundert taucht Haft in den Städten nur zum Erpressen von Geldstrafen und zur kurzen Einsperrung vor dem Strafvollzug statt. Ab dem 15. Jahrhundert entwickelt sich an ersten Orten der Gedanke von Einkerkerung als Strafe. Ein frühes Beispiel ist Erfurt, wo der Rat 1447 eine zucht unde ein beheltenisz erbauen lässt, unde nanten das Pardisz. Es sollte aber nur zur Disziplinierung der unruhigen Studentenschaft dienen. (SchubertRäuber, S.136) Im 16. Jahrhundert werden dann Haftstrafen häufiger bei Sittlichkeitsdelikten. In der Regel dient ein Stadtturm als Verließ unter schrecklichen Bedingungen.

 

Wenn dann eigene Gefängnisse gebaut werden, ist der Aufenthalt dort nicht viel annehmlicher. Die Gefangenen sind der Willkür brutaler Wärter ausgesetzt wie auch deren Prügeleien. 

Mit dem tuchthuis von Amsterdam 1595 als Vorbild entstehen dann in großen deutschen, zunächst norddeutschen Städten Anfang des 17. Jahrhunderts Zuchthäuser. Von der Fassade her als Prachtbauten angelegt, handelt es sich, wie schon der Name sagt, um eine Kombination von Strafe und Erziehung durch die Staatsmacht. Die Erziehung besteht dabei in Zwangsarbeit vom Brillenschleifen bis zum Spinnen. Zum Teil findet solche Arbeit auch draußen in Ketten oder mit Fußfesseln statt, als Straßenbau, Straßenreinigung oder Festungsbau.

 

 

Adel und spätes Rittertum

 

Adeliger ist man vor allem, wenn man von Standesgenossen als solcher anerkannt wird. Damit ist die Bezeichnung nicht ganz klar fixiert. Ganz oben sind im Reich Kurfürsten, darunter dann die übrigen Fürsten und darunter dann je nach Zeit und Gegend, nach Macht und Reichtum sowie Alter abgestufter Adel. Man wird Adeliger durch Geburt, durch das entsprechende Amt oder durch jenen Einfluss, den Reichtum herstellt. 

 

Privilegien genießt er weiter, besetzt weiter die höheren Ränge der Geistlichkeit und beim Militär und ist an den Fürstenhöfen präsent. In der Verwaltung treten zunehmend mehr Bürgerliche auf, und erfolgreiche werden in den Adelsstand erhoben und so Teil eines hoffähigen Amtsadels. Der alte "Schwertadel" sieht sich immer mehr in Konkurrenz zu ihnen. Im 17. Jahrhundert grenzt er sich mit Ahnenproben von Neuadeligen und bürgerlichen Rittergutsbesitzern ab.

 

Die Primogenitur setzt sich nur langsam durch. Noch immer werden häufig Adelsbesitzungen unter allen Söhnen aufgeteilt. Um das zu vermeiden, wird um die Besetzung kirchlicher Pfründe gerungen, was dem protestantischen Adel bald verwehrt ist.

 

Die Ausgaben des Adels verlagern sich schon im späten Mittelalter immer mehr auf die Bezahlung von Söldnern und eine standesgemäße Haus- und Hofhaltung. Um sich insbesondere letztere weiter leisten zu können, wird versucht, in Verbesserungen der Grundherrschaft und in kommerziellen Investitionen einen Ausweg zu finden wenn nicht gar ritterliches Kriegertum offener als zuvor in Räuberei ausartet.

 

Wo sie nicht verlassen werden, verwandelt erfolgreicher Adel Burgen in Schlösser in regional verschiedenem Renaissancestil. Die Verteidigungsfunktion ist erloschen und repräsentative Prächtigkeit zieht ein. Größere Treppen in einem größeren Treppenhaus kommen auf, insbesondere bei landesherrlichen Schlössern. Die Wasserver- und Entsorgung wird komfortabler, Glasfenster werden häufiger, Wände, Kamine und Fassaden erhalten Schmuckelemente. In dem Schloss bzw. Herrenhaus wohnen zudem die Bediensten. Landadel, der über einen Rittersitz an Landtagen teilnehmen kann, behält gewisse Elemente einer Ritterburg bei. 

 

Burg Altendorf (Essen) hat 1601 eine Hauptburg mit Wohngebäude und eine Vorburg, die zusammen ummauert sind. In dem Hauptgebäude sind auch die Kammer für den Schreiber und den Kammerdiener. In der Vorburg gibt es mehrere Ställe, Kammern für Knechte, Mägde, den Fischer, den Baumeister, den Ölmüller, vermutlich auch für den Schweinehirten, den Schäfer und den Müller. (Leenen in: Jaspers/Patzold, S.119)

 

Recht typisch für die Rechtfertigung adeliger Privilegien ist der Adelsspiegel des studierten und protestantischen Cyriacus Spangenberg von 1591/94, in dem seine Vortrefflichkeit für die königliche Verwaltung des Reiches wie seine allgemeine Tüchtigkeit betont werden:

Und demnach ist der Adelsstand von Gott, unnd eine ordnung Gottes. Denn dieses ist gewiss (...), das der Königliche stand von Gott ist (...) Nu ist unmüglich, das Könihe ire Lande und weite Herrschafften durch sich selbst alleine nützlich regiren und verwalten können, sie müssen anderer Leute that und hülffe darzu gebrauchenUnd darumb haben sie (...) aus dem gemeinen Volck tüchtige Leute, solche feine weise verstendige Menner, und redliche, mannliche, tapffere Helden (...) erwehlet und auserkoren, und die für anderen gewirdigt und geadelt, die zu Fürsten, Richtern, Haupt- und Amptleuten gemacht, durch dieselben friede, zucht, gerechtigkeit und erbarkeit in Landen zu erhalten. (...) Und also ist anfänglich der Adelstand auffkomen, als ein Oberkeit- Ampt, unter der hohen Oberkeit Hand, gewalt und regirung. (in:Jaspers/Pätzold, S.13)

 

In seinem berühmten Brief an den großbürgerlichen Pirckheimer von 1518 beschreibt Ulrich von Hutten sein elendes Burgleben, dort, wo Burgen nicht im palastartige Gebäude umgebaut werden:

Die Burg selbst, ob sie auf dem Berg oder in der Ebene liegt, ist nicht als angenehmer Aufenthalt, sondern als Festung gebaut. Sie ist von Mauern und Gräben umgeben, innen ist sie eng und durch Stallungen für Vieh und Pferde zusammengedrängt. Daneben liegen dunkle Kammern, vollgepfropft mit Geschützen, Pech, Schwefel und sonstigem Zubehör für Waffen und Kriegsgerät. Überall stinkt es nach Schießpulver; und dann die Hunde und ihr Dreck, auch das - ich muss es schon sagen - ein lieblicher Duft! Reiter kommen und gehen, darunter Räuber, Diebe und Wegelagerer. Denn fast für alle stehen unsere Häuser offen, weil wir nicht wissen, was das für Leute sind, oder uns nicht groß danach erkundigen. Man hört das Blöken der Schafe, das Brüllen der Rinder, das Bellen der Hunde, das Rufen der auf dem Feld Arbeitenden, das Knarren und Rattern der Fuhrwerke und Karren; ja sogar das Heulen der Wölfe hört man in unserem Haus, weil es nahe am Wald liegt. (in: Ertl, S.182)

 

Das, was Hutten hier beschreibt, ist nicht neu, hebt sich aber nun stärker von städtischen Bequemlichkeiten wohlhabender Bürger ab.

 

Im Zeitalter professioneller Söldner ist Ritterlichkeit etwas für Nostalgiker. Was ein königliches Ehrenwort noch wert ist, beweist Francois I. gegenüber Karl V. 1526.

 

Ulrich von Hutten

Er soll Mönch werden. Lange Studienjahre von 1503-11. Beteiligung an den Dnkelmänner-Briefen. Mit der Leipziger Disputation nähert er sich Luther. Beteiligung an einer Familienfehde gegen den Herzog von Württemberg.

Er setzt sich für ein gestärktes Kaisertum im Reich unabhängig vom Papsttum ein und wendet sich scharf gegen dieses. Ausführlicher Brieefwechsel mit Erasmus und Pirckheimer.

1520 flüchtet er, von der Inquisition verfolgt, zu Franz von Sickingen auf die Ebernburg. 1521 wird er mit dem Kirchenbann belegt. Erflieht nach Basel zu Erasmus, der ihn zurückweist. Dann zu Zwingli nach Zürich, wo er 1523 stirbt.

 

Frowin von Hutten

Im steten Konflikt mit den Fürsten, die den ritterlichen Besitz samt Rechten in ihr Territorium eingliedern wollen, bleiben Rittern immer weniger Möglichkeiten.

Der 1469 geborene Frowin von Hutten bekommt aus dem väterlichen Erbe 1497 den Burghof zu Salmünster. Etwas später kauft er seinem Bruder Jakob dessen Güter ab. Um 1510 gelingt es ihm, zum Hofmarschall des Kurfürsten und Erzbischofs von Mainz aufzusteigen und damit die Leitung des gesamten Hofstaates zu übernehmen. (nach: G.-W. Hanna in: Burg, S.226)

Er wird in (erfogloser) diplomatischer Mission nach Erfurt geschickt. Erste Belehnungen folgen. Es folgen Dienste für Kaiser Maximilian, für die es neue Vergünstigungen gibt und einen kaiserlichen Ritterschlag. 1517 pilgert er nach Jerusalem und greift dann für Mainz in der Fehde gegen Landgraf Philipp von Hessen erfolgreich militärisch ein.

1520 wird er Mainzer Hofmeister, damit quasi Regierungschef unter dem Kurfürsten. Kaiser Karl V. versieht in bald mit neuen Rechten. 1523 betätigt er sich (vergeblicher) als Fürsprecher der Freigerichter Ritter. Er ist wohl auf Seiten des Sickingers in der Trierer Fehde.

Im Krieg des hessischen Landgrafen gegen ihn werden viele seiner Besitzungen verwüstet. Erst 1526 erhält er fast alles zurück, nachdem er sich im Dienst von Mainz an der Niederschlagung des Bauernaufstandes beteiligt hatte. 1528 verkauft er sehr viel, wohl um der söhnelosen Witwe Kunigunde das Erben leichter zu machen. Diese verwaltet alles bis zu ihrem Tod 1548.

 

Franz von Sickingen

Nach dem Tod des Vaters 1505 erbt sein einziger Sohn die Ebernburg als Stammsitz und viel Streubesitz zwischen Nahe, Unterelsass und Kraichgau, dazu wohl auch ein bedeutendes Vermögen, das zum Teil aus Bargeld, zum Teil aus wirtschaftlichen Investitionen in Silber- und Kupferbergbau, zum Teil aus Schuldverschreibungen verschiedener Reichsfürsten besteht.

Nach dem Tod seiner Frau 1515 führt er zahlreiche Fehden im Sold des Kaisers Maximilian. Er stilisiert sich zum Rächter der Unterdrückten. Im Konflikt um Worms wird er aber vom Kaiser geächtet. Darauf tritt er in den Dienst des französischen Königs Francois I., für den er mit 16.000 Landsknechten und 7.000 Reitern Metz erobert.

1519 nimmt der Kaiser den immer mächtigeren Ritter wieder in seine Dienste auf. Er nimmt wie Ulrich von Hutten am Krieg des Schwäbischen Bundes gegen Württemberg teil, was er mit Verlusten abschließt, weswegen er danach raubend und marodierend umherzieht.

Unter dem Einfluss von Ulrich von Hutten nähert er sich der Reformation und gibt verfolgten Reformatoren Zuflucht auf der Ebernburg. Derweil verschuldet sich Kaiser Karl V. mit bis zu 100 000 Gulden bei Sickingen.

 

Mit seinen Geldschwierigkeiten wird er Hauptmann der schwäbischen und rheinischen Ritterschaft und möchte Herzog von Franken werden. 1522 erklärt er dem Trierer Erzbischof Richard von Greiffenclau, der für Francois I. gestimmt hatte, die Fehde, will das Erzbistum im Sinne der Reformation säkularisieren, aber eine Front von Fürsten (Kurfürst von der Pfalz, Landgraf von Hessen) steht dagegen. Nachdem ein Angriff auf Trier mit 7000 Mann scheitert, zieht er sich auf seine Burg Nanstein bei Landstuhl zurück, wo er nach deren Eroberung mit zahllosen Kanonenkugeln 1523 stirbt. Erzbischof Albrecht von Mainz, dem Beteiligung vorgeworfen wird, muss 25 000 Gulden Schadenersatz leisten.

 

Spätes Rittertum: Götz von Berlichingen  (um 1480-1562)

In seinen Lebenserinnerungen berichtet er von zahlreichen Fehlden und von drei Kriegen, an denen er teilgenommen hat: 1499 Schweizerkrieg, 1504-06 Bayrischer Krieg, und dann am großen Bauernkrieg.

 

 

Großmacht-Politik 1556-1618

 

1556-98 herrscht Karls V. Sohn Philipp II. in Spanien und über Mailand, Sardinien, Neapel und Sizilien sowie den großen Kolonialbesitz. Mit der Abdankung Karls V. werden zudem die habsburgischen Niederlande und die Franche-Comté der spanischen Linie zugeschlagen und geraten unter die direkte Kontrolle von Madrid. Brüsseler Zentralverwaltung mit General-Statthalter, aus dem Hochadel zusammen gesetztem Staatsrat, einem Geheimen Rat und einem Finanzrat. In den einzelnen Provinzen ebenfalls Statthalter.  

 

Im Inneren Spaniens werden Muslime und Juden verfolgt. 

Die riesigen Silbereinfuhren führen zur Inflation über Spanien hinaus. Dazu kommen die englischen Kaperfahrten. Philipp muss mehrmals Staatsbankrott anmelden; zw ischen 1557 und 1647 wird Spanien sechsmal zahlungsunfähig werden. Dabei müssen kurze, hochverzinsliche Anleihen in langfristige, niederverzinsliche umgewandelt werden. Das führt zum Konkurs zahlreicher Kreditgeber.

 

Der König mit seinem Reichshofrat geht gestärkt aus dem Religionsfrieden hervor, wobei Grafen, Prälaten und Ritter sich an ihm gegen ihre unmittelbaren Herren orientieren. 1556-64 ist der gegenüber den Protestanten milde gestimmte Ferdinand I. Kaiser.

 

1558 stirbt Mary I. kinderlos und die protestantische Halbschwester Elisabeth wird Königin bis 1603. 1559 wird das königliche Supremat über die Kirche wieder hergestellt. Gegen die königliche Bischofskirche wenden sich die Puritaner, und besonders radikal die independents, die reine Gemeindekirche wollen. (siehe Anh.38)

 

1559 Friede von Cateau-Cambrésis zwischen der französischen und spanischen Krone. Metz, Toul und Verdun verbleiben bei Frankreich, welches aus Italien vertrieben ist. Spanien wird Hegemonialmacht, Frankreich bleibt "eingekreist".

1559-60 Francois II. Die Hugenotten halten ihre erste nationale Synode ab.

 

Seit 1559 ist Felipe II. Schwester Margarete von Parma General-Statthalterin mit ihrem Berater Granvella, der für die Verschärfung der Ketzer-Verfolgung und die Autonomie der einzelnen Provinzen eintritt. Widerstand von Adel und Städten unter Wilhelm von Oranien gegen Zentralisierungs-Tendenzen. Ist Erbe des Fürstentums Orange. 1564 verlässt Granvella die Niederlande.

 

Seit etwa 1564 Handelskrieg zwischen England und Spanien. Englische Schiffe fangen spanische Goldlieferungen für die Truppen Albas in den Niederlanden ab.

 

1562-98 religiöse Bürgerkriege in Frankreich. Katharina von Medici als Königinmutter laviert zwischen den katholischen Guise und den protestantischen Bourbonen von Navarra. Inflation und Missernten beschleunigen das Geschehen wie auch der hohe Steuerdruck.

 

1558 Krieg Iwans IV. ("des Schrecklichen") gegen Livland. Er baut im Inneren sein despotisches Regime aus.

1563-70 Großer Nordischer Krieg zwischen Dänemark und Schweden, erneuter russischer Vorstoß Richtung Nordsee. Nach dem Verzicht auf Livland beginnt der Zar mit Eroberungen über den slawischen Raum hinaus auch in Sibirien.

 

1563 wechselt die Kurpfalz unter ihrem Fürsten vom Lutherischen zum Calvinschen Protestantismus. 

1564-76 Kaiser Maximilian II. Nimmt trotz protestantischer Neigungen auf dem Augsburger Reichstag 1566 die Beschlüsse von Trient an.

Schon 1564 Teilung des östlichen Habsburger-Reiches in eine österreichische Linie samt Böhmen und Ungarn unter Maximilian, eine Tiroler Linie unter Erzherzog Ferdinand mit den Vorlanden, und unter Erzherzog Karl eine steirische Linie mit Kärnten und Krain. 

 

Felipe II. übernimmt mit Spanien auch die habsburgischen Niederlande, die inzwischen in ihren nördlichen Teilen reformiert mit ganz starkem calvinistischem Einschlag zu Ketzerland werden. Der spanische Herrscher und seine Halbschwester, die die Niederlande an seiner Statt hält, weichen nicht zurück, als ihre Verordnungen, die reformiertes Leben verbieten, mit Widerstand beantwortet werden. Zunächst hält die Drohung spanischer Grausamkeit die Reformierten zurück.

1565 wird Graf Egmont nach Spanien entsandt, um Verfolgung und Entmachtung des Adels einstellen zu lassen. Aber die Verfolgungen nehmen zu. Der niedere Adel schließt sich im Compromis vor allem gegen die Inquisition zusammen.

Der Adel der "Geusen" überreicht im April 1566 eine Bittschrift, die die Abschaffung der Inquisition, die Einberufung der Generalstände und eine Gesandtschaft nach Spanien fordert. Im Süden immer offenere calvinistische "Heckenpredigten".

Es kommt im September 1566 zu einem beispiellosen Bildersturm von Arbeitern und niederem Adel in den Kirchen. Der Calvinismus wird zunehmend geduldet.

 

Im August 1667 schickt Felipe den Herzog von Alba mit 10 000 spanischen Soldaten, die ein Schreckensregiment mit Folter, Schnelljustiz samt zahllosen Todesurteilen (Egmont, Hoorn) und Massakern etablieren. Um das alles zu finanzieren, bürdet er der Bevölkerung eine einprozentige Einkommenssteuer und eine zehnprozentige Umsatzsteuer auf.

 

1568 stellen sich mit dem Hochadel die Oranier an die Spitze der weithin ungeordneten Rebellion. Es sind Nassauer, die zudem das Fürstentum Orange in Südfrankreich innehaben.

In den nächsten zehn Jahren entwickeln insbesondere die radikal-kalvinistischen Wassergeusen einen tapferen Krieg mit regulären Schlachten und Guerillakrieg. 

 

1569 Der letzte Jagiellone Sigismund II. schafft die Lubliner Union: Polen ist jetzt mit Litauen in Realunion, besitzt darüber hinaus die späteren Weißrussland und Ukraine bis nach Kiew.

 

1568 flieht Mary Stuart aus Schottland nach England und wird gefangen gehalten.. 1569 Aufstandsversuch katholischer Adeliger zu ihrer Befreiung scheitert. (1587 hingerichtet)

 

1572 sterben die polnischen Jagiellonen aus. Unter Jan Zamoyski wird entschieden, dass alle erwachsenen männlichen Szlachta das Wahlrecht erhalten. Gewählt wird auf einem großen Feld nahe Warschau. Der Sejm muss alle zwei Jahre einberufen werden. Es folgen reine Wahlkönige, die dem Adel erhebliche Zugeständnisse machen müssen: Heeresaufgebot nur mit seiner Unterstützung, Steuern nur mit Genehmigung des Sejm (Reichstag). Ein Ausschuss von 16 Senatoren bestimmt zwischen den Sejm über die königliche Politik mit.

 

1572 Juan d'Austrias Sieg bei Lepanto für die Heilige Allianz mit spanischer, venezianischer und päpstlicher Unterstützung. Dennoch erobern die Osmanen 1573 Zypern. Das Patt zwischen dem Osmanenreich und Spanien bleibt bestehen. Venedig bleibt von Getreide aus dem osmanischen Reich abhängig.

 

1572 wird Henri de Navarre Führer der französischen Hugenotten. In der Bartholomäusnacht in Paris werden Coligny und viele Hugenotten abgeschlachtet und das Morden greifen dann auf die Provinz über. Bald darauf schreibt Bodin seine Six livres. 

1574 Henri III.

 

1572 ist Wilhelm von Oranien wieder in den Niederlanden. Versammlung von Dordrecht gibt Wilhelm von Oranien den Oberbefehl. Die Wassergeusen erobern Briel auf der Insel Voorne. Als Alba sich in den Süden zurückzieht, kann Holland sich u.a. mit künstlichen Überflutungen langsam befreien.

1574 wird die Stadt Leyden von den Spaniern eingeschlossen und ausgehungert. Darauf einigen sich die Holländer darauf, ihre Schleusen und Dämme zu öffnen, ihre Lebensgrundlage damit unter Wasser zu setzen. Große Teile ihres Landes werden überschwemmt und es gelingt ihnen, die Stadt mit Kähnen zu entsetzen. 1575 Gründung der Universität Leiden.

1576 Pazifikation von Gent der Generalstände, die Religionsfreiheit erklärt. Die spanischen Truppen sollen entlohnt und nach Hause geschickt werden, was 1577 geschieht.

 

1576-83 wird die Pfalz unter Ludwig VI. für kurze Zeit lutherisch.

1576-1612 Kaiser Rudolf II., der streng katholisch ist und in Prag residiert.  1577 wird Gebhard Truchseß von Waldburg Erzbischof von Köln. Er beginnt ein Liebesverhältnis mit der Gerresheimer Stiftsdame Agnes von Mansfeld. Deren Brüder fordern, dass er sie heiratet. Darauf geht er 1582 ins protestantische Lager über, wird vom Papst abgesetzt und im Jahr darauf von einem bayrischen Heer vertrieben. Sein Nachfolger wird Ernst von Bayern, der noch vier weitere Bistümer innehat, ohne die Bischofsweihe zu empfangen.

 

Darauf seit 1583 Streit in Straßburg zwischen protestantischen und katholischen Mitgliedern des Domkapitals, der 1604 mit dem Sieg der Katholiken endet.

 

1577-80 Weltumseglung durch Francis Drake

 

1579 breitet sich unter Alexander von Farnese die Union von Arras des Hennegaus und von Artois von Nordwesten bis in den Süden aus. Werden nun die Spanischen Niederlande, die rekatholisiert werden. Im Norden entsteht die Union von Utrecht. 

 

Bald nach 1576 ist Felipe II. auf Grund der Kriegskosten pleite und kann seine Soldaten nicht bezahlen. Diese meutern und tun sich an der holländischen Bevölkerung gütlich. Besonders in Antwerpen werden bei ihren Plünderungen Männer, Frauen und Kinder umgebracht, wenn sie irgendwo in Sichtweite kommen. Die Häuser werden geplündert, wer seine Habe nicht sofort ausliefert, wird gefoltert. Straßenzüge gehen auch in anderen Orten in Feuer auf.

 

Das Ergebnis ist, dass die nunmehr Niederländer 1581 in der Acte van Afzwering praktisch ihre Unabhängigkeit erklären, das heißt, so etwas wie Vorläufer von dem werden, was im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg dann als Patriotismus bezeichnet werden wird. Drei Jahre später wird Wilhelm von Oranien, auf den die spanische Krone ein hohes Kopfgeld ausgesetzt hat, ermordet.

Darauf schickt die erste englische Elizabeth ihren Favoriten Leicester nach Holland gegen die Spanier. Er richtet dort allerdings wenig anderes aus, als den Zorn Felipes auf England zu vergrößern, der zu jener spanischen Armada führt, die 1588 vor den britischen Inseln im Sturm zerschellt.

Nachfolger Wilhelms wird Moritz von Oranien. 1585 werden von Spaniern Antwerpen und Gent eingenommen. 1585/86 Trennung in die katholischen spanischen Niederlande und die Republik der Vereinigten Niederlande im Norden.

 

1580 brechen Truppen Albas den portugiesischen Widerstand und das Land wird (bis 1640) mit Spanien verbunden. Seitdem verschärft sich der Gegensatz mit England. Mordkomplotte gegen Elizabeth. Kaperfahrten des Frances Drake. Seit 1585 offener Krieg.

 

1586 betreibt Zamoyski die Wahl von Sigismund Wasa zum polnischen König. Der überträgt auf den Kurfürsten von Brandenburg die Vormundschaft über den geisteskranken Herzog von Preußen.

 

1588 Nach der Hinrichtung von Mary Stuart schickt Felipe II. eine Armada von etwa 130 Schiffen und rund 25 000 Mann Besatzung nach England, die geschlagen wird und dann im Sturm untergeht. Das rettet die Niederlande auch, weil die See-Versorgung der Truppen erschwert ist.Die "spanische Straße" von Norditalien über Savoyen, Luxemburg bis Brüssel wird immer wichtiger für den Nachschub. 

Die englischen Kaperfahrten bleiben bis 1604 bestehen. 

 

 

1589 wird Henri III. vom Mönch Jacques Clément ermordet. 1589-1610 Henri IV., der dafür zum Katholizismus übertritt. 1598 Edikt von Nantes. Die Hugenotten dürfen ihre Religion auf den Schlössern des Adels praktizieren, öffentlich überall dort in den Städten, wo das schon zuvor möglich war. Sie erhalten Rechtssicherheit und dazu rund 150 feste Plätze vor allem im Süden.

Unter dem Duc de Sully Sparpolitik zur Stabilisierung der Staatsfinanzen und Ausbau einer zentralisierten Regierung. Wohlhabende Bürgerliche treten in Staatsämter ein, u.a. auch durch Ämterkauf.

 

In Frankreich dauern die Kämpfe der Adelsfraktionen gegeneinander und gegen den Monarchen bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts, bis zur sogenannten absoluten Monarchie an, die Richelieu und Mazarin für Louis XIV. schaffen. Hier wird der Adel fast zur Gänze unter die Fuchtel des Monarchen und seines sich ausweitenden Apparates gebracht, genauso wie auch das Bürgertum. Ein aus Herrschaftsinteresse unflexibel gewordenes Ständesystem korreliert mit einer zentralistischen Verwaltung mitten in die Regionen hinein. Wo sich in England Mitwirkung entwickelt, ist es in Frankreich rabiate Unterordnung. Für verfolgte Franzosen seit dem 16. Jahrhundert wird England Auswanderungsland, im 18. Jahrhundert sicherer Hafen für Schriftsteller und freie Geister.

 

1595 Teilung des Habsburgerreiches in eine österreichische und eine steirer Linie.

Henri IV erklärt Spanien 1495 den Krieg und verbündet sich darauf mit England. 1598 scheidet Henri wieder aus dem Krieg aus, der mit England und den Niederlanden weiter geht. 

Ein irischer Aufstand mit spanischer Unterstützung scheitert 1601. 1604 Fireden zwischen Spanien und England, 1609 Waffenstillstand mit den Niederlanden, die damit gesiegt haben.

 

Als die Holländer 1609 das Potential eines Fleckens am Hudson River entdecken, der dann Neu Amsterdam heißen wird, als sie im selben Jahr die Bank von Amsterdam gründen, mit der die finanztechnische Innovationskraft der Lombarden durch die holländische abgelöst wird, lässt sich Spanien im selben Jahr auf einen Waffenstillstand ein, der im Frieden von Münster 1648 im spanischen Verzicht endet.

 

Da Holland mehr als die Hälfte des Haushaltes der Niederlande aufbringt, hat es dort eine Vorrangstellung. Zudem ist Amsterdam führender westeuropäischer Hafen. Mit der neugeschaffenen Vereinigten Ostindischen Compagnie wird Indonesien unterworfen. Konflikt zwischen einem toleranteren Regenten-Patriziat und der calvinistischeren Bevölkerung mit den Oranje-Statthaltern. Moritz von Oranien nimmt schließlich eine fast monarchische Stellung ein.

 

Nach 1591 über Jahrzehnte eine Serie von Aufständen in Anatolien gegen den Sultan wegen Steuerlasten und Militärdienst. 

1593-1615 fast jedes Jahr osmanische Einfälle in das östliche Habsburger-Reich.

1598-1605 ist Boris Godunow russischer Zar.

 

1603 tritt der schottische König als James I. die Nachfolge von Elizabeth an. Bis

1625 versucht er die Königsmacht zu stärken, andererseits betreibt er Verschwendung und Günstlingswirtschaft. 1605 katholisches Gunpowder-Plot. Aber auch die Puritaner werden enttäuscht, und ein strenger Flügel wandert nach 1611 nach Nord-Irland aus. Nach 1615 nimmt Buckinghams Einfluss zu.

 

1607 wird mit Virginia eine Kolonie für Huren, Kriminelle und andere Sünder eingerichtet, die in einem ersten Anlauf passend nach der jungfräulichen Königin benannt worden wird. In ihr wird Daniel Defoes Satansbraten Moll Flanders zur guten Bürgerin heranreifen. Dieses Virginia wird später als rassistischer Sklavenhalterstaat zur Keimzelle der revolutionären nordamerikanischen Kolonien. Von hier aus werden bigotte Plantagenbesitzer den Aufruhr in das “Alte Europa” tragen und es von Frankreich aus grundlegend zerstören helfen. 

1620 Pilgerväter reisen auf der Mayflower nach Plymouth (Massachussetts).

 

1607 wird über die Reichsstadt Donauwörth mit seiner protestantischen Mehrheit die Reichsacht verhängt, weil es die Prozession eines Klosters dort verhindert. Ende des Jahres wird die Stadt vom Herzog von Bayern erobert und zur bayrischen Landstadt gemacht. Die Stadt wird rekatholisiert. 

 

1606 wird Erzherzog Matthias Haupt der deutschen Habsburger gegen den geisteskranken Kaiser Rudolf II. 

1608 sprengt die Pfalz den Regensburger Reichstag durch Verlassen. Im selben Jahr muss der Kaiser Österreich, Ungarn und Mähren an Matthias abtreten.

Unter Pfälzer Führung bildet sich die protestantische Union und 1609 unter bayrischer Führung die katholische Liga. Die Union möchte ein Heer aufstellen und sucht die Nähe zu Frankreich.

1609 muss Kaiser Rudolf den Reformierten in Böhmen im Majestätsbrief Religionsfreiheit und ständische Privilegien zusichern. 1610 wird Matthias böhmischer König und verschärft gegenreformatorische Tendenzen.

und 1617 Ferdinand, der die Toleranz der Reformierten nicht mehr einhält.

 

1609 Erbfall, im Jülich-Klevischen Erbfolgestreit erhalten am Ende 1614 im Vertrag von Xanten mit der Teilung die Pfalz-Neuburger die Herzogtümer Jülich und Berg, Brandenburg das Herzogtum Kleve und die Grafschaften Ravensberg und Mark.

 

1610 stirbt Henri IV.

 

1611-32 König Gustav II. Adolf von Schweden. 

 

1613 übernehmen die Romanows mit Michail Fedorowitsch das russische Zarenhaus. 1617 Frieden zwischen Russland und Schweden, welches letzteres das Ingermanland und Ostkarelien gewinnt.

 

1613 verlegt Kaiser Matthias den kaiserlichen Hof von Prag nach EWien.

1614 erbt der Kurfürst von Brandenburg das Herzogtum Preußen (Ostpreußen).

 

 

Staaten und Staatstheorien

 

Starke Herrscher in Erbmonarchien tendieren dazu, die Macht der Stände einzuschränken, was der französischen Krone schon 1614 ganz gelingt. Historiker haben für ein solches Königtum im 19. Jahrhundert den Begriff Absolutismus geprägt.

Im 16. Jahrhundert nimmt die Verschmelzung von Staats- und Kapitalinteresse immer weiter zu: Kriege, Machtentfaltung nach innen und höfische Prachtentfaltung verlangen mehr Geld, und dieses soll nicht zuletzt durch eine steigende positive Handelsbilanz erreicht werden. Zu diesem Zweck wird etatistische Wirtschaftslenkung immer bedeutsamer, und langsam setzt das ein, was dann später als Merkantilismus bezeichnet wird. Das globaler werdende Konkurrenzverhalten großen Kapitals wird dabei staatlich gebündelt zum Zwecke seiner Machtausübung. 

 

Im 16. Jahrhundert wird der Weg von der Hoheit zur Souveränität formuliert: 1576 schreibt Jean Bodin in den Wirren der französischen konfessionellen Bürgerkriege mit seinen 'Les six livres de la république' über die Souveränität des allein herrschenden Fürsten, der Gesetze alleine erlassen können soll sowie die alleinige Entscheidung über Krieg und Frieden, die höhere Verwaltung und die Besteuerung ungeachtet jeden Willens der Untertanen haben müsse. Er selbst unterliege nicht dem irdischen Gesetz, sondern dem göttlichen und dem Naturgesetz: La Souveraineté est la puissance absolue & perpetuelle d'une République.

Damit bricht er zur Gänze mit der Vorstellung "einer Landesherrschaft, die sich additiv aus erworbenen und entsprechend nachzuweisenden Einzelrechten zusammensetzt. (...) Das Souveränitätsprinzip zwang alle öffentlichen, ja selbst die privaten Bereiche städtisch-bürgerlichen Lebens unter die Verfügungsgewalt des zentralistisch-bürokratisch organisierten Staates. (Schilling/Ehrenpreis, S.42f) 

In letzter Instanz formuliert Bodin damit das bis heute geltende staatliche Gewaltmonopol, anders gesagt, die legalisierte Wehrlosigkeit des Untertanen gegenüber dem Staat: 

Es zeigt sich also, dass das Wesen der souveränen Macht und absoluter Gewwalt vor allem darin besteht, den Untertanen in ihrer Gesamtheit ohne ihre Zustimmung das Gesetz vorzuschreiben. (in: Klueting, S.249)

 

Als Freiheit bleibt die von Unterdrückung durch andere Staaten/Herrschaften, während der Fürstendiener Giovanni Battista Guarini (1538-1612) in etwa derselben Zeit die Freiheit zu einer privaten Angelegenheit macht: 

Die Frucht, die dem guten Bürger zusteht, und die aus der politischen Freiheit erwächst, ist, sich in der öffentlichen Ruhe (!) der privaten so zu erfreuen, dass sein Leben, die Ehre seiner Frauen, die Erziehung seines Nachwuchses, der Genuss seines Einkommens sowie die Freiheit seiner Handelsgeschäfte vor Nachstellungen, inneren und äußeren Kriegen sicher ist. (Trattato della politica libertà, in: Schreiner/Meier, S.42)

Wer die guten Bürger sind und was ihre Freiheit noch ausmacht, ist leicht zu erkennen.

 

Zwischen 1579 (Union von Utrecht) und 1749 üben in den Niederlanden die vielen eigenständigen Stände die Herrschaft über ihr Land aus, die Provinzen Holland, Seeland, Utrecht, Geldern, Overijssel, Friesland und Gorningen.Jede Provinz hat weiter einen von der Ständeversammlung gewählten stadhouder.

Nur die Außenpolitik der staten generaal ist gemeinsam. 1581 wird der spanische König formell abgesetzt, was die Lossagung von Spanien bedeutet und die Trennung von den südlichen Niederlanden. Man wird zur Republik. 1584 wird ein Staatsrat aller Provinzial-Statthalter samt zwölf Vertretern der Provinzialstände gebildet. 

 

1573 endet die polnische Erbmonarchie der Jagiellonen, und für die nun folgende Wahlmonarchie werden pacta conventa zwischen König und Adel eingeführt.

 

 

Kolonien

 

Westindien

Auf amerikanischen Haciendas werden Lebensmittel für den Markt produziert, Weizen, Kakao, Zucker, Tabak. Brasilien wird zu einem Zentrum der Zuckerproduktion. "Bereits um 1600 überflügelten die brasilianische Zuckerproduktion sowie der Zuckerhandel den gesamten Ostindienhandel Portugals." (Kleinschmidt, S.22)

Negersklaven werden nach Südamerika verschifft. Ende des 16. Jahrhunderts besteht bereits etwa ein Viertel der brasilianischen Kolonialbevölkerung aus afrikanischen Sklaven. Insgesamt werden allein im 16. Jahrhundert mehr als      100 000 Afrikaner nach Brasilien verschifft, im 17. dann 600 000.

 

Nachdem die Edelmetall-Vorräte der Einheimischen in den südlichen Amerikas ausgeplündert sind, werden neue Vorkommen in Mexiko, Kolumbien, Ekuador und Peru erschlossen. Zentrum des Silberabbaus wird Potosi, und von dort kommen im der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts fast drei Viertel des gesamten amerikanischen Silbers. Die Stadt wächst auf 120 000 Einwohner an. Über das königliche Bergregal geht ein Teil des Silbers in die spanischen Kriege ein, den Rest erhalten Konzessionäre.

 

Ostindien

Das amerianische Silber gelangt über die Philippinen bis nach China und fördert dort das Eindringen europäischen Kapitals.

 

Portugiesen und Holländer dringen nacheinander langsam in den Küstenhandel ein. Dafür müssen sie vor Ort Schiffe bauen und einheimische Mannschaften anwerben. 

 

 

Kapital und Macht

 

Die Könige und Fürsten, die sich selbst und ihren Staat nunmehr auf Kredit finanzieren, besitzen die herrschaftliche und damit militärische Macht und können es sich gegenüber auch großen Kapitalien leisten, säumige Schuldner zu sein. Als Beispiel mag die Lübecker Handels-Firma Loitz/Krockow dienen: ""Gegen 1570 war Karl IX. von Frankreich Krockow 500 000 Gulden schuldig, der Markgraf von Brandenburg 200 000 Taler, die pommerschen Fürsten 100 000, der König von Polen fast 300 000." (Dollinger, S.465) Beim Tod des letzteren 1572 ist die Firma dann zahlungsunfähig.

 

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts setzen sich genuesische Banken in Spanien durch, von denen im Mittelfeld des Kapitals viel mehr in zahlreichen spanischen Städten vertreten sind. Zu diesem Netzwerk gehören genuesische Schiffe, die das Edelmetall nach Italien bringen und die Messe von Besancon und später Piacenza, die sie dominieren. Damit kontrollieren sie auch den Edelmetalltransfer von Amerika nach Spanien und den Transfer von Geldern, mit denen Karl V. seine Feldzüge im Norden finanziert.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts finanzieren sie fast alleine die Staatsschuld Philipps II., organisiert in den asientos. Zwischen 1567 und 74 leihen alleine die Brüder Cattaneo 1 125 000 Dukaten an die spanische Krone. Genuesen leihen Philipp III. zwischen 1598 und 1607 fast 23 Millionen Dukaten, 88% allen Geldes, dass er sich leiht. (Goldthwaite, S.257) 

 

So wie das Kapital die Herrschaften über Kredite finanziert, so fördern die Staaten umgekehrt das Kapital, insbesondere das des nationalen Handels. Nirgendwo zeigt sich das deutlicher als in der Unterstützung der Merchant Adventurers durch Elizabeth I.

 

 

Adel

 

Während die wirtschaftliche Macht des Kapitals immer weiter zunimmt, bleibt der Adel allenthalben der größte Grundbesitzer neben der Kirche, wiewohl er in etwa nur 1% der Bevölkerung ausmacht. Ihm gehört aber in der Lombardei fast die Hälfte von Grund und Boden. In der Umgebung von Cremona besitzen um 1628 sogar 18 Feudalfamilien über die Hälfte des Grundbesitzes.

 

In Frankreich geht der Adel nicht zurück, weil einmal die Könige Adelsbriefe verkaufen und andere über Ämter in den Adel aufsteigen. Zudem erfolgt der Aufstieg in den Adelsstand "durch schlichte gerichtliche Anhörung von Zeugen, die sich dafür verbürgen, dass der Betreffende >wie ein Adeliger<, d.h. ohne körperliche Arbeit zu leisten, von seinen Einkünften lebt, und dass seine Eltern und deren Eltern gleichfalls offenkundig und vor aller Augen wie Adelige lebten." (Durand2, S.534)

 

Der englische Hochadel investiert bereits zur Zeit Elizabeths in den Fernhandel.

 

 

Justiz

 

Wenn eigene Gefängnisse gebaut werden, ist der Aufenthalt dort nicht viel annehmlicher als vorher in Türmen. Die Gefangenen sind der Willkür brutaler Wärter ausgesetzt wie auch deren Prügeleien. 

Mit dem tuchthuis von Amsterdam 1595 als Vorbild entstehen dann in großen deutschen, zunächst norddeutschen Städten Anfang des 17. Jahrhunderts Zuchthäuser. Von der Fassade her als Prachtbauten angelegt, handelt es sich, wie schon der Name sagt, um eine Kombination von Strafe und Erziehung durch die Staatsmacht. Die Erziehung besteht dabei in Zwangsarbeit vom Brillenschleifen bis zum Spinnen. Zum Teil findet solche Arbeit auch draußen in Ketten oder mit Fußfesseln statt, als Straßenbau, Straßenreinigung oder Festungsbau.

 

Hinrichtungen gehören immer noch zum Alltag und sie wachsen sich zunehmend zum Amüsement aus.

"Als am 12. September 1642 auf der Place des Terreaux in Lyon zwei Standespersonen (...) enthauptet wurden, musste man für einen Fensterplatz in den Häusern rings um den Platz bis zu einer Dublone bezahlen." (Durand2, S.572)

In London sind Hinrichtungen am Galgen in Tyburn fast an der Tagesordnung. "Die Angehörigen der Verurteilten wohnen der Eekution gleichfalls bei und ziehen, da die Galgen niedrig sind, die Opfer an den Beinen, um ihren Todeskampf abzukürzen." (s.o.)

In Asien und dem Islam sind Hinrichtungen noch häufiger.

 

 

Kirche

 

Noch 1572 besitzen Protestanten im polnischen Unterhaus die Mehrheit und sind im Senat gleich stark vertreten wie die Katholiken. Hundert Jahre später sind die meisten Protestanten daraus verschwunden.

 

1618-48 Die Zeit des Dreißigjährigen Krieges

 

Die dänischen Oldenburger regieren neben Dänemark auch Norwegen, und die Linien der Wasa beherrschen Schweden, Finnland und Polen, wo sie Rekatholisierung betreiben. Der dänische König siegt bei Kalmar gegen die Schweden und Gustav Adolf II. von Schweden muss Kalmar und Nord-Norwegen abgeben sowie eine hohe Kontribution von einer Million Reichstaler zahlen. 

 

Seit 1614 werden in Frankreich die Generalstände nicht mehr einberufen. Seit 1616 ist Richelieu Staatssekretär und wird 1624 Premierminister.

 

1618 erhält der Kurfürst von Brandenburg das Herzogtum Preußen als polnisches Lehen. In Spanien wird der königliche Berater Herzog von Lerma gestürzt und die spanische Politik wird aggressiver gegen Frankreich.

 

Ab 1614 Wittelsbacher Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz, mit Elizabeth Stuart verheiratet. Seine Berater haben aggressive Pläne im dann nicht richtig zustande kommenden Bündnis mit England.

 

 

1618-23 Böhmisch-Pfälzischer Krieg

Das Königreich Böhmen umfasst neben Böhmen auch Mähren, Schlesien und die Ober- und Niederlausitz. Knapp zwei Drittel der Bevölkerung sind immer noch Protestanten.

 

Im Frühjahr wendet sich Matthias gegen eine protestantische Kirche in Braunau und verbietet dem Landtag, sich selbst zu versammeln.

Am 23. Mai 1618 werfen die böhmischen Stände zwei königliche Räte und versehentlich auch aus einem Fenster des Hradschin. Die Rebellen bilden ein Direktorium aus 30 Stände-Vertretern. Am 31. Juli 1619 geben sich die böhmischen Stände in der Konföderationsakte eine ständische Verfassung mit Wahlmonarchie und eingeschränkter königlicher Macht. König Ferdinand wird abgesetzt und die böhmischen Stände wählen im August Friedrich von der Pfalz zum König. Er hätte nun zwei Kurstimmen und die Protestanten hätten die Mehrheit.

Friedrich herrscht mit geborgtem Geld und rauschenden Festen; er entfremdet sich dabei dem böhmischen Adel. In Prager Kirchen werden bilder entfernt.

 

Ferdinand (II.) wird zum Kaiser gewählt (bis 1637) und verbündet sich mit Herzog Maximilian von Bayern, dem Führer der Liga, dem die Pfalz und die Oberpfalz versprochen werden. Kursachsen distanziert sich vom Pfälzer und soll dafür die Pfandschaft über beide Lausitzen bekommen.

Tilly besiegt im November 1620 die schwachen Truppen des Winterkönigs am Weißen Berge bei Prag. Friedrich flieht. Viele böhmische Ständevertreter werden enthauptet oder gehenkt. Die Köpfe von zehn Rebellen werden in Prag zehn Jahre lang öffentlich ausgestellt.

Der böhmische Protestantismus wird zerschlagen und der Adel entmachtet. Etwa die Hälfte des adeligen Grundbesitzes in Böhmen, über 650 Güter, wird enteignet und an landfremden Adel, u.a. deutschen vergeben. Etwa 30 000 Familien müssen das Land verlassen. Der Habsburger erhält das Erbrecht auf die böhmische Krone. 1624 wird der Katholizismus zur einzigen erlaubten Religion erklärt.

 

Nach dem kaiserlichen Sieg löst sich die neutral gebliebene Union auf. Eine spanische "flandrische" Armee marschiert in der Pfalz ein. 1622 wird Heidelberg eingenommen, geplündert und teilweise abgebrannt. Die Bibliotheca Palatina geht bald darauf an den Vatikan. Der Bayer rekatholisiert bis 1628 die Oberpfalz.

 

1623 erhält der bayrische Maximilian die Kurpfalz. 

Inzwischen auch spanischer Krieg gegen die nördlichen Niederlande von den südlichen aus.

1621-23 Kipper- und Wipperkrise auf ihrem Höhepunkt: Münz-Verschlechterungen

 

1621-29 Krieg Schwedens gegen Polen mit der Eroberung von Riga, Kurland und Livland. Ab 1627 polnische Erfolge. Aber Schweden kontrolliert die Ostseeküste von Pillau bis Memel und zwei kurländische Häfen. Dadurch erhebliche Zolleinnahmen.  Danach kann Gustav Adolf in den Dreißigjährigen Krieg eingreifen.

 

In Frankreich unter Louis XIII. und seit 1624 unter Richelieu werden die adeligen Staatsämter aufgelöst und an die Stelle der Provinz-Gouverneure treten Intendanten. La Rochelle wird 1628 eingenommen und den Hugenotten werden ihre politischen Sonderrechte abgenommen.

 

1625-49 in England Charles I., verheiratet mit Henriette-Marie, Tochter von Henry IV. Ist befreundet mit Buckingham. 1628 Petition of Rights: Parlament muss Abgaben an die Krone bewilligen, Soldaten dürfen nicht mehr in Privat-Haushalte einquartiert werden, schließlich: dass kein freier Mann verhaftet, eingesperrt oder seiner persönlichen Freiheit (...) beraubt werden (...) dürfe, ohne dass ein Rechtsgrund vorliegt (habeas corpus).

 

1621 erneut Krieg Spaniens mit einer Armee von 60 000 und erheblichen Gedern gegen die Niederlande. Tod von Moritz von Oranien. Nachfolger Friedrich Heinrich von Oranien. 1625 spanische Eroberung von Breda. Danach erneuter spanischer Staatsbankrott und massive Reduzierung der Kriegsführung.

 

1625-29 Dänisch-Niedersächsischer Krieg

Christian IV. von Dänemark ist mit Friedrich von der Pfalz verbündet. Der Reichsrat in Kopenhagen sperrt aber Steuern für einen Krieg. Christian rückt in Niedersachsen ein.

1625 tritt der böhmische Adelige Wallenstein in den Krieg ein. Über seine Ehe hat er umfangreiche Besitzungen in Mähren, die 1520 durch ein Erbe und Güter-Konfiskationen zum Herzogtum Friedland vergrößert werden. Er stellt selbst eine Armee auf, die Ende 1625 bereits mehr als 50 000 Mann umfasst. Sie ernährt sich aus dem Land, wo sie stationiert ist. Über seinen Bankier Hans de Witte bekommt er einen Riesenkredit.

 

Wallenstein siegt bei Dessau 1626 über den Grafen von Mansfeld und Tilly bei Lutter am Barenberge über den dänischen König.

Wallenstein besetzt Mecklenburg, wo beide Herzöge der Reicsacht unterstellt werden, und dringt im Sommer 1627 in Jütland ein. Ihm werden 1629 beide Mecklenburg übertragen und der Kaiser macht ihn zum Generalissimus.

Dänemark tritt im Mai 1629 aus dem Krieg aus und erhält alle seine Gebiete zurück. Es ist hoch verschuldet.

 

März 1629 von Jesuiten inspiriertes Restitutionsedikt: Die seit 1552 säkularisierten geistlichen Gebiete sollen wieder hergestellt werden. Osnabrück, Bremen, Verden und Hildesheim werden katholischen Administratoren übergeben. In Württemberg werden 14 Mönchs- und 36 Nonnenklöster restituiert. Die Rekatholisierung des zu 90% lutherischen Augsburgs setzt ein.

 

 

Die katholischen Reichsfürsten betrachten die Machtfülle Wallensteins mit Argwohn. Kurfürstentag 1630 in Regensburg. Die Anwesenden verlangen die Entlassung von Wallensteins Heer. Kaiser Ferdinand entlässt Wallenstein und lässt sein Heer mit dem von Tilly vereinen. Die Kreditwürdigkeit Wallensteins sinkt.

 

1628-31 Erbfolgekrieg um Mantua zwischen Frankreich und den Habsburgern nach dem Aussterben der Gonzaga. 1630 wird Mantua von kaiserlichen Truppen erobert und brutal geplündert. Kleine Landgewinne Frankreichs (Casale, Pinerolo)

 

Oktober 1628 kapern niederländische Schiffe vor Kuba eine große spanische Silberflotte mit 11,5 Milionen Gulden Silber und geleiten sie nach Amsterdam. In dden nächsten Jahren werden s-Hertogenbosch, Wesel und 1632 Venlo, Roermond und Maastricht gewonnen. Dort wird überall Religionsfreiheit für Katholiken gewährt.

 

Von 1629-40 persönliches Regiment Charles I. ohne Parlament, unterstützt von Thomas Wentworth (Strafford) und William Laud, Erzbischof von Canterbury.

 

Um 1630 setzt in Frankreich unter dem Einfluss Calvins mit Jansen, Bischof von Ypern, in Frankreich der Jansenismus ein, den Rom bald scharf verurteilt. Er nähert sich der Prädestinationslehre Calvins an und hat das Kloster Port Royal nahe Versailles zum Zentrum. Berühmter Vertreter ist Blaise Pascal. Mit den vierziger Jahren setzt die Verfolgung durch Päpste und Richelieu ein.

 

1630-35 Schwedischer Krieg

1630 kommt es auf dem Kurfürstentag zu Regensburg zum Zerwürfnis des Bayern mit dem Kaiser, weil er dessen Machtzuwachs fürchtet. 

Gustav Adolf, verbündet mit Frankreich, will die Herrschaft in Mecklenburg restituieren. Brandenburg und Sachsen schließen sich ihm an.

Der schwedische König landet  im Juli 1630 in Pommern.In Mecklenburg restituiert er die Herzöge. Schwedisches Massaker in Frankfurt/Oder. Mai 1631 Belagerung Magdeburgs durch Tillys Truppen. Eroberung und Feuer töten rund 20 000 Menschen dort. Der Rest der Bevölkerung flüchtet nach Braunschweig.

 

1631 nehmen die Schweden Frankfurt/Main ein. Tilly fällt in der Schlacht bei Breitenfeld. Bayern wird von den Schweden gebrandschatzt. 

Wallenstein wird vom Kaiser zurück berufen. In der Schlacht von Lützen fällt Gustav Adolf. Kanzler Oxenstierna setzt den Krieg erfolgreich fort. 1633 Heilbronner Bund mit den protestantischen Reichsständen außer Kursachsen und Kurbrandenburg.1634 wird Wallenstein wohl auf Veranlassung des Kaisers (Johannes Arndt) in Eger ermordet, nachdem er Verhandlungen sucht.

Im Sommer 1634 erscheinen spanische Truppen aus Italien in Süddeutschland. Februar  Nachdem die Schweden bei Nördlingen von den vereinten spanischen und kaiserlichen Truppen geschlagen werden, kommt es 1635 zum Frieden von Prag, dem sich nach und nach mehr Reichsstände anschließen. Kursachsen erhält beide Lausitzen als erbliches Lehen. Der Kaiser verzichtet auf die Durchführung des Restitutions-Ediktes, paritätische Besetzung des Reichs-Kammergerichtes wird beschlossen.

 

1635-48 Schwedisch-Französischer Krieg

Nachdem spanische Truppen im März 1635 den pro-französischen Trierer Erzbischof gefangen nehmen und an den Kaiser ausliefern, kommt es zur französischen Kriegserklärung.  Eine Armee marschiert in die südlichen Niederlande ein, eine andere verheert Württemberg. In den spanischen Niederlanden können die Spanier 1536 zurückschlagen. Die Niederlande erobern 1637 Breda.

1537 Kaiser Ferdinand III. Die Tendenzen hin zu einem Frieden im Reich nehmen langsam zu. Die Reichsarmee drängt die Schweden bis weit nach Norddeutschland zurück.

Schwedisches Bündnis mit Frankreich 1638.

Koalition Richelieus mit den Niederlanden und Krieg mit Spanien. 

1642 stirbt Richelieu und Mazarin wird sein Nachfolger und Erzieher von Louis XIV. 1643/44 bayrische Erfolge unter Mercy gegen eine französische Armee. Ab 1645 französische Erfolge und 1646 Einmarsch in Bayern.

1644/46 gewinnt die französische Krone Gravelingen und Dünkirchen.

 

1642 siegt die schwedische Armee bei Breitenfeld über die kaiserlichen Truppen.

 

Der spanische Premierminister Duque de Olivares versucht über immer mehr Znetralisierung mehr Gelder für den Krieg zu bekommen. 1640 Aufstand der katalanischen Stände (bis 1652). Die Katalanen rufen 1642 Frankreich um Hilfe und französische Truppen besetzen Katalonien.

1640 auch Aufstand der portugiesischen Stände gegen Zentralisierung der Macht in Madrid. Portugal macht sich unter einem Braganca von Spanien unabhängig. 

1643 Rebellion des kastilischen Adels und Sturz von Olivares. Danach Tendenzen hin zu einem Frieden mit den Niederlanden und zum Vericht auf die südliche Niederlande, um Katalonien zurück zu bekommen.

 

In England entwickelt sich eine frühe Form des Gleichgewichtes zwischen Parlament und Herrschaft. 1640 Short Parliament für Krieg gegen Schottland, das seine Bischofsverfassung ablehnt. Darauf Long Parliament, welches in der Bill of Attainder Strafford und Wentworth anklagt, die nach Prozess vor dem Oberhaus hingerichtet werden. 1641 Triennial Bill, Star Chamber und High Commission werden aufgelöst.

Irischer Aufstand, cavaliers und roundheads bilden sich heraus. Grand Remonstrance, und 1642-46 erster Bürgerkrieg zwischen König und Parlaments-Armee. der independent Oliver Cromwell besiegt 1645 mit der New Model Army den König bei Naseby. 1647 liefern die Schotten den König gegen Zahlung ihrer Kriegskosten von 400 000 Pfund an das Parlament aus. 1648 werden die Schotten und der König im zweiten Bürgerkrieg bei Preston geschlagen. Pride's Purge, das Rumpf-Parlament verurteilt den König zum Tode, und er wird hingerichtet. Seine Familie flieht in die Niederlande.

 

Seit 1647 ist Wilhelm II. von Oranien Statthalter fast aller niederländischen Provinzen.

1647 Masaniello-Aufstand in Neapel gegen die Spanier.

1647 marschieren die Schweden kurzzeitig. in Böhmen ein. Franzosen und Schweden machen sich daran, nach Österreich einzumarschieren. Der Kaiser schließt Frieden.

 

Söldner

 

Der Dreißigjährige Krieg wird noch im wesentlichen von Söldnern geführt, die sich vor allem aus den ärmeren Bevölkerungsgruppen rekrutieren. Deren Loyalität hängt im wesentlichen an ihrer Entlohnung, weswegen auch schon mal der Herr gewechselt wird. Den Söldnerheeren folgt im Verlauf des Krieges ein gelegentlich das Doppelte übersteigender Tross. Ehefrauen ziehen mit. Wo die offizielle Logistik das Heer nicht mehr hinreichend versorgen kann, greifen Söldner in ihrem jeweiligen Gebiet zur Gewalt, und wo man an den Huren im Tross nicht mehr genug hat, wird die weibliche Bevölkerung vergewaltigt. Als der Söldner Hagendorf 1634 bei der Eroberung von Landshut dabei ist, schreibt er :

Hier sind wir 8 Tage stillgelegen, haben die Stadt ausgeplündert. Hier habe ich als meine Beute ein hübsches Mädelein bekommen und 12 Taler an Geld, Kleider und Weißzeug genug.Wir wir sind aufgebrochen, habe ich sie wieder nach Landshut geschickt. (in: Arndt, S.191)

 

Als Daniel Friese seine Familie aus dem brennenden Magdeburg bringt:

Wir sahen sehr viele Todte auf den Gassen und etliche Weibs-Personen gantz entblösset liegen, welche mit dem Kopff in ein großes Brau-Faß, so in der Gasse voll Wasser stund, gestürtzt und ersäufft waren, aber mit dem halben Leibe und Beinen heraus hungen; welches ein erbärmlich spectacul war. (in: Arndt, S.214) 

 

Aus der Bevölkerung werden Leute herausgegriffen, die sich nicht verstecken können, und erst nach Zahlung eines Lösegeldes wieder freigelassen.

 

Der wohl kunstvollste deutsche Dichter der Zeit, Andreas Gryphius, schreibt um 1643:

Wir sind doch nunmehr gantz / ja mehr denn gantz verheeret!

Der frechen Völcker Schaar / die rasende Posaun

Das vom Blutt fette Schwerdt / die donnernde Carthaun

Hat aller Schweiß / und Fleiß / und Vorrath auffgezehret.

 

Die Türme stehn in Glutt/ die Kirch ist umgekehret.

Das Rathauß ligt im Grauß / die Starcken sind zerhaun /

Die Junffern sind geschändt / und wo wir hin nur schaun

Ist Feuer / Pest / und Tod / der Hertz und Geist durchfähret.

 

 

Friede von Münster und Osnabrück

1641 werden Münster und Osnabrück als Verhandlungsorte benannt. Seit 1643 reisen immer mehr Delegationen an. Seit 1645 wird in Münster und Osnabrück verhandelt, für das Reich durch Trautmannsdorff. Die 109 Delegationen verhandeln immer bilateral, durch Vermittler unterstützt.

Frankreich erhält Metz, Toul und Verdun, Elsass und Sundgau. Schweden erhält Vorpommern mit Stettin, Usedom, Wollin, Wismar und Rügen, zudem Bremen und Verden und bleibt regionale Vormacht. Brandenburg behält große Teile von Hinterpommern und erhält Halberstadt, Minden und Kammin, sowie die Anwartschaft auf Magdeburg. Die Kurpfalz wird wieder hergestellt und soll eine achte Kurwürde erhalten. 

Spanisch-niederländischer Friede von1648. Der Kaiser erkennt die Souveränität der Niederländischen Repubik und der Eidgenossenschaft an.

Die Reichsstände werden restituiert und erhalten fast volle Souveränität inklusive eigener Außenpolitik, die Säkularisierungen bis 1624 werden als rechtmäßig anerkannt, und die Reformierten gelten jetzt als rechtmäßig. Das Recht der Bestimmung der Konfession der Untertanen durch den Herrscher schwindet. Der Kaiser ist in Außern- Verteidigungs- und Finanzpolitik auf die Zustimmiung des Reichstages angewiesen.

 

1649/50 Nürnberger Exekutionstag. Die verschiedenen Truppen-Rückführungen und die diversen Zahlungen werden geregelt.

 

 

Kolonien 

 

Holländer gründen 1619 Batavia auf Java.

 

 

England

 

1639/40 Zwei Bishops' Wars Charles I. mit den Schotten. 1640 Long Parliament mit puritanischer Opposition. 

1641 katholisch-irischer Aufstand.

1642 erster Bürgerkrieg. "Unterstützt wurde die Parlamentspartei von den Kaufleuten, dem gewerbetreibenden Bürgertum vieler Städte, großen Teilen des niederen Adels (Gentry) und der größeren Bauern (Yeomen) sowie der City of London." (Klueting, S.214) Puritanische Armee unter Cromwell.

1648 zweiter Bürgerkrieg. Der König verbündet sich mit dem schottischen Presbyterianismus, darauf werden die Presbyterianer aus dem Londoner Parlament vertrieben. 

Ein Rumpfparlament aus den independenten Puritanern lässt Charles I. hinrichten und beschließt die Einrichtung eines Commonwealth.

 

 

Frankreich

 

1610-43 König Louis XIII.

1624-42 Richelieu Premierminister. 

Juni 1626 Verbot der Duelle bei Todesstrafe. Als Francois de Montmorency-Bouteville sich weiter nicht daran hält, wird er 1627 auf der Place de Grève öffentlich enthauptet. Aber erst nach 1650 nehmen die Duelle tatsächlich etwas ab.

1629 gestattet ein Erlass dem Adel, Seehandel zu betreiben.

 

 

Nationalismus

 

Der Pole M.K. Sarbiewski (1595-1640) schreibt lateinische Gedichte nach dem Vorbild vor allem von Horaz. Meint: 

Ihr findet keine andere Nation, die nicht auf die eine oder andere Weise den Polen unterlegen wäre, und ihr findet keine einzige, der gegenüber die Polen nicht auf die eine oder andere Weise überlegen sind. (in: BlanningAugust, S.97)

Zudem werden Katholizismus und Polentum immer mehr identifiziert.