Gewerbe 5: GEWERBE UND HANDEL IN ITALIEN 1350-1500 (in Arbeit)

 

 

Handel - Fernhandel - Welthandel

Transport

Monokulturen

Plantagenwirtschaft und Sklaverei

Natur. Landschaft und Zerstörung

Messen

Finanzkapital

Geld

Hanse

Textilien

Bergbau und Metalle

Lebensmittel

Papier und Druck

"Kunst": Malerei

Massenproduktion und Kapitalkonzentration

Firmen

Wozu die Gier nach Geld?

Arti und Handwerk in Florenz


 

 

Handel - Fernhandel - Welthandel  (in Arbeit)

 

Trotz Bevölkerungsverlusten und kurzen wirtschaftlichen Schrumpfungsprozessen im 14. Jahrhundert betreiben immer mehr europäische Regionen Überschussproduktion und treiben so den Handel an. Neben fernem und regionalem nimmt auch der lokale Handel zu.

 

Von China über den vorderen Orient bis ins islamische Spanien existiert vom frühen bis durch das hohe Mittelalter eine deutliche Überlegenheit über das lateinische Abendland in Techniken und städtischer Zivilisation, bei der als erstes der nordwestliche Mittelmeerraum aufzuholen beginnt. Ein wesentliches Element in der Entstehung und Entfaltung des Kapitalismus bis dahin ist entsprechend der Import von Waren, und zwar von Fertigprodukten, Luxusgütern vor allem, aus dem islamischen Orient zwischen Nordafrika, Arabien und Persien. 

Zwischen der ersten und zweiten Blütezeit des europäischen Kapitalismus, grob gesagt zwischen 1200 und 1400, holt dieser auf. Das liegt auch daran, dass nun stärker Rohstoffe eingeführt werden, mit denen exotische Produkte imitiert und substituiert werden, überhaupt an dem Aufstieg elaborierterer Warenproduktion.  Dazu verhilft auch die kapitalsatte Dominanz insbesondere genuesischer und venezianischer, schließlich auch toskanischer Handelsfirmen, die zunehmend in und zusätzlich auch in Produktion investieren. "Die islamischen Herrschaften in der Levante, bisher Exporteure von Fertigprodukten, wurden zu Importeuren von Waren vornehmlich italienischer Provenienz und die Länder im Nahen Osten Exporteure für Rohstoffe, die das europäische Gewerbe benötigte." (Fuhrmann in Dirlmeier, S.184)

 

Dennoch nimmt im späten Mittelalter der Handel mit den hochentwickelten despotischen Zivilisationen Indiens und Chinas über Zwischenstationen weiter zu. Schon im 13. Jahrhundert wurde Rohseide aus Cathay auf den Champagnemessen gehandelt. Dazu kommen längst auch "fertige Seiden- und Damaststoffe, Porzellan und Ingwer, Zimt und Zimtblüten." (Fuhrmann in Dirlmeier, S.185). Aus Südindien kommen Diamanten, zudem aus Ceylon Smaragde, Saphire und Rubine und aus dem Meer dort Perlen. Und noch wird der Handel über den indischen Ozean von südasiatischen Schiffen und Händlern betrieben. Erst der neuzeitliche "Kolonialismus" wird ihn zerstören.

 

Im 14. Jahrhundert wird das Riesenreich Dschingis Khans in vier Reiche aufgeteilt, einmal das schiitische Persien, das Wolgatal und Teile von Sibirien, sunnitisch wie der dritte Teil, Zentralasien, während der Osten mit China und der Mongolei buddhistisch bleibt.  Timur Lenk (Tamerlan) versucht das Reich noch einmal zu einen, stirbt dann aber 1405 beim Versuch, in China einzudringen. Inzwischen ist die Sicherheit der innerasiatischen Handelswege wieder erheblich gefährdet.

Chinas wirtschaftliche Blütezeit hält aber unter der Ming-Dynastie (ab 1368) noch weiter an. Den Höhepunkt chinesischer Machtentfaltung stellen vielleicht die sieben von Ming-Kaisern ausgerüsteten Flotten zwischen 1405 und 1433 dar, die mit 317 Schiffen und 28 000 Mann von China nach Südostasien, Indien und dem Irak segeln und dabei enorme Strecken zurücklegen. Nachdem die chinesischen Herrrscher so ihren (Welt)Machtanspruch demonstriert haben, entschließen sie sich, damit wieder aufzuhören und tendieren nun dazu, ihr Reich stärker abzuschotten. Mit dieser Entscheidung steigen sie aus dem von lateinischen Herrschaften nun beschleunigt voranschreitenden Globalisierungsprozess aus und werden am Ende deren Opfer werden.

 

Der östliche Mittelmeerraum andererseits wird zunehmend von einem islamisierten, ehedem zentralasiatischen Turkvolk kontrolliert, welches mit dem Fall von Konstantinopel/Byzanz das nach seiner Herrscherfamilie so genannte osmanische Reich begründet, mit welchem im Südosten stabile Verhältnisse für den Handel kommen, obwohl andererseits nun für den italienischen Handel das Schwarze Meer versperrt ist.

Dieses Großreich reicht weit in Europa hinein und wirkt insbesondere im untergehenden Griechenland und auf dem Balkan retardierend: In ihrem Einflussbereich schwindet nicht nur das Nachwirken lateinischer Zivilisation, sondern es etablieren sich auch dauerhaft vorkapitalistische Strukturen.

 

Zwischen Marokko und Arabien wiederum setzt jener Niedergang ein, der es in der Neuzeit zwischen Osmanen und kapitalistischem Europa zerreiben wird.

 

Ein großer Teil Osteuropas, der in dieser Zeit zu einem russischen Großreich wird, kaum von der lateinischen und nur geringfügig von der byzantinischen Zivilisation beeinflusst, entzieht sich ebenfalls der kapitalistischen Entwicklung weitgehend und entwickelt zudem auch despotische Strukturen. Das geographische Europa ist seitdem und bis in das 20. Jahrhundert gespalten in einen kapitalistischen westlichen Teil und einen vorwiegend agrarisch-despotischen süd-östlichen und östlichen Teil, eine Spaltung, die bis heute sichtbar bleibt. 

 

Mit der Vereinigung von Burgund mit den Niederlanden seit 1384 kann das kriegsversehrte Zentral-Frankreich über Basel und Genf und dann über die Alpen in die Po-Ebene oder durch das Rhonetal umgangen werden.

 

Nachdem das kapitalistische Europa von Italien, Südfrankreich und Katalonien einerseits und von Flandern aus andererseits ökonomisch expandiert war, etabliert sich Asien und den Nahen Orient wirtschaftlich übertreffender Kapitalismus nun dauerhaft auch in Süddeutschland, in Kastilien und England.

Im 15. Jahrhundert vollzieht sich der Niedergang von Brügge, der Zwin versandet und die Stadt schottet sich von englischen Tuchimporten ab. Damit einher geht der schließlich auch von den Habsburgern geförderte Aufstieg von Antwerpen, welches keine schützenswerte Tuchproduktion hat und Importe dorthin fördert. Dabei gewinnen dort englische Händler die Oberhand und verdrängen italienische Firmen. Deutsche Firmen holen auf, die Antwerpen als Ziel einer Linie über Köln, Frankfurt und Nürnberg sehen, von wo Linien nach Italien und Osteuropa ausgehen.

 

Nürnberg, Augsburg und Ulm konkurrieren an wirtschaftlicher Bedeutung zunehmend erfolgreicher mit der Nordhälfte Italiens, bis einzelne Firmen dort die italienischen an Kapital deutlich übertreffen. Das Volumen des Handels mit Norditalien nimmt so sehr zu, dass Ende des 15. Jahrhunderts der Brenner komplett zu einer mit Pferdewagen befahrbaren Straße ausgebaut ist. Zweitwichtigster Handelsweg von Süddeutschland ist nun der über Frankfurt und Mainz nach Antwerpen, der im 16. Jahrhundert den nach Venedig an Bedeutung übertreffen wird. Eine dritte bedeutende Route führt über Genf und Lyon an den jeweiligen Königshof an der Loire. Schließlich gehören zum Netz der Straßen, die von Süddeutschland ausgehen (Spufford) auch solche, die in die neuen Metropolen Krakau, Prag, Wien und Buda führen.  

 

Nachdem der südliche Mittelmeerraum dauerhaft (weitgehend) vom lateinischen Abendland aufgegeben ist, orientieren sich Portugal und Spanien in zwei Etappen auf den südlichen Atlantik. Die bekannten Eckdaten sind folgende:

Seit 1402 gibt es portugiesische und dann spanische Eroberung und Kolonisierung der Kanaren.

1415 erobert Portugal Ceuta, dann Porto Santo und Madeira. Dort wird Zuckerrohrproduktion begonnen.

 

 

Seetüchtigere Schiffe, die dann Atlantik und Indischen Ozean bewältigen, führen zum seit der Mitte des 14. Jahrhundert regelmäßig befahrenen Seehandelsweg aus dem Mittelmeer um die iberische Halbinsel nach Antwerpen, nun weithin von islamischer Herrschaft befreit, und wieder zurück. Neben den Produktions- und Handelszentren in der Nordhälfte Italiens tauchen nun kastilische auf, zudem verlagert sich langsam Kapital von Flandern erst nach Antwerpen und dann auch nach den späteren Niederlanden (oft heute im Deutschen als Holland zusammengefasst). Antwerpen wird bald dann auch Markt für portugiesische Kolonialwaren.

Die Bedeutung iberischer Hafenstädte wie Valencia, Malaga, Cadiz und Lissabon steigt entsprechend, und im Hinterland die von Sevilla, schließlich auch von Granada und Cordoba. Die Balearen steigen auf als Produzenten von Wolle und Wollstoffen. Von Barcelona fahren immer mehr Schiffe in die Levante.

Inzwischen sind Regionen Spaniens in die Reihen hochkapitalisierter Landschaften aufgestiegen. Mit der Eisenausfuhr von Nordspanien und der Gewerbe- und Handelslandschaft Katalonien sowie dem Export der kastilisch-leonesischen Merinowolle seit dem 14. und insbesondere 15. Jahrhundert gewinnt die Halbinsel an Bedeutung, gefördert durch kastilische Geldabwertungen. Burgos wird nun neben dem Handel mit Eisen auch zur Handelszentrale für hochwertige Wolle. Neben nordspanischen Häfen gewinnen südspanische bis hinunter nach der Küste südlich von Cordoba durch Wollausfuhr an Bedeutung.

 

Mit der Orientierung der politischen Macht Aragons nach Süditalien öffnet sich umgekehrt Barcelona stärker für italienisches Kapital, für Handel und Finanzen aus Florenz vor allem, aber auch aus Genua, so wie katalanisches Kapital umgekehrt in geringerem Umfang in Süditalien eindringt. Florenz importiert von dort Rohstoffe, Rohseide und zunehmend auch Wolle, und liefert dafür die entsprechenden Fertigprodukte. Dafür fließen Edelmetalle und Geld in die toskanische Stadt ab (Goldthwaite, S.154)

Schon in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts beginnt der Aufstieg von Valencia zu einem Zentrum des sich entwickelnden Welthandels. Um 1450 hat die Stadt bereits rund 40 000 Einwohner, etwa so viele wie Florenz. Das große Hinterland liefert Wein, Reis, Trockenfrüchte, Tierhäue und Rohwolle. Die Stadt selbst entwickelt ihre eigene Textilproduktion. Bis um 1450 bilden Florentiner die wichtigste Gruppe von Kaufleuten, dann übernehmen Genuesen, Deutsche und Leute aus Marseille stärker. Die Ravensburger Gesellschaft investiert nun in Zuckerproduktion, Genuesen gehen in die Produktion von Seidentüchern.

 

Der neuartige Welthandel durch zunächst bescheidene Eroberungen beeinflusst die Konjunkturen des 15. Jahrhunderts aber nur langsam. England beispielsweise hat unabhängig davon um 1400 einen Handelsboom, um 1450 eine Rezession und um 1470 ein erneutes Wirtschaftswachstum.

Aber im 15. Jahrhundert wird England aus eigener Kraft zu einer Seehandelsmacht und einem wichtigen europäischen Produktionsstandort über seine Tuche, die nun vorwiegend von englischen Kaufleuten exportiert werden.

 

In einer zweiten Etappe der Eroberung der Welt beginnt sowohl die Umrundung Afrikas in Richtung Indien und der Seeweg in die Amerikas, an dem sich am Ende auch Engländer beteiligen.

Der portugiesische Prinz Heinrich ("der Seefahrer") scheiterte mit der Eroberung marrokkanischer Küstenstädte wie Ceuta und schickt dann in den 30er Jahren des 15. Jahrhunderts Schiffe die afrikanische Westküste entlang. um Sklaven für Portugal einzukaufen. Sie finden dort eine komplette Infrastruktur für den Sklavenhandel vor und bis zu Heinrichs Tod 1460 werden Portugiesen an die    20 000 Negersklaven nach Portugal verschleppt haben. Bis 1600 werden es über 300 000 sein.

Auf der Höhe des westlichen Ghana entdecken die Portugiesen die Quelle des Goldes und errichten 1482 die Festung El Mina. Seitdem gelangt ein steter Goldstrom bis in 16. Jahrhundert nach Portugal. Schließlich gelangen Portugiesen an der afrikanischen Westküste entlang 1486 nach dem heutigen Namibia. Neben Sklaven und Gold sind Pfeffer und Elfenbein die Beute.

 

Die Portugiesen lernen schnell, dass das Innere des tropischen Afrika nicht nur wegen der Malaria für Europäer lebensbedrohlich ist. Sie lassen sich an der Küste nieder, wie schon in El Mina, wohin schwarzafrikanische Geschäftsleute ihnen Sklaven und Gold liefern. Der beginnende neuartige Kolonialismus beginnt mit der Zusammenarbeit heimischer Oberschicht und hellhäutiger Kolonialherren.

 

1488 fährt Bartolomeu Diaz um das Kap der guten Hoffnung 1492 erreicht Kolumbus Santo Domingo und Giovanni Caboto dann von Bristol aus Neufundland. Inzwischen ist der Islam 1492 mit der Einnahme von Granada zur Gänze wieder aus dem Westen des nördlichen Mittelmeerraums vertrieben, so dass sich Kastilien/Spanien nun der Expansion auf andere Kontinente widmen kann, mit der Portugal schon beschäftigt ist.

1497 gelangt Vasco da Gama auf dem Seeweg nach Indien.Von ostafrikanischen Hafenstädten aus kann er Lotsen an Bord nehmen, die ihn mit seinen vier Schiffen bis dato vielbefahrene Routen entlang führen.

 

1500 gelangt Pedro Alvares nach Brasilien. Inzwischen haben die ersten "Entdecker" feststellen können, dass es über Lateinamerika bis in den Südwesten Nordamerikas schon Handelswege gibt, die man weiter nutzen kann, nun zum Nachteil der einheimischen Bevölkerung, die in dem nächsten Jahrhundert zu, so vermutet man heute, an die 90% aussterben wird, durch Massenmord, in Sklaverei und durch eingeschleppte Krankheiten.

 

Genuesen und Florentiner sind an der Angliederung der neuen Welten beteiligt. Aus Florenz kommt nach Sevilla Gianotto di Lorenzo Berardi, bedeutender Kaufmann, der Beziehungen zum König pflegt und an der Finanzierung der Eroberung von La Palma 1492 teil hat. Als Freund von Kolumbus finanziert er dessen zweite Fahrt mit. Sein Partner wird Amerigo Vespucci, der als Agent von Lorenzo di Pierfrancesco de Medici nach Sevilla gekommen war. Weitere Forentiner investieren auf den Kanaren und siedeln sich manchmal auch dort an.

 

Sichtbar wird die Entwicklung  in der Ablösung der Sklaven von nördlich des Schwarzen Meeres durch solche aus Schwarz-Afrika, die nun zunehmend auch auf Gemälden und Zeichnungen auftauchen. Sklave ist nicht mehr fast synonym mit Slave, sondern zunehmend mit Neger. Zudem erkennt man die neue Zeit durch den zunehmenden Import exotischer Tiere zunächst aus Afrika, wobei sich Affen als besonders beliebt erweisen. Das Philosophieren hat Natur längst in ein Abstraktum, eine Denkfigur verwandelt, während sie in der Wirklichkeit Warencharakter hat. Ansonsten wird intensiviert, was in der Antike der Unterschied zwischen Zivilisierten und Barbaren war, wobei letztere nun als Wilde in Rechtlosigkeit bis hin zur Vernichtung verfallen.

 

Noch im späten Mittelalter gibt es eine hohe Übereinstimmung von Gebieten mit hoher Kapitalkonzentration und zugleich hoher Bevölkerungsdichte und Verstädterung mit denen von entwickeltem großem Produktions- und Handelsvolumen. Da ist zunächst Flandern und etwa gleichzeitig die Lombardei und die Toskana. Dazu kommen später süddeutsche Städtelandschaften.

An einigen Stellen dominiert aber weiter der Handel, schon ganz früh in Venedig, deutlich später im Raum der (nord)deutschen Hanse. Dabei bleibt die Menge des Ostseehandels etwa ein Zehntel so klein wie der Mittelmeerhandel und der Warenumsatz von Lübeck, erreicht nur - grob geschätzt - ein Fünftel von dem von Genua oder Venedig, Städten, die allerdings auch viel größer sind.

 

Mit der nun einsetzenden Eroberung des Restes der Welt wird demnächst der Handel wieder an Gewicht über die Produktion in Europa gewinnen, die fast in eine Stagnationsphase bis ins 18. Jahrhundert eintritt. Dabei geraten dann das Mittelmeer und die Ostsee zunehmend an den Rand des Geschehens, und neue Kolonialmächte in den Vordergrund.

 

Transport

 

Die Zunahme von viel Raum einnehmenden Massentransportgütern wie Getreide oder Holz führt in Nord- und Ostsee dazu, dass größere Schiffe aus England als Holk übernommen werden, die die dreifache Tonnage von Koggen bewegen können. Sie haben eine neue Takelage, die das Kreuzen gegen den Wind ermöglicht und nun auch Kastelle an Heck und Bug. Daneben kommen Kraweelschiffe als Weiterentwicklung der iberischen Karavellen auf, mächtige Dreimaster mit einer Last von bis zu 800 Tonnen. Die Kraweelbauweise überlappt die Planken nicht mehr, sondern fügt sie plan aneinander, was ihnen eine glatte Oberfläche und höhere Dichtigkeit gibt. An die Stelle der Eisennägel treten Holzdübel. Die Schiffe erhalten außerdem nun zwei oder drei Masten, was ihre Geschwindigkeit und die Manövrierbarkeit erhöht. Kanonen können sicherer weiter unten angebracht werden. Seekarten und Weltkarten brauchbarerer Art werden für die Fahrt auf hoher See entwickelt.

 

Auch im Mittelmeerraum werden die Schiffe immer größer, vor allem breiter und höher und erhalten am Ende mehrere Decks. Genuesische Karacken des 15. Jahrhunderts steigern sich von tausend auf zweitausend Tonnen Gesamtgewicht und sind damit viel größer als Hansekoggen. Grundsätzlich wird mit Windkraft gesegelt, mit nunmehr zwei und dann drei Masten.

Bis um etwa 1300 haben venezianische Handelschiffe zwei nach vorne geneigte Maste mit dreieckigem Lateinsegel und Seitenruder. Es gibt zwei Decks und Aufbauten an Heck und Bug bei um die 200 Tonnen. Kurz vor Ende des 13. Jahrhunderts beginnt die Entwicklung von Handelsgaleeren. Bislang waren Galeeren, Biremen mit zwei Ruderern mit jeweils einem Ruder nebeneinander, hauptsächlich als schnelle und wendige Kriegsschiffe und Begleitfahrzeuge eingesetzt worden. Jetzt werden daraus geräumigere Triremen mit 150 Tonnen Last und 200 Mann Besatzung. 

Genuesische und venezianische Galeeren sind mit über 100 Ruderern bestückt, die aber hauptsäschlich bei Flauten oder im Falle eines Angriffs eingesetzt werden. Immerhin können nun festere Fahrpläne eingehalten werden.

Daneben wird die Kogge mit Heckruder und Rahtagelage auch im Mittelmeerraum eingeführt. Mit nur noch der Hälfte der Besatzung und schnellerer Fahrt macht sie die Handelsreisen kostengünstiger.

 

Zwei Erfindungen steigern die Navigationsfähigkeit der Schiffe. Da sind die einigermaßen maßstabsgetreuen Portolankarten, in die Küstenlinien und vor allem Häfen geneauer eingetragen werden. Dazu kommt der nicht mehr "schwimmende" Kompass, dessen Nadel nun fester fixiert ist. Damit müssen Schiffe, die im Herbst losfahren, nicht mehr auf der anderen Seite des Meeres überwintern, es gibt nun zwei reguläre Fahrten im Jahr.

 

Die großen Handelsfirmen von Florenz betreiben selbst kein Transportgeschäft, sondern überlassen dieses darauf spezialisierten Unternehmungen. Über Land gibt es in Italien auch im 15. Jahrhundert immer noch Maultierkarawanen, die von Unternehmern betrieben werden, die manchmal auch Gasthäuser besitzen.

 

Schon zwischen 1390 und 1398 wird der 94 km lange Stecknitzkanal zwischen Elbe und Trave gebaut, mit dem das Salz ganz per Schiff von Lüneburg nach Lübeck transportiert werden kann. Technisch macht der Verkehr über Flüsse, Kanäle, Straßen und Wege nur langsam Fortschritte. Immerhin können vierrädrige Wagen nun bis zu zwei Tonnen Fracht bewegen und schaffen zwischen 30 und 50 km pro Tag.

 

Mitte des 15. Jahrhunderts schlägt die Tendenz vom Überlandhandel zum Seehandel wieder etwas in ihr Gegenteil um. Die stabilere Staatlichkeit und das Ende des langen Krieges zwischen der englischen und französischen Krone machen die Landwege sicherer. Dafür finden im östlichen Mittelmeer immer mehr kriegerische Konflikte zwischen christlichen Staaten und dem unaufhörlich sich ausbreitenden Osmanenreich statt, die als Piraterie von beiden Seiten beginnt und in Seeschlachten ausartet. Die Potentaten Nordafrikas gehen ebenfalls verstärkt wieder zur Piraterie über. Damit steigen gelegentlich die Versicherungsprämien ins Unermessliche.

Ein weiterer überragender Faktor ist der Aufstieg des süddeutschen Kapitals in der Mitte des Kontinents, der naturgemäß auf Überlandwege mit unterstützender Fluss-Schiffahrt ohnehin angewiesen ist.

 

 

Der Adelige und wer sich inzwischen dafür hält bewegt sich zunächst weiter zu Pferde, ist er doch weiter ein Ritter, also Reiter. Aber für die Vornehmsten wird das Reisen in Kutschen mit Aufhängung des Wagenkastens mittels Leder zur Möglichkeit, insbesondere wenn diese prächtig verziert nun auch so den Stand der Vornehmheit anzeigen können.

 

Der Fernhandel über Land löst sich im ausgehenden Mittelalter langsam von der Kette von Transporteuren für kurze Etappen. Im 15. Jahrhundert befördert dann nur noch eine Firma Mailänder Waren von Domodossola nach Sion. Die Genueser Firma von Petrus Gambarus übernimmt um 1500 den gesamten Weg vom italienischen Händler bis ins Rheinland. 

 

 

Der erneute Aufschwung des Handels im 15. Jahrhundert trifft auf eine nunmehr entfaltetere Staatlichkeit, die ihre eigenen Interessen mit denen der heimischen Kapitalbewegungen immer enger verknüpft. Dazu gehört die Vereinfachung der Gütertransporte durch verbesserte Wege und eine Vereinheitlichung der Abgaben, Wegegelder und Zölle. Mit der Ausweitung des florentinischen Staatsgebietes im 14. Jahrhundert beginnt dort die Rückführung der an lokale und regionale Herren verliehenen Wegegelder durch Auszahlung dieser.

Ab 1346 versuchen die Mailänder Visconti die unterworfenen Stadtstaaten sogar dazu zu bringen, einen einheitlichen (gemeinsamen) Zollraum zu schaffen, eine Art frühe Freihandelszone. Nürnberg verhandelt mit anderen Städten über die Herabsetzung von Handelsabgaben auf Gegenseitigkeit. Insgesamt wird versucht, den Handel über größere Strecken so "schneller, billiger und sicherer" zu machen (Spufford, S.169)

 

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Im Dienste von Kaisern und Päpsten bauen die lombardischen Taxis (ab 1489 für Erzherzog Maximilian) ein Postwesen auf, welches erst bis ins 17. Jahrhundert zu einem allgemeinen Postwesen wird. Bis dahin aber gibt es weiterhin auch den privaten reitenden Boten. Im 15. Jahrhundert tauchen dann neben den Routen von Nürnberg und wohl auch Augsburg nach Venedig regelmäßige innerdeutsche Linien in Süddeutschland auf, um 1500 werden drei Mal die Woche Briefe zwischen Nürnberg und Augsburg befördert.

Beschleunigt wird der Botendienst durch eine Abfolge von Poststationen etwa alle 30- 50km, wo müde Pferde gewechselt werden können und wo es außerdem für Ross und Reiter Unterkunft und Verpflegung gibt. Immer schneller wächst so die Welt der Kapitalbewegungen zeitlich zusammen und tauscht so Informationen aus. Aus den Datini-Papieren von um 1400 weiß man, in welchem Umfang dabei zum Beispiel Preislisten für Waren andernorts übermittelt werden.

Im 17. Jahrhundert werden dann deutsche Fürstentümer wie Brandenburg ihren eigenen landesweiten Postdienst aufbauen.

 

Transport von Gütern und Nachrichten sowie Reisen über Land werden weiter durch Räuberbanden behindert, zu denen auch die Trupps räuberischer Ritter gezählt werden müssen. Als besonders gefährlich gelten dabei die Wälder, die nach den Krisen des 14. Jahrhunderts wieder zugenommen haben. Seit es zudem wieder kühler wird, bedrohen auch Wolfsrudel die Leute unterwegs und dringen in besonders harten Wintern bis in das Umfeld der Siedlungen vor.

 

 

Monokulturen

 

Mit steigender Kaufkraft der Überlebenden der Krisen des 14. Jahrhunderts sinkt die Nachfrage nach Getreide, dem Hauptnahrungsmittel, und die nach Fleisch steigt. In den höheren Lagen der Alpen schwindet der Ackerbau und wird durch Viehzucht ersetzt. Dasselbe gilt für Gegenden Dänemarks und Nowegens und für große Flächen in Polen und Ungarn. Es entstehen ganze Weidelandschaften für Rinderzucht, wo bei Polen Norddeutschland und Ungarn Süddeutschland beliefert. Dazu werden regelmäßig ganze Herden über weite Strecken getrieben.

 

Die Rinderzucht nimmt auch in der Poebene mit ihren feuchten Wiesen zu und macht die römische Campagna zu Weideland. In Süditalien nimmt die Schaf- und Ziegenzucht zu.

Mit der Einführung der Merinoschafe und ihrer hochwertigen Wolle im 14. Jahrhundert, die nun auch die englische an Qualität übertrifft, werden die Hochlagen von Kastilien und Leon zu Schafland. Die Wolle geht nach Flandern, Italien und Frankreich vor allem. In der jährlichen transhumancia kommt es zu langen Wanderungen der Schafherden aus dem Norden in die wärmeren Niederungen Andalusiens. Die Könige privilegieren die Organisationen der Schafzüchter, die nun vor der Ausplünderung Südamerikas einen wesentlichen Anteil am Reichtum im kastilischen Reich haben.

 

Der ferngehandelte Weinbau erlebt im 14. Jahrhundert einen massiven Einbruch, bevor er dann im 15. Jahrhundert zu einer neuen Blüte führt und in Gegenden, die ohnehin bereits in Richtung Wein-Monokultur tendierten, zu reinen Weinlandschaften , wie im Bordelais und Auxerois und Gegenden Süditaliens. Die stark verbesserten Transport- und Handelsbedingungen machen es möglich, in solchen Gegenden den übrigen Warenbedarf von anderswo zu besorgen.

 

Ähnliches gilt für die kleineren Obst- und Gemüseanbaugebiete und für den großflächigen Anbau gewerblicher Pflanzen wie Hanf, Flachs oder von Färberpflanzen wie Krapp, Waid, und Safran. Waid, welches nun große Flächen in den Gegenden von Erfurt, Langensalza und Tennstedt besetzt, dient der Färbung von Textilien mit Blau-, Schwarz- und Grüntönen.

Dazu kommen Hopfengebiete für die Bierproduktion.

 

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts beginnt dann in einigen Gebieten wieder eine Zunahme der Bevölkerung, worauf solche Spezialkulturen wieder eingeengt und durch Getreideanbau ersetzt werden.

 

Plantagenwirtschaft und Sklaverei

 

Von bäuerlicher Landwirtschaft unterscheiden sich Plantagen dadurch, dass es sich um großflächige Monokulturen mit Kapitaleinsatz und einem Exportziel handelt, die von Lohnarbeit oder Sklaven bewirtschaftet werden. Es gibt sie erst im 14./15. Jahrhundert vermehrt, und zwar im Mittelmeerraum im wesentlichen und dann auf den kolonisierten atlantischen Inseln. Auf diese Weise wird zum Beispiel Zuckerrohr angebaut und manchmal auch Baumwolle.

 

Die Versklavung von Christen wird von der Kirche verboten, aber es gibt sie immer wieder in Einzelfällen. Grundsätzlich ist aber Sklaverei in Europa bis ins 18./19 Jahrhundert erlaubt. Mit der üblichen bäuerlichen Landwirtschaft, wie sie sich seit dem frühen Mittelalter entwickelt, wird Sklaverei allerdings im Agrarsektor obsolet.

Versklavt werden Menschen grundsätzlich im Mittelalter in Kriegen, insbesondere in Osteuropa. Reiche Beute macht auch die muslimische Piraterie im Mittelmeerraum und später auch dem Atlantik, die viele christliche Sklaven für die Herrenschicht in Nordafrika und bis in den Nahen Osten besorgt. Sie wird bis ins 18. Jahrhundert anhalten. In Schwarzafrika ist das Versklaven durch Überfälle und Sklavenjagden durch das (europäische) Mittelalter ein übliches Geschäft.  Negersklaven werden durch die Sahara in Karawanen nach Norden getrieben und von dort über Nordafrika bis in die islamische Levante verkauft. "Mohren" als Sklaven gibt es außerhalb Südspaniens im christlichen Europa aber kaum.

 

Für die zentralen Städte des Sklavenhandels, Venedig und Genua, sind Tana und Kaffa am Schwarzen Meer die wichtigsten Einkaufsorte. Kurz nach 1437 schreibt Pero Tafur über das, was er in Kaffa sah: In der Stadt verkaufen sie mehr Sklaven, sowohl männliche als auch weibliche, als irgendwo sonst auf der Welt. (...) Und sie sagten ferner, dass es keine Sünde sei, Kinder zu verkaufen, denn es seien Früchte, die ihnen Gott gegeben habe, um Gewinn zu erzielen. (in Spufford, S.254) Das überzeugt ihn wohl, denn er kauft dort zwei Sklavinnen, von denen er nach seiner Rückkehr nach Cordoba offenbar auch Kinder hat.

Osteuropäische Knaben gehen dann über Venedig und Genua an Händler, die sie an die Mamelucken nach Ägypten für deren Heer verkaufen, andere wiederum gelangen so ins osmanische Heer. Vom Osmanenreich selbst aus werden aber ebenfalls reichlich Sklaven gemacht und in den Handel gebracht.

 

Die wenigen, aber zunehmenden Fälle von Haussklaven als Domestiken in fürstlichen Haushalten und denen der Spitzen des Kapitals bleiben in Europa selten, bis sie in der Neuzeit dann modisch-schick werden. Am ehesten werden dann osteuropäische Mädchen, insbesondere wegen ihrer Schönheit Tscherkessinnen, gekauft, die nicht selten dem entfesselteren Geschlechtstrieb ihrer Herren dienstbar sein müssen. (Spufford). Der Großunternehmer Francesco Datini aus Prato bekommt von einer Sklavin ein Kind, desgleichen Unternehmer in Florenz und auch Cosimo de Medici, der sich vier solche Sklavinnen hielt. Die Kinder müssen allerdings getauft werden und sind so frei, und die Mächtigen und Reichen statten sie oft auch ordentlich aus, ähnlich wie die Kinder fürstlicher Mätressen. 

Interessant werden Sklaven einmal als Ergänzung von Strafgefangenen auf genuesischen Galeeren, aber dann zunehmend in Bergwerken und der Plantagenwirtschaft. Sie arbeiten in den genuesischen Alaungruben vob Phokäa, auf Salzgärten von Ibiza und Andalusien und den Zuckermühlen und Plantagen von Kreta und Zypern.  

 

 

Natur. Landschaft und Zerstörung

 

Die ingeniöse Erfindungsgabe einzelner Menschen, deren Erfolge von vielen übernommen werden, versetzt spätestens mit der massenhaften Einführung von Ackerbau und Viehzucht Menschen in eine Sonderrolle im Lebensraum Erde: Er beginnt mit seiner Umgestaltung, indem er ihn für seine Zwecke großräumig zu nutzen beginnt. Das betrifft die Bewässerungssysteme der Flusslandschaften des Nils und von Euphrat und Tigris und später die großen Abholzungen der griechischen und römischen Stadtzivilisationen. Erst der Untergang des westlichen Imperium Romanum ließ in seinem Bereich die Natur für einige Jahrhunderte aufatmen.

Mit dem Aufstieg des Kapitalismus im Mittelalter beginnt eine zweite, fast unaufhörliche Bewegung der Verwandlung der Welt in seinem Einzugsbereich, die immer noch anhält. In seinen Kernlandschaften zwischen England und Italien, zwischen den deutschen Landen und Spanien, schwindet eine Naturlandschaft nach der anderen und wird in menschengemachte verwandelt. Aus Wäldern werden entweder Forste oder sie verschwinden ganz. Feuchtgebiete werden trockengelegt, Fließgewässer in Wirtschaftswege verwandelt, Berge werden in Bergwerksareale verwandelt. Die Menschen, die über die Landschaften verfügen, verwenden sie als Ressourcen für ihr Erwerbsstreben und ihre Besitzgier.

 

Nirgendwo wird das deutlicher als beim Schwinden der Wälder. Am Anfang des Mittelalters sind nördlich der Alpen Siedlungen Inseln in einer Welt aus Bäumen und Sträuchern. An ihrem Ende sind Wälder Inseln in einer menschengemachten Welt. Neben Wasser und Getreide ist Holz der dritte Grundbaustoff der neuen kapitalgetriebenen Zivilisationen.

Man braucht es schon seit der Steinzeit für Kochen und Heizen, und die nun rapide zunehmende Bevölkerung braucht davon immer mehr. Schon die mittelmeerischen Stadtzivilisationen verbrauchen es für den Schiffsbau, und der wird seit dem 10. Jahrhundert immer mehr zunehmen. Am meisten Holz, gemessen am Einzelprodukt, verbraucht die spätmittelalterliche Glasherstellung. Für Schiffe und Glas verwandelt Venedig Dalmatien in eine karge Kastlandschaft. Zudem verschwinden im Zuge seiner Eroberungen die Wälder im Einzugsbereich des Po, bis der durch Erosion in die Gewässer eingetragene Schlamm die Lagune selbst bedroht. Lange nach Nürnberg beginnt die Stadt dort um 1470 mit einem Wiederaufforstungsprogramm mit geringer Wirkung, allerdings nicht aus Respekt vor den menschlichen Lebensgrundlagen, sondern aus wirtschaftlichen Gründen: Es gilt vor allem, den Rohstoff für den Schiffsbau im Arsenal zu erhalten, der größten Produktionsstätte damals in Europa. Aber die Holz muss aus immer größerer Ferne importiert werden, schließlich sogar aus Kreta.

Erst im 16. Jahrhundert wird Glasherstellung in England eine ähnliche "Spur der Verwüstung" hinterlassen, bis sie in die Kohlereviere weiter nördlich umzieht.

Fast genauso verheerend wirkt sich die Salzsiederei auf das Umland aus: Die Lüneburger Produktion hat großen Anteil daran, dass sich das südliche Waldgebiet in eine Heidelandschaft verwandelt.

Ganze Wälder verschwinden auch für die Metallindustrie, angefangen bei der Verhüttung der Erze bis hin zum Schmieden. Dort, wo mit Backsteinen gebaut wird, geht das Holz für Ziegelbrennereien drauf.

 

Ersatz für den Brennstoff Holz bietet in einigen (waldarmen) Gebieten Torf, und die Torfstecherei zerstört so großflächig weitere Biotope. zuerst in Northumberland und im 15. Jahrhundert dann auch im Lütticher Raum, der aber erst im 16. Jahrhundert an Bedeutung gleichzieht. Mit dem ungefilterten Rauch aus Kohleverbrennung nimmt aber die Luftverschmutzung zu.

 

Messen

 

Im 13. Jahrhundert kommt es zu einem Konzentrationsprozess im Messegeschehen, zunehmend von der Politik gefördert. Alte Jahrmarktsorte verlieren an Gewicht, in deutschen Landen gewinnen zentrale Messen wie in Frankfurt, Nördlingen oder Donauwörth an Bedeutung. Die niederrheinischen Messen konzentrieren sich auf Köln mit seinem Stapelzwang, die vielen ostenglischen  auf London hin, wo schon im 12. Jahrhundert Kölner Kaufleute auftauchten und 1281 der Stalhof der Hanse eingerichtet wird.

Der Niedergang der Champagnemessen fördert die Konzentration der flämischen Messestandorte auf Brügge, wo sich die flämische und seit Mitte des 13. Jahrhunderts auch die deutsche Hanse niederlässt. Seit 1277 beginnt dann die Schiffahrt um die iberische Halbinsel von und nach Genua, die allerdings erst im 14. Jahrhundert langsam zunimmt.

Anfang des 14. Jahrhunderts "verlegte sich Brügge auf eine passive, die Handelsaktivitäten fremder Firmen und Kaufleute fokussierende Marktfunktion." Fuhrmann in Dirlmeier, S.187), wobei die Geldgeschäfte in italienischer Hand sind.

 

Der Aufstieg des Messe-Standorts Antwerpen seit 1315 wird 1356 kurzfristig durch die flämische Annektion von Brabant unterbrochen. Aber ab 1380 erhält die Stadt das Monopol auf den Verkauf englischer Tuche und und steigt nun unaufhaltsam auf. Daneben entwickelt sich Bergen-op-Zoom zum Messestandort.

Um 1455 schreibt der weitgereiste Kastilier Pero Tafur seine Erinnerungen von 1339 an Antwerpen nieder. Wie ein rechter Tourist interessiert er sich vor allem für die Luxusgüter der dortigen Messe. Ich habe andere Messen gesehen, bei Genf in Savoyen, Frankfurt in Deutschland, bei Medina (del Campo) in Kastilien, aber all diese lassen sich nicht mit derjenigen in Antwerpen vergleichen. (...) Alle Arten von Bildern werden im Kloster des hl. Franziskus verkauft; in der St.Johanneskirche preist man Stoffe aus Arras an; in einem Dominikanerkloster allerhand Goldschmiedearbeiten, und so werden verschiedene Gegenstände unter den Kirchen und Klöstern verteilt und der Rest in den Straßen verkauft. Außerhalb der Stadt vor einem der Tore verläuft eine breite Straße mit großen Ställen und anderen Gebäuden auf beiden Seiten. Hier verkaufen sie Gäule, Traber und andere Pferde, das ist ein bemerkenswerter Anblick. (usw., in: Spufford, S.37)

 

Die Frankfurter Messe vermittelt innerdeutsch vor allem zwischen Nord und Süd und besonders im Metallwaren- und Tuchhandel. Darüberhinaus ist es die Mitte der Achse Antwerpen-Venedig, was vor allem Kölner und Nürnberger Kaufleute anzieht, nachdem die Kölner Messe in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts aufgegeben und durch Stapelrecht ersetzt wird. Venedig nimmt inzwischen den ersten Platz im Levantehandel ein. "Es war ein 'Muss' zumindest für die deutschen Kaufleute, in Frankfurt vertreten zu sein und an dem feingesponnenen System aus Warenhandel und Zahlungsausgleich teilzunehmen. Der Absatz der Waren war auf die Messen ausgerichtet, die Begleichung der Schulden darauf terminiert. Bedeutende Kaufleute wie Matthäus Runtinger aus Regensburg finanzierten um 1400 ihre Einkäufe auf der Frankfurter Messe zwar noch mehrheitlich mit Bargeld, (rund 67 Prozent), sie gebrauchten aber auch ausstehende Wechsel und Forderungen." (Fuhrmann in Dirlmeier, S.189) 

 

Vom Niedergang der Champagnemessen profitiert auch Chalons-sur-Saône, bis es im Gefolge des Hundertjährigen Krieges nach 1360 durch Genf abgelöst wird.

Einen zentralen Rang hat die Messe von Genf mit starker italienischer Beteiligung als Mittlerin zwischen Nord und Süd wie schon zuvor die Champagnemessen. Bis Ende des 14. Jahrhunderts entwickelt es sich zu einem zentralen Handels- und Finanzmarkt mit starker Anwesenheit florentiner Banken und Seidentuchhändler.

 

1419 beginnt die französische Krone mit der Etablierung von zwei Messen in Lyon gegen Genf zu konkurrieren. 1462 verbietet der französische König den Transport von Waren zu den Genfer Messen und fördert im folgenden Jahr vier zeitgleiche Messen in Lyon. Händler bekommen Handelsfreiheit, Freiheit im Wechsel-Verkehr und bei Zöllen und anderen Abgaben zugesagt. Darunter leidet nicht nur Genf, sondern auch der Finanzplatz Avignon.

Es kommt zur Abwanderung der italienischen Firmen aus Genf dorthin. Unter Louis XI. (1461-83) ist Lyon das Zentrum des französischen Wirtschaftslebens und Anfang des 16. Jahrhunderts erreicht es dieselbe Bevölkerungszahl wie Florenz. Gehandelt werden dort vor allem Wolltuche aus England und den Niederlanden, Seidentuche aus Italien, Gewürze aus der Levante und andere Luxusgegenstände.

 

An zentralen Handels- bzw. Messestandorten treffen sich Makler zwischen Käufern und Verkäufern, Geber und Nehmer von Krediten, Transportunternehmer und Versicherer zunächst zu bestimmten Tageszeiten. Das findet im 14. Jahrhundert zuerst auf bestimmten Plätzen statt wie der Piazza dei Banchi in Genua, die Placa dels Canvis de la Mar in Barcelona und der Place du Change in Lyon. In Brügge herrscht der Sonderfall, dass Makler das Monopol auf die Vermittlung von Handelsabschlüssen haben, und sie treffen sich auf dem Platz, an dem eine Herberge der Maklerfamilie van der Buerse liegt. Diese wird zum Konsulat der Venezianer, und a, selben Platz liegen auch die der Florentiner, Genuesen und nahe bei der Lucchesen. Makler "trafen sich in den überdachten Säulengängen vor dem florentinischen Haus, um nicht vom Verkehr doer durch Regen gestört zu werden." (Spufford, S.38)

Schon 1322 gibt es mit der Loggia dei Mercanti in Venedig und 1392 mit der Lonja in Barcelona die ersten festen Häuser dafür mit überdachten Säulengängen. Als 1517 die Stadt Antwerpen ihr erstes Börsen-Gebäude errichtet, geschieht dies nach dem Brügger Börsenplatz mit einem quadratischen Gebäude mit einem großen Innenhof.

 

Finanzkapital

 

Nach den Bankrotten großer toskanischer Firmen in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (Bardi, Peruzzi) tauchen dort mit den Alberti, Strozzi, Medici, Guardi, Soderini und Ricci neue Gesellschaften auf, die nicht mehr ganz dieselben Ausmaße wie die früheren haben. Dabei nimmt wie bei der 1397 von Giovanni di Bicci gegründeten Medicibank manchmal die Spezialisierung auf Finanzgeschäfte zu, die dann Ende des 15. Jahrhunderts zum wichtigsten Geschäftszweig werden.

Größenordnungen bei der Medicibank ergeben sich aus Zahlen zu den Anlegern: 1427 hat die Bankniederlassung in Rom zwölf Anleger mit zusammen über

55 000 Florin, die in Venedig 9300 Dukaten, davon alleine 4000 von einer Frau aus Bologna und 1050 von einem Deutschen. 1459-60 hat die Niederlassung in Mailand alleine vom Kanzler des Herzogs und einem weiteren Höfling mehr als 15 000 Florin, 1467 in Lyon 42 000 Scudi von neunzehn Anlegern.1494 hat Philippe de Commines bei den Medici 25 000 Écus angelegt.

 

Schon Anfang des 15. Jahrhunderts, in Florenz ab 1408 überliefert, wird das Risiko der Kapitalbeteiligung durch Kommanditgesellschaften (acomandita) eingegrenzt, bei denen die Anteilseigner einer Gesellschaft nur noch bis zur Höhe ihres jeweils eigenen Kapitalanteils haften.

 

Die meisten europäischen Finanzplätze befinden sich im 14. Jahrhundert in Nord- und Mittelitalien neben denen von Neapel und Palermo. Daneben ist noch London ein Finanzplatz von Rang, Brügge und der von Genf, den königliche französische Politik dann ruiniert, weswegen seine Funktion nach Lyon verlagert wird, wo aber wie in Genf Italiener das Geschäft betreiben.

 

Geldwechsel und Bankgeschäft werden immer deutlicher getrennt, 1433 wird für die Niederlande festgelegt, "dass Geldwechsler in Zukunft weder Geld als Einlage zugunsten von Kaufleuten entgegen nehmen noch Zahlungen für sie tätigen durften." (Spufford, S.31) Das bestätigt aber eine Entwicklung, die regional schon im 14. Jahrhundert eingesetzt hatte.

 

Bargeldloser Zahlungsverkehr nimmt im 14./15. Jahrhundert immer mehr zu. Wechsel und Girokonten werden für immer mehr Transaktionen genutzt. Dazu ein Beispiel aus Genua: "Ein Geschäftsbuch der Piccamiglio verzeichnet zwischen 1456 und 1459 den Erhalt von Zahlungen aus dem Ausland durch Wechsel im Wert von 159 710 genuesischen Lire. Von dieser Summe wurden ihnen nur Wechsel im Wert von 11 753 Lire als Bargeld gezahlt. Der gesamte Rest, also über 92,5 Prozent wurde durch Banküberweisungen beglichen.

 

Mit Schecks werden am Ausgang des "Mittelalters" nicht mehr nur Überweisungen für größere Handelsgeschäfte getätigt. "1477 stellte ein florentinischer Kleiderhändler einen Scheck aus, um die Entleerung einer Jauchegrube zu bezahlen." (Spufford, S.28)

 

Das Wechselgeschäft löst sich zum Teil völlig vom Warenverkehr: "By the fifteenth century it was possible for anyone, by selling a bill and keeping it on the exchange, to take out a short-term loan from a merchant-banker, on which he was charged interest according to the usance (den festgelegten Zeitraum der Gültigkeit), or he could, by buying a bill and keeping it on the exchange, in effect deposit money with a banker, on which he received interest regularly but in varying rates. Moreover one could use the bill for pure speculation by collapsing the roles of remitter and drawer into one, thereby effecting change and rechange only for the purpose of making money on the difference of exchange rates." (Goldthwaite, S.220)

 

Als Musterbeispiel dafür, wie sich das Ganze auch von den Banken lösen kann, beschreibt Goldthwaite, wie der setaiolo Filippo d'Antonio Michi, also ein Handwerker, sich so sogar ohne Vermittlung einer Bank Geld leiht: "On 25 January 1475 Michi >took one gold mark< on the exchange of the Easter fair at Lyons, that is, he borrowed florins in exchange for a mark (the standard monetary unit used in the exchange fairs in Lyons) , presumably to be delivered in Layons at the Easter fair, but at the time of payment at the fair the mark was to be used to buy florins at the subsequent August fair payable in Florence by Michi. On the surface,what is involved here is a standard exchange-rechange transaction used to disguise a loan: only what was paid back, and not the amount of the loan, is mentioned. What is curious, if not indeed significant, about this transaction is that neither party was a banker. Indeed, the >remitter< (or lender) was a woodworker (legnaiolo) named Iacopo di Cerbino, who, according to the entry in Michi's record book, >directed the bill< to Amerigo Corsini, Giovanni Falconieri & Partners in Lyons. (Goldthwaite, S. 444f)

 

Es entsteht ein das lateinische Abendland (ohne den Nordosten) überziehender großer Finanzmarkt mit wechselnden Zentren und Dominanz florentinischer Handelsbanken. Im Verlauf des 14. Jahrhunderts wird Venedig mit süddeutschem und osteuropäischem Silber vorrangiges Zentrum. Gegen Ende des Jahrhunderts wird es vom Geldmarkt von Genf mit seinen vier Messen abgelöst, in dem florentinische Firmen die Hauptrolle spielen. Unterstützt wird die Stadt von ihrem Fürstbischof, der den örtlichen Gold-Écu (Scudo) auf einem stabilen Edelmetallgehalt hält. Geldgeschäfte sind für die meisten Firmen, die sich hier aufhalten, wichtiger noch als Warengeschäfte. Die Firma Della Casa, Guadagni & Co. tätigt in drei Jahren in den 1460ern durchschnittlich jährlich 632 Wechselgeschäfte von ebenfalls 312 000 Scudi (Goldthwaite, S.224).

 

Nach den 1460ern verlagert sich das Finanzzentrum nach Lyon, wo zunächst Florentiner Firmen ebenfalls dominieren, bis im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts Genua und Antwerpen zentral werden, letztere Stadt über den Zufluss deutschen Silbers.

 

Die in den sogenannten monti konsolidierte Staatsschuld italienischer Stadtstaaten und in spanischen Mittelmeerstädten schafft vom Stadtstaat ausgegebene Wertpapiere, die auf dem Markt gehandelt werden können. Zu diesem Zweck werden öffentliche Depositenbanken eingerichtet. 1401 entsteht auf solche Weise in Barcelona die Taula de Canvi, zwischen 1407 und 1444 vereinigen sich die Besitzer von Staatsanleihen in Genua zur Casa di San Giorgio und 1409 entsteht ein solches Institut in Valencia. In Venedig wird das halbe Dutzend mächtiger Banken am Rialto ein Stück weit unter staatliche Kontrolle gebracht.

In Florenz allerdings geschieht vorläufig nichts derartiges. Um 1430 versucht der Seidenhändler Andrea di Francesco Arnoldi eine Art Staatsbank anzuregen mit der Begründung, dass Geld und Bankkredit sich ohnehin nicht voneinander unterscheiden. Er begründet das damit, dass in Florenz derzeit nur 150 000 Florin in Münzen in Umlauf sind, die Stadt aber rund 4 Millionen für den gerade beendeten Krieg mit Lucca ausgegeben hat.

 

Der weiter anhaltende Mangel an Münzgeld und Edelmetall, aber oft auch fehlendes Kapital machen den Kredit zur Grundlage des weiter aufblühenden Kapitalismus. Das fängt bei den Bauern an, die das Wetter, Seuchen und was auch immer in Not treiben, und die ihre Ernten schon im vorherein an Handelskapital verkaufen, das damit der Konkurrenz zuvorkommt und einen Preisvorteil einheimsen kann.

Das betrifft Handwerker, die ihre Rohstoffe erst bezahlen, wenn sie das Fertigprodukt verkauft haben und Kaufleute, die ihren Einkauf erst nach Verkauf bezahlen. Handwerker geraten dadurch dann leicht in dauerhafte Abhängigkeit von größerem Kapital.

Daneben gibt es natürlich den Geldkredit in barer Münze, kurzfristig zu hohem Zins, der mehr noch als die indirekteren Kredite in Verschuldung führen kann. Ein Großteil der Beschäftigung städtischer Gerichte hat mit solchen Schuldverfahren zu tun.

 

Kredite werden gegen Schuldschein vergeben und oft in das städtische Schuldbuch, beim Schöffengericht eingetragen oder vor einem Notar verschriftlicht. Zahlungstermine sind oft die örtlichen Messen. Vielfach werden auch Wertsachen verpfändet, wie Gold und Silber und das verfertigte Wertgegenstände beim Lombardkredit. Daneben kann der Wechselbrief als Schuldschein dienen und es gibt Kredit durch Überziehung des Girokontos. Bei der Cambinibank sind in den 1460er Jahren mehr als die Hälfte der Konten überzogen, und zwar in der Größenordnung, in der Geld in den nicht überzogenen Konten vorhanden ist. (Goldthwaite, S.446)

 

Kredit gibt wiederum inzwischen der Sparer der Bank, indem er mittels eines langfristigen Sparkontos mit Zinsen zum Beispiel Altersvorsorge betreibt oder die Mitgift seiner Töchter anspart.

 

Im Verlauf der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts nehmen die Klagen gegen den "Wucher" der christlichen Pfandbanken in Florenz immer mehr zu, vor allem von den Bettelorden vorangetrieben. Entsprechend tauchen in Testamenten solcher Bankiers Aufforderungen an die Exekutoren auf, gegenüber Kunden Wiedergutmachungen zu betreiben, die insgesamt schon einmal zwei- bis dreitausend Florin betragen können, - bei allerdings vererbbaren Guthaben von mehreren Zehntausenden.

Die Stadt geht nun immer härter gegen solchen christlichen Wucher vor. Nun waren seit dem Beginn des 13. Jahrhunderts jüdische Pfandleiher von Rom aus über das Latium, und Umbrien in die Toskana vorgedrungen. Nach und nach werden diese jüdischen Pfandbanken legalisiert. 1437 dann vergibt die Stadt an den Juden Abramo da San Miniato eine Art Monopol für die Einrichtung eines Konsortiums von vier Juden, die Pfandbanken mit einem Gesamtkapital von

40 000 Florin aufmachen. Sie dürfen 20% Zinsen nehmen, müssen dafür Gebühren an die Stadt zahlen und ihr gelegentlich für Anleihen zur Verfügung stehen. Damit decken sie nun die unteren Bereiche des Geldverleihs ab, wiewohl nur die Medicibank unter den überregionalen Handelsbanken ein größeres Basiskapital hat. Aber da Juden nur noch sehr begrenzt Geld in Immobilien anlegen dürfen, sind Banken ihre naheliegende Investition.

 

Laut Goldthwaite bedienen diese jüdischen Pfandbanken weniger Leute in privater Not als eher kurzfristige Investitionen von Handwerkern. Um 1475 verleiht alleine die San Miniato Bank im Jahr für rund 15 000 Florin solche meist kurzfristigen Gelder, durchschnittlich fünzig mal am Tag und im Umfang von 20 Soldi bis (selten) 50 Florin. (Goldthwaite, S.446)

 

Wohl schon im 14. Jahrhundert gelten Einrichtungen wie das Benediktinerkloster Badia und das größte ospedale Santa Maria Nuova als sichere Aufbewahrungsorte für kleine und mittlere Summen. Mit seiner Gründung kommt im 15. Jahrhundert noch das Ospedale degli Innocenti als Waisenhaus dazu. Solche Depositen insbesondere mittlerer Handwerker werden schließlich mit rund 5% verzinst. Andererseits geben diese Einrichtungen dann dem Staat Anleihen, die wiederum mit über 10% verzinst werden.

Mit diesem eingeschränkten Bankwesen frommer Einrichtungen setzt sich auch offiziell in der Kirche durch, dass ein gewisses Maß an Zinsen durchaus christlich sei. 1473 erkennt der erzbischöfliche Gerichtshof sie an.

 

1462 eröffnet ein Monte in Perugia, in der Toskana entstehen dann die in Siena und Lucca, schließlich gibt es dort rund siebzig. 1495 dann eröffnet ein Monte di Pietà in Florenz, dessen niedrige Zinssätze von einer päpstlichen Bulle 1515 als nicht wucherisch anerkannt werden. Der Monte von Florenz lockt zunächst nur von etwa sechzig Personen Einlagen von rund 7000 Florin an, obwohl er gegen Pfänder nur 5% Zins nimmt. Das drückt seine "fromme" Seite aus, er soll Alternative zu den lizensierten jüdischen Pfandbanken mit ihren 20% Zinsen sein und das außerdem dadurch verdeutlichen, dass er Beiträge für örtliche Wohlfahrtseinrichtungen (Krankenhäuser, Waisenhäuser etc.) abgeben soll.

 

Im 15. Jahrhundert bedient sich ein Großteil der Florentiner lokaler Banken. Neben dem ständig stattfindenden Geldwechsel besitzen viele ein conto corrente, auf dem Geld deponiert oder in das Kredit überführt wird. Solche Konten werden in der Regel nicht verzinst, dafür ist ein begrenztes Überziehen auch kostenlos. Viele Arbeiter und insbesondere Handwerker besitzen so etwas und werden des öfteren auch aus einem Konto bezahlt. Mieten werden so bargeldlos bezahlt. Wichtigstes Dokument auch dabei ist das Buch des Bankiers. Ende des 15. Jahrhunderts kommen polizze auf, ausgeschriebene Schecks. Bauarbeiter werden mit ihnen bezahlt und Handwerker schreiben auf ihr Konto ausgestellte Schecks für andere Handwerker. Manche Konten werden so zum Beispiel nur für die Dauer bestimmter Bauprojekte eingerichtet. Andere nur für bestimmte Girotransfers und so nur für wenige Tage.

Daneben gibt es zeitbegrenzte größere Depositen, auf die Zinsen von durchschnittlich 10% bezahlt werden. Mit solchen Anlagen kann das Basiskapital (corpo) einer Bank manchmal sogar vervielfacht werden.

 

Die sorgfältige Buchführung selbst von Handwerkern ermöglicht es in Florenz (und auch anderswo), dass ein Großteil von Bankfunktionen durch Kompensationsgeschäfte auch ohne diese abgewickelt werden können. 1503 trägt der Notar Andrea Nacchianti ein, er habe die Ausgaben für seine Familienkapelle über zwei Gewürzhändler bezahlt, die den größten Teil besagter Gelder für mich mit dem conto corriente bezahlen, den ich bei ihrem Laden habe. (in: Goldthwaite, S.458). Arbeiter bekommen oft ihren Lohn nicht in Münzen, sondern bezahlen ihre alltäglichen Lebensunterhalts-Kosten über den Kredit, den sie beim Konto ihrer Arbeitgeber haben. Der Bauarbeiter Luca di Pippo, der 147779 am Bau von Santo Spirito beschäftigt ist, hat ein Gehaltskonto beim Kloster, das er mit Ausgaben für Miete, Weizen, Holz, einem Bett, einem Hut für seinen Sohn und einer Mitgift für seine Tochter belastet (Goldthwaite, S.459).  Ein anderes Beispiel bei Goldthwaite: 1466 möchte ein Seidenweber 40 Florin seiner Miete beim wohlhabenden Maler Neri di Bicci bezahlen. Er bittet einen Seidenspinner, bei dem er Kredit hat, Neri zu bezahlen. Der wiederum bittet eine setaiolo-Firma damit, bei der er nun Kredit hat, und die informiert Neri, der in seinem Buch das Mieterkonto ins plus und das des Setaoiolo ins debit setzt.

Zugleich hat Neri Schulden bei den Erben eines Battiloro (Goldschlägers), die er auf deren Konto bezahlen soll. Neri beauftragt nun die Setaiolo-Firma, bei der er das Guthaben hat, auf die Bank der Erben einzuzahlen. Der letztere Vorgang wird dann allerdings erst Monate später abgeschlossen sein. (Goldthwaite, S.462).  

 

In Florenz zumindest werden Firmen nicht über geliehenes Kapital gegründet sondern über die Bildung von Partnerschaften. Des weiteren wird die Bedeutung lokaler Banken eingeschränkt durch private Kredite an den Banken vorbei, im 13. Jahrhundert mithilfe von Notaren, ab dem 14. einfach durch korrekte Buchführung und Vertrauen besiegelt. Viele Zeit-Depositen-Konten laufen ebenfalls nicht über Banken, sondern über andere Firmen. Woll- und Seidenfirmen führen regelmäßig ein bis zwei solche Konten. Luca di Buonacorso Pitti besitzt einige solcher Konten nicht nur bei großen Handesbanken, sondern auch bei Textilfirmen, und investiert dort um 1470/80 immer etwa 1000-2000 Florin zu 6-10% Zinsen. 1493 hat er sieben solche Anlagen mit insgesamt 6000 Florin Kapital, wovon er bereits sehr komfortabel leben kann. (Godthwaite, S.466)

 

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Seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts entwickelt sich mit unterschiedlichen Formen von Versicherungen ein ganz eigener Finanzmarkt. Zunehmend schließen sich - zunächst in Italien - mehrere Versicherer zusammen, um das Risiko zu teilen.Versichert werden immer nur die Transporte einzelner Handelstransaktionen.

Makler beginnen, zwischen Handel und Versicherungen zu vermitteln. Die Prämien liegen oft zwischen sechs und zwanzig Prozent, je nach Risiko durch die Entfernung, Kriege und Aktivitäten von Piraten. Niederlassungen der Medici und wohl auch anderer beteiligen sich selbst gelegentlich am Versicherungsgeschäft. Überhaupt wird die Beteiligung an Versicherungen eine üblichere Weise, auch kleinere Summen zu investieren.

Um die Mitte des 15. Jahrhunderts ist das Versicherungswesen bis nach Barcelona (mit genuesischen Versicherern) und nach Brügge vorgedrungen. An immer mehr Orten entsteht ein regelrechter Versicherungsmarkt. 1523 schafft Florenz innerhalb der Mercanzia die Ufficiali di sicurtà, die Makler nun offiziell lizensiert.

Inzwischen sind im 16. Jahrhundert Überland-Transporte etwas sicherer geworden, so dass der italienische Handel sie kaum noch versichert.

 

Geld

 

Geld ist im Mittelalter Edelmetall, Gold und vor allem Silber, und zwar gemünzt und in Form von Barren. Die Menge des vorhandenen Geldes hängt an mehreren Faktoren. Da ist einmal das Maß des geförderten Silbers und des im wesentlichen aus Afrika eingehandelten Goldes. Zum anderen geht es um die Bilanzen von Abfluss und Zufluss von Geld zwischen verschiedenen Großregionen und vor allem Kontinenten. Dazu kommt einmal die vorübergehende Geldvermehrung durch Wechselgeschäfte und ähnliches und fürstliche Ab- und Aufwertungspolitik.

 

Der klassische Fall erheblichen Edelmetallabflusses aus dem lateinischen Abendland stellt der Handel mit dem Osten dar, überwiegend über die Levante abgewickelt, aber Produkte bis aus Hinterindien und China einbeziehend. Durch die gestiegene Nachfrage nach Luxusprodukten aus dem Osten und die Überlegenheit des Angebotes über das westeuropäischer Waren, die dafür eingetauscht werden können, schickt der Westen insgesamt im 13. Jahrhundert und bis ins 14. wesentlich mehr Edelmetall in den Osten als er zurückbekommt.

Die Bilanz bessert sich etwas, als der Anteil der Fertigprodukte aus dem Osten durch Rohstoffe ersetzt wird, die nun im Westen in die Produktion gehen, und dann noch einmal durch die Rohstoffproduktion im Westen selbst, vom Zucker bis zur Baumwolle.

Nicht ersetzt werden können allerdings die vielen Gewürze, die in Europa nicht angebaut werden können. Und so sieht nach E.Ashtor sehr ungefähr die Handelsbilanz zwischen Venedig und der Levante im 15. Jahrhundert aus: Venedig führt Gewürze im Wert von 400 000 Dukaten aus dem fernen Osten ein, für 80 000 Dukaten Waren aus dem Nahen Osten und 20 000 Dukaten in Geld. Liefern tun sie Waren im Wert von 200 000 Dukaten und 300 000 Dukaten in Geld. (Spufford, S.258)

Grundsätzlich ähnlich sieht es für den Handel Genuas und Venedigs über Tana und Kaffa aus. Als im 15. Jahrhundert der Sklavenhandel dort immer dominanter wird, haben die italienischen Händler außer Leinen ebenfalls nur Edelmetalle entgegenzusetzen. Auch ins Baltikum fließt aus dem Westen mehr Silber durch ein Handelsungleichgewicht ab.

Eine positive Handelsbilanz hat England gegenüber dem Kontinent wegen Wolle und Zinn. Sie wird gegen Ende des Mittelalters immer mehr gemindert durch die zunehmende Marktmacht sder spanischen Wolle.

Silber fließt ab aus Süddeutschland nach Italien, von dort aber nicht zurück, sondern weiter in die Levante.

 

Von der Mitte des 13. bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts dient der Florin, der Gulden aus Florenz, als eine Art Leitwährung, danach verliert er dann langsam an Bedeutung. Zum einen prägen immer mehr Herrschaften ihre eigenen Goldmünzen von zunehmend anderer Art, zum anderen lässt der Goldzufluss nach Florenz langsam nach. Über die Messe- und Finanzstandorte Genf und Lyon gewinnt der französische écu immer mehr an Bedeutung, den die Italiener scudo nennen. Nach 1533 schließlich wird der écu au soleil der internationale Goldmünzen-Standard, der nun auf 3,08 Gramm Gold festgelegt wird.

Aber mit dem nachlassenden Goldzufluss im 16. Jahrhundert wird die Goldwährung erneut durch eine in Silber ersetzt. In Italien setzt sich der deutsche Kreuzer als crazia (quattrino grosso) und der carlino (nach Karl von Anjou in Neapel hergestellt) durch. Am Ende des Jahrhunderts herrscht der Silber-piastra vor, doppelt so dick und zehn mal so schwer wie der alte Gold-Florin.

 

 

Textilien

 

Florenz stellt in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts die Tuchproduktion immer mehr auch auf qualitativ höherwertige Ware um und gewinnt damit einen größeren Markt für die Abnahme solcher Tuche, in Konkurrenz zu entsprechenden aus England, Flandern und Brabant, aber auch aus der Lombardei und Katalonien. Die große Katastrophe von 1348 mit ihrem massiven Bevölkerungsverlust scheinen die Gewinne in der Textilbranche von Florenz nicht zu beeinträchtigen. Die Firma von Antonio di Lando degli Albizzi wirft von 1346 bis 1350 kontinuierliche Gewinne von jährlich 22% ab. (Goldthwaite, S.272) Ende des 14. Jahrhunderts gehören Tücher aus Florenz zu den teuersten und luxuriösesten.

 

Die Produktion teilt sich nun in San Martino-Stoff nach dem Kloster bei den Produktionsstätten, aus englischer Wolle gefertigt, und in den Garbostoff, der nach einem Ort in Nordwest-Afrika, aus dessen Region viel der eher minderwertigen Wolle dafür kommt. San Martino wird vorrangig nach Spanien und Italien exportiert und Garbo in die Levante zum halben Preis. Derweil verschwindet die Verfeinerung nördlicher Halbfabrikate aus Florenz.

 

In Florenz sind nach der Steuerliste von 1352 "1381 Familienoberhäuper als Wollarbeiter tätig, das sind 28,4% aller erfassten Berufsleute. Nach der Steuerliste von 1427 waren es noch 1098 Familienoberhäupter oder 20,1% der Berufsleute." (Gilomen, S.119) Mit der spanischen Wolle wird dann nach und nach ein neuer Rohstoff erschlossen, der englische Wolle ersetzt.

Was die großen Gewinne betrifft, ist Florenz inzwischen eine Finanzmetropole, aber immerhin verkauft die Stadt im 15. Jahrhundert jährlich Wolltuche für durchschnittlich rund 500 000 Florin. Davon gehen rund 10-15% als Gewinn an die Firmen.

 

In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts nimmt insgesamt die florentinische Wolltuchproduktion etwas ab, was wohl vor allem auf die Verteuerung der Rohstoffeinfuhren aus England, Katalonien und Südfrankreich zurückzuführen ist, und erreicht um 1390 einen Tiefpunkt. Erst im Verlauf des 15. Jahrhunderts nimmt sie wieder zu. Das betrifft aber vor allem die Garbotücher, die nach 1440 immer mehr auf die bessere matriciana-Wolle aus den Abruzzen zugreifen kann, die der aragonesische König von Neapel mit einer neuen Schafrasse einführt.

 

San Martino-Wolle bleibt teuer, verliert aber immer mehr Marktanteile. Das nimmt noch einmal zu, nachdem die Garbo-Produzenten nach 1480 immer mehr hochwertige kastilische Wolle verwenden. Damit erzeugen sie rascia-Tücher, leichtere und qualitätsvollere feine Serge-Stoffe. Aufgrund von deren Erfolg gehen dann auch die San-Martino-Produzenten zur Herstellung solcher Tücher über.

 

Deutlich an zweiter Stelle steht zunächst die Seidenproduktion, aber auch sie trägt zur positiven Zahlungsbilanz der Stadt bei, insbesondere, als im 16. Jahrhundert Süddeutschland immer bedeutenderer Abnehmer wird.

1338 ignoriert Giovanni Villani in seiner Stadtbeschreibung die Seidentuchproduktion noch völlig, aber Mitte des Jahrhunderts ist sie immerhin für rund ein Prozent der Gewerbe erwähnt, im Vergleich zu 33% lanaioli (Goldthwaite, S.286).1377 lässt die Por Santa Maria nahe beim Mercato Nuovo eine neue repräsentative Zunfthalle bauen. Im selben Jahr kauft sie den Marmor für die Statue des Evangelisten Johannes für Orsanmichele.1419 beginnt die Arte mit der Errichtung des Ospedale degli Innocenti, einem ersten Waisenhaus für Florenz. Die Por Santa Maria wird immer mehr zur Arte della Seta.

 

Anfang des 15. Jahrhunderts tauchen immer mehr Produzenten von Taft, Satin, Samt und Brokat auf. Im Kataster von 1427 sind das 38 Seidenfirmen, es gibt aber noch viermal so viele Wollunternehmen. Es geht nur noch doppelt so viel Kapital in die Wolltuchproduktion wie in das Seidengewerbe. Florenz hat in der Seidenproduktion zu Lucca, Bologna, Genua und Venedig aufgeschlossen. Der Wert der gesamten Seidenproduktion erreicht Ende des Jahrhunderts mit rund 400 000 Florin fast den der Wolltuchproduktion. In dieser Zeit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts verdoppelt sich auch die Zahl der battiloro-Firmen, also derer, die Gold- und Silberfäden für das Einarbeiten in die Seidenstoffe herstellen, Viele von ihnen arbeiten zusätzlich im setaioli-Sektor.

 

Im 15. Jahrhundert verbinden sich nicht nur Firmen von Seidenproduzenten und battilori, sondern es entwickeln sich aus Seidenfirmen ganze Firmenkonglomerate. Seit 1444 bis zu seiner Verhaftung 1451 sind Niccolo di Piero Buonaccorsi und die Brüder di ser Martino Martino über ihre Seidenfirma verpartnert mit Jacques Coeurs (und Guillaume de Varye), und letzterer investiert 1454 zusammen mit Handelsbankier Tommaso Spinelli in eine weitere Seidenfirma. Coeurs Firma übernimmt die Fertigprodukte, bringt sie in sein Warenhaus nach Tours und verkauft sie von dort über ganz Frankreich. Zu Buonaccorsis Seidenfirma gehört eine battiloro-Firma und eine accomanda mit Ludovico di Francesco Strozzi, die in London die Fertigprodukte verkauft.

 

Im letzten Viertel des 15. Jahrhunderts verfügen die Serristori-Brüder ein riesiges Konglomerat von Firmen für Produktion und Verkauf von Seidenstoffen, wozu auch eine battiloro-Firma, eine Färberei und ein Verkaufsladen in Florenz gehören. 1482 machen sie eine Partnerschaft mit Gualterotti in Brügge auf, 1485 mit Cavalcanti in Lyon und danach werden sie Partner mit einer Londoner Firma. Schließlich legen sie in der Toskana noch Seidenrauben-Plantagen an.

Ein ähnliches Firmenimperium gehört einem Antinori, der Anfang des 16. Jahrhunderts eine Seidenfirma, eine Battilorofirma, eine Gesellschaft für den Einkauf von Rohseide in den Abruzzen, eine Verkaufsgesellschaft in Lyon und solche in Deutschland und Spanien besitzt.

 

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts investieren viele der großen Handels- und Bankfirmen in das Seidengeschäft, so die Medici, Spinelli Capponi, Salviati und Strozzi und fahren dabei hohe Gewinne von 15-20% ein.

 

Anderswo wie in den Niederlanden, England und im sonstigen Mittelmeerraum ist die Produktion ohnehin wesentlich zentralisierter. Das nutzt der Florentiner setaiolo Piero di Bartolo, den Herzog Filippo Maria Visconti 1444 nach  Mailand lockt, indem er ihm ein zehnjähriges Monopol auf die Produktion von Seidenstoffen gibt, Zollprivilegien, Steuerprivilegien und Bürgerrecht für alle Arbeitskräfte, die er mitbringt. Mithilfe von Mailänder Kapital aus einer Partnerschaft bringt er dann ein Unternehmen zusammen, welches eine Spinnerei, eine Wurfmühle (tiratoio) für die weitere Fadenherstellung, eine Färberei und Webstühle miteinander vereint, also den gesamten Produktionsprozess. (Goldthwaite, S.322)

 

Im 15. Jahrhundert werden in Florenz immer mehr protektionistische Gesetze erlassen, 1441 werden die Bauern darauf verpflichtet, je mindestens fünf Maulbeerbäume zu pflanzen. Zwei Jahre später wird die Ausfuhr von Rohseide verboten. Insbesondere Mailand und Neapel gelingt es aber, hochqualifizierte Seidenarbeiter aus Florenz abzuwerben.

 

Ein Teil des großen Handelskapitals konzentriert sich nun auf den Seidenhandel, der sich vom Nahen Osten bis Portugal erstreckt und insbesondere italienische Fürstenhöfe beliefert. Anders als mit Wolltuchen gelingt auch der Einbruch in die nördlichen Märkte, in Brügge und London, in Genf, dann Lyon und Antwerpen. 1495 tauchen sie in Frankfurt auf und 1499 lässt sich ein florentinischer Seidenhändler in Nürnberg nieder.

 

In der Hochblüte florentinischer Textilproduktion fällt es manchmal schwer, zwischen Handwerk und schierer Lohnarbeit zu unterscheiden. Aber neben der Tatsache, dass sie ihre Werkzeuge besitzen und ihren Arbeitsplatz überwiegend entweder zu Eigentum haben oder selbständig mieten, gehen etliche von ihnen auch miteinander Partnerschaften für gemeinsame Arbeit ein. Diese werden vertraglich abgesichert und dauern ähnlich wie die von Unternehmern drei bis fünf Jahre. Das kann einfache Kardierer und Tuchscherer genauso betreffen wie stärker mit fixem Kapital ausgestattete Färber und Weber.

 

Manche Seidenweber steigern gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Zahl ihrer Webstühle, was sie zu Unternehmern macht wie den Seidenweber Iacopo di Tedesco, der es dann 1525 auf 25 Webstühle und 32 Lehrlingsbuben bringt. Er schafft es in guten Jahren, mehrere hundert Florin zu verdienen. Damit kann er in einen ritagliatori-Laden zu investieren, eine Battilori-Werkstatt und eine Seidenfirma. In diesem Sinne steht es Handwerkern frei, zu Großunternehmern aufzusteigen. (Goldthwaite, S.333)

 

Wollweber haben weniger eine solche Perspektive, aber dafür die Färber, deren autonome Bruderschaft von Sant'Onofrio es im 14. Jahrhundert bereits schafft, ein eigenes ospedale zu errichten. Im 15. Jahrhundert bilden manche von ihnen in Partnerschaften beachtliche Firmen mit Eigenkapital von 400-1500 Florin. Die Pinciardi-Firma hat schon um 1370 eine Partnerschaft mit einem Importeur von Waid aus Borgo San Sepolcro, investiert mit einem anderen Partner in eine Färberei in Florenz, eine Wollfirma in Borgo und solche, die Wolltuchhandel über ganz Italien betreibt. (Goldthwaite, S.335)

Weber und Färber können also in Einzelfällen durchaus unternehmerisches Handeln entwickeln.

 

 

In Bereichen der Luxusproduktion nimmt die Kapitalisierung immer mehr zu. Große Handels- und Grundbesitzerfamilien Venedigs investieren zum Beispiel in jeweils zwanzig bis vierzig Webstühle für die Seidenweberei und degradieren die Weber zu reinen Lohnarbeitern. Dasselbe gilt im 15. Jahrhundert für Florentiner Familien wie die Medici, die über ihre politische Macht dafür sorgen, dass die wohlhabenderen Bauern im Contado nun regelmäßig Maulbeerbäume anzupflanzen haben (Spufford, S.188).

 

Zur Textilproduktion gehören auch die Färbemittel als Produktions- und Handelsgüter sowie das Alaun als Fixativ. Bis nach der Mitte des 15. Jahrhunderts genießt Genua fast ein Monopol für Alaun aus Kleinasien, welches von einer Handelsgesellschaft auf Chios vertrieben wird. 1462 wird dann Alaun in den Monti di Tolfa im Kirchenstaat entdeckt, wobei die Päpste die Bergwerke an große Firmen wie die Medici verpachten. Ausgeführt wird es über Civitavecchia. Später können dann Genueser Firmen als Pächter auftreten.

 

Keine Textilien sind Pelze, aber Kleidungsstücke von hohem Renommée.

Venedig bezieht Felle aus Tana am Schwarzen Meer und besitzt eine ausgesprochen wohlhabende Kürschnerzunft. Erst die Osmanen werden den Handel unterbinden.

 

Bergbau und Metalle

 

Das Eisen für die Waffen- und Rüstungsproduktion von Mailand und Brescia kommt weiter aus dem Landstreifen von Savoyen bis in die Steiermark. Nordwesteuropa wird seit dem 13. Jahrhundert vor allem mit nordwestspanischem Eisen aus Küstennähe versorgt. Im 15. Jahrhundert kommt Kantabrien dazu, von Burgos aus wird der Handel kontrolliert und Bilbao wird zum zentralen Ausfuhrhafen.

 

Im 14./15. Jahrhundert ist der italienische Bergbau in der Hand mächtiger Kapitalgesellschaften, die kleinere Anteile inzwischen weit streuen.

 

Mailand (mit dem unterworfenen Brescia) bleibt führend in der Rüstungswirtschaft, deren Massengüter von den Neuerungen der Feuerwaffen zunächst unbeeinflusst sind. Ein Jahr nach der Einnahme von Brescia durch die Venezianer (1426) bestellt der Herzog von Mailand "4000 Rüstungen für Kavallerie und 2000 Rüstungen für Fußsoldaten als Ersatz güt Verluste" und erhält das alles nach wenigen Tagen (Spufford, S.194). Brescia liefert nun 1478   an Venedig 10 000 Brustharnische und 10 000 Helme. Mailand wiederum liefert 1513 5000 komplette Rüstungen an den englischen König.

 

 

Lebensmittel

 

Salz bleibt ein unentbehrliches Lebensmittel und eines der wichtigsten Handelsgüter. Für Venedig bleibt es von grundlegender Bedeutung. "Im 14. und 15. Jh. machte Salz immer noch 30 bis 50 Prozent des Gütervolumens aus, das sie auf dem Seeweg transportierten." (Spufford, S.223) Durch Aufkauf, Pachten oder Zerstören der adriatischen Salzgärten gewinnen sie dort ein fast totales Produktionsmonopol, welches sie über Teile Italiens auch in ein Handelsmonopol erweitern. Direkter Konkurrent ist Genua, welches selbst keine nennenswerten Salzgärten besitzt, aber das Salz von Ibiza bis zur Provence aufkauft und in die Lombardei, den Kirchenstaat und das Königreich Neapel weiterverkauft. "Drei Viertel der 8000 Tonnen Salz, die 1458 in den Lagerhäusern von San Giorgio in Genua gelagert waren, kamen aus den Salzgärten von Ibiza." (Spufford, S.223) Der Reichtum Kataloniens kommt auch aus der Salzproduktion.

 

 

Wie Salz wird auch Olivenöl zum Konservieren von Fisch verwendet. Apulisches Öl gelangt so nach Tunis und südspanisches nach Sevilla, um Thunfische einzulegen. In hohem Maße wird es aber für die Küche verwendet, viel auch für die Produktion weißer Seife und etwas für das Rückfetten von Wolle nach dem Waschen.

Angebaut wird die Olive neben Südspanien auch in Süditalien. Die Exporte in den Norden hatten nicht die Bedeutung wie Salz und sind auf Schiffen oft Beifrachten neben Südweinen, allerdings mit hohen Handelsspannen und damit Gewinnen.

 

Die Genuesen kaufen Wachs in den Schwarzmeerhäfen ein und in Nordafrika.

 

Zucker ist die luxuriöse Variante des Süßstoffs im Vergleich zu Honig. Aus Indien kommt er im 10. Jahrhundert nach Ägypten und wird im 12. Jahrhundert als Zuckerrohr im gesamten dafür geeigneten islamischen Mittelmeerraum angebaut und nach Europa ausgeführt. Im 13. Jahrhundert beginnen die Venezianer auf Zypern Zuckerrohrplantagen anzulegen. Mit dem Einsatz von Mühlen dort gelingt dann Massenproduktion. Im 14. Jahrhundert ist Venedig der wichtigste Zuckerproduzent in Europa.

Genuesische Unternehmen machten dann auf Sizilien, in Südportugal und schließlich mit portugiesischen Anteilseignern Konkurrenz. Schließlich gab es auch Plantagen auf den Kanarischen Inseln. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts hört dann Zucker auf, ein Luxusprodukt zu sein, wozu auch der Einsatz von skalvenartiger Arbeit in der Plantagenwirtschaft beiträgt.

 

Von den Gewürzen kommen vor allem Kreuzkümmel und das aus einem speziellen Krokus gewonnene und sehr teure Safran weiter aus europäischer Produktion, der Rest stammt aus dem fernen Asien, Pfeffer beispielsweise aus Indien, Ingwer aus Ceylon, Kampfer aus Sumatra und Gewürznelken von den Molukken. Das Volumen ist gering, der Gewinn umso höher. Anfang des 15. Jahrhunderts beherrscht Venedig "wohl drei Viertel des Gewürzhandels" im Mittelmeerraum (Spufford, S.231) und davon sind meist drei Viertel Pfeffer. Den größten Teil der Strecke kontrollieren allerdings asiatische Seehändler und orientalische Karawanen über Land. Erst am Mittelmeersaum übernimmt der europäische Handel, der aber immer noch etwa vierzig Prozent Gewinn einstreichen kann.

 

Papier und Druck

 

Schreiben und Lesen verändern ihre Bedeutung ganz langsam durch zwei Innovationen des 13./14. und des 15. Jahrhunderts, die Ersetzung von Pergament durch Papier und die Erfindung des Buchdrucks gegen den Widerstand des Pergament-Handwerks.

Papier ist (aus Bambus hergestellt) eine von manchen chinesischen Erfindungen, die dann in den nahen Orient des Islam gelangen. Im frühen Mittelalter liefern arabische Händler es (aus Lein und Hanf hergestellt) in den nördlichen Mittelmeerraum, wo das valenzianische Játiva laut Al-Idrisi um 1144 hohe Qaulität liefert. Im 13. Jahrhundert werden im christlichen Aragón dann sogar amtliche Dokumente auf Papier ausgestellt. Auf der anderen Seite gelangt die Kenntnis von Papier über das Reich von Byzanz nach Europa.

Papierherstellung gibt es im normannischen Sizilien im 12. Jahrhundert und im 13. Jahrhundert breitet sie sich über ganz Italien aus, nun auf der Basis von Textilresten, wo es dann sechsmal billiger als Pergament sein soll. "Analog zur Walkmühle wurden Lumpen oder andere Textilgewebe in einem eisenbeschlagenen Trog mit einem Stößel unter Zuführung von Wasser solange durch verschieden große Stampflöcher gepresst,  bis ein möglichst weißer Materialbrei entstand; dieser wurde dann auf ein Schöpfsieb gegeben, das nicht mehr aus Bambus oder Schilf, sondern aus Draht geflochten war." (Borgolte, S.327) Dann wird tierischer Leim zugefügt. Mit der Verfeinerung der Drahtzieherei können dann bessere Schöpfsiebe genutzt werden. Anders als in Spanien werden feste Metallrahmen benutzt, die normierte Papiergrößen ergeben. Danach wird arbeitsteilig weitergearbeitet, unter anderem mit Gautschern, die das Papier pressen. Papierwirtschaft beginnt darum besonders auch dort, wo viel Leinen produziert wird. Mit der Zunahme von Leinenwaren wird Leinen als Abfall Rohstoff für die Papiermühlen. Selbst Leinenwäsche wird nach Abtragen an die Mühlen verschickt.

 

Die wichtigste Nachfrage nach Papier im späten Mittelalter und vor der Verbreitung gedruckter Bücher kommt von der Konzentration politischer Macht in staatlicher Verwaltung, auch in den Städten, und von der sich immer mehr ausweitenden Geschäftstätigkeit großer Firmen. In Siena werden Ratssitzungen bereits im 13. Jahrhundert auf Papier protokolliert (Spufford, S.191). Italienische Papiermühlen liefern in hohem Maße für die große päpstliche Verwaltung in Avignon, und solche Firmen errichten dann auch dafür Papiermühlen in der Provence.

 

In Florenz soll Vespasiano da Bisticci bis zu fünfzig Kopisten beschäftigt und bis nach Portugal, England und Ungarn an reiche Herren verkauft haben.

 

Die norditalienische Firma des Aldus Manutius schafft es um 1500 bereits, Klassiker wie Cicero in Auflagen von tausend Stück zu drucken.

 

Um 1500 soll es bereits an die 30 000 gedruckte Titel gegeben haben, manche in Auflagen von über tausend Exemplaren (Michael North). Das Buch verbreitet sich aus der Hand weniger Intellektueller in die Hände vieler Wohlhabender bis in die mittleren Einkommensgruppen hinein. Neben religiöser und politischer Propaganda dienen immer mehr Bücher Unterhaltungszwecken und der Amüsierlust. Schundliteratur mit ihrer unterschwelligen Propaganda nimmt zu.

Der Besitz von Büchern, die Kenntnisse und damit den Horizont erweitern, wird allerdings weiterhin die Sache von wenigen bleiben. Für die meisten Menschen bleibt die Welt, die sie sich erwerben, weiterhin eine mündlich vermittelte, eine des Hörensagens und des Geredes im Wirtshaus, auf dem Marktplatz und auf der Gasse, bis dann staatliche Schulen zum Hort der Indoktrination werden.

 

"Kunst": Malerei

 

Im Verlauf des Mittelalters hat der dekorative Aspekt der Warenproduktion für die Reichen und Schwerreichen seinen Charakter geändert. Handelt es sich am Anfang um Glanz und Glitzer teurer Materialien wie Perlen, Edelsteinen, Edelmetallen und dem exotischen Elfenbein, so emanzipiert sich in der transportablenTafelmalerei wie bei den Skulpteuren etwas neuartiges heraus: die Entwicklung vom frommen Bild zum immer wirklichkeitsnäheren Abbild in zunehmend weniger frommer Absicht.

Am geeignetsten dafür sind nun Ganzkörper-Skulpturen und Gemälde auf Holz in Ölfarben. Bei weltlichen wie geistlichen Fürsten als Auftraggebern und dann auch großbürgerlicher Kreise steigt der Preis mit dem Materialaufwand, besonders aber mit dem zunehmenden Zeitaufwand für die Produktion. Dieser nimmt mit der Größe der Gemälde, aber auch mit der technischen Vollendung deutlich zu, und so kann sich die Herstellung eines Altarbildes auf höchstem technischem Niveau über viele Jahre hinziehen. Erst mit Leonardo und meist noch viel später wird der große genialische Entwurf wichtiger als die minutiöse Ausführung.

Tafelmalerei in zunehmend technischer Perfektion hat Macht und Reichtum wiederzugeben und binnen etwa hundert Jahren wird religiöser Inhalt oft zum schieren Vorwand. Die Figuren von Fürsten, Groß-Kapitalisten und Heiligen werden mit kostbaren Textilien versehen und sie werden in ein Umfeld von Luxusgegenständen eingefügt. Um diese Pracht genauer erkennen zu können, muss die Maltechnik zwischen den Haaren verschiedener Pelze genauer unterscheiden können wie zwischen unterschiedlicher Durchsichtigkeit von Leinenstoffen. Kostbare Gefäße aus Glas oder Gold müssen detailgenau wiedergegeben werden. 

Erfolgreiche Maler werden, besonders, wenn sie auch Baumeister oder gar Skulpteure oder Goldschmiede sind, zu kapitalkräftigen Unternehmern wie Giotto oder die Van Eycks, wie wir sie heute schreiben. In ihren Werkstätten beschäftigen sie dann mehr Arbeitskräfte in Lohnarbeit als Schuster oder Schneider. Begabte unter ihnen lernen vom Meister und produzieren dann manchmal den größten Teil eines Gemäldes unter Aufsicht ihres Chefs.

 

Man kann vermuten, dass der größte Teil der Malereien so in Lohnarbeit geschieht. Hat eine Werkstatt ihren "Stil" als Markenzeichen entwickelt, kann für eine mittlere Nachfrage dieser fast schon in "Serie" für verschiedene Themenvorgaben produziert werden. Auf der untersten Ebene und das ist wohl der größte Teil der Produktion, wird tatsächlich Massenware hergestellt. Die Venezianer richten auf Kreta Ikonenwerkstätten für solche Massenproduktion ein, mit zum Beispiel Aufträgen von hunderten von Madonnenbildern nach griechischem oder lateinischem "Stil". (Spufford, S.206) Auch solche Gemälde erreichen eine gewisse technische Perfektion, wie sie ohnehin von Handwerk erwartet wird, gleichen sich aber am Ende darum auch aufs Haar.

 

 

Massenproduktion und Kapitalkonzentration (in Arbeit)

 

Hochkonzentriertes Kapital neigt dazu, die fürstliche und königliche Politik zu beeinflussen und sich mit ihr zu verbandeln, zum Beispiel sie durch Kredite abhängig zu machen. Aber während heute Politik von Kapitalbewegungen dermaßen abhängig ist, dass sie den Staat als unmittelbare Agentur des Kapitals begreift, ist sie damals in der Hand von Königen und Fürsten wesentlich stärker deren machtpolitischen Wechselfällen ausgesetzt. Nicht zuletzt deshalb gehen Firmen wie die Bardi und Peruzzi bankrott, denen genuesische und venezianische Firmen folgen, zwischen 1381 und 83 Banken in Barcelona und dann in ganz Katalonien.

 

Kapitalkonzentration dringt überall dort in die Produktion ein, wo entweder Maschinen, durch Wasser- oder Windkraft angetrieben, zum Produktionsprozess dazugehören, oder wo teure Gerätschaften vonnöten sind. In der Regel fördern die Herren der Städte und des Landes solche Innovationen. Mühlen werden in der Textilproduktion und im Metallgewerbe immer wichtiger. Aber auch das holzverarbeitende Gewerbe nutzt nun Sägemühlen und die Gerber Lohmühlen, schließlich das Papier erzeugende Gewerbe Papiermühlen.

 

Firmen (in Arbeit)

 

In den großen Krisen Mitte des vierzehnten Jahrhunderts mit ihren gewaltigen Bankrotten strukturieren sich italienische Firmen um. Mit den Erbteilungen von Familienvermögen individualisiert sich das Kapitaleigentum auf Söhne, und damit Individuen. Außerdem steigen nach der großen Pest immer mehr neue Leute in die Elite von Handel und Finanzen auf.

Nun "war jede Niederlassung des Unternehmens separat und besaß ihr eigenes Kapital und ihre eigenen Anteilseigner, wenngleich eine Dachgesellschaft sie alle beherrschte." (Spufford, S.20). Den Anfang machen die Alberti, Anfang des 15. Jahrhunderts wird die Datini-Firma so strukturiert und Mitte des Jahrhunderts folgen damit die Medici.

Die einzelnen Firmen haben weniger Partner und konzentrieren sich stärker auf einen Geschäftszweig. (Waidhandel, Wollhandel, Seidenhandel etc.). Für stille Teilhaber wird so das Geschäft und das Risiko überschaubarer. Großkapital wie in den Händen von Francesco Datini investiert dann in viele solche spezialisierte Partnerschaften, in seinem Fall 1398 in eine Wollproduktion und eine Färberei in Prato, eine Firma in Avignon, eine Bank in Florenz, eine Handelsfirma in Florenz, die wiederum in Firmen in Pisa, Genua und Katalonien investiert, dort mit Zweigstellen in Barcelona, Valencia und Mallorca. Datini selbst bringt in all das 88 Prozent des Gesamtkapitals ein.

1451 besitzt Cosimo de Medici mit seinem Bruder, einem Cousin und mit Giovanni d'Amerigo Benci als compagni eine Bank in Florenz, die neun andere Partnerschaften kontrolliert, eine Seidenfirma und zwei Wollfirmen in der Stadt und sechs Firmen in Pisa, Venedig, Genf, Avignon, Brügge und London (beide Firmen in Goldthwaite, S.71/78). Die Einzelfirma hat dabei aber nur überschaubares Kapital und nach und nach beginnen Genueser und süddeutsche große Firmen die von Florenz an Kapitaleinsatz zu übertreffen.

 

Die Organisation einer viele Länder umgreifenden Handelsfirma verlangt erhebliche Kenntnisse der Geldsysteme und Wechselkurse, der unterschiedlichen Maße, der Zölle, der Transportkosten und der besonderen Gebräuche in unterschiedlichen Gegenden. An der Spitze stehen die Haupt-Kapitalgeber, von denen einer das governo innehat. In Absprache insbesondere mit ihm operiert ein Verwalter. Der kann selbst Kapital einbringen, in der Regel erhält er aber für seine Arbeit einen Anteil am Kapital bzw. am Gewinn und nicht ein Gehalt. Im 14. Jahrhundert heißt er oft industria, im 15. persona, im späteren 16. (primo) ministro.

Die Zahl der Angestellten in der Verwaltung ist klein, eine mittlere Bank beschäftigt vielleicht drei bis fünf Leute, die Medici ca. zehn. Dazu kommen junge Leute im Alter von 10-13 Jahren nach Abschluss der Ausbildung in Lesen, Schreiben und Rechnen hinzu. Meist wird ihnen nach einer Weile das Kästchen mit dem Bargeld anvertraut, sie leisten später die Buchführung und den erheblichen Schriftverkehr. Meist bleiben sie nur kurz bei einer Firma oder wechseln zumindest von einer Niederlassung in der Ferne in die nächste. In der Regel werden viele so wie gehobene Bauarbeiter bezahlt, bei längerer Anwesenheit in der Firma kann die Bezahlung allerdings jährlich von 15 auf 100 Florine steigen.

Neben den wenigen Leuten im Büro von fernen Niederlassungen gibt es auch Agenten, die manchmal für eine Firma, oft aber für mehrere arbeiten und manchmal selbst noch eigenen Unternehmungen nachgehen.

 

Minutiöse Buchführung lässt die großen Firmen den Überblick behalten und ist das erste, was junge Leute dort lernen. Dazu gehört das zentrale Buch mit der üblicher werdenden doppelten Buchführung, aber auch die Sammlung aller Unterlagen ansonsten. Die zentrale Buchführung ist schon alleine nötig wegen der Vielzahl der einzelnen Geschäftsvorgänge, ein Buch einer Filippo Strozzi-Firma in Neapel notiert für sieben Monate in den Jahren 1472-73 insgesamt 7300 Vorgänge, durchschnittlich 34 jeden Tag (Goldthwaite, S.92). Dazu gehört bei manchen Firmen eine Unzahl verschiedener Waren und von Geschäften an 20-30 Orten.

Ein solcher kleiner Vorgang für Waren von zweieinhalb Florinen Wert bei der Datini-Firma, minutiös dokumentiert, Der Auftrag beginnt im Haupthaus in Florenz und geht an die Zweigstelle nach Valencia, dort wird mit dem Töpfer verhandelt, Keramik wird an die Zweigstelle nach Barcelona verschifft, von dort an den Agenten in Genua, Verkauf in Genua mit Meldung an die Zentrale in Florenz. Derart finden viele tägliche Geschäfte einer Firma statt, immer wieder aber auch viel größere.

 

 Im 15. Jahrhundert tauchen dann neben den Routen von Nürnberg und wohl auch Augsburg nach Venedig regelmäßige innerdeutsche Linien in Süddeutschland auf, um 1500 werden drei Mal die Woche Briefe zwischen Nürnberg und Augsburg befördert.

Beschleunigt wird der Botendienst durch eine Abfolge von Poststationen etwa alle 30- 50km, wo müde Pferde gewechselt werden können und wo es außerdem für Ross und Reiter Unterkunft und Verpflegung gibt. Immer schneller wächst so die Welt der Kapitalbewegungen zeitlich zusammen und tauscht so Informationen aus. Aus den Datini-Papieren von um 1400 weiß man, in welchem Umfang dabei zum Beispiel Preislisten für Waren andernorts übermittelt werden.

Im 17. Jahrhundert werden dann deutsche Fürstentümer wie Brandenburg ihren eigenen landesweiten Postdienst aufbauen.

 

Transfers von Buchgeld und Austausch von Rechnungen über große Entfernungen verlangt nach perfektionierten Botendiensten. Informationsaustausch innerhalb der großen Firmen über möglichst schnell vermittelten Briefverkehr ist unabdingbar.

Große Firmen haben eigene Boten, und schon im 13. Jahrhundert organisiert die florentinische Calimala einen täglichen Botendienst hin zu den Champagnemessen und wieder zurück und einen zu anderen Plätzen in Frankreich. Jede Firma gibt dafür ihren Packen an Briefen in die Tasche(n) des Boten.

Mit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts setzt sich zwischen den wichtigeren Handelsstädten des Mittelmeerraumes ein immer regelmäßigerer Botendienst durch. Zweimal die Woche reiten schon 1375 Boten zwischen Venedig und Lucca.

Im 14. Jahrhundert organisiert die Mercanzia solche Botendienste, und manchmal schließen sich Firmen zu so einem Botenverbund zusammen. Der Briefverkehr bleibt so ein sehr kleiner Kostenfaktor. Mit etwas zusätzlichem Geld versuchen Firmen, ihre Post zuerst zu bekommen, um einen kleinen Zeitvorteil für ein neues Geschäft zu erreichen.

Freitags traf um 1425 die Post von Florenz in Rom ein und sonntags ritt sie wieder zurück. Florenz und Pisa haben schon früh eine Art regelmäßigen Postdienst nach Barcelona und Brügge, von Lucca läuft eine Linie nach Brügge und von Genua eine nach Brügge und Barcelona. Dabei nimmt die Zahl der Briefe erheblich zu und einzelne Strecken werden von kapitalkräftigen Unternehmern mit regelmäßiger Bedienung von immer mehr Routen betrieben.

Im 15. Jahrhundert beginnen solche "Post"-Unternehmungen, Briefe in großem Stil zu befördern, wie die Del Vantaggio-Firma, die von 1457 bis 1480 ganz Italien, bis Genf, Lyons, Katalonien, Lissabon, Brügge und London reicht. 1473 lässt zum Beispiel die di Matteo Strozzi-Firma für 40 Pfund die gesamte Post nach Rom und zurück von ihr bewerkstelligen. (Goldthwaite, S.95)

Im frühen 16. Jahrhundert wird die Tassi-Unternehmung (die Taxis dann im deutschen Raum) von Bergamo aus solchen Postdienst noch ausführlicher übernehmen. Im Dienste von Kaisern und Päpsten bauen sie (ab 1489 für Erzherzog Maximilian) ein Postwesen aus, welches aber erst bis ins 17. Jahrhundert zu einem allgemeinen Postwesen wird. Bis dahin aber gibt es weiterhin auch den privaten reitenden Boten.

 

Wozu die Gier nach Geld? (in Arbeit)

 

Geldgier scheint heutzutage den meisten Menschen normal zu sein, selbstverständlich. Im späten Mittelalter, in dem wir zum ersten Mal von etwas mehr Menschen etwas erfahren, scheint das auch schon so gewesen zu sein. Nun ist Kapitalismus verallgemeinerter Dienst am Vermehrungsdrang, der Kapital ausmacht. Kapital ist Gier per se. Aber es ist nicht einfach Vermehrung von Geld, sondern eben von geldwertem Kapital. Im Kapital wird die Gier systematisch, sie verselbständigt sich.

 

Nun ist es für Kapital und damit auch für seine Besitzer gleichgültig, wie Kapital sich von der Investition bis zum Einstreichen des Gewinns bewegt, es geht nur um die Bewegung an sich und den höchstmöglichen Gewinn. Für die zweite Blütezeit des Kapitalismus wird es nun immer typischer, dass die Frage, wie Gewinn entsteht, hinter der zurücktritt, wieviel es ist. Wer immer Besitz hat, der sich kapitalisieren lässt, wählt für den Einsatz die Kriterien Gewinnhöhe und Sicherheit, die sich in der Regel widersprechen und so abgewogen werden müssen. Naturzerstörung oder Arbeitsbedingungen spielen keine Rolle, wenn es um geldwerte Gewinne geht.

Dies gilt insbesondere für alle die, die Geld in beschränktem Umfang als Anteile von Firmen kapitalisieren wollen. In den spätmittelalterlichen Metropolen des Kapitals wird das auch bei so kleinen Summen möglich, dass große Teile der Städter sich beteiligen können. Ob es sich dabei um Anteile an Bergwerken, Schiffen, an irgendwelchem Handel oder welcher kapitalisierter Produktionsvorgänge auch immer handelt, tritt hinter der Gewinnerwartung zurück.

 

Nun betrifft Kapitalismus zunächst einmal die wenigen Kapitaleigner unternehmerischer Art, und darum zunächst einmal zu ihnen. Kapital bedeutet mehr Macht, und das ist vor allem die Macht über die Menschen, die dafür arbeiten und für ihren Lebensunterhalt davon abhängen. Dann bedeutet es mehr oder weniger politische Macht in den Städten und in engen Grenzen als Kreditgeber auch gegenüber den Fürsten. Man kommt im Extremfall in Kontakt mit den höchsten und allerhöchsten Kreisen. Aber diese Machtentfaltung hat zumindest bis ins 18. Jahrhundert  ihre Grenzen und es erweist sich danach, dass sie als Politik weitgehend den Politikern überlassen bleibt, die ohnehin um die Förderung der Bewegungen des Kapitals nicht umhin kommen.

 

Kapital ist mit den Risiken des Marktes behaftet und schon im hohen Mittelalter wird deutlich, dass Teile der Gewinne daraus dem unternehmerischen Risiko entzogen und in Immobilien angelegt werden. Damit werden Kapitaleigner zu Rentiers. Sie kaufen einen großen Teil der auf dem Markt verfügbaren Häuser in den Städten und vermieten sie. Im späten Mittelalter wohnen die meisten Städter zur Miete. Daneben werden landwirtschaftlich genutzte Ländereien vom Kapital aufgekauft, zum Teil mit davon abhängigen Produzenten, und ganz Reiche kaufen auch schon mal ganze Dörfer. 

 

Kapital ist ein Weg, als Nichtadeliger Karriere zu machen, und sie führt in adelsähnliche Lebensformen oder gar bis in den niederen Adel hinein. Mit dem vom unternehmerischen Kapital abgezweigten Rententeil nähert man sich ohnehin adeligem Rentiersdasein an. Im späten Mittelalter nimmt, zunächst in Norditalien, der Anteil jener Kapitalistenfamilien zu, die nach einigen Generationen des Kapitalaufbaus ganz in eine adelige Lebensweise übergehen.

 

Das ist als bewusste Lebensplanung von Kapitaleignern kaum dokumentiert. Die unverhohlene Gier nach Geld und Gold gilt als unchristlich, auch wenn sie tatsächlich Europa inzwischen mehr als alles andere bewegt. Was genossen wird, ist Luxus, und der orientiert sich am höheren bzw. wohlhabenderen Adel. Kleine Adelige sind im Vergleich dazu längst eher arm.

Patrizier nennen sich die reichen Kapitaleigner erst fast noch antik-römisch ab dem 16. Jahrhundert, als sich ihre Geschlechter in ihren palastartigen Stadthäusern von der (übrigen) bürgerlichen Bevölkerung absondern. Tatsächlich nähern sie sich spätestens seit dem 13. Jahrhundert dem Adel an und übertreffen ihn bald oft an Luxus.

 

Die spätmittelalterlichen und nun etwas besser dokumentierten Kapitaleigner unterscheiden sich von denen, die über kein unternehmerisch bewegbares Kapital verfügen, also von fast allen manchmal durch bessere Startbedingungen, wahrscheinlich durch karrierefördernde Talente, sicherlich aber nicht durch viel größere Gier. Es ist vielmehr einfach so, dass bis tief in die Neuzeit nur wenige Kapitalisten sein können, die meisten müssen stattdessen in der Produktion arbeiten. Noch vereinfachter gesagt: Der Reichtum der ganz wenigen ist direkt durch die (relative) Armut der vielen überhaupt erst möglich. Daran hat sich auch bis heute unter Weltmarktbedingungen nichts geändert.

 

Was treibt also die meisten an, den wenigen Kapitalisten zu dienen? Nun, im späten Mittelalter gibt es sporadische, manchmal sogar gewalttätige Ressentiments gegen "die da oben", aber kaum so etwas wie Kapitalismuskritik. Immerhin befreit Kapitalismus in großen Teilen Europas (außerhalb Russlands vor allem) mehr oder weniger aus der direkten Knute von Grundherren. In den Städten herrscht ein Markt, dessen Freiheiten fast nur noch vom Kapitalinteresse eingeschränkt werden, und zu diesem haben selbst die Bauern Zugang, und zwar nicht nur zum Verkauf ihrer Produkte, sondern auch zum Einkauf von Waren. Der Zutritt zu einem zunehmenden Warenangebot scheint aber Menschen zu allen Zeiten zu faszinieren.

 

Die dargebotenen Waren werden aber nicht nur mehr, sondern sie beginnen seit dem hohen Mittelalter zunehmend auch einmal durch immer neue Innovationen Faszination auszulösen und zum anderen dadurch, dass sie Moden unterworfen werden, noch einmal mehr zu faszinieren. Die Unterwerfung unter Moden scheint eine verspielte Variante der härteren Untertätigkeit gegenüber den Machthabern zu sein, von denen aus sich die Moden in der Regel verbreiten.

 

ff.

 

Arti und Handwerk in Florenz

 

Die Politisierung der Arti hat ihre ökonomische Bedeutung gesenkt. De facto werden sie über die Konzentration der politischen Macht in wenige Hände gegen Ende des 14. Jahrhunderts ebenfalls immer weiter abgewertet. Wirkliche zünftige Macht würde die sehr freie Marktwirtschaft in der Stadt nur behindern und dabei auch die Hochkapitalisierung einzelner Handwerkerfirmen. In der Gesetzeskompilation von 1415 wird deutlich, wie weit der Staat den Arti bereits Kompetenzen in der Qualitätskontrolle und den Preisfestsetzungen abgenommen hat. Selbst in rechtlichen Konfliktfällen ist längst die Mercanzia Appelationsinstanz.

Zwar hat man das Bürgerrecht nur über die Mitgliedschaft in einer Arte, und über die Arti wird unter Aufsicht der Mercanzia in die vielen kurzzeitig angelegten politischen Ämter gewählt, aber die politische Macht wird von den Oberen der wichtigsten Arti zunehmend ohne Amt im Hintergrund ausgeübt. Letztlich verfügen sie von dort auch über den Selektionsprozess in diese Ämter. Diese Macht demonstriert dieses große Kapital der Händler, Bankiers, der Woll- und Seidenfirmen augenfällig über ihre großen Arte-Hallen beim Mercato Nuovo, seine ospedali und seine Stadtpaläste, bald auch über seine Landvillen.

 

Handwerker mit der Verpflichtung zur Buchführung denken immer unternehmerischer. Sie stellen manchmal größere Anzahlen von Jugendlichen als Arbeitskräfte ein und bilden Partnerschaften vom Kammacher bis zum Seidenweber und Goldschmied. Der Ziegelbrenner Benedetto da  Terrarossa besitzt dreiachtel einer Firma in Partnerschaft und und zwei Drittel an einem Brennofen, den diese Firma mietet. (Goldthwaite, S.359) Partnerschaften sind auch nötig, um über einen Brennofen für die Glasherstellung zu verfügen, einen Steinbruch, eine Mühle oder eine Gießerei. Manchmal investiert dafür großes Kapital in Handwerksfirmen als Teilhaber.

 

Das Florieren des heimischen Handwerks auch jenseits der Textilproduktion beruht darauf, dass es im wesentlichen die heimische Nachfrage bedient und decken kann. Seit im 15. Jahrhundert die militärischen Kosten sinken und unter den Medici sich die Machtverhältnisse stabilisieren, reinvestiert das größere Kapital nicht mehr nur, sondern hält einen größeren Teil der Gewinne für den Konsumbereich offen. Dazu gehört der Wettbewerb und das größte und prächtigste Palais, das über eine lange Bauzeit schon einmal fünfzig oder hunderttausend Florin verschlingen kann.

Für einen solchen Palast werden zahlreiche Wohnungen und Geschäfte des Handwerkermilieus vernichtet. Zwischen 1442 und 1467 kauft ein Giovanni Rucellai sieben Gebäude auf, deren Grund zusammen mit der bisherigen eigenen Residenz für den Neubau als Umbau dient, den Alberti entwirft. Ab 1489 kauft Filippo Strozzi vier kleine Häuser, neun Läden zum Teil mit Wohnungen, und zwei weitere große Gebäude auf, die er alle für seinen neuen Palast abreißen lässt. (Goldthwaite, S.379) Das Bauhandwerk mag bis zu 15% aller Arbeitskraft in Florenz ausgemacht haben.

Diese Paläste mit ihren vielen Räumen, manchmal später samt zugehörigen Kapellen, werden nun immer großartiger ausgestattet, mit mehr Mobiliar, mit Geschirr, sakralem Inventar, und nicht zuletzt mit Gemälden und Skulpturen, von denen sich in einigen Palästen zwischen dem 15. und 17. Jahrhunderts hunderte ansammeln.

Ein riesiger Nachfragesektor ist die teure Kleidung als Schmuck, wobei Männer immer mehr mit den Frauen gleichziehen.

 

Zu den Handwerkszweigen, die aufblühen, gehört auch die Glasproduktion, wie sie im 14. Jahrhundert ihr Zentrum im Valdelsa hat. Viele der Firmen ziehen nach Florenz, wo im 14. Jahrhundert gläsernes Geschirr und dann auch Brillen für eine zahlungskräftige Schicht produziert werden, während im 15. Jahrhundert immer mehr Massenware dazu kommt. Ein Glasproduzent, Bartolomeo di Ghino, hat 1457 ein Eigentum von 2000 Florin angehäuft. Im 15. Jahrhundert werden Florentiner Brillen zu einer Art Massenware für wenige Soldi das Stück.

Skulpteure wie Ghiberti, Donatello oder der Terracotta-Meister Luca della Robbia lassen in ihren Werkstätten Madonnen in Serienproduktion herstellen und auch an ein mittleres Publikum verkaufen.

 

Einen kleinen, aber dafür teilweise auch exportorientierter Sektor stellen die Schreiber, also im wesentlichen Kopisten, von Büchern dar. Vespasiano da Bisticci schreibt nicht nur selbst für Fürsten, Päpste, Sammler und Gelehrte, hat nicht nur einen eigenen "Schreibwaren"-Laden, sondern geht Mitte des 15. Jahrhunderts auch dazu über, nicht bestellte Bücher kopieren zu lassen und dann für sie europaweit Werbung vermittels seiner vielen Verbindungen zu machen. 

1471 wird in Florenz das erste Buch gedruckt und um 1500 rangiert Forenz im Buchdruck Italiens an vierter Stelle hinter Venedig, Rom und Mailand.

 

Ein weiterer bedeutender Zweig in Florenz ist das Metallhandwerk, wobei es Waffen und Rüstungen im 13./14. Jahrhundert zu einem gewissen europäischen Renommée bringen. Allerdings ist dieser Wirtschaftszweig wenig dokumentiert,