GEWERBE UND STADT 1500-1650 (Nur erste Ansätze)

 

Der Niedergang der Hanse (Lübeck / 1550-1600 / Hamburg / Das Ende)

Der wirtschaftliche Aufstieg Süddeutschlands

Textilien und übriges Handwerk: Florenz

Finanzen

Die Städte und das Ende der bürgerlichen Freiheiten  (Trier)

Neues Bürgertum

Handwerk

Industrie?

Kapitalkonzentration

Proletarisierung

Sklaverei

Das Land (Deutscher Bauernkrieg)

Neue Krankheiten

 

Der Niedergang der Hanse

 

Der Niedergang der Hanse beruht nicht auf einem Niedergang des Handels oder der Städte, die teilweise wie Hamburg oder Danzig eher enorm aufblühen. Vielmehr hat er damit zu tun, dass die Hanse als Verbund keine Dominanz mehr in ihren Räumen herstellen kann. Die Auflösung der Hanse hat dabei machtpolitische und wirtschaftliche Gründe, die eng miteinander verzahnt sind.

 

Schon bevor sich der Welthandel mit der Eroberung der beiden Amerikas und Afrikas riesige neue Gebiete erschließt, verändern sich seine Strukturen in Europa. Der wirtschaftliche Aufstieg süddeutscher Städte, der östlichen Niederlande und Englands verlagert die Gewichte, führt zu neuen regionalen Kapitalkonzentrationen mit entsprechender Kaufkraft.

 

Die dominante Ost-West-Ausrichtung des Hansehandels wird gebrochen an dem steigenden Handel süddeutscher Firmen mit dem Norden ohne hansische Vermittlung. Die flämische Tuchproduktion bricht unter englischem Druck ein. Süddeutsche Firmen verdrängen Hansekaufleute beim Handel mit englischem Tuch in Antwerpen und den Brabanter Messen. Besonders Köln hat darunter zu leiden, nachdem sich Lübeck bereits aus dieser Sphäre zurückgezogen hat.

Welthandel orientiert die Kaufleute der einzelnen Hansestädte neu und lässt die relative Abschottung des alten Hanseraumes nicht mehr zu.

 

Ein weiteres stellt der Aufstieg der Nationalstaaten bzw. der deutschen Fürstentümer dar. Nicht mehr Städte, sondern Territorialstaaten betreiben nun zunehmend die Förderung von Kapitalverwertung.

 

 

1518 schließt ein Hansetag 31 Städte wegen Nichtbeteiligung aus, darunter Stettin, Krakau, Halle, Groningen. Die Uneinigkeit nimmt immer mehr zu.

 

Konfliktpotential mit England bleibt nach dem Frieden von 1479 der Unmut der englischen Kaufleute darüber, dass die englischen Handelsprivilegien in Preußen nicht erneuert worden waren. Der Kanzler Kardinal Wolsey versucht die Hansen mit Prozessen und Abgabenerhöhungen unter Druck zu setzen. Das ändert sich vorübergehend, als er von Henry VIII. 1530 wegen der Scheidung von Katharina von Aragon abgesetzt wird.

1552 verringert die englische Regierung dann vor allem zugunsten der Merchant Adventurer Hanse-Privilegien und es setzen Exportbeschränkungen ein. Die englische Tuchhändler- Company mit ihren inzwischen mehr als 7000 Mitgliedern gewinnen 1560 das Monopol auf den Tuchexport in die Niederlande und nach Norddeutschland und lassen sich kurz darauf in Hamburg und Emden nieder.

1598 schließt Elizabeth I. das Londoner Hansekontor, vordergründig als Reaktion auf die Ausweisung der Merchant Adventurer aus Emden.

 

Ein wesentlicher Einschnitt im Westen war schon die schrittweise Übernahme der Niederlande durch Burgund. Erst 1442 haben die Hanseleute in Brügge ein eigenes Gebäude für ihre Versammlungen, 1478 bauen sie dann das Osterlingenhaus aus. Inzwischen versandet aber der Zwin trotz aller Gegenmaßnahmen immer mehr und es sinkt auch deshalb die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt und mit ihr auch die der Hanse-Niederlassung.

 

Antwerpen hat inzwischen Brügge an Bedeutung für den Fernhandel abgelöst und nimmt seinen Aufschwung auch mit den Niederlassungen der englischen merchant adventurers, der Portugiesen und Venezianer. Die Stadt bietet bessere Handelsbedingungen und inzwischen auch den direkten Kontakt zum immer dominanteren englischen Tuchhandel.

Auch die deutschen Kaufleute siedeln sich nun dort an, und die Hanse verlegt ihr Kontor 1555 offiziell dorthin. Man erhält ein Grundstück von der Stadt und baut dort zwischen 1564 und 1568 das sogenannte Oostershuis. Es ist eine prächtige vierflügelige Anlage mit 144 Schlafkammern auf einer Fläche von fast 5000 Quadratmetern. (Kümper, S.305) Aber in dieser Zeit sind die Handelsbeziehungen Englands mit den Niederlanden bereits erheblich ausgebaut.

 

Mit der Fertigstellung des Kontorgebäudes bricht aber der Aufstand der Niederlande gegen die spanische Fremdherrschaft aus, der 1581 zur Gründung der Republik der Vereinigten Niederlande führt und rund achtzig Jahren Krieg. Damit spielt zwar Antwerpen für einzelne deutsche Kaufleute noch eine Rolle, aber nicht mehr für einen Hanseverbund.

 

Mit der Fischerei um Island wird seit dem 15. Jahrhundert das Bergener Stockfischmonopol gebrochen, wobei Engländer und einzelne Hansekaufleute ihre Fänge nunmehr direkt auf die Märkte im Binnenland bringen. Um 1500 verringern sich die Heringschwärme in der Ostsee immer stärker und bleiben seit der Jahrhundertmitte dann fast ganz aus. In derselben Zeit verbessert sich die niederländische Schiffstechnik und Niederländer beginnen, die Hanse mit der Nordseefischerei abzulösen. Köln wird nun eine Drehscheibe des Heringshandels (SchubertAlltag, S.148)

 

1523 lässt sich Gustav I. (Wasa) mit Unterstützung Lübecks zum schwedischen König krönen, womit die Kalmarer Union zu Ende ist. Er begründet eine Erbmonarchie und mit den Enteignungen von Kirchengütern während der Reformation wird er den Kronbesitz versechsfachen. Lübeck erhält von ihm die Hanseprivilegien für sich allein.

 

Derweil wird Christian II. von Dänemark (und Norwegen) durch seinen Onkel Friedrich gestürzt und muss ins Exil nach Holland. Von dort kämpfen die Holländer gegen diejenigen Hansestädte, die König Gustav unterstützen.

1531 landet Christian in Norwegen und Friedrich verteidigt sich mit holländischer und Lübecker Unterstützung. Am Ende bekommen nur die Holländer daraus Vorteile, während die Lübecker leer ausgehen. Zudem wird vom König nun der Ostseehandel der Fugger gefördert.

Gegen Friedrichs Sohn Christian III. (ab 1535) führt der Lübecker Bürgermeister Jürgen Wullenwever einen Kaperkrieg, der am Ende scheitert und mit seinem Tod endet. Inzwischen ist Lübeck erheblich geschwächt.

 

1526 macht Hochmeister Albrecht von Zollern aus den Resten Westpreußens 1526 ein protestantisches Erbherzogtum, welches er vom der polnischen Krone zu Lehen nimmt. Knapp hundert Jahre später wird es mit dem Kurfürstentum Brandenburg vereint werden.

1569 erhält das polnisch-litauische Reich Livland und Kurland dazu.

 

Etwa gleichzeitig mit dem Niedergang des Brügger Kontors schwindet auch die Bedeutung Nowgorods für die westlichen Städte nach Wiedererrichtung des dortigen Kontors. Nachdem es einen Konflikt mit Reval gibt, schließt der Moskauer Großfürst Ivan III. Ende des 15. Jahrhunderts den Peterhof, der dann bei großem Bedeutungsverlust für die Hanse 1514 wieder geöffnet wird. Nowgorods Beziehungen zu Dorpat, Reval und Riga nehmen zu, und die westlicheren Kaufleute fahren nun eher diese näheren livländischen Städte an, um Güter aus Russland einzukaufen.

 

1553 erreicht ein englisches Schiff den Hafen von Archangelsk.

Livland ist in den Händen eines Zweiges des Deutschen Ordens. 1558 erobert Iwan IV. ("der Schreckliche") Dorpat und Narva. Schweden versucht als Schutzmacht Revals seit 1561 immer mehr Einfluss auf den Russland-Handel zu bekommen, was 1563-71 zu einem Krieg Lübecks und Dänemarks dagegen führt, in dessen Verlauf Lübecker Schiffe Reval beschießen, nachdem es Revaler Kaperfahrten gegen Lübecker Schiffe gibt.

 

Was Antwerpen für den Norden ist, sind Sevilla und Lissabon inzwischen für den Südwesten. Kaufleute aus Hamburg, Lübeck und Danzig liefern im 16. Jahrhundert verstärkt Holz und Getreide dorthin und brechen damit aus dem Hansekontext aus.

Der Anteil der Hanseschiffe am Export von ihren Städten aus nimmt rapide ab. Eine Quelle beschreibt 1534 den Reichtum Polens und insbesondere Danzigs damit, dass die Holländer alle Jahre ein- oder zweimal nach Danzig kommen mit zwei- oder dreihundert Schiffen, um das ganze Getreide, das sich in der Stadt Danzig befindet, zu kaufen und binnen 14 Tagen zu verladen. Denn alle großen Herren in Polen und in Preußen haben seit 25 Jahren Mittel gefunden, über gewisse Flüsse all ihr Getreide nach Danzig zu schicken und es dort an die Leute der genannten Stadt zu verkaufen. (in: Dollinger, S. 574f)

 

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts exportieren Hansekaufleute weiter in beträchtlichem Maße englische Tuche und importieren französische Weine. Die Konflikte zwischen dem "Heiligen" Römischen Reich und dem englischen Tudorreich führen 1598 dazu, dass Königin Elizabeth zugunsten des heimischen Handels den Stalhof schließen lässt. In ihrer Ordonnanz vom 13. Januar begründet sie das damit, das der Kaiser verboten habe, dass englische Kaufleute irgendwo in seinem Reich Handel treiben dürften.

 

Mit dem Territorialismus der Fürstentümer und dem unaufhaltsamen Aufstieg der Nationalstaaten nehmen die politischen Freiheiten der meisten Städte und ihre internationale Ausrichtung ab, soweit sie nicht von Herrschern gefördert wird. Kleinere Städte können sich militärisch nicht mehr halten. Nur große, reiche Städte können Festungsanlagen bauen, die der immer besseren Artillerie noch standhalten. Dazu gehören Lübeck, Hamburg, Bremen, Braunschweig und Magdeburg. Die übrigen Städte integrieren sich in die Fürstentümer und verlieren ihre Autonomie.

 

Ein weiterer Faktor sind die Reformationen, deren Unterschiede und die zwischen Katholiken und Protestanten die Solidarität untereinander gefährden die in den folgenden Kriegen die Finanzen der Städte teilweise ruinieren und die schließlich die Fürstenmacht durch Einziehung von Kirchengut verstärken.

In den 20er und 30er Jahre bilden sich in Wismar, Rostock, Bremen und anderen Städten Ausschüsse aus Handwerkern und politisch unterprivilegierten Kapitaleignern, die Partizipation verlangen und auf die Dauer scheitern werden. (s.u.:Lübeck)

 

Um 1550 nimmt die Zahl der zentralen und regionalen Tagfahrten zu. Die verbleibenden Städte der Hanse versuchen sich enger zusammenzuschließen. Die Hanse teilt sich nun als Einung, confoederatio statt in Drittel in Viertel, ein kölnisches, ein lübisches, ein preußisches und ein sächsisches. 1557 wird auf dem Augsburger Religionsfrieden engere Kooperation beschlossen mit einem Statut und einem festen Jahresbeitrag, und ein Syndikus wird als hauptamtlicher Geschäftsführer eingesetzt. Getagt wird nun nur noch in Lübeck. Damit ist die Hanse nun ein richtiger Städtebund. Aber tatsächlich zerfällt in den nächsten hundert Jahren das Bündnis zunehmend bei immer stärker auseinander driftenden Eigeninteressen und immer mehr ausscheidenden Städten insbesondere im Binnenland..

 

 

Dennoch wächst in vielen einzelnen Städten insbesondere in den Boomzeiten zwischen 1460 und dem Dreißigjährigen Krieg sowohl der Handel wie das Gewerbe. Der militärische und politische Niedergang bedeutet am Ende für so manche Hanse-Stadt keine massive Krise der Kapitalverwertung.

 

Die Integration eines neuen Welthandels führt dazu, dass sich Firmen immer mehr ähneln. Die neue Hansefirma der vullen mascopey teilt wie üblicherweise im lateinischen Mittelmeerraum die Gewinne nach Investitionsvolumen und beteiligt die Teilhaber nun entsprechend am vollen Risiko.

"Immer häufiger blieben Faktoren, also Beauftragte oder Angestellte, die nicht selbst an der jeweiligen Gesellschaft beteiligt waren, langfristig am jeweiligen Handelsort. Sie rechneten dementsprechend sofort mit ihren Auftraggebern ab - meist, indem sie neue Waren einkauften und zurücksandten." (Kümper, S.328) Kapital ist nun flexibler einsetzbar, aber die Risiken steigen, auch das, dass sich Faktoren mit Geld aus dem Staub machen.

 

Firmen basieren nicht mehr auf der aktuellen Reputation des einzelnen Kaufmanns, sondern auf der dauerhaften des meist noch Familienbetriebes. "Das soziale Kapital der hansischen Firma wuchs mit dem Erfolg der Generationen und der Repräsentationsfähigkeit ihrer Familienmitglieder." (Kümper, S.330)

 

 

***Lübeck***

 

Zunächst vertreibt der Rat zwei lutherische Prediger und belegt die Verbreitung ihrer Lehren dann mit Strafen. Als man 1528 Geld für einen Krieg gegen Dänemark braucht, wird ein 64er-Ausschuss geduldet, der über die Finanzen wachen soll und sich unter der Führung des Kaufmanns Jürgen Wullenweber für die Reformation einsetzt. 1530 zwingen sie den Rat, die beiden Prediger wieder in die Stadt zu lassen, und bald darauf muss er der Reformierung der Kirche zustimmen, was den Vorteil neuer finanzieller Ressourcen hat: Man säkularisiert die Klöster. "Der Ausschuss ließ aus den Kirchen den gesamten Gold- und Silberschmuck entfernen - 96 Zentner - der bald darauf zur Finanzierung der Kriege beitragen sollte. (...) Künftig sollte die Stadt gemeinsam durch den Rat, den Vierundsechzigerausschuss und eine Versammlung , die aus 100 durch die Kirchspiele gewählten Mitgliedern bestand, regiert werden." (Dollinger, S.424f)

 

1531 lehnt sich der Rat gegen die Neuerungen auf. Zei Bürgermeister und viele Ratsmitglieder verlassen die Stadt und beschweren sich beim Kaiser. Der Rat wird nun durch bisher nicht politisch beteiligte Kapitaleigner aufgefüllt (Kaufleute, Rentner und Gewandschneider). 1533 wird Wullenweber Bürgermeister.

Er will den Sturz des dänischem Königs Christian II. durch Friedrich I. dazu nutzen, Macht in Dänemark und die Kontrolle über den Sund zu gewinnen. Nur Rostock und Wismar beteiligen sich an dem Krieg, der wesentlich im Kapern holländischer Schiffe besteht. Nach dem Tod Friedrichs wendet sich der Sohn Christians, Herzog von Holstein und Schleswig, an Karl V., während Lübeck versucht, die Gunst von Henry VIII. zu erringen und die von Gustav Wasa verliert. Darauf unterstützt Wullenweber den immer noch gefangenen (und katholischen) Christian II.

Inzwischen ruft der dänische Adel Christian III, zum König aus, der erfolgreich gegen Lübeck vorgeht, welches inzwischen die protestantischen Fürstentümer gegen sich hat. Wullenwebers Stellung in Lübeck wird schwächer und dann wird er gestürzt und der alte Rat wieder eingesetzt. Bremen lässt ihn gefangen nehmen und liefert ihn an den Herzog von Braunschweig aus. Er wird gefoltert und nach falschen Geständnissen hingerichtet.

 

Lübeck schließt mit Christian III. Frieden. Karl V. erreicht für Holland die freie Durchfahrt durch den Sund. 1547 besiegt er in der Schlacht bei Mühlberg die Truppen des Schmalkaldischen Bundes.

 

Im Verlauf des 16. Jahrhunderts verdreifacht sich die Zahl der Schiffe fast, die im Hafen verkehren, und das sind immer noch deutlich mehr als in Hamburg.Vor allem der Verkehr mit Danzig bleibt auf hohem Niveau. 1575 wird eine Spanienfahrer-Kompanie gegründet, die schwedisches und ungarisches Kupfer sowie norwegisches Holz dorthin verfrachten.

 

Andererseits steigt die Bevölkerungszahl im 16. Jahrhundert nicht mehr an.

 

Laut Dollinger sinken die Lübecker Kaufleute immer mehr zu Kommissionären anderer Firmen ab und die Stadt wird zum Ostsee-"Vorhafen" für Hamburg. (S.477) Die Stadt wird von Danzig abgelöst, der inzwischen größten Stadt an der Ostsee und dem wichtigsten Ostseehafen. Dabei wird das wichtigste Exportgut das polnische Getreide.

"1534 berichtete der kaiserliche Diplomat Maximilian Transsilvan, dass die Holländer alle Jahre ein- oder zweimal nach Danzig kommen mit zwei- oder dreihundert großen Schiffen, um das ganze Getreide (...) zu kaufen (...), denn alle großen Herren in Polen und in Preußen haben seit 25 Jahren Mittel gefunden, über gewisse Flüsse all ihr Getreide nach Danzig zu schicken (...) Und deshalb sind das Königreich Polen und die genannten Herren sehr reich geworden (...) Denn vor dieser Zeit wussten sie nicht, was sie mit ihrem Getreide machen sollten." (Kümper, S.345)

 

Hanse: 1550-1648

 

Drei Faktoren bestimmen das Schicksal der Hanse vor dem Dreißigjährigen Krieg: Der Aufstand der Niederlande gegen die spanische Herrschaft ab 1568, der Verlust Livlands an Russen und Schweden und die zunehmende Dominanz der englischen Händler im norddeutschen Raum.

Nur die Tatsache, dass die Niederlande über Jahrzehnte vom Handel mit der iberischen Halbinsel abgeschnitten ist und die Hanse dafür einspringen kann, schlägt für sie positiv zu Buche.

 

1555 führt der Augsburger Religionsfriede zur Entspannung im Konfessionskonflikt.

 

Die Auflösungstendenzen innerhalb der Hanse werden mit der Einrichtung einer gemeinsamen Kasse und eines Syndicus, also Geschäftsführers und 1557 mit einer 'Konfederationsnotel' beantwortet. Das Statut

"wiederholte nur die oftmals vorgebrachten Vorschriften: die Verpflichtung, sich auf dem Hansetag vertreten zu lassen und seine Entscheidungen anzunehmen; einen Streitfall zwischen zwei Städten einem Schiedsgericht der Nachbarstädte und in letzter Instanz dem Hansetag zu unterbreiten, verbunden mit dem absoluten Verbot, sich an ein fremdes Gericht zu wenden; die gemeinsame Übernahme der Kostenfür den Schutz der Land- und Seewege, der Gesandtschaftskosten, der Entschädigungen für die Opfer von Angriffen; gemeinsames bewaffnetes Vorgehen gegen Friedensbrecher; strenge Kontrolle der Fremden, Müßggänger und Handwerker; Ausschluss der Schuldigen im Falle des Ungehorsams gegen eine Entscheidung." (Dollinger, S.417)

 

Immer mehr Städte verlassen die Hanse. Andere sind säumige Zahler in die Kasse.

 

1553 hebt Edward VI. die Hanseprivilegien für England endgültig auf. Eine Handelssperre dagegen scheitert an der Uneinigkeit der Hanse. 1567 erhalten die Merchant Adventurers in Hamburg "zwei Häuser, gerichtliche Garantien und Zollfreiheiten, die denen der Hamburger Bürger fast gleichwertig waren." (Dollinger, S.449) Nachdem auch Hamburger Kaufleute weiter Schikanen in England erleiden, wird das Privileg 1478 beendet. Die Merchant Adventurers gehen darauf erst wieder nach Emden und dann nach Stade. 1579 lassen sie sich in Elbing in privilegierter Stellung nieder. Das Londoner Kontor ist inzwischen praktisch erledigt.

 

1558 erobert Iwan ("der Schreckliche") den größten Teil Livlands und zerstört Dorpat. Nur Riga und Reval bleiben außerhalb des Moskowiter-Reiches. Narva wird zum russischen Ostseehafen.

 

Nachdem Bremen 1563 zum Kalvinismus übergegangen ist, verlässt der Rat die Stadt und sie wird aus der Hanse ausgeschlossen.

1565 beschlagnahmt Schweden eine lübische Handelsflotte. Im folgenden Krieg zwischen Dänemark und Schweden stellt sich Lübeck auf die dänische Seite. 1564-68 wird der große Hansehof in Antwerpen erbaut.

 

1576 wird Bremen wieder aufgenommen, ohne wesentliche Forderungen eingelöst zu haben. 1578 plündern die Spanier Antwerpen, 1584 wird sie durch Alexander Farnese belangert. Damit ist der Hansestandort Antwerpen praktisch ruiniert.

Ein wenig tritt Köln die Nachfolge an. 1556 schon wird dort eine Börse gegründet. Mit den niederländischen Unruhen fliehen viele Ausländer dorthin. Dazu gehören Portugiesen, die nun den Gewürzhandel und einen Teil des Edelmetallhandels von Portugal und Ostindien kontrollieren und einen Teil des Handels mit Getreide nach Spanien. Zwischen 1578 und 85 kommen etwa 40 italienische Firmen in Köln zusammen, teils aus Antwerpen und den Niederlanden, teils auch aus Italien. Sie betreiben Tuchhandel und solchen mit Seide und Seidenstoffen und bewegen um 1595 etwa 30% des Kölner Handels (Dollinger, S.466). Die Konkurrenz zur Kölner Seidentuch-Produktion und allgemeine Fremdenfeindlichkeit besonders im Handwerk macht sie unbeliebt und vertreibt dann bald die meisten. Vor allem aber kommen teils große katholische Firmen aus Antwerpen und ganz Flandern, dem Hennegau und dem Artois, die es auf die Dauer aber in Köln auch nicht leicht haben und wieder abziehen, sobald die Umstände es ermöglichen.

 

In Westfalen verarmen Dortmund und Soest. In Münster und Osnabrück nimmt dagegen der Leinwandhandel zu.

 

1581 erobert Schweden Narva. Die Hanse spielt in der Ostsee nur noch eine geringe Rolle.

 

Schon 1567 erlaubt Hamburg den Merchant Adventurers für zehn Jahre die dauerhafte Niederlassung.

1598 lässt Elizabeth I. das Londoner Kontor förmlich schließen und verbietet der Hanse Handel in ihrem Reich. Der Stalhof wird dann beschlagnahmt. Anfang des 17. Jahrhunderts laden erst Stade und dann Hamburg 1622 die Merchant Adventurers erneut und nun dauerhafter zu sich ein.

 

 

Während die Hanse zerfällt, steigt das Handelsvolumen vieler ihrer Städte ganz erheblich an. Zwar liegt die Größe der holländischen Handelsflotte und die Qualität ihrer Schiffe inzwischen weit vor der der Hanseschiffe, aber die hansische vergrößert sich im 16. Jahrhundert um etwa 50% und bleibt vor der französischen, englischen und spanischen. Bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges bauen Lübecker Schiffsbauer rund 15-20 größere Schiffe jährlich.

 

Hanseschiffe dringen nach Island und nach Archangelsk und dem Weißen Meer vor. Mit dem Aufstand der Niederlande sperren die Spanier den holländischen Getreidehandel und italienische Fürsten kaufen nun Getreide in Hamburg und Danzig ein. Allerdings fehlt es den Schiffen oft an entsprechender Rückfracht und der zunehmende Seeraub nordafrikanischer Piraten richtet erheblichen Schaden an, zu dem auch die Summen für das Lösegeld gehören.

 

Der Aufstieg des Handels hansischer Städte ist eingebunden in den viel größeren anderer Staaten und Regionen. Die Zahl der den Sund passierenden Schiffe versechsfacht sich im 16. Jahrhundert, womit sich die Zahl der Schiffe verdreifacht.

Im Weichsel- und unteren Dünaraum sind inzwischen die Wälder zum großen Teil vernichtet, weswegen der hansische Holzexport von dort drastisch verringert. Aber Asche, Pech und Teer werden weiter in größerem Umfang aus dem Osten exportiert, ebenso Wachs. Hanf und Flachs hingegen werden insbesondere für den rasch zunehmenden Schiffsbau immer wichtiger. Aber zentral bleibt und wird immer mehr der Getreideexport aus dem Nordosten über Danzig, Königsberg, Riga und Stettin. Der Roggenexport aus Danzig verfünffacht sich im 16. Jahrhundert fast. Dabei liefern die Schiffe im Osten an Fracht wesentlich weniger aus als sie von dort mitnehmen. Daran hat sich also seit der Frühzeit des Ostseehandels nichts wesentlich geändert.

 

Der Salzeinkauf ist inzwischen fast ganz von Bourgneuf nach Brouage übergegangen. In der Zeit der französischen Religionskriege bis 1598 löst dann portugiesisches Salz das französische ab.

Während des spanisch-niederländischen Krieges ersetzen Schiffe aus den Hansestädten die niederländischen. "Von 1574 bis 1578 fuhren 92 Danziger Schiffe nach Portugal; 1590 liefen 300  deutsche Schiffe iberische Häfen an. Das waren vor allem Lissabon, Porto, Setubal in Portugal, San Lucar, der Vorhafen von Sevilla, und Cadiz in Andalusien." (Dollinger, S.461) Man liefert Getreide, Fisch und andere Lebensmittel.

 

In fast allen Hansehäfen sind inzwischen holländische Schiffe in der Überzahl, deren wichtigste Anlaufstelle Danzig wird, welches Anfang des 17. Jahrhunderts bereits dreimal so groß wie Lübeck ist und eine wichtige Gewerbestadt zudem, die auch vom über Krakau laufenden Kupferhandel profitiert.

 

Englische Schiffe kontrollieren den inzwischen dominanten Handel mit englischen Tuchen. Das ist zumindest zum Nachteil hansischer Reeder, bedeutet aber auch, dass ein Teil der hansischen Kaufleute in Abhängigkeit von holländischen und englischen Firmen gerät. Die Folge ist, dass die Zahl der eigenen Schiffe der Hansestädte sinkt. "Von 1557 bis 1585 passierten durchschnittlich 1025 Schiffe aus Danzig den Sund nach Westen; aber die meisten von ihnen sind Holländer.

 

 

Nach 1600 verbleiben noch etwa 20 in der Hanse aktive Städte, darunter Danzig, Hamburg, Bremen, Köln und Lübeck, deren Interessen immer weiter auseinander driften. In Konflikten zwischen den Städten kann die Hanse nicht mehr vermitteln. Immerhin bildet sich um 1615 noch einmal ein Bündnis von Lübeck, Bremen und Magdeburg zum militärischen Schutz von Braunschweig gegen seinen Landesherrn, welches zehn Jahre später erneut in Aktion tritt.

 

Ab 1597 beginnt Christian IV. von Dänemark und Norwegen mit dem Versuch, den Ostseeraum zu dominieren. 1611 verbietet er Lübeck die Handelsreise nach Schweden und behindert sie nach Livland. 1613 verbündet sich darum Lübeck mit den Niederlanden.

 

1602 stellt Zar Boris Godunow ein Privileg für Lübeck aus, aber nicht mehr für die gesamte Hanse. Sie erhalten Plätze in Nowgorod, Pleskau und Archangelsk.

 

1608 scheitert ein Reichstag in Regensburg an den inneren Spannungen. Es bildet sich eine protestantische Fürstenunion und richtet eine Kriegskasse ein. Darauf beschließt die katholische Seite die Liga. Im Mai 1618 werden drei kaiserliche Beamte aus einem Fenster der Prager Burg geworfen. Im November 1619 besteigt dort der Pfälzer Kurfürst den Thron. Für die Hansestädte sind zunächst die Konflikte zwischen Schweden, Polen und Russland wichtiger. Dazu kommen Teuerung und Inflation und ein schwerer Konflikt zwischen Hamburg und Lübeck.

1625 schließen Dänemark, England, die Vereinigten Niederlande und einige protestantische Landstände ein Bündnis gegen Habsburg, welches für Hansestädte hätte bedrohlich werden können. Aber da gelangen die Heere von Wallenstein und Tilly bereits nach Norddeutschland. 1627 wird Wismar besetzt, Rostock kauft sich mit viel Geld frei und 1628 übersteht Stralsund eine Belagerung und schließt sich dann Schweden an.

 

1629 beauftragt ein Hansetag Lübeck, Hamburg und Bremen mit der Vertretung des Städtebundes. Am Ende werden Wismar, Stralsund und Kammin schwedisch. 1645 erhalten die Hansestädte mit dem dänisch-schwedischen Frieden im Ostseeraum Handelsfreiheit und Bremen, Hamburg und die Niederlande handeln für sich Handelsfreiheit in der Nordsee aus. Anfang 1648 werden sie in den spanisch-niederländischen Friedensvertrag aufgenommen.

 

1669 findet der letzte Hansetag statt. 1671 nehmen die Herzogsbrüder Braunschweig ein. 1672-78 erklären England, Frankreich und die Fürstbistümer Köln und Münster den Generalstaaten den Krieg  1662 kommt es zu einer Allianz des Kaisers mit den Fürsten, der die restlichen städtischen Freiheiten untergraben wird.

 

 

***Hamburg***

 

Neben Amsterdam tritt Hamburg das Erbe Antwerpens an (Dollinger). Im 16. Jahrhundert bauen sie den Handel mit England und dem Nordatlantik aus. Reiche niederländische Emigranten ergänzen das heimische Kapital.  

Noch um 1500 hat die Stadt kaum 15 000 Einwohner, zu Anfang des Dreißigjährigen Krieges dann knapp 50 000 und wird größte deutsche Stadt. Es erweitert seinen Handelsraum  auf den deutschen Elberaum bis hin zur Oder im Binnenland. 1558 erhält es eine Börse, die schnell bedeutend wird. 1619 wird eine Depositen- und Girobank in städtischer Hand gegründet.

Die Stadt fördert ausländisches Kapital.Sie "durften frei untereinander Handel betreiben  und mit Hamburger Kaufleuten zusammen Firmen gründen. (...) Ein 1590 aus Brasilien einlaufendes Schiff gehörte drei Hamburgern, zwei Holländern und einem Portugiesen gemeinsam." (Dollinger, S.469) Die Merchant Advenurers erhalten Privilegien. Portugiesen und Italiener aus den Niederlanden oder Köln, wiewohl Katholiken, fördern den iberischen Handel. Süddeutsche Kaufleute betreiben Kupferhandel. "Von den 42 Firmen, die 1619 Einlagen von mehr als 100 000 Mark besaßen, waren 32 niederländische, zwei oberdeutsche, zwei portugiesische und sechs hamburgische." (Dollinger, S.470f) Historiker loben üblicherweise als Weltoffenheit, dass großes Kapital kein Vaterland kennt, sondern nur Gewinnerwartungen.

 

Um 1600 fahren Hamburger Handelsschiffe durch die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer und führen nun regelmäßigen Handel mit italienischen und marokkanischen Küstenstädten.

 

Wichtigste einzelne Ware im Hamburger Hafen ist inzwischen Getreide, - in Konkurrenz zu Danzig.

 

***Das Ende: 1600-1650***

 

Christian IV. von Dänemark behindert den Hansehandel und dagegen bilden die Hansestädte unter Lübecker Führung 1616 ein Bündnis mit den Vereinigten Niederlanden. Dadurch gelingt es dem mit Christian IV. verbündeten Herzog von Braunschweig nicht, die Stadt zu unterwerfen. Dafür gründet und privilegiert Christian 1617 Glückstadt, um Hamburg zu schaden. 1619 besetzt er Stade, Andererseits erkennt das Reichskammergericht 1618 Hamburg als reichsunmittelbare Stadt an.

 

1617 verschärft Gustav Adolg seine schwedischen Expansionspläne in einem Krieg gegen Polen. Er erobert Livland mit Riga und die preußische Küste und vergrößert mit den dortigen Zöllen seine Einnahmen erheblich und kontrolliert nun große Teile des Getreidehandels nach Westeuropa.

 

1621 verbündet sich Philipp IV. gegen die Niederländer mit der Liga und Ferdinand II.  Darauf verständigt sich Christian mit den Holländern und verbündet sich mit England. 1626 wird er bei Lutter durch die Truppen der LIga unter Tilly geschlagen. Wallenstein erhält vom Kaiser das Herzogtum Mecklenburg. Avancen vom Kaiser und Philipp werden von der Hanse 1628 abgelehnt.

Als nächstes versucht Wallenstein Stralsund einzunehmen, was erst an dänischer und dann schwedischer Unterstützung für die Stadt scheitert. Derweil gelingt es Gustav Adolf, auch Wismar unter seine Kontrolle zu bringen. Die übrigen Hansestädte im Norden bis Bremen stellen sich unter seinen Schutz. Insgesamt herrscht innerhalb der Hanse Uneinigkeit über das Verhalten gegenüber den kriegsführenden Mächten.

 

1645 unterliegt Dänemark einem Bündnis Schwedens mit Holland. 1648 erhält Schweden dann Vorpommern und Stade und kontrollieren nun den Hansehandel, aus dem es erhebliche Gewinne abzieht.

Der Hansehandel der Küstenstädte, insbesondere der Getreidehandel, kommt nach 1630 wieder in Gang. In diesem Jahr verbünden sich Lübeck, Bremen und Hamburg, die nominell die Hanse in Zukunft darstellen werden. Hamburg gelingt es, mit seinen Mauern den Dreißigjährigen Krieg relativ unbeschadet zu überstehen und wird nun Reichsstadt.

Ein Hansetag, den Lübeck 1651 einberuft, findet kaum noch ein Echo. 1668 treffen sich noch Vertreter von fünf Städten, 1669 noch einmal von neun Städten, aber das ist denn auch das letzte Mal.

 

Der weitere wirtschaftliche Aufstieg Süddeutschlands

 

Nach der Wende zum 16. Jahrhundert verschlechtern sich die Beziehungen Nürnbergs zur Oberpfalz, und nun bezieht man verstärkt Eisen aus Thüringen und der Steiermark, wo Nürnberger Kapital nun investiert. Dabei wird die Produktion von Metallwaren aber weiter gesteigert, während quasi komplementär die von Textilien im 16. Jahrhundert sinkt. Immer wichtiger werden die Gewerbe der Messermacher und Schwertfeger, die nun rund ein Viertel der Gesamtproduktion ausmachen. Die städtische Produktion von Messern soll Mitte des 16. Jahrhunderts auf rund vier Millionen angewachsen sein, um sich dann allerdings bis zum Jahrhundertende wieder zu halbieren. Zweieinhalbmal so groß ist allerdings Mitte des Jahrhunderts die Messerproduktion von Steyr (Schulz, S.281)

Nürnberg entwickelt sich auch weiter zum Zentrum von Waffen- und Rüstungsproduktion. Dazu gehören Handfeuerwaffen, von denen jährlich weit über 10 000 Stück produziert werden, und der Geschützguss. Nürnberg beliefert ganz Europa mit jenen Wunderwerken, die immer effektiver verletzen, töten und zerstören. Im Verlauf des Jahrhunderts steigt auch hier der Kapitaleinsatz und damit die Tendenz zum Verlegertum. Wegen der machtpolitischen Bedeutung von Waffen sind die Nürnberger politische Elite, Produktion und Handel von Waffen eng vernetzt.

 

Neben dem Metallrevier Nürnberg-Oberpfalz gewinnt die Barchentproduktion immer mehr Bedeutung. Im Verlauf des 15. Jahrhunderts deutet sich eine Verschiebung der Zentralfunktion der Nordhälfte Italiens in Richtung Norden an: Zunächst verlieren die Gebiete südlich des Appenins an Bedeutung, was man besonders am Beispiel Siena erkennen kann.

Die jährliche Augsburger Barchentproduktion verdreifacht sich dann im 16. Jahrhundert fast. 1610 stellen dort etwa dreitausend Meister und Gesellen rund eine halbe Million Tuchballen her (Schulz, S.169).

 

Erst der Weg in den Dreißigjährigen Krieg und dann besonders dieser selbst ruinieren die Wirtschaft in deutschen Landen und nicht nur diese.

 

Textilien und übriges Handwerk: Florenz

 

Mit der Errichtung des (Groß)Herzogtums Toskana gerät Florenz in eine lange und eher bislang ungewohnte Friedenszeit, nur kurz unterbrochen von der Eroberung Sienas 1554-55. Die Staatsfinanzen, von denen die Fürsten sich einen großen Teil einheimsen, kommen im wesentlichen von indirekten Steuern Abgaben und Gebühren, wie es florentinische Tradition ist, was den Vorteil hat, dass sie kontinuierlich fließen.

 

Gegen die "republikanische" Verfassung der bislang herrschenden kapitalkräftigen Oligarchie setzt Herzog Alessandro de Medici 1534 die Zusammenfassung der bisherigen 14 Handwerker-Artes in vier neue Gruppen: Bau- Holz- und Metallgewerbe werden in die università dei fabbricanti gebracht, die Lebensmittelversorgung in die università di Por San Piero, das Lederhandwerk in die dei Maestri di Cuoiami, und die Gastwirte, Weinhändler und Leinenhändler in die università dei linaioli. Sie alle werden von Cosimo I. in dem Neubau der Uffizien unter Kontrolle gehalten. 1583 werden die fabbricanti und die Por San Piero dann zu einer università verschmolzen.

 

Durch den größten Teil des 16. Jahrhunderts kann Florenz seine starke Stellung als Textilmetropole halten, obwohl es seinen Markt im Nahen Osten verliert. Diesen übernimmt Venedig mit seinem dort traditionell verzweigteren Handels- und Finanznetzwerk. Um 1560 sind die Florentiner dort aus dem Tuchgeschäft draußen. 

Dafür gewinnen sie in dieser Zeit mit einem vor allem schwarz gefärbten Rascia-Stoff von erheblichem Prestige neue expandierende Märkte im Norden, konzentriert auf die kastilischen Messen, die von Lyon und die Handels- und Finanzzentrale Antwerpen. Daneben können sie sich weiter den italienischen Markt mit venezianischen Firmen teilen.

 

Allein die Textilindustrie kann durch das 16. Jahrhundert der halben Einwohnerschaft von Florenz ein Existenzminimum sichern, wobei der Lohnanteil in der Wolltuch-Produktion wesentlich höher ist als im Seidenfach.

 

100-150 überschaubar große Firmen teilen sich weiterhin in die Wolltuchproduktion, und es fließt immer noch Kapital in sie, auch wenn die Gewinne aufgrund der höheren Rohstoff- und Produktionskosten für bessere Qualität abnehmen. Die Corsi besitzen gegen Ende des Jahrhunderts vier Wollfirmen und die Riccardi, nach den Medici reichste Florentiner Familie, investiert 1568 etwa 4000 Florin in Wolltuchfirmen und um 1600 etwa 19 000 Florin in vier solche, neben ihren Anlagen in Seidenfirmen, die dahinter zurückstehen (Goldthwaite, S.276). Ein Vorteil florentinischer Firmen ist der stabile Standort unter den Medici-Fürsten, flankiert mit deren Tendenz zu einem gewissen Protektionismus.

 

Im Verlauf des 16. Jahrhunderts gerät die Versorgung mit der hochwertigen kastilischen Wolle immer mehr in die Hand kastilischer und genuesischer Firmen.

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts haben wenige solcher Firmen wie die von Simon Ruiz das Geschäft monopolisiert, und dann lässt deren Nachschub empfindlich nach, insbesondere weil sie sich stärker auf Venedig konzentrieren. Florentiner Wolltuchfirmen sind nun wieder stärker auf italienische Wolle angewiesen, was in der Folge die Qualität sinken lässt.

Daneben steigt die europäische Konkurrenz für Qualitätstücher in Spanien, Südfrankreich und nach 1570 von Holland und England. Der Globalisierung ist die florentinische Produktion nicht gewachsen, die bis dato überall dorthin exportiert hatte, wo die Qualität großräumig geringer gewesen ist. Zudem fehlt bei der europaweit immer stärkeren Kapitalisierung der Produktion in der Toskana eine Reserve an billiger (landloser) Arbeitskraft vom Lande, da die Landbevölkerung über Diversifizierung und Marktorientierung ein Auskommen behält.

Von 1660 bis 1620 halbiert sich die Zahl der Produktionsfirmen und die Zahl der Webstühle sinkt noch erheblich mehr.

 

Die Florentiner Seide erreicht auf den europäischen Märkten nie eine so dominante Stellung wie im 15. Jahrhundert die Wolltuche aus der Stadt. Die Diversifikation über immer mehr europäische Produktionsstätten und die Vielfalt von hunderten von etwas unterschiedlichen Tucharten verhindert das. Die meisten Seidenfirmen in Florenz konzentrieren sich im 16. Jahrhundert auf das weniger teure Segment der Seidenstoffe, vor allem Satin, und verzichten auf Brokat und Samt - und fahren damit gut. Die Zahl der Seidenfirmen beträgt 1561 91 und es gibt 20 battiloro-Firmen. Im Verlauf des Jahrhunderts verdoppelt sich der Import von Rohseide und die Zahl der Webstühle. Um 1600  kommt die gesamte italienische Seidenproduktion mit italienischer Rohseide aus. Florenz bezieht 35% alleine aus der Toskana. Das ist nicht unwesentlich, macht sie doch etwa 60% der gesamten Kosten für die Herstellung eines Seidentuches aus.

 

Nicht unwesentlich ist auch die fortgesetzte Förderung durch die Medici-Fürsten. Insgesamt gelingt es der Florentiner Seidenproduktion, anders als den Wolltüchern, ins 17. Jahrhundert hinein eine starke Stellung auf dem europäischen Markt zu behalten.

 

Wirtschaftsförderung wird überhaupt mit den selbst schwerreichen Medici-Herzögen wichtig. Cosimo I. schickt Spione nach Murano und lockt von dort einen Glasmacher, dem er neben einer vollständigen Werkstatt und vielen Privelgien auch 1000 Florin bietet. In seinem Palazzo Vecchio lässt er Werkstätten für Goldschmiede, Juweliere, Weber und Destillateure einrichten. Francesco erbaut in den 1570er Jahren das Casino di SanMarco, wie er eine Gießerei, eine Destillerie, Räume für alchemistische Studien und andere für Handwerker einrichtet, eine Art handwerkliches Forschungsinstitut.

 

Finanzen

 

Die Florentiner Wohlfahrtseinrichtungen mit Bankfunktionen sammeln seit dem späten 15. Jahrhundert hunderte von Depositen an, scheitern aber am Ende. Immerhin sind sie Ausdruck eines wachsenden Wohlstands einer "bürgerlichen" Mittelschicht und der relativ geringen Bedeutung der regulären lokalen Banken.

 

Die Monti di Pietà, quasi öffentliche Pfandbanken, die darüber hinausgehend im 15. Jahrhundert den Anlage- und Kreditbedarf einer Handwerkerschicht bis hin zu Lohnarbeitern decken sollen, werden kirchlich anerkannt, weil sie niedrige Zinsen verlangen. Der Florentiner Monte braucht aber noch lange im 16. Jahrhundert, bis er die jüdischen Pfandleihbanken an Anlagen und Krediten übertrifft. Für den 1. Januar 1582 sind dann aber über 88 000 Pfänder eingetragen, für die 280 000 Florin ausgeliehen sind. Basis dafür sind fast 3000 zinsbringende Depositen, die knapp eine Million Florin Kapital repräsentieren. Nicht wenige dieser Konten wirken wie Sparbücher zu 5% über längere Zeiten.

 

Mit den Spareinlagen entwickelt sich der Monte von einer Pfandleihbank in eine Sparer- und Kreditbank. Geld wird je nach Leihedauer mit bis zu 7% verzinst. Über 600 000 der knappem Million ausgeliehenen Geldes werden nun nicht mehr über Pfänder vermittelt, sondern sind längerfristige Kredite.

 

Als quasi öffentliche Banken sind die Monti mit dem Staat liiert. Arti, die Opera der Kathedrale, und ab 1590 das Hospital von Santa Maria Nuova müssen ihre Einlagen dort machen. Gelegentlich legt auch der Großherzog dort Geld an. 1620 hat dieser Monte ein Kapital von drei Millionen Dukaten zur Verfügung. Acht Direktoren und ein Personal von 42 Angestellten betreiben drei Zweigstellen.

 

 

Die Städte und der Niedergang der bürgerlichen Freiheiten

 

Im 15./16. Jahrhundert etabliert sich in immer mehr Städten eine zentrale Wasserversorgung und Entsorgung. Wasserkünste mit Hebewerken auf Mühlenbasis pumpen Wasser in Türme, von denen es durch die Städte mittels Röhren in öffentliche Schöpfbrunnen fließt. Mit diesem System werden in Nürnberg schon in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts 100 Schöpfbrunnen bedient. Dazu kommt eine allerdings noch geringe Anzahl von Hausanschlüssen. Was die Stadt nicht direkt über Stadtbrunnenmeister organisiert, schaffen Genossenschaften wie die Pipenbrüder in Braunschweig. Oft bleiben diese Einrichtungen bis ins 18. oder 19. Jahrhundert in Betrieb. Dann wird Augsburg 1761 ein Leitungssystem von 27km geschafft haben.

 

Der Aufstieg von Städten mit stadtherrlicher und fürstlicher Billigung kommt spätestens im 13. Jahrhundert zum Stillstand. Zwar kaufen Städte weiter ihren Herren Rechte ab oder erzwingen sie, aber je mehr Städte Einkünfte und Reichtümer generieren, desto begehrlicher wird andererseits der herrschaftliche Blick. Dagegen wenden sich in Süddeutschland im 14./15. Jahrhundert (am Ende oft vergeblich) Städtebünde, im Norden übernimmt die Hanse diese Rolle. 1418 wird mit der ersten Tohopesate ein Beistandspakt gegen Angriffe auf ihre Städte geplant.

Als der Halberstädter Bischof "seine" Stadt 1423 für sich einnehmen möchte, verhindert das noch ein Hanseheer. 1432 verteidigt ein Heer des Sächsischen Bundes in der Hanse Magdeburg gegen den Erzbischof.

 

Berlin/Cölln war eine landesherrliche Hansestadt mit einer gewissen politischen Selbständigkeit gewesen, bis die Hohenzollern an die Macht kamen. Diesen gelingt es 1442 nach Konflikten in der Bürgerstadt, einen Bauplatz für ein Schloss zu erzwingen. Als den Bürgern klar wird, dass sie ihre relative Unabhängigkeit verlieren, versuchen sie 1448 einen Aufstand, der scheitert. 1451 ist das Schloss fertig und Berlin wird zur Residenzstadt.

Die Stadt verliert den Zugriff auf ihr Umland und wird mit dem Import von Hofhandwerkern konfrontiert, die im 16. Jahrhundert auf circa 500 anwachsen, die direkt dem Fürsten unterstehen und aus der städtischen Gerichtsbarkeit und Besteuerung herausfallen. Zwar wächst die Stadt langsam, aber sie wird immer mehr auf den Fürsten und seine Lustschlösser hin ausgerichtet.

 

 

1483 muss Erfurt sich nach langen Abwehrkämpfen dem Mainzer Landesherren und dem Wettiner Schutzherrn unterwerfen. Seine wirtschaftliche Bedeutung nimmt massiv ab, da die alten Handelswege an Bedeutung verlieren und Leipzig immer mehr Handel an sich zieht. Darüber hinaus verschwindet das Waid mit dem Import des Indigo aus Übersee.

 

1462 erobert der Erzbischof die freie Stadt Mainz und gestaltet sie zu seiner Residenzstadt um. 1477 lässt die Äbtissin von Quedlinburg die Stadt erobern und nimmt ihr ihre bisherigen Freiheitsrechte. Den Roland, Symbol städtischer Freiheitenseit dem 14. Jahrhundert, lässt sie zerstören. Für Regensburg markiert erst die Unterwerfung unter die bayrischen Herzöge von 1486 das Ende der Bürger-Stadt. Kurz darauf wird sie kaiserlichem Regiment unterstellt.

 

In kleineren Städten des deutschen Raumes waren Fürsten durch das ganze sogenannte "Mittelalter" mit ihren Burgen präsent. Seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts werden sie auch in größeren Städten wieder präsenter. Die fürstliche Burg verwandelt sich nun in eine städtische Residenz, es gibt mehr fürstliche Wirtschaftshöfe und der Herr erwirbt zudem Häuser für seine Beamten. Als fürstliche Grablege dienen nun eher städtische Hofkirchen statt entfernterer Klosterkirchen.

 

1522 lässt der Habsburger Erzherzog Ferdinand den Wiener Bürgermeister und fünf weitere Ratsherren hinrichten, der Bürgerausschuss der Genannten wird aufgelöst sowie die Münzer-Hausgenossenschaft. Die Handwerker verlieren ihren Einfluss auf den Inneren Rat und es gibt einen Versuch, die Zünfte aufzulösen. Das nicht auf den Hof ausgerichtete Handwerk unterliegt dem unzünftigen, welches der Hof für seine Zwecke privilegiert.

 

Für Flandern beginnt die Neuzeit mit der burgundischen Herrschaft ab 1384, die im 15. Jahrhundert zum Verlust bürgerlicher Selbstverwaltung führt. Immer mehr Bürger laufen zu den Fürsten über, in deren Diensten sich immer besser Karriere machen lässt. Einen weiteren Einschnitt stellt die Habsburgerherrschaft ab 1492 dar, die zum weiteren Abbau städtischer Rechte führt und nach 1540 unter Karl V. auch zur Entrechtung der Gilden.

 

Seit dem 15. Jahrhundert steigt Antwerpen auf Kosten von Gent und besonders Brügge auf. Süddeutsche Kaufleute bringen Gewürze und andere Luxusgüter aus Italien dorthin und bringen als Rückfracht vor allem englische Tuche zurück.  1585 erobern die spanischen Habsburger die Stadt, die darauf den Seehandel zum guten Teil verliert und auf den Landhandel zurückgeworfen wird.

 

Der Abstieg Flanderns ist auch der Aufstieg Hollands, wo das schnelle Anwachsen der Städte einen bürgerlichen Markt für Massenwaren hervorbringt. Besonders England und die nördlichen Niederlande beginnen nun, die Entwicklung des Kapitalismus weiter voranzutreiben. Während die bürgerlichen Freiheiten im größten Teil Europas langsam schwinden, gewinnen sie in Holland und dann auch in England auf eine neue Weise an Gewicht.

 

Die landesherrlich geprägten deutschen Städte, insbesondere die Residenzen, werden im 16. Jahrhundert immer mehr fürstlichen Interessen unterworfen, die über Ämter und Verwaltung direkt in die Städte hineinwirken. Die südwestdeutschen Reichsstädte und die Hansestädte bilden ein eher noch rigideres obrigkeitsstaatliches Regiment aus. "Dieses ließ der kommunal-gemeindlichen Gliederung und Mitwirkung, gerade auch der Zünfte, immer weniger Raum zur Entfaltung." (Schulz, S. 262)

Immerhin gelingt es manchen Hansestädten, ihre Freiheiten durch Bündnisse untereinander länger gegenüber den Landesherren zu bewahren. Braunschweig muss sich zum Beispiel erst 1671 unterwerfen.

 

Die Zeit zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert ist alles in allem immer weniger bürgerlich geprägt, wenn auch weiter zunehmend kapitalistisch. Aber es ist die große Zeit von Königen und Fürsten, also von zunehmend sich erweiternder Staatlichkeit. Das wird dann so weiter gehen, bis so viel Staatlichkeit ausgeprägt ist, dass die Staaten nicht mehr der Fürsten und Könige bedürfen, um ohne sie genauso weiter existieren zu können.

 

Dabei verlagert sich zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert das Gewicht der deutschen Städte nach Norden. Die meisten großen Städte liegen zwischen Frankfurt und Leipzig im Süden und der Strecke von Bremen bis Danzig im Norden. Berlin verachtfacht seine Bevölkerung zwischen 1650 und 1710. Selbst Potsdam ist am Ende so groß wie Nürnberg. Aber immer noch arbeiten um 1800  etwa zwei Drittel der deutschen Bevölkerung in der Landwirtschaft.

 

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Nachdem in der Nordhälfte Italiens die ersten Städte schon im 13. Jahrhundert als Signorien unter das Regiment von despotischen Familien gerieten, und selbst Genua, außerstande, sich über ein "republikanisches" Regime seiner großen Kapitaleigner zu regieren, sich im 14./15. Jahrhundert unter die Herrschaft von Monarchen wie dem französischen oder von Tyrannen wie den Mailänder Visconti begibt, bleibt nur die venezianische Republik übrig, ein Konsorzium großer Kapitaleigner und alter Geschlechter, welches am Ende dem Expansionsdrang Frankreichs zum Opfer fallen wird.

 

In Genua regiert ein Vertreter des französischen Königs, als es 1506 zu einer Revolte eines Bündnisses aus Handel und Handwerk kommt, die stärkere Beteiligung an den Ämtern fordern. 1507 haben sich die Franzosen auf ihre Festung zurückgezogen und der Popolo wählt den Seidenfärber Paolo da Novi zum Dogen. Dann muss sich die Stadt aber der Armee Louis XII. ergeben.

Damit ist Genua in die antivenezianische Liga von Cambrai integriert.

 

1512 vertreibt eine Heilige Liga unter spanischer Beteiligung die Franzosen aus der Stadt, Die kehren allerdings im folgenden Jahr wieder zurück.

1522 versucht Francois I. Mailand zu erobern, was Kaiser Karl V. veranlasst, eine riesige deutsch-spanisch-italienische Armee gegen Genua zu schicken. Gerade als die Stadt sich ergeben will, gibt der Marchese von Pescara die Stadt zur Eroberung und Plünderung frei.

 

In der Folge verwandelt sich Genua in eine aristokratische Republik, in der 23 Adelsklans gemeinsam herrschen. Aus einem Maggiore Consiglio von vierhundert wird ein Minore Consiglio von einhundert Aristokraten ausgelost. Letzterer wählt den Dogen und acht Beamte jeweils für die Rechtsprechung und die Finanzen. Im Hintergrund agiert Andrea Doria, ehemaliger Söldnerführer und Korsar, dem es in einem Vertrag (asiento) mit erst Karl V. und dann Felipe II. gelingt, beide mit Galeeren zu versorgen, die mit Sklaven bemannt sind. Er wird dadurch schwerreich und ist de facto eine Art Prinz oder Signore der Stadt.

 

Die Versuche unteradeligen Kapitals, selbst die Politik der Städte zu betreiben, erledigen sich einmal, weil der fortgeschrittene Kapitalismus längst zum Selbstläufer geworden ist und von allen betrieben wird, zum anderen, weil es Monarchen gelungen ist, den sich entwickelnden Staat zentral auf sich zu beziehen. Damit aber ist selbst für die Spitzen der Produzenten der Zugang zur politischen Macht versperrt, und das dann bis heute.

 

***Trier***

 

Die Einbeziehung der Zünfte, auch der kleineren, in das Stadtregiment im 15. Jahrhundert hält die Abschließung der neuen Obrigkeit nicht auf. Sie lässt sich gelegentlich nun als Herren titulieren, was meist aber nur den Bürgermeistern und Schöffen zusteht, oder 1515 als regenten zur zeit der statt Trier uz oberkeyt des rats. (in: Anton/Haverkamp, S.315)

Anfang des 16. Jahrhunderts schließen sich 13 Zünfte und 7 Bruderschaften zusammen gegen beschwernissen von fürsten und herren, von unseren herren vom rait, von scholtes oder scheffen von Trier oder anderen des raits genoßen. (s.o.)

 

Trier ist immer noch Wallfahrtsort und erhält 1512 mit dem "Heiligen Rock" ein zusätzliches Pilgerziel. Inzwischen werden die Wallfahrten auch mit Druckschriften beworben.

 

Auch noch im 16. Jahrhundert gibt es Obstgärten und Wingerte innerhalb der Stadtmauern.

 

1521 versucht Erzbischof Richard von Greiffenklau Luther auf dem Reichstag zu Worms für einen Widerruf zu gewinnen und scheitert. In der Folge äußert sich Luther abfällig über den Trierer "Heiligen Rock" und die Wallfahrt.

1522 verbündet sich der in finanziellen Schwierigkeiten steckende Franz von Sickingen mit Reichsrittern und erklärt dem Trierer Kurfüsten die Fehde. Die Stadt wird längere Zeit ergebnislos belagert. Nach dem Abzug wird er auf Burg Landstuhl vom pfälzischen und Trierer Kurfürsten sowie dem hessischen Landgrafen belagert und stirbt.

 

Im Zuge des Bauernkrieges von 1525 macht die "Bürgerschaft" Druck auf den Rat, die vor allem wirtschaftlichen Rechte und Privilegien des Domkapitels einzuschränken. Sie scheitern damit 1526.

 

1559 scheitert der Reformationsversuch des kalvinistischen Caspar von der Olewig (Olevianus). Wer Protestant bleiben möchte, muss danach wegziehen, was einen wirtschaftlichen Aderlass für die Stadt bedeutet.

 

 

Ein neues "Bürgertum"

 

Die Bezeichnung Bürger bleibt durch das späte Mittelalter so unklar wie schon zuvor. Manchmal wird es noch eine Weile von den wohlhabenden Geschlechtern okkupiert, die aber zunehmend dazu tendieren, sich als Herren zu bezeichnen. Überhaupt setzt sich das ganze unternehmerisch nutzbare Kapital und das in Renten verwandelte von denen ab, die am ehesten von ihren Lebensformen her als bürgerlich bezeichnet werden können, die Mittelschichten des Handwerks, des Detailhandels, und kleine Unternehmer. Schließlich darf man auch nicht vergessen, dass das Wort im auslaufenden Mittelalter in dieser Verallgemeinerung zunehmend nur noch im deutschen Sprachraum eine Rolle spielt.

 

Je mehr neueres Kapital und zünftiges Handwerk danach drängen, Anteil an der politischen Macht zu bekommen, desto mehr schließen sich jene alten Geschlechter ab, die teils aus der ritterlichen, teils aus der bürgerlichen Ministerialität hervorgegangen sind, die sowohl größeren Grundbesitz haben wie auch Geschäfte betreiben  und durch adelige Lebensformen gekennzeichnet sind. Diesen "Herren", in Herrenstuben und Tanzvereinigungen versammelt, gelingt es in Nürnberg, wo sie als unternehmerisches Patriziat in die Neuzeit eingehen, im 17. Jahrhundert ihre Adeligkeit bestätigt zu bekommen, während sie anderswo in der südlichen Hälfte der deutschen Lande wie in Basel im 15./16. Jahrhundert nach Konflikten mit der übrigen Macht immer weniger werden und in den Städten an Macht und Bedeutung verlieren. Die enge Verbindung mit dem Landadel und die frühe Tendenz, in den Fürstendienst einzutreten, trägt dazu bei.

 

In Straßburg werden schon 1419 die sich als adelig begreifenden Geschlechter der Constofler gezwungen, das Bürgerrecht anzunehmen, was sie zum Auszug aus der Stadt und einem mehrjährigen Krieg an der Seite des Bischofs gegen die Bürgerschaft veranlasst, nach dem ihre Bedeutung in der Stadt deutlich zurückgeht. Die Mainzer Bürger entmachten die alten Geschlechter 1444, was dann 1462 zur Eroberung  und Zerstörung von Mainz durch den Erzbischof und Kurfürsten führt.

Das ändert nichts an zweierlei: Solange sich adelig fühlende alte Geschlechter in den Städten existieren, gehören sie zur Spitze des Reichtums in der Stadt, und auch dort, wo sie langsam untergehen, bleiben sie als Gäste mit ihren Höfen und Gesellschaften der Stadt erhalten und tragen dabei Geld dorthin. Schließlich ist ab einer bestimmten Stufe des Reichtums adelige Lebensform längst das bürgerliche Leitideal.

 

Unterhalb des Adels, neben dem Klerus und oberhalb eines nicht von seinem Eigentum lebenden Proletariats ist Bürgertum weiterhin ein städtisches Phänomen. Seinen Kern macht immer noch das Handwerk aus. Etwa ein Drittel bis fast die Hälfte der Familien der städtischen Bevölkerung hängt weiterhin direkt vom Handwerk ab. Bei rund 14 000 Bürgern in Augsburg um 1500 hat alleine die Weberzunft rund 1400 Mitglieder, Kramer gibt es um 350, Schmiede ebenfalls in dieser Größenordnung. Um 1600 sind von

48 000 Einwohnern alleine rund 3000 Webermeister. Mit der Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges geht allerdings nicht nur die Einwohnerschaft, sondern in noch erheblicherem Maße das Handwerk zurück.

 

In die Städte ziehen seit dem 15. Jahrhundert in zunehmendem Maße die Akademiker ein, die "Gelehrten" also. Diese sind von ihrer Ausbildung her Juristen, Mediziner und Theologen/Philosophen. Sie gewinnen Eigentum über ihre Fähigkeiten, die sie eigentlich jenseits von einem wie auch immer gearteten Bürgertum absetzen, aber sie in ihrem Lebensstil gehobener Bürgerlichkeit annähern. Juristen und Mediziner können sich mit einer eigenen Praxis selbständig machen, Juristen treten aber vielfach in gehobene Verwaltungsdienste ein. Verwaltung aber nimmt mit dem Ausbau von Staatlichkeit überall zu. Solche mit Verwaltung betraute Menschen wiederum werden zu Stützen der Staaten und oft mit entsprechendem Untertanengeist ausgestattet. Je besser ihre Tätigkeit dotiert wird, desto mehr identifizieren sie sich mit der Obrigkeit.

 

Handwerk

 

Bäuerliche Nahrungsmittelproduktion und handwerkliche Warenherstellung bleiben im lateinischen Abendland die beiden wichtigsten Produktionszweige bis ins 18./19. Jahrhundert. Dabei nimmt aber die Kapitalisierung in einzelnen Sparten zu.

Das heutige populäre Bild vom mittelalterlichen Handwerk wird von dem des 15. bis 17. Jahrhundert geprägt: Die Zünfte schließen sich langsam ab, das Meisterstück kommt auf und die Gesellen werden immer nachdrücklicher dazu bewegt, eine Wanderzeit einzulegen. Zugleich schwindet der politische Einfluss der Zünfte.

 

Bevölkerungsvermehrung, Zuzug in die Städte und Zeiten stark gestiegener Lebensmittelpreise senken den Anteil der massenhaften Nachfrage nach Waren des Alltags. Je mehr die zünftigen Gewerbe sich abschließen, desto stärker wird die Konkurrenz mit niedrigeren Preisen in den Vorstädten und dem Umland durch Gewerbe, welches nun immer schärfer verboten wird. Zudem wird die Aufnahme in die Zünfte erschwert. Gesellen wiederum wird es noch deutlicher als zuvor verboten, nebenbei für den Markt zu arbeiten.

 

In einiger Entfernung von den Städten breitete sich zunehmend und nicht mehr nur im Nebenerwerb oder im Verlagssystem (Weber) ländliches Handwerk aus, Schuhmacher, Schneider, Schmiede, Schreiner, Seiler und andere. Die Städte versuchen es zu verdrängen, aber langsam bilden sich insbesondere auch aus derjenigen ländlichen Bevölkerung, die es nicht mehr schafft, Höfe zu bewirtschaften und nicht zum städtischen Proletariat gehören will, ein breitgestreutes ländliches Gewerbe aus, welches den ländlichen Raum bedient.

 

 

Industrie?

 

Industrie ist eines der vielen Wörter in der (deutschen) Sprache mit etwas unklarer Bedeutung. Das lateinische Wort schleicht sich seit dem späten 17. Jahrhundert mit der Bedeutung Fleiß in die deutsche Sprache ein, verengt sich im 18. Jahrhundert zunächst auf den Gewerbefleiß und dann das Gewerbe überhaupt. Mit dem Aufkommen des Fabriksystems meint es dann im 19. Jahrhundert genau dieses. 

 

So etwas wie Industrialisierung beginnt mit dem Aufkommen der ersten Maschinen, der Mühlen nämlich. Parallel zu dieser Automatisierung läuft die Mechanisierung, wie sie bei immer mechanischeren Webstühlen aufkommt. Immer aber finden die vielen zerteilten Produktionsvorgänge eines Endproduktes räumlich und kapitalmäßig in verschiedenen Händen statt. 

Seit dem hohen Mittelalter beginnt die Zusammenfassung mehrerer getrennter Produktionsvorgänge in der Hand eines Kapitalisten beziehungsweise einer Firma vor allem im Verlagssystem. Mit zunehmender Mechanisierung und Automatisierung beginnt dann im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit die Zusammenfassung mehrerer Arbeitsgänge an einem Ort und schließlich sozusagen unter einem Dach. Erst im 17. Jahrhundert kommt dafür das missverständliche Wort Manufaktur auf, als in Handarbeit verrichtete Produktion. Tatsächlich werden in ihr mehrere technisch weniger bedeutsame Vorgänge mechanisiert oder finden maschinell statt, werden die wesentliche Kunstfertigkeit noch in Handarbeit vonstatten geht, sei es in Nadel,- Papier- oder Porzellanmanufakturen.

In den Manufakturen finden kunstfertige Handwerker neben angelernter Lohnarbeit ihren Platz, aber sie verbreiten sich nur an einigen Orten und sind zum Teil hochsubventionierte fürstliche Renommierbetriebe zum Beispiel für Gobelins und Porzellan; sie hängen dann an der Auftragsarbeit und Nachfrage einer kleinen reichen Oberschicht.

Im 18. Jahrhundert werden sie manchmal nach dem französischen fabrique als Fabriken bezeichnet, wiewohl das Wort eigentlich nur den Herstellungsort bezeichnet. Ein Erfolgsprojekt auf breiter Fläche werden Manufakturen dann als "Fabriken", wenn auch die Kernbereiche der Produktion Maschinen überlassen werden, und die massenhafte Lohnarbeit im wesentlichen ungelernte veritable Drecksarbeit bedeutet.

 

Industrialisierung findet in deutschen Landen im Metallbereich vom Bergbau bis zum Endprodukt durch Kapitalisierung im Zusammenspiel großer Firmen und der Landesfürsten statt, die letztere immer mehr die Rechte im Montanbereich an sich reißen  und zum Beispiel in Goslar seit 1552 durch ein Bergamt verwalten lassen. "Wichtigster fürstlicher Standort wurde die Bergstadt Grund mit dem Iberg und der Eisenhütte zu Gittelde. Dort schuf der Herzog Julius bald nach seinem Herrschaftsantritt (1568) durch die Vereinigung von Bergbaubetrieb, Schmelzhütte und Faktorei eine neue Produktions- und Organisationsform. In diesem System der  >verbundenen< Arbeitsgänge wurden in dem Hüttenbetrieb hochwertiger Stangenstahl, Schmiedeeisen, Gusseisen und Eisenschlacke hergestellt und zu verschiedenen Produkten weiterverarbeitet. Bergwerke und Pochwerke, Schmelzwerke und Hochöfen, Hammerwerke und Anlagen für das Gussverfahren gruppierten sich um diesen für den Transport günstig gelegenen Standort am Rand des Harzes. Hier wurden langrohrige Geschütze, andere Waffen, Ofenplatten, Draht und vieles mehr produziert - Eisenschlacke verarbeitete man zu Kanonenkugeln. Herzog Julius kann geradezu als Repräsentant des neuen fürstlichen Unternehmertums gelten." (Schulz, S.229)

 

Der Prozess der Industrialisierung ist also eine kontinuierliche Entwicklung seit dem frühen Mittelalter, und nie mit so etwas wie Revolutionen verbunden, wobei man allerdings die Zerstörung des produktiven Handwerks und der bäuerlichen Landwirtschaft vor allem im 19. und 20. Jahrhundert als einen erheblichen Umbruch bezeichnen kann. Letztlich schwinden damit die Grundlagen (nicht nur) abendländischer Zivilisation, sondern auch die des Adels und eines neuzeitlichen "bürgerlichen Mittelstandes" , letzte Träger dieser Zivilisation.

 

Der Fortschritt dieser Industrialisierung zwischen dem 16. und späten 18. Jahrhundert ist gering bzw. langsam. Die Mechanisierung schreitet zwar fort, aber die Handwerker können sich zum Beispiel die 1589 in England erfundenen Strumpfwirkstühle zum Teil leisten und bleiben nun schneller produzierende Handstricker auf der Grundlage eigener Muskelkraft. Die etwa zur selben Zeit vielleicht in Danzig erfundene Bandmühle, mit der Bänder und Borten gelegentlich über zwanzigmal schneller hergestellt werden, und die keine handwerklichen Fertigkeiten mehr zur Bedienung verlangt, wird vom zünftigen Handwerk massiv bekämpft. Aber selbst von ihm durchgesetzte Verbote lassen sich auf Dauer nicht gegen die billig produzierenden Maschinen durchsetzen. Im 17. Jahrhundert produzieren dann an Orten wie Basel bereits hunderte von Mühlen massenhaft die modischen Bänder und Borten, mit denen Mädchen und Frauen überall in Europa sich meinen verschönen zu müssen. Ein industrielles Massenprodukt vor einer sogenannten industriellen "Revolution" und frühes Beispiel eines daran sterbenden Handwerks.

 

Insgesamt ist aber selbst das 18. Jahrhundert eher noch das Zeitalter der Wassermühlen und nicht der Fabriken, und vom 15. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts finden die technischen Fortschritte im wesentlichen dort statt. Schon früh gelingt es so zum Beispiel, bei den Sägemühlen mit dem Sägen der Baumstämme zugleich ihr Vorrücken bei dem Vorgang zu automatisieren. Kanonenrohre und Gewehrläufe werden mit immer größerer Präzision gebohrt und die Drahtziehmühlen produzieren immer feineren Draht für Geräte und Instrumente.

Städtische Mühlensysteme wie das von Augsburg mit 56 Mühlen 1735 oder das der Oberpfalz mit schon im 17. Jahrhundert über hundert Mühlen für die Eisenindustrie in der Hand vor allem Nürnberger Großkapitals dominieren die Landschaften zumindest Mitteleuropas dort, wo es genug Fließgewässer gibt. Zahlreiche Kanäle verzweigen die Flüsse, um mehr Platz für Mühlen zu schaffen. Holland wird immer mehr zum Windmühlenland. Vielerorts schon sind Regionen soweit mit Mühlen überfüllt, dass sie sich gegenseitig die Wasserkraft wegnehmen. Massive Konflikte bis hin zu gewalttätigen Auseinandersetzungen sind die Folge. Nicht Ersatz, sondern Zuwächse sind dann nur noch mit der Dampfkraft möglich.

 

Was immer man sowohl als Gewerbefleiß wie als im neueren Sinne Mechanisierung und Maschineneinsatz samt neuen Energien unter Industrie verstehen mag, sie ist bis tief ins 18. Jahrhundert in einem wesentlichen Punkt deutlich anders als später: Kapitalbesitz und Firmenführung sind noch in einer Hand. Das heißt zum einen, dass Kapital und Arbeit noch einigermaßen zu trennen sind, und zum anderen, dass das Eigentum an Kapital noch vollständige Verfügung über die Firma bedeutet. Radikal ändern wird sich das mit modernen Kapitalgesellschaften wie den AGs, in denen nicht die Anteilseigner, sondern mächtige Managerkonglomerate im Verbund mit den politisch Mächtigen die Welt im wesentlichen regieren.

 

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Der fast allgegenwärtige Krieg ist ein Geschäft nicht nur für die Kriegsherren und die geschäftsmäßig operierenden Söldner-Unternehmer, sondern vor allem auch für die, welche das Kriegsgerät produzieren und verkaufen. Dieses wird bis ins hohe Mittelalter meist noch von Handwerkern hergestellt. Im späten Mittelalter entsteht neben der friedlichen Zwecken dienenden Textil- und Metallindustrie vorwiegend im Verlagssystem ein breites Feld einer Rüstungsindustrie. Diese wird durch die unritterlichen pulvergetriebenen Fernwaffen gefördert, die Rohre der Vorderlader und insbesondere durch die Herstellung gegossener Kanonenrohre. Der totbringende Rüstungswettlauf, der mit den karolingischen Panzerreitern begann, führt nun von den kapitalistischen Investoren in den Krieg bis zu den frühneuzeitlichen Rüstungsmanufakturen.

Söldner bzw. Soldaten, die sich an die Mächtigen verkaufen, schließlich stehende Heere verlangen Uniformen, optische Gleichmacher zum Gleichschritt, und so entstehen schließlich auch ganze Manufakturen dafür. Wie schon zuvor ist der Krieg wichtigster Ausgabeposten der hohen Herren und treibende Kraft technischer Innovation.

 

Sklaverei (in Arbeit)

 

Die Mittelmeerantike war zwar keine "Sklavenhaltergesellschaft", kannte aber Sklaverei in Stadt und Land in größerem Umfang. Bis um das erste Millennium christlicher Zeitrechnung verschwindet sie nach und nach aus dem produktiven Sektor des lateinischen Abendlandes und hält sich dann nur noch als besonderer Luxus in den Haushalten der Reichen und Mächtigen insbesondere im nördlichen Mittelmeerraum, wobei die meisten Sklaven dann weiblichen Geschlechts sind.

 

Als Handelsware haben Sklaven aber gerade in Italien großen Anteil an der Entstehung des Kapitalismus, wobei die menschliche Ware vorwiegend aus dem Osten Europas kommen und in die islamische Welt geht. Dass Sklaven bis tief in das 15. Jahrhundert als Arbeitskräfte im lateinischen und längst kapitalistischen Abendland kaum noch eine Rolle spielen, liegt nicht an einer Ablehnung der Sklaverei, sondern vor allem daran, dass sie im Vergleich zu freier Arbeitskraft zu teuer sind.

 

Das alles ändert sich nach und nach mit der Eroberung der Kanaren, wo die Kultur der Einheimischen vollständig zerstört wird und man einen Teil von ihnen als Sklaven exportiert. Darüberhinaus wird dort und auf Madeira Plantagenwirtschaft eingerichtet, die sich recht günstig über Sklavenarbeit betreiben lässt.

1498 schreibt Kolumbus begeistert an die spanischen reyes catholicos, man könne aus Hispaniola pro Jahr locker viertausend Sklaven exportieren, und selbst wenn sie jetzt (bei der Überfahrt) sterben, dann wird das nicht so bleiben, denn das geschah anfangs auch mit den Schwarzen und Kanaren so. (in. Epstein, S.310)

 

Kolumbus sucht damit Argumente, um die Anerkennung seiner Leistungen als "Entdecker" zu steigern und es wird dauern, bis die Spanier (und Portugiesen) das voll verstanden haben werden. Tatsächlich wird das neue, und nun riesengroße Geschäft mit Handel und Einsatz von Sklaven erst zu voller Blüte gelangen, als einmal die indigenen Völker der südlicheren Teile Amerikas durch Massenmord und vor allem auch durch eingeschleppte Krankheiten weithin ausgerottet sind, darüber hinaus sich nur teilweise für Sklavenarbeit eignen, wie sich herausstellt, und andererseits Europäer nicht bereit sind, unter subtropischen und tropischen Bedingungen wie Sklaven zu schuften. Nun erst beginnt der massenhafte Import von Negersklaven, mit denen die ethnische Zusammensetzung ganzer Großregionen massiv verändert wird und womit einige Gegenden geradezu schwarz-afrikanisiert werden.

 

 

Proletarisierung

 

Mit dem Fabriksystem, der Kasernierung der männlichen Jugend und der Teilkasernierung der Kindheit werden der Kapitalismus und der von ihm getragene Staat ihre Vollendung finden.

Voraussetzung ist der Prozess zunehmender (relativer) Verarmung immer weiterer Teile der Bevölkerung zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert. Da diese sich schlecht in den Untertanenverband eingliedern, begründet das steigende Repression. Dabei wird nach dem Betteln tendenziell die Armut kriminalisiert. Andererseits führt die Armut immer deutlicher zu Formen des Verbrechertums und dabei auch der Bandenbildung, die sich besonders im ländlichen Armutsmilieu gut aufgehoben fühlen kann.

Die akademische und besonders die juristische Gelehrsamkeit sieht die Entwicklung, ohne auf sie Einfluss zu haben. Zwischen Schillers ernsthaftem 'Verbrecher aus verlorener Ehre' und Vulpius trivialem 'Rinaldo Rinaldini' entstehen Vorformen des Kriminalromans.

 

 

Es wird geschätzt, dass die Bevölkerung im 16. Jahrhundert in deutschen Landen um etwa 20-30 Prozent steigt. Ein Teil des Zuwachses erhält bei der Abwanderung in die Städte Arbeit und Einkommen, ein weiterer Teil versucht illegal, außerhalb der zünftigen und anderen Ordnungen, sein Gewerbe als Störer oder Pfuscher zu betreiben. Zunehmend mehr Leute verstärken - oft notgedrungemn - das Heer der Erwerbslosen, Gelegenheitsarbeiter, der Bettler, der arbeitslosen Landsknechte.

 

In diesem Text wird Proletarisierung mit wirtschaftlicher Unselbständigkeit gleichgesetzt, die aus Kapitalmangel herrührt. Dabei ist mit Kapital nicht nur das unternehmerisch verfügbare, sondern auch das eher immobile, im Betrieb festgesetzte Kapital gemeint. Dabei geraten wir längst in Zwischenzonen eines Handwerks, welches im Verlagswesen vom größeren Kapital abhängig wird, aber ansonsten mit eigenen Gerätschaften noch selbständig agiert.

 

Insgesamt aber nimmt in der Tendenz die Lohnarbeit zu, also wirtschaftliche Untertänigkeit zusätzlich zu steigender politischer. Für einen sinnvollen Begriff von Proletarisierung ist genau das wesentliches Kriterium und nicht das wesentlich unklarere Element (relativer) Armut. Dennoch wird für die gegen Lohn arbeitende Bevölkerung Armut phasenweise zu einem besonderen Faktor.

Das hat damit zu tun, dass die lohnarbeitende Bevölkerung neben der Miete für bescheidenen Wohnraum als einzige wesentliche Ausgabe das tägliche Brot hat und sich alltäglich kaum etwas anderes leisten kann. Im 16. Jahrhundert, vor allem der zweiten Hälfte, aber steigen die Getreidepreise phasenweise zunehmend an, während die Löhne nicht mehr wie im 15. Jahrhundert mithalten. Je nach Ort, Branche und Zeit sinkt damit die Kaufkraft auf zwei Drittel oder sogar auf nur eines.

 

Die Städte versuchen, durch Vorratshaltung und Höchstpreise für Brot das Schlimmste zu verhindern, In Hungerzeiten kann sich dennoch die Todeszahl schon einmal verdreifachen. Erschwerend kommt hinzu, dass Gesellen und selbst Lehrlinge immer weniger Kost (und Logis) erhalten und mit pauschalen Entgelten abgefunden werden, die nicht mit dem Preis der Lebensmittel mithalten. Periodische Mangelernährung ist die Folge.

 

An Beispielen einzelner Städte ist die Verarmung immer größerer Teile der Bevölkerung nachvollziehbar. Laut den Freiburger Steuerbüchern steigt der Anteil der Armen mit einem Vermögen von 12 Gulden an der Gesamtheit der Armen mit einem von 25 Gulden dort zwischen 1481 und 1520 von 18 auf 33%. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts besitzen rund 62% der zünftigen Frauen unter 25 Gulden, was sie offiziell zu Armen macht. (Freiburg, S.470f)

Um 1500 ist das Armutsproblem in Freiburg so groß, dass es an städtischen Mitteln fehlt, ihm noch beizukommen. In diesem Zusammenhang entsteht eine Bettlerordnung und es wird das Bettlergericht mit seinem Bettelvogt, der selbst ein Bettler ist, welches vier mal im Jahr tagt, städtisch und quasi zünftig reorganisiert. Almosen erhält nur noch, wer an Samstagen und Feiertagen zur Vesper kommt und an Sonn- und Feiertagen zur Messe. (Freiburg, S.472) Man erhält dann ein Abzeichen, welches das Betteln erlaubt.

 

1530 haben Armut und Betteln so überhand genommen, dass sie in Basel verboten werden, so wie schon 1523 in Straßburg.

 

Für einige Gegenden in deutschen Landen auf dem Weg ins 17. Jahrhundert wird von Dörfern berichtet, in denen unterbeschäftige Familien als Untermieter von Bauern erwähnt werden (Schulz, S.214).

 

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Kapitalkonzentration

 

Zwei Entwicklungen  gelten für das 15. und 16. Jahrhundert: Die Zahl der Kapitaleigner nimmt zu, zugleich aber auch eine Konzentration von mehr Kapital in weniger Händen. Wie  das funktioniert, lässt sich anhand der Fugger beispielsweise nachvollziehen,

1367 siedelt sich der Weber Hans Fugger in Augsburg an. Vermutlich geht er vom Webstuhl zum Barchentverlag über. 1396 versteuert er bereits ein Vermögen von 1806 Gulden, was ihn an die vierzigste Stelle in der Reichenskala Augsburg hievt. 1448 versteuern die Söhne Endres und Jakob bereits 10 800 Gulden, das fünftgrößte Vermögen in der Stadt. Während die Kinder des Endres an nicht zurückgezahlten Krediten scheitern, vererbt die Witwe von Jakob Fugger (d.Ä.) bereits 23 000 Gulden. Ab 1485 strecken die Fugger Erzherzog Sigismund von Tirol größere Summen vor, deren Zinsen mit Silber aus Tiroler Bergwerken beglichen werden. 1490 dankt Sigismund völlig verschuldet zugunsten von König Maximilian ab, der die Schulden übernimmt und weitere bei  den Fuggern aufnimmt, deren Zinsen weiter mit Silber bedient werden. 

"Ulrich, Georg und Jakob versteuerten 1492 jeweils knapp 17 000, 14 000 und 11 000 Gulden." (Fuhrmann, S.274) Ihr Vernögen kommt wohl immer noch hauptsächlich aus dem Barchentverlag.

Ein Jahr nach den Welsern treten die Fugger neben anderen süddeutschen Firmen in Kontakt mit der portugiesischen Krone, um am Indiengeschäft beteiligt zu werden.

 

Nach und nach kommt das Finanzgeschäft dazu, dann der Bergbau in der ungarischen Slowakei. Nachdem Jakob ("der Reiche") seine Brüder eberbt hat, versteuert er 1510 ein Vermögen von 258 400 Gulden, bevor er dann mit der Stadt eine feste Steuersumme vereinbart.

 

Zu alledem kommen Geldgeschäfte mit der römischen Kurie und Beteiligung am Ablasshandel. Der immer kapitalintensivere Silberbergbau wird von süddeutschen Unternehmern übernommen. Konflikte mit den brutal ausgebeuteten Bergarbeitern werden in Tirol und der Slowakei in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts mit politischer Hilfe "gelöst".

 

1518 schuldet Maximilian den Fuggern bereits knapp 175 000 Gulden. Rund 540 000 Gulden investiert Jakob Fugger in die Wahl Karls V. , die zum großen Teil mit weiterer Kontrolle über den Tiroler Silber- und Kupferbergbau abgegolten wird. Der Rest soll aus den spanischen Einkünften Karls beglichen werden.

 

Ein aristokratischer Stadtpalast und ein vornehmes Gästehaus sind in Augsburg, dazu kommt der Besitz von zunehmend mehr aufgekauften Dörfern, 1530 werden sie in den hochadeligen Reichsgrafenstand erhoben. Man heiratet in vornehmen Landadel. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts werden die Investitionen in Ungarn und Italien aufgegeben und nun wird am Quecksilberber bau im spanischen Almaden verdient, welches die Spanier für den Silberabbau in ihren amerikanischen Kolonien brauchen. Dann zieht man sich ganz aus dem Unternehmertum zurück und führt ein adeliges Rentiersdasein mit dem Besitz von rund hundert Dörfern kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg.

 

 

Das Land in deutschen Landen

 

Seitdem die Bevölkerung wieder ansteigt, nimmt auch die Nachfrage nach Lebensmitteln zu. Der Ackerbau gewinnt zumindest in Mitteleuropa wieder an Bedeutung und die Getreidepreise steigen. Darum setzen auch wieder Rodungen ein, Landausbau und neue Intensivierung.Es gibt bessere Pflüge, Ackerwalzen für die Einebnung des Bodens nach der Aussaat und mehrgliedrige Eggen. Das Pferd löst nun überall den Ochsen als Zugtier ab.

 

Nordwest- und Süddeutschland entwickeln in Teilen der Landbevölkerung zunehmenden bäuerlichen Wohlstand, während in manchen Regionen für viele Bauern die Höfe durch Erbteilung auch kleiner werden.

 

In Ostdeutschland, insbesondere im Nordosten, beginnt Gutsherrschaft neuen Typs mit der zunehmenden Nachfrage nach Agrarprodukten die Bauernhöfe aufzukaufen oder Bauern mit Druck von ihrem Land zu vertreiben ("Bauernlegen"), Die Gutsherren lassen dann ihre immer größer werdenden Besitzungen von persönlich abhängigen oder direkt leibeigenen Bauern bewirtschaften. Billigste Arbeitskraft eines ländlichen Proletariats ersetzt bis ins 18. Jahrhundert technischen Innovationsdruck.

 

Die deutschen Lande überfällt nach der Krisenhäufung im 14. Jahrhundert mit dem Dreißigjährigen Krieg eine fast noch größere Katastrophe mit riesigen Bevölkerungsverlusten. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts wird sie wieder eingeholt. Von da an kommt es zu neuen Modernisierungsschübungen mit rationellerer Wirtschaftsführung, neuen Methoden der Düngung und der Durchsetzung der Kartoffel als Nahrungsmittel.

Parallel zum Weg in die massenhafte Industrialisierung der gewerblichen Produktion beginnt dann auch ganz langsam die der Landwirtschaft.

 

Zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert gelangt der Wald, nun immer weniger Naturraum, sondern Ort von Holzproduktion, im Umfeld von weit entwickelten Gewerberegionen an seine Grenzen. Ein Waldfresser erster Güte wird die Glasproduktion mit ihrer Pottasche-Nachfrage. Der immer mehr in die Tiefe und Länge gehende Bergbau verlangt nach Unmengen von Grubenholz, und die Verhüttung der Erze verschlingt ebenfalls ganze Wälder. "Mitte des 16. Jahrhunderts verbrauchte das Kärntner Eisengewerbe (...) jährlich mit mehr als 220 000 Festmetern Holz das Äquivalent von 1000 Hektar Wald." (Bayerl, S.64)

 

Längst ist das natürliche Potential des Waldes in großen Teilen Mitteleuropas ausgeschöpft. Mit landesherrlichen Forstordnungen und ähnlichem wird versucht, das im Rahmen zu halten. Äcker schnell wachsender Nadelbäume ziehen überall ein. Salinen verbrauchen Holz aus immer größeren Fernen und man beginnt, es durch Gradierwerke einzusparen, die Verdunstung eines Teils des Wassers ermöglichen. Augsburg versorgt sich nun aus den Alpen mit Holz und Amsterdam aus dem Schwarzwald. Wald wird nun zunehmend kapitalisiert und gerät so in die Hände unternehmerischer Privateigentümer.

Holzknappheit führt allenthalben dann zu Sparmaßnahmen, aber sie reichen nicht aus, um mit dem Wachstum des Kapitals mitzuhalten. Der Weg in die Industrialisierung des 18./19. Jahrhunderts ist der zu Kohle, Koks, Dampfmaschinen und schließlich Öl, Gas und Elektrizität.

 

Nicht nur die Naturlandschaft Wald verschwindet, sondern auch die großen Moorlandschaften Mitteleuropas. Torf wird in großem Maßstab zu einem Substitut für Holz, bevor die Kohle es noch später ablöst. Der Begriff "Natur", zunächst den gelehrten Lateinern für mehr oder weniger philosophische Betrachtungen vorbehalten und ansonsten mit Wildnis übersetzt, wird nun auf Kulturlandschaften, also Menschenwerk, übertragen. Durch Popularisierung in den Volkssprachen wird er immer unklarer und hat bis heute für die meisten einen definitiven und klar-sinnvollen Inhalt verloren. Inzwischen schwindet Natur als Gegensatz zu Kultur in einem immer schnelleren Tempo auf der Erde, und in Mitteleuropa ist Naturlandschaft fast zur Gänze inzwischen unbekannt und selbst Kulturlandschaft verschwindet aus immer mehr Regionen. Der homo faber des Kapitalismus hört nicht auf, auf sein Ende mit dem seiner natürlichen Lebensgrundlagen hin zu arbeiten.

 

Während die Verwandlung des übrig gebliebenen Waldes von einem Naturraum in forstwirtschaftliche Betriebe und die der Moore in Torfproduktionsstätten allenthalten bejaht wird, werden die Schäden, die der Bergbau anrichtet, inzwischen von einzelnen gesehen. In einem 'Iudicium Iovis', also Urteil des Jupiter, tritt die Erde in einer Art Gerichtsverfahren mit einem durchbohrten Leib und zerrissenen Kleidern auf, um die Menschen anzuklagen. Der Mensch dringe in die Eingeweide seiner Mutter ein, er durchwühlt ihren Leib, verletzt und beschädigt alle inneren Teile. So zerfleischt er schließlich den ganzen Körper und lähmt dessen Kräfte völlig. (in Bayerl, S. 137) Aber das Urteil Jupiters ist, dass das alles notwendig sei für den Markt der Waren und die Geldwirtschaft.

 

Ein halbes Jahrhundert später wird Agricola in seinem 'De re metallica' deutlicher: Durch das Schürfen nach Erz werden die Felder verwüstet (...) Wälder und Haine werden umgehauen (...) Durch das Niederlegen der Wälder aber werden die Vögel und andren Tiere ausgerottet, von denen sehr viele den Menschen als feine und angenehme Speise dienen. Die Erze werden gewaschen, durch dieses Waschen aber werden, weil es die Bäche und Flüsse vergiftet, die Fische entweder aus ihnen vertrieben oder getötet. Da also die Einwohner der betreffenden Landschaften infolge der Verwüstung der Felder, Wälder, Haine, Bäche und Flüsse in große Verlegenheit kommen, wie sie die Dinge, die sie zum Leben brauchen, sich verschaffen sollen, und da sie wegen des Mangels an Holz größere Kosten zum Bau ihrer Häuser aufwenden müssen, so ist es vor aller Augen klar, dass beim Schürfen mehr Schaden entsteht, als in den Erzen, die durch den Bergbau gewonnen werden, Nutzen liegt. (deutsch in Bayerl, S.138f)

 

Diese Erkenntnisse hindern Pawer/Agricola aber nicht daran, den "Nutzen" und die "Bequemlichkeit", die die Metalle den Menschen bieten, über das zu stellen, was wir heute als Umweltzerstörung bezeichnen. Umwelt aber meint vernutzte Natur. Der Preis ist eben nicht zu hoch, und das ist ja bis heute im wesentlichen so geblieben. Erst die Möglichkeit der Verlagerung der Zerstörungen in die "dritte Welt" machen es möglich, auf breiterer Front überhaupt darauf einzugehen.

Ein Eigenwert von Natur, von Pflanze und Tier taucht hingegen nicht auf. Alles wird, und auch das bis heute, unter dem Gesichtspunkt der Nützlichkeit für den Menschen gesehen. Das antike Erbe, so wie es Humanisten wie Agricola auffassen, ist eben befreiend vor allem als kapitalistische Hintergrundsideologie, so wie es auch der sogenannte Rationalismus und die daran anschließende Aufklärung sein werden.

 

Und so wird die sogenannte Neuzeit in ihren ersten Jahrhunderten ganze Kulturlandschaften in Industrielandschaften umbauen, getrieben vom Vermehrungsdrang des Kapitals, der Nachfrage der Warenkonsumenten und überhöht durch "politische" Machtinteressen. Und so wird alleine der Oberharzer Raum bis 1740 mit 120 Stauteichen, rund 500 km Wassergräben, unterirdischen Wasserläufen und rund 100 km Entwässerungsstollen der Gruben ausgestattet. Die Abholzung erreicht dabei ein Niveau, dass Grubenholz nun aus dem Solling herbeigeschafft werden muss. (Bayerl, S.148)

In den Bergwerksregionen führt der Bergbau auch zur Herstellung chemischer Substanzen, die entweder als Nebenprodukte gewonnen werden oder aber zur Metallherstellung Verwendung finden. Dazu gehören Arsen, Schwefel, Vitriol, Salpetersäure und Quecksilber. Mit ihnen erreicht die Wasserverschmutzung als Vergiftung ein neues Niveau.

Wo am Berg die Erze gewonnen werden, wird nun im Tal verhüttet. Die Öfen erreichen bis ins 17. Jahrhundert eine Höhe von sieben Metern und verdoppeln die Roheisenproduktion zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert. Am Ende des 18. Jahrhunderts hat England, wo die Wälder längst weitgehend verschwunden sind, dann bereits auf Hochöfen umgestellt, die mit Koks beheizt werden.

 

***Der deutsche Bauernkrieg 1525*** (Sammeln)

 

Ein wichtiger Punkt der bäuerlichen Forderungen betrifft die Allmende, und dabei auch ganz zentral Holzrechte und Waldweide. Dazu kommt die Forderung nach Fischereirechten und schließlich die nach der Befreiung der Gewässer von Herrenrechten.

 

 

Neue Krankheiten (Sammeln)

 

Die Bedeutung der Pest geht in Europa in der frühen Neuzeit erheblich zurück. Erforscht wird sie allerdings erst Ende des 19. Jahrhunderts in Indien, und erst Antibiotika stellen ein wirksames Medikament dar so wie Impfungen als Vorbeugung.

 

Was bleibt ist die Malaria, vorwiegend am Nordrand des Mittelmeeres Europa betreffend. Mit der Entdeckung des Chinin im 16. Jahrhundert entsteht ein Heilmittel. Dazu kommt nun das Fleckfieber, eine Typhusart, die die Pest als gefährlichste Seuche bis Anfang des 19. Jahrhunderts ablöst. Dazu kommt des weiteren die Syphilis, Vorläufer für die übrigen Geschlechtskrankheiten der Neuzeit.