Intellekt 3: HUMANISMUS/RENAISSANCE (15./16.Jh.) (in Arbeit)

 

Die Universalgenies (in Arbeit)

 

Die Renaissance ist das große Zeitalter Einzelner, die manchmal zugleich "Künstler" im späteren Sinne, Ingenieure/Architekten und protowissenschaftliche Theoretiker sind. Zu ihren Grundlagen gehört ganz wesentlich das Studium antiker Texte, worunter Vitruv für die Architektur, Archimedes und die alexandrinische Schule für die Mechanik herausragen. Der weit fortgeschrittene Kapitalismus liefert die Mittel, dass sich Fürsten ihrer bedienen können, und eröffnet so Leuten aus der Unterschicht und den unteren Mittelschichten neue Karrierewege. Nicht zum Adel und dem bürgerlichen Kapital gehörend, können sie des öfteren sogar zu einem gewissen Reichtum aufsteigen. Sie partizipieren aber nicht an der Macht, sondern sind ihr in der Regel dienstbar, um sich zu finanzieren.

 

Kunst ist immer noch das, was einer kann, es sind die freien Künste (artes liberales) und die mechanischen, die von oben herab massiv verachtet werden, andererseits aber sich inzwischen mit einem gewissen Selbstwertgefühl ausgestattet haben und von denen einige aufgewertet werden: Die der Baumeister, Skulpteure und Maler sowie der Goldschmiede, wenn sie denn auf der Höhe der neuesten Mode sind. Diese setzt sich aus der ästhetisch-stilistischen Neuerung und der technischen Innovation zu etwa gleichen Teilen zusammen.

Gut sichtbar wird das bereits in der Geometrisierung der "gotischen" Architektur, die lichtdurchflutete größere und höhere Räume mit der massiven Reduzierung des Mauerwerks erzielt und dafür Stabilität durch Berechnung neuer Abstützungswerke erreicht.

In der Malerei bedarf es wenige Generationen später der Perspektive, um besser "Realität" vortäuschen zu können, und diese entwickeln Leute wie Dürer und seine italienischen Vorbilder durch mathematische und insbesondere geometrische Kenntnisse. Daneben wird die Abbildung sichtbarer "Realität" durch die Schärfung zeichnerischen Vermögens vorangetrieben. Renaissancemaler wie Dürer oder Leonardo und viele andere sind hervorragende Zeichner vor allem. Die Zeichnung wiederum wird wichtig für die Ingenieurskunst der Architekten und Maschinenbauer, und für Leute wie Leonardo wird die technische Zeichnung bis hin zum Entwerfen phantastischer Maschinen auf dem Karton zu einer Haupttätigkeit. Die Reichen und Mächtigen benutzen solche Talente nicht nur, um sich damit zu schmücken, sie lassen sich von ihnen manchmal auch Festungswerke, Waffen und anderes Kriegsgerät entwickeln. Seit der beginnenden Romantik des späteren 18. Jahrhunderts wird in diese Genies etwas priesterhaft Offenbarungsmäßiges hineingesehen, was diesen Dienern von Kapital und Macht eher fremd war, auch wenn es bei Leuten wie Michelangelo bereits durchzuscheinen vermag. Die unter den Rahmenbedingungen des voranschreitenden Kapitalismus sich ausbreitenden Säkularisierungstendenzen, noch kaum als solche erkannt, fangen so an, die Priesterschaft hochtalentierter "Künstler" neuen Wortsinnes, worunter auch die sich in Büchern verbreitenden Schriftsteller zu fassen sind, an die Stelle der alten Priesterschaft treten zu lassen. 

 

Tatsächlich sind diese neuartigen Künstler bis ins 16. Jahrhundert hinein oft noch zünftig organisierte Handwerker, es sind eher die Poeten und Komponisten, die anfangen, sich daraus zu emanzipieren. Im Unterschied zu den "bildenden" Künstlern bleiben sie aber überall dort arm, wo sie nicht in die Dienste von Fürsten treten oder peinlich-liebedienerisch deren Lob singen. Immerhin wird die Verbilligung des Papiers und der Buchdruck im 16. Jahrhundert neue Einkommensquellen mehr oder weniger gewähren.

 

 

"Humanismus"

 

Das Wort Humanismus ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Wenn es irgendeinen Sinn machen soll, müsste es von den studia humanitatis des sogenannten Mittelalters abgeleitet werden, der Grammatik und Rhetorik, wozu in der kapitalistischen „bürgerlichen“ Stadt die Ethik, die Dichtkunst und die Geschichtsschreibung kommen. Tatsächlich ist dem aber nicht so. Das Wort entspringt vielmehr den historischen (Selbst)Verklärungsversuchen eines sogenannten "Bildungsbürgertums", welches sich in Absetzungsbewegungen von einer allgegenwärtigen Industrialisierung mit ihren Arbeitermassen, aber auch in solchen von der zunehmenden Kommerzialisierung der Untertanenverbände in etwas flüchtete, welches seine Wurzeln schon im 18. Jahrhundert hatte: In Geistesgeschichte, in Phantasien von der Triebkraft von Ideen.

 

Es gab gewiss kein Zeitalter des Humanismus, wie seit dem 19. Jahrhundert vom Katheder herunter verkündet wird. Die sogenannten Humanisten sind wohl die kleinste Minderheit in den Städten zwischen 1200 und 1600. Ihr Einfluss reicht gerade so weit, wie sie unter den Mächtigen Anklang finden, wobei das Niveau ihres Denkens dort dann von Ausnahmen abgesehen entsprechend sinkt.

 

Prägender sind ganz andere Leute wie der zum Observantenorden nach altfranziskanischem Ideal stoßende Bernadin von Siena, der als eine Art Wanderprediger durch Ober- und Mittelitalien zieht, gegen Wucher, Gewalttätigkeit und Luxus predigt und „die Würde des Menschen als Geschöpf Gottes“ vertritt. Seine Predigten ziehen naturgemäß vor allem die städtischen Massen an, aber selbst die reiche Oberschicht nutzt sein Auftreten zur Erbauung, in der Regel wohl, ohne dass es ihr Verhalten nachhaltig verändert.

 

Das „Christentum“ hatte sich in der Praxis längst mit dem Kapitalismus versöhnt, von dem Kirche und Orden profitieren, und seine Vertreter trachten nur noch danach, es zu moralisieren, vergeblich natürlich. Zivilisieren lässt sich das Kapital nur insoweit, als es dem eigenen Interesse entspricht.

 

Es gibt keinen spätmittelalterlichen Humanismus, aber ein Aufblühen einer Gelehrsamkeit, die sich dem strengen Korsett der Universitäten und sowohl der Philosophie als auch der Theologie entzieht. Dieser „Humanismus“ ist eben eine Sache weniger Individuen, die sich aus der scholastischen Welt der Universitäten lösen und ihre "Bildung" unabhängig von ihnen betreiben. Es ist Selbstbildung, noch viel seltener als die an Universitäten damals.

 

Die Anfänge dieses "Humanismus" gehen vor allem auf jene Gruppe zurück, die Schriftlichkeit (Notare) und Rechtskundigkeit (Juristen) miteinander verbinden und dann in den neuen politischen Strukturen ihrer Stadt einsetzen: Ein Musterbeispiel ist Dantes Lehrer Brunetto Latini.

Die Sprache ist das Lateinische und über dieses später auch das Griechische. Es ist die Wiedergewinnung eines klassischen Lateins der beiden Jahrhunderte vor und nach Augustus, jenes von Cicero, Vergil, Horaz, Senca. Schon vor Petrarca beginnt die Orientierung auf ein solches „klassisches“, das heißt idealisiertes Rom, welches römische Geschichtsschreiber mit ihren Heroisierungen und ihren Oberschichtidealen für bare Münze nahm. Schon daraus ist ablesbar, dass es sich um eine Angelegenheit ganz weniger handelte.

 

Die meisten dieser im 19. Jahrhundert so etikettierten Humanisten identifizieren sich mit den Interessen der städtischen Oberschicht. In der Rhetorik finden sie die Fertigkeit, die sie der Politik andienen können: In den Reden, den Korrespondenzen, der Diplomatie, im politischen Teil des Rechtswesens. Als Gelehrte brauchen sie Mäzene oder einen privilegierten Platz in der entstehenden Welt der neuen Herren,  Zudem war er politisch in dem Sinne, dass er aus dem Studium der Alten legitimatorische Rezepte für die neuen Mächtigen und ihren Staat entwickeln möchte.

 

Dabei gewinnt er zwei Eigenarten: Aus der versuchten Identifikation des neuen Zeitalters mit dem „klassischen“ Rom entspringt die Überzeugung von einem dunklen Zeitalter dazwischen, von tausend Jahren der illiteraten Barbarei. Die Idee eines „Mittelalters“ wird geboren. Und damit wird eine Zeit kirchenchristlicher Blüte übersprungen, was dann die vom Kapital langsam vorangetriebene Säkularisierung begleitet. Im Verlauf weniger Jahrhunderte wird aus der in diesen tausend Jahren vertretenen Überzeugung, dass schon vor Jesu Geburt „heidnische“ Autoren christliches Gedankengut vorweggenommen hätten, ein davon immer unabhängigeres Interesse an diesen in ihrer antiken Umgebung für sich genommen „säkularen“ Autoren – ein anachronistisches Attribut, ist das saeculum in seinem Gegensatz zum Himmelreich doch eine christliche Idee per se.

 

Im Zuge einer spezifischen Form von „Bildung“ als Aspekt von Zivilisierung entwickelt diese Gelehrsamkeit auch einen spezifischen Kulturbegriff, der bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein gängig bleiben wird: Kultur ist der zivilisierende Begleiter von Macht und Reichtum, und zudem eine oberschicht-spezifische Angelegenheit. Es wird bis ins 18. Jahrhundert dauern, dass bei der langsam sterbenden Bauernschaft und Handwerkerschaft eine „Volkskultur“ entdeckt werden wird. Dazwischen werden diejenigen, die sich selbst für Bürger halten, sich mit den Verhaltensweisen, Lebensformen und der Kunst der Mächtigen und in Wirtschaft und Politik Herrschenden identifizieren. Reste davon haben sich in den nach „unten“ gesunkenen Anreden wie Herr, Sir, Monsieur und Senor (Caballero) erhalten.

 

Was dabei auch schwindet, ist das „mittelalterliche“ Interesse an Philosophie, welches auf die Universitäten abgedrängt wird, wo die Scholastik akademisch erstarrt. Das theoretische Interesse schwindet zugunsten eines, welches nach praktischer, politischer Anwendung drängt. Dabei entwickelt sich aber als etwas Neues die Philologie, die sich auf die Rekonstruktion der in der Überlieferung verdorbenen Texte der „Klassiker“ konzentriert und dabei ein insofern kritisches Lesen entwickelt. Am bekanntesten heute ist Lorenzo Vallas kritische Lektüre der „Konstantinischen Schenkung an das Papsttum“, die er 1440 als Fälschung entlarvt. Hier kommen mustergültig „wissenschaftliches“ Arbeiten, politisches Interesse und Säkularisierungstendenz zusammen. 'Elegantiarum linguae Latinae libri sex' wird zu einem Meisterwerk historisch-kritischer Philologie. Als Juristensohn aus niederem Adel steigt er durch seine studierende Belesenheit der Klassiker auf an den Hof des Königs von Aragon, umd schließlich an den päpstlichen Hof, um als Rhetorik-Professor zu enden. Inzwischen sind humanistische Karrieren auch an der Universität möglich.

 

Die langsame Entchristianisierung der Weltsicht, die Verlagerung der Ursachen in innerweltliche Zusammenhänge, schafft zwar eine neue Geschichtsbetrachtung zumindest was die Geschichte der eigenen Stadt betrifft, wie man an der Entwicklung der Chroniken der Villani Vater und Sohn bis zur Geschichte von Florenz des Macchiavelli sehen kann. Menschliche Interessen, Absichten und Zwecke beginnen hin und wieder die Weltsicht zu bestimmen.

 

Prägender wird ihr Einfluss erst nach und nach, als sich ihre Nützlichkeit zur Legitimierung der neu etablierten Machtstrukturen erweist. Nun finden sie Mäzene und höhere politische Ämter, eine neue Aufstiegsmöglichkeit für Leute aus den unteren Kreisen des Bürgertums, deren Ansichten und Karrieren dann bis ins 16. Jahrhundert auffallend übereinstimmen.

 

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Belesenheit und geistiger Horizont verlangen Mühe und Zeit und müssen entsprechend finanziert werden. Das Geld kommt entweder aus der Familie oder aber von der Kirche wie bei Petrarca und noch früher am Ende von norditalienischen Despoten bei Dante. Dennoch sind diese Leute nicht einfach Lohnschreiber, vielmehr propagieren sie von vorneherein, was dann den Reichen und Mächtigen gefällt. Als sich Petrarca eine zeitlang in Venedig aufhält, schreibt er im Stil pompöser antik-römischer Propaganda: Die höchst erhabene Stadt der Veneter ist das eine Haus der Freiheit, des Friedens und der Gerechtigkeit, ein Hort des Guten, ein Hafen, dem alle zustreben, die gut leben wollen, während sie von Stürmen der Tyrannei und des Krieges durchgerüttelt werden, eine Stadt reich an Gold, doch reicher noch an Ruhm, mächtig durch Reichtum, mächtiger aber noch durch Tugend, auf marmornen Fundamenten gegründet, aber durch den solideren Sockel der Einheit der Bürger gefestigt, von Salzfluten umgeben, aber sicherer noch durch weise Ratschlüsse. (in diesem Deutsch in: Rösch, S.7f).

 

Das ist sicherlich widerliche und ekelhafte Ignoranz von Wirklichkeit, wobei das pompöse Wortgedröhne bei Petrarca immer auch eine Stilübung ist; aber diese Ignoranz von Wirklichkeit jenseits des kleinen Kreises der Reichen und Mächtigen ist bei den italienischen "Humanisten" Programm.

 

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Der frühe Humanismus des Mittelmeerraumes litt noch unter der geringen Verfügbarkeit antiker Texte, von Texten überhaupt, noch mit der Hand auf Pergament geschrieben und abgeschrieben. Mit Papier und Buchdruck wird das langsam besser. Der Geist, das ingenium, wandert nun zunehmend nicht mehr vom Himmel der Christen, sondern dem irdischen Paradies der "Bildung", wie das seit Goethe dann heißen wird, in die Köpfe der Gelehrten. Dabei erweitert sich der Horizont tatsächlich zunehmend. Zum Lateinischen tritt das Griechische, manchmal bei Frömmeren das Hebräische, und treten die Volkssprachen. Die Kenntnis der Erde weitet sich über Europa bis zu seinem fernen Osten, erfasst Asien besser und ansatzweise die beiden Amerikas.

 

Das Handikap der Weitsichtigkeit war schon im 13./14. Jahrhundert durch Brillen abgemildert worden, nun kommen seit Mitte des 15. Jahrhunderts die Brillen für Kurzsichtige dazu, als Lesehilfe aber weniger bedeutsam.

 

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Humanismus im engeren Sinne meint die studia humanitates, wie sie schon die Frührenaissance-Italiener verstehen, also der säkularen (auch nichtchristlichen) Literatur zunächst der lateinischen, dann auch der griechischen Antike, philologische Intellektualität also. Im weiteren Sinne ist er aber eine allgemeine Erweiterung und Vertiefung jener ernsthaften Belesenheit, die sich eben nicht nur an dem Studium und der so empfundenen Fortführung antiken Literatentums abarbeitet, sondern sich überhaupt den irdischen Dingen zuwendet, der "Natur" ebenso wie den wirtschaftlichen Mitteln zur Erzeugung von materiellem Reichtum.

 

Ein Musterbeispiel ist der sächsische Georg Pawer (= Bauer, 1494-1556), der sich modisch in Agricola latinisierte. Aus der gehobenen Mittelschicht stammend, studiert er in Leipzig und wird zunächst Schulmeister. arbeitet dann nach erneuten Studien in Venedig als Lektor antiker medizinischer Texte, wird Stadtarzt und Apotheker in Joachimsthal und Chemnitz, dann Bürgermeister dort.

Neben politischen Texten schreibt er ein bahnbrechendes Werk über Mineralogie und das erst nach seinem Tode veröffentliche 'De re metallica libri XII', das Handbuch des Berg- und Hüttenwesens für die nächsten Jahrhunderte.

 

So wie Agricola mit den Herzögen von Sachsen verbandelt war, war insbesondere die technische Intelligentsia Fürstendiener und Diener des großen Kapitals, besonders wenn sie sich mit Bergbau, Metallurgie und einer Art Proto-Chemie beschäftigte. Es ist kein Zufall, dass der Staffelsteiner und Mathematiker Adam Riese in die Bergbaustadt St.Annaberg zieht und dort als Schreiber in die Dienste des Landesherrn tritt, nicht zuletzt, um seine Rechenkünste darauf zu verwenden, dass sein Herr nicht zu wenig Abgaben einheimst. Als Rechenmeister schreibt er daneben die bedeutendsten deutschsprachigen Algebra-Lehrbücher seiner Zeit. Auch mit ihnen setzen sich endgültig die für Rechenoperationen viel leichter handhabbaren indisch-arabischen Ziffern gegen die lateinischen durch.

 

Technisch ist mit solchen Leuten ein Niveau erreicht, welches erst durch die Industrialisierung des 18./19. Jahrhunderts überschritten wird. Es übersetzt sich in Maschinen, deren wichtigste die Mühlen bleiben, in Geräte und in Instrumente. Insbesondere die Feinmechanik von Instrumenten-Herstellung (Kompass, Uhr, Brille etc.) führt zu jener Präzision, wie sie sich in der Rechen- und Zeichenkunst niederschlägt und die zugleich ihre Voraussetzung ist.

Technische Probleme sind oft auch Ausgangspunkt für die Fortschritte in der Astronomie und Physik.

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Kapital, Investitution und Konsum sind die eine Seite der Entwicklung, die andere ist die der technischen Innovation und Verfeinerung. Die davon abgehobene Gelehrsamkeit hat sich zwar, ohne das laut zu thematisieren, in der Praxis sehr stark aus den religiösen Fesseln befreit, bleibt aber intellektuell im wesentlichen in den Fesseln der säkularen Machtverhältnisse. Auseinandergesetzt wird sich mit persönlichen Verhaltensweisen und es wird zunehmend säkular moralisiert, noch im alten Sinne des Wortes, nicht im heutigen politischer Korrektheit.

 

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Nichts macht den Eindruck von etwas, was mit dem heutigen sinnentleerten Modewort "Revolution" zu bezeichnen wäre. Wenn man im 15./16. Jahrhundert ein "dunkles Mittelalter" erfindet, so ist dieses in Zeiten der Hexenverbrennungen und des zunehmend die Zügel anziehenden Obrigkeitsstaates und der Religionskriege zumindest von heute aus gesehen eher ein Kuriosum. Nichts dieser "frühen Neuzeit" ist nicht schon im 11./12. Jahrhundert angelegt und kaum mehr als eine kontinuiertliche Fortsetzung. Die meisten Europäer sind weiter in der Landwirtschaft tätig, in den Städten sind sie vorwiegend weiterhin Handwerker. Das Mittelalter geht weiter, bis der große Industrialisierungsschub des 18./19. Jahrhunderts neue Machtstrukturen politischer Art hervorbringt, produktives Handwerk und bäuerliche Landwirtschaft untergehen und ein gigantischer Proletarisierungsschub einsetzt, der erst bis heute zum Beispiel in Mitteleuropa oder England abgeschlossen worden ist.

 

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Gelehrsamkeit: Die späten "Humanisten" (in Arbeit)