GEWERBE 3: MITTELMEERRAUM 13.JH.-1350

 

Handelsraum

Lebensmittel

Geld und Währung

Firma und Geschäftsleben (Textilfirmen / Konkurrenz)

Finanzkapital

Transport, Verkehr und Mobilität

Artes und Handwerk in Florenz

Produktion (Textilien / Bergbau und Metalle / Haushaltswaren  /Glas)

Warenästhetik (Ästhetik u.Religion /Magie / Kunst / Macht und Status)

 

 

Handelsraum

 

In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts verbinden sich nördlicher und südlicher Handelssraum über die Messen der Champagne, Ende des 13. Jahrhunderts verschiebt sich dieses Bindeglied nach Norden, nämlich nach Flandern. Hier sind vor allem Venezianer, Mailänder, Genuesen und Kapital aus Lucca vertreten, langsam kommen mehr Firmen aus Florenz dazu.

Nach 1250, als Louis IX, den Hafen von Aigues Mortes ausbaut, schicken genuesische und toskanische Händler ihre Waren über das Rhonetal, die Loire und die Seine in den Nordwesten.

 

Während der Handel im Norden seine erste Blütezeit erlebt, findet in Italien bereits eine zweite statt. Zwischen 1270 und 1300 werden der Kompass und die Seekarten verbessert und die Schiffe werden größer, was die Transportkosten senkt, das Risiko allerdings vergrößert. Mit dem größeren Waren-Volumen geht man dann dazu über, den Transportpreis nicht mehr so sehr nach Gewicht oder Platzbedarf der Waren zu berechnen, sondern nach ihrem Marktwert (Gilomen, S.93 für 1299/1309 als frühe Beispiele).

 

Der durch die Kreuzzüge eher geförderte Orienthandel nimmt mit dem Scheitern der ursprünglichen Kreuzzugsidee beim Überfall auf Konstantinopel noch weiter zu. Immer neue Produkte versorgen Luxusbedürfnisse der Oberschichten, wie Reis, Orangen, Datteln, Feigen, Rosinen oder aber auch Parfum und Medikamente. Dazu kommen aber zunehmend Rohstoffe für die stärker kapitalisierten Zweige europäischer Produktion, wie Farbstoffe und Alaun, wie Rohseide und Baumwolle (cotone), und Luxusstoffe wie Damast, Musselin oder Gaze, jeweils nach den Hauptherkunftsorten benannt. Dafür erhält die islamische Welt unter anderem Holz, Waffen und manchmal auch Sklaven.

 

Bis in die große Krise des 14. Jahrhunderts erschließt sich ein weiterer riesiger Handelsraum durch die Eroberungen und das Mongolenreich Dschengis Khans, den der Venezianer Marco Polo besucht. Schon sein Vater Niccolò und Onkel Maffeo ließen sich in Konstantinopel nieder und griffen von dort nach Soldaia auf der Krim aus.

Über die Seidenstraße gelangen mit großen Karawanen "Seide, Pfeffer, Ingwer und andere Gewürze, Edelsteine, Lederwaren und Teppiche" nach Europa, während umgekehrt "Silber, Woll- und Leinentuche sowie Pferde" in den fernen Osten gelangen. Von Südchina wird eine Seeroute über den indischen Ozean bis in den persischen Golf und nach Afrika entwickelt (Gilomen, S.86).

 

1291 fällt Akkon, der Papst bannt den Handel mit islamischen Partnern. Der Verlust von Palästina/Libanon wird durch Lajazzo in Kleinarmenien kaum mehr ausgeglichen, aber es wird zum Streitfall zwischen Venedig und Genua. Dieses hatte schon 1261 Pera (Galata) gegenüber der venezianischen Seite von Byzanz gewonnen und profiliert sich besonders im Sklavenhandel.

1284 besiegen die Genuesen bei Meloria Pisa und kontrollieren seitdem fast alleine den Handel im westlichen Mittelmeer. 1298 kommt ein Seesieg über Venedig bei Curzola hinzu, der aber die Machtverteilung nicht mehr dauerhaft ändert.

Wie hochgespannt die genuesischen Ziele sind, zeigen die Kaufleute und Seefahrer Ugolino und Vadino Vivaldi 1291 bei dem gescheiterten Versuch, aus der See-Enge von Gibraltar hinauszufahren und entlang der afrikanischen Küste den Seeweg nach Indien zu finden. Einen genauso gescheiterten Versuch wird 1346 der Mallorquiner Jaime Ferrer unternehmen.

 

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Die Teilung nord- und mittelitalienischer Fernhandels-Unternehmungen in Geschäftszentrale, Transport und Niederlassung in der Ferne führt, verbunden mit der Tatsache, dass ihre Heimatstädte wesentlich eine gemeinschaftliche Organisationsform des Kapitals sind, dazu, dass diese Städte gemeinsame Handelsstützpunkte in "Übersee" einrichteten, wie die genuesische Handelsstation bei Pera nahe Konstantinopel, eine Stadt für sich ähnlich wie die venezianische Ansiedlung.

Anderswo, wie in Akkon (Acre) sind venezianische, pisanische und genuesische Niederlassungen so nahe beieinander, dass sie zusammen eine italienische Kolonialstadt bilden. Sehr groß sind die italienischen Niederlassungen in Alexandria mit ihrer Dependance in Damiette. Ihre inneren Verhältnisse kontrollieren Konsuln, die wiederum über Vizekonsuln in der Region wachen.

Große Niederlassungen haben neben Wohnhäusern und Warenlagern auch eigene Kapellen und manchmal sogar ein eigenes Badehaus.

Solche Niederlassungen gibt es auch, und ebenfalls für katalanische Händler,  entlang der ganzen nordafrikanischen Küste. In Tunis "hatten die Genuesen im späten 12. Jh. ihre eigene Kirche. Im Jahr 1261 sprachen die Konsuln der katalanischen Niederlassung nicht nur Recht über ihre Einwohner und stellten eine Notarkanzlei zur Registrierung von Verträgen bereit, sondern besaßen innerhalb des Quartiers eine Bäckerei zur Verpachtung sowie eine Schänke und einige Läden. Der König von Aragon bestellte ihren festen Kaplan. Seit 1351 hatten die Kaufleute aus Pisa eine Bäckerei, ihren eigenen Friedhof sowie eine Kirche. Zur selben Zeit waren die Florentiner so zahlreich, dass sie ihren eigenen Zollbeamten unterhielten." (Spufford, S.17)

 

Diese gemeinsamen Handelsstützpunkte norditalienischer Städte und dann auch solcher der langue d'oc  werden seit dem Ende des 13. Jahrhunderts durch Filialen einzelner großer Firmen ergänzt, die sich in Umschlagsplätzen wie London oder Brügge niederlassen und im Laufe der Zeit dann durchs ganze Jahr betrieben werden. Denn Kontakt zur Firmenzentrale halten professionelle Boten aufrecht.

 

Den Horizont der vor allem von italienischen Fernhändlern forcierten Globalisierung des Handels über drei Kontinente gibt für die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts das erhaltene Notizbuch des Francesco Pegolotti wieder, der vor allem im Auftrag der Bardi in deren Niederlassungen, insbesondere auch in London, tätig ist. "Seine Anmerkungen von Orten reichen von der erstklassigen Schafszucht der Klöster Englands bis zu den Gewürzmärkten Ägypens und Persiens, von den Häfen der marokkanischen Küste bis zu denjenigen auf der Krim, sogar bis hin zu praktischen Details bezüglich der Seidenstraße aus Cathay." (Spufford, S.48)

Dabei gibt er die Produkte mit ihrer Qualität an, wie sie wo zu finden sind. In den Augen großer italienischer Geschäftsleute ist die bekannte Welt ein einziger großer Markt, der aus Einkauf und Verkauf besteht, aus Geldeinsatz und Gewinn. Dabei entfaltet sich Kapitalismus aber nur im lateinischen Abendland mit seinen besonderen Strukturen, während außerhalb mit den Handelsstationen Enklaven entstehen, die zum Teil sogar mit Mauern von ihrem Umland abgeschottet sind.

 

Eine besondere Rolle im christlichen Spanien nimmt Barcelona ein, wo der Werftenbau und die Privilegierung einer Handelsflotte Seehandel durch das ganze Mittelmeer fördern. Ende des 13. Jahrhunderts ist Barcelona drittwichtigste Handelsstadt im Mittelmeerraum nach Venedig und Genua.

Etwa zwei Drittel des Handels der Stadt werden mit nordafrikanischen Städten betrieben, von denen zum Beispiel Wachs, Pfeffer und Alaun kommen. Später als in italienischen Städten wie Mailand liefern spanische Städte Tuche und Waffen, immerhin blüht auch in Barcelona im Spätmittelalter Tuchproduktion auf.

Von Tortosa und Peniscola wird spanische Wolle in die Nordhälfte Italiens verhandelt und nordafrikanische Wolle wiederum gelangt nach Spanien.

Bis Mitte des 14. Jahrhunderts wehren sich katalanische Kaufleute massiv und erfolgreich gegen italienische Konkurrenz in ihren Städten. Immer wieder kommt es zu königlicher Gesetzgebung gegen diese Konkurrenz.

 

Lebensmittel

 

Im 14. Jahrhundert kann Florenz nicht einmal mehr die Hälfte seines Bedarfes an Weizen aus der nördlichen Toskana decken. Da es auch im Kapitalinteresse liegt, dass die Bevölkerung sich ernähren kann, wird wie in anderen Städten auch, eine Einrichtung geschaffen, die Abbondanza, die die Getreideversorgung über das Meer organisiert, insbesondere aus Sizilien, Nordafrika, dem Schwarzmeerraum und Griechenland, wobei es von dort auch über Genua nach Florenz gelangt. Genua wiederum muss schon sehr lange Getreide importieren, da es durch die Zeit kaum über Hinterland verfügt. Selbst Pisa soll jährlich trotz größerer Getreideanbauflächen bis zu 15 Schiffsladungen zusätzlich brauchen.

 

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts beginnt das mit dem Orient vertraute Venedig, aus Hartweizen Nudeln herzustellen. Diese beginnen in Italien seit dem 13. Jahrhundert ganz langsam, den Getreidebrei als Grundnahrungsmittel zu verdrängen. Der Rohstoff muss aber durchs Mittelalter hindurch aus Nordafrika bezogen werden.

Als zweiten Getreideersatz kannte die islamische Welt von China her den Reis, dessen Anbau über das Niltal bis nach Südspanien vordringt. Er wird in geringen Mengen im späten Mittelalter bis in den Norden gehandelt, wird aber europäisches Massengut erst auf dem Weg in die Neuzeit, als er in der Poebene angebaut wird.

 

Geld und Währung

 

Das rasante Aufblühen des Kapitalismus lässt sich an nichts mehr erkennen als an Geldbedarf und Geldmenge. Kleinstes Edelmetall-basiertes Geldstück durch das frühere Mittelalter ist der Silber-Denar. Im 12. Jahrhundert wird mit dem grosso eine Silbermünze mit dem zwölffachen Wert des Denars eingeführt, wobei sich in Frankreich der gros tournois durchsetzt. Der erhebliche Zufluss von Silber, durch heimischen Handel hervorgerufen, führt dazu, dass Florenz schließlich mehr als die Hälfte des Edelmetalls für die Grosso-Produktion der Pisaner Münze liefert. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts produzieren dann die Florentiner ihren eigenen Groschen, der sich in der Toskana zunehmend durchsetzt.

 

Mit den Augustalen lässt Kaiser Friedrich II. als erster kleinere Goldmünzen prägen. Nach dem Scheitern des Kaisertums beginnen jene großen guelfischen Städte, in denen die Handelsbilanz Gold ansammeln lässt, Goldmünzen zu prägen, die zu Beginn zwanzigmal wertvoller als Grossi sind. Ursprung des Goldes ist der Orient, das über die Sahara nach Europa gelangende Edelmetall und neu entdecktes im europäischen Osten.

 

Als erstes prägen 1252 die Florentiner ihre fiorini und die Genoveser ihre genovini, die bald als Genueser Dukaten bekannt werden. 1285 folgt Venedig mit seinen Dukaten. Die Wirtschaftsmacht von Florenz zeigt sich bald daran, dass die anderen ihre Goldmünzen in Format, Gewicht und Reinheit des Edelmetalls an den Fiorinen orientieren.

Während die venezianischen Dukaten sich in den folgenden hundert Jahren im östlichen Mittelmeer durchsetzen, dominiert der Fiorino in dessen Westteil und bis in die deutschen Lande und Frankreich hinein als Rechnungseinheit und bare Münze. In Frankreich wird der fiorin zum Synonym für Goldmünzen überhaupt und königliche Versuche, ihn zu verbieten scheitern.

Mitte des 14. Jahrhunderts arbeiten florentinische Münzer in vielen europäischen Münzen, und selbst in Lübeck werden von ihnen "Florinen" geprägt. Indem Florenz das Gewicht von ca.3,5 Gramm und die Reinheit von nahezu 24 Karat garantiert, kann sich diese Währung aufgrund des in sie gesetzten Vertrauens überall durchsetzen (Goldthwaite, S.51/52).

 

Zwischen 1344 und 1351 bringt die Münze von Florenz sogar für kurze Zeit über 100 000 Goldflorinen im Halbjahr auf den Markt. Eine Quelle zu 1347 besagt, dass die Münze in diesem Jahr 1432 Florinen als Löhne an Angestellte und Arbeiter zahlt, sie ist möglicherweise damit die größte Werkstatt in der Stadt (Goldthwaite, S.52).

In der Stadt selbst werden, wie allerdings erst für das 15. Jahrhundert ausführlicher belegt, teilweise Wochenlöhne selbst an Bauarbeiter in Florinen ausgezahlt, und Handwerker legen ihre Ersparnisse in solchen Münzen an.

 

Firma und Geschäftsleben

 

Drei Faktoren führen zur Arbeitsteilung im Handel. Da ist zum einen eine gewisse Größe der Firma nötig, dann eine gewisse Dauerhaftigkeit ihrer Aktivitäten und schließlich eine gewisse Beständigkeit der Handelsrouten.

Einige Zeit vor Händlern nördlich der Alpen fangen solche im Mittelmeerraum an, nicht mehr mit den Waren transportierenden Karawanen und Schiffen mitzuziehen.Das betrifft schon im 12. Jahrhundert den Levantehandel von Venedig, Genua und Pisa, und hin zum 13. Jahrhundert den norditalienischer Kaufleute mit Rom, Neapel, Palermo und den Messen in der Champagne. Ende des 13. Jahrhunderts werden dabei auch die Routen nach Paris und London, nach Brügge und Barcelona so organisiert.

 

Der Kaufmann bleibt zuhause und dirigiert seine Geschäfte von Geschäftsräumen aus, der scrivekamere, wie sie später dann in deutschen Landen heißen wird. Der Warentransport wird Angestellten übertragen oder Transportfirmen, und im Falle dauerhafter Geschäftsbeziehungen zum Zielort dort von einem Faktor übernommen. Zum Geschäft gehört nun Schriftverkehr, den eigene Boten bewerkstelligen, die den Weg zwischen Nürnberg und Mailand samt Rückweg schon mal in vierzehn Tagen schaffen und den Wasserweg zwischen Venedig und Konstantinopel in durchschnittlich vierzig Tagen.

Solche Botendienste werden zwischen den wichtigsten Handelsstädten der Toskana und den Champagnemessen bereits spätestens Mitte des 13. Jahrhunderts entwickelt. Hundert Jahre später, nach der Pestkrise, finden sich dann siebzehn florentinische Handelshäuser zu einem gemeinsamen Botendienst zusammen, der scarsella dei mercanti fiorentini. (Spufford, S.20) Damit wird dann nicht nur eigene Geschäftstätigkeit übermittelt, sondern es werden Informationen über ferne Handelsorte und Märkte verschickt.

 

Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Fernhandel in kleinen Mengen und sporadisch betrieben immer noch das Mitreisen des Kaufmanns erfordert, so wie es auch bei Handel im näheren Bereich bis tief ins 14. Jahrhundert meist üblich bleibt. Dazu kommt vor allem der Fernhandel mit besonders wertvollen Waren, wie Pegolotti in seinem 'Libro di divisamenti di paesi e di misuri di mercatanzie e daltre cose bisognevoli di sapere a mercatanti' für die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts beschreibt. So bringen norditalienische Kaufleute persönlich ihre Leinenstoffe bis nach China und bringen Seidenstoffe zurück. Venezianische Kaufleute reisen persönlich nach Indien, um dort Edelsteine einzukaufen.

 

Der Weg von der einzelnen Unternehmung eines einzelnen Kaufmanns zum großen Unternehmen des 13. und 14. Jahrhunderts führte über die Versionen von commenda, in denen ein Kapitaleigner mit einem Anteil für eine Unternehmung als stiller Teilhaber Kapital dazu gibt. Venedig entwickelt dabei früh das Geschäft auf Kommissionsbasis, wobei der nicht in die Firma integrierte Kommissionär für die Abwicklung des Geschäftes vor Ort mit einem am Erlös gemessenen Anteil bezahlt wird.

 

Wenn dann mehrere Kapitaleigner zusammen eine Firma gründen, setzt das beständige Geschäftstätigkeit voraus, damit die ursprüngliche Einlage im corpo solide Renditen bringt. In Venedig wird ähnlich wie in Genua die Colleganza um 1300 durch die Società abgelöst: "Sie wurden mit mehreren Partnern auf drei bzw. fünf Jahre abgeschlossen, kannten Verlängerung und Vermögenshaftung, berücksichtigten auch stille Beteiligungen mit der Übernahme des Geschäftsrisikos und Deposita gegen Verzinsung." (Dirlmeier, S.41)

Von Florenz aus über Lucca, Siena und Piacenza entwickeln sich solche Sozietäten zugleich für den Landhandel. Die Florentiner Bardi werden seit dem frühen 13. Jahrhundert reich durch die Einziehung und Verwaltung der päpstlichen Zehntgelder. Als 1310 die schon länger bestehende Bardi-Unternehmung ihre Teilhaberschaft um nunmehr 21 Jahre verlängert, besteht sie bereits aus 65 Anteilen. Um das Kapital kurzfristig zu erhöhen, kann bald der Korpus des Firmenkapitals um Geld erweitert werden, welches Firmenangehörige, Angestellte oder Außenstehende dazu geben, um daraus eine feste Rendite auf Zeit zu erhalten.

Seit 1274 sind in Florenz die Peruzzi bezeugt, die es 1310 auf über 100 000 Florin Gesellschaftskapital bringen, die vor allem Familienmitglieder und Verwandte, aber auch andere einbringen. Die Liste ihrer Filialen ist lang: Brügge, London, Paris, Avignon, Genua, Pisa, Venedig, Cagliari, Neapel, Barletta, Palermo, Agrigent, auf Zypern, Rhodos, in Tunis und auf Mallorca.

 

Während der italienische Stadtadel ohnehin in die Bewegungen des Kapitals fest integriert ist, beginnt im späteren Mittelalter der Adel auch nördlich der Alpen in solche Firmen zu investieren. "Der Earl von Lincoln investierte bei den Frescobaldi, der Earl of Hereford bei den Pulci und der >jüngere< Dispenser bei den Bardi und Peruzzi." (Spufford, S.19).

 

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts sind die Strukturen solcher großer Kapitalgesellschaften im Bereich von Handel und Finanzen bereits voll entwickelt. Compagni vereinbaren schriftlich eine compagnia mit Kapitaleinlagen für ein Geschäftsunternehmen von der Dauer von drei bis fünf Jahren.

Diese Firmen tragen weiter die Namen der zentralen Gründerfamilie, bestimmen einen Leiter,  werden aber nun tatsächlich zunehmend auch von Experten geführt, die Buonacorsi-Gesellschaft um die Mitte des 14. Jahrhunderts zum Beispiel von Giovanni Villani. Das Kapital bleibt für die Dauer der Firma festgelegt und Partner sollen sich in dieser Zeit auch nicht in Konkurrenzunternehmungen betätigen. Jeder Teilhaber haftet zunächst voll für die Firma.

Die Verträge laufen nicht mehr über Notare, sind aber dennoch bindend. Verlässlichkeit des Firmenzusammenhangs stellen Verwandtschaftsverhältnisse der wichtigsten Firmenmitglieder her, manchmal ist die große consorteria das Reservoir, aus dem sie fast alle kommen. Die Firma der Peruzzi überdauert fünf Generationen. Als sie 1335 erneuert wird, stammen die zwölf Partner aus der Familie aus der dritten bis fünften Generation und stammen allesamt von zwei Söhnen eines gemeinsamen Vorfahren ab (Goldthwaite, S.69).

 

Religiös verbrämte "Sozialverträglichkeit" stellen die Firmen entweder dadurch her, dass sie in den Verträgen festlegen, vom Gewinn etwa ein Prozent an die poveri de Dio abzugeben, also für karitative Zwecke, oder das auch so vor der Verteilung des Gewinns tun.

 

In solche Firmen können aber weiterhin Außenstehende Kapital einzahlen, um dann am Gewinn teilzuhaben. Anteile solcher Großfirmen können bereits auf dem Markt ver- und gekauft werden. Zu den Besonderheiten dieser Firmen gehört auch, dass sie nur geringe Investitionen in fixes Kapital haben.

Ein weiterer Wesenszug solcher Firmenbildungen ist, dass sie oft nicht festlegen, in welche Geschäfte sie gehen, was ihnen offenhält, auf aktuelle Marktsituationen einzugehen. Kapital kennt so keine Inhalte, sondern nur Gewinnerwartungen.

 

Schreiben, Lesen und Rechnen gehören nun zum kaufmännischen Können wie Lateinkenntnisse und möglichst auch solche in Fremdsprachen, nicht zuletzt im Italienischen. Wo keine entsprechenden Schulen vorhanden sind, was in deutschen Landen oft der Fall ist, geht man zu einem verwandten oder fremden Kaufmann in die Lehre.

Lesen, Schreiben und Rechnen sind nun Voraussetzungen für Handel und Betriebsführung. Langsam beginnt das erleichterte Rechnen mit arabischen Zahlen die lateinischen abzulösen. Spezialisierte Rechenmeister tauchen auf, wer es sich leisten kann, stellt für seine Kinder weiter Privatlehrer ein. Darüber hinaus beginnen größere Städte, Lehrer für die Kinder ihrer Gemeinde einzustellen wie Lucca Mitte des 15. Jahrhunderts.

 

Kapitalismus löst die lateinische Schulbildung der sehr kleinen Eliten durch breitere Lese-, Schreib- und Rechenkünste ab, die in der Nordhälfte Italiens vom Handel auf Kreise des Handwerks übergehen. Schließlich kennen in ersten großen Städten im 14/15. Jahrhundert bereits rund ein Drittel der Bevölkerung die Elementaria. 

 

Die hochkapitalisierten Firmen bedürfen unter anderem zunehmender Schriftlichkeit, um Soll und Haben und die Anteile der einzelnen Firmenteilhaber festzuhalten. Von 1211 ist aus Florenz das erste Fragment einer solchen Buchführung erhalten. Um 1300 wird in Italien die doppelte Buchführung (partita doppia) ausgebildet, bei der jede Transaktion zweimal, nämlich bei Soll und Haben eingetragen wird. Welches Ausmaß solche Schriftlichkeit annehmen kann, wird in dem erhaltenen Archiv des Francesco di Marco Datini aus Prato deutlich.

 

****Textilfirmen****

 

In Florenz kontrollieren die Artes der Textilproduktion weniger die Firmen als dass diese sie für ihre Zwecke nutzen. Mustergültig dafür ist die Weise, wie das Kapital es schafft, die Arbeit an der Bildung von Vereinigungen zu hindern. Daneben sammelt sich in ihnen Kapital für Investitionen, die die Kraft der einzelnen Firmen oft übersteigt. Dazu gehören dann aber erst im 15. Jahrhundert Walkmühlen, große Schuppen für die Aufstellung von Spannrahmen und ein Lagerhaus für Färbemittel. Schließlich produziert die Lana auch Seife und sorgt sich um die Zufuhr von Alaun. Als Aufsichtsbehörde führt sie Qualitätskontrollen durch und legt Löhne fest.

Die Handwerker im Verlagssystem dürfen unter der Aufsicht der Lana religiös begründete Bruderschaften haben, nur die Färber besitzen eine unabhängige. Sie alleine können die kurze Zeit unter Walter de Brienne (1342-43) eine eigene Arte bilden. Die Ciompi setzen ihre Arte für kurze Zeit durch, aber nicht aus quasi gewerkschaftlichem Interesse, sondern vor allem, um der von einem Ortsfremden durchgeführten Lana-Gerichtsbarkeit über sie zu entkommen, die schon für kleine Vergehen extrem harte Strafen verfügt.

 

Organisiert in compagnie von zwei oder mehr Partnern für den vertraglichen Zeitraum von jeweils drei bis fünf Jahren, bestehen sie aus einem hauptsächlichen Kapitalgeber, dessen Familienname auch der Firma den Namen gibt und der die Buchführung macht, und einem Partner, der nur manchmal etwas Kapital eingibt, dafür aber die Produktion beaufsichtigt.

 

Das Verlagssystem ergibt sich nicht nur aus dem Kapitaleinsatz für Rohstoff und Verkauf des Fertigprodukts, sondern auch aus der stoßweisen Arbeit in allen Einzelschritten außer vielleicht dem Weben manchmal. Also werden alle von den Kardierern bis zu den Färben immer dann aquiriert, wenn sie gerade gebraucht werden. Für sie kann das heißen, dass es immer wieder kurze Arbeitspausen gibt.

 

Das benötigte fixe Kapital für die Firma ist gering. Die Räumlichkeiten werden für die Zeit jeweils angemietet und die meisten Produktionsmittel stellen die ins Verlagssystem integrierten Handwerker. Diese arbeiten manchmal zu Hause, oft aber in eigenen oder angemieten Räumen und Flächen.

Bevor die Arte della Lana die teuren Investitionen besorgt, sind es einzelne Unternehmer, die Walkmühlen und große Spannschuppen errichten. Mitte des 15. Jahrhunderts errichtet Neri Pitti mit Kapital im Wollgewerbe für 3500 Florin einen solchen Schuppen. Walkmühlen liegen wegen Lärm und Gestank außerhalb der Stadt und verlangen viel Kapital zu ihrer Errichtung. 1322 kaufen die Söhne von Lando degli Albizzi vier Mühlen flussaufwärts von Florenz bei ihrem ererbten Land auf und bauen eine fünfte, die samt der Wohnung für den Walkmüller, Ställen und Ummauerung 5000 Florin kostet. Dieser von einem Aufseher verwaltete Industriekomplex wird in Anteile aufgeteilt, und die Partnerschaft der Nachkommen dauert bis 1429, um danach in viel mehr Anteile aufgeteilt zu werden. (Goldthwaite, S.302)

 

Flüssiges Kapital wird am Anfang gebraucht, für die Rohwolle, die 40% der gesamten Produktionskosten verschlingt, oder die Rohseide, bei der es 50-65% sind. Danach alle paar Tage für Lohnkosten, außerdem für Seife und Farben und das Anmieten von Räumlichkeiten. Während aller Produktionsetappen gehört das Material der Firma, die dafür problemlos Kredit bekommt in Form von geliehenem Geld oder Konto-Überziehung.

Um das Risiko gering zu halten, bleiben die Firmen bis ins 15. Jahrhundert klein, oft mit einem Kapital von unter 2000 Florins, kaum eine mit mehr als 4000. Die einzelne Firma erbringt so nie mehr als 1-2% der Gesamtproduktion. Will jemand mehr Kapital investieren, eröffnet er eher eine weitere Firma. Aber selbst die Medici haben im 15. Jahrhundert nie mehr als eine Seidenfirma und zwei Wollfirmen, die auch nicht mehr als ein Fünftel der gesamten Investitionen ausmachen. (Goldthwaite, S.304)

 

Da Wollfirmen kaum jemals faillieren, handelt es sich für das große Kapital um eine sichere Anlage, allerdings ist die Gewinnspanne auch eher niedrig. Der relativ niedrige Anteil an fixem und flüssigem Kapital macht es umso mehr Leuten möglich, eine solche Firma zu eröffnen. Insbesondere Seidenfirmen dienen so zum Aufstieg von neuen Leuten in größere Sphären des Kapitals.

 

Von einigen wenigen Firmen ist im 14. Jahrhundert überliefert, dass sie ganze "industrielle" Komplexe aufbauen. Einer der Brüder des Walkmühlenkomplexes der Albizzi bildet 1347 mit vier Söhnen eine compagnia mit einem Kapital von knapp 7000 Florin, die zwei Wollfirmen und ein Warenhaus für Fertigprodukte betreibt. Zwei der Söhne waren mit sieben Cousins Partner in einer Färberei und betreiben eine Anzahl von Spannhallen in der Nähe der Familienresidenz hinter der Kathedrale. Nachdem Vater und drei Söhne in der Pest von 1348 gestorben sind, fasst der überlebende Sohn die beiden Wollfirmen zu einer compagnia mit einem Kapital von rund 13 000 Florin zusammen. Sie profitiert nun von der besseren englischen Wolle. (Goldthwaite, S.308f)

Ein anderes Beispiel sind die Alberti, mächtige Calimala-Händler in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Sie besitzen ein Warenhaus für importierte Tuche, zudem acht Spannhallen und ein Färberhaus. Aber beide Beispiele sind eher atypisch.

 

Seidenfirmen haben einen etwas anderen Charakter, da ihre Produkte auf eine kleine Oberschicht zugeschnitten sind, die sich leisten kann, mehr als das Doppelte für einen kostbaren Seidenstoff als für ein ebensolches Wolltuchtuch auszugeben. Entsprechend sind die Stofflängen oft auch geringer und weniger standardisiert und oft auf bestimmte Kunden orientiert.

 

Mit ihrer Kundenorientierung verbunden ist die Verbindung von Produktion und Handel oft in einer Firma. Oft hat eine solche größere Firma wie die Banchi um 1400 Agenten in den wichtigsten europäischen Abnehmerstädten. Zudem sind gelegentlich setaioli- und battilori-Firmen in einer Hand.

 

Dieses extrem differenzierte Verlagssystem ist eine Besonderheit von Florenz. Ähnlich wie zum Beispiel in den Niederlanden können anderswo wie in Mailand oder Valencia Weber Unternehmerstatus erringen und in die Oberschicht aufsteigen. Mailänder Seidenwebern gelingt es sogar manchmal, den gesamten Produktionsprozess bis zu einem Ladengeschäft für das Fertigprodukt unter ihre Kontrolle zu bekommen.

 

****Konkurrenz****

 

Alle Lebewesen konkurrieren, Pflanzen um die günstigsten Plätze zum Einwurzeln, Tiere um Lebensraum und Nahrung. Konkurrenz schafft Evolution. Die Menschen sind nicht anders. Eigentliche Solidarität gibt es in wirklichen und ideellen Verwandtschaftsbeziehungen. Auf einem Markt als Ort wie als Tauschsystem samt Geld und Handel findet ein steter Konkurrenzkampf statt, und zwar um Rohstoffe, Produktionsstandorte und die Kaufkraft der Kunden, ihr Geld. Gibt es davon viel, gilt über das Mittelalter hinaus der Satz: Wer aus Armut in Reichtum aufsteigt, kann am Ende wieder in Armut landen, aber die meisten, die arm sind, bleiben auch arm, denn die (relative) Armut der vielen ist der Reichtum der wenigen.

 

Die Besonderheit des immer weiter aufblühenden Kapitalismus des späteren Mittelalters ist, dass die Konkurrenz immer heftiger wird und die Menschen immer mehr prägt. Kapital wird entweder durch Investition mehr oder dort, wo diese fehlt, weniger und schwindet so. Kapitalismus heißt, dass der Vermehrungsdrang des Kapitals zu Verdrängungswettbewerb führt, die einen konzentrieren immer mehr Kapital in ihrer Hand und die anderen verlieren ihres. Expansion führt daneben auch zur geographischen Ausweitung des Handels von großem Kapital, um die Ressourcen und die Arbeitskraft von immer mehr Menschen auf der Welt zu nutzen. Im Mittelalter ist bei dieser Expansion über drei Kontinente, Europa, Afrika und Asien italienisches Kapital ganz vorne, bevor es vor allem von Spaniern, Niederländern und Engländern verdrängt wird. Italienische Firmen in der Ferne sind manchmal unter Bedingungen der Bedrohung von außen kurzzeitig solidarisch, ansonsten intensivieren sie eher ihren Verdrängungswettbewerb dort. Schon bevor sie selbst das Stadtregiment zu Hause übernehmen, vertreten ihre Städte politisch und militärisch im wesentlichen ihre Interessen. In Nord- und Mittelitalien ist so der fast alltägliche Krieg die unmittelbar flankierende militärische Seite des wirtschaftlichen Konkurrenzkampfes.

 

Je mehr gewerbliche Produktion und Messen es gibt, je enger das Netz des europäischen Handels gestrickt wird, desto härter wird die Konkurrenz. Sie ist wesentlich ein Krieg mit den Waffen des Marktes, wird aber zunehmend auch begleitet mit kriegerischen Waffen als Kampf um Märkte, um Rohstoffe und Gewerbestandorte. Machthaber kämpfen dabei um Steigerung ihrer Einkünfte, die wiederum nicht nur mehr Prachtentfaltung als Protz in der Konkurrenz miteinander bedeuten, sondern mehr militärischen Erfolg.

 

Die Gier steigt mit dem Warenkonsum, und dieser steigt mit kurzen kleinen Rückständen bis heute immer weiter. Eine sich immer aristokratischer gerierende "bürgerliche" Oberschicht kontrolliert mit ihren ökonomischen Waffen und der politischen Macht, die sie selbst gewinnen und mit der sie sich in Gestalt ihrer übergeordneten Herrscher verbinden, die Produzenten, die zunehmend von ihnen abhängig und zu meist willigen Untertanen werden, etwas, was schon in allen Zivilisationsschritten vorher eingeübt worden war. Kapitalmacht im Bündnis mit politisch-militärischer Macht führt, von kurzen Friedenszeiten unterbrochen, fast unentwegt Krieg, permanent mit wirtschaftlichen und intermittent mit militärischen Mitteln. 

 

Das immer engere Bündnis von Kapitalverwertung und vor- und frühstaatlichen Machtgebilden führt im späteren Mittelalter in jene Entwicklung, die sich dann in Nationalstaaten herauskristallisieren wird. Ein ganz frühes Beispiel als Erbe des süditalienischen Normannenreiches ist das Reich beider Sizilien unter dem Staufer Friedrich II. Es wird nicht zufällig von einem Bruder des französischen Königs beerbt. Während der Weg in eine deutsche Nationenbildung nach 1250 scheitert, ist Frankreich seit dem 10. Jahrhundert durch seine Ressentimentbildung gegenüber dem (deutschen) Kaisertum, durch seine Entstehung durch friedliche und kriegerische Annektion aus kleinsten Anfängen und seine jahrhundertelange Auseinandersetzung mit der englischen Krone zur Formierung eines Nationalstaates und der Entwicklung von Nationalismus prädestiniert. Auf diesem Wege wird Frankreich die vorherrschende Macht in Europa, und so wie der Knecht vor dem Herrn duckt und das dadurch zu kompensieren versucht, dass er sich mit ihm identifiziert, solange keine Rebellion in Aussicht steht, so übernehmen große Teile Europas die dort kreierten Moden und Modalitäten und das manchmal bis ins neunzehnte Jahrhundert, so wie das zwanzigste dann von den USA dominiert werden wird. Man denke nur an das französische Erstaunen der Bildungseliten, als sich eine deutsche Romantik von französischer Vorbildhaftigkeit löst. Dasselbe betrifft die dazugehörige Sprache, Lateinisches gerät mit jedem Modernisierungsschub über das Französische ins Deutsche, welches dabei allerdings - wenn auch abnehmend - mehr Integrationskraft hat als in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, als es alle Lebendigkeit an das Newspeak des Denglischen abgibt, inzwischen noch durchsetzt durch das wahnhafte Newspeak der politischen Korrektheit. 

 

Zurück zum späten Mittelalter. Nicht Kapital als solches, aber Kapitalismus tendiert unentwegt zur Kombination von Konzentration und Konkurrenz, analog zum Nationalismus, wie er im späten Mittelalter vielförmig virulent wird. Die Konkurrenz auf der Ebene der Produktion wird beim Verhandeln von Tuchen aller Arten deutlich.

 

In England führt die Rückhaltung von Wolle besserer Qualität und der Aufschwung einer eigenen Tuchproduktion im Zuge der englischen Nationbildung zur Schwächung von Tuchproduktionsgegenden auf dem Kontinent. Die englische Produktion verdreifacht sich in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts und die Arbeiterschaft darin verdoppelt sich. Vier Fünftel der Produktion werden um 1400 dann exportiert.

Flandern und das Artois gehören zu den frühesten europäischen Tuchlandschaften. Seit italienische Händler in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts an immer billigeres Geld gelangen, und zwar zu Zinsen unter zehn Prozent, können sie flämische Händler aus ihrem englischen Markt und von den Champagnemessen verdrängen, weil diese immer noch zu sechzehn Prozent Kapital aufnehmen müssen. Mit diesem billigeren Kapital können sie dann auch englische Wolle schon im voraus bezahlen, was ihnen einen weiteren Vorteil verschafft.

 

Mit dem Entzug englischer Wolle insbesondere seit 1295 beginnt die Krise der Region, die durch spanische und norddeutsche Wolle nicht mehr aufgefangen werden kann. Dabei waren in Brügge, Gent und Ypern beispielsweise  gut die Hälfte der Bevölkerung in Tuchproduktion eingespannt, was das Ausmaß der Krise dort verdeutlicht. Nach 1320 gelingt es Brabant (Mecheln, Büssel und Löwen), die benachbarten Regionen an Qualität und Menge zu überflügeln.

 

Die Ausbreitung der Seidenproduktion aus Italien in den Norden im 13. Jahrhundert wird zunächst durch steigende Nachfrage der aus ihr erwachsenden luxuriösen Modetuche abgefangen: Brachiale Konkurrenz entsteht erst durch allgemeine Marktverdichtung für diese Waren. Aber selbst Seide ist im Mittelmeerraum des hohen Mittelalters bereits Thema für Kriege.

 

Neue Tuchlandschaften entstehen, wie in Süddeutschland nördlich der Alpen mit Leinen und Barchent und schädigen beim Barchent die norditalienische Konkurrenz, die vorher damit Geschäfte gemacht hatte. Überhaupt ist die Imitation von Produkten und Produktionsprozessen ein wesentliches Element in diesem Kampf. Es gibt kein Patentwesen. Seidenproduktion aus China wird von dem islamischen Orient imitiert, gelangt von den Muslimen in Spanien und Sizilien nach Norden, soweit die Raupen auf Maulbeerbäumen gedeihen, taucht dann über Rohstoffimporte in Lucca und schließlich in Köln auf. Besonders feine Keramik des islamischen Raumes taucht in Mallorca als Majolika und als fayence in Faenza auf, bevor sich immer mehr Herstellungsorte nachweisen lassen. Konkurrenz belebt das Geschäft, sagt man viel später, aber es gibt dabei Sieger und Verlierer beim Kapital und der ihm untergeordneten Arbeit.

 

Stadtherren, Fürsten und Könige versuchen ihren wichtigeren Städten Vorteile im Konkurrenzkampf zu sichern. Neben vielen anderen Privilegien wie beispielsweise Zollbefreiungen gehört dazu an vorderster Stelle das Stapelrecht. Wo eine Stadt wie beispielsweise Köln Stapel wird, müssen fremde Kaufleute ihre Waren anbieten, und zwar nur freien Bürgern der jeweiligen Stadt, oder wenigstens zuerst ihnen.

Der Interessenkonflikt zwischen der Stadt und den fremden Händlern führt beim Stapel von London immer wieder dazu, dass ihn englische Könige unter dem Druck der Hanse und von italienischen Händlern aufheben, und dann der massive Druck der Stadt, ihn wiederherzustellen.

Wo das wie bei Handel auf dem Seeweg möglich ist, versuchen Händler den Stapel zu umgehen, und die Hanse tut das,, indem sie bei (King's) Lynn Waren anlandet oder Italiener in Southhampton. Im vierzehnten Jahrhundert wird so der Stapel von Wiens durch böhmische und ungarische Händler auf dem Landweg umgangen.

 

Als 1285 König Philipp IV. durch Heirat der Erbin die Champagne übernimmt, beginnt der Niedergang der Champagne-Messen. Es kommt zum Krieg gegen Flandern, flämische Waren werden auf den Messen beschlagnahmt, dann werden italienische Kaufleute malträtiert und ein Export für französische Wolle und textile Halbfabrikate kommt dazu sowie schließlich der hundertjährige Krieg zwischen den Kronen Englands und Frankreichs mit seinen Zerstörungen.

Mit den Schiffsverbindungen zwischen England, Flandern und Italien endet die Bedeutung dieser Messen im 14. Jahrhundert.

 

Messestandorte konkurrieren bis heute massiv miteinander, und im späten Mittelalter mehr als je zuvor, da sie zu wichtigen Finanzplätzen werden. Die Champagnemessen werden beerbt durch kernfranzösische und deutsche Standorte. Das aus den Champagneorten abgewanderte Finanzkapital konzentriert seinen Umschlagplatz erst nach Genf und dann durch massive französische Interventionen nach Lyon.

 

Konkurriert wird in Norditalien schon spätestens im 13. Jahrhundert um Facharbeiter im textilen Sektor. Italienische Städte locken spätestens seit dem frühen 13. Jahrhundert Textilarbeiter aus Florenz zu sich. Venedig versucht mit Verboten zu verhindern, das Glasproduzenten abwandern und dasselbe gilt später für einzelne Branchen des Nürnberger Handwerks.

 

Die langsam steigende Mobilität von Handwerkerkreisen wird dann bald durch solche allgemeinerer Lohnarbeit erweitert werden. Die vom Kapitalismus und seinem zunehmenden Warenverkehr geweckten Wohlstandshoffnungen kollidieren mit zunehmend wahrgenommener Instabilität allerorten. Beunruhigung nimmt zu, die sich in Texten und Bildern niederschlägt. Im direkten Orbit der Macht beginnt dagegen das Formulieren von Fortschrittsoptimismus. Die Wahrnehmung von Welt fällt immer weiter auseinander.

 

Finanzkapital

 

Mit dem enormen Anstieg des Handelsvolumens ist auch der entsprechende Anstieg der Geldmenge bis in die Krisen des 14. Jahrhunderts verbunden. "In England beispielsweise waren 1319 unter Eduard II. 800 Tonnen Silber in Umlauf, was mindestens einen 24fachen Anstieg seit Mitte des 12. Jhs. bedeutete. Dagegen befand sich am Ende der Herrschaft von Elisabeth I. nur noch das Äquivalent von 500 Tonnen Silber als Münzgeld in Umlauf, Silber und Gold zusammengerechnet." (Spufford, S.12) Dazwischen liegen vielfältige Krisen mit ihrem erheblichen Bevölkerungsrückgang und die Erschöpfung der Silberbergwerke Mitteleuropas.

 

Dort, wo sich dabei besonders viel Geld ansammelt, nimmt auch das Kreditwesen zu. Aus ihm resultiert der Aufstieg des Bankwesens, denn aus dem Verleihen von Geld gehen die größten Gewinne hervor. Mit dem Kredit wiederum wird andernorts angespartes Geld aktiviert. Zugleich aktiviert das wirtschaftliche Vorgänge durch die Vergrößerung des Umfangs des umlaufenden Geldes.

 

Im 12. Jahrhundert sind Geschäfts- und Konsumkredite noch mit etwa gleich hohen und tatsächlich auch eben sehr hohen Zinssätzen ausgestattet. "Um 1200 gewährten Bankiers in Genua Geschäftskredite zu einem Jahreszinssatz von 20 Prozent, 1211 in Florenz zu 22 Prozent, und in Venedig verlieh Pietro Ziani, der Doge von 1205 bis 1229, Geld zu 20 Prozent, genau wie sein Vater vor ihm." (Spufford, S.34)

Im Verlauf des dreizehnten und frühen vierzehnten Jahrhunderts fallen die Zinsen dank erweitertem Geldvolumen und Finanz-Konkurrenz ganz erheblich, wobei die Zinsen für Konsumentenkredite weiter weniger zurückgehen. In einem Geschäftsbrief aus Siena von 1260 wird ein frühes Beispiel sichtbar: Hier kostet Geld unter Kaufleuten fünf und sechs Dinare pro Lira und für alle Nichtgeschäftsleute zehn und zwölf Dinare pro Lira. (in: Spufford, S.35) Fünf bis acht Prozent für Geschäftskredite sind in der ersten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts üblich.

 

Im 13. Jahrhunderten treten im kirchlichen Raum zwei gegenläufige Haltungen zu Zinsen auf. Die eine von ganz oben bedeutet zunehmende Verschärfung. 1311 legt das Konzil von Vienne fest, dass Zinsnehmen in jedem Fall Häresie sei. Dass Kredite sozusagen die Seele des Kapitalismus sind und dieser in seiner ersten Hochblüte steht, macht das kirchliche Verhalten zu einem Kuriosum. Der häufige implizite Kredit durch zeitliche Verzögerung der Bezahlung ohne Zinsen ist von solchem Verdikt ausgenommen. "Es war eine durchaus gängige Praxis selbst vermögender Kaufleute, mit dem Bäcker oder anderen Lebensmittelproduzenten oder -händlern nur an einigen Terminen im Jahr abzurechnen; als Basis dieser Abrechnungen dienten überwiegend Kerbhölzer." (Fuhrmann, S. 177)

 

Die gegenläufige Haltung sucht nach scholastisch geschulten Argumenten für das Zinsnehmen. Der lombardische Kirchenrechtler Heinrich von Susa schreibt so 1271: Wenn irgendein Kaufmann, der es gewohnt ist, dem Handel und Geschäft auf den Messen nachzugehen, und dort viel Gewinn zu erzielen, (...) Geld geliehen hat, mit dem er sonst Geschäfte gemacht hätte, dann bleibe ich aufgrund dessen seinem Interesse verpflichtet, ihn für den Gewinn zu entschädigen, den er sonst erzielt hätte, wäre er selbst dem Geschäft nachgegangen. (In: Spufford, S.34).

Das ist vernünftig, wenn auch wenig christlich im biblischen Sinne, da es hier den Gewinn aus Kapital als zentrales kaufmännisches Ziel nicht weniger bejaht als den Gewinn des Himmelreiches. Anders gesagt, Handels- und Finanzgeschäft, von denen auch Kirche, Kloster und andere fromme Stiftungen profitieren, sind grundsätzlich religiös gerechtfertigt.

 

Ganz anders sieht es mit Konsumkrediten aus, wobei natürlich die hohen Herren dabei ausgenommen werden. Entweder beuten sie die Not der Menschen aus, oder aber sie dienen den kleinen Leuten für ungerechtfertigten Luxus. Sie werden vor allem weiter von Pfandleihern ausgegeben, die wie Juden, "Lombarden" oder Kawertschen ohnehin misstrauisch beäugt werden. Diese nehmen nicht nur Pfänder als Sicherheiten, sondern auch höhere Zinsen, um das größere Risiko abzudecken, und verfallen so leicht dem Verdikt des Wuchers, des ungerechtfertigten Gewinns also. 

 

Religiöse Vorstellungen von Wucher verwickeln sich immer wieder gerne mit sehr weltlichen Interessen. In den Jahrzehnten um die Mitte des 13. Jahrhunderts werden immer wieder einmal Italiener wegen Wucher aus England ausgewiesen. Der französische Philippe ("der Schöne", 1285-1314) beschränkt ihre Geschäfte, legt ihnen Strafen auf und lässt 1291 alle italienischen Kaufleute unter dem Vorwurf des Wuchers verhaften und enteignen.

Von der Verfolgung über die Epressung von Geldern führt der Weg dann in die Lizensierung. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts lizensiert der Graf von Tirol italienische Pfandbanken für kurze Phasen von mehreren Jahren gegen jährliche Gebühren, gibt ihnen Monopolrechte und reguliert zugleich ihr gesamtes Geschäftsgebaren, ohne allerdings Zinssätze zu bestimmen.

 

Die Vorstellung vom gerechten Gewinn bei Finanzgeschäften übernehmen dann auf dem Weg in die Neuzeit immer mehr Stadtstaaten. Das spätmittelalterliche Venedig entdeckt so, dass Zinsen bis zwölf Prozent gerecht seien, und erst die darüber wucherisch.

 

Der fromme Wunsch nach keinen oder "gerechten" Zinsen hindert die Finanzwirtschaft nicht an der Ausgabe lukrativer Kredite. Der grundlegende Weg, Zinsen zu verschleiern, besteht darin, dem Leiher tatsächlich weniger Geld zu geben, als in den Büchern geführt wird, was dazu führt, dass es neben dem offiziellen Geschäftsbuch der Banken noch ein Kassenbuch geben muss.

 

Vorläufer eines Bankenwesens existieren einmal in den Notwendigkeiten des Geldwechselns und zum anderen in der Tatsache, dass Tausch-Handel entweder ein Defizit oder einen Überschuss hervorbrachte, also entweder Kredit erforderte oder aber Geld mit sich brachte, welches verliehen werden kann. Solche Geldleihen können zunächst an Adel oder kirchliche Institutionen gehen, deren Basis große Ländereien sind. Je mehr solche Finanzgeschäfte aus dem Handel hervorgehen, desto eher können sich eine Art von Handelsbanken entwickeln.

Voraussetzung zum Dritten ist sich verfeinernde Buchführung über weit auseinanderliegende Geschäfte, die eine Art von Kontoführung für Geschäfte mit anderen Firmen ermöglichen.

 

In der Nordhälfte Italiens, einmal in Genua, Siena und Lucca, zum anderen in der Poebene von Piacenza bis Asti entwickelt sich seit dem 12. Jahrhundert ein sich vom Handelsgeschäft lösendes Bankwesen, welches auch Depositen zu verwalten beginnt, wobei es weniger um Zinsen als um bargeldlosen Zahlungsverkehr geht. Mit dem Firmen-Konto wird es möglich, als verdeckten Kredit zu überziehen, "wodurch reines Buchgeld geschaffen wurde." (Gilomen, S.92)

Florentiner Handels-Firmen erlauben Wolltuch-Produktionsfirmen manchmal bis zu einem Jahr Zeit, um den Rohstoff zu bezahlen, so wie der Handel dann entsprechend Zeit bekommt, bis er ihnen den Preis für die Tuche bezahlt. Der Zins wird dabei in den Preisen versteckt (Goldthwaite, S.205). Als Bank löst sich eine Firma aus dem Handelsgeschäft, sobald sie Kredite vergibt, die über ihre eigenen Barreserven hinausgehen. Dazu muss sie Geld anziehen, welches vorübergehend bei ihr angelegt wird, Depositen, auf die Zinsen gegeben werden, die dann durch Verleihen von Geld gegen höhere Zinsen zu erwirtschaften sind. Das ursprüngliche Kapital, der corpo, kann dann gegen Null tendieren, wo genügend Einlagen da sind.

Einleger können einfach nur das Interesse haben, größere Summen für eine Weile sicher aufzubewahren, oder aber das, mit Zinsen einen Gewinn zu erhalten. Lokale florentinische Banken geben sich manchmal mit lokalen Anlegern zufrieden, die großen Handelsbanken dort ziehen reichen geistlichen und weltlichen Adel von außerhalb an. Im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts gehören zu den fürstlichen Anlegern bei Florentiner Banken der Marchese von Este, der Marchese Malaspina, Herzog und Graf von Kärnten und Tirol, der Pfalzgraf von Modigliano und die Söhne des Herrschers von Mailand, Guido della Torre. Der jüngere Hugh Dispenser deponiert zwischen 1321 und 1326 immerhin 9930 Pfund Sterling bei den Bardi und Peruzzi (Goldthwaite, S.206).

Schon bald nach 1300 soll es in Florenz bereits an die achtzig solche oft kleinere Banken geben.

 

Komplementär zum Sammeln von Depositen ist das Verleihen von Geld. Zentrum des Geldverleihs sind im 13. Jahrhundert die Champagnemessen, wo Italiener bald dominieren, die von der Nordhälfte Italiens dorthin pendeln. Insbesondere Toskaner vergrößern sich durch Partnerschaften (compagnie) und durch Anhäufen von Kapital zuhause und dann durch Errichtung von Zweigstellen. Überliefert ist die Buchhaltung der Seneser Ugolino und Ugolino Ugolini, die zwischen 1255 und 1262 insgesamt 312 mal Geld verleihen, und zwar von einigen wenigen bis zu fünfzig livres provinois, im Einzelfall bis zu etwa hundert, und zwar an Handwerker, Adel wie Klerus. (Goldthwaite, S.207)

 

 

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts betätigen sich Geldwechsler in Barcelona, Valencia, Palma und Lérida bereits als regionale Banken. Um 1300 gibt es solche Belege für Brügge.

Es wird geschätzt, dass dort hundert Jahre später bereits vielleicht ein Zehntel der erwachsenen männlichen Einwohner ein Konto besitzt. Nach und nach trennen sich Geldwechsel und Bankgeschäft ein Stück weit voneinander.

Im 14. Jahrhundert werden dann, zunächst in Pisa und Florenz, die mündlichen Anweisungen an Bankiers durch Schecks ergänzt, während venezianische Banken noch auf der persönlichen Anwesenheit des Auftraggebers bestehen (Spufford, S.28).

 

Bardi wie Peruzzi reüssieren im Depositen-Bankgeschäft und in dem mit Anleihen an Staaten, wobei die, die sie an die englische Krone geben, 1343 ihren Untergang herbeiführen.  (Genaueres im Großkapitel 'Italien')

 

Vor der Entwicklung eines europäischen "Bankensystems" steht die Mitnahme von gemünztem und ungemünztem Edelmetall, für das die Messen der Champagne der wichtigste Umschlagplatz sind. Aber es entwickelt sich schon in seiner Blütezeit auch zu einem Markt für Wechselgeschäfte.

Vorläufer ist das mittels Buchführung transferierte Geld als Kredit. Kaufleute schicken Zahlungsaufforderungen an ihre Agenten anderswo und tragen sie in ihre Bücher ein. Solange das in einem eigenen Netzwerk von Firmen und Vertrauten bleibt, können so Zahlungen über eine ganze Anzahl von Stationen abgewickelt werden. Gehen die Transaktionen darüber hinaus, werden Wechsel ausgestellt, ursprünglich notariell beglaubt, später im 14. Jahrhundert dann nur noch durch Handschrift und Unterschrift beglaubigt. Firmen sammeln so Handschriften, um die Echtheit eines solchen Dokuments zu erkennen.

Ein weiterer Vorläufer ist der Kreditbrief, besonders dienlich für Reisende, isnbesondere Pilger, oder aber für Kreuzfahrer. Der Kunde zahlt bei einer Bank (zum Beispiel am Anfang der Tempelritter) Geld für einen solchen Brief, der dann unterwegs bei damit verbundenen Agenten zu Geldauszahlungen führt.

 

Goldthwaite vereinfacht die Funktion des Wechsels so: Kaufmann A möchte eine Zahlung an einen Kaufmann B in London in Pfund Sterling machen. Er zahlt in Florin an Kaufmann C in Florenz, um einen Beleg zahlbar in Sterling zu bekommen, den er dann an B nach London schickt, der den Wechsel von einem Vertreter von C dort einlöst. (Goldthwaite, S.211). Vermieden wird die Sendung von Münzen bzw. Edelmetall und der materielle Vorgang des Geldwechselns.

 

Ende des 13. Jahrhunderts gewinnt der Wechsel seine seitdem gültige Form, taucht in größerem Umfang bei den Champagnemessen des 13. Jahrhunderts auf und fungiert dann im 14. Jahrhundert für die Mehrzahl der geschäftlichen Transaktionen zwischen den wichtigsten Handelsmetropolen Europas, solange sie halbwegs ausgeglichene Bilanzen in Gold und Silber aufweisen. Je unausgeglichener sie werden, desto mehr verteuern sich Wechsel, bis der Transport von Edelmetallen sie wieder ausgleicht. Wegen ihrer positiven Handelsbilanz müssen solche Transporte immer wieder einmal von Florenz ausgehen. Sie umfassen in der Regel 300-500 Florin und das wären ein bis zwei Kilogramm, die oft in Tuchballen versteckt werden können.

Nicht brauchbar sind Wechsel für die Bezahlung von Militär und für den Handel mit der Levante und Nordafrika.

 

Nach und nach führt der inhärente Charakter des Wechsels als Kredit dazu, ihn auch explizit zu diesem Zweck zu benutzen. Im 14. Jahrhundert wird er dann sehr häufig zu genau diesem Zweck benutzt, um die Wuchergesetze zu umgehen. Dazu werden die Zeiten, die die Transaktion dauert, standardisiert, was für Florenz um 1330 geschehen ist. Es müssen dann auch keine Handelswaren mehr im Spiel sein, und schließlich kann der ganze Vorgang auch nur noch in den Büchern auftauchen. Am Ende wird damit Geld auch an Privatpersonen außerhalb des kommerziellen Zirkels verliehen. Dabei können die Banken kleine Kommissionen einnehmen, die aber durch die Menge der Transaktionen Bedeutung gewinnen.

 

Öffentliche Wechselinstitutionen wandeln sich in Depositenbanken, die sich monte nennen wegen der Anhäufung von Kapital bei ihnen. Um 1340 entsteht der monte commune in Florenz und zur selben Zeit der monte vecchio in Venedig.

 

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Die internationalen Handelsbanken bedienen größere Firmen und sind für eine größere lokale Öffentlichkeit nicht zugänglich, auch nicht dafür, dass diese Geld dort deponieren. Solche lokale Banken wiederum entstehen oft aus Geldwechsel-Instituten, die fremde Münzen in Florenz einsammeln, schmelzen und der Münze zum Prägen heimischer Währung übergeben. Manchmal produzieren sie auch Blanko-"Münzen", die dann an vielen Orten geprägt werden können, auch wenn das offiziell verboten ist.

Solche Firmen wandeln sich langsam in solche, die Depositen zur sicheren Unterbringung von Geld zur Verfügung stellen, worauf daraus dann conti corrienti werden können, die überzogen werden können. Dazu kommt das Geschäft mit Pfandleihen. An dem Punkt, wo sie bewusst Kapital anziehen, es verleihen und den Transfer von Geld betreiben, sind sie zur Gänze Banken (Goldthwaite, S.413) Geldwechsler als cambiatori heißen dann auch banchieri oder tavoglieri nach der Bank, hinter der sitzend sie ihre Geschäfte betreiben. Und umgekehrt sind sie in der Arte del Cambio vereint, die sie auch lizensiert.

 

Um 1300 sind in der Cambio rund 130 lokale Banken registriert, nach der großen Pest sind es zwischen 60 und 70 und Ende des 15. Jarhunderts werden es etwa 50 sein. Sie sind allesamt klein, und brauchen außer einem Raum mit einer Bank, mit einem Teppich bedeckt, Tinte und Papier, einem Geldgefäß dort, Geldbeuteln und einem Tresor kein fixes Kapital. An Lohnkosten fällt höchstens ein Junge als Kassierer an und zwischen Klienten und Bank vermittelt ein Makler.

Einige der großen Handelsbanken etablieren als Zweig eine lokale Bank, die dann erst bei der Cambio eingetragen werden und getrennte Buchführung betreiben muss.

 

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Geldleihe gegen Pfand entwickelt sich mit der Monetarisierung der Wirtschaft. Sie betrifft vor allem schnelle, unkomplizierte Kurzzeit-Kredite in geringerem Umfang und vor allem für die wenig Betuchten. Mit dem steigenden Bedarf dafür entwickeln sich spätestens im 13. Jahrhundert Pfandleihe-Banken. Diese nehmen für ihr Risiko 20-30% Zinsen, ein Betrag, der schnell von religiösen Kreisen als Wucher angeklagt wird.

Da diese Banken aber einen realen Bedarf befriedigen, geht die Stadt dazu über, sie 1351 etwas unter ihre Kontrolle zu bringen, indem sie an 21 solcher "Bankiers" Lizenzen vergibt, für die Gebühren zu zahlen sind, die wiederum die städtischen Einnahmen erhöhen. Das entspricht einer in vielen Teilen Europas gängigen Praxis.

1367 werden bei zunehmenden Protesten gegen den "Wucher" solche Pfandbanken von der Cambio-Arte ausgeschlossen. Sie können aber weiter manchmal erhebliche Summen erwirtschaften.

 

 

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Zwischen Handels- und reinem Finanzkapital treten in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts in Norditalien die Versicherungen durch Dritte, deren erste dokumentierte die eines genuesischen Kaufmanns in Palermo ist, der für 54 florins Prämie eine Weizenladung von Sizilien nach Tunis im Wert von 300 florins absichert, die er im Falle eines Unglückes zu bezahlen verspricht. (Spufford, S.24 / Gilomen S.91f)

 

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Nachdem Venedig Genua aus dem Levantehandel verdrängt, wird der Rialto zu einer Art Messe in Permanenz, verstärkt durch die Zunahme gewerblicher Produktion im Schiffsbau, bei Textilien, Metall und Glas. Seit 1231 kontrolliert eine städtische Maklerorganisation den Messehandel am Rialto und beaufsichtigt auch die Unterbringung der Gäste. In dieser Zeit entsteht denn auch der Fondaco dei Tedeschi als Wohn-Lager und Kaufhaus.

 

Transport, Verkehr und Mobilität

 

Interkontinentaler, europäischer sowie regionaler Warenverkehr verlangen zu Lande immer bessere Wege.

 

Im 13. Jahrhundert werden zwei neue Passwege über die Alpen erschlossen, der Simplon und der St.Gotthard. Aber selbst bei letzterem Weg ist die Brücke über die Schöllenenschlucht nur von Packtieren bewältigbar. Überhaupt muss auch bei diesem Neubau immer wieder umgeladen werden: Von Karren auf Flussboote, auf Saumtiere, wieder auf Karren, und über den Lago Maggiore auf Seeschiffe.

Der Simplon, für den Mailänder Handel weiter westlich ebenfalls wichtig, ist in der Hand des Walliser Bischofs von Sion, der auch für den mangelhaften Zustand des Weges mit abenteuerlichen Brücken zuständig ist, für den kleine Herren auf kurzen Wegstrecken verantwortlich sind, an die er auch den jeweiligen Wegzoll verliehen hat. Die Mailänder Stadtoberen, an der Förderung des Handels interessiert, sind darauf angewiesen, im 13. und 14. Jahrhundert mit dem Bischof viele Male zu verhandeln, Druck auszuüben und Zugeständnisse zu machen, damit er selbst die Zuständigkeit für die Strecke wieder übernimmt.

1314 spendet ein Bürger von Bozen (Kunter) für die Verbesserung der Straße

nach Klausen auf der Brennerroute, die allerdings dadurch noch nicht für Karren befahrbar wird. Erst um 1480 wird dieser Weg so wichtig werden, dass er entsprechend ausgebaut wird.

 

Brückenbauten geraten immer mehr von privater in öffentliche Hand und das Straßenwesen schafft im 14. Jahrhundert städtische Ämter zu ihrer Beaufsichtigung und für die ständigen Reparaturen wie in Florenz. Wenn dann die Mercanzia als Vertretung des großen Handelskapitals an die politische Spitze der Stadt als Vertretung des großen Gesamtkapitals den Antrag auf Bau oder Reparatur von Straßen stellt, wird dem in der Regel stattgegeben. Schließlich hängt das Leben der gesamten Bevölkerung längst an den Verwertungschancen von heimischem Kapital.

 

In Siena gibt es schon ab etwa 1270 spezielle Beamte jeweils für eine der sieben wichtigsten Straßen, die von der Stadt abgehen. 

 

Im 13. Jahrhundert trennt sich in Italien ein eigenständiges Transportgewerbe vom Handel, der Kaufmann reist in der Regel nicht mehr mit. Nördlich der Alpen findet das erst ein Jahrhundert später statt. In dieser Zeit bildet sich auch erst ein Versicherungswesen mit im voraus zu zahlender Prämie aus.

Das Speditionswesen teilt sich auf Fernstrecken zunächst oft in einzelne Etappen mit unterschiedlichen Transporteuren auf, die oft nur Tagesrouten absolvieren und die Waren dann in festen Lagerhallen abliefern, wo sie dann von den nächsten am Morgen neu aufgeladen werden.

 

Ein Packpferd trägt vielleicht 200 Kilogramm, ein einachsiger Karren mit mehreren vorgespannten Pferden schafft ein Gewicht von 800 bis 1000 Kilos, ein Zweiachser bis zu 1500. Mit Wagen, Pferden und Geschirr betrieb ein Fuhrmann ein durchaus kapitalintensives Gewerbe. Der Transport kostbarer Tuche auf Karren mit allen Nebenkosten verteuerte die Waren um geschätzte 15 bis 20 Prozent. Je billiger die Waren, desto höher der Anteil, und deshalb werden nur wertvolle Güter lange Wege über "Straßen" verfrachtet.

Schätzungen gehen davon aus, dass der Schiffstransport über Flüsse nur ein Siebtel des in etwa parallelen Landweges kosteten. Der Transport des schweren Gutes Salz von Pisa nach Florenz verteuert aber den Preis immer noch um knapp 30 Prozent, obwohl es vom pisanischen Hafen bis Signa vor Florenz auf Lastkähnen transportiert wird. Ganz über Land wäre es zu einem fast unerschwinglichen Luxusgut geworden.

Deshalb beginnt man in der Poebene und insbesondere in Flandern im 12. Jahrhundert mit dem Bau von Kanälen. Noch mehr als die Straßen kann der Unterhalt der Dämme und des Ausbaggern von Schlämmen nicht hinreichend durch Abgaben entlang des Weges geleistet werden. Die Gelder müssen vor allem durch Umverteilung von unten nach oben in den Städten und ihrem Umland aufgebracht werden.

 

Zum immer mehr florierenden und immer kapitalkräftigeren Transportgewerbe kommt auf dem Fluss- und Kanalweg wie zu Lande ein ebenfalls meist kapitalkräftiges Gaststättengewerbe auf dem Wege und am Zielort, welches nicht nur die Menschen, sondern auch die Tiere versorgt und die Waren über Nacht unterbringt. Wenn englische Wolle der Handelsfirma Bardi um 1340 auf nunmehr leeren Weinschiffen aus der Gascogne nach Libourne an der Dordogne ausgeladen wird, nimmt sie dort ein örtlicher Gastwirt an. Von dort werden sie in passende Wollsäcke für Wagen verpackt und vom Gastwirt über Nacht aufgehoben. Am nächsten Tag werden sie auf Lasttiere geladen und der Wirt bezahlt einen Transporteur, der sie nach Montpellier bringt. Dort landet sie wieder bei einem Gasthaus, wird am nächsten Morgen erneut aufgepackt und einem neuen Spediteur  übergeben, der sie bis Aigues Mortes befördert, wo sie wiederum ein Gastwirt in Empfang nimmt und aufbewahrt, Der organisiert dann wenn ein Schiff nach Porto Pisano bereitsteht, den transportiert mit kleinen Booten auf das große Schiff.

Die Firma Bardi bezahlt nur die Gastwirte, die letztlich für die Organisation des ganzen Transportes zuständig sind (Spufford, S.154f). Neben den Spediteuren sind sie ein Fundament des Handelsverkehrs und entsprechend bedeutend. Daneben liefern sie eher dürftige Übernachtungsmöglichkeiten für Menschen, von denen oft viele in einem Raum und oft in wenigen Betten untergebracht werden, oft Männer und wenige reisende Frauen zusammen, und darüber hinaus Essen und Getränke.

Solche Gasthäuser existieren an viel benutzten Wegen alle 10 bis 15 Kilometer, und in den wichtigsten Zielorten können es hunderte sein. Ihre Bedeutung für die Bewegungen des Kapitals sind so groß, dass in wichtigen Handelsstädten wie Brügge Bankiers in Gasthäuser investieren oder selbst welche betreiben (lassen). Gastwirte sind zudem überall, wo das nötig ist, Geldwechsler und in Brügge haben 68 Gastwirte bei einem der wichtigen Bankiers selbst Konten.

In Städten liegen die Gasthäuser oft an den Ausfallstraßen aus den Städten zusammen, und um sie existieren zudem Bäder und Bordelle, manchmal in Großstädten richtige Rotlichtviertel.

 

Eine Rolle am Rande spielen die vielen Hospize, die entlang der Pilgerwege, die oft auch die großen Handelswege sind, den mehr oder weniger frommen Wanderern dienen. Unterhalten von frommen Instituten wie der Kanonikergemeinschaft vom Großen Sankt Bernhard, können sie durch Schenkungen erheblichen Wohlstand erreichen, den sie für den Unterhalt ihrer Herbergen und manchmal auch der Wege einsetzen. Selten stehen sie auch weltlichen Reisenden bis hin zu Transporteuren offen.

 

Artes und Handwerk in Florenz

 

Wenn etwa die Hälfte der Einwohnerschaft von Florenz von der Textilproduktion lebt, ist die andere Hälfte auf Einkünfte aus breitgestreutem Handwerk und Ladengeschäfte angewiesen, neben einem Anteil armer Tagelöhner. Dieser Teil der Bevölkerung lebt davon, dass Handel, Finanzen und Textilproduktion immer mehr Geld in die Stadt bringen, welches im Falle von Florenz über die dort produzierenden Gewerbe in Konsumgüter geht.

 

Im 13. Jahrhundert entsteht eine Vielzahl von Zünften, also Zusammenschlüssen einzelner Wirtschaftszweige, und es sollen zeitweilig an die siebzig sein. 1293 gelingt es einer Gruppe mächtiger Magnaten, ihre Interessen in den ordinamenti della giustizia zu bündeln. Sieben große Arti der Reichen und Mächtigen sollen die Geschicke der Stadt lenken, was sie von einer zünftigen zu einer politischen Größe macht. Es sind dies die internationalen Tuchhändler (Calimala(, die Geldwechsler und Bankiers (Cambio), die Produktionsfirmen für Wolltücher (Lana), der Tuch-Einzelhandel um die Straße Por Santa Maria, die Fellhändler und Kürschner (Vaiai e Pelliciai) die Ärzte, Apotheker und Gewürzhändler (Medici e Speziali) und die Richter und Notare (Giudici e Notai).

 

All diese großen Arti werden von reichen Unternehmern kontrolliert. Diese werden weiterhin dafür sorgen, dass sie die Macht, die sie in den Arti innehaben, in politische Macht in der Republik umsetzen. Darüber hinaus sorgen sie dafür, dass das Handwerk im Textilsektor zwar in die Arti integriert, aber zugleich ohnmächtig bleibt. Nach und nach werden kleinere Arti etabliert, wie die der Bauhandwerker, der Schuhmacher oder der Gastwirte. Die politische Funktion der Arti sorgt dafür, dass viele von ihnen nicht fachspezifisch sind, sondern manchmal ganz verschiedene Gewerbe umfassen. Maler beispielsweise sind in die medici e speziali integriert und werden nicht, wie anderswo, eine eigene Arte erhalten. Diese gewerbeübergreifende und politisch begründete Struktur verhindert, dass sie, wie beispielsweise in deutschen Landen, in ökonomischen und "sozialen" Bereichen eingreifen können.

 

1320 wird die Zahl der großen und kleinen Arti dann auf 21 beschränkt, was dazu führt, dass die setaioli im Unterschied zu den lanaioli keine eigene Arte einrichten können, sondern in der Po Santa Maria aufgehoben bleiben, die sie dann im 15. Jahrhundert aber dominieren.

 

Die Arti unterscheiden sich also in vielem von deutschen Zünften. Es gibt keine Pflicht zur Mitgliedschaft, keine Begrenzung der Konkurrenz, kaum interne Qualitätskontrolle. Dazu gehört auch, dass ein Meistertitel (maestro) nur für Maurer und Lehrer gilt. Immerhin müssen Handwerker Bücher führen, deren Einträge Rechtswert haben wie beim größeren Kapital.

Die viel höhere Kapitalisierung der Wirtschaft schafft einen wesentlich freieren Markt, der Zünfte eher als Machtinstrument des Großkapitals denn als Handwerksverband zur eigenen Interessendurchsetzung betrachtet. Genauso hält sich der Stadt-Staat relativ stark mit Eingriffen in die Wirtschaft zurück.

Es fehlt auch ein klarer Lehrlings- und Gesellenstatus. Kinder werden mit 10-13 Jahren, meist nachdem sie lesen, schreiben und rechnen gelernt haben, vom Vater in Firmen gegeben, wo sie einfach arbeiten.

 

Buchführung verhilft den Handwerkern dazu, unternehmerisch zu denken, was dann vor allem ab dem 14. Jahrhundert von Bedeutung ist.

 

 

Produktion

 

****Textilien****

 

Inzwischen wird es fast überall im lateinischen Europa üblich, seine Kleidung nicht mehr selbst herzustellen. Man kauft den Stoff und lässt ihn, wenn man es sich leisten kann, vom Schneider an den Körper anpassen. Da in der Regel der ganze Körper, Beine und Arme bedeckt werden wie seit Urzeiten, wird relativ viel Stoff gebraucht. Dieser wird aus pflanzlichen und tierischen Rohstoffen hergestellt, für die Masse der Menschen aus eher billigerer Schafswolle.

 

Einen gewissen Kapitaleinsatz brauchen Weber und Färber, denen ihre Produktionsmittel gehören, weswegen sie zum wohlhabenderen Handwerk gehören. Die meisten Arbeitskräfte in der Tuchproduktion leben aber eher von der Hand in den Mund. In den Metropolen dieses Produktionszweiges können ein Drittel bis die Hälfte der Menschen inzwischen von ihm abhängen.

 

In Florenz scheint es im 13. Jahrhundert zur Regel zu werden, dass die Tuchproduktion unter die Kontrolle von Kaufleuten gerät, die zugleich Textilunternehmer sind, die lanalioli. Das ist sowohl Ergebnis wie Voraussetzung für Zerlegung der Arbeit in einzelne, nach Spezialisten getrennte Gruppen. Diese sind aber wiederum in viele einzelne, von einander getrennt arbeitende Werkstätten aufgeteilt, die größer sind als übliche Handwerksbetriebe, aber deutlich kleiner als das, was wir viel später unter Fabriken verstehen.

Die Herstellungskosten der Tuche belaufen sich, wie man dem Archiv des Pratenser Kaufmanns Francesco di Marco Datini entnehmen kann, um 1400 zu 40% auf die Rohwolle, jeweils 10% auf Spinnen und Färben, zu 8% auf das Weben, meist in Heimarbeit, wobei die restlichen Prozente auf die übrigen Arbeitsgänge entfallen. "Walker, Tuchspanner und Appreteure der Florentiner Tuchmacherei arbeiteten dagegen sehr selbständig, bedienten mitunter mehrere Verleger." (Dirlmeier, S.39)

 

Die vertikale Gliederung der Stoffherstellung in viele einzelne Etappen spezialisierter Arbeiten nimmt den Arbeitenden die Kontrolle über den Gesamtvorgang. Wo die Wolle, entweder der Qualität oder der Menge wegen, nicht mehr aus der Region kommt, sondern aus fernen Gebieten wie England oder später Kastilien, gerät das Ausgangsprodukt in die Hände großer Handelsfirmen, und sobald dann auch die Masse des Fertigproduktes in die Ferne geht, übernehmen diese Firmen es wieder. In der ersten Blütezeit des Kapitalismus kontrollieren dann zum Beispiel in Florenz rund 200 in der Arte della Lana organisierte Firmen von Lanaioli die Arbeit von zehntausenden von Menschen und den Lebensunterhalt von deren Angehörigen. Diese hängen wiederum von der Konkurrenzfähigkeit der großen Firmen und den Konjunkturen ab.

Die Mitglieder der Arte della Lana sind hier längst die wichtigsten Steuerzahler und ihnen wird 1331 der Neubau der Kathedrale Santa Maria del Fiore übertragen. Vermutlich ist die Qualität der Wolltuche in Florenz oder Mailand und über die ganze Nordhälfte Italiens ähnlich, aber sie liegt zunächst weiter deutlich unter der flämischer Stoffe und bringt nur ein Drittel bis die Hälfte der Preise der Waren von dort.

Um wertvollere Tuche verkaufen zu können, beginnen Kaufleute der Calimala gegen Ende des 13. Jahrhunderts, halbfertige Tuche aus dem Norden und eben aus besserer Wolle nach Florenz zu importieren, um sie hier zu färben oder umzufärben und dann zu verfeinern. Ein Grund ist auch, dass Färbestoffe und Alaun, wie sie flämische Produzenten nutzen, aus dem Süden kommen und von florentinischen Firmen selbst gehandelt werden. Der Einsatz heimischer Arbeit und Rohstoffe dafür macht dann, abgesehen von den Kosten für Rohwolle, circa 20% der gesamten Herstellungskosten aus (Goldthwaite, S.271). 

Im Verlauf des frühen 14. Jahrhunderts trägt das zur Verbesserung der kompletten heimischen Tuchproduktion bei, wozu der zunehmende Einsatz englischer Wolle kommt, die Florentiner Händler schon bislang an flämische Betriebe geliefert hatten, und die Imitation nördlicher Tucharten. Inzwischen ist der Import flämischer Qualitätstuche durch Kriege behindert und führt zu einem gewissen Niedergang der Produktion dort. Schließlich eröffnet sich langsam die direkte Seeroute nach England für den Export der besseren Wolle von dort. Die Preise Florentiner Qualitätstuche steigen und mit ihnen die Gewinne der Firmen. Bald können reiche Familien in Florenz zuhause die Qualität kaufen, die sie bislang aus dem Norden bezogen hatten.

 

Kapitalismus heißt inzwischen hier, dass der Kapitaleinsatz beim Einkauf der Rohwolle nach der Schur und der Verkauf, also der Gewinn nach der  Produktion, bei denselben Firmen liegt. Zudem behalten sie den die Stufen der Verarbeitung durchlaufenden Rohstoff de facto in ihrer Hand.

 

Für toskanische Städte und insbesondere Florenz sieht das alles so aus: Die Rohwolle landet im Lagerhaus der Firma, wo sie nach Qualität sortiert, durch Schlagen in einzelne Flocken zerteilt und dann gewaschen und manchmal rückgefettet wird. Danach wird der so aufbereitete Rohstoff oft in ein weiteres Gebäude verbracht, wo vorwiegend Frauen, auch sie in Lohnarbeit, ihn je nach weiterem Verwendungszweck entweder kämmen oder kardieren (krempeln), um ihn für das Verspinnen vorzubereiten.

Jedesmal wenn die Ergebnisse von Arbeit zum Lagerhaus zurückkommen, werden sie von wenigen Angestellten dort in Empfang genommen und auf Qualität überprüft. Diese sind das einzige Bindeglied zwischen Kapital und Arbeit im Verlagssystem.

Zurück ins Lagerhaus gebracht, wird die Wolle dann an Spinnerinnen verteilt, die in zwei Gruppen für Kette und Schuss eingeteilt sind. Eine große Firma kann bis zu tausend Spinnerinnen wenigstens periodisch beschäftigen. Um die Kosten niedrig zu halten, wird das Spinnen oft an Frauen auf dem Lande vergeben. Bessere Garne werden mit der Hand erzeugt, Massenware wird mit dreifachem Tempo seit dem 13. Jahrhundert mithilfe des Spinnrades hergestellt. Dann geht das aufgespulte Garn wieder ins Lagerhaus, wo die Spinnerinnen nach Gewicht ihres Produktes bezahlt werden. Dort werden dann die Kettfäden für das Weben an einem vertikalen Schärrahmen abgemessen und geschnitten.

Nun geht die vorgegebene Menge an Kett- und Schussfäden für einen Auftrag an die Weber. Der besitzt seinen sehr teuer zu erstehenden waagerechten Handwebstuhl mit Fußantrieb in der Regel selbst. Zunächst wird der für den neuen Auftrag erst einmal mit den rund 1200 bis 3000 Kettfäden, je nach Qualität des künftigen Produktes, aufwendig eingerichtet, was viele Tage dauert. Gewebt wird nur bei Tageslicht, aber durch den ganzen Tag. Dabei assistiert oft die Frau des Webers. Stoffrollen haben je nach Zeit und Gegend zwischen dreißig und vierzig Metern Länge, und ein Weber schafft davon im Jahr zwischen dreißig und vierzig. Bei Abgabe des Produktes bekommt er dafür einen festen Preis.

Der fertig gewebte Stoff muss nun mehr oder weniger verfilzt werden, um eine stabilere Konsistenz zu erhalten. Er wird in einen Behälter unter Zusatz von Flüssigkeit gegeben, um dann von Walkern durch unentwegtes Treten bearbeitet zu werden, oder das Walken wird von Mühlen betrieben, die den Stoff mit hölzernen Hämmern unter großem Lärm schlagen. Wie beim Spinnen wird davon ausgegangen, dass Hand- bzw. Fußarbeit höherwertigere Qualität erzeugt.

Das Walken lässt die Stoffe unregelmäßig eingehen, weswegen sie nun im Norden im Freien und in Südeuropa in für damalige Verhältnisse riesigen Hallen aufgespannt, getrocknet und in Form gebracht werden. Einige Firmen wie die Florentiner Pitti besitzen eigene Spannhallen,  die meisten sind im Gemeinschaftsbesitz der großen Firmen. 

Nun gelangt der Stoff wieder in die Ausgangshalle der Firma, wo er kardiert wird um dann den abstehenden Flor zu entfernen.

Billigste Produkte bleiben ungefärbt, einige Farbstoffe wie Waid erlauben es, schon das Garn zu färben. Viele Färbemittel müssen mit Alaun fixiert werden, was erst am Ende des Produktionsprozesses möglich ist. Hier arbeiten tintori di arte maggiore mit anderen Farben.

Fast alle Produktionsvorgänge sind Lohnarbeit, in der Mehrzahl bei extremem Niedriglohn. Nur reiche Weber besitzen bewegliches Kapital. Das Färben nun als teuerster Einzelvorgang wegen der mehr oder weniger hohen Kosten der Färbemittel lässt des öfteren Färber zu veritablen Kapitalisten werden. Nördlich der Alpen gewinnen sie manchmal sogar die Kontrolle über die Gesamtproduktion, während sie in Italien Unternehmer in Abhängigkeit von den Aufträgen großer Firmen bleiben.

 

Es gibt keine Zeitlöhne, sondern die Arbeit wird nach Stücklohn bezahlt und damit ist das Einkommen daraus nicht in Tage oder Monate übersetzbar. Rund 20% der Lohnkosten gehen die Vorbereitung der Wolle und weitere 20% an Spinnerinnen. Erstere erhalten wohl das Existenzminimum und die letzteren bleiben oft eher darunter, da sie in der Regel auch einen Ehemann mit etwas besserer Bezahlung haben. Das Weben und die restlichen Verfeinerungen werden etwas besser bezahlt, da sie mehr Fähigkeiten und Fertigkeiten verlangen. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts nimmt die Zahl weiblicher Weber erheblich ab, vermutlich, weil die Arbeit an größeren Webstühlen körperlich anstrengender wird.

 

Solche Textilien werden weder in Manufakturen noch in Fabriken hergestellt, da die einzelnen Arbeitsschritte nicht unter einem Dach und nur zum kleinen Teil mit Maschineneinsatz stattfinden. Aber massenhafte Lohnarbeit, Stupidität der sich unaufhörlich wiederholenden kleinen Arbeitsschritte, Trennung der Arbeit vom Fertigprodukt und Kontrolle der Fertigung durch konzentriertes Kapital lassen schon an eine Art Industrieproletariat denken und an das, was im 18./19. Jahrhundert unter den Begriff der Entfremdung fällt. Das alles gilt mehr oder weniger auch für die übrige Textilproduktion.

 

Im hohen Mittelalter gelangt die beste Baumwolle aus Syrien und Kleinasien über Genua und Venedig auf den europäischen Markt. Dann beginnt man, sie auf Sizilien und Kalabrien anzubauen. In der Lombardei werden nun Baumwollgewebe als Massenware hergestellt. Dazu kommen Mischgewebe wie Barchent, welches aus Baumwolle (Schuss) und Leinen (Kette) miteinander vereint und Vorteile beider verbindet.

 

Während Schafswolle und Flachs samt einigen billigeren Färbemitteln heimische Produktion im kapitalistischen Abendland sind, dauert es, bis Rohseide im Süden Europas hergestellt wird. Darum sind Seidenstoffe zunächst Importware aus China und der islamischen Welt. Dann kommt Rohseide aus Kleinasien und schließlich aus Sizilien und Kalabrien, von wo sie die frühe Seidenmetropole Lucca versorgt, und dann auch aus Granada. Bis ins 14. Jahrhundert breitet sich Seidenproduktion über einige Städte Norditaliens aus.

 

Dazu verhilft auch die Emigration von rund dreihundert Familien aus Lucca 1314 nach Unruhen, worunter auch eine ganze Anzahl Seidenproduzenten sind. Weitere Ursachen für Auswanderung sind dann die Herrschaft von Castruccio Castracani 1316-28 und die Eroberung durch Pisa 1342.

 

Seidenstoffe sind nicht nur wegen des hohen Rohstoffpreises so teuer wie die teuersten Wollstoffe. Den Preis treibt auch die kompliziertere Produktion und die Tatsache, dass sie als großer Luxus vielfältig verziert werden. Dazu gehört, dass schon das Garn gefärbt wird, um Mehrfarbigkeit bis hin zu aufwendigeren Mustern zu erzeugen. Taft glänzt besonders und wird mit Gold durchwirkt; noch schwerer sind Damast und Samt. Brokat wird aus Fäden gewebt, die mit feinsten Silberfäden umwickelt sind.

Andererseits verlangt die Seidentuchproduktion weniger Arbeitsschritte und ein weniger ausgefeiltes Verlagssystem. Dafür braucht der setaioli mehr Kapital und dieses ist länger im Einsatz, bevor es Gewinn bringt; zudem sind Seidenstoffe stärker modeabhängig.

In der Produktion von Seidenstoffen sind Frauen und Kinder wesentlich zahlreicher, und sie beziehen oft Löhne hart am Rande des Existenzminimums. Dafür sind die Weber, alles Männer, da sie größere Fertigkeiten aufweisen müssen als Wollweber, eher besser bezahlt als sie. Diese selbst beschäftigen wiederum miserabel bezahlte Kinder und Jugendliche; Weber mit vielen Webstühlen verfügen manchmal über bis zu zehn solche Kinder. Die auf eine Vielzahl von Seidenstoffe spezialisierten Weber arbeiten an einem Tuch auch wesentlich länger und bekommen eher etwas mehr als die Hälfte der gesamten Lohnkosten ab. Oft haben sie ein Mehrfaches üblicher Handwerker-Einkommen.

 

Ein eigenständiges Handwerk am Rande der Seidenproduktion sind die battilori, die Gold in ganz dünne Plättchen schlagen, welche zum Beispiel für den Hintergrund frommer Gemälde verwendet werden. Aus diesem Blattgold werden aber auch von Frauen, oft von Insassinnen von Konventen die schmalen Silber- und Goldstreifen ausgeschnitten, die sie dann um Seidenfäden wickeln und diese dann an die Battilori zurückgeben. Daneben gibt es setaioli a minuto, die in etwa das aus Seiden herstellen, was im späteren Deutsch Kurzwaren heißen wird, und es dann manchmal in eigenen Läden verkaufen. Die Produktion geben sie oft wiederum an Nonnen aus.

 

Mitte des 13. Jahrhunderts sind die Florentiner Seidenproduzenten in der Arte di Por Santa Maria organisiert, wo neben den setaioli die ritagliatori (Tuch-Einzelhändler) und eine Vielzahl von im weitesten Sinne mit Stoffen beschäftigte Gewerbe vertreten sind. Aber die Seidenbetriebe bilden die wichtigste Gruppe.

 

****Bergbau und Metalle****

 

In der Toskana wird es im frühen 13. Jahrhundert schon üblicher, dass sich wie in Montieri und Massa Kapitaleigner zu Minengesellschaften zusammenschließen, welche Verwalter die Bergwerke leiten lassen, die wiederum Lohnarbeit einstellen. Als die Pisaner mit Iglesias auf Sardinien das Silber von Montieri ablösen, beginnen sie mit ähnlichen Gesellschaftsformen.

 

Die Masse der kriegstauglichen Produkte kommt aus der Lombardei, insbesondere aus Mailand und Brescia, welches 1355 dann von Mailand unterworfen wird. Zum Erz und Holz(kohle) der Südalpen kommen als Standortvorteil längst auch die aus dem Gebirge schnell abfließenden Gewässer, die Hammerwerke und Poliermühlen bewegen.

Mit dem Sieg der Visconti über die della Torre gewinnen erstere die Kontrolle über die Massenproduktion für den Export. Neben der laufenden Produktion können die immer spezialisierteren Betriebe bereits riesige Aufträge in kurzer Zeit bewältigen: "Friedrich der Lombarde lieferte 1295 eine Großbestellung italienischer Rüstungen an Philipp IV. von Frankreich aus, um ihn in seinem Krieg mit Edueard I. von England zu unterstützen. Die Lieferung bestand aus 4511 Kettenhemden, 5067 Harnischen, 2853 Helmen, 1374 Halsbergen zum Schutz des Halses, 751 Paar Panzerhandschuhen und 6309 Rundschilden." (Spufford, S.194)

 

****Sonstige Haushaltswaren: Keramik und Seife****

 

Das Töpfern gehört zu den ältesten Handwerken und einfache Keramik für den lokalen Gebrauch wird in fast allen mittelalterlichen Städten hergestellt. Kunstvolle Töpferwaren mit prächtig bebilderten Zinnglasuren für die Wohlhabenden kommen aus dem Orient und über das muslimische Spanien in die christliche Welt. Dann werden sie in Andalusien und Valencia (Manises) hergestellt und über Mallorca im 14. Jahrhundert bis nach Flandern und England als Majolika gehandelt. Im 15. Jahrhundert wird sie dann durch Imitationen aus Faenza als fayences abgelöst.

 

Zunächst ist im lateinischen Abendland eine schwarze Seife gängig. Im 13. Jahrhundert wird eine alkalische Asche aus speziellen Pflanzen importiert, die in Nordafrika bis Ägypten wachsen. Mit diesem Soda und Olivenöl kann nun dreimal so teure weiße Seife hergestellt werden, so wie syrische Asche der Produktion hochwertigeren Glases dient. Dieses Luxusprodukt wird nun einmal von Kastilien in den Nordwesten Europas exportiert, wobei die kastilische Produktion durch heimische Pflanzen im Süden befeuert wird. Zum anderen kauft es Venedig zwecks Seifenproduktion in Ägypten ein und versucht für den Handel damit ein Monopol durchzusetzen.

 

****Glas****

 

Die antike Glasproduktion verkümmerte in der Nachantike immer mehr. In der eigentlichen Stadt Venedig gab es seit dem 10. Jahrhundert Produktion minderwertiger Gläser, die wohl syrische Vorbilder hatte. Sporadisch wurde dann ab dem Hochmittelalter in waldreichen Gegenden Mitteleuropas Glas hergestellt. Die Qualität des venezianischen Glases erhöht sich dann im 13. Jahrhundert, als zum Holz aus Dalmatien und für die Herstellung gut geeignetem Sand der Lagune das mit hohem Natriumanteil versetzte alkalische Soda aus Syrien kommt. Glas bleibt in jeder Form ein absoluter Luxusartikel.

1291 werden die Schmelzöfen wegen der Brandgefahr auf die Insel Murano verlegt, wo Becher, Vasen, Flaschen in vielen Formen und zum Teil mit kunstfertigen Verzierungen in großer Menge hergestellt werden, sowie auch Fenster- und Spiegelglas.

Seitdem ist die Kunstfertigkeit auch soweit vorhanden, dass Brillengläser hergestellt werden können. Von dort breitet sich die Produktion von Brillen nach Norden aus, um Mitte des 15. Jahrhunderts England zu erreichen.

 

Warenästhetik

 

Der Übergang von der Ästhetik des frühen zur Warenästhetik des hohen und besonders des späten Mittelalters, vermutlich unmerklich für die Zeitgenossen, beginnt in den Momenten, in denen sich Handel und dann auch Produktion von einem konkreten persönlichen Auftrag lösen, also für einen „anonymeren“ Markt produzieren und dort ausstellen. Das geschieht natürlich nicht bei jenen Kostbarkeiten, auf denen Produzent bzw. Händler unter keinen Umständen sitzenbleiben darf, sondern zunächst bei Massenwaren, die aufgrund ihres handfesten Nutzens ähnlich wie Produktionsmittel nur sekundär ästhetischen Kriterien unterliegen, wenn überhaupt.

 

Aber dann erreicht diese Entwicklung auch Prunkwaffen und prächtigere Tuche. Produzenten und Händler müssen nun auf der Höhe der Moden sein, die ästhetisch normierend wirken. Macht, Reichtum und sexuelle Attraktivität sollen, je nach Ware, in dieser repräsentiert sein. Zunächst wird schierer Luxus (im heutigen Wortsinn) demonstriert, zum Beispiel durch das Durchwirken der Stoffe mit Silber- und Goldfäden, das Applizieren von Perlen und anderem (teurem) Schmuck.

 

Ganz anders als seit dem späten 20. Jahrhundert in der sogenannten westlichen Welt, wo die Orientierungspunkte der Wohlhabenderen eher Slums, Prostituierte und Ganovenmilieus sind, folgt die Geschmacksbildung und das modische Verhalten im späteren Mittelalter der Moden bei Bürgern und Bauern den Entwicklungen im höheren Adel. Dabei sorgen nach Maßgabe des Geldbeutels und vermittelt durch Luxusgesetze bescheidenere Ausführungen für Darstellung des Status.

Als im 14. Jahrhundert ein modisches "Seidenfieber" ausbricht mit den Luxusstoffen Damast und Brokat, können ohnehin nur sehr "Betuchte" daran teilnehmen. Schon im 12. Jahrhundert wird Lucca Handelszentrum für Seide und verschickt Stoffe nach Paris, Brügge und London. Im 13. Jahrhundert beginnen dann auch Venedig und Paris mit Seidenspinnerei, die schließlich auch auf Köln übergreift. Während Moden von oben nach unten absinken, bleiben Modestoffe davon natürlich ausgeschlossen.

 

 

Im Zuge der Entwicklung höfischen Lebens für eine etwas breitere Schicht höheren Adels kommt es immer deutlicher zum Reichtum und Macht demonstrierenden Luxus durch den Kleiderschnitt, die Schneiderei, die Entwicklung von der Abzeichnung der Körper in der Bewegung in weiter Bekleidung zu der Abbildung der Körper in enger Bekleidung. Hintern, Hüften, Taillen, Brüste, Arme werden in der eng anliegenden Kleidung zur Schau gestellt, wobei sich die Körperlichkeit verändert (siehe dort). Wo die Männer Muskeln und breite Schultern zeigen, sind es bei Frauen Rundungen und Längen. Die Kleidung wird immer offensiver sexualisiert.

 

Dazu gehört bei den höfischen Damen eine Konkurrenz der Entblößung, die vorläufig auf den Halsausschnitt begrenzt bleibt, das sogenannte Dékolleté. Was im zwanzigsten Jahrhundert zunächst mit den Rocklängen und ihrem Auf und Ab geschieht, bis dann die kompletten Beine von vielen öffentlich entblößt werden, geschieht in zögerlicherer Form mit jener Körperpartie, die nackt den Blick auf die weiblichen Brüste lenken soll. Form und Größe des Ausschnitts wird von nun an von den Moden und der Macht der Damen bestimmt.

 

Die Sexualisierung der Bekleidung der höfischen Welt geht einher mit der Erfindung einer neuen, an die Antike anknüpfenden Vorstellung von Liebe als erotischem Zeitvertreib, einer Vergnügung im Spiel mit dem Geschlechtstrieb. Sie führt zu einer Erotisierung der gehobenen Warenwelt, die nach und nach immer unverhohlener wird. Ästhetisierung ist Erotisierung, jene, die nicht nur die menschlichen Körper, sondern auch den Luxuskonsum durchdringt. Sobald der Kriegeradel nicht mehr nur im Krieg und dem Erwerb von Macht und Gütern, sondern immer stärker auch im höfischen Lebensstil seinen Lebensinhalt sieht, wird sich die Erotisierung des Alltags durchsetzen.

 

Analog zum An- und Abschwellen des Geschlechtstriebes, auch in seiner höfischen Sublimität, gibt es von nun an das Auf und Ab der Moden, des immer wieder Neuen also, welches das Begehren entzünden soll. Das Neue als das Andere kann dabei durchaus immer exotischer, ja bizarrer werden. Für das hohe Mittelalter beschreibt Keller das Folgende als symptomatisch: „Selbst in Polen wusste man Schleier und Gürtel aus Zürich zu schätzen, in Florenz, dem Zentrum einer eigenen Wollproduktion von europäischem Rang, kleidete sich der Stadtadel in das feine scharlachrote Tuch aus Ypern, während sich das Volk dort an die etwas gröbere, grüngefärbte Ware aus Cambrai hielt.“ (Begrenzung, S. 263)

(Genaueres im Großkapitel 'Körper 4')

 

****Ästhetik und Religion auf dem Weg ins hohe Mittelalter****

 

Gold, Silber, Edelsteine, Elfenbein: Mit dem Aufstieg des Christentums, nun kirchlich und staatlich institutionalisiert seit Kaiser Konstantin, lassen sich Pracht bzw. Luxusdarbietung, Reichtum und Macht nicht mehr von einander und was die Kirchen betrifft, auch nicht mehr von Religiosität und Frömmigkeit trennen. Insofern unterscheidet sich Kirche auch nicht von weltlicher Macht.

 

Die wesentliche Kritik daran blieb implizit, in einem sich davon zur Gänze lösenden Leben. Das ändert sich nur langsam im Prozess des Aufstieges der Städte und mit den Frühformen von Kapitalismus. Ein früher Vertreter einer Auseinandersetzung, die Ästhetisches immerhin streift, wenn auch nur unter religiösen Kriterien, ist Bernhard von Clairvaux mit seiner 'Apologia', in der zisterziensisches Gedankengut streitbar gegen das der Klöster unter der Aufsicht von Cluny antritt. Unter der Überschrift 'Über Gemälde und Skulpturen, Gold und Silber in den Klöstern' heißt es, um zunächst auf das Grundsätzliche einzugehen, über Kirchen und Kirchenschmuck:

Ich will jetzt zu größeren Mißständen kommen, die aber deswegen als geringer erscheinen, weil sie gang und gebe sind. Ich übergehe die grenzenlose Höhe der Bethäuser, ihre übermäßige Länge und unnötige Breite, den kostspieligen Glanz und die bis ins kleinste ausgearbeiteten Abbildungen. Dies alles zieht den Blick des Betenden auf sich und hindert die Andacht.

Soweit haben wir es mit der schon oben erwähnten Konkurrenz von Kirchen in Größe und Zierrat zu tun. Im weiteren geht es um die Unterscheidung von Mönchskirchen und Kirchen für das Volk:

Freilich, Bischofe gehen von einer anderen Voraussetzung aus als Mönche. Wir wissen ja, dass jene den Weisen wie den Dummen verpflichtet sind, und dass sie darum die Andacht des fleischlich gesinnten Volkes mit augenfälligem Schmuck wecken, denn mit geistigem können sie es nicht. Wir haben uns aber schon vom Volk zurückgezogen, wir haben für Christus alles Kostbare und Blendende der Welt verlassen, wir haben, um Christus zu gewinnen, alles für Unrat gehalten, was schön glänzt, was durch Wohllaut schmeichelt, was lieblich duftet, süß schmeckt und sich angenehm berühren lässt, kurz, alle Ergötzlichkeiten des Körpers.

Das Ästhetische wird hier detailliert als das den Sinnen Angenehme und darum dem ernsthaften Christen Bedrohliche beschrieben. Dass Zisterzienserkirchen der neuen gotischen Mode, also dem gerade modern werdenden Stil entsprechend gebaut werden, unterschlägt er, denn sie sollen zugleich völlig schmucklos sein, und nur das zählt für ihn. Wie sehr religiös motivierte kritische Ästhetik und Kapitalismuskritik hier mehr oder weniger unbewusst zusammengehen, kann man dann folgender Passage entnehmen:

Das ist die Kunst, durch die Geld ausgesät wird, damit es sich vervielfache. Man gibt es aus, damit es sich vermehre, und die Verschwendung bringt noch mehr Reichtum. Eben durch den Anblick dieser aufwendigen, aber Bewunderung erregenden Eitelkeiten werden die Menschen mehr zum Geben als zum Beten gedrängt. So wird Reichtum durch Reichtum abgeschöpft, so zieht Geld Geld an, weil - ich weiß nicht, wie es kommt - dort großzügiger gespendet wird, wo man größeren Reichtum bemerkt. Die Augen weiden sich an den mit Gold bedeckten Reliquien, und schon öffnet sich der Geldbeutel.

 

Diese doch recht deutlich am evangelischen Jesus orientierte Kritik an Kirche und am traditionellen benediktinischen Kloster geht längst am Hauptstrom der Entwicklung vorbei. Theophilus Presbyter als herausragendes Beispiel schwärmt zur selben Zeit (um 1120) von dem, was Griechenland an Arten und Mischungen der verschiedenen Farben besitzt, was Russland an kunstvoll ausgeführten Emailarbeiten und an mannigfaltigen Arten des Niello kennt, was Arabien an Treibarbeit, Guss oder durchbrochener Arbeit unterschiedlicher Art auszeichnet, was Italien an verschiedenartigen Gefäßen sowie an Stein- und Beinschnitzerei mit Gold ziert, was Frankreich an kostbarer Mannigfaltigkeit der Fenster schätzt, was das an feiner Arbeit in Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Holz und Stein geschickte Deutschland lobt. (De diversis artibus, I,51)

Dabei geht es nicht mehr spezifisch um kirchliche oder klösterliche Kunst, denn solche Kunstfertigkeit beliefert genauso weltliche Kreise, und es findet auch nicht mehr nur in Klosterwerkstätten, sondern in solchen in den Städten statt. Zwei bis drei Generationen später kann Köln beispielsweise bereits rund zwölf bürgerliche Goldschmiede-Werkstätten vorweisen, und vom Metallverarbeitungs-Zentrum Huy sind im selben 12. Jahrhundert bereits Schmiede als Kunsthandwerker namentlich überliefert. (Schulz, S.115f)

 

Die Reaktion der Kirche in der Person des Karinals Lotario de Segni, des späteren Papstes Innozenz III., erfolgt um 1195 im zweiten Teil seiner Schrift 'De miseria humanae conditionis': Was gibt es Eitleres, als den Tisch zu schmücken mit verzierten Tüchern und Messern mit Elfenbeingriffen, mit goldenen Kannen, silbernen Schalen, mit Kelchen und Gläsern, Weinkrügen und Schüsseln, Suppentellern und Löffeln, mit Gabeln und Salzfäßchen, mit Terrinen und Ölgefäßen, mit Dosen und Fächern. Und wahrlich, es steht geschrieben: >Bei seinem Tod wird der Mensch nichts von alledem mit sich nehmen, und sein Ruhm wird nicht mit ihm hinabsteigen<. (in: Spieß2, S.89)

Dies Vanitas-Thema mit seiner Verbindung mit dem Memento Mori wird bis tief ins Barockzeitalter hinein populär bleiben, ohne aber sonderlichen Einfluss auf die Praxis der meisten Menschen zu haben: Die Dichotomisierung des Bewusstseins wird vorläufig zumindest ein christliches Spezifikum bleiben.

Der Papst übrigens dieses Textes wird nach seinem Tode seines prunkvollen Leichengewandes beraubt werden.

 

Zur Frage der Ästhetik gilt für weltliche wie geistliche und monastische Herren weiterhin: Schönheit hat etwas mit dem sinnlichen wie dem Marktwert der Materialien zu tun. Für den Mönch und späteren Abt Lampert von Hersfeld ist Reichtum auch für Kirche und Kloster wesentliche Anzeige des Erfolges. Kunst und Protz sind dann dasselbe. Das reicht bei weitem nicht, um die Entstehung des Kapitalismus zu erklären, denn das gilt für alle entwickelten Zivilisationen der Welt. Aber die Identifizierung von Wert und Marktwert ist eine nicht unwesentliche Voraussetzung.

 

****Die Magie des Ästhetischen****

 

Der erste Wert von Edelsteinen liegt, im Unterschied zu Gold und Silber, in der magischen Übertragung von Werten auf sie, die im Farblichen und dem Funkeln und Glänzen bereits einen kindlich-naiven Basiswert haben. Schon in der Bibel spielen sie eine Rolle (Ingrid Weber in 'Verwandlungen', S. 319). Im Mittelalter wird ihnen Heilkraft zugeschrieben, wie Hildegard von Bingen in ihrer 'Physica' darlegt. Neben all dem macht ihre relative Seltenheit ihren Wert aus, der sie für die Schatzbildung und dann die Vermögensanlage tauglich macht.

 

****Künstler und Kunsthandwerk****

 

Die frühesten Ansätze zu jenem Kunstbegriff, wie er in der sogenannten Renaissance ausgebildet wird, liefert die namentliche Überlieferung besonders herausragender Kunsthandwerker. Sie stimmt zeitlich überein mit dem Übergang von der Romanik zur Gotik. Das ist hier deswegen wichtig, weil diese eine kontinuierliche Entwicklung insbesondere der Baukunst von der Spätantike bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts abrupt abbricht und innerhalb weniger Jahrzehnte etwas völlig neues entwickelt, einen Stil nämlich, der sich als solcher zum ersten Mal nach der Antike seiner selbst bewusst ist und in der Ablehnung des Alten, der sogenannten Romanik, eine neue Art von ästhetischem Bewusstsein entwickelt.

 

****Ästhetik des Luxus als Demonstration von Macht und Status****

 

Mustergültig für die Entwicklung eines demonstrativen Luxus ist der Text über den Einzug Kaiser Friedrichs II. 1235 ohne großes Truppenaufgebot in den deutschen Landen, dessen Ziel die Absetzung seines Sohnes Heinrich war:

 

Er aber fuhr, wie es der kaiserlichen Macht geziemt, in großer Pracht und Herrlichkeit einher, mit vielen Wagen, beladen mit Gold und Silber, Batist und Purpur, Edelsteinen und kostbarem Gerät, mit vielen Kamelen und Dromedaren. Viele Sarazenen und Äthiopier, verschiedener Künste kundig, mit Affen und Leoparden, bewachen sein Gold und seine Schätze. So gelangte er inmitten einer zahlreichen Menge von Fürsten und Rittern bis nach Wimpfen. (Fortsetzung Gottfrieds von Viterbo zu Eberbach in Eickels/Brüsch, S.275)

 

Man muss neben den Schätzen und der bewusst zur Schau gestellten Exotik auch noch die blitzenden Rüstungen und bunten Bekleidungen vor Augen haben, die Begleitmusik hören und den zu vermutenden Jubel des Publikums, zu dem sich vermutlich auch die Armen in einigem Abstand gesellten. Eine Etage über der Blüte eines frühen Kapitalismus, diesen unsichtbar machend, bewegen sich Fürsten in einem Aufzug, der ein wenig an Zirkus und ein wenig an orientalische Despotie erinnert.

 

Auch weltlicher Luxus als fürstlicher, herrschaftlicher, ist von Anfang an Schatzbildung. Der Schatz bedeutet Reichtum, der wiederum zeichnet neben "edlem Kriegertum" Macht aus, wie zum Beispiel Lampert von Hersfeld um 1080 immer wieder betont. Das ist zunächst einmal aus vorkapitalistischen Zeiten übernommen und genauso von orientalischen Despoten bekannt. Reichtum ist eine Art Mengenangabe, man besitzt viel, von dem, was reich macht. Zwischen den salischen Kaisern und dem späten Staufer zeichnet sich aber ein Unterschied ab: Erstere stellen Reichtum vor allem durch immer imposantere Bauten aus, der übrige bleibt eher wenigen vorbehalten. Bei Friedrich II. wird Reichtum an mobilen Werten bereits für eine breite und staunende Menge von Gaffern propagandistisch verwendet. Zu den Hochzeitsvorbereitungen von Isabella mit Kaiser Friedrich II. in England schreibt Roger von Wendover:

Der Aufwand für diese Hochzeit aber war derartig, dass es fast über königlichen Reichtum hinauszugehen schien. Denn zur Ehre der Kaiserin wurde eine Krone aus reinstem Gold und mit kostbaren Edelsteinen in kunstvollster Arbeit hergestellt, auf der vier englische Könige, Märtyrer und Bekenner, vom König eigens als Schutzheilige seiner Schwester bestimmt, dargestellt waren. Die goldenen Ringe und Münzen, die mit wertvollen Steinen kunstvoll verziert waren, der übrige schimmernde Schmuck, die seidenen und leinenen Kleider und Ähnliches, was Augen und Herzen der Frauen zu berücken und mit Sehnsucht zu erfüllen pflegt, verliehen ihr einen solchen Glanz, dass alles märchenhaft erschien. Und in den unterschiedlichen Festgewändern aus Seide, Wolle und Leinen von unterschiedlicher Farbe und kaiserlicher Pracht erstrahlte sie derartig,  (…) Alle Gefäße ferner sowohl die für Wein als auch die für Speisen, waren aus reinstem Silber oder Gold, und sogar sämtliche Kochtöpfe - und dies erschien allen überflüssig - waren aus reinstem Silber. (in Eickels/Brüsch, S.289f) Zudem waren die Pferde für die Überführung der Braut mit vergoldetem Zierrat ausgestattet.

 

Im Schmuck der angehenden Kaiserin stellt der englische König seine Macht in Form von Reichtum für eine relativ große Öffentlichkeit aus. Es ist so, als ob er einen kurzen Einblick in seine Schatzkammer werfen ließe. Mehrmals wird dabei der Ausdruck "kunstvoll" verwendet: Ein Schatz besteht nicht nur aus geldwertem Material, sondern auch aus "kunsthandwerklichen" Produkten, wie man das neuhochdeutsch ausdrückt. Die Kunstfertigkeit des Handwerkers veredelt den schieren Reichtum und drückt ihm weitere Botschaften auf, wie hier die der Veredelung schierer Macht der englischen Krone durch christliche Gesinnung.

Zu bemerken ist ferner, dass Roger hier zudem explizit auf die besondere weibliche Eitelkeit abzuzielen scheint. So erwähnt er zudem beim Einzug in Köln dass Isabella merkte, dass alle und besonders die edlen Matronen, die auf ihren Söllern saßen, ihr Antlitz zu sehen wünschten, nahm sie Hut und Schleier ab, so dass alle sie ungehindert ansehen konnten.  (in Eickels/Brüsch, S. 291)