STADT 5, 1650-1800

 

 

Städte 

Metropolstädte

Deutsche Städte (Hamburg / Danzig / Köln / Göttingen / Leipzig / Frankfurt / Augsburg / Nürnberg)

Frankreich

England

Nördliche Niederlande

Italien

Spanien

Osteuropa

Stadtadel, Patrizier

Bürgertum

Finanzen

Städtisches Militär

 

 

 

Städte

 

1790 leben 40 % der Bevölkerung Großbritanniens in Städten, in Frankreich 20-30%, in Preußen bei 27%. In Polen sind es wohl unter 10%. 

In Polen große jüdische Bevölkerung, Mitte des 18. Jahrhunderts sind es etwa 750 000. Abnahme durch wiederholte Pogrome. Dienen Landbesitzern als Eintreiber von Pacht, Steuern, Zöllen und Schulden und als Pächter von Mühle, Brauereien und Distillerien der Szlachta-Monopolherren. Land dürfen sie nicht besitzen, dafür dominieren sie den Handel und Unternehmen wie Schneidereien, Seifensiedereien, Kürschnereien etc.

 

 

Metropolstädte

 

London wächst von 1650 bis 1700 von 400 000 auf 575 000, womit es Paris überholt, und von 1700 bis 1800 von 575 000 auf 865 000 bis 950 000 Einwohner bei einer Fläche von etwa 23 Quadratkilometern an. (Knittler, S.183) Konzentration provinzialer Einrichtungen in der Hauptstadt, die zudem Parlamentssitz und Residenz ist sowie Produktions- und Handelszentrum.

 

Paris wächst von 510 000 um 1700 und mit Vororten um 1790 auf 660 000 (Knittler, S.202), und Neapel von 216 000 auf 427 000. (Rosseaux, S.11) Wien schafft immerhin 247 000, Berlin knapp 180 000, Hamburg höchstens 130 000 Einwohner.

 

Tendenzielle Übervölkerung von London im 16. Jahrhundert. 1580/92 wird es verboten, pro Neubau an mehr als eine Familie zu vermieten. Niedere Bebauung mit Einfamilienhäusern. Im Westen wachsen Vororte der Wohlhabenden, im Osten der Armen. 

1666 wird ein großer Teil Londons mit 13.700 Häusern, St. Paul's und 44 Zunfthäusern beim Great Fire zerstört, und es behält trotz der Planungen von Christopher Wren seinen alten Plan, da es von freiem Unternehmertum wieder aufgebaut wird. Neuartig nur St. Paul's und die Börse. Im 17./18. Jahrhundert wird die Fläche zwischen City und Westminster bebaut. Seit Covent Garden 1631 Platzanlagen, Vornehme Reihenhäuser im 18. Jahrhundert  

1698 Brand von Whitehall. Charles II. baut den St.James Palace. 1762 wird dem Herzog von Buckingham sein Stadtpalast abgekauft.

 

Unter Louis XIV werden nicht nur in Paris die Mauern abgerissen und durch Boulevards ersetzt, die nun die Faubourgs abtrennen.

 

Lissabon wird 1755 von einem schweren Erdbeben heimgesucht, und dann von Pombal als ganz neue Stadt wieder aufgebaut. Breite Straßen, Hochstbaumaße für Häuser. Im Zentrum die Praca do Commercio mit einem Standbild des Königs.

 

Das Menschengewimmel nimmt eher weiter zu, für 1678 heißt es für die Pariser Rue Saint-Honoré, sie sei unbefahrbar, weil sich

unmittelbar vor der Metzgerei beim Blindenhospital widerrechtlich ein Markt angesiedelt hat, auf dem an den Verkaufstagen verschiedene Frauen und Händlerinnen vom Land wie aus der Stadt ihre Waren ausbreiten und so den Durchgang durch diese Straße verstopfen, die als eine der größten und belebtesten Verkehrsadern von Paris stets freigehalten werden müsste. (in: Durand2, S.23)

Ähnlich sieht es in London mit vielleicht 300 000 Einwohnern bis zum großen Brand von 1666 aus, nach dem große Gebäudekomplexe mit Innenhöfen gebaut werden, die nun als Märkte fungieren können. 

 

In Paris bilden die Halles und in London Leadenhall große zentrale Marktkomplexe. Solche Riesenstädte verbrauchen täglich große Mengen an Lebensmitteln. Es heißt, 1707 würden "auf Pariser Märkten wöchentlich rund 1300 Rinder, 8300 Schafe und 2000 Kälber" verkauft. (Durand2, S.32) Dazu kommen Tausende von Pferden.

In Paris kommen große Teile dieser Waren über rund 20 Seine-Häfen in die Stadt.

 

London verbraucht Riesenteile der englischen Produktion und verkonsumiert die Mehrzahl der Waren des britischen Außenhandels.Dabei spezialisieren sich englische Regionen auf einzelne Warensparten, wie Kent auf Obst und Hopfen.

 

Istanbul mit vielleicht 700 000 Einwohnern um 1600 verbraucht ganze Schafherden auf dem Balkan und viel Weizen vom Schwarzen Meer und aus Ägypten, worauf die Sultane streng achten. 

 

Immer mehr Kapital geht in den Immobilien-Markt. 1781 lässt der Herzog von Chartres beim Pariser Palais Royal die Bäume der Promenade fällen, um dort Häuser zu bauen, die anschließend vermietet werden sollen. 

 

 

Deutsche Städte

 

Der Dreißigjährige Krieg schwächt viele deutsche Städte ganz erheblich. Ein Teil der nordwestdeutschen Städte bleibt eher verschont, wie zum Beispiel Hamburg, welches in dieser Zeit aufblüht und von 36 000 Einwohnern um 1600 auf etwa  75 000 um 1662 aufsteigt. Mecklenburg, Brandenburg und Schlesien werden besonders betroffen und manche Städte verlieren hier die Hälfte bis zwei Drittel ihrer Einwohner. Mehr noch als unmittelbare Kriegshandlungen wirken Hunger und Epidemien. In der verschonten Nordschweiz steigt die Bevölkerung in den dreißig Jahren so an, dass ein Überschuss auswandert. (Gerteis, S.56)

 

Zwischen 1648 und 1700 erholen Städte sich wieder, vor allem nach der letzten Pest von 1666. Insbesondere steigen nun Wien mit 114 000, Hamburg mit 70 000 und Berlin mit 55 000 Einwohnern an die Spitze auf. (Schilling/Ehrenpreis, S.16)

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts findet in fast ganz Europa eine Beschleunigung des Bevölkerungswachstums statt.

 

Seit dem 16. Jahrhundert lebt in deutschen Landen zumindest teilweise ein Viertel in Städten, von denen allerdings viele kleine Ackerbürger-Städte sind, was gegen allzu große Verstädterung spricht. (Gerteis, S.59)

 

Aber ansonsten bleiben Natalität wie Mortalität bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in Deutschland bestehen und die Städte bleiben weiter auf Zuwanderung angewiesen. Rund die Hälfte aller Todesfälle betreffen weiter Kinder bis zum Alter von fünf Jahren.

 

Nicht wenige Städte behalten bis in die große Industrialisierung ihr schon bis 1400/1500 erreichtes Stadtbild, wozu auch die oft noch erheblichen "Baulücken" mit Gärten usw. gehören. Das 1631 völlig zerstörte Magdeburg wird mit seinen verwinkelten Straßen wieder aufgebaut. 

 

Große wie kleine Städte werden mit den Einwanderungswellen insbesondere der Hugenotten gegen Ende des 16. Jahrhundert aufgewertet, die neue Gewerbe mitbringen.

 

1555 wird die Zweiteilung in Reichs- und Territorialstädte in Bezug auf die Religionsfrage festgeschrieben. Im Norden gelingt es dabei den protestantischen Autonomiestädten nicht, mit den Reichsstädten gleich zu ziehen,

 

Knittler spricht von einem Übergang vom "Honoratiorentum" zur "Beamtenaristokratie" in Territorialstädten. Mitgliedschaft im Rat wird eine Art besoldeter Beruf. (S.159)

 

In der Regel kontrollieren kleine Oligarchien die Städte im Inneren. In politischen Krisenzeiten treten dem Rat Bürgerausschüsse wie der, welcher ihn in Frankfurt/Main in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts kontrollieren soll, entgegen. Hin und wieder kommt es zu Unruhen, die vor allem auf die Finanz- und Steuerpolitik des Rates zielen. In der Regel ist aber brave Untertänigkeit üblich.

 

Dort, wo Munizipal-Ämter in territorialen Verwaltungen verbeamtet werden, werden sie besoldet. 

 

1648 gibt der Westfälische Frieden den Reichsstädten das 'Votum decisivum', das volle Stimmrecht im Reichstag. Sie erhalten nun souveräne Landeshoheit.

 

Die meisten Autonomiestädte werden durch den Dreißigjährigen Krieg schwer geschädigt und der Autonomiestatus geht vielen nun verloren, so in Münster 1660/61 an den Bischof, in Erfurt 1664 an den Mainzer Kurfürsten. 1666 geht Magdeburg an Brandenburg und wird Festungsstadt. Braunschweig verliert seine Freiheit 1671. Im ausgehenden 17. Jahrhundert setzt der Niedergang Kölns ein, auch durch katholische Konfessionalisierung bedingt. Bis 1744 kann Emden seine Selbständigkeit behalten, und Lemgo oder Rostock sogar bis 1788.

Im 18. Jahrhundert bleiben 51 Reichsstädte übrig. 

 

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 bleiben nur sechs Reichsstädte übrig, 1806 sind es nur noch vier (Bremen, Hamburg, Lübeck, Frankfurt)

 

 

Residenz- und Hauptstädte

 

Residenz- und Hauptstädte wie Berlin und Wien gewinnen an Bedeutung und überwiegen nun zunehmend die von Handels- und Messestädten. Berlin hat um 1650 rund 35 000 Einwohner und um 1800 rund 150 000. Hauptstadtfunktionen gewinnen Breslau mit 1650 etwa 40 000 Einwohnern und Königsberg mit 35 000. 

 

In solchen Residenz-Städten sind die Selbstverwaltungsrechte mehr oder minder stark eingeschränkt. Residenzstädte haben nicht selten auch Elemente einer Festungsstadt,

 

Eine bedeutende Residenzstadt wird Dresden, um 1650 noch mit 40 000 und im 18. Jahrhundert mit gut 60 000 Einwohnern. Unter August ("dem Starken") wird das Dresdener Schloss erneuert und der Zwinger gebaut. Ab 1739 katholische Hofkirche unter der Aufsicht von August III. von Ratszimmermeister Bähr erbaut. Silbermann-Orgel.

Sächsischer Landadel lässt sich Stadtresidenzen in Dresden errichten. Bauordnungen bestimmen unter dem starken August u.a. Höhe und Material von städtischen Häusern. Wer das nicht bezahlen kann, muss verkaufen. Am rechten Elbufer wird Altendresden unter Augusts Anleitung in die Neustadt verwandelt. Beide Ufer werden durch den Ausbau der steinernen Augustusbrücke verbunden.

 

Schlösser-Landschaft: Im Umkreis von etwa 30 Kilometern um Dresden liegen unter August II. 24 Schlösser. Schloss Pillnitz wird zunächst an zwei Mätressen Augusts vergeben und ab 1720 umgebaut. Dient sommerlichen Lustbarkeiten. Den meisten Eindruck macht wohl damals der Bau von Moritzburg.

 

Wien ist um 1700 mit 114 000 Einwohnern die größte Stadt im Reich. Um 1750 hat Wien etwa 175 000 und 1800 rund 230 000 Einwohner. 

In Wien nimmt die auf den Hof und als Beamte dem Staat zugewandte Bevölkerung immer mehr zu und stellt um 1730 eine Zweidrittel-Mehrheit der Bevölkerung im Zentrum, während die Handwerker in die Vorstädte vertrieben werden. In Wien übernimmt der Hof im Verlauf des 18. Jahrhunderts nach und nach die Verwaltung der Stadt.

Sekundäre Residenzstädte sind Graz und Innsbruck. Graz hat Mitte des 18. Jahrhunderts 20 000 Einwohner, Innsbruck ca. 8500.

 

In Ansbach machen die Angehörigen des Hofes und der Beamtenschaft 1734 mehr als dreißig Prozent aller städtischen Haushaltungen aus. Das senkt die städtischen Einnahmen, da diese Leute nur ein Drittel der üblichen Steuern bezahlen. (Rosseaux, S.32)

Weimar ist ganz vom Hof geprägt.

Die Mehrzahl der größeren deutschen Residenzstädte bleibt bis 1800 mit 10 000 bis 20 000 Einwohnern relativ klein, wie z.B. Stuttgart, Hannover oder Kassel.. Bonn schafft es bis 1800  auf 11 000 Einwohner, Koblenz 9000, Karlsruhe 7000. 

 

Seltener wird der Hof noch verlegt, wie 1720 der pfälzische von Heidelberg nach Mannheim und 1778/79 dann nach München.

1652 beginnt in Mannheim nach mehrmaliger Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg der Wiederaufbau als pfalzgräfliche Residenz. 1720 Transferierung der Residenz, das kurfürstliche Schloss tritt an die Stelle der Zitadelle und daneben etablieren sich Kirche und Hofadel, während die geplante protestantische Stadt erhalten bleibt. In fünfzig Jahren verdreifacht sich dann die Einwohnerzahl.

 

1661 lässt Friedrich I. beim kleinen Potsdam ein Schloss bauen. Zwischen 1722 und 1737 Vergrößerung der Truppe dort um die "langen Karls" durch Friedrich Wilhelm und Bau von rund 600 Wohnbauten. Zwischen 1745 und 1747 lässt Friedrich II. eine neue Residenz mit Sanscouci in Potsdam errichten. Unter ihm werden über 600 weitere Wohngebäude geschaffen, zudem 99 Kasernen und 29 Manufakturen. Kurz vor der französischen Revolution ist es Garnisonsstadt mit gut 6000 Soldaten und rund 18 000 weitere Einwohner.

 

Groß-Berlin besitzt um 1679 rund 8000 Einwohner. Glaubensflüchtlinge werden systematisch angezogen und neue Vorstädte wie Friedrichstadt und Spandauer Vorstadt gegründet. 1721 gibt es bereits 65 000 Berliner und 1785 einschließlich des Militärs fast 150 000.

 

1715 wird vom Markgrafen von Baden-Durlach vom heutigen Stadtteil Durlach aus Karlsruhe als völlig neue, barocke Planstadt gegründet. Vom Schloss aus werden 32 Radialstraßen gebaut, die in eine runde Ringstraße münden. Im Südosten bleibt das Dörfle bestehen, wo sich Hintersassen und Juden ansielden.

 

Anderswo werden Straßen gepflastert, repräsentative Parkanlagen geschaffen und die Bewohner veranlasst, statt Holz- nun Steinhäuser zu errichten. Straßen, Müllabfuhr und Abwasser-Ableitung werden erneuert oder neu eingerichtet.

Dazu kommen hier neue Stadtviertel wie Friedrichswerder oder Charlottenburg bei Berlin und die Dresdener Neustadt errichtet. Kassel wird teilweise umgebaut.

Das Repräsentations- und Unterhaltungsbedürfnis der Fürsten führt spätestens im 18. Jahrhundert zur Errichtung von Opernhäusern und Theatern, Bibliotheken und Museen, die dann nach und nach teilweise für die Öffentlichkeit geöffnet werden.

 

Fürsten, die es sich leisten können, bauen Sommer-Residenzen wie um 1700 Schönbrunn bei Wien, ab 1715 Nymphenburg bei München oder ab 1742 Schwetzingen.

 

Kleine Residenzstädte in großer Zahl gibt es in Thüringen mit u.a. Weimar, Eisenach, Arnstadt, Gera. 

 

Festungsstädte entstehen weiter neben ersten Städten ganz ohne Mauern. Nach 1687 wird Wesel zur brandenburgisch-preußischen Festungsstadt ausgebaut und verliert so anwirtschaftlicher Bedeutung.

1678 wird Vauban, der im Heer von Condé groß geworden war, General-Kommissar der Festungen. Vaubans Befestigung von Luxemburg.

Nach 1680 lässt Ludwig XIV. durch Vauban Saarlouis als Festungsstadt erbauen. Es wird von tausenden Soldaten unter der Aufsicht Vaubans gebaut."Im Inneren war die Stadt von militärischen Bauten wie Kasernen und Magazinen geprägt, hinzu kamen Gebäude für Versorgungseinrichtungen und die Militärverwaltung. All dies bot Platz für 1000 Mann zu Pferd, 3500 Mann zu Fuß, Artillerie und die dazugehörigen militärischen Stäbe." (Rosseaux, S.43) Ähnlich wird kurz darauf Neu-Breisach errichtet.

1697 bleibt Saarlouis eine französische Enklave. "Militärische Bauten bedeckten einen großen Teil der Fläche von Saarlouis: Kasernen, Magazine, Pulvermagazine auf den Bastionen, Militärbäckereien (für täglich bis zu 26 000 Rationen), Zeughaus, Lazarett, Offiziersunterkünfte und Gebäude der Militärverwaltung." (Gerteis, S.26)

Es folgen Hafenfestungen wie Brest und Toulon. Überall regelmäßiger Plan mit großem Militärplatz in der Mitte. Militärbereich, Bürgerstadt und öffentliche Einrichtungen bilden streng getrennte Zonen. (Knittler, S.61)

 

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts werden erste Befestigungen abgetragen und manchmal als Grünanlagen Spaziergebiet der Städter.

 

Garnisons- und Festungsstädte fallen in eins, wie in Brandenburg-Preußen, wo außer Polizei und Gerichten alles einer Kommissariatsverwaltung unterliegt. Die Wiedereinführung der Stadträte unter Friedrich II: gibt diesen nur geringe Bedeutung.

 

Akzisestädte besonders in brandenburgisch-preußischen Gebieten. Hier dienen Mauern oder Bretterzäune der Kontrolle der Erhebung der indirekten Akzise-Steuern, einer ursprünglich städtischen Verbrauchssteuer, die nun von staatlichen Beamten in den Städten eingezogen wird. Es handelt sich um "Stadtgründungen, in denen planmäßige Staatsmaßnahmen zur Hebung des Sozialprodukts, zur Mehrung der Einwohnerschaft, zur Steigerung der Wehrkraft und Kräftigung der Finanzen zur Anwendung gelangten. (Knittler, S.74) Nur langsam entstehen hier Magistrate mit sehr beschränkten Befugnissen.

 

Religionsflüchtlinge: Nach Täufern und ab dem frühen 17. Jahrhundert Mennoniten kommen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts  in Krefeld Quaker hinzu, die dann aber nach Nordamerika auswandern müssen. Die Mennoniten-F amilie von der Leyen schult im frühe 18. Jahrhundert Leinenweber zu Seidenwebern um und gibt ihnen Webstühle dafür. Die mächtige Firma erhält 1763 von Friedrich II. ein Monopol für die Seidenproduktion und kontrolliert um 1770 rund 700 Webstühle, die an die Heimarbeiter ausgeliehen werden.

 

Das 1653 als auch merkantil vom Grafen von Wied gegründete Residenz-Städtchen Neuwied  wird schon in den folgenden Jahrzehnten zu einer toleranten Stadt der Aufnahme von Religionsflüchtlingen, von Reformierten, Lutheranern, Katholiken, Mennoniten, Herrenhutern und Juden.

 

Im 18. Jahrhundert florieren englische Werftstädte. In diesem Jahrhundert vergrößert sich die Einwohnerzahl von Portsmouth von 5000 auf 33 000, und die von Plymouth von 9000 auf 45 000. Hafenstädte wie Liverpool treten nun in Konkurrenz mit London,. Hier wird 1715 ein erstes Dock eröffnet, und die Einwohnerzahl steigt im 18. Jahrhundert von 6000  auf 83 000 an. (Knittler, S. 78)

 

Einige deutsche Kurorte wie Aachen, Wiesbaden oder Baden-Baden sind Städte, aber viele bestenfalls ländliche Kleinststädte. Ausgesprochene Bäderstädte entstehen vor allem in England. So wächst Bath im 18. Jahrhundert von 3000 auf 33 000 Einwohner, daneben steigen Epson Wells und Tunbridge Wells auf, während mit Scarborough der neue Typ des Seebades aufsteigt. Mit der aufgelösten Stadtrandbildung, wie sie Mauern früher vorgaben, gehen solche Städte dann ins Land über, wo ebenfalls Orte der Freizeitgestaltung entstehen.

Auf dem Kontinent entwickelt sich Spa bei Verviers insebsondere nach 1767 zum internationalen Thermalbad.

Unter dem Vorwand der Gesundheit und dem vielleicht etwas handfesteren der Erholung, vor allem aber dem des Freizeit-Vergnügens entstehen Orte aus Promenaden, Ballhäusern, Konzerthallen, Theatern, Spielsälen und Kaffehäusern. Die Eliten errichten sich hier teilweise Residenzen, während die meisten ansonsten Kurzbesuche machen.

 

Tausende Klein- und Kleinststädte. Württemberg hat außer Stuttgart nur deutlich kleinere Städte, davon aber viele und ist insoweit recht verstädtert. Ähnliches gilt für den Osten Thüringens, wo nur Erfurt größere ist und es ansonsten viele kleine Orte mit Stadtrecht gibt, darunter als literarische Zentren die kleinen Residenzstädte Eisenach, Gotha, Weimar, Altenburg, Arnstadt und Gera.

 

Verfassung

1660/61 fällt die Selbständigkeit von Münster und Braunschweig (1661). Nach innerstädtischer Opposition fällt Erfurt 1664 an den Mainzer Kurfürsten. Nach der Belagerung von Magdeburg fällt die städtische Unabhängigkeit gegenüber Brandenburg, welches es zur Festungsstadt macht.

Reste von Autonomie bewahren sich noch Emden bis 1744 und Rostock bis 1788.

 

Zwischen der zweiten Hälfte des 17. und des 18. Jahrhunderts "Einordnung der Städte in den fürstlichen Verwaltungsstaat" (Gerteis, S.76). 1699 schreibt Jakob Brunnemann, dass Städte keine privaten Körperschaften seien, sondern als Anstalten des öffentlichen Rechtes dem Staat und dem Fürsten Rechenschaft schuldig seien. (s.o. S.77) 

Die Zahl der Räte wird oft verringert, Verwaltungsleute werden bevorzugt und werden zu einer Art Beamte. Selbstverwaltungselemente der Städte werden entkernt und bedeutungsloser. In Haupt- und/oder Residenzstädten wird die autonome Verwaltung auf marginale Bereiche reduziert. In Mannheim ist ein landesherrlicher Stadtdirektor an der Spitze der Verwaltung. Staatliche Behörden wählen aus einer Vorschlagsliste neue Ratsmitglieder und den Bürgermeister aus, wobei fürstliche Beamte bevorzugt werden. Ab 1734 setzt der Kurfürst ein Stadtgericht ein.

 

Vielerorts passt sich zumindest das Wirtschafts-Bürgertum an. Die traditionelle Ratsverfassung wird "dem neuen, territorialen Regierungs- und Verwaltungssystem eingefügt." Es kommt zur "beauftragten Selbstverwaltung".(Schilling/Ehrenpreis, S.46) In Preußen wird aber diese ganz "verstaatlicht".

 

1745 ziehen die Franzosen aus Freiburg/Breisgau ab. Wegen massiver Verschuldung und inneren Streitigkeiten setzt man unter Maria Theresia den alten Rat ab und einen neuen ohne Wahl ein. 

1756 Erlass, wonach der Rat nun einmal aus einem inneren Rat aus Bürgermeister, Schultheiß und sechs auf Lebenszeit gewählten Räten besteht, die meist juristisch gebildet sind. Sie werden Teil des allgemeinen staatlichen Behörden-Apparates und der Bürgermeister wird nicht mehr gewählt. Dazu kommt ein äußerer Rat aus den zwölf Vorstehern der Zünfte, die nur gelegentlich hinzu gezogen werden sollen. Als Reaktion darauf 1757 Freiburger "Weiberkrieg".

 

Beamtenzahl nimmt zu. 1734 unterstützen in Gent über hundert Beamte den Magistrat. 

 

Bath wird Anfang des 18. Jahrhunderts stark von Richard "Beau" Nash (1674-1761) geprägt, dem "König von Bath". Er beeinflusst das Vergnügungsangebot und beteiligt sich an der Stadtplanung.

Eine weitere Person, der aus einfachen Verhältnissen stammende Postmeister und Steinbruchbesitzer Ralph Allen, nimmt ebenfalls entscheidenden Anteil an der Entwicklung von Bath. Aus seinen Steinbrüchen kommt der Bath Stone und er wirddadurch zu einem der reichsten Männer Englands. Auf einem Hügel südöstlich der Stadt ließ er von 1735 bis 1748 seinen Landsitz Prior Park errichten.

 

Venedig wird von 151 Personen regiert, einem pien collegio, dem Senat und dem Rat der Zehn. Das Kollegium besteht aus 25 Personen, dem Dogen, seinen sechs Räten, den 16 Savi und den drei Vorsitzenden des Großen Gerichtshofes (quarantia criminale). Der Senat ist mit auswärtigen Angelegenheiten und Kriegen befasst, die Zehn mit der Staatssicherheit. Mehrere weitere hunderte Personen haben Ämter in der Stadt und den beherrschten Gebieten inne.

 

 

Stadtbild

 

Seit dem späten 17. Jahrhundert wird in größeren Städten Straßenbeleuchtung mit ölbefüllten Laternen eingeführt, 1673 in Hamburg, in Berlin 1679 und in Leipzig ab Weihnachten 1701 mit 500 Öllampen. Das erhellt die Straßen aber nur mäßig.

Im großen und ganzen bleiben die städtischen Lebensformen bis Anfang des 19. Jahrhunderts bestehen. Dabei nehmen die konfessionellen Gegensätze im Verlauf des 17./18. Jahrhunderts zu, und "Mischehen" werden immer seltener. In Erfurt entstehen nach Konfessionen getrennte Krankenhäuser, in Mannheim organisieren "sich die Handwerker der Stadt seit Beginn des 18. Jahrhunderts entlang der konfessionellen Grenzen". (Rosseaux, S.93)

 

In Bielefeld wird für das frühe 18. Jahrhundert in besseren Wohnlagen Haltung von Pferden und Kühen nachgewiesen. (Gerteis, S.129) In Köln ist bis Anfang des 19. Jahrhunderts ein Fünftel der Fläche innerhalb der Befestigungen durch Gemüse- und Weingärten vor allem landwirtschaftlich genutzt. (Gerteis, S.130) Im direkten Umland betreiben Bürger im 17. Jahrhundert Schafzucht und Gemüseanbau. Daneben gibt es vielerorts weiter Waldweide und städtische Allmend-Genossenschaften. Viele Bürger der Stadt Moers halten sich bis tief ins 18. Jahrhundert Vieh in der Moerser Heide.

In Mannheim werden jährlich kostenlos etwa 900 Morgen der Gemarkung an Bürger zur Selbstversorgung aufgeteilt. die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts durch verpachtete quadratische Gärten jenseits des Mains ergänzt werden.

In der Kleinstadt Durlach sind die Hälfte der Einwohner Handwerker, und viele von ihnen bewirtschaften  ein kleines Stück Rebland für den Eigenbedarf und ihre Straußwirtschaften. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts gehen die Wingerte an Bürger über, die hauptsächlich Weinbau betreiben, während Handwerker langsam stärker zum Kartoffelanbau übergehen.

 

Die Wohnverhältnisse gehen nun weit auseinander, vom Palast des großen Kapitals bis zu schäbigen Holzgebäuden an der Peripherie. Bei den Reichen nimmt die Ausstattung zu: Es kommen Schränke und Kommoden auf und bequemere Sessel.

 

Reihenhäuser der Ursulinen in Köln von 1697 sind Geldanlagen, 1737 werden im Glockengang in Bremen eingeschossige Reihenhäuser errichtet, die an verheiratete Soldaten, Tagelöhner usw. vermietet werden.

 

 

Hamburg

 

Nach dem Dreißigjährigen Krieg rund 70 000 Einwohner und damit nach Wien zweitgrößte deutsche Stadt. Dänischer Freihafen Altona als Konkurrenz. 

Hamburg und Frankfurt sind jetzt die wichtigsten Handels- und Finanzzentren im Reich. Hamburg hat um 1800 schließlich etwa 100 000 Einwohner 

 

Danzig

 

Gegen 1650 ist der Haushalt der Stadt fast zwanzigmal so groß wie der des polnischen Staates, Um 1700 rund 40 000 Einwohner, die in der Mehrheit deutschsprachig und lutheranisch sind. Die Stadt hat eigene Währung, eigenes diplomatisches Korps und eigenes Militär. Erfreut, mit August ("dem Starken") als Deutsche von einem Deutschen regiert zu werden.

 

Köln

 

1653 scheitert ein militärischer Anschlag auf die Bürgerstadt Köln durch Erzbischof Maximilian Heinrich.

Um 1660 Aufstand des Nicolas Gülich, der einen neuen Rat und neue Bürgermeister schaff, aber dann seinen Anhang verliert und 1168 offiziell geköpft wird. Kaiser Leopold I. unterstützt die Altmächtigen in der Stadt.

 

1665-67 fordert eine Pestepidemie rund 10 000 Tote. 1667 versucht der Erzbischof wiederum vergeblich die Stadt einzunehmen, die sich mit Waffengewalt verteidigt.

Im Reichskrieg wird 1676 eine Handelssperre gegen Frankreich erlassen. Die Waren fehlen nun.

1680-86 Gülich-Aufstand, ist wohlhabender Kaufmann. Der Aufstand wendet sich gegen Vetternwirtschaft und Veruntreuung von öffentlichen Geldern. Er wird erst Stadtrat und dann 1685 abgesetzt, verhaftet und 1686 hingerichtet.

 

Köln hat im 18. Jahrhundert rund 42 000 Einwohner. Insgesamt 403 Familien sind in diesem Jahrhundert mit mindestens einem Angehörigen im Rat vertreten, "die 194 Bürgermeister, die zwischen 1700 und 1796 in Köln amtierten, kamen aber aus lediglich 25 Familien." (Rosseaux, S.63)

Anfang des 18. Jahrhunderts hat Farina Erfolg mit Duftwässern (Eau de Cologne). Aber die protestantischen Handelsherren werden zwischen 1711 und 1716 immer mehr behindert und wandern nun endgültig nach Mülheim ab.

1757 erhält Köln eine französische Besatzung von bald 11 000 Mann

 

Seit1779 'Bürgerliche Deputatschaft' für Reformen-

1784 wird die Stadt bei schweren Zerstörungen vom Rhein überflutet. 1794 besetzen die Franzosen die Stadt, für die das Mittelalter nun zu Ende ist.

 

Göttingen

Das 1521 an die Stadt verpfändete Schultheißenamt wird 1664 vom Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel samt Zoll, Münze und Wechsel wieder eingelöst. Er gewinnt die allgemeine Polizeiaufsicht und immer mehr Einfluss. Der Stadtrat wird "immer mehr zu einem Exekutivorgan der landesherrlichen Verwaltung. Neben den Schultheiß tritt der Syndikus, den Rat leitet jetzt der vom Herzog eingesetzte Bürgermeister, der sich immer mehr Rechte anmaßt. 

 

Leipzig

 

1687 Börse und 1682 Handelsgerichtshof. Sitz des Oberhofgerichtes, des Konsistoriums, der zentralen Postbehörde und der obersten Steuerbehörde. Universität. 

Um 1700 ist hier die wichtigste deutsche Messe, bedeutender als Frankfurt/Main. Paläste großer Handelsherren messen sich mit denen des Adels in Dresden.

 

Frankfurt

 

Von Martin Luther als des Deutschen Reiches Silber- und Goldloch bezeichnet. Steigt unter niederländischen Großkaufleuten und Finanziers auf. Messe, Handel, Gewerbe und Geld- sowie Kreditverkehr. Im 18. Jahrhundert Bankzentrum mit Bethmann und Rothschild. Der Handel war zunächst mit Antwerpen verbunden, dann mit Amsterdam und schließlich mit Hamburg.

1700 sind es 28 000 Einwohner, um 1800 dann 40 000.

Anfang des 18. Jahrhunderts "unblutige Revolution" der Bürgercapitaine. Bis 1732 setzen kaiserliche Kommissionen u.a. einen Bürgerausschuss und eine "bürgerliche Gegenschreiberei" ein, was die Verfassung langsam "verbürgerlicht".

 

Augsburg

Nach dem Dreißigjährigen Krieg Niedergang der Barchentproduktion. Es dauert, bis man in der Kattunproduktion erfolgreich ist. Stattdessen Silberhandel und Silberschmiede-Kunst. Es bleibt auch das Wechsel- und Kreditgeschäft. Die Habsburger und Wittelsbacher werden nun finanziert. Ende des 18. Jahrhunderts übermächtige Konkurrenz der jüdischen Hoffaktoren und Kreditgeber, die sich nun in Augsburg niederlassen können.

 

Nürnberg

Das Fürstentum Ansbach subventioniert Manufakturen als Konkurrenz zu Nürnberg und erhebt zu dem Zweck Zölle. Zölle auch von seiten Preußens, der Habsburger-Lande und Bayerns. Zwischen 1622 und 1806 halbiert sich die Bevölkerung fast.

Den "Herren", in Herrenstuben und Tanzvereinigungen versammelt, gelingt es in Nürnberg, wo sie als unternehmerisches Patriziat als Nobiles Norimbergenses in die Neuzeit eingehen, 1697 von Leopold I. ihre Adeligkeit, das alleinige Recht zur Besetzung des Rates durch Kooptation bestätigt zu bekommen. Ihre Zahl halbiert sich aber bis 1794.

 

In Bayern 1670/1748 Stadt- und Marktordnung als einheitliche Regelung der städtischen Verwaltung und praktische Außerkraft-Setzung der Reste an Stadtautonomie.

 

 

Frankreich

 

Im 17. Jahrhundert steigt die Bedeutung von Lyon als Seidenstadt. und kurz nach 1700 hat die Stadt wieder über 100 000 Einwohner.

Rouen und Toulouse verlieren aus wirtschaftlichen Gründen an Bedeutung, Rouen auch durch den Aufstieg von Le Havre. An Bedeutung und Einwohnerschaft gewinnen die meisten Städte mit Parlement wie Rennes, Grenoble und Dijon und Hafenstädte wie Nantes, St.Malo und Marseille, die ihre Einwohnerschaft von 1550 bis 1700 etwa verdreifachen können, Marseille auf 75 000 Einwohner.

Im 18. Jahrhundert wachsen Hafenstädte mit ihrer wirtschaftlichen Bedeutung am stärksten, während die Bedeutung der Verwaltung für die weitere Entwicklung der Städte nun zurück geht. In Bordeaux kommt nach 1730 zum Wein der Zucker der Antillen, weswegen die Stadt im 18. Jahrhundert um fast 150% wächst, um 100% Brest und Nantes und um 50% das weniger begünstigte Marseille, das sich stärker auf Seifenerzeugung verlegt.

 

Unter Louis XIV. steigen die Ausgaben für Militär und Marine, die wesentlich vom Land kommen und Garnisons- und Festungsstädten, Arsenalen wie Brest oder Toulon und Häfen zugute kommen.

Hinzu kommen neue Parlements-Sitze wie Metz, Colmar oder Nancy, Orte mit Intendanturen und Sitz von Provinzialständen.

Des weiteren zieht mehr alter Adel als Rentiers in Städte wie schon im 16. Jahrhundert ins Pariser Marais. In Aix-en-Provence gibt es schließlich 400 Familien des Schwertadels, 193 der Noblesse de la Robe. Grundsätzlich gilt, dass der städtische Adel in Frankreich reicher ist als die Kaufleute. "Aber selbst in einer Manufakturstadt wie Lyon korrespondierte Reichtum vorab mit adeliger Standesqualität. Um 1780 waren hier die großen Adelsvermögen dreimal so groß wie jene der großen Kaufleute." (Knittler, S.207)

 

Mit der Einsetzung der Intendanten und der Verschärfung der Aufsicht über die Finanzen verringern sich die Spielräume der Städte drastisch. 1667 übt Nicolas La Reynie  als Generalleutnant der Polizei enorme politische Macht aus. Kurz danach wird die Bürgerwehr durch königliche Garden ersetzt. 1683 weitgehende Entrechtung der Kommunen, wozu auch der Abbau der Stadtmauern gehört. Aus Magistraturen und Ratsstellen werden nach Umstrukturierung ab 1692 käufliche königliche Ämter. Bis 1709 neue käufliche Ämter der Stadt und in den Milizen. Im 18. Jahrhundert treten dann auch Städte als Käufer solcher Ämter auf, aber vor allem Großkaufleute und Manufakturbesitzer.

 

Seit den 60er Jahren des 17. Jahrhunderts entsteht Mansards Riesenbau von Versailles. Seit 1671 folgt die Stadt für Höflinge, Beamte, Militär und Zivilverwaltung. Drei zum Schloss führende Hauptachsen werden mit regelmäßigen Straßenkarrées versehen. Bis 1700 rund 30 000 Einwohner.

 

 

England

 

Um 1700 wohnt die Mehrzahl der Engländer in etwa 20 000 kleinen Dörfern, die auf Marktstädte mit weniger als 2000 Einwohner orientiert sind. Es gibt höchstens 50 kleine regionale Zentren mit zwischen 2000  und 5000 Einwohnern  und darüber rund 30 Provinzmittelpunkte mit mehr als 5000 Einwohnern. Bei der Volkszählung 1801 gibt es 187 Städte mit mehr als 2500 Einwohnern, d.h. sie haben sich im letzten Jahrhundert verdreifacht.

 

Im Verlauf des 18. Jahrhunderts gewinnen Hafen- und Industriestädte wie Liverpool, Birmingham, Manchester und Leeds an Bedeutung. Aber alle englischen Städte sind klein und unbedeutend im Vergleich mit London.

 

Daniel Defoe bezeichnet die proto-industriellen Manchester, Leeds, Sheffield, Birmingham und andere als meer villages. 1801 sind Manchester, Birmingham, Leeds und Sheffield bereits mehr als 20 000 Einwohner groß.

Protoindustriell ist Manchester, Zentrum der Textilindustrie von Lancashire. Um 1670 gibt es etwa 6000 Einwohner, bis 1750 sind es 18 000, und bis 1801 werden es 84 000. Es ist nun zweitgrößte Stadt im Königreich. Leeds hat 1670 ebenfalls etwa 6000 Einwohner und vergrößert sich dann bis 1801 auf 53 000.

 

Um 1800 befinden sich unter den zehn größten Städten mit Manchester, Leeds und Norwich drei Textilzentren. Unterhalb davon Zentren der Strumpfwirkerei, die wie Derby auf 11 000 Einwohner und Nottingham auf 29 000 Einwohner aufsteigen.

 

Birmingham entwickelt metallverarbeitende Industrien. 1700 hat es höchstens 8000 Einwohner, 1750 bereits 24 0000 und ein halbes Jahrhundert später bereits 71 000. 

Sheffield wendet sich ab den 1740ern der Produktion hochwertigen Stahls zu. und um 1800 ist es Mittelpunkt einer großen Eisenproduktions-Landschaft. mit 46 000 Einwohnern.

 

Im 18. Jahrhundert bekommen Bristol, Exeter, Newcastle und Great Yarmouth Konkurrenz von Liverpool, Whitehaven, Sunderland und Hull. Bristol hat 1801 64 000 Einwohner, Liverpool bereits 83 000.

 

Newcastle und Sunderland konkurrieren um den Kohleexport. Hull beherrscht den Handel mit Nordeuropa  und ins Baltikum. Bristol und Liverpool konkurrieren um irischen, atlantischen und Sklavenhandel. Whitehaven engagiert im Tabak- und Kohlegeschäft. 

 

Um 1800 sind 30% der Bevölkerung in Städten mit mehr als 2500 Einwohnern und ist damit dreimal so urbanisiert wie Frankreich. (Knittler, S.192) Außer den Niederlanden wächst die Bevölkerung auf dem Kontinent seit der Mitte des 16. Jahrhunderts um 50-80%, in England um 280%. Grund auch Hebung der Agrarproduktivität, es wird durch Nachfrage mehr da hinein investiert.

 

Im 18. Jahrhundert sinkt der Anteil der im Parlament vertretenen Städte. Mit dem Rumpf-Parlament beginnt eine Revision der Charten, die unter staatliche Kontrolle gebracht werden sollen. Mit dem Corporation Act 1661 und dem Testact 1673 dürfen nur noch Mitglieder der CHurch of England öffentliche Ämter haben. 1727 Lockerung für Nonconformists mit dem Indemnity Act.

Im 18. Jahrhundert viele verschiedene Stadt-Verfassungen. Magnaten setzen immer mehr städtische Parlaments-Abgeordnete durch und immer mehr Städte werden  von parlamentarischer Repräsentanz ausgeschlossen.

 

Zunehmend massives Armutsproblem in den Städten. Hospitäler werden neu gegründet. Workhouses, Verbindung von Repression und Unterstützung über die poor laws.

 

Bis in die 1690er Jahre kontrollieren Tories den Court of Aldermen und und Whigs den Common Council, danach übernehmen die Tories als eine Art Volkspartei auch diesen (Knittler, S.136)

 

Niederlande

 

Um 1700 wohnt ein großer Teil der Bevölkerung in Städten der nördlichen Niederlande mit mehr als 5000 Einwohnern, eine damals enorme urbane Dichte. Amsterdam erreicht 1675 eine Einwohnerschaft von rund 200 000. Danach ökonomische und demographische Krise in den Niederlanden. Stagnation bis 1800. Leidens Bevölkerung sinkt von 1700 bis 1750 auf 56% als Resultat massiver "Deindustrialisierung" (Knittler, S.248) und der englischen und Aachener Konkurrenz. Im 18. Jahrhunderz verstärkte Enturbanisierung.

 

Zugang neuer Leute zu Ratsgremien nimmt ab. Typus des Mynheer mit Grundbesitz (heerlijkheden) und Herrensitzen auf dem Land. In der Stadt entlang der Grachten aufwendige Häuser mit großem Dienstpersonal. Akademische Bildung der Söhne. Die Zahl der Rentiers nimmt zu.

 

In den südlichen (habsburgischen) Niederlanden: Antwerpen erlebt Aufschwung der Leinenindustrie, der Tapiserien, Möbel und Diamantschleifereien sowie der Malerei usw. Spitzenklöppelei floriert auch in Mecheln, Gent und Brügge. Brügge und Gent produzieren feine Leinenstoffe. Textile Produktion auch in Lille und Tournai, bis Lille 1667/1713 an Frankreich fällt.

Zwischen 1700  und 1750 fällt die Bevölkerung flämischer Städte deutlich und noch mehr der von Brabant.  Nach 1750 neuer Bevölkerungsaufschwung: In Brüssel steigt die Bevölkerung bis 1800 von 60 000 auf 74 000, in Antwerpen von 46 000 auf 60 000 und in Gent von 40 000 auf 51 000. Aufschwung der Produktion von Baumwollstoffen und Mischgeweben, Zuckerraffinerien, Manufakturen für Glas, Seife, Kutschen, Papier, Porzellan. Dabei findet eine Proletarisierung großer Teile des Handwerks statt: In Antwerpen sind 1764 etwa 3000  im Bereich Baumwolle-Leinen tätige Produzenten von sechs Kapitalisten abhängig. (Knittler, S.253)

 

Die Krise der niederländischen Städte hängt mit der Expansion europäischer Nationalstaaten und den merkantilistischen und protesktionistischen Maßnahmen besonders von England und Frankreich zusammen. Daneben gibt es auch die immer stärkere Verlagerung von Produktion auf das Land insbesondere nach 1650. Während z.B. die flämische Leinenproduktion auf dem Land noch etwas zunimmt. geht sie in Antwerpen bis etwa 1740 auf ein Zehntel zurück.

 

Italien

 

Nach 1630/50 in der Lombardei "Deindustrialisierung der größere Städte bei gleichzeitiger Vermehrung der kleinstädtischen und ländlichen Produktion". (Knittler, S.226) "Grundsätzlich waren die Städte im 18. Jahrhundert weniger industrialisiert als im 16." (Knittler, S.228)

 

Um 1700 hat Turin 42 000 Einwohner, 1750 dann 57 000. Danach massiver Bevölkerungsanstieg durch Industrieansiedlung. Ansonsten bleiben piemontesische Städte klein.

 

Zwischen 1630 und 1750 Krise der toskanischen Städte. 

Rom erreicht um 1750 knapp 160 00 Einwohner. 

 

Kommerzielle Aktivitäten südlich von Rom sind auf Neapel konzentriert. Hafenstädte wie Monopoli und Salerno vor allem für die Ausfuhr von agrarischen Produkten. Neapel wächst von 150 000 Einwohnern um 1500  auf 280 000 um 1600. Palermo von 50 000 auf 105 000, Lecce von 15 000 auf 336 000 und Catania von 14 000 auf 25 000.

Im 17. Jahrhundert Niedergang der Wirtschaft, verstärkt durch die Pest von 1656. Tuch- und Seidenproduktion verringern sich erheblich.

 

Spanien

 

Allgemeiner Niedergang spanischer Städte im 17. Jahrhundert und manchmal bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts. Verlagerung der Textilproduktion von der Stadt aufs Land.

1717 muss Sevilla das Monopol im spanischen Westindienhandel an Cádiz abgeben, bleibt aber mit 70 000 Einwohnern (um 1800) weiter größte Stadt im Süden. Cádiz erhält die Casa de Contratación und damit den Amerikahandel.

Nach 1714 wächst dann Madrid wieder. Dahinter steht Barcelona bald an zweiter Stelle. Die wichtigsten alten Zentren profitieren dann außer Madrid wenig von der allgemeinen Erholung. 

 

Osteuropa

 

In Polen schon vor 1650 Sieg der gutsherrlichen Fronwirtschaft und der städtefeindlichen Politik des Adels. Dann ruinöser Krieg mit Schweden um 1650, der das Bürgertum massiv reduziert. Ende des 17. Jahrhunderts sind um die 70% der Städte in privater Hand. Zwischen 1650 und 1700 verliert Warschau 5000 Einwohner und hat nun nur noch 15 000. Andere größere Städte wachsen in dieser Zeit zumindest nicht. Aber um 1800 hat Warschau mit Geistlichkeit und Militär 75 000 Einwohner und das seit 1772 österreichische Lemberg 40 000. Verlierer in der Stadtentwicklung sind Krakau, Thorn und Lublin.

 

Prag hat um 1800 ca. 77 000 Einwohner, das mährische Brünn 23 000.

 

In Ungarn bis 1650 Konjunktur im Viehexport, bis 1700 im Weinexport. Zunemende adelige Fronwirtschaft und adelige Unterwanderung der Städte. Noch um 1700 ist Debreczin mit rund 20 000 Einwohnern größte ungarische Stadt. Nach 1711 Friedenszeit und größeres Wachstum der Städte. Um 1800 haben Ofen/Pest 50 000 Einwohner, Preßburg nun 28 000.

  

 

Stadtadel, Patrizier

 

In Venedig wird versucht, dem Mangel an Stadtadel vor allem aus fiskalischen Gründen durch Nobilitierungen abzuhelfen. Die neuen Adeligen sind aber ebenfalls weniger an politischem Engagement interessiert oder aber der Zugang wird ihnen verwehrt. 

 

In Frankreich gibt es Städte wie Lyon oder Châlons-sur-Marne, wo die Vermögen des Adels wesentlich höher als die der großen Kaufleute sind, aber auch solche wie Marseille oder manche kleinere Städte, wo Kaufleute wohlhabender auch an städtischem und ländlichem Grundbesitz sind. 

 

In England spielt der Adelsrang in den Städten kaum eine Rolle. Es gibt auch nur wenige davon. Wenn man die Gentry dem niedrigen Adel zuordnet, ist die Sache aber anders. 

In Worcester oder York setzt sich der Stadtrat aus Kaufleuten, vermögenden Handwerkern und Gentry-Familien des Umlandes zusammen. (Knittler, S.163) Die urbanen Eliten bleiben offen. Es bildet sich über Handel und Finanzgeschäfte eine städtische Schicht, die der Gentry ähnlich ist. Im 17. Jahrhundert nehmen dann die Verbindungen zwischen Gentry und erfolgreichen Kaufleuten zu, die zu Landedelleuten werden. Auch städtische Eliten lassen sich Master oder Gentleman titulieren. Schon Anfang des 18. Jahrhunderts gelten beide Gruppen in London als gleichrangig.

 

Bürgertum

 

In Köln vertreten die 22 Gaffeln die Einwohnerschaft, die 36 Personen für den Rat nominieren.

In Lübeck setzt sich der Rat seit 1665 aus vier Bürgermeistern und 16 Ratsherren zusammen, von denen acht aus den Zünften, drei aus der Zirkelgesellschaft, drei aus der Kaufleute-Kompanie und zwei von Gelehrten kommt.

In Königsberg gibt es neben dem juristisch geprägten Kreis der Räte einmal die "Großbürgerzünfte" der Kaufleute und Mälzerbrauer und dann die "Kleinbürger"-Gewerke. 

Zwischen den Zünften und innerhalb von ihnen gibt es erhebliche Einkommens-Unterschiede. In Residenzstädten Unterschiede zwischen alteingesessenen Bürgern und zuziehenden Hofleuten. In Festungsstädten zwischen Bürgern einerseits und Militär und Beamten auf der anderen Seite.

 

In Frankreich gibt es im 18. Jahrhundert eine begüterte Mittelschicht, die sich neu orientiert und in Klubs, Lesezirkeln und Freimaurerlogen organisiert. Dabei sinkt die Bedeutung von Bruderschaften mit der zunehmenden Säkularisierung.

 

In England Kaufleutegilden wie die Twelve Great Livery Companies in London. Sie entsprechen oft der ökonomischen oder politischen Elite. Zunahme der Mitglieder der freien Berufe und einer Schicht wohlhabender Faulenzer. Der middling rank of men gilt im 18. Jahrhundert als Stabilitätsfaktor für das Staatsganze.

 

Proletariat

 

Mit der Forderung nach Mindestvermögen für Neubürger soll - oft vergeblich - der Umfang eines Proletariats in Grenzen gehalten werden. (1712 in Ludwigsburg 1000 Taler). Die Einrichtung von Armenhäusern, Zucht-, Arbeits,- und Waisenhäusern zeigt den Misserfolg.

 

Proletariat sind weiter vor allem alle die, die im wesentlichen mit ihren Händen arbeiten müssen, ohne über eigene Produktionsmittel wie Werkstätten oder ähnliches zu verfügen. Solche Leute sind entweder akut arm oder aber immer wieder in Gefahr, in Armut abzurutschen. 

 

Ab etwa 1650 kommt es in Frankreich zu zunehmender Hospitalisierung. 1657 entsteht in Paris das Hôpital-Général für über 10 000 Insassen. Mit einem Edikt von 1662 wird so etwas grundsätzlich für jeden Ort vorgeschrieben. Aber auch bei Zunahme solcher Häuser ziehen manche Arme das freiere Leben außerhalb vor. 

 

Zunahme der Armutskriminalität, der Prostitution und des Alkoholismus im 18. Jahrhundert

 

 

Finanzen

 

Mit den zunehmenden stehenden Heeren werden die ursprünglich fallweisen Quartiergelder und Kontributionen (als Ablösungen städtischer Beiträge) zu regelmäßigen direkten Steuern.

 

In Reichsstädten ist die direkte Steuer nur eine oft geringere Einnahmequelle, in Köln wird sie z.B. nur in Ausnahmefällen erhoben. Immer mehr Städte verschulden sich immer höher. Biberach zum Beispiel hat 1767 bei einem Haushalt von ca. 34 000 fl. eine Schuld von 110 000 fl., deren Zinsen nur noch gerade so aufgebracht werden können. (Gerteis, S.91) 1806 ist Frankfurt mit einer Million Gulden verschuldet, in etwa dieser Zeit Köln mit 1,7 Millionen Reichstaler, Augsburg mit zwei Millionen Reichstalern und Nürnberg hat über vierzehn Millionen Gulden an Schulden. 

 

Kölns Einnahmen beruhen auf etwa 70 Akzisen, Gebühren und Pachten bzw. Mieten, von denen der Vorgang des Einnehmens des öfteren die Einnahmen bereits ganz oder zum Teil verschlingt. Nicht wenige Einnahmen wiederum sind verpachtet. Als Geldquelle kommt dann noch die Kreditaufnahme in der Form des Rentenkaufes hinzu. an dem reiche Bürger und kirchliche Einrichtungen beteiligt sind.

 

 

Städtisches Militär

 

In Augsburg wird das städtische Militär in Gruppen unter Gassenhauptleuten gegliedert. Diese müssen Einwohnerlisten führen. 1778 sollen sie laut einer Instruktion

überhaupt alles, was die gemeine Sicherheit, gute Ordnung und Sitten, worunter vorzüglich die geistliche und leibliche Erziehung der Kinder gehörig, betrifft, in der seiner Obsicht übergebenen Gegend, die wachsamste Aufmerksamkeit halten. (in: Gerteis, S.109)

 

Sie überwachen so z.B. auch die Einhaltung des Arbeitsverbotes an Sonntagen. Andernorts repräsentieren sie ein wenig die Bürgerschaft wie in Frankfurt.

 

"Einen Hauptmann in Augsburg kostete es, seine Charge zu erlangen, etwa 142 fl. an Präsentations- und Trinkgeldern, was fast dem Betrag entsprach, der zur Sicherung des Existenzminimums einer Familie für ein ganzes Jahr erforderlich war. Ein bürgerlicher Rittmeister hatte für sein Amt (Pferdeausrüstung und weitere Kosten) etwa 2000 fl. aufzuwenden. In Augsburg hat Jürgen Kraus von 74 Fußhauptleuten im 18. Jahrhundert 68 Kaufleute ermittelt." (Gerteis, S.110)

 

Neben der Bürgermiliz gibt es oft eine aus Söldnern bestehende Stadtgarde, die allerdings nach dem Dreißigjährigen Krieg ihre militärische Bedeutung verliert. Daneben müssen die Reichsstädte im Falle des Reichskrieges Soldaten stellen, die oft so schlecht bezahlt sind, dass sie wie ihre Frauen zusätzlich Tagelöhner-Arbeiten annehmen müssen.