Kolonien
Welthandel
Produktion
Handwerk (Hofhandwerk)
Manufakturen
Baugewerbe
Staat und Kapital: Merkantilismus
Großkapital
Wirtschafts-Theorien
Einstieg in die große Industrialisierung
Transport
Konsumismus der Wenigen
Kolonien
Inzwischen sind die Kolonien in die Machtkämpfe der europäischen Staaten integriert.
Westindien
Die niederländische Westindien-Kompagnie kontrolliert schon um 1700 mehr als 50% des brasilianischen Zuckerhandels und dominiert den transatlantischen Sklavenhandel.
Seit der Navigationsakte (1651) mit ihrem Protektionismus nimmt der Konflikt zwischen britischem und niederländischem Handel immer mehr zu, der schnell in Kriegen mündet.
Auf Jamaika und Barbados errichten Engländer eigene Zucker-Plantagen und verdrängt im nördlichen Europa den portugiesischen Zuckerhandel. "1676 laufen 400 Schiffe mit je 180 Tonnen (also insgesamt 72 000 Tonnen) Zucker an Bord von Jamaika aus, und im 18. Jahrhundert erzeugt Santo Domingo ebenso viel, wenn nicht noch mehr." (Durand2, S.202)
Im Vertrag von Methuen 1703 wird mit Portugal eine gegenseitige Öffnung der Märkte beschlossen, von der vor allem die Briten profitieren.
1763 im Frieden von Paris verliert die französische Krone die kanadischen und viele indische Gebiete an England. Immer mehr Kapital versammelt sich in London und dort besonders im Oberhaus.
Afrika
Zwischen etwa 1600 und 1850 werden ca. elf Millionen Afrikaner in die Amerikas verschleppt, die vor allem auf Plantagen, aber auch in Privat-Haushalten und im Bergbau arbeiten. Im 18. Jahrhundert sollen 1,3 Millionen Afrikaner nach Brasilien verschifft worden sein. (Kleinschmidt, S.23)
Derweil verschleppen Araber und andere Muslims ebenfalls Millionen afrikanische Sklaven von Süden nach Norden.
1652 beginnen die Buren Südafrika zu besiedeln.
Ostindien
Im 18. Jahrhundert macht der Atlantikhandel rund ein Drittel der Importe aus, der Asienhandel nur rund 11%. (Kleinschmidt, S.30)
Surat wird Anfang des 17. Jahrhunderts zum Einfallstor der Engländer und Holländer nach Indien. Handelskontore werden eröffnet, indische Kommissionäre werden reich.
Die britische East India Company dringt in den asiatischen Textilmarkt ein und im 18. Jahrhundert in den indischen Baumwoll-Markt. 1686 kommt es zu ersten kleinen englischen Niederlassungen in Bengalen. Nach 1750 haben es die Engländer erobert und vollziehen seine Ausplünderung. Silber, Gold, Edelsteine und Diamanten wandern für die später so genannten Nabobs nach England. Der Gouverneur von Bengalen und zahlreiche weitere Engländer bereichern sich auch über schamlose Korruption. Um 1800 hat England ein Dritttel Indiens eingenommen und vollzieht nun die Verwandlung in eine auszubeutende Kolonie.
Die niederländische Ostindien-Kompagnie mit Sitz in Amsterdam und Middelburg treibt Handel zwischen Malakka, Indien, China und Japan. Um 1750 sind "weltweit 36 000 Männer in ihren Diensten." (Kleinschmidt, S.26) Inzwischen werden vor allem Textilien, Rohseide, Kaffee und Tee verhandelt.
1768-79 die Fahrten James Cooks erschließen den pazifischen Raum, wo bald Nordamerika und Russland aneinander stoßen.
Der Handel mit China greift im 18. Jahrhundert langsam auf das Landesinnere über. Die Tee-Anbauflächen dort werden immer weiter vergrößert.
1720 gründet die Pekinger Regierung als Gegenstück zur Ostindischen Handelskompanie die Kaufmanns-Gesellschaft Co-Hong, die sich bis 1771 behaupten kann. Aber die bürokratisch-staatlichen Machtmittel der Mandarin-Strukturen verhindern Kapitalismus.
In Japan unter den Shogunen der Tokugawa-Dynastie 1638 starke Drosselung der Kontakte mit dem Ausland. Aber es gibt kapitalkräftige Kaufleute.
Welthandel
Amsterdam ist wichtigster Kapitalmarkt bis ins 18. Jahrhundert.
China nutzt Gold nicht als Währungsmittel und zieht dafür das europäische Silber an. Ein Großteil des amerikanischen Silbers landet darum in China. "Europa schickt sein Silber in die Welt hinaus, überbewertet aber das Gold und hält es damit zurück." (Durand2, S.216)
Schweden importiert Textilien und exportiert seit dem 17. Jahrhundert Eisen und Kupfer. Für den Kupferabsatz ist seit 1619 die Schwedische Handelskompanie zuständig.
1690 gründet William Rittenhouse aus der Grafschaft Berg eine erste Papierfabrik in Britisch-Nordamerika. Henry William Stiegel errichtet in den 1760er Jahren ein Eisenwerk zur Herstellung von Öfen, Töpfen usw. (Kleinschmidt, S.62)
Französische Handelskompanien in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts scheitern.
Bis zum Niedergang des Mogulreiches im 18. Jahrhundert bleibt Indien bedeutende Handelsregion mit einer ausgeprägten Geldwirtschaft und zahllosen Märkten. Alle geschlossenen Ortschaften Indiens besitzen Geldwechsler und Bankiers vorwiegend aus der Kaste der Banjans. (Durand2, S.127) Mancher Kapitalist verfügt über Millionen Rupien oder über zig Schiffe mittlerer Größe.
In Java bleibt Bantam noch über die Gründung von Batavia hinaus eine große Handelsstadt mit einem bedeutenden Chinesenviertel.
In China gibt es viel bürokratische Kontrolle über den Handel, bis es in Kanton im 18. Jahrhundert eine große Messe einführt., die als Gegengewicht gegen die Europäer dienen soll.
Zur Finanzierung der britischen Tee-Importe aus China verfällt Britannien auf den Opium-Import aus dem von der East India Company kontrollierten Bengalen, was China dazu bringt, den Zugang zu seinem Markt seit 1760 zu erschweren. Aber der Drogenkonsum nimmt in China langsam zu, um im 19. Jahrhundert schlimme Ausmaße anzunehmen.
Nachdem in Japan die portugiesische Mission immer aggressiver wird, verschließt sich das Land seit den 1630 Jahren bis ins 19. Jahrhundert immer mehr westlichen Einflüssen. Aber über den Hafen von Nagasaki gibt es weiter Handel mit der niederländischen Ostindien-Kompagnie und mit China und Korea.
Der Handel des Osmanischen Reiches geht im 18. Jahrhundert massiv zurück, wozu die Auflösungstendenzen des Reiches ebenso beitragen wie die europäische Konkurrenz. Es kommt zu keinem Merkantilismus.
Zwischen Marokko und Syrien gibt es ein ausgeprägtes Messewesen
In Ostafrika gibt es im 18. Jahrhundert vom Oman aus ein großes Handelsreich mit bedeutenden Handelsflotten. Man handelt Datteln, Elfenbein, Baumwolle und von Sansibar aus Gewürznelken. Dies alles wird dann von den Briten zurück gedrängt.
Handel
Englisches Kapital übernimmt im 18. Jahrhundert schnell den portugiesischen Markt. Es kurbelt den Weinbau im Norden an und verhilft den Weinen aus Porto zur Berühmtheit; versorgt Lissabon mit Weizen und Kabeljau in Fässern; führt ballenweise seine Tuche ein, genug, um alle Bauern Portugals zu kleiden und den fernen brasilianischen Markt zu überschwemmen. Und lässt sich alles mit Gold und Diamanten bezahlen, mit Brasiliens Gold, das nach kurzer Zwischenstation in Lissabon nach Norden abwandert." (Durand2, S.226)
Handel beruht auf dem sich immer schneller wandelnden Spiel von Angebot und Nachfrage. Dieses wiederum funktioniert weiter über möglichst aktuelle Informationen für die Händler. Filialleiter, Kommissionäre und Freunde werden unentwegt beauftragt, den Stand der Nachfrage nach Waren vor Ort zu übermitteln.
Großhandel im 18. Jahrhundert
Es finden häufig sehr unterschiedliche Formen von Dreiecks-Handel statt, z.B. von Liverpool an die Guinea-Küste, dann nach Jamaika und wieder zurück, oder von Bordeaux an die Küste des Senegal, dann nach Martinique und zurück. Solche Reisen können aber auch noch mehrere Etappen haben, die auch im Mittelmeer stattfinden.
Der rasch zunehmende Großhandel lässt sich immer weniger durch Jahrmärkte und Messen kanalisieren. Stattdessen nimmt "die Konzentration der Handelsgüter in Lagerhäusern und Magazinen im 18. Jahrhundert in ganz Europa" zu.
In Amsterdam, wo laut Ricard (1722)
täglich zahlreiche Schiffe einlaufen (...) gibt es dementsprechend auch eine Vielzahl an Magazinen und Gewölben, um all die von diesen Schiffen angelieferten Waren einzulagern: Die solcherart gut ausgerüstete Stadt verfügt über ganze Viertel, in denen nur fünf- bis achtstöckige Lagerhäuser und Speicher stehen, und außerdem gehören zu den meisten Häusern an den Grachten zwei bis drei Magazine und ein Gewölbe. (in: Durand2, S.96)
Und so "konzentriert sich etwa Rohbaumwolle aus Mittelamerika in Cádiz, die aus Brasilien (...) in Lissabon, die indische Baumwolle in Liverpool und die aus der Levante in Marseille. Mainz unterhält das größte deutsche Lager für französische Weine, Lille stapelt schon vor 1715 in riesigen Lagerhäusern Branntwein für die Niederlande, und in Marseille, Nantes und Bordeaux befinden sich die bedeutendsten französischen Speicher für die Importgüter (Zucker, Kaffee) von den Antillen. (Durand2, S.96)
Immer mehr Kapitaleigner können nach 1700 selbständig Fernhandel betreiben, weswegen sie sich mehr und mehr gegen die privilegierten Handelskompanien wenden. Nach 1688 wird das Indienhandels-Privileg der East India Company ganz aufgehoben, was aber nach 1700 wieder zurück genommen wird.
Börsen
Börsen sind an bedeutenderen Handelsplätzen institutionalisierte Treffpunkte für Händler, Place des Changes in Lyon, Lonja in Spanien. Nur langsam erhalten sie seit dem 13./14. Jahrhundert feste Häuser, nachdem sie vorher unter freiem Himmel stattfinden. In Leipzig finden sie in der Nähe der Waage im Freien statt, bis 1678-82 für sie ein stattlicher Barockbau errichtet wird.
In Amsterdam entsteht das erste Gebäude zwischen 1609 und 1631 gegenüber der Bank und dem Gebäude der Oost Indische Compagnie. Laut Ricard (1722) drängen sich hier zwischen zwölf und zwei Uhr schätzungsweise 4500 Besucher zusammen. (Durand2, S.100) Schon vorher gibt es hier eine Getreidebörse. "die dreimal wöchentlich von zehn Uhr morgens bis zwölf Uhr mittags in einer riesigen Holzhalle tagt; jeder Kaufmann beschäftigt einen eigenen Faktor. der in ein bis zwei Pfund fassenden Säckchen Proben der zum Verkauf angebotenen Getreidesorten vorlegt. (s.o., S.101)
Im 17. Jahrhundert beginnt zunehmend Effektenhandel mit Aktien und Staatspapieren, in Amsterdam z.B. mit Aktien der Ostindischen Kompagnie, die allerdings namentlich in einem Register der Gesellschaft eingetragen sind. Börsenspekulation setzt ein, dazu kommen Termingeschäfte wie mit noch nicht geerntetem Getreide und noch nicht gefangenen Heringen, und das Spekulieren mit Auslands-Anleihen.
In der Umgebung der Börse gibt es in Amsterdam coffy huisen, in denen Spekulanten plauschen, Tabak rauchen oder sich an Spieltischen vergnügen können.
In England entstehen zwischen 1692 und 1695 150 neue joint stock companies (Aktiengesellschaften), die sich aber nicht alle halten können. (Durand2, S.496) In London werden an der Royal Exchange seit 1695 Staatspapiere, Aktien der East India Company und von rund sechzig Gesellschaften wie der Bank of England gehandelt. Waren-Makler, stock-brokers und jobbers arbeiten hier. In der Exchange Alley wird in Kaffeehäusern mit Termingeschäften spektuliert, bis 1773 die Stock Exchange entsteht.
1720 South Sea Bubble
Die 1724 eingerichtete Pariser Börse kann mit denen von Amsterdam und London an Geschäfts-Umfang nicht mithalten. Immerhin steigen rund 500 000 Bürger in den Kauf der Staatsanleihen Neckers und Calonnes ein und tragen so die französische Staatsschuld. Andere spekulieren mittels Agiotage, obwohl das vom König verboten wird.
Daneben wird an Spieltischen von den Reichen bei Pharo und anderen Spielen um hohe Summen gewettet, es gibt eine Staatslotterie mit 112 Büros in Paris, und seit 1776 wird auch bei Pferderennen offiziell gewettet.
Produktion
Allgemeine Verlagerung gewerblicher Produktion auf das Land vor allem ab der Mitte des 17. Jahrhunderts. Schon vor 1700 sind zwei Drittel der Wollzeugweberei in der Picardie und im Beauvaisis auf dem Land angesiedelt, und 1737 drei Viertel der Feinleinenerzeugung, die zuvor in Valenciennes angesiedelt war. Insgesamt expandiert der französische Textilsektor im 18. Jahrhundert um knapp 80%. Bedruckte Baumwollstoffe. Die Verlagerung aufs Land nimmt weiter zu.
Mit der Zuckereinfuhr aus Westindien beginnen sich die Zucker-Raffinerien auszubreiten. Um 1550 besitzt Antwerpen davon 19, dann übernimmt Amsterdam, welches 1650 bereits auf 40 kommt. Nachdem Colbert den französischen Binnenmarkt durch Einfuhrzölle schützt, blühen an vielen Orten Zucker-Raffinerien auf und ab 1670 kann sogar raffinierter Zucker ausgeführt werden. Unter staatlichem Monopol entstehen auch Raffinerien in Preußen, Österreich und Russland.
Handwerk
Die Verlagerung von gewerblicher Produktion auf das Land steigert die Einkommen von Kaufleuten und Verlegern und senkt die der Handwerker. Stadtsässig bleibt vor allem die Luxusindustrie, wie Seide in Lyon und Tours und Luxusgewerbe in Paris.
Gesellenaufstände wie der der Schuhmacher-Gesellen in Augsburg führen 1731 zu einer Reichshandwerksordnung. Sie schränkt die Autonomie der Zünfte ein, die stärker vom Staat kontrolliert werden sollen, und soll die Macht der Gesellen einschränken. Tendenzen zur Befreiung vom Zunftzwang verschwinden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wieder. Nachdem Karlsruhe 1715 ohne Zünfte gegründet worden war, wird es bis 1752 wieder mit Zunftzwang ausgestattet. Für Meister und Bürgerrecht schnellen die Preise enorm in die Höhe, was Abschließung bedeutet.
"Während in Frankreich der Colbertismus die Zünfte in ein System der Staatswirtschaft einbaute und während in England mehr und mehr die freie Organisation der Wirtschaftdominierte, konnte sich in Deutschland der absolutistische Staat zwar politisch gegenüber den Zünften durchsetzen, ließ sie aber als korporatives Ordnungselement gesellschaftlich und ökonomisch bestehen." (Gerteis, S.142) Das hält etwas den Weg in die Industrialisierung auf.
***Hofhandwerk***
Johann Melchior Dinglinger kommt 1702 nach Dresden und wird 1704 Hofjuwelier Augusts II. von Sachsen. Mit seinem Bruder und elf Assistenen arbeitet er allein sieben Jahre am 'Hofstaat Aureng-Zebs'. Kann sich in Dresden ein großes Haus für 4000 Taler leisten, das so luxuriös ist, dass er dort auch Zar Peter ("den Gro0en") empfangen kann. Besitzt zudem einen Weinberg und eine Villa außerhalb von Dresden.
Baugewerbe
Hoch-Barock ist die Zeit des Baus von immer mehr und immer größeren Schlössern. 1664 Nymphenburg, ab 1676 Ausbau von Schloss Herrenhausen (Hannover), ab 1789 Berliner Stadtschloss, nach 1700 Neubau von Schloss Schleißheim, ab 1717 Erneuerung des Dresdener Schlosses, ab 1720 Bau des Mannheimer und des Würzburger Schlosses, ab 1722 Schloss Bruchsal der Fürstbischöfe von Speyer, ab 1725 das größere der Brühler Schlösser.
Die Bauhütte von August ("dem Starken") verfügt über rund 100 Mitarbeiter, darunter viele hochspezialisierte Handwerker.
Manufakturen
Als Vorläufer des Fabriksystems, allerdings noch ohne größeren Maschinen-Einsatz, bilden Manufakturen bei deutlicherer Trennung von Kapital und (Hand)Arbeit in Einzelfällen die Zukunft des Handwerks im Industrie-Zeitalter ab. Warenproduktion einzelner Handwerksbetriebe wird dabei ersetzt durch den Einsatz speziell ausgebildeter Lohnarbeit in größerem Umfang, die aber oft noch nicht so spezialisiert ist wie bald in Fabriken. Aber die Arbeit wird schon in größeren Gebäuden konzentriert und so auch besser kontrolliert. Dabei werden in unterschiedlichen Arbeitsschritten von Spezialisten arbeitsteilig Fertigprodukte hergestellt. Es geht vor allem um Luxusprodukte wie Porzellan, Seide, Tapisserien, Lederwaren, Spielkarten, Uhren, Tapeten. Ziel ist Produktionssteigerung bei Kostensenkung, -was auch sonst.
Der große Luxussektor für August ("den Starken") stellt so "Glas, Spiegel, Uhren, Schmuck, Gemmen, Medaillen, Möbel, Teppiche, Gemälde und Wandteppiche" her. (Blanning/August, S.300)
Mit Manufakturen können Fürsten Tendenzen jenseits des Zunftzwangs befördern."Wesentlich war, dass die Manufaktur von Arbeitskräften betrieben wurde, die außerhalb der Zunftbestimmungen standen, die keinen Ausbildungsvorschriften und anderen Beschränkungen unterlagen." (Gerteis, S.151)
Gewerbeförderung ist zudem Steuerförderung. Schließlich können Manufakturen in Waisen-, Armen-, Zucht- und Arbeitshäusern eingerichtet werden. (Gerteis, S.151) und schließlich geht es den Fürsten um die Förderung der Produktion für den eigenen Luxus. 1595 erstes Armen- und Zuchthaus in Amsterdam im reformierten Geiste. Im 17. Jahrhundert protestantische und im 18. dann katholische Fürstentümer verbinden Zuchthäuser mit "Industrieförderung", allerdings auf die Dauer wenig erfolgreich, selbst wo dort auch Schulen eingerichtet werden. "Die 1784 von Joseph II. in Wien gegründete k.k.Gebär- und Findelanstalt, die jährlich zwischen 2.000 und 3.000 Kinder aufnahm, diente (...) der Rekrutierung billiger Arbeitskräfte für die im Umfeld der Metropole entstandenen Fabrikswaisenhäuser und Manufakturen." (Knittler, S.41)
Wo möglich schränken Fürsten spätestens im 18. Jahrhundert Zunftprivilegien der Städte ein. Das kurpfälzische Frankenthal wird so zu einer reinen Manufakturstadt.
Nur gelegentlich werden Manufakturen in Staatsregie eingerichtet, überwiegend eher von privilegierten Privat-Unternehmern,
Im Übergang zu Manufakturen sind beispielsweise die 38 Seifensiedereien von Marseille mit insgesamt rund 1000 Beschäftigten. Größer sind dann manche Tuchmanufakturen, in denen "Sortierer, Wollkämmer, Spinner, Weber, Walker und sogar Färber" beschäftigt sind, wie es 1685 in 'The discovered Gold Mine' beschrieben wird. Oft sind Manufakturen aber auch "Mittelpunkt eines Verlagssystems", wie bei einer Strumpf-Manufaktur in Orléans, wo von 2400 Beschäftigten 1600 zu Hause arbeiten. (alles: Durand2, S.359) Nur die durch größeren Kapitaleinsatz an besseren Gerätschaften vollzogenen Arbeitsschritte werden dabei in die Manufaktur verlegt. Zugleich sind das diejenigen, welche am meisten am Gewinn beteiligt sind.
Wichtig ist steigender Kapitaleinsatz. Für die Gründung einer Druckerei mit vierzig Beschäftigten in London um 1700 sollen 500-1000 Pfund Sterling nötig sein, "für eine Zucker-Raffinerie mit nur 10 bis 12 Arbeitern zwischen 5000 und 15 000 Pfund, für eine Brennerei mindestens 2000 Pfund." (Durand2, S.369) Manche kommen zumindest in Frankreich ohne Privilegierungen und Subventionen nicht dauerhaft über die Runden.
Insgesamt produzieren Manufakturen nur einen sehr geringen Anteil dessen, was Volkswirtschaften hervor bringen. In Frankreich werden solche seit Henri IV. vom König gegründet, aber fast nur die in Staatshand verbleibenden oder privilegierten können überleben, wie Aubusson, die Savonnerie oder les Gobelins, dazu die Glasmanufaktur von Saint-Gobain mit ihrem Verkaufsmonopol auf Glas im Königreich. Zentrum von Manufakturen wird Carcassonne.
Musterbeispiel ist die königliche Tuchmanufaktur von Abbeville. 1708 werden 3000 Arbeiter beschäftigt, die in auf über die Stadt verteilten Werkstätten arbeiten, bis dann 1709-13 eine große Halle für Weber mit 100 Webstühlen und Scherer gebaut wird, in der Meister ihre Arbeiter gut kontrollieren können. Je nach Konjunktur werden sie eingestellt oder entlassen. 1716 kommt es zu einem Streik, der mit Waffengewalt niedergeschlagen wird. Draußen bleiben die Spinnereien für etwa 800 Spinnerinnen und eine Walkmühle vor der Stadt. Operiert wird mit Walkerde aus der Umgebung von Ostende und der hervorragenden Wolle aus Segovia.
Für deutsche Verhältnisse entwickelt sich in Sachsen-Thüringen in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts eine blühende Manufaktur-Landschaft, wobei sich die Zahl der Manufakturen unter August ("dem Starken") noch einmal verdoppelt:
"Baumwolle in Chemnitz, Leinen in der Oberlausitz, Wollwebereien in der Niederlausitz, Damastwebereien in Zittau, Spitzenproduktion im Vogtland, Feuerwaffen in Olbernhau, Spiegel in Dresden, Seide und Gold- oder Silbergarn in Leipzig und so weiter." (BlanningAugust, S.182f)
Silbermanns Manufaktur im sächsischen Freiberg, baut 45 Orgeln für sächsische Kirchen und das erste deutsche Fortepiano.
1703 wird ein junger Flüchtling aus Preußen, Johann Friedrich Böttger, in Sachsen quasi eingesperrt, um, wie versprochen, aus einfachem Metall Gold zu machen. Das schafft der zwar nicht, dafür entdeckt er mit von Tschirnhaus zusammen, wie man Porzellan hergestellt. 1710 wird die Königlich Sächsische Porzellanmanufaktur in Meißen gegründet.
1610 wird Elberfeld im Bergischen Land zur Stadt erhoben. Zusammen mit Barmen entwickelt sich Bleich- und Färberwesen frei von Zunftwesen. In (dezentralisierten) Manufakturen arbeiten bald 1000 Weber und ebenso viele Gesellen, die von Garn-Kaufleuten und Färbern abhängig sind. Die Rohstoffe müssen alle engeführt werden und heimische Kaufleute geben dafür die Kredite,
Bergische Eisenindustrie: Remscheid mit rund 6000 Einwohnern 1809, die an fast 200 Hammerwerken und Schleifkotten an 18 Bächen arbeiten. (Gerteis, S.155)
Im Umland von Aachen, zum Beispiel im Monschauer Land der Grafen von Jülich, entstehen (dezentralisierte) Tuchmanufakturen. In den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts beginnt geschlossener Fabrikbetrieb.
Im 18. Jahrhundert entwickeln die von der Leyen aus Krefelder Leinenproduktion Seidenindustrie mit eigener Färberei.
1782 gibt es in Berlin rund 13 Wolltuch-Manufakturen, dabei verfügen die größten Textilmanufakturen von Berlin über 400 bis 600 Webstühle. Neben den vielleicht 1500 Webstühlen in Manufakturen gibt es etwa die selbe Anzahl an solchen in handwerklichen Betrieben. Daneben gibt es 14 Seidenmanufakturen. Beide Arten von Manufakturen lassen Spinnen und Weben von ihren Arbeitern zu Hause durchführen und nur die übrigen Arbeiten in ihrem Betrieb. (Gerteis, S.153) Zudem gibt es vier Manufakturen für Seidenstrümpfe und zehn für Seidenbänder.
Eine Manufaktur dient der Herstellung künstlicher Blumen, andere produzieren Hüte. Es gibt 15 Baumwoll-Manufakturen.
1801, nach zwanzog Jahren des Aufschwungs, arbeitet einer von acht Erwachsenen in Berlin in der Textilindustrie, die Mehrzahl von ihnen in Manufakturen. Ein wichtiger Abnehmer ist die Armee.
Einzige Groß-Manufaktur jenseits des textilen Bereiches ist die königliche Porzellan-Manufaktur mit 500 Arbeitern. Zudem gibt es noch mehrere Zucker-Siedereien für Rohrzucker.
Staat und Kapital: Merkantilismus
Staatsinteresse und generalisiertes Kapitalinteresse fallen in Europa in dem Maße noch stärker zusammen, in dem es mehr Staat gibt. Konkret wird das dann in fürstlichen Manufakturen und in den Handelskompanien, die einerseits staatlich lizensierte Monopole sind, andererseits auch fast so etwas wie ein Staat im Staat.
Mit dem Merkantilismus schließt sich das Großkapital, der Hochadel und der König erst so richtig ganz zur Nation zusammen. Da diese als wesentliches Mittel der Politik den Krieg ansieht, wird der Schulterschluss schon alleine durch den Ausbau der Artillerie, der Arsenale, Kriegsflotten, stehenden Heere und Befestigungsanlagen nötig, die immer größere Gelder verschlingen.
Merkantilismus wird dies staatlich beeinflusste Wirtschaften zuerst von Adam Smith genannt, als es seinem Ende entgegen geht. Tatsächlich ist es die Konsequenz daraus, dass produktive Arbeit in Landbewirtschaftung und Handwerk in der Regel nicht zu Wohlstand führt, sondern nur der Handel und die Bewirtschaftung des großen Geldes, die beide jenen Reichtum generieren können, an welchem dem Staat gelegen ist. Das betrifft allerdings nicht die zunehmende Schar der Kleinhändler und schon gar nicht der herum ziehenden Hausierer.
Als klassischer Vertreter gilt bei manchen Colbert 1661-83: Staatlich nach Möglichkeit gelenkte Wirtschaft mit Vereinheitlichung des Maß, Gewichts- und Münzwesens, einheitlichem Markt durch Abschaffung der Binnenzölle, Produktion hochwertiger Güter in Manufakturen für den Export, Förderung des Außenhandels mit dem Ziel einer positiven Handelsbilanz bei Behinderung des Importes, Verhinderung des Abflusses von Edelmetall, allerdings Konkurrenz über die Qualität der Waren. Dazu Subventionierung des Textilgewerbes und Anwerbung fremder Fachkräfte.
Ausbau einer französischen Kriegs- und Handelsflotte und Schaffung von Handelskompagnien. Das Ganze scheitert in Frankreich wegen der vielen Kriege des Königs.
In der Zeit des in jedem Land anders ausgeprägten Merkantilismus importiert Europa vor allem Rohstoffe und exportiert Fertigprodukte, wodurch es eine zunehmende Dominanz in der Welt ausbaut. Bis um 1750 macht die indische Textilproduktion noch ein Viertel der Weltproduktion aus, und Großbritannien importiert sowohl indische Baumwolle wie Textilien. Es versucht dann mit Zöllen die heimische Produktion zu schützen. Nach dem Siebenjährigen Krieg beginnt es mit der Kolonisierung Indiens. Nach 1800 wird Indien dann langsam zum Rohstoff-Exporteur und Textilien-Importeur.
1664 schreibt Thomas Mun, seit 1615 Direktor der East India Company, 'England's Treasure by Foreign Trade'.
Importiert werden sollten vor allem Rohstoffe und Halbfertigwaren, um diese dann weiterzuverarbeiten und mit Gewinn wieder zu exportieren. Dies sorgte für eine positive Handelsbilanz, für wachsende Beschäftigung und die Mehrung des Reichtums. (Kleinschmidt, S.71)
Auf diese Weise soll der Abfluss von Edelmetallen gebremst werden, etwas, was französische Könige wie Louis XI. schon seit längerem betreiben.
Das Einschätzen von Handelsbilanzen wird allerdings dadurch erschwert, dass Schmuggel einen großen Teil der Handelsgüter betreffen.
Die Niederlande, durch aggressiven britischen Handel geschädigt, tendieren offiziell eher zu Freihandels-Politik, schränken diese aber durch die Errichtung von Monopolen ein.
England
In den deutschen Territorien staatliche Maßnahmen zur wirtschaftlichen Regulierung. Kameralismus mit dem Ziel der Konsolidierung der Staatsfinanzen und der Erhöhung der Steuer-Einnahmen.
Beispiel August ("der Starke"): Fördert Patentschutz, Handelsgesellschaften, unterstützt neuartige Fabrikanten. Straßen und Brücken werden verbessert. Er besucht regelmäßig die Leipziger Messe.
Großkapital
Großkapital macht am besten dadurch Karriere, dass es schon mit erheblichem Kapital beginnt. Ein Anton Hogguer aus einer Sankt Gallener Kaufmanns-Familie erhält in jungen Jahren vom Vater ein Startkapital von 100 000 Talern, um zu sehen, wozu er fähig ist. "Er tätigt daraufhin in Bordeaux so günstige Geschäfte, dass er im Laufe eines Monats sein Kapital verdreifachen kann, und rafft auch in den nachfolgenden fünf Jahren in England, Holland uind Spanien ansehnliche Summen zusammen. (Durand2, S.417f mit Quelle)
"Die hamburgisch-niederländische Familie Amsinck verfügte im 17./18. Jahrhundert über Handelsniederlassungen in Frankreich, Spanien und Großbritannien, und die Familienmitglieder betrieben Plantagen in Surinam, Australien und Indien." (Kleinschmidt, S.62)
Jean Pellet in Bordeaux ist nach 1733, auf dem Höhepunkt seiner wirtschaftlichen Macht, "Reeder, Kaufmann, Gelegenheitsfinanzier, Grundbesitzer, Weinproduzent und -händler sowie Rentier und unterhält Verbindungen nach Martinique, Santo Domingo, Caracas, Cádiz, zur Biskaya, nach Bayonne, Toulouse, Marseille, Nantes, Rouen, Dieppe, London, Amsterdam, Middelburg, Hamburg, Irland (...), zur Bretagne usw. und natürlich zu den Bankiers in Paris, Genf und Rouen." (Durand2, S.156)
Mit dem Spanischen Erbfolgekrieg beginnt der Aufstieg der Familie Castanier. Sie sind Steuereinnehmer in Carcassonne, Direktoren der Ostindien-Kompagnie. "Ihre Söhne sitzen im Parlement in Toulouse und rücken teilweise zu Staatsministern auf. Daneben unterhalten die Castaniers in Carcassonne Manufakturen und in Paris eine Bank und sind an Reedereien in Cádiz und Bayonne mit Einlagen beteiligt." (Durand2, S.591)
Wie die Staaten operiert auch das Kapital über Kredit, da das Eigenkapital oft nicht ausreicht. In den Bilanzen tauchen neben den Lagerbeständen die Aktiva als Schuldforderungen und die Passiva als Schulden auf. Kredite können dabei das Zehnfache des Eigenkapitals bedeuten. Turgot schreibt:
Kein Handelsplatz auf Erden, wo die Unternehmen nicht mit geborgtem Geld laufen; offenbar gibt es keinen einzigen Kaufherrn, der nicht auf die Börse seines Nächsten zurückgreifen muss. (in: Durand2, S.419)
Ein effektiver Gewinn muss dann über dem jeweiligen Zinssatz liegen. Mit der Zunahme des Umfangs von Kapitalien nimmt im Laufe der Zeit tendenziell der Zinssatz ab.
Dazu gehört ein allen leichter zugänglicher Geldmarkt seit dem 16. Jahrhundert. Mit den Aktiengesellschaften wird den früheren Renten-Beziehern nun ein freier verfügbarer Kapitalanteil möglich.
1666 entstehen nach dem großen Londoner Brand die ersten Feuer-Versicherungen.
1671 werden die englischen Zölle direkt dem Staat unterstellt. 1683 wird eine Getränkesteuer nach holländischem Vorbild als Verbrauchssteuer eingeführt.
1694 Bank of England. Erste Bank auf Aktienbasis mit Monopol auf die Ausgabe von Banknoten.
1714 wird das Amt des Lord-Treasurers eingeführt. 1739 betreibt das Großkapital den Krieg gegen die Niederlande. Mitte des Jahrhunderts kommt es zur staatlichen Kontrolle über die Bank of England und zum Mitspreche-Recht des Parlaments über Staatsanleihen und neue Steuern.
Schiffs-Versicherungen: 1750 Compagnie d'Assurances maritimes, 1771 Society of Lloyd's in London.
In Frankreich sind zunächst im 17. Jahrhundert noch individuelle Steuerpächter mit der Eintreibung der Steuern befasst und gewinnen dadurch Vermögen. Rund drei Viertel von ihnen sind Adelige. Ab 1669 treten unter Colbert Zusammenschlüsse von Pächtern auf, und 1680 kommt es ansatzweise zur Ferme Générale. Vierzig Generalpächter müssen enorm hohe Kautionen hinterlegen, auf die sie Zinsen erhalten, also Vorauszahlung der Pachtsumme, die aber nur einen kleinen Teil der jährlich eingetriebenen Steuern ausmacht. Nur schwerreiche und mächtige Herren gehören zu dem Familienklüngel, der davon ungeheuer profitiert. Erst mit Necker erhalten sie 1776 einen deutlichen Gegner.
Transport
In Deutschland werden weiter wesentlich mehr Güter auf dem Landweg als über Flüsse und Kanäle befördert, anders als wohl in Holland und England. Aber Verbindungen zwischen Flüssen müssen ohnehin von Landtransporten hergestellt werden. So sind "zwischen Lyon und Roanne, d.h. zwischen Rhône und Loire, ständig 400 bis 500 Ochsengespanne unterwegs." (Durand2, S.383) Manches beruht auf saisonalen Bauern-Transporten.
Solche Transporte brauchen weiter in Abständen existierende Gasthöfe. "1686 kann die Kleinstadt Salisbury in Wiltshire in ihren Wirtshäusern 548 Reisende und 865 Pferde unterbringen." (Durand2, S.384)
Auf den großen Durchgangsstraßen etablieren sich höher kapitalisierte Transport-Unternehmer wie z.b. in Amsterdam.
In Frankreich im 18. Jahrhundert Ausbau des Kanalnetzes und systematischer Ausbau eines Straßennetzes. Die Transportkosten sinken deutlich.
Nachteil der Binnen-Schiffahrt bleibt ihre Langsamkeit und die Abhängigkeit vom Pegelstand und Eis-Vorkommen. In Deutschland kommt dazu die Vielzahl von Zollstationen. Es gibt weiter Berufs-Schiffer mit Gesellen und Lehrlingen und klein-kapitalistische Schiffseigner, die andere ihre Schiffe steuern lassen. Auf Hollands Kanälen gibt es Marktschiffe mit Kajüten für Passagiere.
Stattliche Teile der See-Schiffahrt findet weiter in kleineren Schiffen entlang der Küsten statt,
Colbert lässt Werften bauen und zieht mit dem britischen und niederländischen Schiffsbau mit.
Im frühen 18. Jahrhundert entwickeln die Briten die Schoner. Nun kommt auch der Sextant auf.
Konsumismus der Wenigen
Angebot und Nachfrage schaukeln sich weiter je nach Geldbeutel gegenseitig hoch. Dabei ist weiter nur eine kleine Minderheit ausgiebiger bei diesem Spiel beteiligt.
1657 besuchen zwei holländische Besucher die Pariser Foire Saint-Germain und berichten:
Angesichts der großen Vielfalt teurer Waren, die man daselbst allenthalben vorfindet, muss man einräumen, dass Paris das Zentrum der seltensten Köstlichkeiten der Welt darstellt. (in: Durand2, S.88)
Insgesamt nehmen Läden überall wie z.B. in Madrid oder London im 17. Jahrhundert erheblich zu und vervielfachen ihre Zahl. Dabei kommen auch immer mehr Luxusläden auf, wie erst in der Paternoster Row und dann bei Covent Garden in London. Vor deren Schaufenstern staunt 1728 ein französischer Reisender:
Was wir gewöhnlich nicht haben, ist das um die Läden gezogene, in der Regel wunderschöne und kristallklare Glas. Dahinter legt man die Ware aus, die solcherart vor Staub geschützt vor den Augen der Passanten liegt und von allen Seiten einen prächtigen Anblick bietet. (in: Durand2, S.66)
Treibstoff des Konsumismus ist vor allem die Kleidung. Nicholas Barbon, der mit Immobilien groß wird und dann ins Versicherungs- und Bankgeschäft einsteigt, schreibt 1690 in 'A Discourse of Trade':
Die Mode, die Änderungs des Aufzugs, ist dem Handel sehr förderlich, treibt sie doch die Menschen, neue Kleider zu erstehen, ehe die alten abgetragen sind: Sie ist die Seele und das Leben des Geschäfts; sie (...) hält den großen Handelsstand auf Trab; sie ist eine Erfindung, die den Menschen veranlasst, sich zu kleiden, als lebte er in einem ewigen Frühling, erblickt er doch niemals den Herbst seiner Kleider. (in: Durand2, S.339)
1766 schreibt der Physiokrat Francois Quesnay:
Wer nur Schwarzbrot isst und Wasser trinkt, möchte Weißbrot essen und Wein trinken; wer sich kein Fleisch leisten kann, giert nach Fleisch; wer nur schlechte Kleidung besitzt, wünscht sich gute; wer kein Holz zum Einheizen hat, würde gern Holz kaufen usf. (in: Braudel2, S.186)
Damit wird aber nur eine Art Basiskonsum von seiner Warte aus beschrieben, das, was es aus seiner Sicht im Interesse einer Gesamtwirtschaft anzukurbeln gilt. Dabei weiß er, dass die Produzenten, die er vor allem auf dem Lande sieht, ohnehin durch ihre schiere Menge einen Gutteil des für den Einzelnen geringen Konsums leisten.
Die größeren Gewinne werden vom Handel neben den Textilien mit oft eher ungesundem neumodischem Luxus gemacht, wie dem Zucker, dem Tabak, Kaffee, Tee vor allem in Nord-Deutschland, und neuen Formen destilliertem Alkohols. 1685 macht das erste Kaffeehaus in Wien auf. Aber für sehr viele bleibt dann doch nur Ersatz wie Zichorienkaffee. Noch teurer als Kaffee ist (Trink)Schokolade.
Im 18. Jahrhundert breiten sich immer mehr Zuckerbäcker aus und immer mehr Zuckersorten.
Der Konsum von Fleisch nimmt außer bei den sehr Wohlhabenden etwas ab, so wie er ja bei den mittleren Kreisen zurück geht, da das Fleisch sich durch Produktionsverringerung erheblich verteuert. Viele Gewürze bleiben Luxus-Artikel.
Wirtschaftstheorien
1714 Bienenfabel des Mandeville über Eigennutz und Gemeinnutz.
Die Physiokraten finden heraus, dass die Landwirtschaft Grundlage allen Wirtschaftens ist, und dass fehlende Nachfrage dort den Handel ganz allgemein behindert.
Quesnay
1776 Adam Smith: 'Wealth of the Nations': Arbeitsteilung führt zu Markt, Markt führt zu mehr Arbeitsteilung und fördert die Produktion. Auf diese Weise reguliert er sich selbst.
Einstieg in die große Industrialisierung
In Frankreich dominiert bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts noch handwerkliche Produktion.
Der technische Fortschritt trifft häufiger als früher auf Widerstand. 1675 wird bereits von 20 000 Londoner Seidenarbeitern berichtet, die sich gegen die Einführung französischer Webstühle wenden, die es einer Person erlauben, 10 oder zwölf Bänder gleichzeitig herzustellen. Die Webstühle werden verbrannt, aber dann wird Militär eingesetzt. (Durand2, S.330)
Die Energie-Gewinnung beruht immer noch im wesentlichen auf Wind- und Wasserkraft durch Mühlen, deren Anzahl weiter zunimmt. "1761 arbeiteten beispielsweise in Augsburg 34 Mühlen innerhalb der städtischen Befestigungs-anlagen und weitere 44 Mühlen und Hammerwerke lagen vor den Mauern." (Rosseaux, S.108)
1719 wird in Derby bereits die erste mit Wasserkraft arbeitende Fabrik eingerichtet, in den 70er Jahren nimmt vor allem in Lancashire und den Midlands die Verwendung von Spinnmaschinen zu.
Daniel Defoe bezeichnet die proto-industriellen Manchester, Leeds, Sheffield, Birmingham und andere als meer villages. 1801 sind Manchester, Birmingham, Leeds und Sheffield bereits mehr als 20 000 Einwohner groß.