REICH 2: WESTFRANZIEN UND ENGLAND IM 10. JH.

 

Westfranzien im 10. Jahrhundert

England im 10. Jahrhundert

 

 

Westfranzien im 10. Jahrhundert

 
Königslandschaften sind die, in denen Könige den meisten Besitz, die meiste Macht und das größte Gefolge haben. In Ostfranken ist das bis ins 10. Jahrhundert vor allem das Rhein-Main-Gebiet. In Westfranzien wird es immer mehr die Île de France. Daneben entwickeln sich im Osten Metropolitan-Landschaften um zentrale Erzbistümer, deren mächtigstes Mainz wird, an zweiter Stelle erscheint dann Köln.

 

Westfranken zerfällt nach und nach in regna, die von mächtigen Herrscherdynastien regiert werden, die die königlichen Rechte und Machtvollkommenheiten wie die Ernennung der Grafen und die Verfügung über die Kronvasallen an sich gezogen haben: Franzien/Neustrien, Bretagne, Burgund, Aquitanien, Gascogne, spanische Mark.

 

Ganz am Rand ist das Königreich der Bosonen mit dem Zentrum Provence, wo Ludwig, der Sohn des Grafen Boso, 888 König wird. 900 lässt er sich in Pavia zum König von Italien krönen, obwohl das schon Berengar war. 901 wird er in Rom Kaiser. Ab 905 überlässt er die Regentschaft Hugo von Arles.

Ebenfalls 888 lässt sich der Welfe Rudolf I. in Saint-Maurice d'Agaune von den Großen zum König von Burgund wählen. Sein Sohn Rudolf II. kontrolliert Hochburgund bis zur Saône. Als Hugo von Arles sich Italien zuwendet, erhält er von ihm die Provence.

 

893 begibt sich Wilhelm (bald) von Aquitanien ("der Fromme", 898-918) in ein Bündnis mit dem Grafen von Autun und König Odo gegen Karl den Einfältigen, wofür er Saint-Julien de Brioude im Bereich der Diözese von Autun als Eigenkloster erhält, also dort Laienabt wird. Der Graf der Auvergne, Markgraf von Gothien und Abt nennt sich von nun an (spätestens 898) dux, was die Könige aber zunächst nicht anerkennen.

Mit der Gründung von Cluny markiert der neue Fürst nun seine Selbständigkeit mit der des Klosters. Die Grafschaft Toulouse wird er allerdings genauso wenig kontrollieren können wie die Gascogne unter Garcia Sanchez und das um 922 verselbständigte Katalonien.

 

Seit 895 bezeichnet sich der Graf von Autun als princeps von Burgund, seit 918 als dux. Sein Sohn und dann dessen Bruder Hugo der Schwarze folgen ihm.

Balduin II., ein Enkel Karls des Kahlen und Gegner der Robertiner, erbt 879 Grafschaften um Gent und weitere Regionen, bis 899 kommt er an eine große Grafschaft Flandern aus romanisch und germanisch Sprechenden.

 

Nach 911 nennt sich die neue Herrscherdynastie der Normandie princeps.

 

Unterhalb dieser hohen principes, Fürsten, kristallisieren sich ab dem letzten Viertel des 9. Jahrhunderts vor allem kleinere Machthaber heraus. Im 10. Jahrhundert teilen sich zum Beispiel Vizegrafen von Melle, Thouars und Chatelleroux in die Grafschaft Poitou, wobei ihre Bereiche nicht mehr nach der Region, sondern nach dem Ort ihrer Stammburg bezeichnet werden wie die Toarensis castri vicecomes. (Audebert/Treffort, S. 108) Ihr Titel ist nicht mehr so sehr Amt wie Adelsprädikat. Sie sind Herren über viele befestigte Plätze mit einer beachtlichen Vasallenschar, die gegen ihre Nachbarn und gegenüber den Grafen versuchen, ihre Macht kontinuierlich zu erweitern.Unter ihnen wiederum stehen geistliche, monastische und weltliche Herren mit ihren Bündeln von Grundherrschaften und lokalen kleineren Burgen.

 

Der zentrale Bereich zwischen Senlis und Noyons im Norden und Orléans und Bourges im Süden zerfällt wieder in die unmittelbar vom dortigen König besessene und ererbte Krondomäne und andererseits den Herrschaftsbereich der vom König abgegebenen neustrischen Mark, die von den Robertinern kontrolliert und zur Francia wird. Ein König ist so ein Fürst unter vielen, wird aber als Symbol eines Reichsgedankens akzeptiert. Anders als im Ostfrankenreich mit seinen Stammesherzogtümern sind westfränkische Fürstentümer dabei weniger ethnisch definiert.

Die Entwicklung lässt sich anhand der Münzen nachvollziehen. In der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts fügen die Fürsten auf ihren Münzen ihr Bild dem des Königs hinzu, von dem sich ihr Münzrecht ableitet. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts verschwindet dann das königliche Bild ganz.  

 

Für den, der sich einen Überblick verschaffen möchte, setzt sich im 10. Jahrhundert der Westfranken die zunehmende Unübersichtlichkeit des neunten fort.

König Odo, der Robertiner, baut die Macht seiner Familie aus, verzichtet dafür aber auf die Thronfolge des Sohnes Robert, so dass der Karolinger Karl (III.) folgen kann, der den weiteren Machtausbau der Robertiner und anderer Fürstengeschlechter hinnehmen muss. Aus dem Aquitanier Bernhard wird so der princeps, dux et marchio, ähnlich halbsouverän wird das westfränkische Burgund unter Richard, sowie Neustrien unter König Odos Bruder Robert. 

911 akzeptiert der westfränkische Herrscher die dauerhafte Ansiedlung der Normannen in der nunmehrigen Normandie. Ein Jahr nach der festen Ansiedlung lässt sich der Anführer Rollo mit einem Teil seines Gefolges taufen. 940 sind die städtischen Normannen bereits romanisiert, um 1000 sind sie es vollständig. Die Normannengefahr verschwindet nunmehr nach und nach von den Küsten. 

 

Im selben Jahr zieht Karl, der eine sächsische Hochadelige geheiratet hatte, nach Lotharingien, wo er von einem Reginar unterstützt wird, der sich gegen eine Oberhoheit Konrads von Ostfranken wendet. Dieser wird dann auch mit dem Titel eines lothringischen Marchio, Markgrafen belohnt. Monate später wird Konrad I. für das Ostreich gewählt. Aber nach Reginars Tod setzt Karl nicht dessen ältesten Sohn Giselher/Giselbert als Nachfolger ein, sondern will offenbar dort direkt herrschen (Werner, S. 481).

Mit dem Beginn sächsischen Königtums im Ostreich tritt darum Giselher auf dessen Seite über, und nun versucht sich Karl "der Einfältige" nach seinen vorausgegangenen Erfolgen auch gegen Heinrich I. in einem Feldzug durchzusetzen, was scheitert und zum Frieden von Bonn vom November 921 führt, bei dem Karl dem Ostfranken den Titel eines Rex Francorum orientalium zugesteht. Lothringen ist nun beim Ostreich.

 

Das Westreich fühlt sich trotz seiner ganzen Zersplitterung als "eigentlicher" Nachfolger des alten Frankenreiches, ist aber mit dem Verlust Lotharingiens nun machtmäßig dem Ostreich deutlich unterlegen, was sich noch über anderthalb Jahrhunderte deutlich auswirken wird. Paris kontrollieren die Robertiner, wichtigster Stützpunkt des Königs ist Laon, daneben gibt es noch einige weitere karolingische Königspfalzen zwischen Compiègne, Laon und Reims auf die er sich stützen kann.

 

Karl III. kann sich nach dem Prestigeverlust um Lothringen nur noch daran machen, seine Francia zu konsolidieren und dort gegen den Adel die Königsmacht auszubauen. Dazu stützt er seit einiger Zeit Leute aus dem niederen Adel wie den Lothringer Hagano, den er zunehmend fördert. Als er seinem Günstling dann die traditionsreiche Abtei Chelles gegen einen Robertiner übergibt,  findet sich der Vorwand für einen Aufstand von Hugo Magnus, dem Sohn des Robertiners Robert I., den Heribert von Vermandois und andere westfränkische Große unterstützen. Sie machen Robert 922 für ein Jahr zum König, mit dem sich Heinrich I. darauf einigt, dass der Westfranke Lothringen erhalten soll. In der Entscheidungsschlacht 923 wird Robert allerdings getötet, während Karl III. in die Hände des Heribert gerät, der ihn für den Rest seines Lebens einkerkert. 

 

Nun wird 923 Rudolf, Sohn Richards von Burgund, ein Schwiegersohn Roberts, also Schwager Hugos, zum König gewählt. Hugo Magnus verzichtet, da er sonst seine vielen Grafschaften wie einst Odo hätte abgeben müssen, dafür aber keinen Verwandten findet. Karls III. ("des Einfältigen") angelsächsische Gemahlin setzt sich angesichts des Debakels mit Sohn Ludwig an den Hof ihres Vaters, des Königs von Wessex, ab. Rudolf wiederum übergibt den Markgrafentitel von Burgund und die Grafschaften an seinen Bruder ab. 

Seine Stellung wird auch wegen seiner vielen Aufenthalten in Burgund ständig von Heribert von Vermandois und dem Robertiner Hugo Magnus bedroht, was der Ostfranke Heinrich I. auf Begehren des unter Druck gesetzten Giselhers/Giselberts für die Rückgewinnung Lothringens nutzt. Der erhält dort die Herzogswürde und die Hand von Heinrichs Tochter Gerberga.

 

Heribert wiederum verschafft seinem fünfjährigen Sohn (!) die Erzbischofswürde von Reims und sich selbst die Verwaltung darüber, die ihm erhebliche Vasallenscharen zuführt. Damit wird die königliche Macht im Kern bedroht. Im Konflikt mit Rudolf geht er zu Heinrich I. über und entlässt Karl (III.) als Drohgebärde vorübergehend aus seiner Haft. Als Heribert dann auch noch Laon einnimmt und dem Robertiner zu mächtig wird, zieht dieser erfolgreich gegen ihn zu Felde Im Auftrag Heinrichs verbündet sich Giselbert mit Hugo Magnus und Rudolf und sie nehmen Reims ein, setzen den kindlichen Erzbischof ab  und einen Artof ein. Als die Vernichtung des Vermandois-Fürstentums droht, greift Heinrich I. ein und sorgt 935 bei Ivois dafür, dass Heriberts vorherige Güter vom Robertiner zurückgegeben werden müssen. Derweil weitet Rudolf II. von Hochburgund sein Reich zwischen Basel und dem Mittelmeer aus, das spätere Arelat, 

Derweil erweitert der Normannenherrscher  sein Reich.

 

Das Westreich besitzt abgesehen vom Normannen-Prinzipat keine ethnisch und dadurch auch territorial klar definierte Fürstentümer, die darum ständig neu und in neuen Bündniskonstellationen um einen Machtbereich kämpfen. Von zentraler Bedeutung sind dabei die Kirchen und die Klöster, spätestens seit Karl Martell Verfügungsmasse der Könige und nun in die Hände der Fürsten und die von deren Vasallen übergegangen. Wie Reims zeigt, sind gerade zentrale Bischofssitze hart umkämpft, haben sie doch enorme Besitzungen und auf ihnen nicht nur landarbeitende Bevölkerung samt daraus abzuschöpfende Einkommen, sondern diese ernähren Vasallen, Kontingente von Panzerreitern. Aristokratische Bischöfe erliegen dabei einer recht weltlichen Lebensweise. 

Dasselbe gilt auch für die Äbte von Klöstern in adeliger Verfügung. Grafen (comites)  und Markgrafen, marchii und duces wie die Robertiner haben als Laien Abtsstellen inne und nennen sich dann abbas et comes zum Beispiel. Wilhelm von Aquitanien (886-918) nennt sich in Urkunden für Brioude selbst so und tritt damit als Laienabt auf. Das hindert ihn aber nicht, 910 als Stifter von Cluny dieses von aller weltlichen Kontrolle zu entziehen. Es ist Höllenangst, die ihn die besondere "geistliche" Qualität seiner Stiftung fördern lässt, in der nun "für alle Zeiten" um seine Erlösung von den Folterqualen des Sünders nach dem Tode gebetet werden wird. Von da an wird die Förderung eines Reformklosters nach cluniaszensischem Modell nicht nur eine Prestigehandlung hohen Adels, sondern auch Sache des "Seelenheils". Die von Cluny ausgehende Reform vertritt ohnehin nach außen "feudale" Strukturen und das Eigenkirchenwesen, so dass kein Widerspruch zu den weltlichen Machtstrukturen aufkommen kann.

 

Anfang 936 stirbt Rudolf und Hugo sorgt dafür, dass der inzwischen fünfzehnjährige Ludwig ("der Überseeische", Transmarinus) als Gegengewicht gegen Vermandois aus England geholt wird. Unter diesem Ludwig IV. (936-54) steigt der Robertiner Hugo der Große 936 zum Dux Francorum auf, einer Art Juniorpartnerschaft zum König, die 943 vertieft wird, und legt das zweite Fundament für das zukünftige Kapetinger-Königtum. Der Geschichtsschreiber Richer wird später leicht übertrieben Hugo als omnium Galliarum dux bezeichnen (in Ehlers, S.42)

 

Schon im folgenden Jahr driftet Burgund in Richtung Ostfranken. Ludwig kann sich dann aber als König im Bündnis mit Reims und Burgund gegenüber Hugo behaupten. Als sich Giselbert der Opposition von Heinrich gegen seinen älteren Bruder Otto anschließt, erhofft sich Ludwig erneut den Gewinn Lothringens. Otto d.Gr. schlägt die Aufständischen bei Andernach, und Giselbert stirbt dabei. 

Ludwig besiegelt nun seine Machtansprüche durch die Heirat mit Ottos I. Schwester und Giselhers/Giselberts Witwe Gerberga. 

 

(Genaueres ist für das 10. Jh. des Ostreiches im Anhang zu lesen!)

 

Nach dem Tod Rudolfs versucht Hugo durch Heirat zum Erben von Rudolf zu werden. 937 versucht auch Hugo von Arles seinen Sohn Lothar mit der Tochter von Rudolf II. von Burgund zu verheiraten, was Otto d.Gr. zugunsten von Rudolfs Sohn Konrad verhindert. Otto kontrolliert damit in einer Art Oberhoheit Burgund und Provence und heiratet zu diesem Zweck Rudolfs Witwe Adelheid.

940 fällt Otto I. im Westreich ein und lässt sich von Hugo Magnus und Heribert von Vermandois huldigen. Hugo Magnus verbündet sich gegen die steigende Macht Ludwigs mit Vermandois und stellt seinen Einfluss über Reims wieder her. Schon 937 erkennt ihm Ludwig seinen Herzogtitel ab, den er erst 943 wiedererlangt. Immer stärker greift Otto I. in die Konflikte zwecks Friedensstiftung ein. 948 sorgt er auf einer Synode zu Ingelheim für eine Stärkung der Position Ludwigs IV., indem er dem von Hugo Magnus und Heribert II. vertriebenen Bischof Artold sein Bistum wieder zukommen lässt, welches König Ludwig dann noch mit dem Grafentitel ausstattet, wie bald noch mehrere andere Bischöfe, die so zu im Westreich seltenen geistlichen Fürstentümern werden können.

 

König Ludwig stirbt 954 wie so viele seiner Kollegen bei einem Jagdunfall. Im Westen und Süden mit Lothringen (seit 953 Herzogtum unter Ottos Bruder Bruno von Köln), Burgund und Provence beherrscht Otto d. Gr. ein großes und mächtiges Reich, während sein westfränkischer Kollege König Lothar (954-86) sich, als er dreizehnjährig den Thron besteigt,  in seiner Krondomäne in Westfranzien von mächtigen Fürsten (principes) umgeben sieht. In den 'Annales' des Flodoard heißt es: Der Knabe Lothar, der Sohn Ludwigs, wurde in Reims von Erzbischof Artold mit Zustimmung des Fürsten Hugo, des Erzbischofs Brun und weiterer Großer Franziens, Burgunds und Aquitaniens zum König gekrönt

 

Nachdem der mächtige Hugo 956 verstirbt, ist Westfranzien stark unter ostfränkischem Einfluss, was Otto I. den Rücken frei macht für seine Italienpolitik. Hugo Capet, Graf von Paris, Senlis, Dreux und Orléans, wird dabei immer mächtiger. Andererseits verweigert Lothar die Verleihung seiner nicht erblichen Herzogswürde (dux) an ihn bis 960, was dem König lebenslange Gegnerschaft einbringt. Der Robertiner verfügt direkt über rund zehn zentrale Grafschaften mit ihren Vasallen, Bistümern und Klöstern, eine ganze Anzahl weitere sind seine Vasallen. Hugos Sohn Otto (!) gelangt durch Heirat an das Herzogtum Burgund.

 

965 stirbt der Lothringerherzog Brun, Bruder Ottos I., der Lothringen in zwei Verwaltungseinheiten aufgeteilt hatte, und dann der Kaiser selbst. Unter Otto II. (973-83) macht sich Burgund unter Konrad unabhängiger und es kommt zu zunehmenden Konflikten des Kaisers  mit dem westfränkischen König (weiterhin Lothar), der Lothringen (altes Karolinger-Stammland) wieder mit Hilfe dortiger Großer unter seine Kontrolle bringen möchte. Die Söhne des 958 abgesetzten Grafen Reginar greifen die kaiserlichen lothringischen Grafen an und erhalten dann Verstärkung unter anderem durch Lothars Bruder Karl. Der beschuldigt dann Königin Emma eines Verhältnisses mit dem Bischof von Laon und wird vom westfränkischen Hof vertrieben.

Im Gegenzug macht Otto, der sich militärisch nicht durchsetzen kann, die Söhne Reginars zu Grafen und Karl, inzwischen Gegenspieler Lothars, 977 zum Herzog von Niederlothringen, was dazu führt, dass Lothar 978 mit einem Heer Aachen plündert, um danach allerdings das Weite zu suchen, verfolgt von Otto bis zum Montmartre-Hügel. Zunehmend macht sich ein westfränkisches Gemeinschaftsgefühl  breit, welches sich gegen das Ostreich richtet und von den westfränkischen Bischöfen unterstützt wird.

 

979 lässt Lothar dann Sohn Ludwig zum Mitkönig krönen. In der Folge kommt es zur erneuten Annäherung zwischen Otto II. und Lothar, der in Ivois vorläufig auf Lothringen verzichtet, was Hugo dazu bringt, seinerseits in Rom erneut das Bündnis mit Otto zu suchen. 

 

Der Herrschaftsbereich der Robertiner zerfällt dann aber mehr und mehr, indem Vizegrafen zu Grafen aufsteigen und sich dabei immer unabhängiger gebärden. Mit Anjou und Blois-Chartres entstehen Konkurrenten. Was den Königen seit Karl dem Kahlen im Westreich passiert ist, geschieht nun auch den Fürsten darunter. Ersatzweise nimmt die Kontrolle über wichtige Klöster zu. Robertiner waren Laienäbte in Saint-Martin (Tours), Saint-Aignan (Orléans), Saint-Denis und Saint-Germain (Paris) und sonstwo. In Saint-Martin ist Odo, Sohn eines robertinischen Vasallen, der zweiter Abt von Cluny wird. Robertiner unterstützen an vorderster  Front die Ausbreitung dieser Reformbewegung. Als Grafen-Äbte hatten sie den Beinamen Capatus/Capetus erhalten, und die reformierten Klöster werden ihnen eine wichtige Stütze (Werner, S. 510) Laut Ehlers ist es die cappa, sein weiter mantelartiger Umhang, der Hugos Beinamen begründet.

 

Dem Schutz von Klöstern verpflichten sich Koalitionen aus weltlichem Adel und Geistlichkeit, für 936 ist ein solches Bündnis für das Chorherrenstift Brioude bezeugt.

Friedensversammlungen entstehen vielleicht auch aus einer Art Wallfahrt zu den Reliquien, die in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts bei Synoden zusammengetragen werden, und deren Verehrung mit einem Ideal christlicher Brüderlichkeit verbunden wird und mit der Äußerung des Wunsches nach lokalem und regionalem Frieden. 

In der Auvergne kommt es 958 unter Anleitung des Bischofs zu einem Friedensschwur der milites der Diözese. 972 in Coler bei Aurillac, einberufen von den Bischöfen von Cahors und Périgueux. 975 beruft der Bischof von Le Puy so etwas ein für omnes milites et rustici seiner Diözese, wobei die Versammlung ein regelrechtes Friedensgelöbnis ablegt, welches das Fehdewesen des Adels einschränkt. Die zeitliche Spanne reicht dann bis zu dem großen Konzil von Clermont 1095. Neben solchen Versammlungen, die den Frieden beschwören, unter Androhung von Kirchenstrafen bis zur Exkommunikation beim Wortbruch kommt es zu einer weitverbreiteten Predigtbewegung für den irdischen Frieden. Für die Anfangszeit beschreibt das Raul Glaber in seinen Historien folgendermaßen:

 

Im Jahr tausend der Passion unseres Herrn begannen vor allem in den Gegenden von Aquitanien die Bischöfe, die Äbte und die anderen Leute, die er heiligen Religion ergeben waren, die Menschen in Versammlungen zu vereinen, zu denen man zahlreiche Körper der Heiligen brachte und unzählige Kästchen gefüllt mit Reliquien. Von dort, durch die Provinz von Arles, dann durch die von Lyon, und durch das ganze Burgund bis zu den entlegendsten Gegenden Frankreichs wurde verkündet, das in festgelegten Orten die Prälaten und die Großen aller Länder Versammlungen abhalten würden für die Wiedereinführung des Friedens und für die Einrichtung des heiligen Glaubens.

 

Es kommt dann zu Schwurgemeinschaften bei allgemeinen Konzilien wie der gut überlieferten vom Konzil von Charroux 989, die für bestimmte Tage, für Advent, die Fastenzeit einen Frieden beschwören und das Rauben und Töten untersagen. Hauptadressaten werden die Mitglieder der neuen Ritterschaft, es geht nicht um die großen Kriege der Fürsten, sondern die kleinen der faida und der werra (guerre, die Zeit der Wirren). Dabei werden vom Frieden allerdings gerechtfertigte Fehden ausgenommen wie auch Requisitionen (von Vieh) im offiziellen Kriegsfall. Es geht nicht generell um die Gewalt der militia, die nur christlich eingebunden werden soll, primär im Interesse von Kirche und Kloster.

 

Solche Bewegungen entspringen der Einflusslosigkeit der französischen Könige in diesem Raum. Sie stärken dabei die Macht der regionalen Fürsten, die dadurch die kleineren Adeligen besser unter ihre Kontrolle bekommen. Der Bruch des Friedens wird zunehmend mit harten Kirchenstrafen bedacht. Langsam steigert sich dieser Friedensgedanke von Katalonien aus zur Treuga Dei, zum Gottesfrieden von Mittwoch abend bis Montag früh.

 

Aus der kirchlichen erwächst die weltliche Friedensbewegung der Fürsten, aus der die ersten Ansätze eines neuen Staatsgedankens nach der Antike entstehen: Der Fürst ist für den Schutz der ihm Untergebenen zuständig, und dafür bedarf es des inneren Friedens und der Herrschaft des Rechts. In Flandern wird diese Einschränkung feudaler Rechte, „Freiheiten“, der „Friede des Grafen“ heißen.

Auf dem langen Weg zum „Nationalstaat“ ist der vom französischen König gegen die Vasallen in seiner Krondomäne durchgesetzte Friede als deren Teilentmachtung zugleich verbunden mit einem Aufschwung der königlichen Rechtsetzung und Rechtsprechung. Die Macht setzt den (inneren) Frieden und das Recht.

 

In der neuen Welle der Christianisierung des niederen Adels wird sich zugleich das Rittertum als eine Schicht entwickeln, die mehr als nur nackter Brutalität verpflichtet ist: Das Kriegertum wird veredelt, der Ritter soll im neuen Sinne des Wortes „ritterlich“ werden. Es ist die Zeit, in der der Abt von Cluny die christlichen Tugenden des ritterlichen Adeligen Gerald von Aurillac in seiner Biographie feiert.

 

Ein weiterer Aspekt dieser Friedensbewegung ist der zunehmende Schutz des Handels. Er führt insbesondere in der Champagne zum Aufschwung der Messen. Nicht zufällig entwickeln sich in derselben Zeit  die ersten Schwurgemeinschaften der städtischen „Kommunen“, die ebenfalls Friedensgemeinschaften sind.

 

983 stirbt der Kaiser. Im Konflikt um die Nachfolge Ottos II. seit seinem Tod in Süditalien unterstützt Lothar den Bayern Heinrich den Zänker. 984-1002 beherrscht Otto III. das Ostreich. Er ist 984 allerdings erst vier Jahre alt, was den westfränkischen König zu Angriffen auf Lothringen und zur Eroberung von Verdun einlädt.

Diese laufenden Übergriffe auf Lothringen, die seine Familieninteressen gefährden. beunruhigen den mächtigen Erzbischof Adalbero von Reims, der zur Familie der Herzöge von Oberlothringen gehört. Adalbero wechselt darum zur Unterstützung von Hugo Capet. Gerbert von Aurillac schreibt in einem seiner Briefe, Lothar sei nur dem Titel nach noch König, Hugo aber von seinen Taten und seinem Auftreten her (Lotharius Rex Franciae praelatus est solo nomine, Hugo vero non nomine, sed actu et opere). 

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Wegen seines Eintretens für lothringische Verwandte und indirekt für den Kaiser versucht König Lothar diesen Adalbero wegen Hochverrates anzuklagen. Aber 986 stirbt  der Karolinger Lothar. Der neue König, sein Sohn Ludwig V., beruft für 987 eine neue Versammlung nach Compiègne, um Adalbero abzuurteilen. Ludwig stirbt kurz zuvor im Mai kinderlos bei einem Jagdunfall, und nun kommt es mit der Rückendeckung aus dem Umfeld von Otto und unter Leitung von Adelbero von Reims 987 zur Wahl und Krönung von Hugo Capet statt des Karolingers Karl, gegen die sich nur der Graf von Vermandois und der Erzbischof von Sens wenden.

 

Im Geschichtsbuch des Mönches Richer von Reims äußert sich Adalbero folgendermaßen: Wir übersehen nicht, dass Karl seine Anhänger hat, die erklären, dass er ein von seinen Eltern/Verwandten übertragenes Recht auf den Thron habe. Aber (…) den Thron erwirbt man nicht auf Grund von Erbrecht. (…) Man soll auf den Thron des Königsreiches denjenigen setzen, der sich durch körperlichen Adel und seine geistigen Qualitäten auszeichnet; den, den die Ehre empfiehlt und den seine Großmut unterstützt. (…) Karl hat seinen Kopf verloren, als er eine unehrenhafte Ehe mit einer Frau einging, die aus dem Kreis seiner Vasallen stammt. Wie soll der mächtige dux es ertragen, von einer Königin regiert zu werden, die aus einer Vasallenfamilie stammt? (…) Gebt euch den dux als König, der ein Verteidiger sowohl des Staates wie eurer persönlichen Interessen ist

 

Das Wahlkönigtum kannte ebenso wie in deutschen Landen kein geordnetes Verfahren. Hinter den Kulissen wurde vorher alles vorbereitet, und dabei waren im 10. Jahrhundert die Robertiner die mit Abstand einflussreichste Gruppe. Nachdem sie mit König Hugo als Kapetinger zum durchgängigen Königsgeschlecht werden, wird nach und nach dieses "Wahlrecht" der Großen ausgehöhlt, genau entgegengesetzt wie in Deutschland, und Schritt für Schritt durch das Erbrecht einer Familie ersetzt. 

 

König Hugo gibt als erste Geste Verdun an das Kaiserreich zurück. Sein als brutal berüchtigter Kontrahent, der Karolinger Karl von Lothringen, kämpft mehrere Jahre vergeblich um das Königtum. Adalbero von Laon gelingt es mit einer Hinterlist, Karl in seine Hände zu bekommen. Hugo hält ihn darauf 991-92 gefangen, bis er in der Gefangenschaft stirbt.

"Die Krondomäne - d.h. die Summe aller königlichen Besitztitel, Herrschafts- und Gerichtsrechte; kein Territorium, sondern ein Kompetenzenblock - hatte ihre Schwerpunkte jetzt im Gebiet der Städte Orléans, Paris und Senlis aus robertinisch-capetingischer, Compiègne, Laon und Reims aus karolingischer Gerechtsame." (Ehlers, S.55)  Das bedeutet vor allem Grafschaftsrechte, Münzen, Kronbistümer, Klöster, große Grundherrschaften und dazu gehörige Vasallen als Krieger. 

 

Der neue König  hat nicht nur die Unterstützung von Erzbischof Adalbero und anderen nordfranzischen Prälaten, sondern auch die vom ottonischen Hof.  Er ist Schwager der Herzöge der Normandie und Oberlothringen sowie Ehemann der Schwester des Herzogs von Aquitanien. Dennoch ist seine Position zunächst recht schwach, und er eilt sich, noch Weihnachten desselben Jahres seinen ältesten Sohn Robert ebenfalls zum König salben zu lassen, jenen, der später Robert der Fromme (II.) wird. 1017 wird dieser seinen ältesten Sohn Hugo zum König machen: Das Geblütsrecht hat gesiegt.

 

Nominell sind diese Kapetinger Herrscher über das Westfrankenreich, so wie die Sachsenkönige über den ostfränkischen Teil. Aber während deren Hoheit über Alemannien und Bayern zwar mit geringer, aber zunehmender Machtvollkommenheit versehen ist, ist die der Kapetinger südlich der Îsle de France um Paris nichtig, wohin westfränkische Könige nur gelegentliche Kriegszüge unternehmen.

 

England im 10. Jahrhundert

 

Zentralisierte Machtvollkommenheit ist schon in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts für einen König Offa von Mercia bezeugt, der mit Offa's Dyke, wie es später genannt wird, ein System von Befestigungen an der walisischen Grenze seines Reiches bauen lassen kann.

 

Wikinger nannten die Skandinavier jene Männergruppen, die auf räuberische Expeditionen ausfuhren. Ende des 8. Jahrhunderts wird die Bedrohung durch sie immer größer; 793 plündern sie Lindisfarne und 795 das westschottische Iona. Ihre Überfälle machen sie mit gut gebauten Schiffen, die sowohl von Segeln wie von Rudern bewegt werden und zwischen dreißig und sechzig Männer tragen.

Im 9. Jh. dringen Norweger nach Caithness und auf die nördlichen und westlichen Inseln vor und Dänen immer weiter in England. Sie etablieren dort gegen Ende des Jahrhunderts ihre Herrschaften. Ende des 9. Jh. beginnt von Wessex aus mit Alfred the Great (871-99) durch Ausbau eines stehenden Heeres, einer Flotte und durch Bau befestigter Orte (burh) eine konzentrierte angelsächsische Gegenbewegung, die die Entstehung eines angelsächsisch-englischen Gemeinschaftsbewusstseins vorantreibt.

An die Stelle der tuns, der Zentren königlicher Güter treten also burhs, manchmal in deren Nähe. Sie sind groß genug, um kleine Heere aufzunehmen. In ihnen lässt der König Gericht halten, Münzen schlagen und Abgaben einsammeln.Nördlich der Themse werden sie Zentren neuer shires, die nach ihnen benannt werden. Über die von ealdormen und shire reeves königlich verwalteten Counties, wie sie später heißen werden, und die auf dieser Ebene Recht und Verwaltung betreibenden Gerichtshöfe samt den in writs verschickten königlichen Aufträge an diese kann zentrale königliche Herrschaft ausgeübt werden.

Eine Ebene darunter sind die Hundertschaften angesiedelt, deren Gerichte Kleinkriminalität aburteilen. Noch darunter dienen inzwischen die hides als Einheiten zur Einziehung von Abgaben und Militär. Worcestershire hat im 11. Jahrhundert 12 Hundertschaften mit jeweils 100 hides, liefert also 1200 Soldaten und 2400 Silberpfennigen an geld, also gelegentlichen Steuern (Dyer, S.52). Gegen Ende des 10. Jahrhunderts gibt es so rund siebzig Münzstätten, die das ganze Land mit Geld versorgen.

Burhs sind zudem auch Marktplätze, die die Könige fördern, denn Marktwirtschaft verbreitet die Verfügung über Bargeld und fördert so die königlichen Einkünfte.

Abgerundet wird die Durchstrukturierung von Herrschaft durch Bistümer und Klöster.

 

Nach der schweren Niederlage eines Dänenkönigs lässt dieser sich taufen und zieht sich nach East-Anglia zurück. Dort und nördlich davon siedeln sich insgesamt wohl ein paar tausend Dänen an. Sietreiben bald auch Fernhandel, wie Münzfunde aus Arabien und Samarkand bezeugen.

 

In der Folge wird Alfred auch in Mercia anerkannt. 886 gelingt es ihm, London zu erobern. Bald danach wird seine Oberhoheit in den übrigen Stammesgebieten  Englands und auch von den Dänen mehr oder weniger akzeptiert. Nachfolger Edward kann dann weiterhin ganz Südengland unter sich vereinen und die Dänen insgesamt in Kriegen besiegen. Diese verwandeln sich immer mehr von Kriegern in Bauern und übernehmen das englische Christentum. Am Ende gelingt es Edward vielleicht sogar, die Schotten unter seine nominelle Oberhoheit zu zwingen.

 

Mit König Aethelstan beginnt 936 eine Bewegung in Richtung Cornwall. Er nennt sich Rex totius Britanniae, besitzt aber nur eine lockere Oberhoheit über Wales und Schottland. Immerhin kann er Northumbria erobern und an England angliedern. Zentrum seiner Herrschaft wird offenbar Winchester, wo sich eine königliche Kanzlei etabliert.

 

Insgesamt befindet sich das Angelsachsengebiet im weiteren 10. Jahrhundert zunächst unter König Edgar in einer Phase innerer Stabilität. "Außer im königlichen Auftrag wurden Burgen nicht gebaut; Burgherrschaft spielte ebenso wenig eine Rolle wie die Privatisierung der Justiz oder sonstiger Aspekte der öffentlichen Gewalt." (T. Reuter in: Ottonische Neuanfänge, S.131)

 

Das Königreich Wessex führt unter Alfred the Great an Karls d.Gr. Praxis angelehnte Strukturen einer Grafschafts"verfassung" (shires) ein und lässt diese Grafschaften von königlichen Beamten, sheriffs, mit gerichtlichen Funktionen und solchen des Heeresaufgebotes verwalten. "Der König verfügte über ein dichtes und für diese Zeit erstaunlich homogenes Netz von Institutionen - darunter auch beamtenähnliche Zwischeninstanzen - und er beanspruchte unbestritten das Recht auf soziale und rechtliche Kontrolle aller Gesellschaftsebenen, unter anderem durch Gesetzgebung." (T.Reuter in s.o.) Unter König Edmund ist von ein allgemeiner Untertaneneid wie dem für Karl.d.Gr. die Rede. Nicht nur auf Lehen, sondern auf allem Land scheint die Verpflichtung zu lasten, für den König in den Krieg zu ziehen oder das durch eine Abgabe abzulösen. Zentraler Königssitz wird wohl im 10. Jahrhundert Winchester.

 
Es gibt, sehr schematisch dargestellt, Herren auf ihrem Landgut - mit ihnen verpflichteten und zunächst ansonsten noch freien Bauern. Dabei wird aus „adeligen“ Kriegern, altenglisch und altdeutsch aethelingen, bodenständigerer Adel, der fest auf seinem Land haust. Im Lateinischen heißt „bleiben“ manere, und so wird sein Anwesen zum manor. Dabei gelingt es diesem Adeligen, die germanische Volks-Gerichtsbarkeit über die von ihm immer Abhängigeren betreffs der Angelegenheiten seines Bereiches an sich zu ziehen in (neuenglisch) manorial courts, und weil seine Vorfahren die Pfarreien gestiftet haben, setzt er auch die Pfarrer ein und kontrolliert das „geistliche“ Leben dort.

 
In diesem Prozess werden nicht nur die Begriffe für „Bauer“ (altenglisch wie altdeutsch wird dazu: gebur) immer weiter abgewertet, ganz langsam wird auch folk zur Bezeichnung der „minderwertigen“ Mehrheit der Bevölkerung. Tatsächlich wird überhaupt das „Volk“ nun ganz langsam zur „Bevölkerung“, bis dann am Ende des Mittelalters dafür das englische Wort vom lateinischen populus (dem deutschen abwertenden „Pöbel“) als population entlehnt wird. Auch das ist Zivilisierung. 

Am Anfang stehen die römischen Latifundien. Darüber setzen die Angelsachsen die erbliche Schicht der Degen (thegn), die Grundbesitz erhalten gegen Abgaben und manchmal Waffendienst. Ihnen sind die unfreien wie die freien Bauern zugeordnet, die sich in diese Form der Grundherrschaft einfügen müssen.

Es ist von Lehen (laen) die Rede, die in lateinischen Texten precaria heißen.

 
Andererseits bleiben in England ganze Regionen erhalten, in denen freie Bauern Dorfgemeinschaften bilden. Ihr Zentrum bildet der Dorfanger mit der Kirche und gemeinsamen Einrichtungen, auf Versammlungen wurde über gemeinsame Belange entschieden, und das dörfliche Gericht übernahm die Aufgabe der grundherrlichen Verwaltung. (Sarnowsky, S.72).

Dies im Unterschied zu Deutschland, wo eine solche Dorfgemeinschaft wohl erst im Hochmittelalter auftaucht.

 

Ab 980 greifen wieder Wikingerschiffe an, die man sich mit Trubutzahlungen vom Leib hält. Dazu führt König Aethelred das Danegeld als eine Art Grundsteuer ein. 991 läuft das fast 4.000 Pfund Silber auf, drei Jahre später zu über 7.000 Pfund. 1012 sollen es 22 Tonnen gewesen sein.Der König heiratet schon 1002 eine normannische Herzogstochter Emma in der Hoffnung auf Unterstützung gegen die Wikinger.

 

1013 wird England vom Dänenkönig Sven Gabelbart überfallen und Aethelred flieht in die Normandie, wo er 1016 stirbt. Kurz darauf hat Svens Sohn Knut der Große England soweit erobert, dass er dort zum König gekrönt wird.