ANHANG 8: SPÄTE KAROLINGERZEIT (derzeit in Arbeit)

 

Söhne und Enkel

Bis zum Ende der Karolinger-Herrschaft im Ostreich

Städte im Norden (8./9.Jh. (Trier)

Italien unter den Karolingern (in Arbeit)

Stadt und Land in Italien (Venedig / Rom / Das Land)

Christentum und Islam in Spanien nach der Conquista

 

 

814 Tod Karls d.Gr. Nachfolger Ludwig der Fromme

817 Ordinatio imperii

819 Kaiser Ludwig heiratet Judith

831 Reichsteilung zugunsten von Karl

832 Aufstand der drei erstgeborenen Söhne gegen den Vater

838/9 Tod Pippins, Karl wird volljährig

840 Tod Kaiser Ludwigs

841 Sieg von Ludwig und Karl gegen Lothar bei Fontenoy

842 Straßburger Eide

843 Dreiteilungs-Vertrag von Verdun

855 Tod Kaiser Lothars

859 Angriff Ludwigs d.D. auf Karl d.K.

870 Vertrag von Meersen: Aufteilung Lothringens

877 Tod Karls des Kahlen

 

 

 

1. Söhne und Enkel


813 war von den legitimen Söhnen des inzwischen 65-jährigen Karl nur noch ein Ludwig übriggeblieben, der seit langem als eine Art Unterkönig für Aquitanien fungierte. "Herausgehoben wird in allen Quellen seine starke Religiosität, sein spiritueller Habitus und die von allen Zeitgenossen bereits beklagte Abhängigkeit von seinen geistlichen Beratern..." (Hägermann, Karl, S. 615)


Bei Ludwig ist die Vermutung entstanden, dass sein starker Geschlechtstrieb und seine "Frömmigkeit" in einem gewissen schuldbewussten Verhältnis stehen. (Vgl. Minois, Charlemagne, S.319). Mit 16 hatte er bereits zwei namentlich bekannte uneheliche Kinder. Sein Biograph (der "Astronom") wird später über seine Heirat mit 14 schreiben: Aus Angst, dass er nicht von der Heißblütigkeit seines Körpers mitgenommen werde und auf die vielfältigen und gewundenen Pfade der Ausschweifungen gezogen werde, nahm er nach dem Rat seines Gefolges, als zukünftige Königin Irmingarde..., von edler Herkunft.


Auf einer Reichsversammlung im Herbst 813 akklamieren alle Großen dem Vorschlag des greisen Karls, Ludwig zum Kaiser zu machen. Und er fragte sie alle, ... ob es ihnen gefalle, dass er seinen Namen, das heißt den Namen des Kaisers, auf seinen Sohn Ludwig übertrage. So berichtet jedenfalls der Bischof von Trier.


Damit löst Karl das "Kaisertum" einmal von der Bindung an seine Person und, was eine mindestens genauso heftige Neuerung ist, von seiner Bindung an den Papst. Leo III. wird das schnell zu korrigieren suchen, indem er 816, kurz nach Amtsantritt des frommen Ludwig nach Reims eilt, um dort die Kaiserkrönung zu wiederholen.

Die zweite Bestimmung Karls wird die Bestätigung von Bernhard, dem Sohn des Karlssohnes Pippin, in seiner Rolle als Unterkönig für Italien.


Das Ende Karls 814 führt nicht zu einem kaiserlichen oder königlichen Begräbnis mit der Pracht und dem Pomp, mit dem später Herrscher beerdigt werden. Er wird wie jedermann gewaschen, in Tücher gehüllt, kurz aufgebahrt und dann einfach unter die Erde gebracht. Als Christ und doch noch germanisch verwurzelter Franke der Zeit wird er im Tod wieder fast allen anderen gleich, jedenfalls für einen Moment.


Den Beinamen "der Fromme" bekommt Ludwig später, weil er sich schon in Aquitanien mit einer neuen Welle von Kloster- und Kirchenreform verbündet hatte. Dass unter ihm das Reich Karls zerbrechen wird, ist aber weniger seiner Frömmigkeit geschuldet als vielmehr der Tatsache, dass die Expansion nicht weiter vorangetrieben werden kann, weswegen die Bindung des Adels an die Krone nicht mehr durch kriegerische Erfolge und die Erwartung von Beute herzustellen ist. Stattdessen beginnt sich die Gewalttätigkeit dieses Adels nun nach innen zu wenden, und da Ludwig vier erbfähige Söhne hat bzw. haben wird, werden sich adelige Gefolgschaften an ihnen und der Tatsache orientieren, dass sie zu Konkurrenten werden, schließlich auch zu Konkurrenten des Kaisers, ihres Vaters selbst.


Ludwig begreift sich nicht mehr primär als "König der Franken", sondern als christlicher Kaiser, imperator augustus. Auch diese Wendung unter dem Schlagwort der renovatio regni Francorum wird zum Verfall des Frankenreiches beitragen. Er reformiert rabiater als sein Vater. Der Liederlichkeit bezichtigte Schwestern und die Prostituierten im Pfalzbereich werden vom Hof verbannt, die einstigen Berater Kaiser Karls wie Karls Bruder Adalhard, sein Vetter Wala, Theodulf von Orléans und andere werden nach und nach in die Verbannung geschickt. Dafür soll Benedikt von Aniane, den Ludwig an den kaiserlichen Hof mitnimmt, Kirche und vor allem Klöster im Sinne einer Vereinheitlichung im Kaiserreich reformieren. 816 wird auf einer Aachener Synode die Regel Benedikts verpflichtend für alle Klöster und ein verbindlicher Kanon zu liturgischen Fragen wie zur Lebensführung des Weltklerus eingeführt, die 'institutio canonicorum Aquisgranensis'.  

 

Im selben Jahr kommt Stephan IV. ins Papstamt, betont sofort das Bündnis mit dem Kaiser, bekundet Ludwig durch Gesandte, mit ihm zusammenkommen zu wollen. Er trifft sich im Oktober 816 mit Ludwig in Reims: Vor der Stadt stiegen sie beide vom Pferd; der princeps warf sich dreimal mit dem ganzen Körper zu Füßen des höchsten Bischofs nieder und begrüßte, nachdem er das dritte Mal sich erhoben, den Papst (...) der ihn wiederum als zweiten König David anspricht und in der Kirche dann lauthals lobt. Jedenfalls behauptet das alles seine Papstvita.

Die Pippinsche Schenkung wird erneuert und der Papst setzt dem Kaiser eine Krone auf, die er mitgebracht hat. Die dominante Rolle des Kaiser dabei ist unübersehbar.

 

Die früh festgelegte Erbfolge 817 in der 'Ordinatio imperii', bei der der älteste Sohn Lothar zum umgehend gekrönten Mit-Kaiser mit einem Zentralreich bis nach Italien wird, Pippin vor allem Aquitanien erhält und Ludwig Bayern, trägt zum inneren Konflikt bei. Letztlich wird die fränkische Erbteilung hier abgelöst durch das Primat der Reichseinheit. Die beiden jüngeren Söhne sollen sich in einem gemeinsamen Reich dem Kaiser und seinem ihm untergeordneten Mitkaiser unterordnen, was ihnen auf Dauer schwerfallen wird (so Thegan von Trier). Der de facto leer ausgegangene Bernhard, dem vom großen Karl Italien zugesprochen worden war, möchte sich in diese Regelung nicht einfügen und steht dagegen auf. Um diese Bewegung zu unterdrücken, heißt es in den Annales regni Francorum, bot der Kaiser augenblicklich aus ganz Gallien und Germanien ein großes Heer auf und beeilte sich, nach Italien zu ziehen. Da verzweifelte Bernhard an seiner Sache, zumal da er sah, wie seine Leute ihn täglich verließen; er legte die Waffen nieder und ergab sich dem Kaiser in Chalon-sur-Saône.

"Nachdem sie ihn ohne Mühe besiegt hatten, forderten sie vom Kaiser, ihn zum Tode zu verurteilen; die Strafe wurde jedoch in Blendung umgewandelt, aber der unglückliche Bernhard überlebte die Qualen der Verstümmelung nicht und starb im April 818." (Cardini in: Bertini, Heloise..., S.80) Bischof Theodulf von Orléans muss ins Exil, Ludwigs drei Halbbrüder verschwinden hinter Klostermauern.

 

Im Herbst 821 kommt es zu einer teilweisen Kehrtwende Ludwigs, zur Amnestie der Verschwörer gegen seine Ordinatio imperii und es kommt zu dem einmaligen Akt einer öffentlichen Bußerklärung Ludwigs auf einem Reichstag in Attigny 822. Er legt ein Schuldbekenntnis ab und nahm für dies alles und für das, was er an seinem eigenen Neffen Bernhard gesündigt hatte (...), eine freiwillige Buße auf sich; was er nur irgendwo an Unrecht, von ihm oder seinem Vater begangen, ausfindig machen konnte, sühnte er überdies durch reiche Almosenspenden, durch inständiges Gebet der Diener Christi und durch eigene Buße. (in der Vita Hludowici des Astronomen, c.35, ähnlich in den Reichsannalen beschrieben).

 

Was für die einen wie den Astronomus religiöse Überhöhung des Kaisertums war, wurde für die Gegner zum Zeichen von Schwäche. Unübersehbar zeigt sich aber hier die Macht der Bischöfe, die beginnen, eine Art geistliche Aufsicht über die Könige für sich einzufordern. An die Großen im Reich schreibt er eine admonitio, dass jeder von euch an seinem Platz (locus) und in seinem Stand (ordo) Teil an unserem Amt (ministerium) habe, und speziell an die Bischöfe gerichtet, dass sie uns wahre Helfer bei der Ausübung unseres Amtes sind, damit wir nicht im Jüngsten Gericht für unsere und eure Nachlässigkeit verdammt, sondern eher für unserer beider guten Eifer belohnt zu werden verdienen. (in: Althoff(2) S.44)

 

Bild

 

In einem Buch von Rabanus Maurus für Ludwig den Frommen wird ein Bild des Herrschers deutlich, wie es von diesem selbst wohl gewollt war. Christus wird da angerufen, dem Herrscher den Sieg zu verleihen, der ihn zur Krone des ewigen Lebens führen soll. Darauf wohl soll der Nimbus verweisen, der aber auch an den Kaiser Konstantin erinnern konnte, der laut frommer Legende im Zeichen des Kreuzes siegte, welches Ludwig wie eine Fahnenlanze hält, während die andere Hand auf dem Schild ruht. Damit steigert sich das Bild eines christlichen Kaisers, wie es Karl d.Gr. entwickelt hatte, noch einmal erheblich. (aus LHL, S.95ff)

 

Wala, nach dem Tod des Kaisers Mönch in Corbie, dem Kloster, welches Kaiser Ludwig Adalhard entzogen hatte, wird geistiger Führer der Opposition, insbesondere nachdem er die Nachfolge Adalhards als Abt angetreten hat. Vielleicht ist er der Autor der Dekretalen des (Pseudo-)Isidor, die die Macht der Kirche gegenüber der weltlichen Herrschaft stärken wollen und vielleicht auch Redakteur des 'Constitutum Constanini'. Eine Synode von Paris 829 begründet mit der Zweigewaltenlehre des Papstes Gelasius I. die größere "Gewichtigkeit" des geistlichen "Schwertes".

823 zieht Lothar nach Rom und lässt sich auch von Papst Paschalis salben und krönen.

 

Bereits 819 hatte Kaiser Ludwig die Judith geheiratet, die Tochter des Grafen Welf I. Vielleicht bereits unter ihrem Einfluss verschwinden einige Leute vom Hof und andere wie Bernhard von Septimanien und Graf von Barcelona steigen auf.

823 kommt für den frommen Ludwig noch ein Sohn Karl dazu, für dessen Ausstattung Judith nun eintritt, so dass Thegan zu 829 schreiben kann:

Im nächsten Jahr kam er nach Worms, wo er seinem Sohn Karl, der von der Kaiserin Judith geboren worden war, das alemannische und rätische Land sowie einen Teil von Burgund übergab, dies in Gegenwart seiner Söhne Lothar und Ludwig. Sie ebenso wie ihr Bruder Pippin entrüsteten sich darüber. (cap.35)

Damit beginnen die Konflikte massiver zu werden, denn in den Regionalherrschaften wird durch Zuweisung zu den Kaisersöhnen die Macht des Hochadels geschwächt, der sich nun auf die aufkommende Opposition der übrigen Ludwigsöhne einlässt


827 schlägt Bernhard von Septimanien im Auftrag des Kaisers einen Aufstand in der Spanischen Mark nieder, die ein fränkischer Mächtiger zusammen mit dem Emir von Cordoba angezettelt hatte. Dann ist er in seinen Funktionen viel am Hofe, wo er regulär mit der Kaiserin zusammenarbeitet. Deshalb vielleicht und wegen der Nähe zum Sohn der Kaiserin wird ihm ein Verhältnis mit der Kaiserin Judith nachgesagt, was beide aber immer bestreiten. Eine solche Denunziation konnte von den Parteigängern der drei erstgeborenen Kaisersöhne ausgehen, die mit Judith auch ihren Sohn, einen neuen Konkurrenten, diffamieren wollten. Aber man weiß nichts genaues, außer dass sich 830 eine Opposition gegen Kaiser Ludwig bildet, der ehemalige Getreue angehören.


Hinkmar (Ingmar) von Reims, um diese Zeit als junger Mann am Hof Ludwigs des Frommen, beschreibt die Verhältnisse bei Hof als sehr alter Mann 881 in seiner 'De ordine palatii' folgendermaßen:

Die gute Leitung des Palastes und insbesondere die Aufrechterhaltung der königlichen Würde sowie das jährliche Verteilen der Geschenke an die höheren Krieger (außer jedoch der Nahrung und dem Wasser für die Pferde) waren besondere Aufgaben der Königin und des camerarius (Kämmerer) unter ihr ... Sie kümmerten sich zu gegebener Zeit um die Vorbereitung künftiger gesellschaftlicher Ereignisse, damit nichts fehle, wenn es gebraucht würde. Die Geschenke an die verschiedenen Gesandtschaften standen unter der Aufsicht des camerarius, wenn der König nicht im besonderen Fall befahl, dass sich die Königin selbst zusammen mit ihrem camerarius damit befassen sollte. (Nach: Thiébaux, Dhuoda, S.15, Anm. 36) Hinkmar wird lebenslang ein treuer Gefolgsmann Karls des Kahlen und dafür später mit dem Erzbistum Reims belohnt.


Ganz anders und wahrscheinlich als sowohl mönchisch-religiöse wie machtpolitische Diffamierung gedacht, sieht das bei einem weiteren Zeitgenossen aus, dem Paschasius Radbertus, im Alter Abt von Corbie, der in einer Vita des Abtes Wala alle Register der Beschimpfungen zieht:

Kein Tag war von einem schlimmeren Schicksalsschlag gekennzeichnet als der, an dem der Halunke Bernhard aus Spanien zurückgerufen wurde, ein Elender, der alle Ehren wegwarf, die ihm von seiner Herkunft her zustanden. Wie ein Narr wälzte er sich in den Freuden der Gefräßigkeit. Wie ein verrücktes Schwein kam er daher; im Palast stellte er alles auf den Kopf, er ruinierte den Rat und schleuderte alle rechte und vernünftige Ordnung von sich. Er trampelte auf allen Räten, sowohl Klerikern wie Laien, herum und vertrieb sie. Er besetzte das kaiserliche Bett ... Der Palast wurde zum Bordell, von Schande und Ehebruch regiert, voller Verbrechen und durchdrungen von jeder Art von Hexerei und verbotenen schwarzen Künsten. Der Kaiser ging zu seiner Vernichtung wie ein unschuldiges Lamm. Diesem großen und gnädigen Kaiser wurde Unrecht getan von einer Frau, gegen die schon Salomon gewarnt hatte, und er wurde noch mehr getäuscht durch die Ränke eines Wüstlings, der ihn in den Tod trieb. (Nach: Thiébaux, Dhuoda, S.17)


Auf irgendeine Weise kann sich Judith rituell von dem Vorwurf reinigen. Bernhard, der zunächst nach dem fränkischen Spanien enteilt war, kommt im Herbst 831 an den Hof zurück, beschwört seine Unschuld und fordert die Verleumder (?) zum Zweikampf heraus, für den sich allerdings keiner meldet. (Thiébaux, Dhuoda, S.18)

 

Längst ist Wala am Hof zurück und bei Paschasius Radbertus ist er Wortführer der Kritiker Ludwigs und wirft diesem unter anderem vor, Kirchengut an Laien zu vergeben und Bischöfe eigenhändig einzusetzen. 828/29 finden Versammlungen statt, auf denen Ludwig daran erinnert wird, dass nach der gelasianischen Zweischwerterlehre das geistliche Schwert das sei, über das der König nicht richten dürfe und welches vielmehr die Aufgabe habe, über ihn zu urteilen. Dazu werden auch altjüdische Texte herangezogen.


In dieser Zeit ist bereits der Aufstand der Ludwigsöhne in vollem Gange. Judith wird ins Kloster Ste Radegonde in Poitiers gesperrt (Thegan) und soll ihren Gemahlin dazu bringen, das Gleiche zu tun (Astronom). Aber im Sommer 830 gelingt es Ludwig, Sohn Ludwig (von Bayern) und Pippin (von Aquitanien) auf seine Seite zu ziehen, Judith aus dem Kloster zu befreien und Lothar zu entmachten, der ihm die Treue schwören muss. Anfang 831 wird das Reich so geteilt, dass Karl ein erweitertes Herrschaftsgebiet erhält, während Lothar auf Italien beschränkt wird, was die drei Söhne aus erster Ehe gegen den Vater aufbringt.

Bernhard wendet sich gegen Lothar, der mit einer territorialen Abgabe an den Halbbruder nicht einverstanden ist, und verweist ihn vom Hof. Der Kaiser zieht in die Bretagne, um dort einen Aufstand niederzuschlagen.

 

Derweil entladen sich die Besorgnisse von Lothar und Pippin 832 im bewaffneten Aufstand gegen den Vater, dem sich dann auch Ludwig anschließt. Bei der Gelegenheit beschuldigen sie Judith und Bernhard des Ehebruchs. Bevor es 833 im Elsass bei Colmar zur Schlacht kommt, fällt das Gefolge vom Kaiser ab, und er wird gefangengenommen.

 

Judith wird von ihren Stiefsöhnen in ein Kloster in Tortona in Norditalien gesperrt.. Bei der Gelegenheit ordnet Lothar sich den Vater und die Brüder unter. Kaiser Ludwig wird in Compiègne vor ein Gericht fränkischer Bischöfe gestellt und verliest eine Art Schuldanerkenntnis über die Sünden in seiner Herrschaft. Er muss anerkennen, dass sein zehnjähriger Sohn Karl in die Abtei Prüm verbannt wird und landet selbst im Büßergewand im Kloster Sankt Medard in Soissons, wo er nochmals ein Schuldbekenntnis gemäß einem von den Bischöfen angelegten Sündenverzeichnis ablegen muss.

Herr Ludwig erschien also in der Basilika der heiligen Gottesmutter Maria (...) Vor zahlreichen Priestern, Diakonen und anderen Klerikern sowie seinem Sohn, dem Herrn Lothar, dessen Großen und dem vielen Volk, das in der Kirche Platz fand, warf sich Ludwig auf ein ausgebreitetes Bußgewand vor dem Holzaltar auf den Boden und bekannte vor allen Anwesenden: Das ihm anvertraute Amt habe er sehr unwürdig verwaltet, dabei habe er Gott häufig gekränkt, christi Kirche habe er Ärgernis erregt und durch seine Gleichgültigkeit das Volk in alle möglichen Gefahren gebracht. Um diese schweren Vergehen zu sühnen, wolle er öffentlich Kirchenbuße leisten, damit Gott sich seiner erbarme und er durch die Amtsgewalt und die Hilfe jener Männer freigesprochen werde, denen Gott die Gewalt zu binden und zu lösen gegeben habe. (in: Althoff(3), S.58)

Dann löste er seinen Waffengurt und legte auch ihn auf den Altar, entledigte sich auch seines weltlichen Gewandes, wonach er aus der Hand der Bischöfe das Büßergewand empfing. Nach einer so großen und schweren Buße darf niemand mehr zu weltlichenm Dienst zurückkehren. (Soweit die Sicht der Bischöfe. In: Althoff(3), S.59)

 

Wieder werden ganz übliche hochadelige Verhaltensweisen kirchlich verurteilt, aber wieder nur in der Person des obersten Herrschers. Damit ist Lothar quasi automatisch wieder Kaiser.

 

Dieses extreme Verhalten gegenüber dem Vater und insbesondere seine kaiserliche Vormachtstellung führen dann aber dazu, dass Pippin aus Aquitanien und Ludwig aus dem Osten gegen Lothar vorrücken, der erst nach Vienne und dann nach Italien flieht. Kaiser Ludwig wird in der Kirche von Saint-Denis wieder eingesetzt, Judith wird aus dem Kloster zurückgeholt und der Kaiser zwingt Lothar, dessen Macht nun wieder auf Italien beschränkt ist, zum Treueeid:

Der Kaiser saß in seinem Zelt, das hoch aufgerichtet war in einem weiten Felde, wo ihn das ganze Heer sehen konnte, und seine getreuen Söhne standen neben ihm. Dahin kam Lothar und warf sich zu Füßen seines Vaters nieder, nach ihm sein Schwiegervater, der furchrsame Hugo. Darauf bekannten auch Matfried und die übrigen alle, welche Anstifter jener Tat gewesen waren, nachdem sie sich von der Erde erhoben hatten, dass sie schwer gefehlt hätten. Dann schwor Lothar seinem Vater Treue, dass er nach Italien gehen und dort bleiben und nicht von da fortgehen werde ohne Befehl des Vaters (Thegan, cap.55)

 

In Diedenhofen bereiten dieselben Bischöfe, die die Absetzung Ludwigs betrieben hatten, nun die erneute zeremonielle Wiedereinsetzung vor. Bischof Ebo von Reims wird eigens aus seinem Klostergefängnis Fulda herbeigeholt. Im Metzer Dom wird Ludwig 835 erneut im Beisein der Söhne von sieben Erzbischöfen gekrönt (Annales Bertiniani).Die Bischöfe müssen einen Rückzieher machen und begründen nun die neuen Machtverhältnisse, wobei sie und später Ludwigs Biograph Thegan den Erzbischof Ebo von Reims zum Haupt-Übeltäter der Handlungen von zwei Jahren zuvor hinstellen, um sich davon distanzieren zu können.

 

Inzwischen hat mit den Kämpfen in der Karolinger-Familie die Macht der Adelsverbände erheblich zugenommen, die von principes geführt werden, und gegen die Herrschaft nicht mehr möglich ist.

Von 835-37 kommt es zu Verhandlungen über die Machtverteilung, um die alleine es geht. 838/9 stirbt Pippin, und Karl wird mit fünfzehn volljährig, erhält in Quierzy eine Königskrone und zentrale fränkische Gebiete zwischen Friesland, Loire und Burgund. Es wird also erneut geteilt, wobei Ludwig ("der Deutsche") wieder auf Bayern reduziert wird, worauf ein Aufstand von ihm niedergeschlagen werden muss.

Gegen die zunehmende Macht des östfränkischen Ludwig wendet sich der alte Kaiser dabei laut Nithard an Lothar, um die Macht von Sohn Karl für die Zukunft zu erhalten: Wenn er fernerhin des Vaters Willen gegen Karl aufrechterhalten wolle, solle ihm alles, was er bisher gegen jenen verbrochen hätte, verziehen und das ganze Reich mit Ausnahme Bayerns zwischen ihm und Karl geteilt werden. (in: Althoff(2), S.80)

 

840 stirbt Kaiser Ludwig auf einer Rheininsel, von wo er gegen seinen Sohn Ludwig in den Krieg ziehen will.


Inzwischen ist das Reich so geteilt, dass Karl der Kahle das Westreich, Ludwig "der Deutsche" einen großen Teil des Ostens und Lothar den Kaisertitel und ein Mittelreich innehat, welches von der Nordsee bis zur heutigen Westschweiz reicht.

Lothar aber marschiert nun gegen Ludwig und Karl, um die Alleinherrschaft zu erreichen. Karl verlangt die Gefolgschaft von Bernhard und dessen Vermittlung bei Pippin, Bernhard zögert aber und versucht sich herauszuhalten.

 

841 kommt es zum Gemetzel von Fontenoy und der Niederlage von Lothar. In diesem Kampf wurde die Streitmacht der Franken so aufgerieben und ihr glorreiches Heldentum so geschwächt, dass sie fortan nicht einmal zum Schutz des eigenen Gebietes ausreichten, geschweige denn zu einer Erweiterung des Reiches. (Chronik des Regino von Prüm). Die Sieger ziehen nach Aachen und hielten am Tag nach ihrer Ankunft Beratung, was nun mit dem Volk und Reich (populus ac regnum) zu tun sei, welches der Bruder verlassen habe. (Nithard in: Althoff(2), S.81)

In Aachen beschließen beide, die Angelegenheit an die Bischöfe und Priester (s.o.) zu übergeben, die pflichtschuldigst einen Sündenkatalog Lothars anlegen. Dann wird von beiden Königen ein Ausschuss der der Großen eingesetzt, der das Reich teilen soll.

 

842 treffen die Erben des West- und des Ostteils des Frankenreiches sich in Straßburg und schwören sich gegenseitig vor ihren Heeren Bündnistreue. Damit alle das verstehen, werden die Eide in den Volkssprachen geschworen, in fränkischem Althochdeutsch, wie es später heißt, und dem Romanischen, welches später Altfranzösisch heißen wird. Der Grund ist kein Gedanke an "ethnische" Teilung, sondern die des Lateinischen zum großen Teil nicht mächtige Öffentlichkeit der Veranstaltung.


Dies ist der Anfang des Eides für die Romanen: Pro deo amur et pro christian poblo et nostro commun salvament, d'ist in avant, en quant Deux savir et podir me dunat, mi salvarai... (Um der Liebe Gottes willen und das gemeinsame Heil der Christenheit und unseres Volkes, unterstütze ich von heute an, soweit mir Gott die Weisheit und die Macht gibt...- meinen Bruder Karl etc). Der Westfranke wiederum schwört so, dass ihn die Ostfranken verstehen: In godes minna ind in thes christanes folches ind unser bedhero gehaltnissi fon thesemo dage frammordes so fram so mir got geuuizci indi mahd furgibit so haldih thesan minan bruodher soso man mit rehtu sinan bruodher scal in thiu thaz er mig so sama duo indi mit ludheren in nohheiniu thing ne gegango the minan uillon imo ce scadhen uuerdhen.

Man sieht, dies ist nicht mehr Latein, aber noch kein Französisch oder Deutsch.


Karl der Kahle muss nachgeben und verhandelt mit seinen beiden Brüdern. Dezember 842 heiratet er Ermentrude. Zwei Monate später stirbt Kaiserin Judith. Eine Kommission aus je 40 Vertretern des Hochadels sammelt nun ein Verzeichnis von Rechten und Einkünften für eine gerechte Reichsteilung. Im August 843 wird die Einigung von Straßburg in Verdun auf Kaiser Lothar ausgedehnt, der zwischen beiden ein Mittelreich zwischen Aachen und Rom erhält. In den nächsten Jahren wird aber eine gewisse Einheit des Frankenreichs in der Beschränkung jeden Bruders auf seinen Teil gewahrt.

 

Hatte der große Karl Bischöfe wie Äbte einfach eigenhändig eingesetzt, so beginnt sich unter Ludwig dem Frommen die Vorstellung durchzusetzen, dass Abtswürde wie Bischofsamt königliche Benefizien seien, was dazu führt, dass sie ebenfalls den Akt der Kommendation durchlaufen müssen. "Wie bei der Übertragung eines Beneficiums erhält der Bischof bei seiner Amtseinsetzung ein Symbol seines Amtes; per baculum überträgt der König ihm die Bischofswürde." (Leiverkus in LHL, S.165, es handelt sich um den sogen.Krummstab). Entsprechend stellen auch Bischöfe ein militärisches Aufgebot für ihren König.

 

Schritt für Schritt ändert sich derweil auch der Charakter der weltlichen Vasallität, indem sie sich mit einem Lehen verbindet. Das Beneficium wird dann zunehmend vom Vater auf den Sohn vererbt, auch wenn es unteilbar bleibt. Damit verlieren die Herrscher den Zugriff auf Krongut und damit auch auf die Treue ihrer Vasallen. Zum anderen neigen Vasallen im Laufe der Zeit dazu, sich an mehrere Herren zu binden, um möglichst viele Benefizien zu erhalten. Damit zieht bezüglich der Treuepflicht Konfliktpotential auf.

 

Ein weiteres Problem entsteht dadurch, dass kleinere Vasallen, insbesondere solche ohne Beneficium, durch größere mediatisiert werden, indem sie von diesen selbst in Vasallität gebracht werden. Zwischen König und Vasall kann so ein Herr treten, dessen Eigeninteressen bevorzugt zu beachten sind.

 

2. Bis zum Ende der Karolinger-Herrschaft im Ostreich

 

Die Reichsteilung von Verdun gibt Karl dem Kahlen dauerhaft einen geschlossenen Herrschaftsbereich im Westen, dessen Kern Westfranzien ist, der aber außerdem die Spanische Mark, Aquitanien, die Gascogne und Septimanien umfasst. Unter den potentes, die sich dort eigene Herrschaftsräume bewahren wollen, gehört auch Bernhard, Graf von Barcelona, Graf der spanischen Mark und Herzog von Septimanien, Gemahl der Dhuoda.

Er verbündet sich wie sein Vater mit Pippin II. von Aquitanien, der ihm die Grafschaft Bordeaux anvertraut. Juni 844 schlagen sie eine Armee König Karls bei Angoulême. Danach versucht er auch die Spanische Mark zu gewinnen und findet dafür 847 einen Verbündeten im Emir Abderrahman II von Cordoba, der ein Interesse am Niederschlagen maurischer Aufstände hat. 848 versucht er sein Erbteil Barcelona einzunehmen. Dabei wird er von seinen muslimischen Verbündeten im Stich gelassen und 850 bei Barcelona entweder erschlagen oder hingerichtet.

Sohn Bernhard wird 886 sterben. Sein mutmaßlicher Sohn wiederum, Wilhelm von Aquitanien, wird das Kloster Cluny gründen.

 

Karl der Kahle kann sich im Westen weder gegen die Bretonen noch zunächst  in Aquitanien gegen Pippin II. militärisch durchsetzen. 848 lässt er sich dann auf Einladung aquitanischer Großer in Orléans zum König krönen. 

 

In seinem Kerngebiet wird die Macht der Bischöfe wie der weltlichen Großen von ihm bestätigt, so dass sie "auf diesem Wege eine sehr viel stärker auf der persönlichen Bindung an den Herrscher basierende als vom Amtsgedanken geprägte Machtstellung, die dem Ausbau einer eigenen Haus- und Territorialpolitik zustatten kam," erreichen. (Hageneier in LHL, S.71)  Einer dieser Bischöfe, Hincmar von Reims, erklärt jenen Vorrang der geistlichen vor der weltlichen Macht ähnlich wie der Gelasiusbrief: Insoweit ist die Würde der Bischöfe größer als die der Könige, weil die Könige von den Bischöfen zu ihrer königlichen Höhe geweiht werden (sacrare), die Bischöfe aber nicht von den Königen geweiht werden können. (in: Althoff(2), S.64)

 

 

Bild 

 

Im Codex aureus von St. Emmeran verbinden sich im Herrscherbild Karls des Kahlen Prächtigkeit und christliche Überhöhung. Schultern und Kopf des Herrschers ragen in die himmlische Sphäre hinein, blau gefärbt wie der sichtbare Himmel und durch zwei Engel als der zugleich unsichtbare gekennzeichnet. Ein von vier antikisierenden Säulen getragener Baldachin überspannt Karl, und hinter ihm ist die Hand Gottes zu sehen, die hinunterzugreifen scheint auf die Krone des Herrschers. (in LHL S.99ff)

Karl mehr noch als die anderen karolingischen Herrscher bedarf dieser christlichen Begründung zur Durchsetzung seiner begrenzten Macht in Zusammenarbeit mit mächtigen Bischöfen. Aber angedeutet ist auch spätantikes Erbe, die Berufung nicht nur auf altjüdische, sondern zunehmend auch antik-römische Herrschergestalten.

 

Zwischen West- und Ostfranzien liegt das Mittelreich Lothars, "das sich von Rom über die Provence und Burgund bis an die Nordsee erstreckt." (Althoff, S.12) 850 macht der Sohn Ludwig (II.) zum Mitkaiser, wofür er inzwischen der Mitwirkung des Papstes bedarf, dessen Stärke die Schwäche der Franken ist.

Zentrum des Ostreiches bleibt Bayern mit dem Hauptort Regensburg. Von hier aus herrscht Ludwig als rex Germanorum. Tatsächlich hat sich, wohl nicht nur durch Zufälle der Geschichte, ergeben, dass unter seiner Herrschaft nur germanisch sprechende Völker leben. Mit ihm beginnt die Orientierung des Ostreiches auch nach Osten, vor allem erst einmal gegen die Mähren, gegen die er mit den Böhmen verbündet ist.

 

847 beschließen die drei Frankenherrscher in Meersen, dass ihre Söhne in ihren Reichen erbberechtigt seien, womit die Reichsteilung zementiert wird. Die Vasallen sollen mit ihrem Herrn (senior) gegen Feinde und für andere Aufgaben sich auf den Weg machen. Aus dem Volksheer früherer Zeiten ist im wesentlichen ein Vasallenheer geworden. Immer größere Teile der Oberschicht tauchen nun auch als Vasallen auf. 


Das Unheil nimmt seinen Lauf. 852 war es Karl II. gelungen, Pippin in ein Kloster einzusperren. Auf Einladung aquitanischer Großer schickt der deutsche Ludwig seinen Sohn dorthin gegen den kahlen Karl. In den westfränkischen Annales Bertiniani heißt es: Die Aquitanier fielen fast alle von Karl ab und sandten an Ludwig, den König von Germanien, Gesandte nebst Geiseln, um sich seiner Herrschaft zu unterstellen

Er wird 854 von der Partei des Kaiser-Ludwig-Sohnes Pippin bedroht, den Karl zu diesem Zweck freilässt, und der sofort Scharen von Anhängern um sich versammelt. Ludwig zieht sich wieder zurück. 


855 stirbt Kaiser Lothar und teilt vorher sein Reich gegen alle Abmachungen, aber nach fränkischem Recht unter seinen drei Söhnen auf. Ludwig II. erhält Italien und wird Kaiser, Provence und Bourgogne gehen an Karl, der ganze Norden fällt an Lothar II., welches später Lotharingien heißen wird und viel später nach dessen Reduktion auf einen kleinen Bereich Lothringen. Nun ist das Frankenreich in fünf Teile geteilt und das Kaisertum basiert auf Italien. Damit ist Lothar am Ende wieder zur alten fränkischen Erbteilung zurückgekehrt.

 

Die Probleme mit Aquitanien bewegen Karl den Kahlen dazu, dieses an Sohn Ludwig "das Kind" abzugeben, der sich aber nicht durchsetzen kann.

858/59 kommt es zu einem neuen Angriff Ludwigs des "Deutschen", Karl der Kahle muss sich zurückziehen und Ludwig führt sich mit Unterstützung weltlicher Großer in Orléans schon als Herrscher auch Westfrankens auf. Er nennt sich Rex in occidentali Francia. Darauf empört sich ein Großteil der westlichen Bischöfe unter Führung Hinkmars von Reims und Ludwig muss 860 im Frieden von Koblenz klein beigeben.

Französische Geschichtsschreibung sah lange in diesem Moment den Keim zur Entstehung Frankreichs. Das ist noch zu früh, immerhin geht es noch um einen fränkisch-karolingischen Bruderzwist, aber der Weg in diese Richtung ist eingeschlagen. 860 wird in Koblenz von allen drei Karolinger-Herrschern bei Anerkennung der bestehenden Grenzen Frieden geschlossen, diesmal wieder auf Romanisch und Fränkisch-Germanisch.

Neu ist die namentliche Erwähnung von 11 Bischöfen, 2 Äbten und 33 weltlichen Großen, die offenbar in die Beschlussfindung eingebunden werden und den Vertrag garantieren.

 

Die neue Völkerwanderung der Nordgermanen hat ihren Ursprung wohl unter anderem in deren erheblicher Fruchtbarkeit, einem wesentlichen Motor der Menschheitsgeschichte. Ihre Anfänge liegen in der aggressiven Mischung aus Händlertum, Räubertum und einer schnellen Auffassungsgabe. Ihre zunächst kurzen Raubzüge an den Küsten und dann auch flussaufwärts leben vom Überraschungseffekt und davon, dass die Räuber so schnell wieder verschwinden, wie sie gekommen

sind.

Mit der Verbindung von Raub, Vergewaltigung und Zerstörung entwickeln sie eine Aura des Schreckens, die überall dazu führt, dass man, um ihnen zu entkommen, hohe Lösegelder zahlt. Dieses Flüssigmachen vorhandener Schätze führt vielleicht zu einer frühen Stufe der Einsicht in die Verbindung von Ansammlung bzw. Akkumulation und

Investition mit dem Ziel eines Gewinnes.

In einem zweiten Schritt setzen sich die Normannen wie im Mittelmeer die sarazenischen Piraten an einzelnen Punkten der Küsten fest, die zunächst Stützpunkte für ihre Überfälle sind. Dort entwickeln sie aber schnell eine enorme Anpassungsfähigkeit an die zivilisatorisch Überlegenen, sofern sie die dort vorfinden. An den irischen Küsten gründen sie sogar die ersten dortigen Städte.

 

Im Westen wird ein Robert der Starke/Tapfere (Robert le Fort) um 861 Markgraf von Neustrien im Dienste der Abwehr von Normannen und Bretonen unter Karl dem Kahlen. 866 begründet er mit einem wichtigen Sieg über die Normannen das Ansehen seines Geschlechts, aus dem viel später die Kapetinger hervorgehen werden. Er erhält als wichtige Machtbasis zudem die reiche Abtei Sankt Martin in Tours und begründet eine Dynastie, die bald im Wechsel mit Karolingern und ab 987 alleine die westfränkischen Könige stellen wird.

 

Südlich davon restauriert sich nach und nach ein mächtiges Aquitanien, und südöstlich gewinnt die Provence unter einem Grafen Boso ein Eigenleben, wiederum nördlich davon entsteht 888 ein neues Königreich Burgund unter dem bayrischen Welfen Rudolf.

 

Der Lothar II. des nördlichen "Lothringen" lebt mit der concubina Waltrada zusammen, von der er Sohn Hugo hat. Er heiratet dann eine Theutberga, die kinderlos bleibt, worauf er sich wieder förmlich von ihr scheiden lässt. Nun heiratet er Waltrada. Hinkmar von Reims und der Papst verurteilen die Annullierung der Ehe mit Theutberga als illegal und das benutzen Karl der Kahle und Ludwig von Ostfranken 867 für einen Teilungsvertrag von Lothars II. Lothringen. 

 

870 gelingt dem ostfränkischen Ludwig und dem westfränkischen Karl die Aufteilung des nördlichen Lotharingiens im Vertrag von Meersen, nachdem alle drei Söhne Kaiser Lothars gestorben sind. An den Osten fällt der Ostteil mit Metz, Trier, Köln und Aachen, an Karl den Kahlen Gebiete von Friesland über Lüttich, das Maastal bis nach Toul und die Regionen um Lyon und Vienne. Damit sind die alten Teilgebiete Gallien, Germanien und Italien fast wieder hergestellt.

Im Süden setzt Karl seinen Schwager Boso ein, der sich 879 zum König von Provence-Burgund ausrufen lässt.

 

872 stirbt Lothar in Italien, wo er mit dem Papst vergeblich über seine Ehe verhandelte. Hugo wird nach Kämpfen geblendet und im Kloster zu Prüm eingesperrt.

Im selben Jahr schreibt Karl der Kahle an Papst Hadrian II. einen Brief, in dem (seine) Souveränität religiös begründet wird: Er ist jemand, der zum Titel und der Würde eines Königs durch die Gnade Gottes gelangt ist. Und: Ich, von Gott eingesetzt, mit einem zweiseitigen Schwert ausgestattet, um am Bösen Rache zu üben und die Unschuldigen zu verteidigen (…) Ihr wisst, dass Christus gesagt hat: "Durch mich herrschen die Könige".(in Audebert/Treffort, S.17) Anders ausgedrückt: der Jesus radikaler Jenseitigkeit dient weiter als Begründung zur Unterdrückung der Massen durch die christlich gewendete Macht weltlicher Herrscher.

 

873 kommt es zu einem Aufstand der Söhne Karl und Ludwig gegen Ludwig II., den dieser zu seinen Gunsten beilegen kann.

 

875 stirbt auch der italienische Kaiser Ludwig II., Karl der Kahle eilt mit einem Heer nach Italien und erobert sich die Kaiserkrone aus der Hand von Papst Johannes VIII., der ihn eingeladen hatte.

 

876 stirbt Ludwig II., nachdem er sein Reich unter seinen drei Söhnen geteilt hatte: Karlmann erhält Bayern, Karl "der Dicke" Alemannien, Ludwig der Jüngere Ostfranken und Sachsen, wo er Luitgart, die Tochter des Grafen Liudolf heiratet. Die drei Söhne Ludwigs II., Teilkönige, müssen sich nun des Übergriffes von Kaiser Karl II. erwehren, der ihnen Ost-Lotharingien bis zum Rhein wieder wegnehmen möchte. Bei Nördlingen beschwören die drei ihr Bündnis in ostfränkisch-germanischer Sprache. Ludwig der Jüngere gewinnt nach einem Sieg über Kaiser Karl II. in der Schlacht bei Andernach 876 den Ostteil des nunmehrigen Lothringens.

 

876 entlädt sich die Ablehnung der Großmacht- und Italienpolitik Karls II. durch den westfränkischen Adel bei andauernder Normannengefahr in einer Versammlung in Ponthion. Karl kann sich der Normannengefahr nur noch durch Tributzahlungen erwehren, die er auf sein Reich umlegt. Dennoch beschließt er auf einen päpstlichen Hilferuf gegen die Sarazenen noch einmal einen Heerzug nach Italien, und der Regentschaft des Sohnes Ludwig ("des Stammlers") werden vorher enge Zügel angelegt.

Zudem verfügt Karli m Kapitular von Quierzy vor seiner Abreise, dass im Falle des Todes eines Grafen während der Heerfahrt der Sohn in das Amt und die Benefizien und Lehen des Vaters eintreten soll, genauso ist es auch in Bezug auf unsere Vasallen zu machen. Damit ist in einem eng beschränkten Fall die Erblichkeit des Lehens offiziell geworden, was sich bald auf alle großen Lehen ausdehnen wird.

 

877 stirbt Karl der Kahle, dem die Kontrolle über Italien wieder entglitten war.

Im Osten übernimmt Karlmann die Vorherrschaft, nachdem er sich auch als König von Italien durchgesetzt hat. Darauf fällt Ludwig in Bayern ein und macht es von sich abhängig. Karlmann dankt dann krank zugunsten Ludwigs ab, der Karlmanns unehelichen Sohn Arnulf von Kärnten damit um sein Erbe bringt.

 

Im Westen herrscht der letzte überlebende Sohn Karls des Kahlen, Ludwig der Stammler, der sofort Probleme mit seiner königlichen Rolle bekommt: Als Ludwig in Orville den Tod seines Vaters erfuhr, suchte er sofort möglichst viele für sich zu gewinnen, indem er Abteien, Grafschaften und Güter verlieh, wie jeder forderte. (...) Als er hörte, die Großen (primores) des Reiches, sowohl Äbte wie Grafen, seien empört, weil er ohne ihren Konsens einigen Lehen gegeben hatte, und sie hätten sich deshalb wider ihn verschworen, ging er nach Compiègne. Diese Großen aber kamen (...) alles verwüstend, was auf ihrem Wege lag, nach dem Kloster Avenay, beriefen eine Versammlung der Ihren nach Montaimé und entsandten von da ihre Abgeordneten an Ludwig, der ebenfalls seine Gesandten an sie schickte. (Annales Bertiniani in: Althoff(2), S.67)

Die geforderte Beratung meinte einmal, wie Hincmar an anderer Stelle schreibt, Versammlungen der geistlichen und weltlichen Großen des Reiches, wohl oft vorbereitet durch solche eines kleinen Kreises daraus, zum anderen den unmittelbaren Zugang zum Herrscher, der meist nur durch Vermittlung von Hofbediensteten zustande kommt. Themen werden vom König dafür vorgegeben (De ordine palatii).

 

Ludwig macht dann nicht nur seine Behinderung zu schaffen, sondern auch zunehmende Krankheit. Inzwischen werden die Sarazenen in Süditalien so stark, dass der Papst ins Westfrankenreich flieht. 879 stirbt der Westfrankenherrscher.

 
Dort kristalliert sich immer mehr die Machtfülle einer Familie der Robertiner heraus, die später Kapetinger heißen werden. Die Schwäche der Karolinger dort führt zum Vertrag von Ribémont 880, in dem nun auch der Westteil Lotharingien an die Ostfranken fällt.

 

Im selben Jahr stirbt der ostfränkische Karlmann, sein Bruder Ludwig der Jüngere versucht nun das Reich zu dominieren, während der andere Bruder es schafft, vom Papst als Karl III. zum König von Italien gemacht zu werden. Derweil fallen die Normannen immer heftiger an Rhein und Mosel ein, wo sie die Städte in Schutt und Asche legen.

 
Unter dem jüngeren Ludwig steigen nun die drei Familien auf, die unter sich in Zukunft das Königtum des Ostreiches ausmachen werden: Die Babenberger, die Konradiner und die Liudolfinger (später: Ottonen). Kurz darauf stirbt auch er, die Karolinger werden nicht mehr alt. .

 
Zum frühen Tod durch Krankheit und Jagdunfälle von Ludwig im Osten und Karlmann im Westen kommt dann noch die Kinderlosigkeit bei den Karolingern hinzu. 881 erreicht Karl "der Dicke", jüngerer Bruder von Ludwig dem Jüngeren, es, von Papst Johannes VIII. zum Kaiser gekrönt zu werden. 884 bleibt nur er übrig, unter dem das ganze Franken-Reich 885 noch einmal vereinigt ist. Er versucht, in zahllosen Feldzügen auch  Italien wieder zu kontrollieren. 

 

882 wird Trier verwüstet, Normannen dringen immer tiefer ins Inland der Frankenreiche ein. Karlmann spricht 884 zu seinem Gefolge über die Normannenplage:

Soll man sich wundern, dass die Heiden und fremden Völker Herr über uns werden und unseren zeitlichen Besitz wegnehmen, wo doch jeder von uns mit Gewalt seinem Nächsten das Lebensnotwendige entreißt? Wie sollen wir mit Zuversicht gegen unsere und der Kirche Feinde kämpfen, da wir doch in unserem eigenen Haus das den Armen geraubte Gut aufbewahren und da wir doch ins Feld ziehen, den Bauch vollgeschlagen

mit Geraubtem. (übersetzt aus Riché, S.301)

Das Unheil von außen entspricht den zu schwachen Bindekräften im Inneren, die sich als Lasterhaftigkeit, Sündhaftigkeit erweisen. Der Topos von den grausamen Normannen wird bestehen bleiben und in Süditalien und bezüglich Siziliens durch den von den tyrannischen Normannen noch ergänzt werden.

 

Zwischen Sarazenen und Normannen eingeklemmt, muss er sich immer mehr auf aufsteigende Regionalpotentaten verlassen, aus denen ganz langsam die neuen ostfränkischen "Stammes"-Herzogtümer und die westfränkischen Fürstentümer hervorgehen. Solche regionale Große wie der Graf Odo müssen denn auch die Abwehr der Normannen bewältigen, während der dicke Karl sich durch Tribute, sogenannte Geschenke, zum Beispiel von der Belagerung von Paris freikauft.

 
Schon 887 wird Arnulf zum ostfränkischen König gewählt. Als die Großen des Reiches sahen, dass nicht nur seine Körperkraft, sondern auch sein Verstand ihn (Karl) verließ, holen sie aus eigenem Antriebe Karlmanns Sohn Arnolf in die Regierung, fallen in einer plötzlichen Verschwörung vom Kaiser ab und gehen um die Wette zu besagtem Mann über, schreibt Regino von Prüm in seiner Chronik.

Arnulf ist Karolinger in der weiblichen Linie, Bastard von Karlmann, der seinem Bastardsohn Zwentibold ein Königreich Lothringen überträgt, bis ins 20. Jahrhundert Zankapfel zwischen Deutschland und Frankreich.

 

Karl III. “der Dicke“ kann 887 vor seinem Tod 888 seinen Wahlerben nicht mehr durchsetzen. Es folgt der Robertiner Odo (den die Franzosen Eudes nennen). Regino berichtet: Nach dem Tode des Kaisers lösen sich die Reiche, die seinem Gebote gehorcht hatten, da sie eines gesetzmäßigen Erben entbehrten, aus ihrem Verbande in Teile auf (...), ein jedes schickt sich an, sich einen König aus seinem Inneren zu wählen. Mit der Beschränkung Arnulfs auf Ostfranken wird die Reichsteilung nun endgültiger.

 

893 wird im Westreich der dreizehnjährige Ludwig der Stammler zum König gekrönt, um ein Königtum des allzu mächtig gewordenen Sohnes Roberts, Odo zu verhindern. Folgende Passage aus den 'Annales Vedastini' zu 897 macht aber die Machtverhältnisse deutlich: Indem den Gesandte ihn- und hergingen, kam Karl zu Odo. Dieser empfing Karl gütig, gab ihm soviel vom Reich, als ihm angemessen schien, stelle ihm noch mehr in Aussicht und entließ ihn darauf wieder nach Hause. (in LHL, S.86) Kurz darauf stirbt Odo kinderlos und Bruder Robert bescheidet sich mit der ererbten Macht.

Der Karolinger Karl der Einfältige ist darauf von 898-922 westfränkischer König. Sein Königreich ist allerdingsin regna zerfallen (Neustrien, Bretagne, Burgund, Aquitanien, Gascogne, Spanische Mark), von denen er eine direkt kontrolliert, die Francia um Paris, seine Krondomäne, wie Historiker das später nennen werden. Die übrigen regna fallen den Erben der karolingischen „Reichsaristokratie“ des Westens zu, „einige zehn Familien als Nachfahren von alten Grafen“, von denen „rund zehn unter ihnen über mehrere pagi verfügt.“ (Audebert/Treffort, S.22. Aus dem pagus wird das französische pays.)

Immerhin siegt Karl über die Normannen und siedelt sie dann 911 an und es gelingt ihm, sich zumindest nominell zur Oberherrn über Lothringen zu machen. 

 

In den Fuldaer Annalen heißt es: Viele kleine Könige in Europa oder im Reiche Karls steigen empor. Berengar machte sich zum König in Italien, Rudolf aber beschloss, Hochburgund für sich in der Art eines Königs zu behalten. Ludwig, Bosos Sohn, und Wido nahmen sich vor, das belgische Gallien imd die Provence wie Könige zu haben. Odo nahm das Land bis an die Loire und die aquitanische Provinz für sich in Anspruch. Hiernach wollte Ramnulf als König gelten.

 

891 wird als Gegenspieler Berengars Wido von Spoleto zum Kaiser gekrönt, was Bände über den Verfall des Titels spricht. 892 salbt Papst Formosus dann den Berengarsohn Lambert ebenfalls zum Kaiser. Zweimal tritt Arnulf gegen Berengar und seinen Sohn an, und 896 gelingt es ihm, Rom zu erobern, und der Papst macht auch ihn zum Kaiser. Tatsächlich teilen sich aber Berengar und Lambert die Macht in Italien.

 

Immerhin gelingt es Arnulf, 891 bei Löwen über die Normannen zu siegen, was ihre Einfälle ins Ostreich beendet. 895 setzt er Sohn Zwentibold in ein Königreich Lothringen ein, zu dem auf dem Papier auch Burgund gehören soll. Im Schreiben zur Synode von Tribur von 895 wird das Gottesgnadentum des ostfränkischen Königs betont,dessen Ausmaß erst von der Reformkirche der zweiten Hälfte des elften Jahrhunderts beschnitten werden wird. Arnulf ist der Fürst, der durch den rex regum (Gott) allen kirchlichen und weltlichen ordines und dignitates vorangestellt sei; dessen Herz die Glut des Heiligen Geistes entflammen und zum Eifer für die göttliche Sache entbrennen wolle, damit die ganze Welt erkenne, dass er nicht vom Menschen und durch den Menschen, sondern von Gott selbst erwählt worden sei. (in: Althoff(2), S.91)

 

Schon 899 verbünden sich die Spitzen der Konradiner mit lothringischen Großen zum Sturz Zwentibolds und Arnulfs. Die lothringischen Großen schaffen es, sein Königtum 900 wieder zu beseitigen. Die Konradiner bilden eine Art Regentschaft zusammen mit den Bischöfen von Mainz, Augsburg und Konstanz für Arnulfs kränkelnden jungen Sohn Ludwig "das Kind".

Der Bischof von Konstanz anlässlich der Erhebung Ludwig des Kindes zum König 900:

Wenige sind unter den unsrigen einträchtigen Sinnes; alle hadern, der Bischof, der Graf und die Dienstmannen; untereinander kämpfen Mitbürger und Stammgenossen, das Stadtvolk murrt, auch in den Städten tobt der Aufruhr ... Wenn die Zerissenheit eines Volkes groß ist, glaubst du, das Reich, deshalb gespalten, könnte bestehen?. (deutsch in: Jussen, S. 83)

 

Die Liudolfinger bleiben abwartend am Rande und sehen auch zu, wie die Konradiner zusammen mit Bischof Hatto von Mainz die Familie der Babenberger brutal vernichten. Das wird ihnen 919 die Königswürde einbringen. (Hageneier in LHL, S.83f)

In gerade dieser Zeit fallen die Ungarn fast jährlich in den zukünftigen deutschen Landen raubend und mordend ein. Die Zentralgewalt im Ostreich löst sich völlig auf. 911 unterstellen sich die lothringischen Großen dem westfränkischen König. 

 

Derweil stirbt auch Odo und ein Karolinger, Karl der Einfältige, kommt im Westreich wieder an die Macht. Derweil erobert sich Berengar, ein Enkel Ludwigs des Frommen, die italienische Königskrone. 

Nach dem Tod Widos und seines Sohnes erkämpft sich Ludwig von der Provence 900 gegen Berengar den Kaisernamen, um fünf Jahre später von diesem überwältigt und geblendet zu werden.

 

Graf Boso lässt sich 900 in Pavia als König von Italien krönen und ein Jahr später lässt er sich neben dem mehr oder weniger legitimen Berengar zum Kaiser erklären.

905 erhält Hugo von Arles die Provence vom nach Höherem strebenden Boso anvertraut, die er später an Rudolf II. von Burgund übergibt.

 

911 stirbt Ludwig das Kind kinderlos. Damit verschwinden die Karolinger als dem Ostreich. Es kommt zum kurzen Intermezzo mit König Konrad I. 

 

Auch indem es keine Herrscher vom Format Karls d.Gr. gibt, fällt alles auseinander bzw. in sich zusammen. Dies liegt daran, dass es keinen Staat gibt, sondern ein Bindegeflecht persönlicher/personaler Beziehungen, dessen Zentrum und Gipfel ein Herrscher sein muss. Wenn das nicht mehr funktioniert, sind in der Deutung der Zeit fehlende Sittlichkeit oder Moral schuld, es ist also das falsche persönliche Verhalten des einzelnen. Erst deutlich nach der Jahrtausendwende werden Institutionen von konkreten Personen gelöst, zunächst als Vorstellung, und viel später in rechtlicher Form.

 
Während die Normannen langsam sesshafter und friedlicher werden, sieht sich Ostfranken dem nächsten Sturm aus den asiatischen Steppen gegenüber: Den Ungarn, die Oberitalien und Bayern plündernd durchziehen.

 

Sie kommen wie Hunnen und Awaren ursprünglich aus den Weiten Nordasiens. Anfang des 9. Jahrhunderts lassen sie sich zwischen Don und Donau nieder, und ziehen dann mit etwa einer halben Million Menschen unter dem Druck der Bulgaren und von Byzanz nach dem heutigen Ungarn.

Sie sind Reiterkrieger, die als erstes das Reich der Mähren vernichten, und dann für etwa 150 Jahre in schnellen Raubzügen durch Italien und die beiden Frankenreiche Beute machen.

 
Ohne handlungsfähigen König gerät das Ostreich dabei immer mehr in die Hand regionaler Großer: Der Welfen, der Konradiner, der sächsischen Liudolfinger, der Babenberger. Ähnlich ergeht es dem westfränkischen Karl. Ihm gelingt es aber, 911 den Normannenhäuptling Rollo vom Plündern abzubringen, worauf der das Christentum annimmt und sich fest mit seinen Leuten in der Normandie niederlässt.

 

Ein Zeitalter geht zu Ende, als 919 von den östlichen Großen der Sachsenherzog Heinrich zum "König der Franken und Sachsen" gewählt wird. Mit dieser Zäsur ist der Einstieg in eine zukünftige "deutsche Geschichte" erreicht, und damit zerteilt sich der Kern des lateinischen Abendlandes in zwei Herrschaftsbereiche, welche die zukünftigen Deutschen und Franzosen umfassen, die bis 1945 gegeneinander um Macht und Einfluss kämpfen werden, - mit dem direkten Ergebnis der weitgehenden Zerstörung Deutschlands und dem indirekten des Absinkens Frankreichs zu einer drittklassigen Macht in der Welt. 


Die Ansätze einer auf Schriftlichkeit beruhenden höfischen Kultur und einer Hofhaltung bei Karl d.Gr. verschwinden bei den Ostfranken im 9. Jahrhundert fast völlig. Bis zum ersten Sachsenkönig im 9. Jh. werden stärker wieder germanische Strukturen in neuem Gewand sichtbar.

 

Städte im Norden (8./9.Jh)

 

Städte entwickeln sich weiter, wenn sie einen dauerhaften Kern besitzen, der auch Überfälle und Zerstörungen übersteht, eine Kathedrale oder eine weltliche Festung - und Zuwanderung von außen bekommen. Die damit verbundene Institution sichert das Überleben. Im Norden angesiedelte Kaufmannssiedlungen wie Dorestad, Tiel oder Haithabu mit einigen Handwerkern zur Versorgung der Kaufleute und Kirchgebäuden hingegen verschwinden, nachdem sie zerstört werden. Sie können anderweitig ersetzt werden.

Man darf nicht vergessen, dass mit dem 6. Jahrhundert die Sicherheit des lateinischen Abendlandes nicht mehr dauerhaft gegeben ist, im späten siebten Jahrhundert beginnt die Expansion der arabischen Welt und des Islam, die bis ins 11. Jahrhundert den ganzen lateinischen Mittelmeerraum mit Piraterie heimsucht. 838 tauchen zum Beispiel nordafrikanische Piraten vor Marseille auf, und durch das ganze 9. Jahrhundert bedrohen sie das Rhônetal und die Provence wie auch die italienischen Küsten.

Im 9./10. Jahrhundert kommen dazu die Verheerungen und Zerstörungen durch eben solches Piratentum skandinavischer Gruppen in der Nordsee und bis zum Atlantik, sogenannter Wikinger und Nordmannen. Seit 841 bedrohen sie die nördlichen Küstenlinien und insbesondere die Mündungsgebiete von Rhein, Seine, Loire und Gironde. Von festen Lagern dort dringen sie ins Inland vor und bedrohen und verwüsten die Städte. 882 fallen sie zum Beispiel in Trier ein.

 

Solche Bedrohungen werden Anfang des 10. Jahrhunderts für die Normannen gebannt und Anfang des 11. für die Sarazenen, die aber dann immer noch den größten Teil der iberischen Halbinsel und Sizilien kontrollieren.

Und schließlich ist da die im 10. Jahrhundert immer drückendere Bedrohung durch die Ungarn.

 

 

Einen festen Kern der desungeachtet sich neu entwickelnden Städte bildet neben dem Dom oder an seiner Stelle die Pfalz, wie sie König Pippin in Aachen errichten lässt, und die durch einen prachtvollen Neubau von König Karl ersetzt wird, zu dem auch die Marienkirche gehört und ein neues Bad, in dem der Kaiser mit seinem Hof die Thermalquellen nutzen kann. Hohe Geistlichkeit und weltliche Große bauen dort ihre kleinen "Höfe", Bedienstete kommen dazu, Handwerker und ein Markt mit Händlern, darunter Juden. Darüber hinaus gibt es Gebäude für die  Lagerung von Nahrung und große Stallungen und drumherum Landwirtschaft.

Größere Pfalzen werden auch an anderen Orten errichtet, die da herum wachsen, wie Ingelheim, Nimwegen und Paderborn. Allerdings bieten Pfalzorte nicht immer die Gewähr dafür, dass dort auch dauerhaft eine städtische Siedlung entsteht, wie Tribur/Trebur und Grone beispielsweise belegen.

 

Aber die Pfalz von franconovurd wird zum Musterbeispiel dafür, wie ein königliches palatium sich aufmacht, im hohen Mittelalter dann zu einer der wichtigsten Städte im "römischen" Reich zu werden. Gelegen an einem Handelsweg mit einer Furt durch den Main, war der Fluss selbst noch wichtiger für den Transport von Getreide aus östlicheren Gebieten nach Mainz. Hier lag ein karolingischer Fiskalbezirk, der "insgesamt mindestens zwölf königliche >Villae< (Fronhöfe) mit knapp 1400 Morgen Ackerland umfasst haben dürfte, Wiesen und Wald, das Land der 112 abhängigen Bauernstellen, die das Urbar nennt, sowie die Lehen der Vasallen nicht mitgerechnet. (...) Die königliche Villa Frankfurt, deren Lage auf dem heutigen Domhügel zu suchen ist, verfügte allein über 450 Morgen Ackerland." (Joh.Fried in: 794, S.26f)

794 wird dieser Ort durch eine große Synode erheblichen Anschub bekommen, als Große aus Italien, West- und Ostfranken und Nordspanien hier zusammenkommen. Für Karls langen, siebenmonatigen Aufenthalt zwischen Feldzügen gegen die Sachsen und die Awaren muss es feste, wenn auch weithin nicht steinerne Gebäude geben, eine Kirche, die allerdings nicht repräsentativ genug ist für die Aufnahme des Leichnams der dort sterbenden königlichen Gemahlin Fastrada, die dann in Mainz beerdigt wird. Dazu Wirtschaftsgebäude und dazu gehörige Arbeitskräfte.

Karls Sohn Ludwig der Fromme wird dann die Pfalz vergrößern, die eine Generation später von Ludwig ("dem Deutschen") noch ein Salvatorstift erhält.

 

Ob eine Pfalz Zukunft als Kern einer bedeutenderen Stadt hat, ist damals aber noch nicht abzusehen. Die viel prächtigere Ingelheimer Pfalz der Karolinger, aus Stein gebaut wie die von Aachen und Nimwegen (Einhard), mit ihrem Königssaal von 14 x 30 m, hat in ihrer Nähe dörfliche Ansiedlungen, von denen eine viel später sogar ummauert wird, aber in der Nähe von Mainz wird daraus keine Stadt, sondern eine Reichsburg mit reichem ländlichem Siedlungsgebiet.

 

Unser Wissen über die Städte der Karolingerzeit ist sehr gering, es gibt nur spärliche Informationen. Autun bleibt fränkisch-burgundische Vorzeigepfalz und wird später im 9./10. Jahrhundert Münzort in Händen der Bischöfe. "Eine bürgerliche Siedlung im weiten Abstande zur Domburg bildete sich aber erst im 11./12.  Jahrhundert um das Forum" ( H.Stoob in: Frühgeschichte, S.12). Erst 814 taucht für Bordeaux" am äußersten Winkel der antiken Mauer der Dom St. André" auf und der Ort funktioniert wieder als Bischofsstadt. "Ein suburbium belebte sich erst seit Ausgang des 11. Jahrhunderts (s.o., S. 11)

Mit der Machtübernahme der Karolinger gewinnt Regensburg weiter an Bedeutung, brennt aber 891 ab. Als Ort des Handels mit den Slawen vor allem auch mit Sklaven ist für 934 ein Markt belegt. Wenige Jahrzehnte nach der Jahrtausendwende tauchen dort Juden auf.

 

Kontinuität bieten nicht nur die alten Bischofs-civitates. Im Gebiet von Duisburg gab es schon bronze- und eisenzeitliche Siedlungen. Gegenüber besteht auf Krefelder Gebiet das römische Kastell Gelluba (Gellep) an der Kreuzung zwischen Rhein und Hellweg. (siehe …)  Als dessen Hafen verlandet, steigt Duisburg als Handelsplatz auf. Spätestens um 922 ist für Dispargum eine königliche Pfalz zu vermuten, die von den Sachsenkaisern häufiger besucht wird, Der Ort wird mit Wall, Graben und einer ersten Mauer befestigt.

 

Das Handwerk verharrt weiter vorwiegend auf dem Lande. Weber im Status von Sklaven stellen die Tuche auf dem Gutshof her, nur in Nordgallien gibt es noch städtische Zentren für die Erzeugung hochwertiger Stoffe. In einer Aufzählung Karls d. Gr. für seine Krongüter (Capitulare de Villis) heißt es dann: Jeder Amtmann soll in seinem Bezirk tüchtige Handwerker zur Hand haben: Grob-, Gold- und Silberschmiede, Schuster, Drechsler, Stellmacher, Schildmacher, Fischer, Falkner, Seifensieder, Brauer – Leute, die Bier-Apfel- und Birnmost oder andere gute Getränke zu bereiten verstehen -, Bäcker, die Semmeln für unseren Hofhalt backen, Netzmacher, die Netze für die Jagd, für Fisch- und Vogelfang zu fertigen wissen, und sonstige Dienstleute, deren Aufzählung zu umständlich wäre. (Schulz, S. 24) Nur große Güter konnten natürlich eine solche Vielfalt aufweisen.

Zum Kloster Corbie gehören 822 zahlreiche Handwerker, Schuster, Tuchwalker, Schmiede, Schildmacher, Pergamenter, Schleifer, Gießer, Stellmacher. Zu welchem Herrengut die Handwerker auch gehören, sie arbeiten in persönlicher Abhängigkeit von ihren Herren.

 

Der Kapitalismus wird nicht gegen Herrscher, Adel und Kirche entstehen, sondern auch und zunächst vor allem aus deren Konsumbedarf heraus. Dazu bedarf es nicht nur der Händler, die Luxusgüter aus fernen Gegenden heranschaffen, sondern auch der Handwerker vor Ort, beide in die familia der Herren eingeordnet. Handwerker werden von ihnen zur Ausbildung in der Goldschmiedekunst zu Meistern anderer Herren geschickt, der Erzbischof Ebo von Reims (gest.851) bietet „einigen artifices Wohnungen an, um sie in seine Stadt zu ziehen; und Ludwig der Fromme offeriert ihm aus der Schar seiner Hörigen einen Goldschmied als Geschenk.“ (Nonn, S.60)

 

Für die fränkischen Könige wird der Handel nicht nur aus Konsumenteninteresse wichtig, sondern auch dadurch, dass sie einen Teil des Gewinns, in etwa 10 Prozent, als Zoll abschöpfen, und dokumeniert ist der zumindest für die Ostgrenzen zum Slawenland. Förderung des Handels führt auch zu einem Sonderstatus der Juden als einzigen akzeptierten Nichtchristen im Reich. Und da Christen offiziell nicht am äußerst lukrativen Sklavenhandel teilnehmen können, den Juden ihre Religion nicht verbot, werden sie als Händler geradezu gefördert. Wichtige Sklavenmärkte der Karolingerzeit sind offenbar Verdun und Mainz, zwei damals besonders mächtige Bischofsstädte.

 

Der Handel wird  auch durch immer wieder neue Schutzerklärungen der Herrscher für Fernhändler, und zwar für den Aufenthalt am Markt und die Wege dorthin und wieder von dort weg, gefördert, wobei unter den Ottonen dann oft auf die Rechtsmodelle wichtiger Handelsstädte wie Köln, Mainz oder Regensburg verwiesen wird.  Dabei wird gelegentlich auch unmittelbar das persönliche Interesse von Kaisern und Königen am Gelingen des Handels angesprochen.

 

Oft wird am städtischen Handels-Ort eine Münze eingerichtet. Er wird zum Finanzplatz. 744 veranlasst der Hausmeier Pippin der Jüngere, dass Bischöfe in ihren „Städten“ ständige Märkte einrichten sollen. (Groten, S. 33).

 

Nachdem das Gold zunehmend in den wirtschaftlich stärkeren byzantinischen Raum abgeflossen ist oder als Schatz gehortet wird, führen die späten Merowinger eine neue Silberwährung ein. Karl der Große legt dafür neue Einheiten fest, den Pfennig (denarius), den Schilling (solidus), die Mark und das Pfund (libra). Aber selbst bei der kleinsten Einheit ist der Wert zu hoch für den alltäglichen Gebrauch. „Im Alltag herrschte der Tauschhandel.“ (Groten, S. 34) Tributzahlungen in Kriegszügen unterworfener Völker werden oft in Vieh bezahlt, wie zeitweilig laut Fredegar die Sachsen an die Merowinger jährlich 500 Kühe abgeben müssen.

Überhaupt wird Münzgeld östlich des Rheins in der ganzen Karolingerzeit selten, und "das reiche Kloster Fulda bezahlte im Jahre 827 urbar gemachtes Land mit 8 Schwertern, 5 Stücken Tuch, 4 Stück Vieh, einem Pferd und zwei paar Ohrringen" (Michael North in: Römer und Barbaren, S.303)

Dennoch nimmt wahrscheinlich spätestens unter dem großen Karl der Geldumlauf wieder etwas zu. Grundherrn erwirtschaften mit ihren abhängige Bauern und Hadnwerkern gelegentliche Überschüsse, die auf Märkte an Bischofssitzen und Klöstern gelangen und manchmal gegen Geld getauscht werden. Das betrifft Lebensmittel, aber auch Tuche vor allem.

Geld konzentriert sich zunehmend in den Händen von Königen und hohem Adel. Dieser kann nun wieder mehr Luxusartikel nachfragen, die von Fernhändlern geliefert werden, die von den Herrschern dafür privilegiert werden. Könige, hoher Adel und Stadtherren beginnen verstärkt repräsentative und bequemere Steingebäude zu errichten wie Karl in Aachen, welches danach zur Stadt wächst. Mehr Kirchen und Paläste werden wieder aus Stein gebaut. Im 9. und 10. Jahrhundert entsteht so ein neues Baugewerbe, welches selbst bei niedrigen Löhnen viel Geld verschlingt, auch wenn die meiste Arbeit als Dienst am Grundherrn verrichtet wird.

Überhaupt findet der langsame Wirtschaftsaufschwung vor allem im Rahmen von Grundherrschaften statt, deren Zentrum auch wie bei Bischöfen und einigen Grafen in Städten liegen kann. In diese eingegliedert sind agrarische Produzenten, Handwerk und ein Großteil des Handels. Zugleich Voraussetzung und Folge des entstehenden Kapitalismus seit dem 10. Jahrhundert wird die schrittweise Ausgliederung dieser Bereiche aus den familiae solcher Herren.

 

 

Neben dem Interesse weltlicher Macht an der Nutzung kirchlicher Strukturen im Herrschaftsinteresse scheint auf den ersten Blick der Anteil weltlichen Interesses an der Renovierung und dem Ausbau der Städte gering. Die Welt der Merowinger und Karolinger zumindest besteht zunächst aus großen Flächen urbar gemachten Landes, die aber eingegliedert sind in noch viel größere Flächen von Wäldern, Sümpfen, Heideflächen und anderem Ödland, „Wüste“ eben, wie das damals auch heißt. Und das Augenmerk scheint im wesentlichen auf solchen großen Gebieten landwirtschaftlicher Produktion mit ihrem handwerklichen Anteil zu liegen.

Aber so ganz stimmt das Bild nicht. Karolinger regieren zwar von Pfalzen aus, aber Pfalzen und andere befestigte Plätze adeliger Großer entstehen entweder im Zusammenhang solcher städtischer Siedlungen oder sie können solche sogar befördern. Und die Herrscher der neuen Reiche haben die überlebenden und sich neu bildenden Städte immer im Blick. Sie geben Verordnungen für sie heraus und versuchen diese Orte in die überwiegend agrarisch geprägten Strukturen ihrer Machtbereiche zu integrieren. Seitdem Karolinger die Rechte in der Stadt als Regalien an sich gezogen haben, vergeben sie sie zunehmend an treue Anhänger, insbesondere Bischöfe.

 

822 erklärt Ludwig I. ("der Fromme"), auf Wunsch des Bischofs von Paderborn, seinen Bischofssitz einschließlich der ihm zugehörigen Sachenund Hörigen unter unseren Schutz und unter den Schirm unserer Gerichtsfreiheit zu stellen (...) auf dass sich kein öffentlicher Richter oder sonst jemand, der rechtsprechende Gewalt innehat, unterstehen soll, in die Kirchengebäude, Ortschaften, Feldfluren oder sonstigen Besitztümer der vorgedachten Kirche einzudringen (...) um dort gemäß dem gerichtlichen Brauch Verhöre durchzuführen, Friedensbußen zu erheben, Häuser oder Hütten zu errichten, Burgen auszuheben, die Leute dieser Kirche ohne Grund zu unterdrücken oder um dort zu beliebiger Zeit irgendwelche Erhebungen oder unerlaubte Forderungen einzuziehen, - womit deutlich wird, was offenbar stattfindet.

Darüber hinaus wird der Bischofskirche Abgabenfreiheit zugesichert, denn die Erträge aus ihrem Besitz gestehen wir der Armenkasse und auch dem Unterhalt der Wachslichter der vorgenannten Kirche zu, womit vornehm umschrieben ist, dass die Kirche (eigentlich) kein Betrieb ist, der der Besitzmehrung dient. Das Ganze soll dann auch finanzieren, dass diese Kirche für das ewige Seelenheil des Kaisers, seiner Gattin und Familie fleißig betet. (in Hergemöller, S.62f)

 

Schon 787/89 ist in Bremen Dom und Bischofssitz errichtet worden, wobei der Markt dem König untersteht. Erst König Arnulf (von Kärnten) verleiht 888 detaillierter dem Bremer Bischof das Recht, einen Markt abzuhalten, Münzen zu schlagen und die Zölle einzunehmen. Im 10. Jahrhundert kommt dazu immer expliziter auch die Gerichtsimmunität. Städte setzen sich immer deutlicher vom Land ab.

Einen Siedlungsansatz gibt es in Würzburg wenigstens seit dem 6. Jahrhundert. Wohl 741 richtet Bonifatius einen Bischofssitz ein. Unter Ludwig dem Frommen erhalten die Bischöfe Markt-, Münz- und Zollrecht. Es gibt Kaufleute, vor allem aber Handwerker und Weinbergarbeiter, die Hintersassen des Bischofs und des Domklerus sind. Im 9. Jahrhundert wird eine bedeutende Domschule erwähnt.

 

Zu Pfalz und Bischofssitz kommen Klöster und klosterähnliche Institutionen mit ganz ähnlichen materiellen Bedürfnissen in den Städten, aber auch als Neugründungen auf dem Lande, wo sie wie am Beispiel Gent manchmal Kern für neue städtische Siedlungen werden.

Schließlich wird Eroberung und Zivilisierung „heidnischer“ Gebiete auch mit Hilfe der Neugründung von Bistümern und Klöstern betrieben, wodurch potentielle Zentren für Stadtbildung entstehen.

 

Besonders in Westfranzien entstehen Städte neu an großen Klöstern wie St. Martial in Limoges, St. Vaast in Arras, St. Front in Perigueux. Äbte wohldotierter Klöster sind oft so mächtige Herren wie Bischöfe und weltliche Magnaten. Bei Klöstern lassen sich Händler nieder, das Handwerk konzentriert sich manchmal dort aus ländlicher Grundherrschaft heraus. Ein Markt entsteht, mit Buden, Tavernen, und dem Kloster als Herrn fallen darüber Abgaben und Rechte zu. Dabei konkurrieren Klöster, Bischöfe und weltliche Herren auch gewalttätig miteinander. 

 

Ein gutes Beispiel ist das Prümer Tochterkloster Münstereifel. Als 844 die Knochen der Heiligen Chrysanthus und Daria dorthin überführt werden, setzt bald eine Wallfahrt dorthin ein, die wirtschjaftlich bedeutend genug ist für die Anlage eines Marktes. einer Münze und einer Zollstätte, von deren Einnahmen zwei Drittel an das Kloster fallen sollen (in: Hergemöller, S.68f).

800 erhält der Abt von Corvey für die weiter entfernte Siedlung Horhusen (Niedermarsberg) an einer Furt das Markt- und Münzrecht und für Mons Eresburg (Obermarsberg) das Zollrecht.

908 erlaubt Ludwig IV. ("das Kind") dem Bischof von Eichstätt für den Ort beim Kloster einen öffentlichen Handelsmarkt sowie eine Münze errichten und einen Zoll erheben zu dürfen, so wie es bei den übrigen Handelsorten (mercationum locis) Brauch ist, sowie einige Befestigungen in seinem Bistum gegen den Ansturm der Heiden ausbauen zu dürfen. Zusammenfassend heißt das, eine Stadt zu errichten (urbem construere), wobei die Einkünfte aus ihr dem Kloster zufließen sollen. Zudem verfügt der Bischof nun alleine über die Nutzung der Wälder. Das sind nur einige Beispiele.

 

Ähnlich wie im ehemaligen Germanien entstehen in Flandern im 9. und 10. Jahrhundert Städte aus Vorstädten an Burgen der Bischöfe und an Klöstern und an befestigten Plätzen der nun erstmals für dort erwähnten Grafen. Sie werden Zentren der nun langsam einsetzenden unmittelbaren Entstehungsgeschichte von Kapitalismus werden, zusammen mit oberitalienischen Städten. Beim späteren Gent werden im 7. Jahrhundert die beiden Klöster St. Pieter und St. Bavo gegründet, von denen Siedlungen mit von den Klöstern abhängigen Beschäftigten ausgehen.

 

Im 9. und 10. Jahrhundert nimmt (sehr) langsam das „städtische“ Gewerbe zu. Wichtiger aber ist die Entstehung einer „Marktwirtschaft“. Markt konnte natürlich kein germanisches Wort sein. Es stammt von merx ab, der Ware, und vom mercatus, dem Ort, an dem Handel getrieben wird (mercari).

Marktwirtschaft verlangt Geldwirtschaft, und dem dienen die Münzreformen Karls d. Großen. Sie verlangt aber vor allem zumindest einen zentralen Impuls, um in Gang zu kommen. Und den bietet der Wunsch einer Oberschicht, die die wirtschaftlichen Möglichkeiten hat, an jenes Geld zu kommen, welches gegen Luxus eingetauscht werden kann.

 

Luxus ist eine humanistische Entlehnung aus dem Lateinischen, welche im Deutschen dann Verschwendung, Prunk, Pracht bezeichnet, also einen moralischen Unterton bekommt. Das ist in Spätantike und Mittelalter oft anders. Prunkvolle Waffen, Prunkgewänder, entsprechender Schmuck, prachtvolles Geschirr dienen nicht nur ästhetischem Vergnügen, sondern mit diesem auch dem Vorzeigen eines herausgehobenen Status. Damit ist der potens, der Reiche und Mächtige, nicht nur ein hervorragender und als solcher zunehmend privilegierter Krieger, sondern mit der Anhäufung vorzeigbarer Luxusgüter auch Vertreter eines herausgehobenen Lebensstils. Vorbildlich dafür sind die wohlhabenderen Kirchen und Klöster, die ihre Prachtentfaltung damit rechtfertigen, dass sie dem Lobe Gottes dienen solle. Tatsächlich dienen sie wenn nicht zuerst dann doch zugleich dem Ansehen der jeweiligen klerikalen Mächtigen.

 

Der Übergang von der Schatzbildung zur Kapitalbildung hat viele Wurzeln. Die gerade angesprochene verlangt zuallererst agrarische Überschussbildung der Grundbesitzer, und den Verkauf des Überschusses auf einem vorläufig nahe gelegenen Markt. Dies wird durch einen zweiten Schritt vereinfacht, indem man den abhängigen Bauern ermöglicht, selbst Überschüsse zu erzielen und diese auf dem Markt zu verkaufen, dafür dann dem Herrn aber eine Rente zu zahlen. Dies wird im wesentlichen eine Entwicklung des Hochmittelalters.

Die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion wird Bevölkerungswachstum hervorbringen, welches mehrfach Voraussetzung für die Entstehung des Kapitalismus wird: Dieser verlangt einmal eine gewisse Bevölkerungsdichte, aus dieser resultiert Abwanderung in die Städte, und daraus ergibt sich deren Wachstum.

Parallel dazu müssen die Fernhändler, immer noch zu einem Teil Orientalen, Kapital bilden, damit sie weit voneinander entfernt einkaufen und verkaufen können. Wenn sie Kredit haben, können sie dafür Kredit bekommen und damit schießen dann Finanziers gegen einen Zins vor, was erst später sich realisieren soll.

Damit alles das sich entwickelt, muss die Produktivität in der Landwirtschaft erhöht werden, wodurch ein Innovationsdruck entsteht, den dann erst eine erste Kapitalisierung der Landwirtschaft einlösen kann.

 

All dies würde einzelne Kapitalisten hervorbringen, aber noch keinen Kapitalismus. Damit es dazu kommt, müssen die Städte sich weiterentwickeln und als Produzenten und Konsumenten an Bedeutung gewinnen. Dabei muss jenes neue Bürgertum entstehen, welches die mittelalterliche Welt so massiv verwandeln wird.

 

Unter Markt verstand man zunächst einen Markttag, der zu bestimmtem Datum an bestimmtem Ort stattfand, und zwar vor allem auf dem Lande und in der Nähe der Orte der Nahrungsmittelproduktion. In dem Maße, indem solche Märkte wichtiger werden, werden sie mit einer Abgabe belegt, zugleich aber weiter privilegiert.

 

Bis in die Zeit der Karolinger wird das alte Recht der urbanen Kerne der civitates tradiert, weiter Märkte abzuhalten. Andererseits wird es ein grundherrliches Recht, überall landwirtschaftliche Märkte abzuhalten. Daneben wird geistlichen Herren von den fränkischen Königen zunehmend ein Marktrecht verliehen. Ziel mächtigerer Herren wird es nun, den eigenen Markt vom Zoll zu befreien, ihn insofern immun zu machen. Dann genießen sie das Recht auf Standgebühren, ohne dafür Abgaben zahlen zu müssen. Im Laufe der Zeit entwickelt sich bei zunehmender Marktdichte die Vorstellung, dass die Könige das Recht der Konzessionierung solcher Märkte hätten, da vor ihren Gerichten geklagt wird, wenn die Konkurrenz solcher Orte und Tage überhand nimmt. (Pitz, S. 132)

 

Einen Schritt weiter sind wir mit den Vorschriften Karls des Kahlen von 864 über die Marktaufsicht der Bischöfe und Grafen im Edikt von Pîtres. Die betreffen die „Kontrolle von Maß und Gewicht, Preisbestimmung, Warenprüfung und Beaufsichtigung der Handwerker.“ (Pitz, S. 134) Markt-Wirtschaft entsteht so neu unter der strengen Aufsicht und aus den Interessen von Herrschern und Machthabern heraus. Etwa um 900 ist das königliche Marktregal im ostfränkischen Reich voll ausgebildet. Aber das Regal wird an den Grundherrn vergeben. Grundsätzlich gilt: „Die Ordnung des Marktes ist herrschaftlich.“ (Ennen, S.66)

 

Märkte sind der Ort, an dem Grundherren ihre Überschüsse verkaufen und dafür Luxusgüter nicht zuletzt aus Fernhandel kaufen. Daneben ist Salz, selten vor Ort vorhanden, ein überall begehrtes Gut. Es kommt aus Reichenhall, Hallein, Schwäbisch-Hall und Lüneburg. Marktordnungen werden Bräuche, die dann rechtlich tradiert werden. Indem Zoll und Münze dazu kommen, entsteht ein abgesonderter Wirtschaftsraum, aus dem ein herrschaftlicher Rechtsraum werden wird.

In diesem Raum gewinnen Stadtherren Banngewalt, also das Recht, im Interesse des lokalen Friedens zu gebieten und zu verbieten. Auf diese Weise werden sie erst eigentlich zu Stadtherren.

Auch das Recht zur Prägung der Münze erhöht das Einkommen der Stadtherren. Dabei gilt die Münze nur für den Ort der Prägung, fremde Münzen müssen also eingetauscht werden, was dazu führt, dass Münzer zugleich auch zu Geldwechslern werden und zu Teilen einer städtischen Oberschicht wie am Gericht beteiligte Schöffen, beide Gruppen im Dienste des Herren.

 

Vermutlich steigt die Bevölkerung in West- und Ostfranzien wie im Norden und der Mitte Italiens zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert in einigen Gegenden langsam wieder an. Jedenfalls werden neue Ländereien aus Wald, Heide und anderem „Ödland“ für die Landwirtschaft erschlossen. Ein neuartiger Pflug, der die Erde nicht mehr nur anritzt, sondern umpflügt, kommt auf und setzt sich bis ins hohe Mittelalter in immer mehr Gegenden durch. In derselben Zeit entwickelt sich auch an ersten Orten die Dreifelderwirtschaft, welche ebenfalls die Produktivität erhöht, so wie man auch in diesen Jahrhunderten nach und nach an einigen Orten beginnt, das Pferd als Zugtier einzusetzen. Die Zahl der Wassermühlen als früher Maschineneinsatz nimmt zu. Das Verhältnis zur "Natur" wird wie in der römischen Antike, dort wo sie nicht idyllisiert wird,  durch Effizienzdenken bestimmt, welches sie als unnütze und in Nutzlandschaft zu verwandelnde "Wüste" betrachtet.  Für die Vielen, die ihr Überleben dieser Natur durch Arbeit abringen, hat sie bedrohliche Züge, was durch die neue Religion gefördert wird.

Bevölkerungswachstum und wachsende landwirtschaftliche Produktivität sind es denn auch vor allem, die die Städte wieder wachsen lassen.

 

Marktorte, ländliche Siedlungen und auch die Neustädte und burgi ziehen Leute an, die sich dort niederlassen. Unter den Handwerkern, die ihre Produkte auf dem Markt verkaufen, gibt es die Unfreien, die auf Herrenhöfen im Marktort oder seiner Umgebung arbeiten, dann persönlich Unfreie, aber in ihrem Gewerbe Freie, die auch auf eigene Rechnung arbeiten und verkaufen können, und eine Minderheit persönlich freier und wirtschaftlich unabhängiger Leute.

 

Ähnlich treten neben den meist unfreien Kaufleuten, die Handel im Auftrag ihrer Herren betreiben, nach und nach immer mehr einheimische freie auf, so mancher ein wohlhabender Handwerker, der von der eigenen Handarbeit, die er selbst auf den Markt bringt, dazu übergeht, Rohstoffe und Produkte anderer auf dem Markt zu verkaufen. Im frühen Mittelalter gelangen solche Leute zuerst in Italien zu Reichtum. Anderen gelingt es, durch Handel außerhalb der dem Herrn zustehenden Zeit wohlhabend zu werden. Handel ist also für Unfreie ein guter Weg zu einem Wohlstand, der dann auch in die Freiheit führen kann.

 

Während Grund und Boden, selbst Ernteerträge und die handwerkliche Produktion, soweit nachzuvollziehen waren, dass daraus Abgaben errechnet werden können, lässt sich das Geld des Kaufmannes zumindest zu einem guten Teil vor solchen Nachforschungen verstecken. Ludwig der Fromme ist möglicherweise der erste, der darauf kommt, durch Münzverrufung dabei Abgaben wenigstens indirekt zu erreichen: Dabei werden alle Pfennigmünzen für ungültig erklärt und durch neue ersetzt. Wer immer sie bei den Münzstätten umtauschen möchte, muss den „Schlagschatz“ bezahlen, eine willkürlich erhobene Gebühr für die Münzprägung. Natürlich war bekannt, wer über beträchtliche Summen Geldes verfügte, und gelegentlich wurde auch so versucht, zumindest an einen kleinen Teil davon heranzukommen.

 

Außerhalb Italiens und einiger Stadtlandschaften wie am Rhein waren Handel und Gewerbe aber im 9. Jahrhundert noch nicht auf Städte konzentriert, sondern blieben im wesentlichen auf dem Lande. In den fränkischen Reichen auch noch des 9. Jahrhunderts sind Städte und Märkte auch formal meist kaum herausgehoben, sie sind Teile der Grafschaften – es gibt kaum einen so verstandenen Gegensatz zwischen Stadt/Markt und Land. Unter den Karolingern werden die gräflichen Gerichte allerdings als Schöffengerichte aus herausgehobenen Einwohnern, die neben den übrigen Großen in der Stadt ein dezidiertes Vorschlagsrecht für die Zusammensetzung haben, zu einer Art Vorläufer für Gemeindeorgane. Aber von solchen ist man noch weit entfernt.

 

Im westslawischen Raum entstehen nach der slawischen Besiedlung Herrschaften, die in Burgen hausen, an die sich Siedlungen anschließen, die bis über 1000 Häuser umfassen können (wie Lublin im 8. Jahrhundert). Diese im 9. Jahrhundert mit einem Wall umgebenen Orte besitzen Handwerker und Händler.

 

 

***Trier*** (gerade in Arbeit)

 

Die hocharistokratischen Bischöfe Triers scheinen seit dem Ende des 7. Jahrhunderts eng verbunden mit den gerade aufsteigenden Arnulfingern und Pippiniden, was auch die Besetzung des Äbtissinnenstuhls von St. Irminen mit Freunden und Verwandten der Familie zeigt. Unter Pippin dem Jüngeren wird Trier zu einer zentralen Münzstätte im Frankenreich. Um 700 werden die Klöster Prüm und Echternach gegründet.

Die Besitzungen und Rechte der Bischöfe nehmen immer mehr zu. In der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts gelingt die Ausweitung bischöflicher Macht auf Dietkirchen (Lahn) und an die Nahe.

 

772 begrenzt Karl ("d.Gr.") die Bischofsmacht durch seine Grafschaftsverfassung. Die Grafen übernehmen bischöfliche Herrschaftsrechte. In seinem Leben des Hl. Willibrod beschreibt Alkuin um 800 Trier "als eine alte und mächtige Stadt, die von Mauern, Türmen und Klosteranlagen mit Scharen von Klerikern und Mönchen umgeben war." (in: Anton/Haverkamp, S.88)

 

In den Reichsteilungen wird Trier Teil des Mittelreiches.

 

882 fallen Normannen in Trier ein, wie Regino von Prüm berichtet: Sie brechen also mit allen ihren Streitkräften aus ihrem befestigten Lager hervor und erobern Trier, die berühmteste Stadt Galliens (...). Hier ruhten sie bis zum heiligen Ostertage die vom Marsch ermüdeten Glieder aus und verwüsteten das ganze Gebiet der Stadt ringsum von Grund auf; dann lassen sie die Stadt in Flammen aufgehen und führen ihre Schwaren nach Metz. Als dies der Bischof dieser Stadt erfuhr, vereinigte er sich mit Bischof Bertulf und dem Grafen Adalhard und rückt jenen aus eigenem Entschlusse zum Kampf entgegen. Es kam zum Kampf und die Normannen blieben Sieger. (in: Fuhrmann, S.23)

 

 

Italien unter den Karolingern (in Arbeit)

 

 

 

Mit Karl I. ("dem Großen") beginnt für viele Jahrhunderte eine lange Kette "italienischer" Könige, in der Regel irgendwann auch Kaiser, die mit wenigen Ausnahmen ihr Königreich nur selten überhaupt betreten und es nach und nach auch immer weniger beherrschen. Viel ändert sich zunächst nicht. Nach und nach werden langobardische Herzöge durch fränkische (und alemannische) Grafen ersetzt, was vor Ort wenig bedeutet. Das gallische Franken und das langobardische Italien hatten sich recht ähnlich entwickelt. Macht beruht schon länger nicht mehr auf der Besteuerung, sondern dem Besitz von Land und der Verfügung über dort produzierende Leute. 

 

 

 

Völkisch ändert sich wenig, Italien wird nicht durch Masseneinwanderung fränkisch. Am ehesten führt die Unterwerfung unter die fränkische Krone zu einer stärkeren Integration von Langobarden und Vorbevölkerung in der nun fränkischen Nordhälfte der Halbinsel. Langobardische Große bleiben, soweit sie nicht rebellieren, im Besitz ihrer Ländereien und ihrer Macht. Recht schnell steigen sie in der neuen, fränkisch kontrollierten Hierarchie wieder in hohe Ämter auf wie nach 800 die Aldobrandeschi-Familie in Lucca, deren Mitglieder zu Bischöfen und Grafen werden (Wickham, S.74).

 

 

 

Erst jetzt ist durchgehend von einem Königreich Italien die Rede, von dem das fränkische Heer aber nur den Norden und das Herzogtum Spoleto erobert hat. Die Päpste halten nicht nur das große römische Territorium, sondern auch das Exarchat Ravenna für ihrem Machtbereich, was dazu führt, dass Spoleto ein Stück weit autonom bleibt. Das Herzogtum Benevent demonstriert trotz gelegentlicher fränkischer Überfalle seine Unabhängigkeit, indem sich seine Duces als princeps, Fürsten bezeichnen. Gaeta und Salerno sind zunächst noch unbedeutende castra. Arichis II. von Benevent umgibt um 780 Salerno mit einem weiten Mauerring, baut sich dort einen Palast und macht die Stadt zur zweiten seines Reiches (Wickham, S.149)

 

Byzanz verfügt nominell noch über Venedig, Neapel und das castrum Amalfi, etwas deutlicher über Kalabrien und Otranto.

 

 

 

Auf Pippin folgt Bernhard und dann Lothar, dem der Kaisertitel gegeben wird, der dadurch nicht an Bedeutung gewinnt. 843 kommt es zum Bruch zwischen Ludwig ("dem Frommen") und Lothar, und die Unterstützer Lothars strömen nach Italien, wo sie mit Lehen aus Kirchenbesitz versorgt werden. Fränkisch geprägte Gesetzgebung nimmt zu. 850 wird Ludwig II. als Kaiser sein Nachfolger bis 875, ein Herrscher, der seine ganze Regierungszeit in Italien verbringt. Sein Interesse an den nördlichen Karolingerreichen bleibt gering.

 

 

 

Die immer labile Macht nachantiker Könige bedarf der Loyalität ihrer regionalen und lokalen Vertreter, die bis zu Karl ("dem Großen") vor allem durch Kriege mit der Erwartung von Ruhm und Beute hergestellt wird. Ludwig II.gelingt das zeitweilig mit Kriegen gegen Benevent und gegen den "Sultan" von Bari, den allerdings erst eine byzantinische Seeblockade 871 besiegen kann.

 

, so wie auf der anderen Seite Bonifaz II. von Tuscien Flottenkommandos gegen das muslimische Nordafrika führt.

 

 

 

Zum anderen müssen sie mit Land ausgestattet werden, um regionale und lokale Macht zu fundieren. Das muss dann und wird nun durch mehr Gesetzgebung flankiert, durch kontrollierende Königsboten (missi) und durch eine Aufwertung loyaler kirchlicher Großer als mögliches Gegengewicht gegen die Grafen.

 

In Italien unter fränkischer Herrschaft werden die Gesetze wohl schriftlich über die Grafen vermittelt. Gericht wird gehalten mittels scabini, im Deutschen später Schöffen, kleine Landbesitzer vor Ort. Die missi sind vermutlich oft selbst Grafen, die wohl nicht selten Eigeninteresse mit ihrem Auftrag verbinden.

 

 

 

Die Langobarden hatten sich wenig in kirchliche Belange eingemischt. Unter den Karolingern werden nun auch in Italien kirchliche Große stärker in das Regierungshandeln integriert. Wie schon in der gallischen Francia dient dazu auch offensive Kirchengesetzgebung, direktes Hineinregieren in kirchliche Belange. Bischöfe sind in den Städten ohnehin schon oft die größten Landbesitzer und es ist naheliegend, dass die Könige ihnen gefällige Leute in das Amt einsetzen. Wenn die dann noch richterliche Funktionen bekommen, sind sie solange es keine Konflikte zwischen Kirche und Königtum gibt, durchaus wichtige Instrumente für königliches Regieren.

 

 

 

Vielerorts müssen sich die Bischöfe die Macht mit den Grafen teilen. Sind sie loyal gegenüber den Königen, können sie zu enormer Macht aufsteigen wie die Familie eines Suppo, 817 selbst Graf in Brescia, dessen Familie sich im 9. Jahrhundert auf Piacenza, Parma bis ins Piemont ausbreitet und zeitweilig bis Spoleto. Überall häufen sie erheblichen Landbesitz und Ämter an und schaffen schließlich die Verheiratung einer der ihren, Angilberta, mit Ludwih II.

 

 

 

Um 812 erscheint der bayrische Bonifaz als Graf in Lucca. Er und sein gleichnamiger Sohn schaffen es, erst das Arnotal zu kontrollieren und dann sogar Einfluss in Korsika zu bekommen. Als der zweite Bonifaz sich 833 gegen Lothar auf die Seite Ludwigs ("des Frommen") stellt, wird er enteignet, aber sein Sohn Adalbert taucht nach der Reichsteilung von 843 bald in Lucca als Markgraf der Toskana auf, dem Norden des alten Tusciens. Er baut sich bald zum de facto obersten Gerichtsherr auf und eignet sich immer mehr königliche Gewalt an, während er unter sich keine Machtentfaltung mehr zulässt. Dagegen kommen auch die zahlreichen Bischofseinsetzungen Ludwigs II. nicht mehr an. Nach 875, als das Königreich in Bürgerkriegen versinkt, besitzt er ein praktisch selbständiges Reich.

 

 

 

Ludwig II. (840/44-75) ist der letzte "italienische" König im Vollbesitz königlicher Macht, die er über Verwaltung, Königsboten, Grafen und Bischöfe ausübt. Aber er besitzt keinen männlichen Erben und Nachfolger. Seine zwei Onkel in West- und Ostfranzien besitzen nun gleiche Nachfolgerechte und der resultierende Konflikt wird dem Königtum seine Macht nehmen.

 

In den nächsten 150 Jahren wird die Verwaltung fast zum Erliegen kommen, Grafen werden gewöhnlicher Hochadel, der ähnlich wie Bischöfe Eigeninteresse über die des zerfallenden Königreichs stellt.

 

Auf Ludwig II. folgen mehrere meist abwesende Karolinger, deren letzter, Karl ("der Dicke), Sohn Ludwigs ("des Deutschen") 887 stirbt. Die Nordhälfte Italiens versinkt für knapp zwei Jahrzehnte in bürgerkriegsartige Kämpfe der Markgrafen von Friaul und Spoleto. Im Hintergrund stehen westfrankische, burgundische oder deutsche Ansprüche.

 

Nachdem die Karolingerfamilie nicht mehr die einzigen möglichen Herrscher sind, weitet sich das Potential der Prätendenten. 891 gelingt es Guido/Wido von Spoleto, als erster Nichtkarolinger den Kaisertitel an sich zu nehmen. 898 stirbt sein Sohn Lambert.

 

 

 

 

 

Während die Frankenherrscher Norditalien erobern, kontrolliert Byzanz immer noch Sizilien, die Südhälfte Kalabriens und Otranto, während sich das Dukat Neapel immer mehr verselbständigt. Das übrige Gebiet gerät in die Hände des beneventanischen Dux Arichis II.

 

In der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts gerät Benevent in innere Wirren. Sarazenen setzen sich in Bari fest und bald dann in Agropoli und am Garigliano, von wo aus sie Überfälle auf die christlichen Gebiete starten. Um 840 verselbständigen sich Gaeta und Amalfi von Neapel.

 

849 löst sich Salerno von Benevent, worauf Capua wiederum beginnt, sich von Salerno zu lösen, was um 860 abgeschlossen ist. Kurz danach beginnt Byzanz mit der Rückeroberung von Bari (876), nimmt bald danach Tarent ein und dann den Rest von Apulien. Salerno wird eine Art byzantinischer Klientel"staat". Inzwischen schaffen Sarazenen die Eroberung ganz Siziliens.

 

 

 

ff

 

 

 

Stadt und Land in Italien

 

Kontinuität geschieht dadurch, dass die oft romanischen Mehrheiten weiter nach römischem Recht leben. Sie resultiert aber auch daraus, das römische Vorstellungen von Stadt (welche auch sonst!) weiter existieren. In der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts kann Isidor von Sevilla im Visigotenreich so in seiner lateinischen Etymologie schreiben: Civitas ist die Vielzahl der Menschen, geeint durch das Band der Gemeinschaft, benannt nach den cives, als nach den Einwohnern der Stadt selbst, denn es schließt zur Gemeinschaft zusammen und enthält das Leben der Vielen. Denn urbs sind die Mauern selbst, aber die civitas wird nicht wegen der Steine, sondern aufgrund der cives so genannt. (XV,2). Dass urbs nun nicht mehr Roma, sondern das Gebäudeensemble benennt, ist neu, aber der Rest ist römisch-antik.

Der 'Versus di Verona' vom Ende des 8. Jahrhunderts sieht Kontinuität gerade in den Baulichkeiten: Eine große und berühmte Stadt erhebt sich in Italien, in Venetien, wie Isidor lehrt, die seit der Antike Verona genannt wird. Sie ist in quadratischer Form gebaut, fest von Mauern umschlossen, achtundvierzig Türme ragen aus dem Mauerring hervor, von denen acht sehr hoch sind und die anderen überragen. Sie hat ein hohes Labyrinth von großer Ausdehnung, aus dem niemand, der einmal eingetreten ist, imstande ist, wieder herauszukommen (… das Amphitheater wohl), ein weites, geräumiges und mit Steinen gepflastertes Forum, in dem sich auf jeder der vier Seiten ein großer Bogen befindet, Plätze wundervoll gepflastert mit behauenen Steinen, Tempel, erbaut und geweiht in alter Zeit der Luna, dem Mars, der Minerva, dem Jupiter und der Venus, dem Saturn und der Sonne, die mehr als alles andere glänzt. (in: Staufer und Italien, S.217)

 

Im 8./9. Jahrhundert dürfte die Bedeutung italienischer Städte und des Handels stärker zunehmen als nördlich der Halbinsel.

Die zwischen dem Vertreter des Königs und dem (Erz)Bischof geteilte Macht bleibt in Mailand bestehen, aber ganz langsam neigt sich das größere Gewicht manchen Bischöfen zu. Das asemblatorio, der Ort der allgemeinen Versammlung, befindet sich im 9. Jahrhundert bereits auf dem Platz vor der Kathedrale.

 

Im sich kontinuierlich weiter entwickelnden Lucca ist die Kathedrale längst größter Landbesitzer. In das übrige Land im von der Stadt beherrschten Umland teilen sich andere Kirchen und etwa zwanzig große weltliche Landbesitzer, von denen ein Teil in der Stadt wohnt. Wohlhabenderes Handwerk erwirbt selbst kleineren Grundbesitz. Grund und Boden bestimmen den Status der Menschen. (Wickham, S.85f)

 

Eine gewisse Dominanz schafft der Handel vielleicht in wenigen Küstenstädten, und vielleicht schließt er ganz langsam in Mailand, Cremona und natürlich Venedig zu den landbesitzenden Großen auf. 852 ist ein erster Zusammenstoß zwischen Cremonenser Händlern und ihrem Bischof über die Hafenzölle bekannt.

Ziel des Handels ist aber Geld, mit dem Land gekauft werden kann, denn nicht Handel, sondern Grund und Boden bedeutet Status.

 

Für das Handwerk sind magistri dokumentiert, was eine gewisse Organisation andeutet. "Schon im 8. und 9. Jahrhundert gibt es Belege für einen weiten Bereich von Handwerken: Bearbeiter von Gold, Silber, Kupfer und Eisen; Hersteller von Leder, Tuchen, Seife; Erbauer von Häusern und Schiffen. Es gab sogar Salzproduktion, Suchen mit Pfannen nach Gold und Silberabbau." (in meinem Deutsch: Wickham, S.89)

 

Im Süden steigt neben der Stadt Benevent ab etwa 780 Salerno als zweite Residenz der Duces von Benevent auf. Um 840 löst sich Amalfi von napolitanischer Kontrolle.

 

Die Entwicklungen im Raum der Mittelmeerküste Galliens, welches sich bald zum fränkischen Westreich entwickeln wird, ähneln denen Italiens.

 

Schließlich sei noch kurz Hispanien erwähnt, die iberische Halbinsel, zum größten Teil bald unter islamischer Herrschaft, in der die antiken Städte weiterentwickelt werden, dabei aber nicht jene Strukturen ansteuern, die Kapitalismus entwickeln helfen, weswegen die christliche Rückeroberung Neuanfänge mit sich bringen wird. Immerhin dürften um 900 in Cordoba an die 100 000 Einwohner gelebt haben, als in den Frankenreichen größere Städte ein paar tausend besitzen, 40 000 in Toledo und vielleicht 25 000 in Granada. Handwerk und Handel florieren weit mehr als in der christlichen Welt, aber die Verbindung von Despotie und Islam erlaubt es nicht, Voraussetzungen für ein Bürgertum zu bilden.

 

Nur der wenig urbanisierte Norden bleibt in den Händen derer, die sich als Nachfahren der Visigoten sehen. Als erstes stadtartiges Gebilde entsteht dann im 9.-11.Jahrhundert das galizische Santiago de Compostela und bald darauf das asturische Oviedo und León, das leonesische Zamora und das kastilische Burgos.

 

 

***Venedig***

 

Ein Sonderfall ist Venedig, welches wohl als Fluchtziel vor den Bedrohungen der Hunnen, Goten und Langobarden entsteht, also erst nach dem Untergang des römischen Westreiches.Während die Langobarden das Binnenland beherrschen, behält Byzanz ein Gebiet aus Häfen und Inseln, welches als Exarchat von Ravenna bezeichnet wird. Im Raum Venedig amtet ein Unterbeamter des Exarchen, ein dux, ein Militärführer also. In der Volkssprache wird daraus viel später der Doge.

Venedig gehört so zu den italienischen Restgebieten unter byzantinischer Herrschaft, gehört aber zugleich weiter dem römisch-lateinischen Christentum an. Ein Patriarchat lässt sich auf der Insel Grado nieder, und nach längerer Friedenszeit unter den Langobarden kehrt ein zweites nach Aquileia zurück.

 

Vielleicht in einer Absetzbewegung von Byzanz ist, als es dort unter Kaiser Leo III. zu Unruhen kommt, in Venedig die Wahl eines dux Ursus überliefert. Vorübergehend kommt es wohl wieder zu direkter Herrschaft der Kaiser, aber 742 wird ein Sohn des Ursus wieder zum Dogen gewählt, wie es heißt von einer Volksversammlung. Der macht Malamocco auf dem Lido zu seinem Herrschaftszentrum. Venedig gerät immer mehr aus dem Blickwinkel von Byzanz.

 

Im Gegensatz zu allen anderen bedeutenden italienischen Städten ist Venedig keine alte Bischofsstadt, sondern gehört zu Grado. Aquileia begründet dagegen schon gegen Ende des 8. Jahrhunderts seinen kirchlichen Machtanspruch mit der Legende, der Evangelist Markus sei dorthin gereist, um einen ersten Patriarchen einzusetzen. Danach dann habe es ihn nach Alexandria gezogen, um dort ebenfalls ein Patriarchat einzurichten.

 

Da Venedig fast ausschließlich vom Seehandel abhängt, "verbürgerlicht" die Stadt früher als andere: Ohne Festland gibt es keine Grundherrschaft und später keine Feudalstrukturen. Die soziale Schichtung beruht also wesentlich auf Eigentum und Kapital. Ihre Bevölkerung setzt sich zunehmend aus Kapitalisten und für diese Arbeitende zusammen.

 

Schon mit der Kaiserkrönung Karls 800 gerätt Venedig in das Spannungsfeld zwischen den beiden Kaisern, welches es zu nutzen sucht.

809/10 versucht Pippin auf einem Heerzug von Chioggia aus, Venedig anzugreifen worauf das Zentrum  nun nach Rialto (rivo alto) mitten in der Lagune verlegt wird. Vermutlich errichtet schon der (offiziell byzantinische) dux Agnello Partecipazzo in diesen Jahren seinen Amtssitz dorthin, wo heute der Dogenpalast steht.

Zudem kämpft Venedig wie einige andere italienische Städte mit dem Malariaproblem. Pisa wird sich bald mit dem Versuch beschäftigen, Sumpfgebiete verlanden zu lassen. Zunächst reicher und größer als Rialto ist Torcello im nördlichen, schilfbewachsenen Lagunenteil, mit Kathedrale, Kirchen und Palästen reich ausgestattet. Aber nach und nach bis ins 12. Jahrhundert hinein werden die Einwohner weiter südlich ins Zentrum der Lagune umziehen.

 

Unter der wohl führenden Partecipazio-Familie verteilt sich im 9. Jahrhundert die Macht wohl auf mehrere sich adelig gebende Handelshäuser. Dux Johannes (Partecipazio) ist, obwohl auch Grundbesitzer auf dem Festland, laut seinem Testament kurz vor seinem Tod noch mit 1200 Pfund solidi Investor in Seehandel. 

 

In dieser Zeit beginnt Venedig die nördliche Adria unter seine Kontrolle zu bringen und zur Seemacht aufzusteigen. Die Stadt entwickelt sich unter einem dux/Dogen relativ unabhängig von den byzantinischen Oberherren, den allerdings 812 Kaiser Karl für Kaiser Michael I. im Frieden von Aachen bestätigt. Aber Venedig regelt seine Außenbeziehungen wohl zunehmend selbst.

 

Die Siedlungskerne Venedigs bestehen noch aus eher kleinen Holzhäusern mit kleinen Flächen für den Anbau von Gemüse, Wein und die Haltung einiger Schweine und Kühe.

Ohne Festland entwickelt sich kein Großgrundbesitz, sondern eine Oberschicht aus Händlern und mit ihnen frühe Geldwirtschaft. Sobald sich muslimische Herrscher an den Südküsten des Mittelmeers festgesetzt haben, beginnen Venezianer mit ihnen Handel zu betreiben, gegen die Wünsche der Päpste und von Byzanz.

 

827 lässt der aquilegische Patriarch Maxentius auf einer Synode zu Mantua verkünden, Grado sei nur eine ganz normale Pfarrei unter seiner Herrschaft. Das veranlasst die Venezianer zu einem Gegenschritt. Unter seinem wohlhabenden Dogen Guistiniano werden 828 die Reliquien (der mutmaßliche Leichnam) des heiligen Markus mit anderen Handelswaren aus Alexandria herausgeschmuggelt, um der Stadt Prestige zu verleihen. Damit sie nicht geraubt werden können, werden sie so gut versteckt, dass man sie später kaum wiederfinden kann.

 

Mit dem Bau der Markuskirche wird Venedig dann auch zur Pilgerstadt. Das Wahlamt des Dogen wird nicht erblich, aber dafür wie das päpstliche auf Lebenszeit verliehen, und ist im 9. und 10. Jahrhundert vor allem in den Händen weniger reicher Familien.

 

840 werden der Stadt im Pactum Lotharii die bisherigen Privilegien bestätigt, ohne dass Byzanz noch Erwähnung findet.

 

Seit dem 8. Jahrhundert dringen kroatische Siedler auf die dalmatinische Küste vor, wo sie Piratennester einrichten, von denen aus sie einen Kleinkrieg mit venezianischen Schiffen führen und Tribute für deren Sicherheit erpressen. Das wird bis ins 10. Jahrhundert so weitergehen.

 

Die Venezianer beginnen mit einem Flottenbau-Programm. Zu Bündnissen mit lateinischen Kaisern kommen im 9. Jahrhundert solche mit Byzanz und mit muslimischen Herrschern hinzu. Die Handelsinteressen der städtischen Oberschicht lassen sie immer aggressiver werden.

883/89 wird Comacchio an der Po-Mündung erobert und niedergebrannt, womit Venedig die Kontrolle über den regionalen Salzhandel bekommt und in den nächsten Jahrzehnten erlangt die Stadt die Hegemonie über Istrien. Der Frachtverkehr von Norditalien nach Konstantinopel gerät immer mehr in ihre Hand.

 

 

***Rom***

 

Eine kleine Gruppe mächtiger Familien regiert die Stadt zusammen mit dem Papst, ausgehend von hohen juristischen und Verwaltungs-Ämtern wie dem des Primicerius und des Arcarius oder dem des magister militum. Daneben besetzen sie die geistlichen Spitzenämter der nahen Bistümer oder der Titularkirchen und der Diakonien. Aus ihnen wird sich später das Kardinalskollegium entwickeln.

 

Im Verlauf des 8. Jahrhunderts entzieht sich die Stadt immer mehr byzantinischem Einfluss, von dem es sich im Bündnis mit den Franken dann ganz löst. Dabei begreifen sich die Päpste dann als souveräne Herren der Stadt, da sie vermeiden, im Frankenreich aufzugehen. Indem sie sich als Erben des byzantinischen imperialen Landes begreifen, nimmt ihr Landbesitz noch einmal zu.

 

Mit dem langsamen Verschwinden des Senates wuchs der römische Bischof als größter Landbesitzer in die Rolle des Stadtherrn hinein. Als solcher übernimmt er nun auch die Versorgung der sich verringernden Bevölkerung mit Getreide. Schon im 7. Jahrhundert, immer noch unter byzantinischer Hoheit, ist die Kirche auch im weiten Umland mit ihrer ausgeprägten Verwaltung fast monopolartiger Grundbesitzer.  Die Päpste vergeben ihr Land an die Kirchen der Stadt. Ein sich neu formierender Krieger"adel" beginnt Grund und Boden im Umland der Stadt zu pachten. Damit kann die Kirche bzw. können die Kirchen der Stadt ihren Besitz in etwa halten, zugleich gewinnen sie eine sie schützende militärische Klientel. (Wickham(2), S.21f)

Wo es im weiten Umland nicht stadtrömischer kirchlicher Besitz ist, gehört das Land zum Großgrundbesitz von Klöstern wie Farfa und Subiaco oder zu Bischöfen wie denen von Sutri und Tivoli.

 

Das Amt des Papstes bedeutet Macht, eine eigene Klientel mit Land und lukrativen Ämtern zu bereichern und wird entsprechend umkämpft. Im 9. Jahrhundert wird das immer deutlicher. 882 wird Johannes VIII. ermordet, während zugleich Sarazenen immer mehr in Latium einfallen. 898 wird das bedeutende Kloster Farfa geplündert und besetzt. 897 wird Nachfolger Stephan VI. ebenfalls ermordet, während die islamische Gefahr weiter zunimmt.

 

***Das Land***

 

Die Teilung des ländlichen Status in Großgrundbesitz mit Herrenhöfen, kleine freie (Besitz)Bauern, die allerdings langsam weniger werden, und freie sowie unfreie Pächter und immer weniger Sklaven bleibt. Dazu erwerben Städter wie wohlhabende Handwerker (Goldschmiede z.B.) Grund. Der Großgrundbesitz der Kathedralen, anderer Kirchen und der Klöster nimmt bis ins 10. Jahrhundert zu.

 

Das Land wird einerseits durch Erbteilung vor allem immer stärker fragmentiert, andererseits gelingt es großen Klöstern wie Bobbio, das Land ganzer Dörfer unter ihre Kontrolle zu bekommen. Freie Pächter unterschreiben Verträge als libellarii, die meisten unterliegen weiter einem Gewohnheitsrecht. Immer wieder vergeben aus unbekannten Gründen einzelne freie (Besitz)Bauern oder gar ganze Gruppen ihr Land an Kirche oder Kloster, verschenken pder verkaufen es, um es zur Pacht und gegen Dienst, oft offenbar für einen Tag in der Woche, zurückzuerhalten. Erbenlose Bauern schenken ebenfalls öfter testamentarisch ihr Land an geistliche Herren.

 

Verarmung, der Druck des Zehnten, der Wunsch nach Schutz bzw. erpresserische Manöver der Mächtigen spielen wohl eine Rolle. Widerstand taucht im wesentlichen in der Gesetzgebung seit der späteren Langobardenzeit im Echo repressiver Maßnahmen wie harter Strafen auf. 

Wie überall im Karolingerreich tendieren zwei Entwicklungen zu einer Pächterschicht: Lage und Status kleiner freier  Bauern verschlechtert sich in Richtung Abhängigkeit von Herren, und die Unfreiheit andererseits tendiert in eine Art Halbfreiheit, wie bei sich freikaufenden Sklaven. Herrenhöfe werden verpachtet, entsprechend schwinden die Arbeitsdienste, und der Pachtzins wird bis ins 10. Jahrhundert immer mehr in Geld geleistet.

 

Es gibt bis Ende des 9. Jahrhunderts keinen Adelsbegriff, es gibt nur reichere und weniger reiche Freie, die alle formal zum Militärdienst und zur Beteiligung an Gerichten und den fränkischen placita berechtigt bzw. verpflichtet sind. Germanisches Erbe sind die weit gefassten wichtigen horizontalen Verwandtschaftsverbände, die sehr strikt patrilinear geordnet sind und so Frauen in aller Regel Männern unterordnen. Die seltene starke Rolle von Frauen wird entsprechend mit Misstrauen betrachtet.

Unter anderem aus diesen Verbänden rekrutieren sich die Eideshelfer bei Gericht und aus ihnen leitet sich auch das Fehderecht ab, welches sehr unrömisch ist. In stärkerem Maße formalisiert lässt sich da auch der Zweikampf als Rechtsentscheid einordnen. Beides betrifft vor allem Gewalttaten, während vor Gericht vor allem Eigentumskonflikte - im wesentlichen über Land - auftauchen. In den Zeugenlisten der Urteile stellt sich Status dar und in den Unterschriften vage Anzeichen einer wesentlich höheren Literalität als nördlich der Alpen.

 

Auch wenn es keinen adeligen Rechtsstatus gibt, gibt es doch eine Art Oberschicht reicher und mächtiger Männer (Familien), der auf Landbesitz gründet. Bei genügend solchem Besitz bekommt man Zugang zum Hof eines Herzogs/(Mark)Grafen und eine Etage darüber beim König. Das alles spielt sich dann in der Stadt ab. Zugang zum Herrschaftsapparat kann dann solcher zu Ämtern bedeuten und darüber wieder zu mehr Land.

Wer es sich leisten kann, hält sich ein bewaffnetes Gefolge, welches über Geschenke funktioniert. Bei den Langobarden sind das die gasindii, bei den Franken heißen sie vassi. Indem die Zahl der dem König direkt zugeordneten Freien immer mehr abnimmt und die Gefolge von Oberschichtherren zunehmen, findet ein Prozess der Dezentralisierung statt, welcher im 10. Jahrhundert alle Ansätze von Staatlichkeit zusammenbrechen lassen wird. Diese Entwicklung verschärft sich mit den Ansätzen juristischer Funktionen der Herren über ihre Pächter. (Wickham, S.129ff)

Versuche königlicher Gesetzgebung seit dem 7. Jahrhundert, das Absinken der kleinen freien Landbewohner zu verhindern, werden bis ins 9. Jahrhundert anhalten, aber im Resultat erfolglos sein.

 

 

 

 

 

 

Christentum und Islam in Hispanien nach der Conquista

 

Ein Angehöriger des westgotischen Königreiches organisiert den christlich-hispanischen Widerstand im Nordosten Spaniens und gründet 718 ein Reich von Asturien, welches sich einige Jahrzehnte später bereits als Königreich bezeichnet. Zentrum wird bald erst Oviedo und dann 875 León, wo auch Bischöfe eingesetzt werden.

Die neuen christlichen Reiche wie Asturien und dann Navarra überleben zunächst durch hohe Tributzahlungen an Cordoba. 842 kann sich der asturische König Inigo Arista mit Hilfe der Banu Quasi davon lösen. In den folgenden Jahrzehnten dehnt sich dies Reich bis über das heutige Galizien aus. Inzwischen setzt sich dort entgegen der visigotischen Tradition ein dynastisches Königtum durch, allerdings von wilden und oft mörderischen Nachfolgekämpfen gezeichnet. Im Unterschied zu den Franken entsteht aber mit Oviedo dort eine Hauptstadt, die im 9. Jahrhundert von Alfons II ("dem Keuschen") mit einem Palast und mehreren Kirchen versehen wird, die letzere noch heute im ursprünglichen Zustand dort zu besichtigen sind. Unter Alfons III. beginnt dann eine erneute Rückbesinnung auf das Visigotenreich.

Eine ähnliche Entwicklung nimmt auch Navarra mit seiner Hauptstadt Pamplona.

 

Die Isolierung der Kirche unter islamischer Herrschaft mag mit dazu beigetragen haben, dass sich in Toledo eine sowohl dem alten Arianismus wie dem Islam etwas näherliegende Theologie entwickelt, die den von einer Frau geborenen Jesus zu einer Art Adoptivsohn Gottes macht. Dagegen wendet man sich in der asturischen Kirche, und nachdem der "Adoptianismus" bis in den fränkischen Einflussbereich nach Urgell gelangt, wird er dem Hof Karls d.Gr. zugetragen, der die Abweichler auf einem Reichstag zu Frankfurt 794 als Häretiker verurteilt. Die Kirche ist wie schon bei Kaiser Konstantin ein Instrument weltlicher Macht und soll schon darum einheitlich bleiben.

 

Dasselbe Toledo, von dem die Häresie ausging, befindet sich zwischen 852 und 932 immer wieder in Rebellion gegen den Emir von Cordoba. Gegen die harten Abgaben und das despotische Regiment der Omayaden gibt es auch in anderen Regionen bis tief ins zehnte Jahrhundert immer wieder Aufstände von oft muslimischen wie auch christlichen Leuten, und Kämpfe zwischen Berbern und Arabern zum Beispiel. Erst 937 gelingt es Abdalrahman III mit Zaragoza das letzte Widerstandsnest einzunehmen. Inzwischen ist ein großer Teil der Bevölkerung nun arabisiert und auch islamisiert.

Daneben gibt es gegen die Gebiete unter christlicher Herrschaft immer neue Beutezüge, auch, um Tribute einzutreiben, und zunächst selten auch von diesen aus gegen Al-Andalus. Es sind eher unruhige Zeiten für die Halbinsel.

 

Den Emiren von Cordoba gelingt es in dieser Epoche nicht, ihr Gebiet weiter auszuweiten. Ganz im Gegenteil: Den asturischen Königen gelingt es bis 910, León, Astorga, Zamora und Burgos einzunehmen und in den fünfzig Jahren bis dahin ihr zunächst kleines Gebiet zu verdreifachen.

Eine Grafschaft Aragon bildet sich heraus und wird 924 vorübergehend in das navarresische Königreich von Pamplona  integriert.

Die Grafschaft Barcelona kann das Bistum Vic (Vich) wiederherstellen und daneben entstehen die Grafschaften von Urgell und der Cerdanya am Rand des Pyrenäen-Hauptkamms. In die drei teilen sich Söhne des Grafen Wifred, ohne dabei noch auf Weisungen des fränkischen Königs zu warten.

 

Während die Abbassiden in Bagdad in interne Konflikte geraten und ihr Einfluss schwindet, steigen neben den Omayaden in Nordafrika die Fatimiden auf, eine Familie, die sich von Alí, dem Vetter von Mohammed herleitet und von dessen Frau Fatima, der Tochter des Propheten. Sie proklamieren als Machtmittel die Wiederherstellung der Reinheit eines schiitischen Islam als Basis ihrer Herrschaft. 909 nehmen sie Kairouan ein, das heutige Tunis, und begründen dort ihr maghrebinisches Kalifat. Als sie dann in Marokko in gefährliche Nachbarschaft zur Omeya-Herrschaft gelangen, erklärt sich Abdalrahman III selbst zum Kalifen und wird von nun an als solcher dann in allen Moscheen von Al-Andalus im Freitagsgebet erwähnt.

 

Kurz darauf lässt der spanische Kalif Melilla und Ceuta erobern und breitet seine Herrschaft über Marokko soweit aus, dass der Import von afrikanischem Gold und Elfenbein und von Berbern zur Besiedlung erheblich zunehmen kann. Gegen die fatimidische Frömmigkeit setzt er seine eigene, die auch härtere Despotie begründet. Dann erklärt er aber ganz unislamisch seinen noch minderjährigen Sohn Al-Hakam von seiner Lieblingsfrau des Harems, einer ursprünglich christlichen Sklavin, zu seinem Nachfolger, der kaum noch den Alcázar und dann Medinat Al-Zahrá verlassen und sich auf keine Frau einlassen darf, während die zahlreichen übrigen Söhne über das Land verstreut werden.

 

Der unermessliche Reichtum des Kalifen beruht auf den immer größeren Abgaben, die er aus der Bevölkerung eintreibt, wobei eine kleine reiche Oberschicht davon ausgenommen bleibt, zudem aus seinen riesigen Privatbesitzungen, die er ansammelt und aus den oft erfolgreichen Beutezügen gegen die christlichen Herrschaften, denen er erhebliche Tribute aufbürdet. Einnahmen, den er mit dieser Oberschicht teilt, resultieren aus den christlichen Sklavenmassen, die diese Raubzüge ebenfalls einbringen. Mit dem Bau der großen und ungeheuer prächtigen Palaststadt Madinat Al-Zahrá neben Cordoba erreicht er eine Pracht, wie sie im übrigen Europa weithin unbekannt ist.

 

Es floriert vor allem eine Wirtschaft, die Luxusgüter für diese Oberschicht herstellt, Seidenstoffe, golddurchwirkte Tuche, Edelstein- und Elfenbeinschmuck. Die hochprivilegierte kleine Oberschicht wird durch eine mittlere Schicht von Besitzern von Ländereien ergänzt, die diese durch Kleinpächter bewirtschaften lassen, die Dienste wie Abgaben verlangen, mit einer gewissen Ähnlichkeit zu fränkischen, asturischen oder aragonesischen Adeligen.

Die Landwirtschaft produziert wie in christlichen Gegenden Europas weiter Getreide, Oliven und Wein, zusätzlich aber bringen die neuen Herren Reis, Apfelsinen, Zuckerrohr, Safran und Baumwolle und anderes mit. Große Maulbeerplantagen entstehen für die Seidenproduktion. Zudem entwickeln sie in ihrem teils ariden Andalusien hervorragende Bewässerungssysteme, deren Ansätze sie vielleicht auch schon in Nordafrika und dem Orient besaßen.

 

Derweil entwickelt sich in den christlichen Reichen eine frühe neuartige Adelsschicht, die ähnlich wie in den fränkischen Nachfolgereichen versucht, sich über Bauerndörfer zu setzen und Bauern in Abhängigkeit zu bringen. Mit einem Einkommen, welches den Besitz eines kampffähigen Reitpferdes ermöglicht,  wird man in Galizien, León und Kastilien dann zum infanzón, aus dem sich in den nächsten Jahrhundert die Schicht der Fidalgos/Hidalgos entwickeln wird, der Söhne (fijos) von denen, die etwas (algo) besitzen.

Immer mehr arme und verschuldete Bauern müssen sich einem Herrn anvertrauen, was in Galizien dann incomunicación heißt. Außerhalb Kataloniens und des östlichen Aragon entwickeln sich recht unabhängig von den fränkischen Entwicklungen ganz ähnliche Strukturen. Über dem niedrigen Landadel teilt sich das Land in Machtbereiche oft selbsternannter condes auf, Grafen also.

 

Abderrahman III beginnt nach Unterwerfung von Al-Andalus sehr erfolgreich mit jährlichen Raub- und Zerstörungszügen in die christlichen Reiche hinein. Immer wenn das Getreide hoch steht oder zur Ernte gereift ist, wird es abgefackelt oder niedergeritten. Mit seinen Heeren ziehen beutehungrige Freiwillige des Heiligen Krieges, wie sie sich nennen.

Die christlichen Reiche geraten unter faktische Oberhoheit und Tributpflichtigkeit von Cordoba. Könige von Leon und Navarra wie auch Grafen von Kastilien reisen nach Madinat Al-Zahrá, um dem Kalifen ihre Aufwartung zu machen, oder schicken wenigstens hochrangige Delegationen.

 

Al-Hakam stirbt 976 und hinterlässt nur einen vermutlich schwachsinnigen Sohn Hisham, der zum Spielball hoher Funktionäre in Cordoba wird. 981 gelingt es einem in diese Machtkämpfe verwickelten Mohammed ibn Abi Amir, sich militärisch durchzusetzen. Er steckt den jungen Kalifen in komfortablen Hausarrest und herrscht nun selbst mit dem Titel hayib und gibt sich den Beinamen "der Siegreiche", Almansor.

 

Als Heerführer ist er schnell enorm erfolgreich. Selbst Orte wie Pamplona, später Barcelona und Santiago de Compostela werden kurz überfallen, ausgeraubt und zerstört, bevor das Heer sich schnell wieder zurückzieht. Im Chronicon de Sampiro heißt es zu Santiago: Er riss alle Kirchen, Klöster und Paläste ein und verbrannte sie im Feuer. (Quelle in: Manzano, S.812)

Da die Muselmanen das "Grab des Jakobus" in Santiago als Kaaba der Christen ansehen, lassen sie es intakt, während die Stadt komplett zerstört wird. Coimbra wird ebenfalls zerstört, dann aber gehalten und muslimisch neubesiedelt.

 

Immer mehr Leute in Al-Andalus lösen, wie auch später in geringerem Umfang in den Frankenreichen  und noch später in England ihre Militärpflicht mit Zahlungen ab. Das führt dazu, dass zunehmend Berbertruppen aus Nordafrika von Almansor ins Land geholt werden, was die Herrenschicht ethnisch weiter verändert. Das wird Folgen haben.