Anh.16: ENGLAND VOM 11. JAHRHUNDERT BIS 1250

 

 

Die Voraussetzungen der normannischen Landnahme

 

Die Ansiedlung von Nordmännern auf dem Boden des ehemaligen Imperium Romanum, im Gebiet der heutigen Normandie, in einem Vertrag (foedus) mit dem König von Franzien 922 folgte nach einem ähnlichen Muster wie die früherer germanischer Völkerschaften ins römische Reich. Der Anführer lässt sich taufen und seine Leute folgen ihm darin. Er erhält einen christlichen Namen und wird mit einem Fürstentum belehnt. Der Erzbischof von Rouen wird zurückgerufen.

 

Sein Sohn Wilhelm Langschwert heiratet eine karolingische Fürstentochter. Die fränkische und die normannische Bevölkerung verschmelzen, die Normannen werden dabei zunehmend romanisiert und verlieren ihre Sprache. Der Fürst stiftet Abteien und lässt Burgen eines spezifisch normannischen Typus bauen.

 

1035 stirbt Herzog Robert und bestimmt offenbar vorher seinen unehelichen Sohn mit einer Gerberin aus Falaise zum Nachfolger. In den langem Jahren seiner Minderjährigkeit gelingt es normannischen Großen, frühfeudale Strukturen zu verfestigen und zugleich mehr noch als schon zuvor adeliges Liniendenken mit Primogenitur durchzusetzen. Sie konzentrieren Reichtümer und Macht, die es ihnen ermöglichen, ihre Herrschaft von Burgen auszuüben, nach denen sie sich nun benennen. 

Möglicherweise ist es diese Benachteiligung nachgeborener Söhne, die einige von ihnen dazu bringt, in Süditalien zunächst als Söldner ihr Glück zu versuchen und andere landhungrige junge Krieger dann später dazu, mit ihrem Herzog in England auf Landraub auszugehen.

 

Zunächst einmal gelingt es Wilhelm nach Erreichen der Volljährigkeit, unter anderem im Bündnis mit dem französischen König Henri I die Großen im Lande zu unterwerfen und Kirche und Klöster unter seine Kontrolle zu bringen. Danach kommt es zu Kriegen gegen die französische Krone und Anjou. 1060 schließlich sterben sowohl Henri I und Graf Gottfried von Anjou. Der Graf von Flandern übernimmt in Westfranzien die Regentschaft, er ist Schwiegervater von Wilhelm. Der führt weiter Krieg gegen Anjou und entreißt ihm Maine. Danach führt er "Strafexpeditionen" gegen die Bretagne. 1066 ist Herzog Wilhelm auf der Höhe seiner Macht und das Idealbild eines frühmittelalterlichen Kriegers: Es war ein sowohl entzückender wie schrecklicher Anblick, ihn zu sehen, wie er sein Peferd dirigiert, mit dem Schwert gegürtet, mit leuchtendem Schild, sein Helm und seine Lanze gleichermaßen drohend. (Wilhelms Kaplan Wilhelm von Poitiers in; Carpenter, S.71)

 

Der dänische König Knut (1016-35 erobert England, aber sein Sohn Harthacanut hat keinen direkten Erben, und so kommt´Edward I. ("the Confessor" ) 1036 aus dem wohl überwiegend normannischen Exil und wohl mit normannischer Hilfe nach England zurück, um 1042/43 die Herrschaft der alten Dynastie wieder herzustellen. Mit ihm kommen einige Normannen, darunter der Abt Robert von Jumièges, den er zunächst zum Bischof von London macht und 1051 zum Erzbischof von Canterbury.

 

Edwards Position in England ist zunächst schwach und die Einsetzung des Normannen in Canterbury führt zu heftigem Konflikt mit dem mächtigen Earl Godwin, der seine Macht im Bündnis mit den Dänen gewonnen hatte. Robert muss gehen und wird durch Stigant ersetzt, der allerdings daneben sein Bistum Winchester behält, was Konflikte mit dem Papsttum provoziert. Spätere Quellen behaupten, Wilhelm von der Normandie habe Edward 1051 besucht und der habe ihm die Thronfolge versprochen.

Godwins Sohn Harold und dessen Brüder teilen sich in den 50er Jahren dann de facto in die Macht in England. König Edward scheint seine Tage nun in Kirchgang und Jagd aufgeteilt zu haben.

 

 

England hat in dieser Zeit als kleinste Einheit die tithings, in denen jeweils zehn männliche Erwachsene die Verantwortung für einander tragen, darüber die klassischen germanischen Hundertschaften, von denen es wohl mehrere hundert gibt. Diese wie die shires, die die Normannen counties nennen werden, sind Verwaltungs- und Gerichtseinheiten, die von lokalen Granden als königliche Vertreter geleitet werden.

Neben diesen Einheiten gibt es solche, die für die Steuereintreibung zuständig sind, die hides, die eine Nutzfläche von etwa 120 acres umfassen. Gemäß der Anzahl der hides muss die Hundertschaft eine fixe Summe als Steuer an den König abgeben, der seinen Reichtum darüber hinaus aus riesigem Landbesitz nährt. Über königliches Rechts- und Steuerwesen wachen Earls, die manchmal mehrere Counties kontrollieren, und unter ihnen Sheriffs, gelegentlich wohl für ein bestimmtes County zuständig.

Dieses für die damalige Zeit in Europa einzigartige Steuerwesen ist so effektiv, dass 1018 König Knut 72 000 Pfund geld als angelsächsische Tributzahlung erhalten kann.

Fünf hides haben zusammen einen bewaffneten Fußsoldaten zu stellen, wobei diese Einheit identisch ist mit dem Nutzland, welches einen thegn ausmacht, der oft mit einem cniht bzw. Knecht identisch zu sein scheint, dessen Anwesen zudem mit einem festeren Zaun und einem Torhäuschen versehen sein muss. Aus diesen kriegerischen thegns setzt sich die niedere Schicht der Edelfreien zusammen.

Eine Gruppe von thegns und skandinavisch klingenden huscarls bildet eine Art Leibgarde des Königs, die mit Land und Bezahlung versehen wird. Andere leben auf ihren Gütern auf dem Lande.

Hohe Magnaten sind auch die zwölf Bischofe und manche der rund 45 Klöster, die alle in das auf den König zugeschnittene Herrschaftssystem mit seinen Pflichten eingeordnet sind.

 

1053 stirbt Earl Godwin und hinterlässt seinem Sohn Harold einen mächtigen Herrschaftsbereich. Der ist Schwager des Königs und Earl über Wessex, das angelsächsische Kernreich, aus dem England hervorging. 1063 besiegt er Gruffudd ap Llywelyn, der sich selbst "König über alle Waliser" nennt und liefert dessen Kopf bei König Edward ab.

Auf seine alten Tage bestimmt der kinderlose Edward Harold zu seinem Nachfolger. Am 5. Januar 1066 stirbt der "Bekenner", wird am nächsten Tag in der von ihm erbauten Westminster Abbey begraben, wie man auf dem Bild vom Teppich von Bayeux sehen kann,  und Harald/Harold wird gekrönt.

 

 

Harold hatte einst ein Sturm in die Hände Wilhelms verschlagen, und der hatte ihm die Freiheit gegen einen Treueid gegeben. Wilhelm ist Vetter Edwards, denn Edwards Mutter war eine normannische Fürstentochter gewesen. Und diesem Wilhelm hatte Edward vielleicht um 1051 mehr oder weniger deutlich die Nachfolge versprochen, wie es heißt. Wirklich durchschauen lässt sich die rechtliche Seite des Erbschaftsproblems nicht, diese beschreibt ohnehin nur eine propagandistische Oberfläche.

 

Gegen die Krönung Harolds protestiert Wilhelm beim Papst, der ihn daraufhin unterstützt und eine päpstliche Fahne schickt.

 

Die normannische Eroberung

 

Im September 1066 zieht "der Eroberer" mit großer Flotte und riesigem Heer vor allem aus Panzerreitern mit Steigbügeln und Sporen von Ponthieu nach Südengland, landet in Pevensey Bay und lässt dann eine provisorische Burg bei Hastings errichten. Am 14. Oktober schlägt er den Konkurrenten Harold mit seinen Fußsoldaten, insgesamt nur dem halben Heer, bei Hastings. Der hatte erst wenige Tage zuvor seinen Bruder Tostig und den norwegischen König besiegt und ist gerade aus dem Norden zurückkehrt. Auf dem Bild vom Teppich von Bayeux wird er gerade getötet.

 

Die franco-normannische Armee besteht im wesentlichen aus Reitern und vielen Bogenschützen, die der angelsächsischen Infanterie überlegen sind. Mit Sengen und Brennen und Verwüsten ziehen sie nach London, welches sich erst einmal widersetzt. Darauf wird das Land rings um die Stadt solange verwüstet, bis die städtische Oberschicht ihren Ort ausliefert. Weihnachten 1066 lässt sich Wilhelm in Westminster Abbey wohl gemäß karolingisch-angelsächsischem Brauch krönen. Demonstrativ wird sich der König von nun an dreimal im Jahr, an Ostern, Pfingsten (whitsun) und Weihnachten wie ein römischer Kaiser öffentlich mit seiner Krone auf dem Haupt zeigen.

Bis 1070 und dann noch einmal 1074 kommt es zu Aufständen wegen der Beseitigung des heimischen Landbesitzes und der harten Besteuerung, die aber alle brutal unterdrückt werden und den Vorwand liefern für immer weitergehende Enteignungen. Schließlich ist angelsächsischer Widerstandswille unterdrückt. Mit besonderer Brutalität scheinen Wilhelms Miliärs im Norden vorgegangen zu sein, wo er laut einer angelsächsischen Chronik Yorkshire in eine Wüstenei verwandelt. Im Domesday Book tauchen über tausend Ortschaften als Wüstungen auf. Über hundert Jahre später berichtet ein anderer von den Heerscharen von Flüchtlingen, die aus dem Norden in den Süden fliehen und massenhaft an Hunger sterben. ... das Land ist von allem beraubt, womit man es kultivieren könnte, und ist für neun Jahr völlig menschenleer (...) Kein Dorf zwischen York und Durham ist bewohnt. (Simeon von Durham in: Carpenter, S.77) Und der kurz nach den Ereignissen in Shropshire aufgewachsene und König Wilhelm im allgemeinen bewundernde Mönch Ordericus Vitalis, Mönch von St. Evroult in der Normandie: Denn wenn ich an die hilflosen Kinder denke, die jungen Männer in ihren besten Jahren und die alten Graubärte, die allesamt vor Hunger umkamen, dann beklage ich lieber den Kummer und die Leiden der elenden Leute als dass ich dem Urheber solcher Infamie schmeichele. (in: Carpenter, S.78)

 

Bis auf die geistlichen und monastischen Besitzungen kommt es zu einer fast kompletten Neuverteilung des Landes an die normannischen Eroberer, die allesamt Land als Beute erwarten und sich einzeln oft gleich mehrere Besitzungen aneignen. Wer von den angelsächsischen Herren nicht tot ist, wird entweder gleich oder aber in den nächsten Jahren enteignet. Andere werden soweit drangsaliert, dass sie in den folgenden Jahrzehnten aus der Herrenschicht in den Rang von (wohlhabenden) Bauern herabgedrückt werden. Angelsächsische Witwen und Erbinnen werden von den neuen Herren zur Ehe gewzungen und ihre Güter so angeeignet.

 

Die königlichen Besitzungen zieht Wilhelm an sich und verdoppelt den Wert des angelsächsischen Königsgutes zudem durch massive Enteignungen zugunstend er Krone. Weitere Teile Englands bringt er unter seine Kontrolle, indem er sie einer Art königlichem Forstgesetz unterstellt, wobei es sich nicht nur um Waldland handelt. Dazu gehört dann auch Acker- und Weideland mit seinen Siedlungen.

 

Riesige Grenzgebiete zu Wales werden an normannische Große abgegeben, die im Laufe der Zeit daraus fast selbständige große und mächtige Herrschaften entwickeln, der Earldoms der Marken.

 

Er vergibt im ganzen Land teils riesige, teils auch ganz kleine Lehen an seine Krieger. Es wird wie die Normandie mit Zwingburgen, sogenannten Motten, als Stützpunkten seiner militia überzogen, die im wesentlichen in den Städten liegen, für die Städter Land und Häuser (166 in Lincoln zum Beispiel) hergeben und die sie wohl auch errichten müssen. Sie bestehen aus einer künstlichen runden Aufschüttung (mound), die mit einem Graben und Palisaden umgeben und einem zunächst in der Regel hölzernen Turm gekrönt wird. Dazu kommt eine Art ebenfalls befestigte Vorburg (bailey). Mit kleinen Besatzungen versehen, wird von dort aus das ganze Land kontrolliert.

Nach und nach ziehen das Amt des Sheriffs, der County Court, also das Grafschaftsgericht und die königliche Münze in solche etwas ausgebautere Burgen ein.

Der König lässt nur einen Teil der bis 1100 auf ca. 500 Exemplare angewachsenen Festungen bauen, die übrigen etwa zwei Drittel etablieren die neuen großen Herren, die bald Barone genannt werden. Mächtigste und steinerne Zwingburg ist der später so genannte White Tower von London.

 

Die angelsächsische Oberschicht wird weggefegt, Adel, Bischöfe, Äbte und selbst ein Gutteil der ländlichen "Degen" (thegn) werden durch Normannen und andere "fränkische" Herren ersetzt. Die Kirche behält aber im großen und ganzen ihr Land, etwa 26% dessen, was im Domesday Book dann aufgelistet wird.

Die neue französischsprachige und des altenglischen nicht mächtige Herrenschicht besteht aus sogenannten weltlichen und geistlichen tenants-in-chief der Krone, deren Spitze im 12. Jahrhundert wiederum etwa 150 bis 200 sogenannte Barone bilden. Solche tenants- in-chief vergeben knapp die Hälfte ihres Landes an einfachere tenants, Landhalter. Als solche enfeoffments, Lehen, vergeben die hohen Herren von Clare etwa 40% ihres Landes, und zwar an rund 50 tenants, Lehensmannen. Oft sind solche tenants alte Nachbarn oder Freunde aus der Normandie. An Wert in Einkommen gemessen besitzt der König etwa 17% des Landes, weitere 34% verteilen sich auf gut 6000 Landbesitzer, deren Zahl wohl insgesamt bei etwas über 8000 liegt. Der Rest gehört zum größten Teil Kirchen und Klöstern.

 

Die Masse der Eroberer und Einwanderer waren wohl wie in Süditalien zur selben Zeit landlose Nachgeborene, die auf Beute aus waren und sie nun bekommen, aber es gibt auch hohe Herren, deren Familien nun große Besitzungen auf beiden Seiten des Ärmelkanals haben.

Im zum guten Teil zerstörten York werden 145 Immobilien anglo-skandinavischer Eigentümer an die Eroberer vergeben.

Nur wenige Angelsachsen behalten wenigstens einen kleinen Teil ihres Landes, und manche müssen selbst das beim König noch einmal erneut "zurück"kaufen.

 

Der neue Herrscher verbindet die stärker zentralistischen Strukturen, die angelsächsische Herrscher hergestellt hatten, mit denen aus der Normandie. Tenants-in-chief leisten dem König homagium und sind in der Summe verpflichtet, dem König rund 5000 Ritter zu stellen. Der Erbe eines solchen großen Macht- und Land"besitzes" zahlt dem König relief für sein Erbe, ist er minderjährig, wird er ward des Königs, der dafür Geld kassiert und zudem während dieser Zeit alle Einkünfte einzieht. Dasselbe gilt für die Zeit, in der ein Bischof oder Abt verstorben und ein neuer noch nicht im Amt ist. Heiraten der Witwen und der Minderjährigen werden vom König gegen eine erhebliche Geldzahlung vermittelt und bei Ausbleiben eines Erben zieht der König den gesamten Besitz ein, was escheat heißt.

Alles das findet nun auch im Verhältnis zwischen den tenants-in-chief und ihren tenants wiederum statt. Sie alle zusammen lassen sich als Landhalter und nicht produktiv arbeitende Krieger als neuer französischsprachiger Adel zusammenfassen, dessen unterste Schicht als Ritter (chevaliers, später knights) bezeichnet wird, die im 12. Jahrhundert sich nach unten von dem nun als Gentry ausgegrenzten ländlichen Kleinadel abgrenzen wird. Dieser Adel wird ähnlich wie schon in der Normandie und in anderen Teilen Westfranziens sich patrilinear und toponym entfalten, also mittels Primogenitur und Bezeichnung der Familie nach dem zentralen Ort, in der Regel der wichtigsten Burg.

Unterhalb der tenants, also derer, die derart über Land verfügen, existiert die Masse der Bevölkerung, der eigentlichen Produzenten auf dem Lande.

Insofern lassen sich die Machtstrukturen ähnlich wie bald auch im französischen Königreich als feudal bezeichnen, da nun in der Theorie alles Land sich von den Königen ableitet, also anders gesagt keines ohne Herr mehr ist.

 

In England wie in der Normandie werden die Untervasallen der Vasallen direkt an den Herrscher gebunden, da jedes Lehen nun mit dem Recht des Eroberers vom König stammt. In den Quellen taucht nun häufiger das Wort feodum (fief / fee) auf, welches aber bald stärker noch als auf dem Kontinent dazu neigt, als erblich betrachtet zu werden. Die Barone werden wie in der Normandie unter königliche Kontrolle (hier der sheriffs) gestellt. 1086 lässt sich der König von allen Landbesitzern einen Treueid schwören. Mit dem Domesday-Book werden die Eigentumsverhältnisse notiert und ein zentrales königliches Finanzsystem nimmt seinen Ausgang.

 

An der Spitze des Landes stehen nun rund 200 mächtige tenants-in-chief, wie sie später heißen werden, zunächst romanisch counts und barons genannt. Aus Sheriffs werden nun vorübergehend viscounts. Der feudale Komplex aus Land und Rechten heißt honor in lateinischen Texten, was später zur honour wird.

Darunter stehen rund 1000 tenants mit jährlichen Einkommen von wenigstens 5 Pfund, die fiefs halten, die später zu fees werden,  und wiederum darunter kleinere Herren mit manchmal nur einer hide Besitz.(Dyer, S.85)

Jeder Mann leistet seinem Herrn einen Eid der fealty (Treue), wie es dann anglisiert heißen wird und vollzieht die homage (Mannschaft). Er muss aid und council leisten und bei Todfall und Erbe relief zahlen, alles roamnisches Sprachgut vom Kontinent.

 

Seit den Masseneinwanderungen des 20-21. Jahrhunderts nach Europa von Übersee und aus den ehemaligen Kolonien und dann auch aus Osteuropa ist man in den Kreisen der Macht und ihrer Propagandisten ängstlich darauf bedacht, nicht von Überfremdung zu sprechen, aber so etwas findet auch schon mit 1066 ein wenig in England und dann auch in Teilen Schottlands und von Wales statt. Der Austausch der gesamten Oberschicht und die Neueinführung klassisch feudaler Strukturen samt der Einführung einer neuen Sprache lässt sich nicht anders benennen, und wer das Mittelenglische und dann das Neuenglische betrachtet, stellt fest, dass das aus der Verschmelzung des Altenglischen mit dem Altfranzösischen hervorgehende Englisch ein gutes Stück weit entgermanisiert ist. Der elaborierte Code der Schriftsprache besitzt seitdem eine Überzahl romanischen Vokabulars.

 

Das anglonormannische England, welches in den Jahren nach 1066 durch Eroberung entsteht, teilt sich in eine Oberschicht von vielleicht 8-10 000 Männern, die aus ihren Herkunftsgebieten einen romanischen Dialekt der langue d'oeil mitbringt, eine Vorform des Französischen, und eine Unterschicht mit zunächst kaum verschriftlichter Weiterentwicklung angelsächsischer Idiome.

Ein neues Volk von Engländern entsteht mit Heiraten vor allem niederer Freier (tenants und peasants/villeins) beider Volksgruppen seit dem beginnenden 12. Jahrhundert vor allem, während sich die neuen frankophonen Barone noch lange weigern, sich als Engländer zu empfinden und "englisch" mit "unfrei" verbinden. Die (anglo)normannischen Könige wiederum werden ohnehin bis 1204 mehr Zeit auf dem Kontinent als in England verbringen.

Erst mit dem Verlust der Normandie wird sich ein gemeinsames England mit einer gemeinsamen Sprache formen, die recht viel aus dem normannischen „Französisch“ inkorporiert. Und vielleicht ist Edward I. (1272-1307) der erste "englische" König, der (gegen Ende des 13. Jahrhunderts) englisch sprechen kann.

 

Der anglonormannische, "französische" Einfluss betrifft nicht nur England selbst. Mit der Eroberung der Grenzgebiete zu Wales, der "Marken" (marches) dringt normannischer Einfluss und später dann entsprechend englischer in das Gebiet jener walisischen Häuptlinge ein, die sich selbst als Könige bezeichnen. Nach und nach kommt es dort auf allen Ebenen zu gemischten Ehen zwischen Engländern und Walisern. In Chepstow, Monmouth, Pembroke, Cardiff und Abergavenny werden normannische Burgen gebaut, an die dann Siedlungen angeschlossen werden, die die Besatzungen versorgen.

 

Dieser anglonormannische Einfluss wirkt noch viel stärker in jene Gebiete ein, die in der nächsten Zeit zusammen mit dem eigentlichen (Kern)Schottland unter die schottische Krone geraten werden. Der vermutlich bald "französisch" sprechende Königshof und der ebenfalls "französisch" angehauchte Hochadel stehen bis in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts einem mehrsprachigen Vielvölkergebilde gegenüber. Das Altenglische verdrängt dabei im östlichen und zentralen Tiefland das Gälische (Schottische), welches sich in die Hochländer zurückzieht. Wenn ein schottischer König in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts seine gesammelten Untertanen anspricht, redet er zu "Franzosen, Engländern, Schotten und den Leuten von Galloway." (Carpenter, S.13)

Adel hält Landbesitz auf beiden Seiten der angloschottischen Grenze.

 

Zurück in die Zeit nach der Eroberung: Der päpstlichen Unterstützung wird mit "englischen" Reformkonzilien der nunmehr normannischen  Prälaten in England gedankt. An die Spitze der englischen Kirche tritt Lanfranc, der aus Pavia stammt, in Italien die artes studiert hat und im normannischen Kloster Bec begonnen hat, diese auf das Studium der Bibel anzuwenden, was ihn zu einem der Vorfahren der Scholastik macht.

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Da nach 1070/74 der englische Herrschaftsbereich gesichert scheint, verbringt der nunmehrige König von den 170 Monaten seiner Herrschaft etwa 130 auf dem Kontinent, wo seine Herrschaft wesentlich gefährdeter ist. Inzwischen ist die Grafschaft Flandern unter Robert dem Friesen in Feindeshand, Fulko Rechin von Anjou versucht Maine wieder in seine Hand zu bekommen und der französische König Philipp I hat mit dem Gewinn des französischen Vexin nun eine gemeinsame Grenze mit der Normandie.

1083 stirbt die Gemahlin Mathilde und der König heiratet nicht wieder. Wohl 1085 gibt er das bald so genannte Domesday Book in Auftrag, welches ihn über seine möglichen Einkünfte und sein Heeresgefolge informiert, zugleich aber dem neuen Adel seine Länderein mehr oder weniger klar schriftlich fixiert. Im August 1086 ruft er seine freien Untertanen in Salisbury zusammen, um ihm einen Treueeid zu leisten. Dann begibt er sich zurück in die Normandie, um dort 1087 zu sterben und in der großen Abtei von Caen begraben zu werden.

 

Da der Vater mit dem ältesten Sohn Robert bei seinem Tod in Feindschaft steht, bestimmt er den zweitältesten Wilhelm "den Roten" zu seinem Nachfolger. Robert "Curthose" (Kurzstrumpf) muss sich auf die Normandie beschränken. während Heinrich Geld erhält.

 

Wilhelm II. Rufus

 

Wilhelm Rufus hat sich zunächst eines Aufstandes seines Onkels Odo von Bayeux zu erwehren, der viele normannische Barone und Robert von der Normandie auf seiner Seite hat, wobei letzterer Alleinherrscher beider Reiche werden soll. Der König setzt 1091 gegen ihn das angelsächsische Heeresaufgebot (fyrd) ein und zwingt ihn zur Abgabe größerer Gebiete und zur Ausweisung des angelsächsischen Kronprätendenten Edgar Aetheling, der zum schottischen König Malcolm flieht. Gegen den gibt es dann auch zwei Feldzüge, in deren Folge die mächtige Burg Carlisle erichtet wird.

 

Seit dem Tod Lanfrancs 1089 hatte der König die Erzbischofs-Kathedra von Canterbury unbesetzt gelassen, um die Einkünfte selbst zu kassieren. Als er 1093 schwer erkrankt, setzt er Anselm von Canterbury, aus Italien stammender Abt von Bec ein. Hanna Vollrath nennt ihn im Gegensatz zum "politischen Kopf" Lanfranc einen "weltabgewandten Gelehrten". (in: Schneidmüller/Weinfurter S.234). Dem entspricht sein von Chronist Eadmer berichteter Widerwille, das Amt anzunehmen. „Anselm brachte immer wieder zum Ausdruck, dass er sich einzelnen Menschen zuwenden, nicht aber Institutionen reformieren wollte.“ (H.Vollrath, s.o. S.236)

 

Für Anselm ist zunächst die Investitur des Bischofs mit dem Hirtenstab durch den König kein Problem. Er weiht solche Bischöfe. Vermutet wird, dass Anselm von Gregors Investiturverbot zunächst gar nichts weiß. Für ihn ist offenbar die consuetudo, das Gewohnheitsrecht, wie selbstverständlich bindend. Papst Urban II. ist ohnehin vom englischen König nicht anerkannt. Als Abt von Bec in der Normandie erkennt ihn Anselm allerdings an. Er gerät so zwischen die Fronten: In Urbans Augen pflegt er Umgang mit Schismatikern, für Wilhelm Rufus bestimmt er an des Königs statt, wer der richtige Papst sei. Der König ist auch nicht an Anselms Unterstützung von Kirchenreform interessiert, sondern an dem finanziellen Potential der Kirche.

 

1095 entscheidet sich Wilhelm dann doch für Urban, vielleicht um dessen Unterstützung für eine geplante Rückeroberung der Normandie zu erlangen.

1096 verpfändet Robert die Normandie auf fünf Jahre für 6666 Pfund an seinen Bruder, um damit seine Beteiligung am 1. Kreuzzug zu finanzieren. Wilhelm Rufus gelingt es darauf, die Normandie komplett zu unterwerfen, nicht aber das unter Robert bereits verlorene Maine.

 

Wilhelm braucht für Kriege gegen Waliser und Schotten Geld und bedient sich dafür bei der Kirche. Anselm verlangt eine Reformsynode, die der König als nicht vorrangig ablehnt. Anselm möchte nun zum Papst reisen, um dessen Befehle zum Schutz des Kirchengutes von Canterbury zu erfragen. Wilhelm verweigert ihm die Reise zunächst. Als er ihn ziehen lässt, bleibt Anselm drei Jahre auf dem Kontinent.

Derweil unterwirft Wilhelm sich den schottischen Königund erobert 1098 erneut Maine. Im Norden bemächtigt sich in dieser Zeit der norwegische König der Shetlands, der Inseln westlich von Schottland und der Isle of Man.

 

Wilhelm Rufus drückt seine Macht im Bau der großen Königshalle von Westminster aus, die für damalige Zeit gigantisch ist, rund 80 Meter lang und 22 Meter breit.

 

1099 ist Anselm "Zeuge, wie Urban II. auf einer Synode zu St.Peter in Rom nicht nur das Verbot der Laieninvestitur erneuerte, sondern auch jede Mannschaftsleistung von Geistlichen für Laien verbot, so wie der Papst schon auf früheren Synoden in Frankreich die fidelitas ligia und den Handgang der Geistlichen verboten hatte." (P.Classen in: Investiturstreit, S.418).

1100 kehrt er zurück, informiert über die päpstlichen Positionen, und er ist entschlossen, sie umzusetzen.

 

Heinrich I.

 

Mit dem Tod Wilhelms II. im August 1100 bei einem Jagdunfall nutzt der jüngste Bruder Heinrich Beauclerc die Gelegenheit, sich drei Tage später krönen zu lassen. Er leistet dabei einen Krönungs-Eid, in dem er verspricht, die Freiheiten der Kirche zu achten und keine überzogenen Abgaben von seinen Baronen zu verlangen und befreit ihre demesnes (Domänen) von geld-Abgaben. Die tenents-in-chief werden allerdings dazu verpflichtet, ähnlich gerecht mit ihren tenants wiederum umzugehen.

 

Der König  stellt sich auf die Seite der Reformkirche, um ihre Unterstützung zu erhalten, und ruft Anselm wohl zurück. Tatsächlich behält er aber die alte Investiturpraxis bei, vielleicht weil er die päpstliche Position gar nicht kennt. Als Anselm zurückkommt, lehnt er die königliche Übergabe seiner Insignien ab und verweigert auch das Homagium, die Mannschaft. Danach lehnt er auch ab, Heinrichs Kanzler, den der König zum Bischof von Winchester eingesetzt hatte, zu weihen.

 

Noch 1100 heiratet der König die schottische Königstochter mit dem angelsächsischen Namen Edith, die nun in eine normannische Mathilde umbenannt wird. Robert, der nun vom Kreuzzug zurückkommt, können seine Ansprüche auf den englischen Thron mit einer erheblichen jährlichen Geldsumme abgefunden werden.

 

Im Februar 1101 schreibt Heinrich an Papst Paschalis II: Deine Heiligkeit möge zur Kenntnis nehmen, dass, solange ich lebe, die Rechte und Gewohnheiten des Königreichs England mit Gottes Hilfe keinerlei Minderung erfahren werden. (in H. Vollrath, s.o. S.242) Es kommt zu Verhandlungen, in denen um 1103 das Verbot des Homagiums aus den Positionen des Papstes verschwindet. Im selben Jahr reist Anselm zu Verhandlungen nach Rom. Die Verhandlungsbereitschaft des Königs schwindet inzwischen. Er droht Anselm mit der Konfiskation der Kirchengüter von Canterbury. Der Papst wiederum droht mit der Exkommunikation. Anselm zieht sich nach Lyon zurück.

 

1105 ist der König bereit, auf die Investitur mit Ring und Stab zu verzichten, aber nicht auf das homagium.

 

Erst besiegt er jetzt 1106 Robert in der Schlacht von Tinchebrai und erobert damit die Normandie. Robert verbringt nun den Rest seines Lebens als gut behandelter Gefangener auf englischen Burgen.

 

Nach diesem Machtzuwachs des Königs empfiehlt Papst Paschalis Anselm, das homagium hinzunehmen. Anselm zögert zunächst. 1107 wird dann der jahrelang mit den Päpsten schwelende Konflikt um die Investitur der Bischöfe im Vertrag von Westminster zwischen Anselm und Heinrich beendet. In Zukunft wählen die Domkapitel in Anwesenheit des Königs in der königlichen Kapelle den Bischof, der König verzichtet auf die Investitur mit Ring und Stab. Nach der Wahl leistet der Bischof dem König den Lehnseid, ein homagium führt keine Kirchenstrafe mehr nach sich, und danach wird der Bischof geweiht. Tatsächlich werden dann die Elekten das homagium leisten und die geweihten Bischöfe nur noch den Treueid. (Classen in: Investiturstreit, S.424)

In der Praxis ändert sich wenig: Die Könige setzen weiter meist, wo ihnen das wichtig ist, ihre Gefolgsleute als Bischöfe durch

 

Heinrich erneuert die alten angelsächsischen Gerichte der Grafschaften und Hundertschaften. Pleas of the crown betreffen Tötungsdelikte, Raub, schweren Diebstahl, Vergewaltigung und Brandstiftung und führen zu größeren königlichen Einnahmen. Sie werden zunehmend von herumreisenden justices in eyre behandelt. Darunter gibt es weiter Hundertschaftsgerichte und die der honours, also in den hohen baronialen Herrschaftsräumen und die der manors, der einzelnen Herrenhöfe mit ihren tenants und zunehmend unfreieren villeins.

 

Eine hochdotierte Kanzlei schreibt königliche writs, mit denen regiert und geurteilt wird. Das Amt ist so begehrt, dass Gottfried (Geoffroy) Rufus 1130 dafür erfolgreich 3000 Pfund bietet (Carpenter, S.149)

Der Hofstaat nimmt zu an Raffinement mit einem Träger des königlichen Bettes, einem der zuständig ist für sein Bad. Wichtiger sind die Hüter der Finanzen und der Rechtssprechung, deren erster nach etwa 1110 Bischof Roger von Salisbury wird. Im Schatzamt des Exchequers wird die königliche Finanzverwaltung mit dem Einnehmen, dem Verwahren und dem Ausgeben des Geldes modernisiert. Auf jährlichen Listen verzeichnen die barons of the exchequer, was die Sheriffs an Abgaben einzusammeln haben. Die Einnahmen gehen dann an die königliche  Schatzkammer in Winchester und werden auf zweigeteilten Stöcken (tallies) verzeichnet, von denen der eine Teil an den Sheriff geht.

Im Schatzamt der königlichen Kammer müssen die Sheriffs vor einer Reihe von Mitgliedern des Hofes, der curia regis, zweimal im Jahr über ihre Einnahmen und Ausgaben Rechenschaft mit Hilfe der tallies ablegen. Die Überschüsse sind dann an den königlichen Schatz abzuführen (Sarnowsky, S.92, Carpenter, S.153). Die Vorgänge finden auf einem karierten Tuch statt, dem chequered cloth. Auf pipe rolls werden die Jahres-Abrechnungen der Sheriffs aufgeschrieben. Die erste erhaltene von 1130 ist in heutigem Druck 161 Seiten lang und dokumentiert über 300 königliche writs, die Ausgaben und Schulden der Sheriffs genehmigen.

 

Die Einnahmen aus Landbesitz sinken zwar, machen aber im 12. Jahrhundert  noch den größten Teil aus. Zunehmend mehr Geld kommt aus den königlichen "Forsten" in 25 Counties und von den feudalen Abgaben im Erlebnisfall.

 

Dieser königliche Hof pendelt einmal zwischen England und der Normandie und reist zudem von einer südenglischen Residenz zur nächsten, wozu vor allem Westminster, Winchester, Woodstock und Windsor nun gehören.

 

1111 zieht der König für zwei Jahre in die Normandie, die inzwischen von vielen Seiten bedroht ist. Der junge Sohn des gefangenen Robert, Wilhelm Clito, kann sich dem Zugriff Heinrichs entziehen und flieht an den französischen Hof. Der französische König Ludwig VI möchte die normannische Grenzfestigung Gisor zwischen den beiden Vexin in die Hand bekommen, um die Normandie in seine feudale Abhängigkeit zu bringen. Zu diesem Zweck knüpft er Verbindungen zu jenen normannischen Großen, die keine größeren Ländereien in England erworben hatten. Schon 1110 hat sich die englische Krone Flandern zum Feind gemacht, als Heinrich seine Tochter Mathilda mit Kaiser Heinrich V verheiratet. In der Grafschaft Anjou beginnt im selben Jahr der machthungrige Fulko V seine Herrschaft, der die wiedergewonnene Maine nicht unter englische Oberhoheit stellen mag.

 

1114 und 1121 führt der König Kriegszüge nach Wales gegen walisische und anglonormannische Große dort und Cumberland und Westmorland (wie sie bald heißen werden) werden von der englischen Krone immer mehr vereinnahmt.

In dieser Zeit finden auch Kriegszüge gegen die anhaltende Opposition in der Normandie statt. Dabei kommt es zu einer vorübergehenden Einigung mit dem französischen König: Der lässt Wilhelm Clito fallen und dafür erlaubt Heinrich seinem Sohn Wilhelm, für die Normandie dem Franzosen Mannschaft zu leisten.

Das ist aber bald bedeutungslos, denn 1120 stirbt der legitime Thronerbe mit einer Vielzahl von Baronen und Adeligen beim Untergang des "Weißen Schiffes". Heirncih hat nur die eine Tochter Mathilde, eine neue Ehe mit Adele, Tochter des Grafen von Löwen bleibt kinderlos.

 

1125 stirbt der Salier Heinrich V.. Seine Witwe Mathilde, noch Mitte zwanzig, kehrt an den englischen Hof zurück. Heinrich setzt sie in eher germanischer Tradition als Nachfolgerin in England und der Normandie bei den Baronen durch, der ihre Söhne folgen sollen.

Inzwischen ist Ludwig VI wieder an der Seite von Wilhelm Clito, der ihm für die Normandie und das französische Vexin Mannschaft leistet. Schließlich macht Ludwig ihn noch zum Grafen von Flandern, aber er stirbt dann 1128. Im Gegenzug leitet Heinrich ein anderes Bündnis ein: 1128 heiratet Mathilde Gottfried von Anjou (Plantagenista), der neben Anjou auch über Maine und die Touraine herrscht.

 

1133 gebärt Mathilde einen Sohn, der dereinst der zweite König Heinrich werden wird, aber vorläufig für die Krone noch keine Perspektive bietet. Als er 1135 stirbt, entscheidet sich allerdings eine Fraktion aus Adeligen, Bischöfen und den Bürgern Londons gegen die weibliche Thronfolge und wählt Heinrichs Neffen Stephan von Blois, einen Enkel Wilhelms des Eroberers.

 

König Stephan und Kaiserin Mathilde

 

Nach dem Tod von Heinrich I. 1135 stehen sich die designierte Regentin Mathilde mit ihrem kleinen Sohn Heinrich und auf der anderen Seite Stephan, der Sohn des Grafen Stephan von Blois und der Adela, der Tochter Wilhelms des Eroberers als Nachfolger gegenüber.

Stephan ist Graf von Boulogne und Mortain sowie Herr der baronialen honours von Lancaster und Eye. Sein älterer Bruder Theobald (IV.), Neffe Heinrichs I.,  ist Graf von Blois und Champagne und wird 1135 zum Nachfolger in der Normandie gewählt. Der andere Bruder Heinrich ist Bischof von Winchester.

Als Stephan in Boulogne vom Tod des Königs hört, setzt er schnell über, gewinnt die Londoner für sich, eilt dann nach Winchester, wo er sich des Königsschatzes bemächtigt und sich der Unterstützung von Roger von Salisbury versichert. 21 Tage nach dem Tod Heinrichs wird er von seinem Bruder Heinrich in Westminster gekrönt.

 

Zunächst setzt sich Stephan in England dank des Königsschatzes und der Anmietung erheblicher Söldnerscharen durch. Der immer wieder mal hier mal dort aufflackernde Bürgerkrieg dient Walisern und Schotten aber zu Befreiungsschlägen gegen die anglonormannische Krone. Dabei wird deutlich, wie wenig sich dort bislang das neue Rittertum bereits durchgesetzt hat, welches den Kampf als sportive Betätigung zur Gewinnung von Geld, insbesondere zur Erpressung von Lösegeld versteht. Als Schotten 1138 in Nordengland einfallen, berichtet ein Chronist von Hexham entgeistert:

Alte Männer und Frauen werden entweder mit dem Schwert geköpft und mit Speeren wie Schweine durchbohrt, die für die Tafel bestimmt sind (...) Junge Männer und Frauen, alle, die arbeitsfähig erschienen, wurden gebunden und in die Sklaverei weggeführt. Wenn einige der Mädchen erschöpft vom Tempo der Sklaventreiber zu Boden fielen, wurden sie dort, wo sie hinfielen, zum Sterben liegengelassen. (in; Carpenter, S.16)

 

Heinrich II. verbindet sich und sein Reich 1137 durch die Heirat mit Eleonore von Aquitanien. Er wird von Eleonore acht Kinder bekommen und sie wird in seiner Abwesenheit England regieren.

 

1139 landen die Kaiserin und Robert von Gloucester bei Arundel und setzen sich dann in Bristol fest. Bislang hatte Stephan Barone durch das Vergeben von Land und Rechten auf seiner Seite gehalten, aber nun gerät ihm der auch darum zunehmende Geldmangel zum Verhängnis. Stephan wird besiegt und in Bristol gefangen gehalten. Gottfried von Anjou nutzt die Gelegenheit und fällt in der Normandie ein, setzt aber nie nach England über.

 

141 gewinnt Mathilde die Oberhand und lässt sich von Bischof Heinrich als 'Dame von England und der Normandie' ausrufen. Sie kann sich dann aber in London nicht halten, weil sie an königlicher Besteuerung der Stadt festhält. Als Robert von Gloucester in die Hände der Partei Stephans gerät, werden beide ausgetauscht.

Die Folge des Bürgerkrieges ist Aufstieg der baronialen Macht. Selbst die königliche Münze gilt nur noch für den Süden und Osten, andernorts prägen die Kaiserin oder einzelne Barone ihr eigenes Geld. Ganze Landstriche werden immer mal wieder verwüstet und werden noch am Anfang der Regierung Heinrichs II für Zahlungen an die Krone mangels Wirtschaftsleistung ausfallen. Man kann leicht einen Tag weit wandern und findet niemanden, der ein Dorf bewohnt oder ein Feld bearbeitet (...) Elende Leute sterben Hungers ... (Chronik von Peterborough in: Carpenter, S.177). Immer wieder werden auch Städte überfallen und geplündert. Die allgemeine Verrohung führt dazu, dass sich hohe Adelige öffentlich des Sengens, Brennens und Mordens selbst von Mönchen rühmen.

 

Inzwischen holt König David von Schottland sich anglonormannische Große mit ihrem Gefolge ins Land nach Süden und im Nordne nach Moray ausgedehnte Land, die dort ihre feudalen Strukturen mitsamt Burgenbaus etablieren. David lässt erste schottische Münzen schlagen.

In Wales teilt sich das Land in die drei Fürstentümer von Gwyned, Powys und Deheubarth, die die anglonormannischen Eroberungen zurückgewinnen.

 

1147 macht Stephan seinen Sohn Eustace zum Ritter und kann so einen Thronerben anbieten. Die Kaiserin muss erneut aufs Festland zurückweichen, wo Gottfried längst die Normandie als Erbe Heinrichs erobert hat, und wo der Anjou 1151 stirbt. 1152 wird Heinrich dann Herzog von Aquitanien durch Eleonore, was Ludwig von Frankreich dazu bringt, mit Eustace gegen die Normandie zu kämpfen. 

 

1153 setzt Heinrich nach England über, wo weder er noch Stephan eine entscheidende Mehrheit unter den Großen des Landes finden, die um ihre Gewinne im Bürgerkrieg fürchten müssen. Als dann Eustace im August 1153 plötzlich stirbt und Stephans anderer Sohn Wilhelm bereit ist, auf die Thronfolge zu verzichten, einigen sich Heinrich und Stephan im Vertrag von Winchester darauf, dass Stephan zu Lebzeiten König bleibt und Mathildes Sohn sein Nachfolger wird.

 

Heinrich II.

 

Heinrich II. verbindet sich und sein Reich 1137 durch die Heirat mit Eleonore von Aquitanien. Er wird von Eleonore acht Kinder bekommen und sie wird in seiner Abwesenheit England regieren.

 

Nach dem Tod Stephans 1154 lässt Heinrich sich zum König krönen. Es entsteht das  angevinische Reich, wie es später heißen wird, dessen namensgebendes Kernland Anjou und dessen Zentrum Tours ist. „Frankreich“ besteht derweil aus der erweiterten Krondomäne, der westliche Teil des späteren Frankreich von der Normandie bis zum Mittelmeer ist in den Händen des anglonormannischen Herrschers, der versucht, das alles zusammenzuhalten. Dabei sind England und die Normandie relativ zentralistisch auf den Herrscher ausgerichtet, während die Grafschaften Anjou, Maine und Touraine feudal aufgesplittert sind und die Macht des Landesherren im Poitou und in Aquitanien ausgesprochen schwach entwickelt ist. Aquitanien selbst überlässt der König im wesentlichen der Königin, die ihn trotz vieler Schwangerschaften um 15 Jahre überleben wird.

 

Die Wurzeln des Königs liegen eher im zukünftigen Südfrankreich, wo auch seine Muttersprache herkommt, und wo er in Le Mans geboren wurde. Umso mehr ist er an einer "britischen" Verankerung interessiert.

Der König verlässt sich dabei nicht mehr alleine auf seine sakrale Rolle, sondern beauftragt kurz nach seiner Krönung den anglonormannischen Wace mit einer freien Überarbeitung von Geoffrey von Monmouths 'Historia regum Britanniae', die die Plantagenets als rechtmäßige Nachfolger eines Artus darstellt, einer Art legendärer königlicher Lichtgestalt, wobei Wace dann gleich auch noch eine Tafelrunde und anderes dazu erfindet. Damit wird das Original, welches die Briten auf die Trojaner zurückführt, und einen Artus zum Herrscher auch über Gallien macht, in einen höfischen königlichen Propagandatext umgearbeitet, der für Philipp II. bedrohliche Aspekte enthält. Schon die Historia des Geoffrey war über fast 200 Abschriften schnell auf dem Kontinent verbreitet worden, und hatte zu zahlreichen neuen Texten um die Artussagen geführt.

Auch die Geschichtsschreibung im engeren Sinne ist in England wie auf dem Kontinent eng mit dem Hof verbunden, an dem die Autoren oft eine Weile arbeiten. Heinrich II selbst soll lateinisch und französisch gesprochen und das entstehende Mittelenglisch verstanden haben.

 

Zunächst muss Heinrich die Verwüstungen des jahrzehntelangen Bürgerkriegs beseitigen. Inzwischen neuerrichtete Festungen werden in Feldzügen gegen Hochadel geschleift und königlicher Grundbesitz wird wiederhergestellt. In den 50er Jahren werden auch die nordenglischen Festungen und insbesondere Carlisle vom schottischen König zurückgewonnen. Über 21 000 Pfund werden während seiner Herrschaft für den Neubau königlicher Burgen ausgegeben. Die ausländischen Söldner werden ausgewiesen. Im Laufe seiner Regierung schafft der König die Hälfte aller Earldoms ab, und die meisten, die bleiben, werden zu reinen Ehrentiteln. An ihre Stelle treten königliche Justiziare und darunter wieder die Sheriffs, die nun die königliche Macht in den Counties wieder ausüben.

 

Finanzverwaltung und Gerichtswesen werden reformiert und stärker auf den König konzentriert. 1158  erscheint ein neuer königlicher Silber-Pfennig im ganzen Land. Das Steueraufkommen wird im Verlauf der Regierung mehr als verdoppelt und erreicht zusammen mit den Zöllen wieder erheblichen Umfang. Ein großer Einnahmeposten wird auch wieder die königliche Forstverwaltung, die Übergriffe brutal und teuer bestraft. Dazu gehören solche, die auf dem Druck auf das Land durch die erhebliche Bevölkerungsvermehrung in einigen Gegenden beruhen, und andere, die mit Wilderei an den dem König vorbehaltenen Tieren, dem Rotwild und Schwarzwild vor allem, zu tun haben, was mit Verstümmelung oder der Todesstrafe an den Armen geahndet wird.

Die Aufzeichnungen des Exchequers sind seit dieser Zeit erhalten, so wie allgemein sich Schriftlichkeit in der königlichen Verwaltung durchzusetzen beginnt. Überliefert sind im Jahresschnitt rund 120 königliche charters (an alle Untertanen) und writs für Einzelfälle.

 

Der äußerste Norden Englands ist inzwischen schottisch und Wales fast wiederhergestellt. In der Normandie ist die herzogliche Gewalt zunächst erheblich geschwächt und sowohl Gisor wie das normannische Vexin sind in französischer Hand. Schon deshalb wird der König rund 43% seiner Regierungszeit dort verbringen, 37% in Britannien, wie man nachgezählt hat, und 20% im wesentlichen im Anjou, in Maine und der Touraine.

 

1156 leistet Heinrich dem französischen König das homagium, was 1159 zum Problem wird, als er die Grafschaft Toulouse als Teil Aquitaniens für Eleonore zu erobern, dann aber auf den Widerstand nicht nur von Raimund von Toulouse trifft, sondern an dessen Seite auch Ludwig VII findet, gegen den er dann aus feudalem Rechtsempfinden heraus nicht kämpfen darf.

Darauf verheiratet er seine Tochter Eleonore mit König Alfons VIII von Kastilien und verspricht ihm möglicherweise die Gascogne für die Zeit nach dem Tod ihrer Mutter.

Den nördlichen Teil des Herzogtums Aquitanien, das Poitou, versucht er von herzoglichen Burgen aus kontrollieren zu lassen, wobei er lebenslang mit den fast selbständigen großen Adelsfamilien dort, den Lusignan, Thouars, Parthenay und den Grafen von Angoulême um die Macht konkurrieren muss. Schließlich überlässt er die Region als Grafschaft seinem Sohn Richard unter der Aufsicht seiner Mutter und beschränkt sich neben der Normandie selbst im wesentlichen auf die heimatliche Maine und das Anjou.

Seneschalle betreiben die königliche Regierung in den kontinentalen Gebieten, darunter baillis, vicomtes und prévôts.

1160 gelingt es Heinrich, das normannische Vexin und Gisor zurückzugewinnen, aber er muss mehrmals die feudale Hoheit des französischen Königs für die Normandie anerkennen. Von der Normandie aus versucht er, die Macht über die Bretagne zu erringen, und 1166 gelingt es ihm, die Heirat seines kindlichen Sohnes Gottfried mit der Tochter Konstanze des Herzogs Conan zu erzwingen, diesen dann zugunsten der beiden zur Abdankung zu zwingen und eine Art feudale Hoheit über die Bretagne herzustellen.

 

Von Anfang an versucht Heinrich die unter Stephan verlorenen königlichen Rechte über die Kirche wiederzugewinnen: Kontrolle über die Ernennung der Bischöfe, über die Einkünfte verwaister Bistümer und Abteien, Kontrolle über die Kontakte der Bischöfe und Äbte mit Rom.

1162 macht Heinrich seinen Kanzler Thomas Becket zum Erzbischof von Canterbury. Der ist Sohn eines Londoner Kaufmanns, hat in Paris und Bologna studiert, allerdings ohne magisterium, und ist 1155 zum Kanzler aufgestiegen.

1163 kommt es in Woodstock zum Konflikt über Zahlungen Canterburys und weltliche Bestrafung verurteilter geistlicher Herren.1164 wird die alten Gewohnheiten und damit auch die königliche Gerichtsbarkeit über den Klerus in den Konstitutionen von Clarendon schriftlich fixiert,und Thomas Becket flieht auf den Kontinent.

 

1165 wird auf Betreiben Barbarossas die englische Königstochter Mathilde mit Heinrich dem Löwen verheiratet. England unterstützt dann aber ebenso wie Byzanz Mailand beim Wiederaufbau. 1172 wird Heinrich der Löwe selbst Byzanz aufsuchen.

 

1166 werden die Befugnisse der königlichen Gerichte in den Assisen von Clarendon gegenüber den weltlichen Großen ausgebaut. Eine Rebellion in der Bretagne zieht den König auf den Kontinent, wo er vier Jahre bleibt. Derweil konsolidieren walisische Fürsten ihre Reiche gegen die Franzosen (Anglonormannen) im Kontakt mit dem französischen König.

 

Papst Alexander III wendet sich gegen die Konstitutionen, muss aber lavieren angesichts des Konfliktes mit Barbarossa. 1170 lädt Heinrich Thomas zur Rückkehr nach England ein.

Zurückgekehrt verurteilt er die kurz zuvor stattgefundene Krönung des Königssohnes durch den Erzbischof von York und exkommuniziert die betroffenen Bischöfe. Darüber beklagt sich der König bei Hofe in der Normandie ungefähr damit, was für elende Verräter er in seinem Haushalt habe, die erlaubten, dass ihr Herr von einem niedriggeborenen Klerikler mit solch schändlicher Verachtung behandelt werde.

Vier Ritter aus seinem Haushalt halten das für einen Auftrag, versuchen Thomas Becket zu verhaften. Der wehrt sich in der Kathedrale und wird dann totgeschlagen. Allgemeine Empörung greift nun um sich, Thomas wird bald heiliggesprochen. Der Papst kann bald durchsetzen, dass die Konstitutionen aufgehoben werden.

 

1171 setzt Heinrich von Pembroke mit einem großen Heer nach Irland über, eingeladen von einem der konkurrierenden irischen Könige. In den Jahren zuvor waren bereits anglonormannische Große zu kleineren Eroberungszügen auf die Insel aufgebrochen. Damit beginnt die Unterwerfung und Kolonisierung Irlands. Den Iren fehlt es an moderner Rüstung, an Burgen und an Kavallerie.

 

Königin Eleonore ist nach der Geburt Johanns 1166 beim König durch Mätressen ersetzt worden und betreibt nach 1170 ihren eigenen Hof in Poitou

 

Heinrich "der Jüngere" soll England und die Oberhoheit über das gesamte Erbe erhalten. Richard soll ab 1172 Poitou und Aquitanien übernehmen, Gottfried die Bretagne. Heinrichs Sohn und Nachfolger John wird für Irland vorgesehen.

Aber das sind zunächst nur Titel ohne Rechte. Noch vor des Königs Erniedrigung in Canterbury steigert sich die Unzufriedenheit der Söhne.

 

 

März 1173 flieht Heinrich d.J. mit Unterstützung seiner Mutter zu seinem Schwiegervater Ludwig VII nach Paris. Richard und Gottfried folgen ihm. Dabei findet die Rebellion in dem von der königlichen Bürokratie stärker bedrückten England und beim schottischen König mehr Unterstützung als auf dem Kontinent (Gillingham). Eleonore versucht, als Mann verkleidet auf der Seite ihrer Söhne zu Ludwig VII. nach Paris zu fliehen, wird aber verraten, nach England gebracht und dort elf Jahre in der Burg von Salisbury gefangen gehalten.

In dieser Bedrängnis muss der König ein Schuldbekenntnis ablegen und sich zur Buße in Canterbury 1174 öffentlich geißeln. Er wird aber tatsächlich weiter seine Kirche kontrollieren. Wenige Tage später nehmen seine Truppen durch einen Glücksfall Wilhelm von Schottland gefangen, der Nordengland in mehreren Heerzügen verwüstet hat. Damit bricht die Revolte in England zusammen. Im Frieden von Falaise wird Schottland zum Vasallenreich des angevinischen Königs.

Noch im selben Jahr gelingt es ihm, seine kontinentalen Besitzungen zu unterwerfen. Er einigt sich der mit seinen Söhnen auf der Basis der Vergabe einiger kleiner Gebiete an sie. 1177 kommt es auch zur Einigung mit Ludwig VII.

1177 heiratet die jüngste Tochter von Heinrich und Eleonore in Palermo König Wilhelm II. beider Sizilien und wird gleich auch zur Königin gesalbt. Inzwischen wird Johann designierter König von Irland.

 

In der Spätzeit der Herrschaft Heinrichs setzt sich auf dessen Anweisungen das Common Law, allgemeines Recht für das ganze Königreich durch. Dieses betrifft beim König von den kleineren tenants, der zukünftigen Gentry eingeforderte Rechtsfälle, die von den reisenden Richtern (justices on eyre) mit Hilfe von Juries aus Rittern und Gentry entschieden werden. Sie betreffen vor allem Eigentumskonflikte, wobei diese abschließend von grand assizes entschieden werden, während sich petty assizes vor allem mit der Anklage von Rechtsbrüchen beschäftigen wie der Nichtanerkennung von Erbschaften im mort d'ancestor und den Wegnahmen (seisin) von Land durch Herren vor allem wohl als Strafmaßnahme, den novel asseisins. Der Betroffene kann gegen eine nicht allzugroße Gebühr einen writ des Königs anfordern, der einen Sheriff beauftragt, eine Jury von zwölf freien und rechtschaffenen Männern zusammenzustellen, die dann in Anwesenheit des königlichen Richters zusammentritt. Im Zweifelsfall wird dann bis Anfang des 12. Jahrhunderts mit Gottesurteilen (ordeals) operiert. Immerhin können nun freie Männer, also etwa die Hälfte der männlichen Erwachsenen, erhebliche Konflikte mit ihren Herren in Gerichten austragen, die diese nicht direkt beherrschen. Die private Gerichtsbarkeit wird so geschwächt.

 

Allgemein (common) wird dies Recht einmal dadurch, dass Richter durch lange Amtszeiten hindurch an vielen Stellen des Landes amtieren und Fälle zudem zunehmend auf plea rolls festgehalten werden. Dabei handelt es sich so um Gewohnheitsrecht und nicht um eines, welches primär königlicher Gesetzgebung entspricht. Andererseits entspringt es so ungebrochen den Verhältnissen feudaler Machtstrukturen im Kleinen.

Daneben existiert die Gerichtsbarkeit der Herren auf ihren manors weiter, und das uneingeschänkt für die unfreien Bauern, und die Konflikte der Barone untereinander werden weiter unmittelbar vor dem König oder seinem Justiziar ausgetragen, wobei dort sicher Patronage und Korruption eine (noch) größere Rolle spielt als auf der mittleren Ebene.

 

Als Richard im Süden immer mächtiger wird, verbünden sich seine Brüder gegen ihn. Heinrich II möchte Sohn Johann mit Aquitanien versorgen, da der an der Rebellion als kleines Kind nicht teilgenommen hatte. Johann zieht nun aus, sein Königreich Irland einzunehmen, welches sich in direkt vom König regierte Gebiete, die königlichen Lehen anglonormannischer Großer und die übriggebliebenen einheimischen Königreiche teilt.

 

1180 stirbt Ludwig VII und ihm folgt der fünfzehnjährige Philipp Schon 1183 stirbt der jüngere Heinrich nach erneuten Konfkiten mit Richard und dem König. 1186 stirbt Sohn Gottfried auf einem Turnier, worauf Philipp II. die Bretagne für dessen Sohn Arthur fordert.

Nach 1186 verlangt Richard immer deutlicher die Thronfolge, wofür er die Aquitaine an John abgegeben müsste, was er ablehnt. Nach dem Fall Jerusalems nehmen er und Philipp das Kreuz. Ende 1188 anerkennt der französische König Richard als Erben der angevinischen Besitzungen. Heinrich II scheitert militärisch gegen die beiden und stirbt 1189 in Chinon, worauf er in Fontevraud begraben wird.

 

Richard I Löwenherz

 

Sohn Richard betreibt schon früh konsequente Imagepflege als edler Ritter, indem er seinen Hof mit Liedermachern wie dem Troubadour Bertran de Born umgibt, der ihn selbst in den Himmel lobt und Philipp II. von Frankreich schmäht. Schon vor seiner Thronbesteigung 1189 spricht Gerald von Wales vom löwenherzigen Prinzen. Vielleicht noch auf einen Auftrag seines Vaters zurückgehend, wird in ungenierter Geschichtsfälschung bei Ausgrabungen in Glastonbury nicht nur der Leichnam von Artus und Guinevere gefunden und neu aufgebahrt, sondern Richard kommt auch in Besitz des Artus-Schwertes Excalibur, welches er dann laut Roger von Howden demonstrativ immer mit sich führt, bis er es in Sizilien auf dem Kreuzzug an König Tankred verschenkt.

 

Diese Imagepflege wird sich auszahlen, denn es gibt Anzeichen, dass unter ihm bei stärkerem Abgabendruck die baroniale Opposition geringer ist. Schon die prächtige Krönung in Westminster unter Beisein der Großen des Landes wird ein großes Jubelfest, an dem sich Bürger der Stadt mit Diensten und öffentlicher Präsenz darbieten. Wie auf dem Kontinent erweist sich ein Großteil der großstädtischen Bevölkerung als Mob, als leicht bewegbarer Pöbel, der den Jubel mit einem Pogrom gegen die Londoner Juden noch steigert, bei dem viele abgeschlachtet und ihre Häuser in Brand gesetzt werden. Im nächsten Jahr setzen sich diese Pogrome in vielen englischen Städten fort, unter anderem in Bury St.Edmunds, Norwich und Lincoln. In York flieht die jüdische Gemeinde von etwa 150 Leuten ins königliche Schloss, wird dort ausgehungert und ein Teil begeht Suizid, die anderen bieten Konversion an und werden trotzdem umgebracht.

 

Richard I verbringt nur etwa ein halbes von zehn Jahren selbst in England. Die Regierung dort übernimmt neben Eleonore und dem Kanzler Hubert Walter (von Rouen), der erst das Schatzamt verwaltet, dann durch Richard Bischof von Salisbury und Begleiter des Königs auf dem Kreuzzug wird. Nach seiner Rückkehr wird er Erzbischof von Canterbury, Organisator der Lösegeldzahlungen und Justiziar für England. Wichtigste Aufgabe wird es, die knapp 14 Earls und unter ihnen rund 165 Barone unter Kontrolle zu halten, was bei den steigenden Abgabeverpflichtungen nicht leichter wird.

 

Schon bevor Richard in England ankommt, sorgt er für die Freilassung seiner Mutter.In England kümmert er sich vor allem um die Finanzierung seines Kreuzzuges, unter anderem, indem er Sheriffstellen, wardships, Erbschaften  und Burgen gegen überhöhtes Geld vergibt. Der Unterstützung von Bruder John, bereits Herr von Irland und Graf von Mortain, versichert er sich, indem er ihn noch zum Earl von Gloucester macht und ihm praktisch sieben englische Counties und viele königliche Burgen anvertraut. Alles stand zum Verkauf offen, Grafschaften, Sherifftitel, Burgen und Herrensitze, schreibt Roger von Howden (in: Carpenter, S.147).

Nur wenige Monate nach der Krönung begibt sich Richard auf den Kreuzzug, vor dem er noch Aquitanien bereist und seine Heirat mit Berengaria, Tochter des Königs von Navarra arrangiert.

 

Der alte Friedrich Barbarossa ertrinkt im Saleph, Philipp II. zieht wie Richard nach Sizilien und von dort direkt ins "Heilige Land". Richard greift auf Sizilien in die Probleme der Nachfolge des verstorbenen Königs Wilhelms II. ein, indem er die Schwester Johanna befreit. Er erzwingt auch eine erhebliche Entschädigungszahlung für Johannas von einem Tankred konfisziertes Witwengut, dass er in den weiteren Kriegszug investiert. Es kommt zu Konflikten mit der sizilisch-normannischen Oberschicht, die zur anglo-normannischen Eroberung von Messina führen.

Derweil hat sich Richard mit diesem Tankred darauf geeinigt, das Arthur dessen Tochter heiraten und Nachfolger Richards werden soll. Die Verärgerung Johanns darüber wird ihn in den Aufstand treiben.

 

Richard fährt danach mit seinem Heer erst nach Zypern, das er unter einem Vorwand angreift und mit Hilfe von Guido von Lusignan erobert, der einst hier König war, bevor es 1184 byzantinisch wurde. Im Poitou sind die Lusignans mächtige Lehnsleute Richards. Richard macht offenbar nach Sizilien auch auf Zypern reiche Beute, mit der er den weiteren Kriegszug finanziert.

 

Den französischen König stößt Richard vor den Kopf, als er nun nicht Philipps Schwester Alice (Alix) heiratet, die schon vom Vater für ihn vorgesehen war, sondern im Mai 1191 auf Zypern die Prinzessin Berengaria von Navarra. Alice war Geliebte Heinrichs II gewesen und traf darum auf die erhebliche Gegnerschaft von Eleonore, die Berengaria nun nach Messina begleitet, von wo aus Richards Schwester Johanna sie nach Zypern bringt..

 

Richard Löwenherz lässt sich auf dem Kreuzzug vom normannischen Trouvère Ambroise begleiten, der in seiner 'Histoire de la Guerre Sainte' den König in glühenden Farben schildert. Der König tut sich vor Akkon mit dem Massaker an rund 3 000 muslimischen Geiseln hervor und zeigt, dass ritterliche Art und überbordende Grausamkeit zwei Seiten derselben Medaille sein können. In dieser Zeit nennt ihn Ambroise preuz reis, le quor de Lion, das Löwenherz also.

 

Schwester Johanna und Gemahlin Berengaria begleiten Richard. Bevor es zu größeren kriegerischen Handlungen kommt, soll er Johanna dem Bruder Saladins als Gemahlin angedient haben, was den weiteren Verlauf des Kreuzzuges sehr geändert hätte.

 

Nach dem Fall von Akkon kommt es zu einem Streit über die Beute, die Engländer und Franzosen alleine für sich beanspruchen, wobei Richard das Banner Leopolds V. von Österreich in den Burggraben werfen lässt und diesen so demütigt. Bekannt wird außer dem ritterlichen Draufgängertum auch die Grausamkeit Richards, der in Akkon 3000 Gefangene enthaupten lässt

 

Nachdem Philipp II. nach Hause zurückgekehrt ist, kontrolliert Richard das Geschehen im "heiligen" Land. Nachdem Assassinen den Thronanwärter dort ermordet haben, heiratet Heinrich von Champagne durch Vermittlung Richards I die Witwe und der andere Prätendent Guido von Lusignan  die Herrschaft über Zypern. Zunächst hatte Richard dieses für 100 000 sarazenische Besants an die Tempelritter verkauft, die dann versuchten, den Batzen des Geldes aus der Bevölkerung schnell herauszupressen, was zu einem Aufstand und einem Massaker an den Griechen dort führt. Darauf gibt der Orden die Insel zurück und Richard verkauft sie wohl noch 1192 an Guido. Der und sein Nachfolger Amalrich, dem Heinrich VI. 1196 den Königstitel verleiht, sind indirekt Lehnsleute des Kaisers.

 

Jaffa und Askalon können eingenommen werden, Jerusalem hingegen nicht, danach schließt Richard Anfang September in Jaffa mit Saladin einen dreijährigen Waffenstillstand. Die Christen behalten Jaffa und bekommen freien Zugang zum weiter islamisch kontrollierten Jerusalem.

 

Auf dem Rückweg verweigert der französische König Richard die Durchreise und so zieht der verkleidet durch Österreich. Im Dezember 1192 gerät Richard in die Gefangenschaft erst Leopolds von Österreich und dann Heinrichs VI. Im März 1193 spricht ihn das Fürstengericht von Speyer von den vorgeschobenen Anklagen des Kaisers frei. Der lässt ihn aber nicht gehen, sondern rechtfertigt schließlich sein Verhalten mit der Behauptung, einen Frieden zwischen Richard und Philipp vermitteln zu wollen, wofür er Bezahlung verlange.

 

Johann nutzt die Gelegenheit, behauptet, sein Bruder sei tot, leistet Philipp den Lehnseid und verspricht, Alice zu heiraten. Philipp, vorzeitig vom Kreuzzug zurückgekehrt, erobert das als Mitgift vorgesehene Vexin und greift die Normandie an. Als für den König 1193 zwischen hundert- und hundertfünfzigtausend Mark Silber gezahlt werden, zeigt sich nicht nur die Stärke des englischen Fiskalsystems, sondern überhaupt, welche Reichtümer inzwischen in den Oberschichten versammelt sind. Dazu kommt, dass das Geld nicht wie üblich in Raten, sondern auf einmal gezahlt werden muss. Dieser Reichtum spiegelt sich in der Aufbewahrung von immer mehr Besitzurkunden in der königlichen Schatzkammer.

Für die Zeit wird geschätzt, dass ein deutscher Ritter ein durchschnittliches Jahreinkommen von 100 Silbermark haben mag.

 

Im April 1193 fällt Gisors an Philipp. 1194 ist der König nach seiner Freilassung noch einmal für zwei Monate in England, wo er neue Geldquellen erschließt, danach kämpft er unentwegt auf dem Kontinent.

Wilhelm von Schottland gelingt es, sich vom englischen König zu lösen. Dafür beteiligt er sich am Lösegeld für Löwenherz. Er vergibt immer mehr fiefs an anglonormannische Große und sorgt so für zunehmend feudale Strukturen. Von Schotten wird er und sein Hof für französisch gehalten und vertritt französisch-ritterlich-höfische Lebensart.

 

Mit der Errichtung von Château Gaillard gelingt ihm die Rückeroberung des Vexin. Allerdings führen die hohe Besteuerung seit der Lösegeldforderung und die immer höheren feudalen Fallabgabendie zu massiven Protesten in England, die schon auf die Forderungen der Barone von 1215 verweisen.

 

Die Erfolge Richards gelingen allerdings nicht im großen Feldzügen oder Schlachten, sondern in einem Kleinkrieg um Burgen und Verwüstungszügen über Land. Flandern wird durch ein Embargo des Wollexportes auf den Kontinent 

1196 gibt Philipp ihm einen Großteil der von ihm annektierten Gebiete im Vertrag von Louviers zurück. Schwester Johanna wird mit Raimund VI. von Toulouse verheiratet und großzügig ausgestattet. Nach einem Aufstand der Vasallen gegen sie (ihr Gemahl ist gerade abwesend) flieht sie nach Fontevraud, wo sie 1199 auch begraben wird.

 

Im März 1199 stirbt Richard im Limousin an einer Pfeilwunde bei einem Inspektionsgang während der Belagerung einer Burg des Grafen von Limoges. Er stirbt an seinem ritterlichen und wenig königlichen Draufgängertum. Auf dem Totenbett designiert er Johann als seinen Nachfolger, während Philipp den Gottfried-Sohn Arthur unterstützt. Mutter Eleonore begleitet seinen Leichnam nach Fontevrault.

 

Johann ("Ohneland")

 

Johann kann sich in der Normandie durchsetzen und lässt sich im Mai 1199 mit 33 Jahren in England krönen. Mai 1200 erhält er vom französischen König im Vertrag von Le Goulet fast alle seine Herrschaften gegen eine Zahlung von

20 000 Mark Silber bestätigt. Arthur behält die Bretagne als fief von Johann als Herzog der Normandie. Dafür verzichtet er auf das Bündnis mit Kaiser Otto Welf und dem Grafen von Flandern.

Mit der Archivierung von Korrespondenz und Urkunden und der Registrierung der abgeschickten Korrespondenz zieht die englische Krone inzwischen mit ähnlichen Vorgängen in Frankreich gleich und damit auch ein Stück weit mit der päpstlichen Verwaltung.

 

Inzwischen macht Arthur von der Bretagne ihm den Thron streitig, nimmt Eleonore kurz gefangen und wird dann seinerseits von Johann gefangen genommen. Dann entführt und heiratet Johann im August 1200 Isabelle von Angoulême, die bereits Hugo von Lusignan versprochen war. Anstatt ihn zu entschädigen, versucht Johann ihn einzuschüchtern. Die Lusignans appellieren an das Gericht ihres feudalen Herren Philipps II., und da Johann nicht erscheint, werden ihm 1202 alle französischen Lehen entzogen. Damit hat der französische König nun einen Rechtstitel zur Eroberung der kontinentalen Herrschaften des englischen.

 

Zunächst gelingt es Johann im Juli 1202, Arthur, die Lusignans und seine Gegner im Poitou gefangen zu nehmen. Dafür verärgert er seinen wichtigsten Mann im Anjou und Philipp gewinnt dadurch Maine und Anjou.

Die vermutlich von ihm veranlasste Ermordung von Arthur nimmt Johann dann viel Unterstützung bei den Baronen auf dem Kontinent. Die Bretagne und Teile der normannischen Großen wenden sich von Johann ab. Seine Söldner in der Gegend von Falaise plündern die Gegend als ob sie in Feindesland wären (Leben des William Marshal). Sie sorgen so für weitere Verärgerung unter den Normannen. Nach einem halben Jahr Belagerung im Winter kapituliert Château-Gaillard und wenige Monate später Rouen. Damit ist die Normandie für Johann verloren. Im Sommer folgt Poitiers und im folgenden Jahr Chinon und Loches.

 

Von 1204 bis zum Waffenstillstand 1206 unterliegt Johann weiter gegen Philipp II. und behält bloß noch die Gascogne.. Mit dem Verlust der Normandie und von Anjou verliert das im wesentlichen "französische" angevinische Reich sein Kerngebiet und es verliert die Hälfte seiner Einkünfte, während der französische königliche Haushalt etwa 70% zunimmt. Damit beginnt die Geschichte des englischen Königreiches recht eigentlich erst, welches sich darauf für Jahrhunderte immer stärker auf die Kontrolle über Irland, Wales und Schottland konzentrieren wird, wiewohl die Rückeroberung von Gebieten des ehemaligen Galliens Thema bleibt, jetzt aber aus einer eher „englischen“ Perspektive heraus gesehen.

 

In England versucht Johann die Zügel königlicher Machtentfaltung anzuziehen. Die Königliche Gerichtsbarkeit wird ausgeweitet und die Finanzverwaltung intensiviert. Dabei können die enormen Summen, die Johann nun für die Rückgewinnung der Normandie braucht, nach der Verschleuderung königlicher Domänen nicht mehr primär von daher kommen, und Steigerungsraten sowieso nicht mehr über Abgaben, die auf Land beruhen. Die Sheriffs sollen nun mehr aus den Counties herauspressen, John gewinnt enorme Summen aus Abgaben von der Kirche, aus außergewöhnlichen tallages von den Juden (44 000 Pfund im Jahr 1210), aus dem Forest Law und aus massiv erhöhten feudalen Abgaben der Barone auf den Ereignisfall wie die Erlaubnis von Witwen, den Mann ihrer Wahl oder aber gar nicht zu heiraten. Schließlich müssen Barone vor dem königlichen Gericht erhebliche Summen aufbieten, um zu dem zu kommen, was sie für ihr Recht halten. Dazu kommt 1207 eine allgemeine Steuer von 13% auf Renten und mobilen Besitz (Getreide, Vieh), die 60 000Pfund einbringt.

Viele Barone verschulden sich und erleben das Ganze als Unterdrückung. Mit ihrer Unzufriedenheit kommen mehr Aufsteiger ins Umfeld des Königs und zudem mehr "Fremde", Leute aus der Touraine zum Beispiel.

 

Juli 1205 stirbt Hubert Walter. Mönche von Canterbury entscheiden sich für einen Kandidaten, John für den königstreuen Bischof von Norwich. 1205 lehnt Papst Innozenz beide ab und bestimmt Stephen Langton, der zwanzig Jahre als Schüler und Lehrer an Pariser Schulen tätig gewesen war, was wohl mit zu Johanns Misstrauen beiträgt. Der Papst macht ihn darauf zu einem seiner Kardinäle.

Vom März 1208 bis 1214 lastet dann das Interdikt von Papst Innozenz mit seinem Aussetzen des kirchlichen Lebens auf England. Keine Kirchenglocke läutet im Land. Kein Gottesdienst, keine kirchlichen Feiertage, keine kirchlichen Begräbnisse. Nur Taufe und Toten-Beichte finden noch statt. Eigentlich hätten aus der Sicht Roms auch keine Eheschließungen stattfinden können, denn die Kirche ist gerade dabei, die in ihre Kirchengebäude zu verlagern. Tatsächlich finden sie außerhalb weiter statt, als schlichtes gegenseitiges Eheversprechen, wie schon immer. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts wird das Parlament die Engländer darauf verpflichten, kirchlich zu heiraten. Übrigens lässt sich an den Dokumenten der Zeit ganz gut ablesen, dass die Engländer auch (fast) ohne Kirche recht gut zu Rande kommen: Es gibt kaum Forderungen an den König, sich mit dem Papst besser zu stellen, damit das Interdikt wieder aufgehoben würde.

König John profitiert auch gerne davon, denn er konfisziert die Einnahmen der Priester, da diese seiner Ansicht nach jetzt ihre Arbeit weithin nicht täten. 1209 wird er dafür vom Papst als höchste Kirchenstrafe exkommuniziert. Er gilt ohnehin nicht als frommer Mensch. Fast alle Bischöfe widersetze sich ihm allerdings und viele gehen ins Exil.

 

1209 hört Johann von der Absicht des schottischen Königs, eine seiner Töchter mit dem französischen König zu verheiraten, marschiert dort ein und zwingt König William, ihm seine Töchter herauszugeben, deren eine er mit seinem ältesten Sohn verheiratet. William muss nun außerdem 10 000 Pfund zahlen und Schottland wird eine Art englisches Klientel-Königtum.

Irland liefert dem König jährlich rund 1000 Pfund und die anglonormannischen Barone dort werden in einem Feldzug mit großem Heer 1210 entmachtet. Die walischen Könige werden mit Gewalt unter englische Oberhoheit gestellt.

 

1212 ist Johann mit Kaiser Otto Welf und dem Grafen von Boulogne verbündet und versammelt eine Flotte in Portsmouth. Als er erfährt, dass Llewelyn an der Spitze der Waliser sich mit dem französischen König verbündet, will er sich gegen ihn wenden. Nun rebellieren einige Barone, im Kern wegen ihrer Ausplünderung durch den König, vordergründig auch, weil John es mit ihren (dafür willigen) Frauen getrieben hat. 

 

Das Gerücht geht, der Papst wolle Johann absetzen. 1213 sind die Vorbereitungen zum „französischen“ Angriff von Philippe Augustes ältestem Sohn Louis  abgeschlossen: Eine Invasionsflotte ist gegen England versammelt, Truppen sind beisammen. Es droht die nächste Eroberung der britischen Inseln. Deshalb unterwirft sich König Johann Papst Innozenz II in einer pompösen Zeremonie vor vielen Baronen, quasi seinem Canossa, ruft Stephen Langton im Mai zurück und erklärt England und Irland zu päpstlichen Lehen. Zum Lohn hebt Innozenz die Exkommunikation auf und befiehlt dem französischen König mit Erfolg, seinen Invasionsversuch abzubrechen.

Der wichtigste Akt der Einsetzung eines Königs bis ins hohe Mittelalter ist nicht die Krönung, sondern die Salbung. Mit ihr wird der Herrscher von Gott mit der Herrschaft beauftragt. Die Approbation von Kaisern (aus deutschem Geschlecht) war zudem die Krönung in Rom durch den Papst. Aber mit dem Aufstieg der päpstlichen Macht gewinnt dieser auch den Einfluss auf das Königtum, denn die Salbung oder Ölung wird immer von hoher Geistlichkeit vorgenommen.

Der Konflikt mit den Baronen eskaliert entsprechend, als der König sich öffentlich gegenüber dem Papst demütigt und zugleich der Eindruck entsteht, er verzichte aus Schwäche auf die elementaren Kronlande im heutigen Frankreich.

 

Ende Mai 1213 zerstören der Earl von Salisbury und der Graf von Boulogne die französische Flotte bei Damme. Nachdem Johann nun ein Bündnis mit dem flämischen Grafen erreicht hat, segelt er Anfang 1214 mit großem Schatz und vielen bezahlten Rittern nach Poitou. Derweil sollen Kaiser Otto Welf, die Grafen von Flandern und Boulogne und der Earl of Salisbury von Norden angreifen. Der Angriff vom Süden scheitert nördlich von Angers und Johann wird nach La Rochelle zurückgeworfen.

Am 27. Juli 1214 triumphiert der französische Philipp II. mit etwas Glück im Rücken in der Schlacht von Bouvines über die Verbündeten von Johann, insbesondere den deutschen König Otto IV. Welf.

 

Der englische Kronschatz, inzwischen auch wegen Finanzierung solcher Verbündeter bereits aufgebraucht, lässt sich nicht mehr weiter durch einfache Willkürakte füllen. Darauf wissen die anglonormannischen Barone altnordfranzösischer Sprache, dass ihre große Stunde geschlagen hat. Die Schwäche der Zentralgewalt ist die Stärke der dezentralen Mächte.

Als Peter de Roches, königlicher Justiziar und Bischof von Winchester, versucht, in Nordengland bei den nicht mitbegzogenen Baronen die scutage einzuziehen, lassen diese das insbesondere in Yorkshire nicht zu. Stattdessen bitten sie den Papst um Unterstützung.

 

Es geht um  Geld, aber auch um das, was die Barone für ihr hergebrachtes Recht halten. Die drei heiligen Eide, die der "englische" König bei seiner Einsetzung schwören muss, enthalten neben dem Schutz der Kirche auch die Wahrung des Rechtes, d.h. der Rechte im Plural, und das Abstellen von altem Unrecht. Das richtet sich natürlich vor allem an die bei der Inthronisation anwesenden Magnaten, die regionalen Machthaber, die bald in Absatz 14 der Magna Carta von 1215 als "Erzbischöfe. Bischöfe, Äbte, Grafen und Barone" aufgezählt werden.

 

Die moderne parlamentarische "Demokratie" wird dann nicht altgriechischen, sondern englischen Ursprungs sein. Der Name täuscht auch in dieser Hinsicht. Das Wort stammt ohnehin nicht von den Polit-Reformern der attischen Polis des fünften vorchristlichen Jahrhunderts, sondern von ihren Gegnern, die mit der "Herrschaft der demoi" diese kritisieren (Aristoteles), verunglimpfen bzw. verspotten (Aristophanes) wollten. Der Demos war eine lokale und politische Einteilung der attischen Bevölkerung, nicht "das Volk". Demokratie als Schimpfwort meinte, dass die Polis, der Stadtstaat Athen, jetzt denen ausgeliefert sei, die es nicht konnten, bzw. dass sie den „Staat" den rhetorisch versierten Demagogen auslieferten. Die Wiederaufnahme des Begriffs „Demokratie“ im 19. Jahrhundert ist sowieso ein erstaunliches Phänomen, Vorläufer war einmal die „Republik“ gewesen, die als res publica den öffentlichen Bereich in Rom meinte, im Gegensatz zu den res privata. Der andere begriffliche Vorläufer war die konstitutionelle Monarchie, eine Variante der „gemischten Staatsform“, wie sie zwischen Aristoteles und Montesquieu formuliert wird, genau das, was die „Glorreiche Revolution“ von 1688 auf den britischen Inseln hervorbringt.

 

Es kommt zu Treffen beider Seiten, in denen sie gegenseitig verhandeln, drohen und fordern. König John verspricht einen Kreuzzug und bekommt dadurch die Unterstützung des Papstes gegen die Barone. Er leiht sich Geld, und mietet sich dafür Söldner aus Flandern und dem Poitou. Man fordert als Basis die Krönungscharta von Heinrich I. Dann will man sich Ende April in Oxford treffen. Die walischen Kleinkönige verbünden sich mit der baronialen Opposition und Langton weigert sich, die Barone zu exkommunizieren. Anstatt nach Oxford zu kommen, versammeln sie eine "Armee Gottes und der heiligen Kirche" in Stamford (Lincolnshire). Immer mehr Barone auch des Südens schließen sich an.

 

Obwohl Johann ihr einen Bürgermeister zugesteht, öffnet die Stadt London der Armee der Barone am 17. Mai ihre Tore. Dafür werden ihr und anderen großen Städten in der Magna Carta ihre städtischen Freiheiten neu verbrieft werden (§13) - und zudem die Freizügigkeit der Kaufleute.

Am 10. Juni wird ein Waffenstillstand geschlossen, um ausführlicher auf und in der Nähe der Wiese von Runnymede bei Windsor zu verhandeln. Inzwischen redet niemand mehr von Heinrichs I. Charta und stattdessen tauchen 49 baroniale Positionen auf. Der König übernimmt nun die Initiative und legt selbst eine königliche Carta vor.

 

Diese später so genannte Magna Carta von 1215 ist das früheste, Rechtstaatlichkeit andeutende Dokument im Abendland nach dem Untergang des römischen Imperiums, obwohl es wenig richtige Neuerungen sondern eher Präzisierungen enthält.

 

Wenn der nunmehr de facto nur noch englische König, der sich übernommen hat und inzwischen pleite ist, Steuern oder scutages erheben will, braucht er die Zustimmung dieser Mächtigen (tenants-in-chief). Aus deren Zusammentreffen entsteht später in kleinen Schritten in England die erste Vorform eines "Parlaments" (Magna Carta, §12-14). Es wird vom König einberufen, wenn er Geld braucht und nicht die Macht hat, es sich einfach von den Untertanen oder externen Kriegsgegnern zusammen zu plündern.

 

Die Carta erklärt die Freiheit der Kirche, indem sie den Schutz ihrer Freiheiten garantiert. (§1). Dann erklärt sie ausführlich den Schutz des Eigentums, aufgegliedert in eine Vielzahl von Einzelfällen (§2-11). Am Ende steht die Reform des Reiches, Reform meint hier noch Wiederherstellung vor allem und die ausführliche Reform der Justiz (§17-45): Jeder hat das Recht, sich an die Krone zu wenden, um Recht zu bekommen. Das Gericht in Westminster soll nun dauerhaft arbeiten.Der König verpflichtet sich dabei zur Entsendung von Juristen, die regelmäßig viermal im Jahr regionale Gerichtsverhandlungen (Assisen) abhalten. Die wenden überall dasselbe tradierte Recht an, das "Common Law". Der König verpflichtet sich, nicht mehr zuzulassen, dass jemand sich sein Recht erkauft oder es ihm verweigert wird (§40).

 

Die königlichen Sheriffs müssen Geschworene in der Jury für diese Verhandlungen versammeln. Leute von Stand müssen von Standesgenossen, den "Peers" abgeurteilt werden. Damit schwindet das von der Reform-Kirche eh abgelehnte barbarische "Gottesurteil" zugunsten des Geschworenen-Urteils. Die Rolle der Folter wird wenigstens nach und nach abgeschwächt.

 

Im Anschluss an Vorstellungen wie die in dem 'Polycraticus' des Johannes von Salisbury wird zunächst auch eine Art Widerstandsrecht gegen einen tyrannischen König eingefügt, welches aber schnell wieder aus den nächsten Versionen verschwindet. Immerhin setzt sich in England nun zunehmend die Vorstellung durch, dass "Willkür" des Monarchen inakzeptabel sei. Die feudalen Gebühren für das Erbe eines feudums werden in akzeptabler Höhe (100 Pfund) festgesetzt und entsprechend moderat sollen in Zukunft die wardships sein. Witwen sollen ohne Gebühren erben können und dürfen nicht mehr zur Widerverheiratung gezwungen werden. Der Prozess des Abbaus feudaler Strukturen setzt ein und wird sich bis in die Neuzeit hinein fortsetzen. Dabei steigt die Bedeutung der Ritter in lokalen Aufsichtsaufgaben und bei der Besetzung der petty assizes.

Zahlreiche "Willkürakte" des Königs sollen rückgängig gemacht werden und in Runnymede beginnt man mit den ersten etwa fünfzig. Dasselbe gilt für lokale Übergriffe, für die jeweils ein Komitee aus zwölf Rittern zuständig ist.

 

Im Kern ist das genau die Form, in der Friedrich Barbarossa zunehmend die Entscheidungsfindung im Kreis seiner Fürsten praktiziert. Und: Der König unterliegt demselben Recht wie alle anderen.

 

Die Doppelklausel der Magna Carta, die (a) die Erhebung neuer bzw. zusätzlicher Abgaben durch den König von der Zustimmung der weltlichen und geistlichen Mächtigen im Land abhängig macht, und die (b) die Zustimmung in einer Versammlung derselben (die sie stärker macht) einzuholen sich verpflichtet, . Darum sei sie hier wörtlich zitiert (in meiner Übersetzung): Und um den gemeinsamen Ratschlag des Reiches für die Festsetzung einer Hilfsleistung (aid) oder einer Schildsteuer (scutage) zu erhalten, werden wir Erzbischöfe, Bischöfe, Äbte, Grafen und mächtigere Barone einzeln durch Schreiben einberufen (...) Und wenn die Einberufung so geschehen ist, soll dies Geschäft an diesem Tag so vor sich gehen, wie es die Anwesenden beratschlagt haben, selbst wenn nicht alle Einberufenen anwesend sind.

 

Ein Wesenszug der Carta ist, dass sich die Barone im Kern auch gefallen lassen müssen, was sie dem König aufzwingen: Zumindest theoretisch tritt auch für die Barone das in Kraft, dass Willkür durch Verrechtlichung abgelöst wird. Damit wird im englischen 12. Jahrhundert dann jene Tendenz zur "Entfeudalisierung" eintreten, deren Ergebnis im 13. Jahrhundert englische Historiker dann als "bastard feudalism" bezeichnen.

 

Das Ganze ist nur eine kurze taktische Wendung des Königs, der diese Einschränkung königlicher Macht nicht hinnehmen möchte und Mitte Juli zum Gegenangriff vorgeht. Er bittet Innozenz III, die Charta zu annullieren, und Ende September kommt die entsprechende Bulle in England an. Stephen Langton weigert sich gegenüber dem Papst, die rebellischen Barone zu exkommunizieren und wird von ihm suspendiert.

Erst jetzt bricht der Bürgerkrieg so richtig aus, der sich bald auch als stolze Rebellion öffentlich legitimieren lässt. Die Barone laden im September den Sohn des französischen Königs ein, den englischen Thron zu übernehmen, dem im Mai 1216 eine Invasion von Teilen Südenglands gelingt. Die Rebellen halten zunächst den Norden, den Osten und London, während die Festungen von Dover unter Hubert de Burgh und von Lincoln unter Nicola de la Haye königlich bleiben.

 

Die französische Invasionstruppe ist bei den kleinen Leuten unbeliebt: Die routiers und andere schlimme Plünderer aus dem französischen Königreich stecken Dörfer in Brand,lassen auch Kirchen und Friedhöfe nicht aus, beraubten und plünderten alle Arten von Leuten aus, und zwangen sie mit den härtesten und bislang unerhörtesten körperlichen Foltern zu den allergrößten Lösegeldern. (Roger von Wendover in: Carpenter, S.23)

Andererseits hatten die rebellischen Barone König Alexander von Schottland in mehreren nordenglischen Regionen bestätigt. Dagegen marschiert nun Johann mit heimischen Rittern und flämischen Söldnern. Während er dort erfolgreich ist, verliert er zur Gänze die Kontrolle über Wales. Als er zurück in den Süden marschiert, gehen die nördlichen Gebieten wieder veloren. Im Oktober stirbt Johann an einer Infektion.

 

Heinrich III.

 

Der neunjährige Sohn, Henry III. wird sein Thronfolger, und der alte William Marshall, Herr von Chepstow, Pembroke und Leinster, wird Regent , über dem formal der päpstliche Legat Guala steht. Ludwig wird vom Papst exkommuniziert und der Krieg gegen ihn wird eine Art Kreuzzug. NIemand wagt es, ihn zu krönen.

1216 wird eine leicht revidierte Form der Magna Carta veröffentlicht. Ludwig hält die Belagerung von Dover aufrecht und schickt einen Teil der Truppen nach Norden, wo Alexander in nordenglisches Gebiet eindringt. In Lincoln werden die Franzosen und die rebellischen Barone besiegt. Vor Sandwich besiegt eine englische Flotte die französische. Im September verzichtet Ludwig/Louis auf die englische Krone.

 

Die "Charter of Liberties" wird 1217 um Bestimmungen zu den königlichen Forsten ergänzt und erhält dabei ihren vollständigen Namen. 1225 wird sie noch einmal leicht verändert und bleibt dann in dieser Form bis 1863 offiziell eine Art Grundgesetz Englands.

 

Um das Neue und Andere deutlich zu machen: Mittelalterliche Könige waren auf Zusammenarbeit angewiesen. Darum riefen sie immer wieder den Hochadel zu sich, um mit ihm zu beratschlagen. In Frankreich und Spanien kommen dazu die Standes-und Ständeversammlungen, die États Généraux und in Spanien der Cortes. In der Magna Carta aber werden Rechte für alle Freien formuliert und daraus geht in kleinen Einzelschritten ein Parlament hervor, dass schnell den Charakter einer Ständeversammlung verliert.

Dadurch entwickelt es in noch kleineren Schritten eine Kompetenz für das Gemeinwohl (Ständevertretungen vertreten Interessen ihres Standes), während sich die Kompetenz fürs Gemeinwohl auf dem Kontinent der über den Ständen thronende Monarch vorbehält. Der englische Weg wird in den Parlamentarismus führen, der kontinentale in den sogenannten "Absolutismus". Das eine ist dann der Weg der Reform, das andere am Ende der in die Revolutionen.

 

Damit trennt sich die englische "Verfassungsgeschichte" von der französischen und spanischen, die ganz andere Wege beschreiten, aber auch von der "deutschen", deren Weg in den Nationalstaat nicht im Hochmittelalter, sondern erst im neunzehnten Jahrhundert beginnt. Tatsächlich entstehen die Nationalstaaten, die eine weltweit neue und ganz einzigartige europäische Erfindung werden, erst ganz langsam: Ihre Ursprünge liegen hier in der Trennung der Territorien des nunmehr immer „englischer" werdenden immer noch französischsprachigen Königs und seines Kollegen in France, geographisch durch den schmalen Streifen Meer zwischen Nordsee und Atlantik markiert, und sie liegen in der königlichen Erfindung eines größeren Frankreich durch die Aneignung immer neuer Gebiete.

 

Der Haushalt des minderjährigen König und seine Einnahmen sind zunächst massiv reduziert. 1219 stirbt der Regent. Ein neuer päpstlicher Legat, der Justiziar Hubert de Burgh und der Bischof von Winchester Peter des Roches teilen sich die Regentschaft. Johanns Witwe kehrt ins Angoulême zurück und heiratet dann 1220 Hugh de Lusignan. 1221 kontrolliert Hubert de Burgh die Regierung alleine und versucht Königsgut militärisch gegen Barone zurück zu gewinnen.

 

1223 folgt Louis VIII auf Philippe Auguste, und er verlängert 1224 den Waffenstillstand mit der englischen Krone nicht, sondern erobert das Poitou. Dann stiftet er Hugh de Lusignan dazu an, die Gascogne zu überfallen.

1225 gewährt ein großer Rat dem König eine Fünfzehnte auf auf alle bewegliche Habe, was rund 40 000 Pfund einbringt. Eine englische Flotte kann darauf die Gascogne zurückgewinnen. Im selben Jahr versieht Henry III eine neue Version der Magna Carta mit dem königlichen Siegel. In dieser Version bleiben mehrere Artikel bis ins 19. Jahrhundert im Statute Book. Die Häufigkeit der Gerichtstage der Shires (Counties) wird fester geregelt und das Einkommen, welches Sheriffs einfordern können. Die Annektionen von königlichem Forst durch Henry II werden zurückgenommen und manche Ritter versuchen nun ganze Gegenden zu entwalden.

 

Die zunehmende königliche Bürokratie, (noch) etwas voreilig formuliert, und die zunehmende regionale und lokale königliche Gerichtsbarkeit führt zu regelmäßigerer Verschriftlichung und zu einer Zunahme der Lese- und Schreibfähigkeit, die nun besonders die Ritter erfasst, von denen eine Mehrheit wohl im Verlauf des 13. Jahrhunderts lesefähig wird.

Die Zunahme der Verwaltungs- und Justizakte führt zur Tendenz gerade im Rittertum, wenigstens einem Sohn "Schul"bildung in den artes zukommen zu lassen, wobei sich wichtige Schulen in Oxford und dann auch in Cambridge konzentrieren und schließlich eine Art universitäres Monopol für England vom König zugesprochen bekommen. Insbesondere Oxford ist dabei wie die etwas ältere Universität von Paris unter kirchlicher und dann auch franziskanischer Kontrolle.

 

Die Chancen, Regionen auf dem Kontinent zurückzugewinnen, sinken, denn der englische König hat nun nur noch höchstens ein Drittel der Einnahmen des französischen. 1226 stirbt Louis VIII und sein Sohn (Louis IX) ist erst zwölf Jahre alt und steht unter der Regentschaft seiner Mutter Blanca von Kastilien. 1229 nutzt der Herzog der Bretagne die Gelegenheit, sich in die Vasallität des englischen Königs zu begeben, allerdings gegen die Zahlung erheblicher Summen.

Zwischen den Großen kommt es zu Konflikten. Hubert de Burgh installiert seinen Neffen Richard in Connacht, William Mashal wendet sich dagegen. Der Bischof von Winchester, Peter de Roches, kehrt 1231 von einem Kreuzzug zurück und wirft Hubert den Ruin der Krone vor und die Duldung italienischer Prälaten, die der Papst auf englische Bischofsstühle setzt und gegen die es zu Unruhen kommt. Es gelingt ihm schließlich, die Absetzung Huberts zu erreichen, der ohne Prozess im Londoner Tower einsitzt und alle seine Erwerbungen abgeben muss.

 

1232 gewährt eine große Versammlung dem König eine Steuer von einer Vierzigsten auf bewegliche Güter, und zwar ausnahmsweise ohne Gegenforderungen der Großen.  Damit können Peter von der Bretagne und königliche Verbündete im Poitou weiter finanziert werden. Aber 1233 kämpfen Barone in einer Art Bürgerkrieg gegen Peter de Roches Regiment, in dem immer mehr Franzosen auftauchen. Gegen die Bestimmungen der Magna Carta werden Barone enteignet. Die Forderung wird immer lauter, der König solle ausländische Berater entlassen und einheimischen vertrauen (Annalen von Margam). Peter de Roches ignoriert weiter Bestimmungen der Magna Carta, um die Königsmacht zu stärken. Gegen William Marshal wird nun gekämpft, und der verbünmdet sich mit Llewelyn von Gwynedd.

 

1234 greift der Papst ein und setzt Edmund of Abingdon als Erzbischof von Canterbury ein. Kurz darauf verlässt Peter de Roches den Hof. Auf einer Versammlung in Gloucester bekennt der König sich schuldig, über Baronien ohne  den Rat der Peers verfügt zu haben und nimmt Maßnahmen von Peter de Roches zurück.

Aber der König verfügt nicht über Möglichkeiten, in der Bretagne einzugreifen. Nachdem er in vier Jahren über 13 000 Pfund in Herzog Peter investiert hat, muss er zusehen, wie der sich König Louis unterwirft. In Wales und Irland führen sich die großen Barone wie Könige in ihren Reichen auf. Aber Llewelyn von Gwynedd ("dem Großen") gelingt es dabei, sich über die einheimischen Großen aufzuschwingen und den Sohn Davyd aus der Ehe mit einer illegitimen Tochter von König Johann als seinen Nachfolger durchzusetzen.

Gegenüber Schottland und König Alexander immerhin gelingt es, die Northern Territories zurückzugewinnen.

 

Ab 1234 kontrolliert Henry III seinen Hof selbst. Er macht den jüngsten Sohn des Eroberers der Katharerregion, auch ein Simon de Montfort zu seinem Berater und zum Eral of Leicester und gibt ihm seine Schwester Eleanor zur Frau. 1235 verheiratet er seine Schwester Isabella mit Kaiser Friedrich II. 1236 heiratet Henry selbst eine Tochter des Grafen von Provence, eine Eleonore, deren ältere Schwester bereits mit Louis IX. verheiratet ist. Mit ihr kommen zunehmend mehr Verwandte des Hauses Savoyen an den Hof und in hohe (auch kirchliche) Ämter. Sie begingen mit der Lusignan-Partei am Hof zu konkurrieren. Am Ende haben 28 Savoyarden Land in England bekommein, aber nur 8 Lusignans.

 

1241 marschiert Henry III in Wales ein, um die Macht von Dafydd zu brechen, der sich Prince of Wales nennt, und bekommt dabei viel Unterstützung durch walisische Große. Dafydd unterwirft sich, aber seine Macht wird nicht gebrochen. In den Marken herrschen weiter große anglonormannische Lords, die Justiz und Verwaltung fast wie Könige ganz in ihrer Hand haben.

 

1242 scheitert ein Versuch, von der Gascogne aus das Poitou zurückzugewinnen. Der Versuch von Montfort, die geringen herzoglichen Machtvollkommenheiten in der Gascogne auszubauen, führt zu Widerstand, so dass Henry III 1153 selbst erfolgreich dorthin segelt. Dann verheiratet er Sohn Edward mit der Halbschwester von Alfons X von Kastilien. Das Gascogne-Unternehmen erschöpft allerdings seine finanziellen Mittel.

Nun bietet ihm der Papst die Sizilien an, was Henry für seinen zweiten Sohn Edmund annimmt, und was entweder zum Stellen von Truppen oder ersatzweise  von Geld führen soll. Zunächst erwartet der Papst 90 000 Pfund, die er behauptet schon ausgegeben zu haben. 1257 lässt Henrys Bruder Richard von Cornwall mit Hilfe von viel Geld zum römischen König wählen. Um für diese Umorientierung den Rücken frei zu bekommen, verzichtet Henry Ende 1159 im Frieden von Paris auf die Normandie, Anjou und Poitou und nimmt die Gascogne als Lehen vom französischen König.

Über den minderjährigen König Alexander von Schottland hält Henry III in dieser Zeit, der zweiten Hälfte der 50er Jahre, seine schützende Hand.

 

 

Die Kosten der königlichen Hofhaltung vervielfachen sich unter Henry II. Ca. 2000 Pfund im Jahr gehen für den Neubau von Westminster Abbey drauf. Kirche und Barone werden stärker belastet und die Juden werden praktisch ausgeplündert und stärker als zuvor unterdrückt, was dazu führt, dass ihre Kredite zunehmend auch für die Gentry an den König übergehen. Die Sheriffs und die Forest Laws pressen zunehmend wieder mehr Geld aus den Leuten, die sich zudem darüber beklagen, nicht mehr über die königliche Gerichtsbarkeit an "ihr" Recht zu kommen. In dieser Zeit kommen auch die Geschichten über den kleinen Freeman Robin Hood und den bösen Sheriff von Nottingham auf.

 

In dieser Zeit nimmt auch Fremdenfeindlichkeit zu. In der Chronik der Abtei von Osney heißt es über den König: Er liebt Fremde mehr als alle Engländer (in: Carpenter, S.354). Ähnlich äußert sich Matthew Paris. Die Abneigung konzentriert sich auf die Lusignans, und ihr schließen sich die Savoyarden schnell an. Es kommt die Forderung auf, das nur in England geborene Leute Burgen kontrollieren und englische Frauen heiraten sollten.

 

Das gute Einvernehmen zwischen Päpsten und englischen Königen erlaubt es den ersteren, viele Verwandte und Klienten italienischer Herkunft in englischen Kathedralen, überhaupt Kirchen und kirchlichen Einrichtungen unterzubringen. Dort sind sie dann entweder gar nicht anwesend, sondern kassieren nur die Einkünfte, oder wenn doch, sprechen sie nicht einmal englisch. Es kommt zu Angriffen von Rittern auf sie. Auf dem Konzil von Lyon 1245 beschweren sich englische Vertreter darüber (to no avail).

Aber die heimische Kirche selbst stößt auf Kritik: Immer noch mehr oder weniger von den weltlichen Herren eingesetzt, fehlt es den rectors oft an religiösen Kenntnissen, ihr weltlicher Lebenswandel wird von zum Teil ritterliches Niveau erreichenden Einkünften aus Kirchenland (glebe) und dem Zehnten (tithe) genährt, und immer noch vererben verheiratete Priester ihr Amt. Bei ihrer Klientel und gegen materielle Gegenleistung dispensieren Päpste wie auf dem Kontinent Priester von der Anwesenheitspflicht in ihrer Gemeinde, die darauf schlecht bezahlte Vikare einsetzen, oder aber erlauben ihnen sogar die Verfügung über mehrere Gemeinden, auch das manchmal bei fehlender Anwesenheit.

 

Das Wort "Parlament" taucht 1237 zum ersten Mal in offiziellen Dokumenten auf, und es wird noch einige Jahrhunderte dauern, bis es eine feste und durchgeformte Einrichtung ist. Das „Parler“ des „Parlement“ meint, dass hier geredet, höchstens mit Worten gestritten und nicht anders gekämpft wird. Deshalb wird das Waffentragen bei Sitzungen verboten, und im Umkehrschluss wird die Immunität der Mitglieder festgeschrieben: Sie dürfen während der Sitzungsperiode nicht verhaftet werden.

Bedeutung erhalten die Parlamente dadurch, dass sie jenseits feudaler Abgaben allgemeine Steuern auf mobiles Eigentum beschließen müssen. Solche beantragt Henry III zwischen 1232 und 1257 auf rund 14 solcher Versammlungen und ist dabei nur zweimal erfolgreich.

1244 wird, zunächst vergebens, gefordert, das das Parlament die vier engsten Mitarbeiter des Königs, darunter Justiziar, Kanzler und Hüter des Schatzes, wählen und abwählen soll. Diese Forderung bleibt dann bis 1258 bestehen.

Den großen Rat der Barone gab es schon im 12. Jahrhundert, 1254 werden dann die County Courts aufgefordert, jeweils zwei Ritter zu entsenden, und von nun an sind sie an allen Parlamenten beteiligt, die Steuern zu beschließen haben. Zur selben Zeit werden auch Vertreter des niederen Klerus eingeladen.

 

1257 kommt es zu einer Missernte, was dazu führt, dass immer mehr Hungernde nach London strömen, was dort die Atmosphäre hochkochen lässt. Den zündenden Funken liefert dann der Überfall einer kleinen bewaffneten Gruppe des Bischofs von Winchester auf den Magnaten John fitz Geoffrey, bei dem einer seiner Männer getötet wird. Noch im selben Monat April wird das Parlament eröffnet, welches die Steuer beschließen soll, mit der Henry den Papst bezahlen kann. Der droht inzwischen dem König mit Exkommunikation und dem Königreich mit dem Interdikt.

Henry stellt sich auf die Seite des Bischofs Aylmer von Westminster. Konflikte um das vom König vernachlässigte Wales werden von den Magnaten in London nun ausgetragen. Am 30. April marschiert eine Gruppe von Magnaten in die Königshalle von Westminster und presst dem König das Zugeständnis ab, das ein Rat aus halb seinen und halb den Männern der Barone Reformen angehen solle.

 

Im Juni 1258 tritt ein neues Parlament in Oxford zusammen. Beide Seiten ziehen Truppen zusammen und die Rebellen besetzen königliche Burgen. Ein neuer königlicher Rat wird gebildet, in dem die Rebellen um Simon de Montfort und die Erals von Gloucester und Norfolk die Mehrheit haben. In seinen Händen soll praktisch die Regierung liegen, und er soll das königliche Siegel kontrollieren und die Ausstellung aller writs des Königs.

 

Die auf Königsseite verbliebenen Lusignans fliehen, werden von den Baronen verfolgt und aus dem Land vertrieben. Bis 1259 werden von den Rebellen unter Montfort (Sohn des Katharerbekämpfers) die sogenannten Provisionen von Oxford aufgestellt. Hugh Bigod, Bruder des Earl of Norfolk, wird Justiziar und beginnt Beschwerden über Willkür zu untersuchen. Dazu gehören auch Gruppen von jeweils vier Rittern, die jeweils in den Counties Ähnliches untersuchen. Sheriffs sollen nur noch für ein Jahr eingesetzt werden und eine Art Salär erhalten. Das Parlament soll nun regelmäßig dreimal im Jahr zusammentreten.

 

Im Zuge dieser Reformen wird häufiger, von franziskanischen Gelehrten (Grosseteste in Lincoln und Marsh in Oxford) unterstützt, von Gemeinwohl gesprochen und einer Kommunität des ganzen Reiches. Dabei wird auch schärfer zwischen Tyrannis und "gerechter Herrschaft" unterschieden.

 

1259 ist Henry in Paris, während Montfort in England die Regierung führt. Von dort aus verbietet er dem Parlament, sich ohne ihn im Februar 1260 zu versammeln. Im Oktober setzt das Parlament den von Montfort zu unabhängigen Hugh Bigod ab und Hugh Despencer als Justiziar ein.

Es kommt zu Konflikten unter den Baronen und der König kann wieder die Kontrolle über seine Kanzlei herstellen. Er hat Geld von Louis IX aus dem Frieden von Paris, mit dem er Söldner bezahlen kann, wird von Richard von Cornwall unterstützt, der aus deutschen Landen zurückgekehrt ist..Juni 1260 kann er eine Bulle von Papst Alexander IV vorweisen, die die Provisionen verdammt. Er entlässt Hugh Despnecer vom Tower of London aus, wo er nun residiert, und beginnt die Reform-Sheriffs zu entlassen. Sein Argument ist nun, dass es sich bei der Rebellion nur um die Interessen der Barone gehandelt habe. Simon de Montfort flieht nach Frankreich.

 

Edward, längst auf die Seite des Königs zurückgekehrt, bricht nun mit seiner eigenen Anhängerschaft, die sich darauf zur Verteidigung ihrer Reichtümer gegen ihn zusammenschließt. Sie rufen Montfort 1263 zurück und es gelingt den Rebellen erneut, dem König im Tower im Juli 1263 die Provisionen aufzuzwingen. Inzwischen nutzt Montfort zunehmend die Ausländerfeindlichkeit in England, wendet sich gegen die Savoyarden und die Besitzungen der Königin, gegen italienische Kleriker in England und gegen ausländisches Finanzkapital. Am 16. Juli muss der König ein Gesetz unterschreiben,welches Ämter in England mit geringen Ausnahmen für Engländer reserviert und Ausländer ausweist.

 

England ist in zwei eben auch militärische Lager gespalten. Man ruft das Urteil von Louis IX. an, und der entscheidet sich im Januar 1264 gegen die Provisionen. Mai 1264 besiegt eine Rebellenarmee bei Lewes ein königliches Heer. Henry III, Edward und Richard of Cornwall werden gefangen genommen. De facto regiert jetzt wieder Montfort. Königin Eleanor war nach dem Frieden von Paris in Frankreich geblieben und versammelt nun mit König Louis Unterstützung ein Heer in Flandern, während ein päpstlicher Legat Montfort und seine Anhänger exkommuniziert.

 

Montfort bekommt zunehmend Unterstützung aus den Städten, insbesondere von London, wo 1263 die Macht der Aldermen gebrochen und eine breitere Versammlung der Bürger (folkmoot) eingesetzt wird. Mehr Zünfte werden erlaubt und der neue Bürgermeister (mayor) Thomas fitz Thomas erklärt, man werde den König nur bei Wohlverhalten unterstützen. In den Städten bricht auch wieder Gewalt gegen die Juden aus. 1265 nun lädt Montfort auch Vertreter der Städte (burgesses) in das Parlament ein.

 

Henry und Edward sind praktisch Gefangene von Montfort, der sich nun das vom König kontrollierte Cheshire aneignet. Die zunehmende Macht des neuen de-facto-Königs führt zum Abfall mächtiger Barone von ihm. Edward kann aus der Haft entkommen, sammelt ein Heer und besiegt Montfort bei Evesham im August 1265. Er und viele seiner Anhänger werden getötet.1265 kehrt auch Henry Gemahlin, Eleanor von Provence, nach England zurück.

Einzelne Kampfhandlungen dauern bis Ende 1266. Die Rebellen werden enteignet, können aber bald gegen hohe Summen ihre Güter zurückkaufen. Der "Schrein" von Montfort in Evesham Abbey wird bald zu einer Art Wallfahrtsort der Rebellenfreunde.

 

In einem Parlament gelingt es, mit viel Mühe eine Steuer für Edwards Kreuzzug durchzusetzen. Oktober 1269 überführt Henry III den Körper von Edward dem Bekenner in seinen Schrein in Westminster Abbey. Die internationale Gotik mit ihrem Baumeister aus Reims und Kunsthandwerkern aus Italien hält in England triumphalen Eintritt.

 

Zwischen 1258 und 1267 gelingt es Llewelyn ap Gruffud, nach der Ausschaltung seiner Brüder Gwynedd zu einen und dann über die Nachbarn herzufallen. An 1258 nennt er sich Pinz von Wales und schreibt dem Papst, dass alle walisischen Barone nur ihm Mannschaft zu leisten haben und nur er dem englischen König (Carpenter, S.384). Für Montforts Schlacht von Evesham liefert er ein großes Kontingent von Fußsoldaten. Ihm selbst schadet die Niederlage dann nicht. September 1267 erkennt Henry III seine Macht über Wales gegen die Zahlung von über 16 000 Pfund an.

König Alexander III von Schottland andererseits schickt Henry III Hilfstruppen für die Schlacht bei Lewes und verzichtet dann während der königlichen Schwächeperiode darauf, sich wieder die englischen Nordregionen einzuverleiben. Stattdessen erobert er von den Norwegern die Isle of Man und die Inseln westlich von Schottland. König Hakon verbleiben nur noch die Orkneys und die Hebriden. Damit beginnt die Zerstörung der keltischen Kulturen durch die anglonormannisch zivilisierten Schotten auch dort.

In Irland gelingt es in dieser Zeit den heimischen Herrschern, wieder Boden zu gewinnen. Ulster und Connacht geraten 1263 unter die de Burghs. Die schicken Truppen für Edward in die Schlacht von Evesham. Aber die königliche Oberhoheit in Irland ist massiv geschwächt.